{"id":119034,"date":"2013-04-01T12:00:00","date_gmt":"2013-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/04\/plaz-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:00","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:00","slug":"plaz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/04\/plaz\/","title":{"rendered":"Zukunft der Schweizer Ferientourismuswirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die Rahmenbedingungen f\u00fcr den Schweizer Ferientourismus haben sich seit den 1980er Jahren verschlechtert. Der Sektor muss neue Antworten finden, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu st\u00e4rken. Trotz schwierigen Umst\u00e4nden sprechen verschiedene Faktoren daf\u00fcr, dass es der Schweizer Ferientourismuswirtschaft gelingen wird, sich anzupassen und auch weiterhin das wirtschaftliche R\u00fcckgrat des Berggebietes zu bilden. Es wird aber auch Orte geben, welche in die touristische Bedeutungslosigkeit abrutschen werden. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201304_06_Plaz_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"238\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Ein Blick zur\u00fcck<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch wenn man sich intensiv mit Fragen der Tourismusentwicklung auseinandersetzt, bleibt es schwierig, die Zukunft dieses Sektors zu prognostizieren. Weil Ver\u00e4nderungen im Tourismus nur schleichend stattfinden, werden sie auch kaum wahrgenommen. Um sie zu beschreiben, muss man also lange Beobachtungszeitr\u00e4ume anwenden.Im Folgenden werden deshalb die wesentlichen Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte \u2013 ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit \u2013 identifiziert (siehe <i>Tabelle 1<\/i> ) und anschliessend daraus m\u00f6gliche Entwicklungen fu\u0308r die Zukunft abgeleitet.&#13;<\/p>\n<h2>Wegfall des Distanzschutzes<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit den 1980er-Jahren wurden insbesondere die Kosten f\u00fcr Flugreisen kontinuierlich reduziert. Treiber daf\u00fcr waren die st\u00e4ndigen Effizienzsteigerungen von Flugzeugen und Fluginfrastruktur sowie die Liberalisierung der Flugm\u00e4rkte in den 1990er-Jahren. Die starke Reduktion der Flugkosten hat dazu gef\u00fchrt, dass f\u00fcr Ferienaufenthalte der Flugpreis nur noch einen kleinen Teil des Gesamtbudgets beansprucht und somit bei Aufenthalten von einer Woche und mehr kaum noch eine Rolle spielt. Die Folge davon ist, dass den Konsumenten aus den traditionellen M\u00e4rkten des Alpenraums das gesamte globale Ferienangebot zur Verf\u00fcgung steht. Die Hochlohnl\u00e4nder des Alpenraums stehen heute direkt im Preiswettbewerb zu den Tieflohnl\u00e4ndern im globalen S\u00fcden. Die Schneesportferien, das st\u00e4rkste Produkt des Alpenraums, sind somit nicht nur dem Preiswettbewerb ausgesetzt, sondern haben auch Konkurrenz in Form von Substitutionsprodukten \u2013 wie Badeferien und Entdeckungsreisen \u2013 erhalten.