{"id":119104,"date":"2013-03-01T12:00:00","date_gmt":"2013-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/03\/schluep-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:05","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:05","slug":"schluep","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/03\/schluep\/","title":{"rendered":"Entwicklung der preislichen Konkurrenzsituation an der Grenze zu Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Eine Auswertung der harmonisierten Konsumentenpreisindizes von Eurostat zeigt auf, dass sich\u00a0ausgehend vom Stand im Juni 2010 Ende 2012 eine weit geringere Ausweitung der Preisdifferenzen zu Deutschland eingestellt hat als noch im Sommer 2011. Je leichter die Nachfrager auf Auslandangebote bei Produkten und Dienstleistungen ausweichen k\u00f6nnen, desto mehr die Preissetzung der Anbieter auf den Wechselkurs. Werden absolute Preisdifferenzen zu Deutschland aus einer selektiven Preiserhebung des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) in grenznahen Standorten herangezogen, zeigt sich aber, dass sich diese zwischen 2011 und 2012 bei vielen Produktkategorien noch leicht &shy;akzentuiert haben. Der Einkaufstourismus bleibt bei diesen hohen Preisdifferenzen attraktiv. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201303_05_Schluep_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn diesem Artikel wird zun\u00e4chst anhand\u00a0der amtlichen Statistik dargestellt, wie sich\u00a0die preisliche Konkurrenzsituation zu Deutschland in den letzten zweieinhalb &shy;Jahren entwickelt hat. Dazu werden die &shy;harmonisierten Konsumentenpreisindizes verwendet. Die harmonisierten Konsumentenpreisindizes messen \u2013 gleich wie der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) \u2013 die Teuerung bei einzelnen Kategorien von G\u00fctern und Dienstleistungen und im Konsum allgemein. Unterschiede ergeben sich durch eine europaweit einheitliche Festlegung der erfassten G\u00fcterkategorien und ein f\u00fcr alle L\u00e4nder gleiches Gewichtungsschema der erfassten Meldungen. Mit andern Worten: Es wird die Optik des europ\u00e4ischen, nicht des Schweizer Durchschnittskonsumenten eingenommen. Wir beschr\u00e4nken unseren Vergleich auf die Entwicklung des harmonisierten Konsumentenpreisindex zwischen Deutschland und der Schweiz. Der Grund ist, dass der grenz\u00fcberschreitende Einkauf in Deutschland mit Abstand vor dem Einkauf in Frankreich, Italien oder \u00d6sterreich rangiert und deshalb vor allem die Preisdifferenz zu Deutschland die grossen, gesamtschweizerisch t\u00e4tigen H\u00e4ndler und Hersteller zum Reagieren zwingt.&#13;<br \/>\nDie harmonisierten Konsumentenpreisindizes sind ein nationales Mittel. Es wird davon ausgegangen, dass in den Grenzregionen wohl Abweichungen vom jeweiligen nationalen Mittel bestehen, dass sich\u00a0diese im betrachteten Zeitraum aber nicht ver\u00e4ndert haben. Zudem wird nur die Periode ab Sommer 2010 betrachtet, da sp\u00e4testens ab diesem Zeitpunkt davon ausgegangen werden kann, dass der Franken gegen\u00fcber dem Euro in eine Phase der \u00dcberbewertung eingetreten ist, mithin sp\u00e4testens ab dann Einkaufsvorteile weiterzugeben waren.&#13;<br \/>\nSiehe Grafik 1 im Artikel von Peter Balast\u00e8r auf S. 5 in dieser &shy;Ausgabe.