{"id":119119,"date":"2013-03-01T12:00:00","date_gmt":"2013-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/03\/tille-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:06","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:06","slug":"tille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/03\/tille\/","title":{"rendered":"Finanzielle Integration und Wirtschaftspolitik"},"content":{"rendered":"<p>Die finanzielle Globalisierung geh\u00f6rt zu den pr\u00e4genden Wirtschaftstrends der vergangenen 25 Jahre. In diesem Zeitraum wuchsen die grenz\u00fcberschreitenden Verm\u00f6gen wesentlich schneller als die Bruttoinlandprodukte. Neu ist diese f\u00fcr entwickelte L\u00e4nder typische Konstellation auch in Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern zu beobachten. Die Globalisierung schreitet dort zwar weniger schnell voran. Sie hinterl\u00e4sst aber m\u00f6glicherweise tiefere Spuren, weil die Wirtschaftspolitik in diesen L\u00e4ndern auf einer weniger soliden Infrastruktur beruht.&#13;<br \/>\nSiehe Artikel Rosmarie Schlup auf S. 51 ff. der vorliegenden Ausgabe. Herzlichen Dank an Ouarda Merrouche, Ulrich Camen, Rosmarie Schlup und Marc Surchat f\u00fcr ihre Kommentare. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201303_20_Tille_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine vom <i>Graduate Institute of International and Development Studies<\/i> und vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) gemeinsam organisierte Konferenz erm\u00f6glichte eine Bestandsaufnahme zur Entwicklung des durch die Globalisierung mitbestimmten Kapitalverkehrs und der damit verbundenen Auswirkungen. Der vorliegende Artikel befasst sich mit dem Einfluss der Globalisierung auf die Wirtschafts- und insbesondere die Geldpolitik. Ein erster Teil widmet sich den aktuellen Forschungsarbeiten zu dieser Frage. Danach folgen Vorschl\u00e4ge zur Unterst\u00fctzung der Zentralbanken im Umgang mit dieser Problematik, namentlich im Rahmen des Programms <i>Bilateral Assistance and Capacity Building for Central Banks (BCC)<\/i>. Das Graduate Institute f\u00fchrt dieses Programm im Auftrag des Seco durch.&#13;<\/p>\n<h2>Herausforderungen der Globalisierung f\u00fcr die Wirtschaftspolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie zunehmende Mobilit\u00e4t des Kapitals im Zuge der Globalisierung ist in der makro\u00f6konomischen Analyse als Trilemma f\u00fcr die politischen Institutionen bekannt. Dieses besteht darin, dass drei Ziele erw\u00fcnscht, aber nur zwei Ziele erreichbar sind. Das erste Ziel besteht in einer Geldpolitik, die den aktuellen Bed\u00fcrfnissen der eigenen Volkswirtschaft angepasst ist. Das zweite Ziel ist ein stabiler Wechselkurs zur Vermeidung von Kursausschl\u00e4gen, die dem Handel mit dem Ausland schaden. Drittes Ziel ist der freie Kapitalverkehr, der daf\u00fcr sorgt, dass mit ausl\u00e4ndischen Geldern lokale Bed\u00fcrfnisse finanziert werden und die Anleger ihr Portefeuille diversifizieren k\u00f6nnen.Das Problem ist, dass eines dieser drei Ziele geopfert werden muss. Nehmen wir als Beispiel eine Zentralbank, die ihre Zinss\u00e4tze anheben m\u00f6chte, um eine \u00dcberhitzung der Volkswirtschaft zu vermeiden (erstes Ziel). Mit dem Zinsanstieg steigt die Attraktivit\u00e4t des Landes f\u00fcr Anleger und somit der Kapitalzufluss. Die