{"id":119064,"date":"2013-03-01T12:00:00","date_gmt":"2013-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/03\/fischer-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:06","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:06","slug":"fischer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/03\/fischer\/","title":{"rendered":"Das Preissetzungsverhalten in- und ausl\u00e4ndischer Produzenten"},"content":{"rendered":"<p>Seit 2007 hat sich der Schweizer Franken gegen\u00fcber den zwei wichtigsten Reserve- und Handelsw\u00e4hrungen, dem US-Dollar und dem Euro, enorm aufgewertet. Der starke Franken widerspiegelt einerseits die vergleichsweise &shy;gute Wirtschaftslage der Schweiz und anderseits seine Funktion als\u00a0Safe-Haven-W\u00e4hrung. W\u00e4hrend die schweizerischen Exporteure teilweise stark unter dem hohen Franken leiden, sind die Wechselkursvorteile f\u00fcr die Konsumenten lediglich moderat. Im\u00a0folgenden Artikel werden die &shy;vielf\u00e4ltigen Gr\u00fcnde einer unvollst\u00e4ndigen Weitergabe von Wechselkursvorteilen beleuchtet.&#13;<\/p>\n<h2>Theorie zum Preissetzungsverhalten der\u00a0Exporteure<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Zusammenh\u00e4nge zwischen verschiedenen Preisindizes werden am einfachsten durch das Gesetz des einen Preises und durch die Kaufkraftparit\u00e4t beschrieben. Damit ergibt sich der Importpreis als Produkt des ausl\u00e4ndischen Produzentenpreises und des Wechselkurses. Der inl\u00e4ndische Produzentenpreisindex setzt sich anteilsm\u00e4ssig aus den Kosten der inl\u00e4ndischen und importierten Produktionsg\u00fcter zusammen. Auch der Konsumentenpreisindex l\u00e4sst sich als eine Zusammensetzung importierter und inl\u00e4ndischer G\u00fcter beschreiben. Entsprechend m\u00fcssten sich die Importpreise eins zu eins dem Wechselkurs anpassen, und die Wechselkurs&shy;weitergabe an den Konsumentenpreisindex m\u00fcsste gleich dem Anteil importierter G\u00fcter sein. Die vergangenen Jahre haben allerdings gezeigt, dass eine solch einfache Erkl\u00e4rung das Preissetzungsverhalten nicht ad\u00e4quat widerspiegelt.&#13;<\/p>\n<h2>Unterschiedliche Studienresultate<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVerschiedene empirische Studien haben belegt, dass sich Wechselkurs\u00e4nderungen nur unvollst\u00e4ndig in den Preisen widerspiegeln.&#13;<br \/>\nVgl. Magee (1971), Kreinin (1977), Hooper und Mann (1989). Bevorzugtes Mass f\u00fcr diese Weitergabe ist meist der sogenannte <i>Exchange Rate Pass-Through (ERPT)<\/i>, der die prozentuale Ver\u00e4nderung inl\u00e4ndischer Preise bei einer Ver\u00e4nderung des Wechselkurses von einem Prozent misst. F\u00fcr die Schweiz sind nur begrenzt empi&shy;rische Ergebnisse zur Weitergabe von Wechselkurs- und Preis\u00e4nderungen vorhanden. Als Beispiel sind <i>Campa und Goldberg (2002)<\/i> sowie <i>Stulz (2007)<\/i> zu nennen. W\u00e4hrend Campa und Goldberg in der langen Frist \u2028eine vollst\u00e4ndige Weitergabe von Wechselkurs\u00e4nderungen an Importpreise und eine starke Weitergabe auf die Konsumentenpreise finden, sind die Ergebnisse von Stulz wesentlich moderater. In der langen Frist reagieren Importpreise auf eine einprozentige \u00c4nderung des Wechselkurses bei ihm lediglich mit 37% und Konsumentenpreise sogar nur mit 18%.