&#13;<\/p>\n<h2>\u00dcbersicht zur Entwicklung der &shy;Preis&shy;differenzen zu Deutschland<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ausweitung der Preisdifferenzen zu Deutschland zwischen Juni 2010 und Juni 2011 sowie zwischen Juni 2010 und Dezember 2012 ist in den beiden ersten Spalten von <i>Tabelle 1<\/i> wiedergegeben. In der dritten Spalte wird gezeigt, wie sich die Preisdifferenz zwischen dem Basisjahr der Erhebung 2005 und Juni 2010 entwickelt hat. Indem man den Ausgangszeitpunkt Juni 2010 so in einen\u00a0l\u00e4ngerfristigen Kontext stellt, soll dem Einwand begegnet werden, dass die Wahl des Juni 2010 als Referenzzeitpunkt auch ein &shy;gewisses arbitr\u00e4res Moment beinhaltet. Begr\u00fcndet ist diese Wahl dadurch, dass die Debatte um die Weitergabe der Einkaufsvorteile im Euro&shy;raum im Sommer 2011 den H\u00f6hepunkt erreichte und man sich f\u00fcr die Argumentation der damals aktuellen Jahresver\u00e4nderungsraten der Preise bediente. Gemessen am Basisjahr 2005 hatte sich im Juni 2010 oft schon eine erhebliche Ausweitung der Preisdifferenz zu Deutschland ergeben, wozu der Anstieg des Frankens zum Euro um 12,3% in diesem Zeitraum erheblich beitrug (bei einer gem\u00e4ss harmonisiertem Konsumentenpreisindex \u00fcber diese 5 Jahre in Deutschland um 3,8% h\u00f6heren Teuerung als in der Schweiz). Ein negatives Vorzeichen in <i>Tabelle 1<\/i> bedeutet, dass Deutschland gegen\u00fcber der Schweiz um den angegebenen Prozentsatz g\u00fcnstiger geworden ist, und dies zum jeweils geltenden Wechselkurs. Die Angaben zu den einzelnen Produktkategorien zeigen ein ausgepr\u00e4gt heterogenes Bild. Wenn eine generalisierende Aussage gemacht werden kann, dann die, dass eine Momentaufnahme 12 Monate nach einer markanten Wechselkursver\u00e4nderung (vorliegend im Juni 2011) noch kein abschliessendes Bild zur Weitergabe von Einkaufsvorteilen zu vermitteln vermag. Je mehr man aber den Zeitraum ausweitet (vorliegend bis Dezember 2012), desto fraglicher wird, ob man in den statistisch erfassten Preisver\u00e4nderungen \u00fcberhaupt noch den Einfluss der urspr\u00fcng&shy;lichen Wechselkurs\u00e4nderung sieht. Gege&shy;benenfalls sind andere, ebenso potente &shy;Einflussfaktoren dazugekommen. In der vorliegenden Periode ist dabei insbesondere an das Umschlagen der Einsch\u00e4tzung der weiteren konjunkturellen Entwicklung im Herbst 2011 zu denken.&#13;<br \/>\nEine zeitlich sich dahinziehende Weitergabe wie auch die Pr\u00e4senz anderer bedeutender Einflussfaktoren lassen sich nur sauber analysieren, wenn man fortgeschrittene \u00f6konometrische Methoden zur Anwendung bringt.&#13;<\/p>\n<h2>Nahrungsmittel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Kategorie Nahrungsmittel und alkoholfreie Getr\u00e4nke war die Ausweitung der Preisdifferenz zu Deutschland mit 7,5% schon von Juni 2010 bis Juni 2011 geringer als die Wechselkursver\u00e4nderung (\u201312,2%). Im Dezember 2012 hatte sich die Ausweitung der Preisdifferenz \u2013 trotz Fortbestehens einer gleichen Ver\u00e4nderung beim nominellen Wechselkurs zum Basismonat Juni 2010 wie im Juni 2011 \u2013 sogar ganz zur\u00fcckgebildet.Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass bei Fisch, aber auch bei Obst im Dezember\u00a02012 eine geringere Preisdifferenz zu Deutschland ausgewiesen wird als im Ausgangsmonat Juni 2010, und dies trotz Aufwertung des Frankens. Ein hoher Importanteil bei diesen Waren hat dies erleichtert. Milch, K\u00e4se und Eier kommen dagegen zu einem grossen Teil aus dem Inland; entsprechend verwundert es auch nicht, dass hier noch eine beschr\u00e4nkte Ausweitung der Preisdifferenzen fortbesteht. Gemessen an der seit Juni 2010 eingetretenen Wechselkursver\u00e4nderung ist sie aber erstaunlich gering. Dass der Einkaufstourismus auf den Fleischeinkauf im Inland besonders stark einwirkt, braucht nicht hervorgehoben zu werden. M\u00f6glicherweise liegt hier die Erkl\u00e4rung, dass sich beim Fleisch die Preisspanne zu Deutschland seit Juni 2010 sogar etwas verengt hat. Sie ist ja auch ausgesprochen gross.