Nachfrage nach der W\u00e4hrung des Landes nimmt zu, und diese verteuert sich auf den Devisenm\u00e4rkten, was in Widerspruch zum zweiten Ziel steht. Die Zentralbank k\u00f6nnte den Wechselkurs stabilisieren, indem sie die Zinsschraube nur vorsichtig anzieht. Hier besteht aber ein Konflikt mit dem ersten Ziel. Beide Ziele lassen sich nur vereinbaren, wenn der Kapitalzufluss beschr\u00e4nkt wird, beispielsweise mit Kontrollen. Solche Massnahmen galten lange als inakzeptabel. Die Haltung von Wirtschaftsinstitutionen wie dem Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) zu dieser Frage ist aber l\u00e4ngst nicht mehr so dezidiert.&#13;<br \/>\nSiehe Artikel von Marc Surchat auf S. 59 ff. der vorliegenden Ausgabe.&#13;<\/p>\n<h2>Unvollkommene Finanzm\u00e4rkte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nForschungsarbeiten haben gezeigt, dass die finanzielle Globalisierung einen Einfluss auf die Geldpolitik haben kann. Mehrere Studien sind jedoch zum Schluss gekommen, dass dies nicht zwingend die F\u00e4higkeit der Zentralbanken schm\u00e4lert, ihre Aufgabe zu erf\u00fcllen.&#13;<br \/>\nSiehe zum Beispiel Rogoff (2006). Dies gilt aber haupts\u00e4chlich f\u00fcr \u2028einen eher restriktiven Rahmen, in dem die Finanzm\u00e4rkte effizient funktionieren, die Zentralbank glaubw\u00fcrdig und in der Lage ist, wirtschaftliche Schwankungen klar zu interpretieren sowie angemessen darauf zu reagieren.Einen st\u00e4rkeren Einfluss hat die Globalisierung auf die Geldpolitik, wenn das Umfeld nicht so eindeutig ist. Erstens funktionieren die Finanzm\u00e4rkte nicht effizient \u2013 oder zumindest nicht immer. Dies hat die Krise mit einem deutlichen R\u00fcckgang der internationalen T\u00e4tigkeit der Banken klar gezeigt. Solche Bewegungen sind in der \u00d6konomie bekannt: Kapital str\u00f6mt in Wellen <i>(Bonanzas)<\/i> in aufstrebende M\u00e4rkte und versiegt ebenso pl\u00f6tzlich wieder <i>(Sudden Stops)<\/i>.&#13;<\/p>\n<h2>Individuelle und nationale Interessen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie finanzielle Globalisierung in einem Umfeld unvollkommener M\u00e4rkte ruft zudem Verhaltensweisen hervor, die zwar f\u00fcr die Betroffenen, nicht aber f\u00fcr das ganze Land optimal sind. Ein Beispiel daf\u00fcr ist ein Kreditboom.&#13;<br \/>\nKorinek (2010), Mendoza (2010). Wie einschneidend die Folgen sind, wenn die M\u00e4rkte den Finanzierungsbedarf eines Staates pl\u00f6tzlich nicht mehr decken, ist von der Verschuldung des Landes abh\u00e4ngig. Dass das Land das Verschuldungsvolumen beschr\u00e4nkten sollte, wird von den einzelnen Kreditnehmern jedoch nicht ber\u00fccksichtigt, da sie nur einen minimalen Einfluss auf \u2028die Verschuldung des gesamten Landes haben. Mit der Globalisierung ist es einfacher geworden, Kredite aufzunehmen, was die \u00dcberschuldung gewisser L\u00e4nder \u2013 und die damit verbundenen Folgen \u2013 verst\u00e4rken kann. Die Gefahr, dass die Finanzstr\u00f6me austrocknen, bewegen die L\u00e4nder auch dazu, fl\u00fcssige Reserven in Form von ausl\u00e4ndischen Devisen zu bilden. Wenn das Volumen an sicheren und liquiden Verm\u00f6genswerten beschr\u00e4nkt und auf gewisse L\u00e4nder konzentriert wird, kann dieses Sicherheitsstreben die Zahlungsbilanz aus dem Gleichgewicht bringen.