{"id":119089,"date":"2013-03-01T12:00:00","date_gmt":"2013-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/03\/pfammatter-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:24:55","modified_gmt":"2023-08-23T21:24:55","slug":"pfammatter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/03\/pfammatter\/","title":{"rendered":"Schweizerische Aussenhandelsstatistik: \u00dcbergang zum Ursprungslandprinzip"},"content":{"rendered":"<p>Seit Anfang 2012 wird das &shy;Ursprungsland anstelle des Erzeugungslandes in der Aussenhandelsstatistik ausgewiesen. Diese\u00a0Umstellung hat unter anderem zur Folge, dass niederl\u00e4ndische Kokosnussimporte aus der Sta&shy;tistik verschwinden, die Handelsbilanz mit China negativ wird, Spanien in die Top 10 der bedeutendsten Lieferl\u00e4nder der Schweiz vorr\u00fcckt und aus deutschen &shy;Kleidungsst\u00fccken t\u00fcrkische werden. Trotz einzelner Verschiebungen \u00e4ndert sich aber durch den Wechsel an den grossen Gewichten des\u00a0schweizerischen Aussenhandels nicht sehr viel.&#13;<\/p>\n<h2>Vom Erzeugungs- zum Ursprungsland<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nLaut Datenbank der Schweizer Aussenhandelsstatistik <i>Swiss-Impex<\/i>&#13;<br \/>\nVgl. <a href=\"http:\/\/www.swiss-impex.admin.ch\">http:\/\/www.swiss-impex.admin.ch<\/a> deckte unser Land seinen Bedarf an Kokosn\u00fcssen bis 2011 zu etwa 30% aus den Niederlanden. Ab 01.01.2012 fallen die Niederlande ganz aus der Liste der Kokosnusslieferanten (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Hingegen nehmen die Importe aus der Elfenbeink\u00fcste rasant zu. Diese Verschiebung bei den Kokosnussimporten liegt daran, dass seit 2012 das Ursprungsland anstelle des Erzeugungslandes in der Aussenhandelsstatistik ausgewiesen wird. Das <i>Erzeugungsland<\/i> bezeichnete das Land, in welchem ein Produkt vor der Einfuhr in der Schweiz im freien Verkehr war. Das Produkt kann entweder in diesem Land hergestellt worden oder durch definitive Veranlagung oder zollfreie Zulassung in den freien Verkehr gelangt sein. Das <i>Ursprungsland<\/i> bezeichnet hingegen jenes Land, in dem die Ware vollst\u00e4ndig gewonnen oder \u00fcberwiegend hergestellt wurde. Neu wird zus\u00e4tzlich das <i>Versendungsland<\/i> erhoben, also das Land, aus welchem eine Ware f\u00fcr den Import in die Schweiz versandt wurde. Es wird jedoch nicht in der Statistik ver\u00f6ffentlicht.Die Umstellung kann auf einige sehr eng definierte Produktgruppen \u2013 wie Kokosn\u00fcsse \u2013 einen grossen Einfluss haben und auch die Importergebnisse einiger L\u00e4nder sichtbar \u00e4ndern. Dennoch bleiben viele Importe untangiert: Bei 69% der Sendungen, welche wertm\u00e4ssig 92% der Importe repr\u00e4sentieren, \u00e4ndert sich nichts. Bei ihnen stimmen Erzeugungs- und Ursprungsland \u00fcberein. Das Gesamttotal der Importe pro Periode bleibt unver\u00e4ndert. Es liegt f\u00fcr das Jahr 2012 \u2013 unter Ausschluss der Edelmetalle, der Edel- und Schmucksteine sowie der Kunstgegenst\u00e4nde und Antiquit\u00e4ten \u2013 bei 177 Mrd. Franken. Ebenfalls nicht ber\u00fchrt von den \u00c4nderungen sind die Exportstatistiken der Schweiz. Hier wird weiterhin das Endbestimmungsland einer Ware erfasst und ausge&shy;wiesen.Mit der Umstellung kommt die Schweiz einer Verpflichtung im Rahmen des bilateralen Statistikabkommens nach, die eine Angleichung der Statistiken der Schweiz an jene der EU vorsieht (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Bilaterales Statistikabkommen mit\u00a0der EU<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas \u00abAbkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft \u00fcber die Zusammenarbeit im Bereich der Statistik\u00bb wurde im Oktober 2004 abgeschlossen. Es hat zum Ziel, die Statistiken der Schweiz und der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft, respektive der EU, einander anzugleichen. Das Herzst\u00fcck des Abkommens bildet die \u00dcbermittlung statistischer Daten aus der Schweiz an die EU Statistikbeh\u00f6rde Eurostat.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Umsetzung des Kapitels Aussenhandelsstatistik (und von weiteren, auf dem Abkommen basierenden Beschl\u00fcssen) waren neben dem Wechsel vom Erzeugungsland- zum Ursprungslandprinzip einige weitere Anpassungen n\u00f6tig. Beispielsweise sind neu in den Zollanmeldungen zus\u00e4tzliche Rechnungsw\u00e4hrungen zul\u00e4ssig.