&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss den Kaufkraftparit\u00e4tsberechnungen von Euro&shy;stat liegt 2011 das relative Preisniveau bei Fleisch f\u00fcr die Schweiz bei 200,6 und in Deutschland bei 114,5 Punkten, wenn EU-15=100.Bei den Kategorien Tabak und alkoholische Getr\u00e4nke ist Ende 2012 die Ausweitung der Preisspanne dagegen gross geblieben. Dies d\u00fcrfte in den hohen staatlichen Abgaben, die in den erfassten Konsumentenpreisen enthalten sind, eine Erkl\u00e4rung finden. Der Steuersatz bei Tabak und Schnaps bemisst sich in der Schweiz n\u00e4mlich nicht am Warenwert und damit am Preis, sondern an der Menge.&#13;<\/p>\n<h2>Dienstleistungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNicht verwunderlich ist, dass bei einer Reihe von Dienstleistungen auch im Dezember 2012 eine markante Ausweitung der Preisdifferenzen zu Deutschland fortbesteht. Dies ist der Fall bei den Finanzdienstleistungen (wo Eurostat f\u00fcr Deutschland einen Preiszerfall ausweist), dem Bildungswesen, der Telefonie und den Postdiensten, den Freizeit- und Kulturangeboten, den Versicherungen, den Bewirtungsdienstleistungen, der Gesundheit, dem Wohnungswesen und den Verkehrsleistungen. Die etwas geringere Ausweitung der Preisdifferenzen \u00fcber den l\u00e4ngeren Zeitraum Juni 2010 bis Dezember 2012 von \u20138,8% (statt \u201311,2%) entspricht etwa dem, was man aufgrund der allgemein etwas tieferen Teuerung in der Schweiz als in Deutschland in der letzten Zeit erwarten durfte. Auffallend unter den Dienstleistungsrubriken ist die Verengung der Preisdifferenzen bei Beherbergungsleistungen. Sie kontrastiert mit der Entwicklung bei Bewirtungsleistungen (am Ende der linken Spalte). Der Umsatzanteil der Ausl\u00e4nder bei den \u00dcbernachtungen ist aber auch h\u00f6her als beim Konsum im Restaurant. Nimmt man noch die weitgehend aus Importen bestehende Position Pauschalreisen hinzu, ergibt sich im Ergebnis ein schl\u00fcssiges Bild: Je leichter die Nachfrager auf Auslandangebote ausweichen k\u00f6nnen, desto mehr reagiert die Preissetzung der Anbieter auf den Wechselkurs.&#13;<\/p>\n<h2>Waren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZur allgemein etwas tieferen Teuerung bei Dienstleistungen in der Schweiz als in Deutschland in nationaler W\u00e4hrung tr\u00e4gt nat\u00fcrlich auch die Weitergabe von wechselkursbedingten Einkaufsvorteilen bei, denn dies senkt den Lohndruck. Interessant ist deshalb, wo eine solche Weitergabe bei den vor allem handelbare Waren umfassenden Indexpositionen erfolgt ist und wo nicht. Fragezeichen hinsichtlich Weitergabe der Einkaufsvorteile bestehen Ende 2012 vor allem bei folgenden Warengruppen fort: Sportger\u00e4te, Schuhe, Zeitungen und Zeitschriften sowie sonstige Druckerzeugnisse. Dass bei Kraft- und Schmierstoffen kaum eine Ann\u00e4herung eingetreten ist, d\u00fcrfte \u00e4hnliche Gr\u00fcnde haben wie bei Alkohol und Tabak: Der staatliche Abgabensatz \u2013 alle Treibstoffabgaben zusammengenommen \u2013 ist vor allem Funktion der Menge und weniger des Umsatzes. Im Bereich all dessen, was in den Haushalt geht (d.h. von den Teppichen \u00fcber die kurzlebigen Haushaltwaren bis zu den M\u00f6beln), besteht Ende 2012 noch eine Ausweitung der Preisdifferenzen im Umfang von knapp