&#13;<br \/>\nAuf diesen Punkt machte Ricardo Caballero an der Konferenz aufmerksam.Die Globalisierung hat zudem nur dann einen beschr\u00e4nkten Einfluss auf die Wirksamkeit der Geldpolitik, wenn die Zentralbanken sowohl die Ursachen von Konjunkturschwankungen kennen als auch die Kan\u00e4le, durch welche die verschiedenen Faktoren auf die Wirtschaft einwirken. Schliesslich trifft diese Analyse in der Regel auf reifere Volkswirtschaften zu; f\u00fcr die Schwellen- oder Entwicklungsl\u00e4nder sind aber Vorbehalte anzubringen. Denn in diesen L\u00e4ndern sind die Statistiken h\u00e4ufig l\u00fcckenhaft oder ungenau und die wirtschaftlichen Wechselwirkungen weniger gut untersucht. Ein solches Umfeld verkompliziert die Wirtschaftsanalyse und die Festlegung einer geeigneten Politik. Die finanzielle Globalisierung kann zus\u00e4tzlich zur Komplexit\u00e4t der Situation beitragen, indem sie die Fluktuationen auf den Weltm\u00e4rkten vergr\u00f6ssert.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftspolitik auf solide &shy;Basis\u00a0&shy;stellen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Trilemma zeigt, dass es im Falle einer \u00d6ffnung f\u00fcr den Kapitalverkehr nicht m\u00f6glich ist, gleichzeitig den Wechselkurs stabil zu halten und eine Geldpolitik zu verfolgen, die den Bed\u00fcrfnissen des Landes dient. Kapitalkontrollen k\u00f6nnten dieses Problem beschr\u00e4nken; sie werden aber nur in bestimmten Situationen als vertretbar angesehen, zum Beispiel wenn eine Welle von Kapital ins Land str\u00f6mt. \u00dcberdies ist die Umsetzung solcher Massnahmen alles andere als einfach.&#13;<\/p>\n<h2>St\u00e4rkung der Statistikinstrumente und des Know-hows \u00fcber die Wirtschaftsmechanismen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs ist deshalb wichtig, die Kapazit\u00e4ten der Zentralbanken in Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern mit mehreren, sich erg\u00e4nzenden Ans\u00e4tzen zu st\u00e4rken. In einem ersten Schritt muss die Qualit\u00e4t der statistischen Daten gew\u00e4hrleistet werden; andernfalls ist kaum eine aussagekr\u00e4ftige Wirtschaftsanalyse m\u00f6glich. Neben den Zahlen zum \u00abrealen\u00bb Wirtschaftssektor (Besch\u00e4ftigung, Produktion) sollten auch die Finanzbewegungen \u2013 so etwa mit Statistiken zum Kapitalverkehr mit der \u00fcbrigen Welt \u2013 betrachtet werden. Aber auch die Preisentwicklung und die Infla&shy;tionserwartungen der Bev\u00f6lkerung sind zu beachten.Wichtig sind auch vertiefte Kenntnisse \u00fcber die wirtschaftlichen Zusammenh\u00e4nge. Damit l\u00e4sst sich einerseits absch\u00e4tzen, wie stark sich einzelne Volatilit\u00e4tsfaktoren \u2013 wie z.B. die Rohstoffpreise oder die Weltkonjunktur \u2013 auswirken. Andererseits k\u00f6nnen die Mechanismen ermittelt werden, mit denen die Geldpolitik das Wachstum und die Inflation beeinflusst. Diese Aufgabe ist deshalb besonders anspruchsvoll, weil sich diese Mechanismen mit der Struktur der Wirtschaft ver\u00e4ndern: Eine Liberalisierung des Bankensektors etwa kann bewirken, dass die Zinss\u00e4tze, die Unternehmen und Haushalte bezahlen, st\u00e4rker auf geldpolitische Massnahmen reagieren.