{"id":119059,"date":"2013-03-01T12:00:00","date_gmt":"2013-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/03\/engeli-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:24:56","modified_gmt":"2023-08-23T21:24:56","slug":"engeli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/03\/engeli\/","title":{"rendered":"Die Hochpreisinsel ist hausgemacht \u2013 zum Gl\u00fcck!"},"content":{"rendered":"<p>Es ist wichtig zu verstehen, dass die Probleme der Schweiz Euro-Probleme sind. Das heisst: Die Schweiz hat alles richtig gemacht. Die sichere und bedachte Politik der SNB f\u00fchrte zu niedrigen Zinsen und zu niedriger Inflation, der Arbeitsmarkt in der Schweiz funktioniert dank hoher Flexibilit\u00e4t sehr gut. Die Fiskalpolitik \u2013 insbesondere die Schuldenbremse \u2013 f\u00fchrt zu einer ertr\u00e4glichen Staatsverschuldung, welche im Vergleich mit europ\u00e4ischen Staaten gering ist. Vor diesem Hintergrund ist der starke Franken verst\u00e4ndlich. Aber erst die extreme gegenl\u00e4ufige Entwicklung in Europa aufgrund von Bankenkrise, \u00fcberschuldeten Staaten und politisch gel\u00e4hmten Arbeitsm\u00e4rkten mit teilweise massiver Arbeitslosigkeit brachte den Franken in Bedr\u00e4ngnis.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit mehr als einem Jahr gelingt es der SNB, den Wechselkurs des Frankens zum Euro stabil bei 1,20 zu halten. Das hat zu Planbarkeit gef\u00fchrt \u2013 eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr unternehmerisches Handeln. In der allgemeinen Ratlosigkeit hat der Bund den Preisbarometer geschaffen. Er soll sichtbar machen, wie viel billiger im Ausland eingekauft werden kann. Eine groteske Idee. Schlimm vor allem deshalb, weil damit nicht einmal der Versuch gemacht wird, sich einer L\u00f6sung der Hochpreisinsel anzun\u00e4hern. Reisserisch wird unterstellt, der Handel bereichere sich schamlos an der Wechselkurssituation. Auf die Auswirkung der teuren und risikoreichen Lagerhaltung auf die Verkaufspreise in der Schweiz soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Vielmehr gilt es, L\u00f6sungen zu finden.&#13;<\/p>\n<h2>Fakten, die zur Hochpreisinsel Schweiz f\u00fchren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNivea, Autos, Pampers! Gebetsm\u00fchlenartig wird vorgerechnet, welche Produkte in der Schweiz wie viel zu teuer sind. Krampfhaft werden die hohen L\u00f6hne ausgeblendet, ebenso die Mieten und die gute Infrastruktur. Diskussionen \u00fcber einzelne Preise, die immer nur f\u00fcr einzelne Produkte zu gewissen Zeitpunkten gemessen werden und Aktionen konsequent ausblenden, f\u00fchren nicht zum Ziel, f\u00fcr Schweizer Konsumenten eine Verringerung der Lebenskosten zu erreichen. Hierf\u00fcr w\u00e4re zwingend ein konstruktiver Dia&shy;log zu w\u00fcnschen, denn die Fakten, die zur Hochpreisinsel Schweiz f\u00fchren, liegen auf dem Tisch. Die L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge von Handel Schweiz wurden bereits formuliert:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Technische Handelshemmnisse endlich konsequent abbauen, denn sie verteuern Produkte massiv. Es ist Unsinn, wenn die Schweiz andere Regulierungen und Deklarationsvorschriften hat als die EU und deswegen teure Umetikettierungen vorgenommen werden m\u00fcssen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Das Cassis-de-Dijon-Prinzip sieht vor, dass Produkte, welche in einem EU-Land zugelassen sind, in jedem andern EU-Land telquel auf den Markt gebracht werden d\u00fcrfen. Die Schweiz unterh\u00f6hlt dieses Prinzip mit unz\u00e4hligen Ausnahmen massiv, allen voran im Lebensmittelbereich.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Agrarfreihandel endlich f\u00f6rdern und zulassen und nicht mehr nur auf die Verhinderer h\u00f6ren. Kein abgeschotteter Markt der Welt hat \u00dcberlebenschancen. Die Markt\u00f6ffnung bewirkt dreierlei: Innovationsschub, markant h\u00f6herwertigere Produkte (siehe K\u00e4se!) und g\u00fcnstigere Preise dank mehr Wettbewerb, vor allem auch wegen Exportchancen schweizerischer Produkte im Ausland.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Freihandelsabkommen weiter vorantreiben. Hier ist die Schweiz bereits sehr gut unterwegs: Die potenziellen Abkommen mit allen Bric-Staaten sind Gold wert. Die USA sollten dazu kommen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Flankierende Massnahmen konsequent anwenden und durchsetzen, um die bilateralen Abkommen zu st\u00e4rken.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Laden\u00f6ffnungszeiten den Nachbarl\u00e4ndern anpassen, um Chancen zu nutzen. Es gibt nichts Frustrierenderes f\u00fcr einen H\u00e4ndler oder Ladenbesitzer, als zuzuschauen, wie die Konkurrenten im Ausland oder an Bahnhof\/Flughafen\/Tankstelle ge\u00f6ffnet haben. Es geht nicht um die verordnete 24\/7\/365-Gesellschaft, sondern um die Wahlfreiheit.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Bestehende Gesetze anwenden, statt sie permanent ad hoc versch\u00e4rfen oder neue schreiben. Das gilt im Besonderen f\u00fcr die Kartellgesetzgebung. Das Kartellgesetz funktioniert bestens, nur muss es angewendet werden. Die vorgesehene Anpassung steht v\u00f6llig quer in der Landschaft: Sie ist nicht durchsetzbar, kontraproduktiv und verfehlt ihr Ziel um L\u00e4ngen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Abbau administrativer Kosten und Beitr\u00e4ge, die Produkte verteuern.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Schweizer Konsument muss sich aber\u00a0bewusst sein, dass die Hochpreisinsel Schweiz weiter Bestand haben wird. Dies sind die Kosten, die f\u00fcr wirtschaftlichen &shy;Erfolg und die damit zusammenh\u00e4ngende hohe Schweizer Kaufkraft sowie f\u00fcr die Isolation innerhalb des europ\u00e4ischen Binnenmarktes zu zahlen sind. Handel Schweiz setzt sich daf\u00fcr ein, dass die Hausaufgaben gemacht werden. Wenig Verst\u00e4ndnis besteht f\u00fcr das Jammern gewisser Branchen, die sofort nach Bundesmanna schreien, wenn die Sch\u00f6nwetterlage sich zu verd\u00fcstern beginnt. Unternehmerisches Risiko kann man versichern; prim\u00e4r aber muss man es tragen \u2013 in guten wie in schlechten Zeiten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist wichtig zu verstehen, dass die Probleme der Schweiz Euro-Probleme sind. Das heisst: Die Schweiz hat alles richtig gemacht. Die sichere und bedachte Politik der SNB f\u00fchrte zu niedrigen Zinsen und zu niedriger Inflation, der Arbeitsmarkt in der Schweiz funktioniert dank hoher Flexibilit\u00e4t sehr gut. 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