&#13;<\/p>\n<h2>Verlust von Marktanteilen und Reduktion der Aufenthaltsdauer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund der relativen Verteuerung der Produkte ist die Schweiz insbesondere in den Hauptprodukten (Winter- und Sommerferien) stark unter Druck geraten. Statistiken zeigen, dass seit den 1990er-Jahren vor allem den G\u00e4sten aus Westeuropa weniger Ferienwochen verkauft werden k\u00f6nnen. Dies gilt sowohl f\u00fcr die Winter- wie f\u00fcr die Sommersaison. Der Wegfall des Feriengesch\u00e4ftes mit den G\u00e4sten aus Westeuropa wurde teilweise kompensiert, indem vermehrt Kurzaufenthalte aus den Nahm\u00e4rkten generiert werden. Dies ist m\u00f6glich, weil der Distanzschutz bei den Kurzaufenthalten st\u00e4rker vorhanden ist \u2013 in Form von einer k\u00fcrzeren Reisezeit \u2013 und damit der internationale Preiswettbewerb weniger wichtig ist. Als Folge davon hat sich der Ferientourismus st\u00e4rker auf das Kurzaufenthalts- und Wochenendgesch\u00e4ft aus der Schweiz ausgerichtet. Dies hat zu einer Verringerung der Aufenthaltsdauer gef\u00fchrt, w\u00e4hrend sich die Nachfragespitzen und Ank\u00fcnfte erh\u00f6ht haben (siehe <i>Grafik 1<\/i> und <i>Grafik 2<\/i>). Zudem gilt der Aufenthalt in den Bergen heute eher als Zweit-, Dritt- oder Viertreise. Gleichzeitig sind jedoch auch neue M\u00e4rkte f\u00fcr die Schweiz bearbeitbar geworden. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf den aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien. Die Erfahrung hat gezeigt, dass aus den Fernm\u00e4rkten kaum neue Wochenferieng\u00e4ste gewonnen werden k\u00f6nnen. Es handelt sich hier prim\u00e4r um G\u00e4ste, welche die Schweiz als Teil der Europareise besuchen. Von diesem Gesch\u00e4ft k\u00f6nnen entsprechend prim\u00e4r einige wenige Orte profitieren, welche gut in die europ\u00e4ische Rundreise eingef\u00fcgt werden k\u00f6nnen. Aus den aufkommenden M\u00e4rkten Mitteleuropas besteht zwar eine Nachfrage nach Wintersportferien; diese M\u00e4rkte sind jedoch sehr preissensitiv, wodurch die Schweizer Anbieter einen schweren Stand haben.&#13;<\/p>\n<h2>Mehr Abh\u00e4ngigkeit vom Wechselkurs<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDurch die Einf\u00fchrung des Euro in den 1990er-Jahren wurde nahezu die gesamte Nachfrage der Schweizer Ferientourismuswirtschaft in zwei M\u00e4rkte eingeteilt: Auf der einen Seite steht die Schweiz mit dem starken Franken; auf der anderen Seite befindet sich fast das ganze restliche Europa mit einem Euro, der einmal zur St\u00e4rke und einmal zur Schw\u00e4che neigt. Vor der Einf\u00fchrung des Euro verf\u00fcgte Europa \u00fcber mehrere wichtige W\u00e4hrungen, die nicht die gleichen Eigenschaften besassen und sich nicht zwingend im Gleichschritt bewegten. Insbesondere der Hauptmarkt Deutschland verf\u00fcgte \u00fcber eine relativ starke W\u00e4hrung. W\u00e4hrungsschwankungen konnten sich deshalb zum Teil gegenseitig f\u00fcr die Schweiz ausgleichen. F\u00fcr die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Schweizer Tourismus in den Hauptm\u00e4rkten spielt nun der CHF\/EUR-Wechselkurs die alles entscheidende Rolle. Die Statistiken zeigen denn auch, dass es der Schweizer Ferientourismuswirtschaft in den Jahren mit einem Wechselkurs von 1,60 und mehr gelungen ist, Marktanteile in Westeuropa zur\u00fcckzugewinnen (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Diese gingen aber in den letzten Jahren parallel zur Abschw\u00e4chung des Euro wieder vollst\u00e4ndig verloren.