&#13;<\/p>\n<h2>Preissetzungsverhalten der Produzenten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm zu erkl\u00e4ren, warum Import- und Konsumentenpreise nicht immer auf Wechselkurs\u00e4nderungen reagieren, muss das Preissetzungsverhalten der Produzenten genauer betrachtet werden. <i>Krugman (1986)<\/i> zeigt, dass unvollkommener Wettbewerb \u2013 gepaart mit Transport- und Distributionskosten \u2013 zu einer unvollst\u00e4ndigen Weitergabe von Wechselkurs\u00e4nderungen f\u00fchrt. Durch unvollkommenen Wettbewerb erlangen Firmen eine gewisse Marktmacht, welche es ihnen erlaubt, einen Preis zu setzen, der gleich den marginalen Kosten und einem Gewinnaufschlag ist. Weiter erm\u00f6glichen Transport- und Distributionskosten den Produzenten, je nach Absatzmarkt einen anderen Gewinnaufschlag zu setzen. Da Wechselkurse in der Regel sehr volatil sind, kann es f\u00fcr die Produzenten zudem w\u00fcnschenswert sein, diese Bewegungen abzud\u00e4mpfen. Um dies zu erreichen, werden die Gewinnaufschl\u00e4ge entsprechend angepasst. Das Resultat ist eine verminderte Weitergabe von Wechselkurs\u00e4nderungen an Preise und eine destinationsspezifische Preissetzungsstrategie <i>(Pricing-to-Market)<\/i>. Im Extremfall kann es zu einem ERPT von null kommen. <i>Burstein et al. (2003)<\/i> zeigen, dass sich der Konsumentenpreis eines Gutes aus seinem Produzentenpreis und dem Preis der inl\u00e4ndischen Distribution zusammensetzt, wobei der zweite Teil bei Konsumg\u00fctern relativ stark ins Gewicht f\u00e4llt. Dadurch ist der Preisanteil, der direkt vom Wechselkurs beeinflusst wird, erheblich kleiner. Bei einem Konsumentenpreisindex, der neben importierten auch inl\u00e4ndische G\u00fcter enth\u00e4lt, ist der Effekt noch st\u00e4rker. Gem\u00e4ss <i>Benigno und Faia (2010)<\/i> kann unvollst\u00e4ndiger Wettbewerb dazu f\u00fchren, dass Produzenten ihre Preise nicht nur entsprechend ihrer Kostenstruktur setzen, sondern diese auch der Preissetzung der Konkurrenz anpassen. Dies geschieht, weil der Preisaufschlag vom Marktanteil \u2013 und somit von den Konkurrenzpreisen \u2013 abh\u00e4ngig ist. Die H\u00f6he des ERPT h\u00e4ngt in diesem Fall positiv vom Marktanteil der ausl\u00e4ndischen Produzenten ab.&#13;<\/p>\n<h2>Umfrage bei Schweizer Produzenten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Preisweitergabe erfolgt also nicht &shy;einfach entlang der Handelskette. Stattdessen\u00a0passen inl\u00e4ndische und ausl\u00e4ndische Produzenten ihre Preissetzung einander an, um &shy;ihre Marktposition zu verbessern oder den Gewinn zu erh\u00f6hen. Eine Umfrage&#13;<br \/>\nVgl. Zurlinden (2007). bei Schweizer Produzenten best\u00e4tigt denn auch genau dieses Verhalten. Eine Preis\u00e4nderung der Konkurrenz provoziert in 82% der F\u00e4lle eine Preisanpassung, w\u00e4hrend Kosten\u00e4nderungen lediglich an zweiter Stelle stehen. Als ebenfalls gewichtig werden die \u00c4nderung der Nachfrage, der Druck wichtiger Kunden und Wechselkurs\u00e4nderungen (46%) genannt. Die Umfrage verdeutlicht, wie stark auf das jeweilige Ereignis reagiert wird. <i>Gigineishvili (2011)<\/i> findet, dass die Entwicklung des Bruttoinlandprodukts und die H\u00f6he der Inflation den ERPT positiv beeinflussen. Die Verbreitung von Inflationsregimes, welche sich durch eine tiefe konstante Inflationsrate auszeichnen, wirkt einem hohen ERPT entgegen. Die Konjunktur sowie die Geldpolitik sind somit ebenfalls wichtige Determinanten der Preissetzung.