der H\u00e4lfte der von Juni 2010 bis Dezember 2012 eingetretenen Wechselkursver\u00e4nderung fort. Stellt man eine allgemein etwas tiefere Teuerung in der Schweiz in Rechnung, w\u00e4re der Schluss zul\u00e4ssig, dass die w\u00e4hrungsbedingten Einkaufsvorteile weitergegeben wurden, falls der Kostenblock im Inland bei diesen Produkten bei rund der H\u00e4lfte des Umsatzes liegt. Deutlich umgeschlagen hat die Situation bei den Fahrzeugen, dies bei den Personenwagen ausgepr\u00e4gter als bei den Zweir\u00e4dern. Dass die Eurorabatte sp\u00e4testens ab Mitte 2011 allen Kunden zug\u00e4nglich gemacht wurden und damit statistisch zu erfassen waren, wird bei diesem Teilergebnis deutlich. Die Produkte der Rubrik Ger\u00e4te und Zubeh\u00f6r \u2013 darunter f\u00e4llt die Unterhaltungselektronik \u2013 werden vor allem aus Fernost importiert. Hier spielen andere W\u00e4hrungsverh\u00e4ltnisse als jene zum Euro eine bedeutende Rolle. Die Euroschw\u00e4che verteuerte die Importe Deutschlands; eine Frankenst\u00e4rke bestand demgegen\u00fcber auch zum Dollarraum und verbilligte die Importe der Schweiz. Bei all diesen Analysen ist immer auch zu beachten, welche Effekte im Juni 2010 aufgrund der Teuerungsdifferenzen und Wechselkursver\u00e4nderungen seit dem Basisjahr 2005 noch in der Pipeline waren. Die nachstehend diskutierte Position liefert hierzu eine Illustration: An sich ist auch die Bewegung bei der Bekleidung auffallend. War im Sommer 2011 noch quasi keine Weitergabe von w\u00e4hrungsbedingten Einkaufsvorteilen zu beobachten, hatte man Ende 2012 sogar eine Verengung der Preisdifferenzen! Hier ist allerdings zu bedenken, dass seit dem Basisjahr 2005 f\u00fcr die Schweiz bei Bekleidung im harmonisierten Konsumentenpreisindex eine weit h\u00f6here Teuerungsrate statistisch erfasst wurde als f\u00fcr Deutschland. Mithin bestand Spielraum f\u00fcr eine gewisse Verengung der Preisdifferenz unter dem Druck der weniger g\u00fcnstig &shy;eingesch\u00e4tzten Konjunktur und des Einkaufstourismus.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Fazit aus dieser Vielfalt an Entwicklungen geht dahin, dass man im Juni 2011, als sich bei Waren die Preisdifferenz zu Deutschland um 9,4% ausgeweitet hatte, bei einer Verteuerung des Frankens von gegen 14%, noch kaum von einer Weitergabe der Einkaufsvorteile im Euroraum sprechen konnte. Im Dezember 2012 war dann nur noch eine Ausweitung um 2,2% zu verzeichnen \u2013 also 7% weniger, bei einer immer noch gleichen Wechselkursver\u00e4nderung. Dies ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass gem\u00e4ss der Input-Output-Tabelle der Schweiz nur etwa einer von sechs Franken im Konsum direkt ans Ausland gezahlt wird. Das Ergebnis erkl\u00e4rt sich aus einer allgemeinen Teuerungsdifferenz zu Deutschland, aus den im Herbst 2011 aufkommenden Bef\u00fcrchtungen hinsichtlich einer umschlagenden Konjunktur und aus dem Wettbewerbsdruck, sei es durch neue Konkurrenten, sei es wegen des sich ausweitenden Einkaufstourismus. Auf die Entwicklung der absoluten Preisdifferenzen zu Deutschland auf Produktebene wird in <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Entwicklung auf Produktebene \u2013 Resultate einer Preiserhebung an Grenzstandorten<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Rahmen des Preisobservatoriums zu den Wirkungen der Revision des Bundesgesetzes \u00fcber die technischen Handelshemmnisse (THG) und insbesondere der autonomen Einf\u00fchrung des Cassis-de-Dijon-Prinzips f\u00fchrte das Seco eigene Preiserhebungen in der