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Ausserdem folgt die Eidgen\u00f6ssische Zollverwaltung (EZV) mit dieser Umstellung den Empfehlungen der UNO, welche der schweizerischen Aussenhandelsstatistik in Methodik- und Definitionsfragen als Richtschnur dienen.&#13;<\/p>\n<h2>Ausnahmef\u00e4lle beim Ursprungs&shy;landprinzip<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Ursprungslandprinzip kennt zwei Ausnahmen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Einerseits ist bei Produkten, deren Ursprungsland Mitglied einer Zollunion ist, nicht immer das konkrete Land bekannt, in welchem die Wertsch\u00f6pfung stattgefunden hat. Dies resultiert aus dem freien Verkehr innerhalb der Union. Beispielsweise ist es f\u00fcr Zwischenh\u00e4ndler, die Waren aus der EU in die Schweiz liefern, ausreichend zu wissen, dass ein Produkt aus der EU stammt, ohne dessen genauen Ursprung zu kennen. Daher wird beim Grenz\u00fcbertritt das Ursprungsland innerhalb der EU (oder anderer Zollunionen) nur angegeben, sofern es bekannt ist. Andernfalls ist es aber zul\u00e4ssig, stattdessen das Versendungsland anzugeben, welches zwangsl\u00e4ufig in derselben Zollunion liegt.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Bei der zweiten Ausnahme handelt es sich um in der Schweiz produzierte G\u00fcter, welche exportiert und sp\u00e4ter wiederum importiert werden. Dies trifft beispielsweise auf Retourwaren zu. Auch in diesem Fall tritt das Versendungsland anstelle des Ursprungslandprinzips.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Zunehmende Bedeutung von Asien und Amerika als Lieferl\u00e4nder der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDurch die Umstellung \u00e4ndert sich die geografische Verteilung der Schweizer Importe und damit die Bedeutung einiger L\u00e4nder als Lieferanten. Neu werden <i>Deutschland<\/i> pro Jahr 52 Mrd. Franken Importe zugeschrieben statt der 57 Mrd. Franken, die nach dem Erzeugungslandprinzip angefallen w\u00e4ren. Dies entspricht einem Minus von 7%. Deutschland liefert nach neuer Definition 31% statt 33% der Schweizer Einfuhren, verbleibt in der Rangliste der Lieferanten aber unangefochten auf der Spitzenposition. Die <i>Niederlande<\/i> b\u00fcssen einen Viertel der Importe ein und figurieren nach dem Wechsel mit 2 Mrd. Franken weniger in der schweizerischen Importstatistik als zuvor. Die Niederlande fallen zugleich von Rang f\u00fcnf der bedeutendsten Liefernationen der Schweiz auf Rang acht. Um die H\u00e4lfte mehr Waren als bisher werden in der Statistik neu mit \u00abmade in <i>China<\/i>\u00bb ausgewiesen: Ab 2012 kommen f\u00fcr 9 Mrd. Franken statt 6 Mrd. Franken Importe aus China, welches neu f\u00fcr 5% statt 3% der Lieferungen in die Schweiz verantwortlich ist. Bei unver\u00e4nderten Exporten in das Reich der Mitte bedeutet dies ausserdem eine Umkehr des Handelsbilanzsaldos: Anstelle eines \u00dcberschusses resultiert neu ein Defizit. Aus den <i>USA<\/i> stammen 1,5 Mrd. Franken mehr Importe als bisher ausgewiesen.Geografisch l\u00e4sst sich also vereinfacht sagen: Mit gr\u00f6sserer Entfernung zu einem Handelspartner steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Teil des Handels nicht auf direktem Weg stattfindet und daher die Importzahlen durch den Wechsel deutlich h\u00f6her liegen. Am kr\u00e4ftigsten steigen die &shy;ausgewiesenen Importe aus Nordostasien, Nordamerika und S\u00fcdosteuropa an. Doch auch f\u00fcr Afrika, S\u00fcdostasien, S\u00fcd- und Zentralasien, Lateinamerika und selbst f\u00fcr Mittel- und Osteuropa ergeben sich Importzahlen, welche die bisherigen um 11% bis 16% \u00fcbertreffen. Beispielsweise nehmen die in der Statistik verzeichneten Importe aus der T\u00fcrkei um die H\u00e4lfte zu, weil bisher besonders Kleider und Textilien indirekt in die Schweiz gelangten. Die einzige Region mit geringeren Importen ist Westeuropa. Dies liegt daran, dass die indirekten Importe h\u00e4ufig \u00fcber die Nachbarl\u00e4nder stattfinden sowie \u00fcber L\u00e4nder, welche nahe gelegene, grosse H\u00e4fen und Logistikzentren beheimaten. Komplizierter ist die Lage bei L\u00e4ndern am Rande der EU, wie etwa im Fall von Polen oder dem Vereinigten K\u00f6nigreich. Hier hat die Umstellung in verschiedenen Branchen gegenl\u00e4ufige Auswirkungen. Im Vereinigten K\u00f6nigreich resultiert in den Sektoren Fahrzeuge und Chemikalien eine Zunahme, in allen anderen betroffenen Sektoren hingegen eine Abnahme.