{"id":119084,"date":"2013-03-01T12:00:00","date_gmt":"2013-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/03\/moser-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:30","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:30","slug":"moser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/03\/moser\/","title":{"rendered":"Einkaufstourismus: Lage, Auswirkungen und Handlungsm\u00f6glichkeiten"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Aufwertung des Frankens gegen\u00fcber dem Euro hat der Einkaufstourismus aus der Schweiz ins benachbarte Ausland stark &shy;zugenommen. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich beim Einkaufstourismus. Das\u00a0wirksamste Rezept, damit der Einkauf im eigenen Land erfolgt, besteht im konsequenten Abbau von Regulierungen, welche Preisdifferenzen begr\u00fcnden. Dar\u00fcber hinaus ist aber auch die Wettbewerbspolitik gefordert, um zu &shy;verhindern, dass Unternehmen die M\u00e4rkte entlang der Grenze segmentieren und Preisdifferenzierung zulasten der Endnachfrager in der Schweiz betreiben. &shy;Beide Aufgaben m\u00fcssen gleichzeitig verfolgt werden, weil Regulierungsdifferenzen h\u00e4ufig private Wettbewerbseinschr\u00e4nkungen erleichtern.&#13;<\/p>\n<h2>Ausmass des Einkaufstourismus<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nShopping spielt im Tourismus eine zunehmend wichtige Rolle. G\u00e4ste verbinden vielfach den Aufenthalt in anderen L\u00e4ndern mit dem Einkauf von weltweit erh\u00e4ltlichen Konsumg\u00fctern. Attraktive Einkaufsm\u00f6glichkeiten mit einer grossen Auswahl an internationalen Markenartikeln werden deshalb verst\u00e4rkt ein wichtiges Kriterium f\u00fcr die Wahl einer Destination. So spielt der Einkauf von Uhren bei asiatischen G\u00e4sten w\u00e4hrend ihrer Reise in der Schweiz eine wichtige\u00a0Rolle. In der laufenden politischen Diskussion ist auch von einer anderen Art des Einkaufstourismus die Rede. Dabei handelt es sich um Personen, f\u00fcr die das Einkaufen der prim\u00e4re Grund eines Kurzaufenthalts im benach&shy;barten Ausland ist. Die regelm\u00e4ssige Einkaufstour f\u00fchrt quasi \u00fcber die Grenze hinaus. Solche Reisen gelten streng genommen statistisch nicht immer als touristisch, da die Reisedauer meist unter drei Stunden betr\u00e4gt. Einkaufstouristen nutzen Preisdifferenzen entlang der Grenze, mit dem prim\u00e4ren Ziel, auf diese Weise ihre realen Konsumm\u00f6glichkeiten zu erh\u00f6hen. Daneben spielen andere touristische Motive meist eine untergeordnete Rolle.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftliche Zentren in Grenzn\u00e4he<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDa die wirtschaftlichen Zentren der Schweiz nahe der Grenze liegen (Genf, Basel, aber auch Z\u00fcrich, Lausanne, St. Gallen und das St\u00e4dtedreieck im Tessin), ist der potenzielle Einfluss des Einkaufstourismus gross. Gem\u00e4ss dem Retail Outlook von <i>Credit Suisse (2013, S.\u200913)<\/i> k\u00f6nnen 73% der schweizerischen Bev\u00f6lkerung innerhalb von 60 Autominuten einen ausl\u00e4ndischen Supermarkt ansteuern, 31% sogar innerhalb von 30 Minuten (siehe <i>Grafik 1<\/i>). H\u00e4lt man sich an die Mehrwertsteuereinnahmen am schweizerischen Zoll, ist Deutschland mit \u00fcber der H\u00e4lfte der Mehrwertsteuereinnahmen die beliebteste Destination. Eine umgekehrte Situation \u2013 Einkaufstourismus in die Schweiz \u2013 besteht dagegen im Tessin im Verh\u00e4ltnis zum Grossraum Mailand-Como-Varese und wird dort auch genutzt (Einkaufszentrum Foxtown). Nicht unerw\u00e4hnt bleiben kann auch die hohe Zahl der Grenzg\u00e4nger (2012: rund 265\u2009000), die es weitgehend in der Hand haben, auf welcher Seite der Grenze sie ihre Eink\u00e4ufe t\u00e4tigen.