&#13;<\/p>\n<h2>Zweitwohnungsboom und Abnehmende Vermietungsbereitschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZum Tourismus geh\u00f6rt auch das Gesch\u00e4ft mit Ferienimmobilien. Hier hat die Schweiz in den letzten 10\u201315 Jahren einen Boom erlebt. Der Bau von Ferienwohnungen ist ebenfalls ein Ausdruck davon, dass man Kurzaufenthalte in den Alpen absolvieren m\u00f6chte. Verbunden mit einer guten Wohlstandsentwicklung in der Schweiz und tiefen Kapitalzinsen hat dies dazu gef\u00fchrt, dass die Nachfrage nach Zweitwohnungen \u00fcber Jahre stark blieb und gute Gewinne f\u00fcr die entsprechenden Anbieter erzielt werden konnten. Parallel zum Boom beim Bau von neuen Ferienwohnungen hat die Bereitschaft zur Vermietung derselben abgenommen. Einerseits haben es die Ferienwohnungsbesitzer finanziell nicht mehr n\u00f6tig, ihre Wohnungen Dritten zur Verf\u00fcgung zu stellen. Zudem werden die meisten Ferienwohnungen jeweils an Wochenenden genutzt, was eine Vermietung erschwert bzw. fast verunm\u00f6glicht. Als Resultat daraus stehen insbesondere in den Zweitwohnungsdestinationen in der Hochsaison wesentlich weniger kosteng\u00fcnstige Angebote zur Verf\u00fcgung, um das Familienprodukt \u00abSkiferien in Ferienwohnungen\u00bb zu verkaufen. Dies f\u00fchrte an vielen Orten dazu, dass sogar in den Hochsaisonwochen die Werktage schlechter frequentiert werden.&#13;<\/p>\n<h2>Konstante Skifahrertage und Probleme bei der Nachwuchsgenerierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Bergbahnen sind ebenfalls negativ vom Wegfall der traditionellen Winterferien aus Westeuropa betroffen. Im Gegensatz \u2028zur Beherbergungswirtschaft konnten sie diesen Wegfall teilweise mit Tagesg\u00e4sten kompensieren. Zudem profitieren die Bergbahnen auch von den \u00abZweitwohnern\u00bb, welche marketingtechnisch eher wie Tagesg\u00e4ste reagieren. F\u00fcr die Bergbahnen haben sich als Konsequenz die Nachfragespitzen am Wochenende akzentuiert. Die Schw\u00e4chung des Wochenferiengesch\u00e4ftes hat dazu gef\u00fchrt, dass die Bahnen an Werktagen bei weitem nicht ausgelastet sind und somit Deckungsbeitr\u00e4ge verloren gehen. Im Unterschied zur Beherbergungswirtschaft, die stark dem internationalen Preiswettbewerb ausgesetzt ist, k\u00f6nnen die Bergbahnen aber eher Preiserh\u00f6hungen durchsetzen, da ein grosser Teil der Nachfrage vor Ort ist oder aufgrund des &shy;Distanzschutzes (f\u00fcr Kurzaufenthalte) auch bei Preiserh\u00f6hungen kaum abwandert. Eine Herausforderung, mit der die Bergbahnen zu k\u00e4mpfen haben, ist die Generierung des Nachwuchses im Schneesport: In den letzten Jahren stammten Kinder in Westeuropa &shy;generell eher aus denjenigen Bev\u00f6lkerungssegmenten, die nicht \u00abschneesportaffin\u00bb sind (Einwanderer aus dem S\u00fcden). In der Schweiz f\u00fchren die Schulen immer weniger Skilager durch. Zudem ist weltweit auch im Winter st\u00e4ndig ein Ersatzangebot zum Skifahren verf\u00fcgbar.&#13;<\/p>\n<h2>Nachwehen der Immobilienkrise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den 1990er-Jahren hat die Schweiz eine ausgepr\u00e4gte Immobilienkrise erlebt, die durch starke Hypothekarzinserh\u00f6hungen ausgel\u00f6st worden war. Bis dahin wurden viele Tourismusunternehmen eher auf Basis von Substanzwerten finanziert; bei der Finanzierung ging man grunds\u00e4tzlich von intakten Wachstumsaussichten f\u00fcr den Tourismus aus. Das Zusammenspiel von hohen Zinsen in den 1990er-Jahren mit den einschneidenden Ver\u00e4nderungen auf der Nachfrageseite haben dazu gef\u00fchrt, dass die Finanzierung heute prim\u00e4r auf Ertragswerten basiert und gleichzeitig in den Businesspl\u00e4nen keine \u00abWachstumseuphorie\u00bb akzeptiert wird. Die Finanzierung f\u00fcr Tourismusprojekte wurde in der Folge deutlich erschwert. Konsequenz daraus ist eine verlangsamte Produktentwicklung im schweizerischen Ferientourismus.