&#13;<\/p>\n<h2>St\u00e4rkste Effekte bei Bekleidung und\u00a0&shy;Maschinen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei wie vielen Waren Ursprung und Erzeugung nicht \u00fcbereinstimmen und entsprechend eine Umteilung stattfindet, ist je nach Warengruppe sehr unterschiedlich und h\u00e4ngt auch von Produkteigenschaften und Gegebenheiten des Marktes ab. Bei den Energietr\u00e4gern, die fast ausschliesslich durch Pipelines geliefert werden, liegt der entsprechende Anteil bei unter 1%. Unter 4% liegen die Ver\u00e4nderungen bei den Metallen sowie Steinen und Erden (wo l\u00e4ngere Transportwege relativ hohe Kosten verur&shy;sachen), im Markt f\u00fcr land- und forst&shy;wirtschaftliche Produkte, bei Uhren und &shy;Bijouterie sowie bei Papier- und grafischen Erzeugnissen. Jeweils f\u00fcr einen Viertel der Betr\u00e4ge, die einem anderen Land als bisher zugeschrieben werden, sind die Gruppen Bekleidung, Textilien und Schuhe einerseits sowie Maschinen, Apparate und Elektronik andererseits verantwortlich. Bei ersterer betrifft es wertm\u00e4ssig 28% der Importe, bei denen bisher das Etikett und die Statistik nicht \u00fcbereinstimmten. So verdoppeln sich in dieser Kategorie die Lieferungen aus verschiedenen wichtigen Bezugsl\u00e4ndern durch den Systemwechsel. F\u00fcr China macht dies ein Plus von 1 Mrd. Franken aus; auf der Gegenseite steht Deutschland mit einem Minus von 1,5 Mrd. Franken. Auch bei der bedeutenderen Gruppe Maschinen zeigt sich ein \u00e4hnliches Bild.&#13;<\/p>\n<h2>Konform und aussagekr\u00e4ftiger<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Anpassung der publizierten Importdaten anhand des Ursprungslandprinzips &shy;erlaubt in einer vernetzten und integrierten\u00a0Welt einen besseren \u00dcberblick \u00fcber die tats\u00e4chliche Bedeutung einzelner Handelspartner. Insbesondere kann eine Tendenz zur\u00a0\u00dcberzeichnung der Importvolumen aus Nachbarl\u00e4ndern und grossen Handelsh\u00e4fen ebenso vermieden werden, wie die entsprechende Untersch\u00e4tzung der Lieferungen aus\u00a0weiter entfernten Volkswirtschaften. Es kommt jedoch durch die Neuerung zu Verzerrungen, insbesondere in den j\u00e4hrlichen Ver\u00e4nderungsraten f\u00fcr 2012, in welchen einmalig Zahlen des Erzeugungslandes mit Daten des Ursprungslandes verglichen werden m\u00fcssen.Mit der Anpassung harmonisiert die Schweizer Aussenhandelsstatistik noch st\u00e4rker mit international gebr\u00e4uchlichen Me&shy;thoden. Die Symmetrie der Importdaten mit jenen Zahlen, welche beim jeweiligen Handelspartner als Exporte aufgezeichnet werden, nimmt zu, da hier \u00fcblicherweise das Endbestimmungsland aufgezeichnet wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abKokosnussimporte aus den Niederlanden und der Elfenbeink\u00fcste, 2009\u20132012\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abSchweizer Importe\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abHauptlieferanten der Schweiz\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abImporte in die Schweiz nach Erzeugungs- und Ursprungsland\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 3: \u00abVergleich von Erzeugungs- und Ursprungsl\u00e4ndern in den zwei am st\u00e4rksten betroffenen Branchen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Bilaterales Statistikabkommen mit\u00a0der EU&#13;<\/p>\n<h3>Bilaterales Statistikabkommen mit\u00a0der EU<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas \u00abAbkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft \u00fcber die Zusammenarbeit im Bereich der Statistik\u00bb wurde im Oktober 2004 abgeschlossen. Es hat zum Ziel, die Statistiken der Schweiz und der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft, respektive der EU, einander anzugleichen. Das Herzst\u00fcck des Abkommens bildet die \u00dcbermittlung statistischer Daten aus der Schweiz an die EU Statistikbeh\u00f6rde Eurostat.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Umsetzung des Kapitels Aussenhandelsstatistik (und von weiteren, auf dem Abkommen basierenden Beschl\u00fcssen) waren neben dem Wechsel vom Erzeugungsland- zum Ursprungslandprinzip einige weitere Anpassungen n\u00f6tig. Beispielsweise sind neu in den Zollanmeldungen zus\u00e4tzliche Rechnungsw\u00e4hrungen zul\u00e4ssig.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Anfang 2012 wird das &shy;Ursprungsland anstelle des Erzeugungslandes in der Aussenhandelsstatistik ausgewiesen. 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