&#13;<\/p>\n<h2>Preis- und Wechselkursweitergabe in\u00a0der\u00a0Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) wurde eine \u00f6konometrische Analyse&#13;<br \/>\nEs wurden vektorautoregressive Modelle mit exogenen Variablen sowie OLS-Regressionen verwendet. zur Weitergabe von Wechselkursvorteilen an Schweizer Preise durch&shy;gef\u00fchrt. Es galt herauszufinden, wie Wechselkurs- und Preis\u00e4nderungen des wichtigsten Handelspartners der Schweiz, der Europ\u00e4ischen Union, die inl\u00e4ndischen Preise beeinflussen. Hierzu wurden 25 G\u00fcterkategorien zwischen Mai 2003 und M\u00e4rz 2012 untersucht (siehe <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Methodische Anmerkungen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBer\u00fccksichtigt wurden lediglich G\u00fcter&shy;kategorien, f\u00fcr welche sich eine exakte \u00dcbereinstimmung zwischen den schweizerischem Konsumenten-, Produzenten- und Importpreisindizes sowie dem EU15-Produzentenpreisindex finden l\u00e4sst. F\u00fcr die Kategorien Fisch und Fischprodukte sowie Fahrzeuge ist kein schweizerischer Produzentenpreisindex erh\u00e4ltlich, was bei einem hohen Importanteil von praktisch 100% nicht erstaunt. Auf der anderen Seite ist f\u00fcr Milch und Milchprodukte sowie Bier der Importpreisindex erst ab &shy;Dezember 2010 erh\u00e4ltlich, weshalb die \u00f6konometrische Analyse f\u00fcr diese Kategorien &shy;ohne Importpreisindex durchgef\u00fchrt wird. Der Importanteil bei beiden Kategorien liegt unter 10%. Zus\u00e4tzlich wird der Wechselkurs zwischen dem Schweizer Franken und dem \u2028Euro verwendet. Aufgrund der kurzen Zeitspanne, f\u00fcr welche s\u00e4mtliche Preisreihen erh\u00e4ltlich sind, m\u00fcssen die Resultate mit Vorsicht interpretiert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Die Resultate zeigen, dass sich keine generelle Aussage \u00fcber das langfristige Preissetzungsverhalten machen l\u00e4sst (siehe Tabelle 1). Allerdings ist der Marktanteil ein wichtiger Indikator. Je gr\u00f6sser der Marktanteil der inl\u00e4ndischen Produzenten ist, desto st\u00e4rker beeinflusst die inl\u00e4ndische Preissetzung die Import- und Konsumentenpreise. Die Weitergabe von Wechselkurs\u00e4nderungen h\u00e4ngt \u2013 wie diejenige von Ver\u00e4nderungen der ausl\u00e4ndischen Produzentenpreise \u2013 positiv vom Marktanteil ausl\u00e4ndischer Produzenten ab. Die Wechselkursweitergabe auf Importpreise liegt in der Regel zwischen 0% und 65%, diejenige auf Konsumentenpreise zwischen 0% und 25%. Die einzige Ausnahme ist die Kategorie Mineral\u00f6lprodukte, f\u00fcr welche ein vollst\u00e4ndiger EPRT auf beide Preisindizes gefunden wird.&#13;<\/p>\n<h2>Preis- und Wechselkursweitergabe an\u00a0Importpreise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr G\u00fcterkategorien mit einem Importanteil von mehr als 50% kann festgestellt werden, dass Importpreise haupts\u00e4chlich der ausl\u00e4ndischen Preissetzung folgen und zumindest eine teilweise Wechselkursweitergabe erfolgt. Importpreise reagieren meist auf \u00c4nderungen der EU15-Produzentenpreise, wobei dieser Zusammenhang in der Intensit\u00e4t stark schwankt. Zudem wird h\u00e4ufig ein moderater bis starker ERPT festgestellt, welcher oft signifikant ist. Eine besonders starke Weitergabe von Ver\u00e4nderungen der EU15-Produzentenpreise