&#13;<\/p>\n<h2>Fehlende Handlungsf\u00e4higkeit der Unternehmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Tourismus hat seit den 1960er-Jahren bis in die 1980er-Jahre hinein von einem guten wirtschaftlichen Umfeld profitiert. Die G\u00e4ste kamen auch ohne wesentliche Marketinganstrengungen. Das hat dazu gef\u00fchrt, dass viele Tourismusbetriebe entstanden sind, die zwar die bestehende Nachfrage \u00ababarbeiten\u00bb konnten, aber nicht wirklich in der Lage waren, eigenst\u00e4ndig neue G\u00e4ste zu akquirieren. Mit der Ver\u00e4nderung des wirtschaftlichen Umfelds in den 1990er-Jahren wurde es immer wichtiger, selber am Markt aktiv zu werden und G\u00e4ste f\u00fcr das eigene Produkt zu begeistern. Nur ein kleiner Teil der Tourismusbetriebe verf\u00fcgte jedoch \u00fcber die Gr\u00f6ssen- und Angebotsstrukturen, welche eine proaktive Handlung erm\u00f6glichten. Als Folge davon sehen wir eine hohe Disparit\u00e4t zwischen den handlungsf\u00e4higen Betrieben, welche Auslastungen von 60% und mehr erreichen, und den wenig handlungsf\u00e4higen Betrieben mit Auslastungen von 25%-35%, welche vom (immer seltener vorhandenen) \u00dcberfluss in der H\u00f6chstsaison leben m\u00fcssen.&#13;<\/p>\n<h2>Wettbewerb um Arbeitskr\u00e4fte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Globalisierung haben sich die Rahmenbedingungen f\u00fcr das Ferientourismusgesch\u00e4ft in der Schweiz verschlechtert. Gleichzeitig hat die Schweiz mit der Pharma- oder der Finanzindustrie Globalisierungsgewinner vorzuweisen. In Kombination f\u00fchren diese beiden Entwicklungen dazu, dass die steigenden L\u00f6hne in den Gewinnerbranchen eine hohe Sogwirkung auf die Arbeitskr\u00e4fte entfalten, welche die Tourismuswirtschaft zwingt, bei den L\u00f6hnen nachzuziehen. Dies wiederum erh\u00f6ht die Kostennachteile gegen\u00fcber dem Ausland.&#13;<\/p>\n<h2>Thesen f\u00fcr die Zukunft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Frage stellt sich nun, was wir aus diesem kleinen R\u00fcckblick f\u00fcr die Entwicklung der Ferientourismuswirtschaft in den n\u00e4chsten 10\u201320 Jahren ableiten k\u00f6nnen. Gelten die erkannten Trends auch f\u00fcr die Zukunft? Sind neue entscheidende Trends erkennbar?&#13;<\/p>\n<h2>Was bleibt vermutlich gleich?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie heute bestehende Marginalisierung der <i>Transportkosten<\/i> d\u00fcrfte auch f\u00fcr die Zukunft gelten. Zwar k\u00f6nnten nach dem Zeitalter des \u00d6ls die Transportkosten wieder ansteigen, was die globalen Wirtschaftsfl\u00fcsse ver\u00e4ndern w\u00fcrde. Allerdings ist davon auszugehen, dass Ersatzprodukte f\u00fcr \u00d6l gefunden werden und die Transportkosten f\u00fcr die n\u00e4chsten 10\u201320 Jahre tief bleiben.Ob die Schweizer Tourismuswirtschaft wieder <i>Marktanteile in den Kernl\u00e4ndern<\/i> Westeuropas zur\u00fcckgewinnen kann, wird haupts\u00e4chlich von der <i>Wechselkursrelation<\/i> abh\u00e4ngen. Aus heutiger Sicht ist schwer vorstellbar, dass der CHF\/EUR-Wechselkurs wieder auf 1,68 steigen wird. Wenn die Krise in Europa jedoch bew\u00e4ltigt wird, spricht nichts dagegen, dass sich die Wechselkursrelation deutlich verbessern wird. Denkbar ist aber auch ein Verharren des Wechselkurses auf dem heutigen Niveau. Ich neige zur Annahme, dass eine Erh\u00f6hung des EUR-Wertes gegen\u00fcber dem Franken wahrscheinlicher ist. Zudem