&#13;<\/p>\n<h2>Erfassung des Einkaufstourismus<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Situation des Einkaufstourismus wird seit Jahren erfasst, wenn auch nicht von der amtlichen Statistik. Namentlich der Grossverteiler Coop f\u00fchrt regelm\u00e4ssig Erhebungen durch (siehe <i>Grafik 2<\/i>, S. 17). Der dabei berechnete Kaufkraftabfluss entspricht dem zu Schweizer Preisen bewerteten Einkauf im Ausland. Dabei wird hypothetisch unterstellt, dass die Konsumenten, welche im Ausland einkaufen, den selben Warenkorb in der Schweiz erworben h\u00e4tten. Das \u00fcberzeichnet tendenziell den Effekt, da zu vermuten ist, dass die Konsumenten beim Einkauf in der Schweiz auf besonders teure Produkte verzichtet w\u00fcrden. W\u00e4hrend sich der Einkaufstourismus bis 2009 stabilisierte, f\u00fchrte die starke Aufwertung des Frankens zu einer massiven Erh\u00f6hung des Einkaufens im benachbarten Ausland. Basierend auf Auswertungen von Ausfuhrbescheinigungen im Reiseverkehr sch\u00e4tzt <i>Credit Suisse<\/i> f\u00fcr das Jahr 2011 den Kaufkraftabfluss auf 4 bis 5 Mrd. Franken und f\u00fcr 2012 auf rund 5 bis 6 Mrd. Franken (siehe<i>Grafik 2<\/i>). Diese Sch\u00e4tzungen umfassen die Eink\u00e4ufe von Lebensmitteln, Non-Food-&shy;Artikeln sowie den grenz\u00fcberschreitenden Online-Handel und k\u00f6nnten ein breiteres &shy;Spektrum von Eink\u00e4ufen erfassen als die Erhebungen von Coop. Die Erhebung von <i>Coop (2009, S.\u20096\u20137)<\/i> zeigt, dass Fleisch weiterhin den Spitzenplatz im Einkaufskorb einnimmt, vor Milch und Butter sowie Fr\u00fcchten und Gem\u00fcse. Ebenfalls h\u00e4ufig im Ausland gekauft werden K\u00f6rperpflegeprodukte, Wasch- und Reinigungsmittel sowie Bekleidung. Dieser Warenkorb \u00fcberrascht nicht, sind doch bei diesen Produkten die Preisdifferenzen zwischen der Schweiz und dem benachbarten Ausland besonders hoch.&#13;<br \/>\nVgl. die Artikel von P. Balast\u00e8r auf S. 4 ff und I. Schluep Campo auf S. 7 ff.in dieser &shy;Ausgabe.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6konomische Aspekte des &shy;Einkaufstourismus<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie \u00f6konomischen Wirkungen des Einkaufstourismus sind vielschichtig. Grunds\u00e4tzlich sind die Konsumentinnen und Konsumenten die Hauptnutzniesser, da sie Produkte g\u00fcnstiger einkaufen k\u00f6nnen, was ihr Einkommen real verbessert. Die Importkonkurrenz durch Direktimporte der Endkunden d\u00fcrfte zudem die Weitergabe der Einkaufsvorteile im Euroraum \u00fcber die herk\u00f6mmlichen Vertriebskan\u00e4le verbessern und so senkend auf das allgemeine Preisniveau wirken. Davon profitieren wiederum die Endnachfrager in der Schweiz. Letzteres tr\u00e4gt dazu bei, dass die Inflationsrate in der Schweiz in der j\u00fcngsten Vergangenheit tiefer ausgefallen ist als im benachbarten Ausland. Der Einkaufstourismus wirkt somit d\u00e4mpfend auf das allgemein hohe Kostenniveau (L\u00f6hne, Preise f\u00fcr Vorleistungen), was zur St\u00e4rkung der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz beitr\u00e4gt.&#13;<\/p>\n<h2>Umsatz- und Arbeitsplatzverluste<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer substanzielle Kaufkraftabfluss ans Ausland f\u00fchrt jedoch zu Umsatz- und Arbeitsplatzverlusten, insbesondere im schweizerischen Detailhandel. Unterstellt man als Faustregel einen Umsatz pro Besch\u00e4ftigen von 300\u2009000 Franken, dann sind bei einem Kaufkraftabfluss von 5 Mrd. Franken knapp 17\u2009000 Arbeitspl\u00e4tze im inl\u00e4ndischen Detailhandel gef\u00e4hrdet. In einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive m\u00fcsste diesem Potenzial an Arbeitsplatzabbau die m\u00f6glichen Arbeitsplatzgewinne in anderen inl\u00e4ndischen Sektoren gegen\u00fcbergestellt werden, welche von der St\u00e4rkung der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit profitieren.