Schweiz und im angrenzenden Ausland durch. Es wurden Daten auf dem Niveau der einzelnen Produkte erhoben. Die Daten von Eurostat aus dem internationalen Preisvergleichsprojekt w\u00e4ren f\u00fcr die Analyse zu aggregiert gewesen. Ein weiterer Grund f\u00fcr die eigene Datenerhebung war, dass die auf dem tiefen Desaggregationsniveau von den nationalen statistischen \u00c4mtern erhobenen Angaben \u00f6ffentlich nicht zug\u00e4nglich sind. Dass die Preise vom Seco im grenznahen Ausland erhoben wurde, erkl\u00e4rt sich wegen der politischen Relevanz des Einkaufstourismus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie getroffene Auswahl von rund 150 Produkten kann die Repr\u00e4sentativit\u00e4t der amtlichen Statistik nicht erreichen, auch wenn Produkte gew\u00e4hlt wurden, die auf den entsprechenden M\u00e4rkten eine bedeutende Marktstellung innehaben. Daf\u00fcr liefert diese Erhebung auch Angaben zu absoluten Preisdifferenzen, was die Indexreihen der amtlichen Statistik nicht k\u00f6nnen, was aber letztlich f\u00fcr den Kaufentscheid massgebend ist. Erfasst wurden wie in der amtlichen Statistik Bruttopreise. Dies l\u00e4sst die Schweiz preisg\u00fcnstiger erscheinen, als wenn Preise nach Abzug der staatlichen Abgaben verwendet worden w\u00e4ren. Der Grund liegt in erster Linie in den niedrigeren Mehrwertsteuers\u00e4tzen in der Schweiz (Normalsatz von 8% in der Schweiz gegen\u00fcber 19% in Deutschland f\u00fcr 2012). Da die Erhebung in Zusammenhang mit der begleitenden Evaluation zur THG-Revision stand (Inkrafttreten per 1. Juli 2010), wurden in die Erhebung vor allem Waren aufgenommen, f\u00fcr die Vorschriften des technischen Rechts eine erhebliche Bedeutung haben. Auch insofern ist die Produktauswahl nicht repr\u00e4sentativ. Dienstleistungen blieben g\u00e4nzlich unbeachtet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Preiserhebungen von 2010, 2011 und 2012 waren massgeblich durch die markante Aufwertung des Schweizer Frankens gegen\u00fcber dem Euro gepr\u00e4gt. Konkret lag der Kurs des Euro in Franken in den drei Erhebungszeitpunkten (jeweils Ende des 1. Quartals) auf dem folgenden Niveau: 2010 1,45, 2011 1,28 und 2012 1,20.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn Tabelle 2 bedeutet ein negatives Vorzeichen, dass der Preis in der Schweiz im jeweiligen Jahr tiefer war als in Deutschland. Umgekehrt geben die positiven Zahlen dar\u00fcber Auskunft, um wie viel entsprechende Produkte in Deutschland billiger waren als in der Schweiz. Die letzte Spalte enth\u00e4lt die Anzahl Produkte, die jeweils pro Produktkategorie ausgewertet wurden. Die Spalte \u00abDifferenz 2011\/2012\u00bb zeigt bei einem \u00ab+\u00bb auf, dass sich die Preisdifferenz zu Deutschland von 2011 bis 2012 ausgeweitet hat. Zu beachten ist, dass nicht der Durchschnitt, sondern der Medianwert der Preisverh\u00e4ltnisse . Dieser ist robuster als ein Durchschnittswert und widerspiegelt jenes Preisverh\u00e4ltnis zwischen der Schweiz und Deutschland, das von 50% der \u2028Beobachtungen \u00fcbertroffen und von 50% der \u2028Beobachtungen unterschritten wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse aus den Erhebungen des Seco in der Schweiz und in grenznahen Standorten in Deutschland kontrastiert mit den Resultaten der harmonisierten Konsumentenpreisindizes. Bei der Mehrzahl der Produktgruppen ist zwischen dem 1. Quartal 2011 und dem 1. Quartal 2012 noch eine Ausweitung der Preisdifferenzen zu verzeichnen. Besonders hohe Preisdifferenzen von \u00fcber 30% bestehen nach wie vor \u2013 