gehe ich davon aus, dass die Integration der Schweiz in den europ\u00e4ischen Binnenmarkt tendenziell zunehmen wird und sich damit auch die Kosten der Schweiz tendenziell den Kernl\u00e4ndern der EU angleichen werden.Die tiefe <i>Aufenthaltsdauer<\/i> ist Ausdruck davon, dass die Hotellerie stark auf Kurzaufenthalte aus den Nahm\u00e4rkten und auf durchreisende Touristen ausgerichtet ist. Wenn sich der Wechselkurs verbessert, ist gut denkbar, dass auch die Aufenthaltsdauer sich leicht erholen kann, da wieder vermehrt eins- und zweiw\u00f6chige Ferien an G\u00e4ste aus Europa verkauft werden k\u00f6nnen. Tendenziell d\u00fcrfte jedoch die Aufenthaltsdauer eher tief bleiben, da aufgrund des Wachstums in den \u00dcberseem\u00e4rkten und der Nachfrage f\u00fcr Kurzaufenthalte auch mehr Kurzaufenthalte verkauft werden d\u00fcrften.Immer wieder wird diskutiert, dass der Wintertourismus mit dem <i>Klimawandel<\/i> an Bedeutung verlieren wird. Es ist schwer einzusch\u00e4tzen, wie sich der Klimawandel langfristig im Schweizer Alpenraum auswirken wird. Auf 10\u201320 Jahre betrachtet tendiere ich dazu, diesen Effekt zu vernachl\u00e4ssigen.Der <i>Wettbewerb um Arbeitskr\u00e4fte<\/i> d\u00fcrfte sich wohl kaum entsch\u00e4rfen. Von daher wird die Tourismuswirtschaft auch weiterhin stark gefordert sein, die Stundenproduktivit\u00e4t \u2013 und damit den Handlungsspielraum f\u00fcr die Erh\u00f6hung der L\u00f6hne \u2013 zu verbessern.&#13;<\/p>\n<h2>Was wird sich vermutlich \u00e4ndern?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBez\u00fcglich der <i>Nachfrage nach Ferien- und Kurzaufenthalten<\/i> in den Alpen gehe ich von wesentlichen Verschiebungen aus: Insgesamt wird in den Volkswirtschaften Europas mehr Zeit f\u00fcr Freizeitaktivit\u00e4ten verf\u00fcgbar sein. Betrachtet man die langfristige Entwicklung der verf\u00fcgbaren Freizeit, ist ein Megatrend zu immer mehr Freizeit zu erkennen. Es ist gut m\u00f6glich, dass die arbeitende Bev\u00f6lkerung in 10\u201320 Jahren im Schnitt \u00fcber eine Woche mehr Ferien verf\u00fcgen wird. Mit der demografischen Alterung wird zudem der Anteil der pensionierten Bev\u00f6lkerung zunehmen, welche \u00fcber wesentlich mehr touristisch nutzbare Freizeit verf\u00fcgen. Von der Ausdehnung der Freizeit wird die Freizeit- und Tourismuswirtschaft generell profitieren. F\u00fcr die Schweizer Ferientourismuswirtschaft ergeben sich daraus folgende Wachstumspotenziale:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Aus den Nah- und Kernm\u00e4rkten der Schweiz kann ein Wachstum bei Kurzaufenthalten f\u00fcr Bergsport, Genuss- und Kulturreisen erwartet werden. Insbesondere wird die Nachfrage aus der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Kultur- und Genusskurzaufenthalte weiter steigen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Aus den aufstrebenden L\u00e4ndern Europas werden vermehrt Schneesportferien nachgefragt.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Aus den \u00dcberseem\u00e4rkten steigt die Nachfrage nach Touring oder Sightseeing in Europa an.