&#13;<\/p>\n<h2>Preisdifferenzierung zulasten der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKosten des Einkaufstourismus tragen oftmals auch die ausl\u00e4ndischen Hersteller, welche einen Teil der Produkte nicht mehr durch den f\u00fcr sie ertragreichsten Verkaufskanal in der Schweiz absetzen k\u00f6nnen. Als kleine Volkswirtschaft mit einer hohen Kaufkraft der Bev\u00f6lkerung ist die Schweiz n\u00e4mlich pr\u00e4destiniert, das Land in Europa zu sein, in dem international t\u00e4tige Hersteller und H\u00e4ndler vor allem ihre Deckungsbeitr\u00e4ge und damit ihren Gewinn erwirtschaften wollen. Eine \u00f6konometrische Untersuchung des <i>Seco (2009, S.\u200970ff.)<\/i> zeigt auf, dass die Preise nicht nur dort hoch sind, wo ein Alleinimporteur \u2013 meist eine Tochter des Herstellers \u2013 eine starke Marke auf den schweizerischen Markt bringt, sondern auch dort, wo sich mehrere etablierte Marken einen Markt teilen. Bestehen zus\u00e4tzlich noch technische Handelshemmnisse, so erh\u00f6hen sich die Preissetzungsspielr\u00e4ume weiter. Diese Preisdifferenzierung zulasten der Schweiz wird erleichtert durch eine hohe Konzentration im Detailhandel, eine w\u00e4hrend langer Zeit weit verbreitete Neigung, Kartelle einzugehen sowie durch den politischen Druck, namentlich aus der Landwirtschaft. Letzteres zwingt insbesondere die Grossverteiler, relativ teuer im Inland einzukaufen.&#13;<\/p>\n<h2>Sinkendes Preisniveau<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fchrt der Einkaufstourismus aufgrund der schmerzhaften Umsatzverluste der Grossverteiler in den Grenzregionen zu aggressiveren Verhandlungen mit den Preisf\u00fchrern in den einzelnen M\u00e4rkten, kann sich der Einkaufstourismus durchaus senkend auf das gesamte Preisniveau auswirken. Vorzuziehen w\u00e4re nat\u00fcrlich ein anderer Weg, n\u00e4mlich dass ein scharfer Wettbewerb auf allen Handelsstufen zur raschen Weitergabe von Einkaufsvorteilen im Euroraum \u00fcber den hiesigen Handel an die Endkunden zwingt. Der Wertsch\u00f6pfungsanteil des Handels am Endpreis bliebe so der Schweiz erhalten. Dieses Ziel ist durchaus erreichbar: Wie die <i>BAK Basel (2010)<\/i> feststellt, ist der Hauptunterschied in den Preisen auf Kostennachteile des Schweizer Detailhandels bei Warenbeschaffung zur\u00fcck zu f\u00fchren. Die h\u00f6heren L\u00f6hne in der Schweiz spielen eine untergeordnete Rolle.&#13;<\/p>\n<h2>Handlungsm\u00f6glichkeiten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZur urs\u00e4chlichen Bek\u00e4mpfung des Einkaufstourismus m\u00fcssen Reformen im Innern bewirken, dass sich das Preisniveau in der Schweiz nicht mehr im gleichen Mass vom Niveau in andern kleinen, wirtschaftlich weit fortgeschrittenen Volkswirtschaften in Europa abhebt. Es geht also einerseits darum, die preisliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit der im Inland f\u00fcr das Inland produzierten und angebotenen Waren und Dienstleistungen zu verbessern, und andererseits Preisaufschl\u00e4ge beim Import ausl\u00e4ndischer G\u00fcter zu verhindern. Dabei kann nur eine konzertierte Liberalisierungspolitik den Erfolg gew\u00e4hrleisten. Werden nur einzelne Massnahmen ergriffen, besteht das Risiko, dass ein anderes Import- oder Wettbewerbshemmnis das Fortbestehen der Preisinsel sichert. Folglich braucht es eine St\u00e4rkung des Wettbewerbs auf allen Handelsstufen.