in absteigender Reihenfolge \u2013 bei folgenden Produktkategorien: K\u00f6rperpflegeprodukte, Investitionsg\u00fcter (Heizungen, Boiler &amp;amp; Feuerl\u00f6scher), Nahrungs- und Genussmittel, Non-Food-Produkte (Gebrauchsg\u00fcter, kurzlebige Haushaltwaren, Tierfutter, Zeitschriften, B\u00fccher, Uhren, CD&#8217;s) und Spielsachen &amp;amp; Kinderbedarf (Kinderwagen, Windeln). Das geringste Ausmass der Preisdifferenzen besteht heute bei Unterhaltungselektronik und Fahrzeugen. Die relativ geringen Preisdifferenzen bei Medikamenten erkl\u00e4ren sich dadurch, dass das erhobene Generika (Magenmittel) sowie die Antibabypille (Original) in Deutschland viel billiger, aber zwei Originalpr\u00e4parate (Blutdruckmittel und Kopfschmerztablette) dagegen teurer als in der Schweiz waren. Das medizinische Ger\u00e4t war 2012 in der Schweiz billiger.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nzeigt jedenfalls auf, dass die hohen Preisdifferenzen als Triebfeder f\u00fcr den Einkaufstourismus nichts an Aktualit\u00e4t eingeb\u00fcsst haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nund <i>Tabelle 2<\/i> genauer eingegangen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abAusweitung der Preisdifferenzen zu Deutschland anhand der Entwicklung der harmonisierten\u00a0&shy;Konsumentpreisindizes\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abMedian der Preisverh\u00e4ltnisse Schweiz\u2013Deutschland\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Entwicklung auf Produktebene \u2013 Resultate einer Preiserhebung an Grenzstandorten&#13;<\/p>\n<h3>Entwicklung auf Produktebene \u2013 Resultate einer Preiserhebung an Grenzstandorten<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Rahmen des Preisobservatoriums zu den Wirkungen der Revision des Bundesgesetzes \u00fcber die technischen Handelshemmnisse (THG) und insbesondere der autonomen Einf\u00fchrung des Cassis-de-Dijon-Prinzips f\u00fchrte das Seco eigene Preiserhebungen in der Schweiz und im angrenzenden Ausland durch. Es wurden Daten auf dem Niveau der einzelnen Produkte erhoben. Die Daten von Eurostat aus dem internationalen Preisvergleichsprojekt w\u00e4ren f\u00fcr die Analyse zu aggregiert gewesen. Ein weiterer Grund f\u00fcr die eigene Datenerhebung war, dass die auf dem tiefen Desaggregationsniveau von den nationalen statistischen \u00c4mtern erhobenen Angaben \u00f6ffentlich nicht zug\u00e4nglich sind. Dass die Preise vom Seco im grenznahen Ausland erhoben wurde, erkl\u00e4rt sich wegen der politischen Relevanz des Einkaufstourismus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie getroffene Auswahl von rund 150 Produkten kann die Repr\u00e4sentativit\u00e4t der amtlichen Statistik nicht erreichen, auch wenn Produkte gew\u00e4hlt wurden, die auf den entsprechenden M\u00e4rkten eine bedeutende Marktstellung innehaben. Daf\u00fcr liefert diese Erhebung auch Angaben zu absoluten Preisdifferenzen, was die Indexreihen der amtlichen Statistik nicht k\u00f6nnen, was aber letztlich f\u00fcr den Kaufentscheid massgebend ist. Erfasst wurden wie in der amtlichen Statistik Bruttopreise. Dies l\u00e4sst die Schweiz preisg\u00fcnstiger erscheinen, als wenn Preise nach Abzug der staatlichen Abgaben verwendet worden w\u00e4ren. Der Grund liegt in erster Linie in den niedrigeren Mehrwertsteuers\u00e4tzen in der Schweiz (Normalsatz von 8% in der Schweiz gegen\u00fcber 19% in Deutschland f\u00fcr 2012). Da die Erhebung in Zusammenhang mit der begleitenden Evaluation zur THG-Revision stand (Inkrafttreten per 1. Juli 2010), wurden