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie <i>Preissensitivit\u00e4t<\/i> d\u00fcrfte bei den Ferien deutlich gr\u00f6sser sein als bei den Kurzaufenthalten, wo der Alpenraum prim\u00e4r im Wettbewerb mit eher teuren St\u00e4dtereisen steht. F\u00fcr die Ferientourismuswirtschaft geht es darum, sich optimal auf einen oder mehrere dieser Trends einzustellen. Eine wesentliche Herausforderung wird darin bestehen, im Alpenraum <i>Kulturprodukte<\/i> anbieten und verkaufen zu k\u00f6nnen, die mit dem Kulturangebot in den St\u00e4dten mithalten k\u00f6nnen.Mit der Annahme der <i>Zweitwohnungsinitiative<\/i> ist davon auszugehen, dass das Wachstum im Zweitwohnungsgesch\u00e4ft wesentlich eingeschr\u00e4nkt wird. Trotzdem wird es auch k\u00fcnftig eine Nachfrage nach Zweitwohnungen geben. Diese wird tendenziell dazu f\u00fchren, dass die Preise der bestehenden (eingeschr\u00e4nkten) Zweitwohnungen weiter steigen und noch weniger Zweitwohnungen vermietet werden. Ob diese Beschr\u00e4nkung der Zweitwohnungen gleichzeitig dazu f\u00fchrt, dass die Hotellerie profitiert, wage ich zu bezweifeln. Die Tourismusorte werden stark gefordert sein, sich neu auszurichten.Die absehbaren Entwicklungen fordern von den <i>Tourismusunternehmen<\/i> insgesamt eine hohe Flexibilit\u00e4t und die F\u00e4higkeit, verschiedene G\u00e4ste aus verschiedenen M\u00e4rkten anzusprechen und zu bedienen. Dies setzt voraus, dass die Tourismusunternehmen so strukturiert sind, dass sie handlungsf\u00e4hig werden. Ich gehe davon aus, dass kleinere, wenig handlungsf\u00e4hige Hotels aufgegeben werden und der Wegfall dieser Zimmerkapazit\u00e4ten teilweise durch die gr\u00f6sseren export- und handlungsf\u00e4higen Hotels kompensiert wird. Wenig handlungsf\u00e4hige Bergbahnen d\u00fcrften tendenziell von der \u00f6ffentlichen Hand \u00fcbernommen und danach als \u00abService public\u00bb gef\u00fchrt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Tourismusnachfrage d\u00fcrfte insgesamt weiter wachsen. Potenzial f\u00fcr die Schweiz besteht prim\u00e4r in den Kurzaufenthalten aus den Nahm\u00e4rkten und Rundreisen aus den Fernm\u00e4rkten. Um internationale Ferienaufenthalte im grossen Stil aus den Kernl\u00e4ndern Europas zu gewinnen, muss sich der Kostennachteil der Schweiz deutlich verbessern. Am schnellsten geht dies, wenn sich der Wechselkurs des Frankens zum Euro aus Sicht der Schweizer Exporteure deutlich verbessert. Ohne Hilfe des Euro k\u00f6nnen die Kosten nur mit radikalen Strukturanpassungen gesenkt werden.Die rund 400\u2013500 Tourismusorte in der Schweiz stehen unter einem massiven Handlungsdruck. Dort, wo export- und handlungsf\u00e4hige Tourismusunternehmen bestehen, werden diese die Chancen f\u00fcr Kurzaufenthalte im Grossen und Ganzen zu packen wissen. Diejenigen Destinationen, welche \u00fcber schwache Unternehmensstrukturen verf\u00fcgen, werden entweder entsprechende Strukturen durch Resortbildung, &shy;Kooperation oder Ansiedlung neuer handlungsf\u00e4higer Unternehmen schaffen m\u00fcssen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich der Tourismus auf die selbstgenutzten Zweitwohnungen zur\u00fcckbildet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abEntwicklung der Hotellerie in typischen Ferienregionen der Schweiz, 1994-2012\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abEntwicklung der Saisonnachfrage in typischen Ferienregionen der Schweiz (Hotel-Zimmern\u00e4chte), 1994-2012\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abWesentliche Trends und Treiber der Ferientourismuswirtschaft in der Schweiz in den letzten Jahren\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rahmenbedingungen f\u00fcr den Schweizer Ferientourismus haben sich seit den 1980er Jahren verschlechtert. 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