{"id":119099,"date":"2013-03-01T12:00:00","date_gmt":"2013-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/03\/schlaepfer-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:14","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:14","slug":"schlaepfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/03\/schlaepfer\/","title":{"rendered":"Denk- und Importverbote"},"content":{"rendered":"<p>Der Schweizer Detailhandel braucht sich nicht zu verstecken. Er ist im internationalen Vergleich sehr effizient. Dank enger Partnerschaft mit den Bauern bieten wir Label-Produkte mit hohem Mehrwert. Und die Konsumentinnen und Konsumenten sind &shy;erfreulicherweise bereit, f\u00fcr solche Nahrungsmittel entsprechend mehr zu bezahlen. Zusammen mit Grossbritannien und den Niederlanden sind wir bei der nachhaltigen Beschaffung\u00a0von Non-Food-Artikeln europaweit f\u00fchrend. Die Kehrseite der\u00a0Medaille: Letztes Jahr wurde f\u00fcr rund 8 Mrd. Franken im Ausland eingekauft, nicht zuletzt im EU-Tiefpreisland Deutschland. &shy;Migros hat die Preise 2011 um 4% und 2012 um 1,4% gesenkt. Doch die Preisdifferenz \u2013 insbesondere zu Deutschland \u2013 bleibt zu hoch, und dies ist nicht zuletzt politisch gewollt. Der Reformschub, den sich Experten als positiven Effekt des boomenden Einkaufstourismus erhofft haben, ist ausgeblieben. Was ist zu tun?&#13;<\/p>\n<h2>An vier Stellschrauben drehen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin wichtiger Treiber des Einkaufstourismus sind die <i>K\u00f6rperpflege- und Hygieneprodukte<\/i>. Im Rahmen der Kartellgesetzrevision kommt es demn\u00e4chst zur Nagelprobe. Sollen internationale Konsumg\u00fcterhersteller Gewerbe und Handel hierzulande weiterhin zwingen k\u00f6nnen, ihre Topprodukte \u00fcber &shy;ihren Alleinvertreiber in der Schweiz in Schweizer Franken zu beziehen? Oder soll die Wettbewerbskommission einschreiten k\u00f6nnen, wenn Schweizer Firmen diese im Ausland beschaffen m\u00f6chten, der Hersteller es ihnen jedoch untersagt? Die Preisunterschiede sind gem\u00e4ss einer Erhebung vom Dezember 2012 nach wie vor frappant: Nivea Styling Spray wird in deutschen L\u00e4den f\u00fcr umgerechnet 1,49 Franken angeboten, w\u00e4hrend der Einstandspreis in der Schweiz 3,30 Franken betr\u00e4gt. Milupa Babymilch wird in Deutschland f\u00fcr 1,67 Franken verkauft \u2013 Einstandspreis Schweiz: 4,54 Franken. Auch das Ravensburger Spiel Xoomy Maxi ist im Einstand Schweiz (38,61 Fr.) weit h\u00f6her, als es in Deutschland \u00fcber den Ladentisch geht (28,46 Fr.).\u00d6konomen innerhalb und ausserhalb der Verwaltung verk\u00fcnden mantrahaft den angeblich funktionierenden Interbrandwettbewerb. Will heissen: Wem Nivea in der Schweiz zu teuer sei, der k\u00f6nne ja auf ein anderes Produkt ausweichen. Doch weil andere Konsumg\u00fcterhersteller die h\u00f6here Schweizer Kaufkraft genauso absch\u00f6pfen, funktioniert dies nicht. Die Kunden bleiben dem Markenprodukt treu und kaufen es im Ausland ein. Die anschwellenden grenz\u00fcberschreitenden Einkaufsstr\u00f6me sind der empirische Beweis, dass die Interbrand-These \u00fcberholt ist. Nivea-Kunden wechseln nicht die Marke, sondern das Einkaufsland \u2013 zum Schaden der Schweiz. Denn die Welt hat sich gewandelt. Heute herrscht dank Internet totale Preistransparenz, und die Mobilit\u00e4t ist hoch. Ausgerechnet Economiesuisse bek\u00e4mpft als Gralsh\u00fcterin des Freihandels den freien Import von Konsumg\u00fctern genauso wie weiland die Einf\u00fchrung von Parallelimporten patentgesch\u00fctzter G\u00fcter. Die Grenzen f\u00fcr die Landwirtschaft \u00f6ffnen, jedoch internationale Grosskonzerne gegen Preiswettbewerb in Schutz nehmen? Das ist keine konsistente Politik. Leider verweigert sich das Departement von Bundesrat Schneider-Ammann ebenfalls einer konstruktiven L\u00f6sung, als herrschte bez\u00fcglich \u00fcberh\u00f6hter Importpreise ein Denkverbot.Massiv \u00fcberh\u00f6ht sind in der Schweiz auch die <i>OTC-Produkte<\/i>, also die freiverk\u00e4uflichen Heilmittel. In diesem Bereich ist die Schweiz im internationalen Vergleich sehr restriktiv. Nur relativ wenig Produkte k\u00f6nnen im Supermarkt gekauft werden, weshalb der Preiswettbewerb nur bedingt spielt. Der Bundesrat handelt nun, indem er das Abgaberegime lockern will. Nach langer Vorlaufzeit nimmt das Parlament die Revision des Heilmittelgesetzes in Angriff.Und bei den <i>Lebensmitteln<\/i>? Langfristig brauchen wir ein umfassendes Agrarabkommen mit der EU, auch um unsere hochwertigen Produkte hindernisfrei exportieren zu k\u00f6nnen. Doch die Zeichen stehen auf Abschottung. Es gilt in der Zwischenzeit zu pr\u00fcfen, ob nach dem K\u00e4semarkt auch der Fleischmarkt ge\u00f6ffnet werden k\u00f6nnte. Denn auch beim Fleisch ist die Preisdifferenz zum Ausland zu hoch. Der Preis ist jedoch nicht alles. In einem andern Bereich haben die Nachbarstaaten die Schweiz ebenfalls \u00fcberrundet, n\u00e4mlich bei den <i>Laden\u00f6ffnungszeiten<\/i>. Die deutschen Einkaufszentren an der Grenze zur Schweiz sind heute bis 22 Uhr ge\u00f6ffnet. In Italien hat die Regierung Monti tabula rasa gemacht. Selbst sonntags darf eingekauft werden. \u2028Im Vergleich dazu sind die Forderungen des Schweizer Detailhandels bescheiden. Wir pl\u00e4dieren f\u00fcr eine pragmatische Teilharmonisierung: Montag bis Freitag bis 20 Uhr \u2028und am Samstag bis 18 oder 19 Uhr. \u2028Entgegen &shy;gewissen Unkenrufen wollen wir kein 24-Stunden-Shopping. Gleichwohl bek\u00e4mpft die Unia jede noch so kleine kunden&shy;freundliche Verl\u00e4ngerung.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs ist an der Zeit, Import- und Denkverbote aufzuheben. &shy;Zudem m\u00fcssen nach den Reformversprechen, die 2011 am Runden Tisch zur Frankenhausse abgegeben wurden, endlich Taten folgen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schweizer Detailhandel braucht sich nicht zu verstecken. Er ist im internationalen Vergleich sehr effizient. Dank enger Partnerschaft mit den Bauern bieten wir Label-Produkte mit hohem Mehrwert. Und die Konsumentinnen und Konsumenten sind &shy;erfreulicherweise bereit, f\u00fcr solche Nahrungsmittel entsprechend mehr zu bezahlen. 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