von \u00fcber 70% findet sich f\u00fcr die Kategorien Mineral\u00f6lprodukte, verarbeitete Gem\u00fcse und Fr\u00fcchte sowie \u00d6le und Fette. Kategorien mit signifikanter Weitergabe sowohl von Wechselkurs- als auch EU15-Produzentenpreisschwankungen an Importpreise sind Fisch und Fischprodukte sowie Mineral\u00f6lprodukte. Grunds\u00e4tzlich reagieren die Importpreise der G\u00fcterkategorien mit einem Marktanteil der ausl\u00e4ndischen Produzenten von \u00fcber 50% nicht auf \u00c4nderungen der schweizerischen Produzentenpreise. Als einzige Ausnahme ist hier die Kategorie medizinische Apparate und Ger\u00e4te zu nennen, welche eine signifikante Weitergabe von Produzentenpreis\u00e4nderungen auf Importpreise zwischen 10% und 30% aufweist. Die Importpreise der Produktkategorien mit einem Importanteil unter 50% scheinen hingegen meist stark auf die inl\u00e4ndische Preissetzung zu reagieren. F\u00fcr s\u00e4mtliche Kategorien kann eine signifikante \u00c4nderung der Importpreise von \u00fcber 0,5% bei einer einprozentigen \u00c4nderung der schweizerischen Produzentenpreise festgestellt werden. Ausnahmen sind die Kategorien Fleischprodukte ohne Gefl\u00fcgel, welche lediglich eine Weitergabe zwischen 10% und 30% aufweist, und die Kategorie M\u00f6bel, bei der die hohe Weitergabe von \u00fcber 70% nicht signifikant ist. Bez\u00fcglich der Weitergabe von Schwankungen der Wechselkurse und der EU15-Produzentenpreise sind die Ergebnisse sehr unterschiedlich. F\u00fcr die Kategorien M\u00f6bel, Nahrungsmittel und Fleischprodukte ohne Gefl\u00fcgel wird beispielsweise eine signifikante Weitergabe von Ver\u00e4nderungen der EU15-Produzentenpreise von \u00fcber 70% gefunden. Die ausl\u00e4ndischen Hersteller dieser G\u00fcterkategorien scheinen ein kostenbasiertes Preissetzungsverhalten zu verfolgen, passen aber aufgrund des tiefen Marktanteils ihre Preise den schweizerischen Produzentenpreisen an. Bei den \u00fcbrigen Kategorien scheint der Importpreisindex nicht von der ausl\u00e4ndischen Preissetzung abzuh\u00e4ngen, was von einem Pricing-to-Market-Verhalten der Produzenten zeugt. Generell weisen die Kategorien mit einem Importanteil um 40% eine h\u00f6here Wechselkursweitergabe auf. Die Resultate bez\u00fcglich der Importpreise zeigen, dass eine h\u00f6here Weitergabe von Schwankungen der Wechselkurse und der EU15-Produzentenpreise oft mit einem h\u00f6heren Marktanteil der ausl\u00e4ndischen Produzenten einhergeht, w\u00e4hrend die Importpreise der Produktkategorien mit einem Anteil unter 50% zus\u00e4tzlich stark auf die inl\u00e4ndische Preissetzung reagieren. Letzteres weist auf ein Pricing-to-Market-Verhalten der ausl\u00e4ndischen Produzenten hin, welche ihre Preise dem Schweizer Markt anpassen.&#13;<\/p>\n<h2>Weitergabe von Preis- und Wechselkursschwankungen an Konsumentenpreise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Weitergabe von Preis- und Wechselkurs\u00e4nderungen an Konsumentenpreise scheint weniger klar mit dem Marktanteil der Produzenten zusammenzuh\u00e4ngen. Un-ab&shy;h\u00e4ngig vom Marktanteil der inl\u00e4ndischen &shy;Pro&shy;duzenten weisen mehr als zwei Drittel der\u00a0Produktkategorien eine positive Weiter&shy;-\u2028gabe von Anstiegen des inl\u00e4ndischen Pro&shy;duzen&shy;tenpreisindexes auf, was \u2013 trotz &shy;Im-\u2028portkonkurrenz \u2013 einen erheblichen &shy;Preis-\u2028setzungsspielraum der inl\u00e4ndischen\u00a0Produzenten indiziert. Bez\u00fcglich der Preissetzung ausl\u00e4ndischer Hersteller wird fest&shy;gestellt, dass eine starke Weitergabe von Produzen-tenpreis\u00e4nderungen im Ausland an Importpreise auch zu einer eher starken Weitergabe dieser \u00c4nderungen an Konsumentenpreise f\u00fchrt. Einen besonders grossen Einfluss der ausl\u00e4ndischen Preise wird f\u00fcr die Kategorien Bekleidung, Kaffee und Tee, Mineral\u00f6lprodukte und Getr\u00e4nke sowie &shy;Nahrungsmittel gefunden. Eine signifikante Weitergabe der Wechselkurs\u00e4nderungen ergibt sich lediglich f\u00fcr die Kategorien medizinische Apparate und Ger\u00e4te, Mineral\u00f6l&shy;produkte, verarbeitete Gem\u00fcse und Fr\u00fcchte,\u00a0Haushaltsger\u00e4te, M\u00f6bel, M\u00fcllereiprodukte, Nahrungsmittel, Fleischprodukte sowie Fleischprodukte ohne Gefl\u00fcgel. Allerdings liegt der Wert dieses ERPT f\u00fcr die meisten Kategorien unter 30%. Die Ergebnisse legen nahe, dass f\u00fcr die schweizerischen Konsumentenpreise die inl\u00e4ndischen Preise richtungsweisend sind. Der Marktanteil der ausl\u00e4ndischen Produzenten ist kein guter Indikator f\u00fcr die St\u00e4rke der Weitergabe von Schwankungen der Wechselkurse und der EU15-Produzentenpreise. F\u00fcr die Produktkategorien Frucht- und Gem\u00fcses\u00e4fte, Gew\u00fcrze und Saucen, Zucker sowie Erfrischungsgetr\u00e4nke sind keine stichhaltigen Ergebnisse vorhanden.&#13;<\/p>\n<h2>Beeinflussung der inl\u00e4ndischen Nach&shy;frage durch den Einkaufstourismus<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit 2011 kann ein R\u00fcckgang der Konsumentenpreise verschiedener G\u00fcterkategorien beobachtet werden, ohne dass dieser R\u00fcckgang gen\u00fcgend durch die Verminderung der Import- oder Produzentenpreise begr\u00fcndet w\u00e4re. Als Beispiel hierf\u00fcr kann die Entwicklung der Preisindizes der Kategorie Nahrungsmittel betrachtet werden (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung ist die Reaktion der Schweizer Detaillisten auf einen Nach&shy;frager\u00fcckgang. Dabei wird nicht von einem gesamtwirtschaftlichen Nachfrager\u00fcckgang ausgegangen. In den letzten Jahren hat der Einkaufstourismus massiv zugenommen. Die Nachfrage nach bestimmten G\u00fctern im Inland ist gesunken, und die einheimischen Detaillisten wurden dazu bewogen, die Preise zu senken. Es ist davon auszugehen, dass dies angesichts konstanter oder sogar steigender Import- und Produzentenpreise zu einer Margenreduktion bei den Detailh\u00e4ndlern gef\u00fchrt hat.&#13;<\/p>\n<h2>Vermehrtes Pricing-to-Market-Verhalten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn vielen Kategorien scheint sich das Preissetzungsverhalten nach 2008 ge\u00e4ndert zu &shy;haben. W\u00e4hrend vorher die Importpreise haupts\u00e4chlich den EU15-Produzentenpreisen in Schweizer Franken folgten, passten sie sich ab 2008 vermehrt an die Entwicklung der schweizerischen Produzentenpreise an. Diese Asymmetrie kann h\u00e4ufig auch \u00f6kono&shy;metrisch best\u00e4tigt werden. Die Unsicherheit \u00fcber die k\u00fcnftige Wechselkursentwicklung f\u00fchrte zu einem verst\u00e4rkten Pricing-to-Market-Verhalten der ausl\u00e4ndischen Produzenten. In vielen F\u00e4llen haben sich dadurch die Margen der ausl\u00e4ndischen Exporteure erh\u00f6ht, anstatt dass die Importpreise entsprechend gesunken w\u00e4ren. F\u00fcr die Kategorie Nahrungsmittel wird verst\u00e4rktes Pricing-to-Market nach 2008 empirisch best\u00e4tigt (siehe <i>Grafik 1<\/i>).