in die Erhebung vor allem Waren aufgenommen, f\u00fcr die Vorschriften des technischen Rechts eine erhebliche Bedeutung haben. Auch insofern ist die Produktauswahl nicht repr\u00e4sentativ. Dienstleistungen blieben g\u00e4nzlich unbeachtet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Preiserhebungen von 2010, 2011 und 2012 waren massgeblich durch die markante Aufwertung des Schweizer Frankens gegen\u00fcber dem Euro gepr\u00e4gt. Konkret lag der Kurs des Euro in Franken in den drei Erhebungszeitpunkten (jeweils Ende des 1. Quartals) auf dem folgenden Niveau: 2010 1,45, 2011 1,28 und 2012 1,20.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn <i>Tabelle 2<\/i> bedeutet ein negatives Vorzeichen, dass der Preis in der Schweiz im jeweiligen Jahr tiefer war als in Deutschland. Umgekehrt geben die positiven Zahlen dar\u00fcber Auskunft, um wie viel entsprechende Produkte in Deutschland billiger waren als in der Schweiz. Die letzte Spalte enth\u00e4lt die Anzahl Produkte, die jeweils pro Produktkategorie ausgewertet wurden. Die Spalte \u00abDifferenz 2011\/2012\u00bb zeigt bei einem \u00ab+\u00bb auf, dass sich die Preisdifferenz zu Deutschland von 2011 bis 2012 ausgeweitet hat. Zu beachten ist, dass nicht der Durchschnitt, sondern der Medianwert der Preisverh\u00e4ltnisse . Dieser ist robuster als ein Durchschnittswert und widerspiegelt jenes Preisverh\u00e4ltnis zwischen der Schweiz und Deutschland, das von 50% der \u2028Beobachtungen \u00fcbertroffen und von 50% der \u2028Beobachtungen unterschritten wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse aus den Erhebungen des Seco in der Schweiz und in grenznahen Standorten in Deutschland kontrastiert mit den Resultaten der harmonisierten Konsumentenpreisindizes. Bei der Mehrzahl der Produktgruppen ist zwischen dem 1. Quartal 2011 und dem 1. Quartal 2012 noch eine Ausweitung der Preisdifferenzen zu verzeichnen. Besonders hohe Preisdifferenzen von \u00fcber 30% bestehen nach wie vor \u2013 in absteigender Reihenfolge \u2013 bei folgenden Produktkategorien: K\u00f6rperpflegeprodukte, Investitionsg\u00fcter (Heizungen, Boiler &amp; Feuerl\u00f6scher), Nahrungs- und Genussmittel, Non-Food-Produkte (Gebrauchsg\u00fcter, kurzlebige Haushaltwaren, Tierfutter, Zeitschriften, B\u00fccher, Uhren, CD&#8217;s) und Spielsachen &amp; Kinderbedarf (Kinderwagen, Windeln). Das geringste Ausmass der Preisdifferenzen besteht heute bei Unterhaltungselektronik und Fahrzeugen. Die relativ geringen Preisdifferenzen bei Medikamenten erkl\u00e4ren sich dadurch, dass das erhobene Generika (Magenmittel) sowie die Antibabypille (Original) in Deutschland viel billiger, aber zwei Originalpr\u00e4parate (Blutdruckmittel und Kopfschmerztablette) dagegen teurer als in der Schweiz waren. Das medizinische Ger\u00e4t war 2012 in der Schweiz billiger.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nzeigt jedenfalls auf, dass die hohen Preisdifferenzen als Triebfeder f\u00fcr den Einkaufstourismus nichts an Aktualit\u00e4t eingeb\u00fcsst haben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Auswertung der harmonisierten Konsumentenpreisindizes von Eurostat zeigt auf, dass sich\u00a0ausgehend vom Stand im Juni 2010 Ende 2012 eine weit geringere Ausweitung der Preisdifferenzen zu Deutschland eingestellt hat als noch im Sommer 2011. Je leichter die Nachfrager auf Auslandangebote bei Produkten und Dienstleistungen ausweichen k\u00f6nnen, desto mehr die Preissetzung der Anbieter auf den Wechselkurs. 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