&#13;<\/p>\n<h2>Welche Massnahmen wurden bereits ergriffen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Massnahmen zum Abbau von Importhindernissen, die von staatlichen Regelungen ausgehen, sind die euroregionale Ersch\u00f6pfung bei patentgesch\u00fctzten G\u00fctern und die Einf\u00fchrung des Cassis-de-Dijon-Prinzips zu nennen. Jedoch besteht die Gefahr, dass bei Nahrungsmitteln das Prinzip verw\u00e4ssert oder in Teilbereichen sogar r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht wird.&#13;<br \/>\nVgl. etwa die Parlamentarische Initiative Bourgeois &shy;\u00abErn\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t\u00bb, 08.457.Um die Weitergabe der Einkaufsvorteile im Euroraum \u00fcber die Vertriebsorganisationen in der Schweiz zu verbessern, leitete der Bundesrat angesichts der Frankenst\u00e4rke im August 2011 vier Massnahmen ein: Die Mittel f\u00fcr die Preis\u00fcberwachung und die Wettbewerbskommission wurden aufgestockt, ein Preisobservatorium wurde durch die Konsumentenorganisationen eingerichtet und schliesslich wurde im Rahmen der angelaufenen Kartellgesetzrevision die Einf\u00fchrung eines Teilkartellverbots eingeleitet. W\u00e4hrend die ersten drei Massnahmen tempor\u00e4r sind und vor allem die Weitergabe von Wechselkursgewinnen beschleunigen sollen, wird mit der Modernisierung des Kartellgesetzes der Wettbewerb langfristig gest\u00e4rkt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Modernisierung des Kartellgesetzes<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Rahmen der laufenden Kartellgesetzrevision schl\u00e4gt der Bundesrat vor, das Verfahren bei horizontalen Preis-, Mengen- und Gebietsabsprachen sowie bei zwei Formen von vertikalen Absprachen zu straffen. Konkret soll bei diesen Formen von Abreden der Nachweis nicht mehr gef\u00fchrt werden m\u00fcssen, ob der Wettbewerb erheblich beeintr\u00e4chtigt ist. In der Praxis ist ein r ausserordentlich aufw\u00e4ndig zu f\u00fchren. Neu sollen solche Abreden unzul\u00e4ssig sein, ausser sie erweisen sich als effizient, also als volkswirtschaftlich vorteilhaft. Mit einer solchen Straffung des Verfahrens ist zu erwarten, dass Preisdifferenzierungen zulasten inl\u00e4ndischer Kunden erschwert werden, ohne gesamtwirtschaftliche sinnvolle Kooperationsformen zu verhindern. Zudem soll die Beurteilung von Unternehmenszusammenschl\u00fcssen neu nach internationalem Standard erfolgen und der in Europa vorherrschende SIEC-Test&#13;<br \/>\nSIEC = Significant Impediment to Effective Competition, zu Deutsch: Erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs. eingef\u00fchrt werden. Zusammenschl\u00fcsse k\u00f6nnen untersagt oder mit Auflagen zugelassen werden, wenn der Zusammenschluss zu einer marktbeherrschenden Stellung oder einer erheblichen Behinderung des Wettbewerbs f\u00fchrt, welche nicht durch Effizienzgewinne kompensiert wird. Mit dieser Angleichung der Fusionskontrolle an die Standards im internationalen Umfeld sollte wirkungsvoller gegen Unternehmenskonzentration vorgegangen werden k\u00f6nnen. Namentlich in oligopolistischen M\u00e4rkten f\u00fchrt die abnehmende Anzahl von Anbietern regelm\u00e4ssig \u2013 aber nicht immer \u2013 zu h\u00f6heren Margen und Preisen.&#13;<\/p>\n<h2>Was kann weiter unternommen werden&nbsp;?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZur Eind\u00e4mmung des Einkaufstourismus m\u00fcsste wegen den besonders hohen Preisdifferenzen in erster Linie der Grenzschutz beim Fleisch gesenkt werden, sei dies unilateral, multilateral oder im Rahmen von Freihandelsabkommen. Der politische Widerstand ist jedoch zurzeit betr\u00e4chtlich. Dies ist nicht verwunderlich, d\u00fcrften sich hinter hohen Zollschranken in besonders ausgepr\u00e4gtem Mass Wirtschaftsstrukturen herausgebildet haben, die einer Markt\u00f6ffnung nicht standhalten k\u00f6nnten. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Landwirtschaft mit dem Schutz der einheimischen Fleischproduktion nicht zunehmend ihre eigenen Interessen unterl\u00e4uft. Denn beim Fleischeinkauf jenseits der Grenze werden auch Milchprodukte, Fr\u00fcchte und Gem\u00fcse, Getreideprodukte und ein weiter Kreis h\u00f6her verarbeiteter Lebensmittel in den Einkaufswagen gelegt. Es ist durchaus denkbar, dass diese Umsatzverluste selbst f\u00fcr die Landwirtschaft isoliert betrachtet den Mehrertrag aufwiegen, welcher dank hochgehaltenem Grenzschutz von den Akteuren im Fleischbereich in der Schweiz erzielt wird.&#13;<\/p>\n<h2>Regulatorische Eingriffe sind &shy;Symptombek\u00e4mpfung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVorst\u00f6sse f\u00fcr eine regulatorische Limitierung des Einkaufstourismus \u2013 wie tiefere Freimengen, M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Mehrwertsteuerr\u00fcckerstattung beschneiden, mehr Kontrollen am Zoll \u2013 sind Symptombek\u00e4mpfung. Solche Massnahmen vermindern den Wettbewerb und verst\u00e4rken die Preisinsel Schweiz. Sie sind deshalb nicht zielf\u00fchrend. Abschottung von Importkonkurrenz gibt es auch in anderen Bereichen, wie beispielsweise im Gesundheitssektor. Wegen der ungesicherten R\u00fcckerstattung von importierten Gesundheitsdienstleistungen wird dieser Sektor von Importkonkurrenz abgeschottet. Angesichts der hohen Preisdifferenzen zwischen der Schweiz und den Nachbarl\u00e4ndern ist eine breite \u00dcberpr\u00fcfung einschr\u00e4nkender Regulierungen im Sinne einer grenz\u00fcberschreitenden Wettbewerbsbelebung angezeigt.&#13;<\/p>\n<h2>Laden\u00f6ffnungszeiten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Hauptmotiv f\u00fcr den Einkauf im grenznahen Ausland ist der Preis, gefolgt von Vorteilen wie dem Zugang zu neuen Produktvariet\u00e4ten. Der Aspekt der Laden\u00f6ffnungszeiten hat am Wochenende seine Bedeutung \u2013 also gerade dann, wenn \u00fcblicherweise zum Grosseinkauf \u00fcber die Grenze gefahren wird. Die Unterschiede bei den Laden\u00f6ffnungszeiten sind in der Schweiz aufgrund der kantonalen Regelungskompetenz gross. Gr\u00f6ssere Differenzen bei den Schliesszeiten bestehen teilweise am Samstag und zu Italien und Frankreich auch am Sonntag. Das Gebot der Sonntagsruhe wirkt sich aus. Besonders erstaunlich ist indes, dass selbst Kantone, welche an der Grenze liegen, ihre Detailh\u00e4ndler mit restriktiven Einkaufszeiten unter der Woche einschr\u00e4nken. So m\u00fcssen in den Kantonen St. Gallen, Tessin und teilweise im Kanton Waadt die L\u00e4den ihre T\u00fcren an Wochentagen zwischen 18.30 und 19 Uhr und samstags bereits um 17 Uhr schliessen, w\u00e4hrend in Deutschland und Italien der Ladenschluss um 20 Uhr \u00fcblich ist. Hier h\u00e4tten es die betroffenen Kantone in der Hand, dem Beispiel liberaler Kantone (wie Aargau, Baselland oder Z\u00fcrich) zu folgen und die l\u00e4ngere Laden\u00f6ffnungszeiten zu erlauben. Sie w\u00fcrden damit einen Beitrag zur Begrenzung des Einkaufstourismus leisten. Der St\u00e4nderat hat dies aufgegriffen und die Motion Lombardi angenommen. Mit dieser w\u00fcrden die Detailhandelsgesch\u00e4fte gesamtschweizerisch den Anspruch erhalten, von 6 bis 20 Uhr (am Samstag bis 19 Uhr) offen zu halten, auch wenn die kantonalen Laden\u00f6ffnungszeiten heute engere Grenzen setzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abLebensmitteldetailhandel: Einzugsgebiete grenznaher Superm\u00e4rkte\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abKaufkraftabfluss durch den Einkaufstourismus\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Wachsende Bedeutung des &shy;Internet-Handels&#13;<\/p>\n<h3>Wachsende Bedeutung des &shy;Internet-Handels<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEinen wachsenden Einfluss \u00fcbt auch der Internet-Handel aus. Gr\u00f6ssere Anschaffungen werden im Ausland per Internet get\u00e4tigt. Die\u00a0Ware wird teilweise an spezielle Auslieferungszentren nahe der Schweizer Grenze geliefert, so dass sie von dort im Reisenden&shy;verkehr relativ einfach eingef\u00fchrt werden kann. Eine Bedeutung haben aber auch die Verzollungskosten. Der Preis\u00fcberwacher hat\u00a0sich in den letzten Jahren mit Erfolg daf\u00fcr eingesetzt, die Geb\u00fchren f\u00fcr Kleinsendungen tief zu halten. Das erleichtert die Nutzung des\u00a0grenz\u00fcberschreitenden Online-Handels.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>BAK Basel, Kosten, Preise und Performance: Der Schweizer Detailhandel im internationalen Vergleich, 2010.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Coop (2009), Einkaufstourismusstudie 2009.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Credit Suisse (2013), Retail Outlook 2013: Fakten und Trends.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Seco (2009), Preisinsel Schweiz, Berichte in Erf\u00fcllung des Postulates David (05.3816), Grundlagen der Wirtschaftspolitik Nr. 16.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Aufwertung des Frankens gegen\u00fcber dem Euro hat der Einkaufstourismus aus der Schweiz ins benachbarte Ausland stark &shy;zugenommen. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich beim Einkaufstourismus. Das\u00a0wirksamste Rezept, damit der Einkauf im eigenen Land erfolgt, besteht im konsequenten Abbau von Regulierungen, welche Preisdifferenzen begr\u00fcnden. Dar\u00fcber hinaus ist aber auch die Wettbewerbspolitik gefordert, um zu &shy;verhindern, dass [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2773,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[213],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":2773,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Professor f\u00fcr Volkswirtschaftslehre, Zentrum f\u00fcr wirtschaftspolitische Forschung, Fachhochschule Graub\u00fcnden, Chur","seco_author_post_occupation_fr":"Professeur de sciences \u00e9conomiques, Centre de recherche en politique \u00e9conomique, Haute \u00e9cole sp\u00e9cialis\u00e9e des Grisons","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":119087,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"7071","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/556eec3c48104"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119084"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2773"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=119084"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119084\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127288,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119084\/revisions\/127288"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2773"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119084"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=119084"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=119084"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=119084"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=119084"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=119084"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}