&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nPreise basieren haupts\u00e4chlich auf den marginalen Produktionskosten und\/oder der Preissetzung der Konkurrenz. Eine \u00c4nderung einer dieser Komponenten f\u00fchrt h\u00e4ufig zur Anpassung der Preise. Weitere wichtige Faktoren, welche eine Preis\u00e4nderung provozieren, sind Wechselkurs- und Nachfrage\u00e4nderungen. Jedoch erfolgt die Preisanpassung hier weniger stark und wird h\u00e4ufiger durch eine Anpassung der Marge kompensiert. Die Marktmacht steigt mit dem Marktanteil und f\u00fchrt zur Preissetzungsspielr\u00e4umen. Die starke Aufwertung des Schweizer Frankens f\u00fchrte zu extremer Unsicherheit bez\u00fcglich k\u00fcnftiger Preise und verst\u00e4rkte das Pricing-to-Market-Verhalten ausl\u00e4ndischer Produzenten. Dabei wurden die Margen der Exporteure stark erh\u00f6ht, was den Einfluss des Wechselkurses auf Import- und Konsumentenpreise d\u00e4mpfte. Interessanterweise kann bei einigen Kategorien festgestellt werden, dass sich die Konsumentenpreise nach 2010 verringerten, ohne dass diese Bewegung bei Import- oder Produzentenpreisen ausgemacht wurde. Daher ist es wahrscheinlich, dass Schweizer Detailh\u00e4ndler aufgrund sinkender Nachfrage ihre Margen verringert haben. Die sinkende Nachfrage lag aber nicht in einer Zur\u00fcckhaltung der Konsumenten bei den Gesamtausgaben begr\u00fcndet, sondern im stark angestiegenen Einkaufstourismus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abEntwickung der Preisindizes f\u00fcr Nahrungsmittel\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abLangfristige Wechselkurs- und Preisweitergabe\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Beispiel Fisch und Fischprodukte&#13;<\/p>\n<h3>Beispiel Fisch und Fischprodukte<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Anteil an Produkten aus der EU15 am schweizerischen Import betr\u00e4gt 55%. Mehr\u00a0als 90% des inl\u00e4ndischen Gesamtangebotes dieser Kategorie werden importiert. Die\u00a0Wechselkursweitergabe liegt zwischen 10% und 30% und ist auf einem 90%-Niveau signifikant. Der Importpreis \u00e4ndert sich um 0,3%\u20130,5% bei einer 1%-igen \u00c4nderung des\u00a0EU15-Produzentenpreises, was ebenfalls auf\u00a0einem 90%-Niveau signifikant ist. &shy;Importpreise k\u00f6nnen nicht auf \u00c4nderungen des\u00a0schweizerischen Produzentenpreises &shy;reagieren, weil ein solcher bei Fisch- und Fischprodukten fehlt (graue Felder). &shy;Konsumentenpreise reagieren im selben Umfang auf Wechselkurs- und EU15-Produzentenpreis\u00e4nderungen wie die Importpreise; &shy;allerdings sind die Effekte nicht signifikant. Hingegen wird eine signifikante Importpreisweitergabe an die Konsumentenpreise &shy;zwischen 30% und 50% festgestellt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Methodische Anmerkungen&#13;<\/p>\n<h3>Methodische Anmerkungen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBer\u00fccksichtigt wurden lediglich G\u00fcter&shy;kategorien, f\u00fcr welche sich eine exakte \u00dcbereinstimmung zwischen den schweizerischem Konsumenten-, Produzenten- und Importpreisindizes sowie dem EU15-Produzentenpreisindex finden l\u00e4sst. F\u00fcr die Kategorien Fisch und Fischprodukte sowie Fahrzeuge ist kein schweizerischer Produzentenpreisindex erh\u00e4ltlich, was bei einem hohen Importanteil von praktisch 100% nicht erstaunt. Auf der anderen Seite ist f\u00fcr Milch und Milchprodukte sowie Bier der Importpreisindex erst ab &shy;Dezember 2010 erh\u00e4ltlich, weshalb die \u00f6konometrische Analyse f\u00fcr diese Kategorien &shy;ohne Importpreisindex durchgef\u00fchrt wird. Der Importanteil bei beiden Kategorien liegt unter 10%. Zus\u00e4tzlich wird der Wechselkurs zwischen dem Schweizer Franken und dem \u2028Euro verwendet. Aufgrund der kurzen Zeitspanne, f\u00fcr welche s\u00e4mtliche Preisreihen erh\u00e4ltlich sind, m\u00fcssen die Resultate mit Vorsicht interpretiert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Bibliografie&#13;<\/p>\n<h3>Bibliografie<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Benigno, P., E. Faia (2010): Globalization, Pass-Through and Inflation Dynamic, NBER. Working Papers Nr. 15842, National Bureau of Economic Research.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Burstein, A. T., J. C. Neves, S. Rebelo (2003b): Distribution Costs and Real Exchange Rate Dynamics During Exchange-Rate-Based Stabilizations, in: Journal of Monetary Economics, 50 (6), S. 1189\u20131214.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Campa, J. M., L. S. Goldberg (2005): &shy;Exchange Rate Pass-Through into Import Prices, in: The Review of Economics and Statistics, 87 (4), S. 679\u2013690.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Hooper, P., C. L. Mann (1989): Exchange &shy;Rate Pass-Through in the 1980s: The Case of U.S. Imports of Manufactures, Brookings Papers on Economic Activity, in: Economic Studies Program, The Brookings Institution, vol. 20(1), S. 297\u2013337.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Kreinin, M. E. (1977): The Effect of Exchange Rate Changes on the Prices and Volume of Foreign Trade, International Monetary Fund Staff Papers, Juli 1977, 24 2, S. 297\u2013329.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Krugman, P. (1986): Pricing to Market When the Exchange Rate Changes, NBER Working Paper Series, Working Paper Nr. 1926, National Bureau of Economic Research, Cambridge.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Magee, S. P. (1973): Currency Contracts, Pass-Through and Devaluation, Brooking Papers on Economic Activity, Vol. 1973, Nr.\u00a01, S. 303\u2013325, Washington.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Stulz, J. (2007): Exchange Rate Pass-Through in Switzerland: Evidence from Vectorautoregression, Swiss National Bank Economic Studies, 2007-4, Swiss National Bank.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Zurlinden, M. (2007): Preissetzungsverhalten von Unternehmen: Auswertung einer Umfrage der Delegierten f\u00fcr regionale &shy;Wirtschaftskontakte, Quartalsheft 1\/2007, S. 48\u201353, Schweizerische Nationalbank, Z\u00fcrich.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2007 hat sich der Schweizer Franken gegen\u00fcber den zwei wichtigsten Reserve- und Handelsw\u00e4hrungen, dem US-Dollar und dem Euro, enorm aufgewertet. Der starke Franken widerspiegelt einerseits die vergleichsweise &shy;gute Wirtschaftslage der Schweiz und anderseits seine Funktion als\u00a0Safe-Haven-W\u00e4hrung. 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