&#13;<\/p>\n<h2>Klaviatur der Geldpolitik beherrschen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVerl\u00e4ssliche Statistiken und solide Kenntnisse \u00fcber die wirtschaftlichen Zusammenh\u00e4nge erm\u00f6glichen es, einen plausibleren Rahmen f\u00fcr die Geldpolitik zu entwickeln, dies sowohl auf strategischer als auch auf ope&shy;rativer Ebene. Strategisch muss die Zen&shy;tralbank\u00a0entscheiden, wie stark sie einen &shy;stabilen\u00a0Wechselkurs gegen\u00fcber den anderen\u00a0Bed\u00fcrfnissen des Landes gewichten will.\u00a0Falls\u00a0die Wechselkursschwankungen die Wirtschaftst\u00e4tigkeit direkt und ausgepr\u00e4gt beeinflussen, weil das Land z.B. ein hohes Importvolumen aufweist, ist dieser Frage besondere Aufmerksamkeit zu schenken. In operativer Hinsicht sind detaillierte Kenntnisse \u00fcber die geldpolitischen Mechanismen eine unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr eine wirkungsvolle Politik. Konkret m\u00fcssen die Zentralbanken bestimmen, welche Instrumente am besten f\u00fcr ihre Geldpolitik geeignet sind (Zinss\u00e4tze, Reserves\u00e4tze der Banken, in Umlauf befindliche Geldmenge): Eine solche Auswahl ist schwierig und bedingt die F\u00e4higkeit zur Einsch\u00e4tzung der Wirkung dieser Instrumente. Wenn die Zentralbank die \u2028Mechanismen versteht, kann sie ihre Entscheidungen auch besser kommunizieren. Die Wirkung der Geldpolitik beruht teilweise auf Annahmen, welche die Wirtschaftsakteure zur Entwicklung der Wirtschaftslage und zur Reaktion der Zentralbank treffen. Deshalb ist eine klare Kommunikation ein Schl\u00fcsselelement zum Erreichen von Inflationszielen. In den meisten Industriel\u00e4ndern geh\u00f6ren dazu regelm\u00e4ssige Berichte der Zentralbank zur Wirtschaftslage, Pressekonferenzen sowie Erkl\u00e4rungen von Mitgliedern des Direktoriums. Die Geldpolitik wird dadurch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit und die M\u00e4rkte verst\u00e4ndlicher, was zu stabileren Inflationserwartungen beitr\u00e4gt und die Glaubw\u00fcrdigkeit der Wirtschaftspolitik erh\u00f6ht.&#13;<\/p>\n<h2>Schwankungen der Finanzinstitute einbeziehen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie finanzielle Globalisierung hat auch die Notwendigkeit verst\u00e4rkt, die Schwankungen in der Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit der Finanzins&shy;titute in die Geldpolitik einzubeziehen. Dies gilt nicht nur f\u00fcr entwickelte L\u00e4nder, in &shy;denen die Zentralbanken an Aufbau und Umsetzung sogenannter <i>makroprudenzieller Massnahmen<\/i> arbeiten, sondern auch f\u00fcr Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder, die ihre Finanzm\u00e4rkte f\u00fcr die \u00fcbrige Welt \u00f6ffnen. Ein konkretes Beispiel ist die Problematik der ineffizienten Kreditbooms.&#13;<br \/>\nKorinek (2010), Mendoza (2010). Zwar wurden in Analysen Reaktionsm\u00f6glichkeiten ermittelt, etwa in Form von Steuern auf Darlehen. Solche Strategien sind jedoch sehr schwierig umzusetzen, weil sie bedingen, dass sich spekulative Booms von solchen unterscheiden lassen, die eine dynamische Entwicklung der Wirtschaft eines Landes widerspiegeln, beispielsweise dank Produktivit\u00e4tssteigerungen. Allf\u00e4llige Massnahmen m\u00fcssen deshalb \u00e4usserst sorgf\u00e4ltig vorbereitet werden.&#13;<\/p>\n<h2>Das BCC-Programm<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas BCC-Programm im Auftrag des Seco tr\u00e4gt mit verschiedenen Unterst\u00fctzungsmassnahmen dazu bei, dass die Zentralbanken in den Partnerl\u00e4ndern die notwendigen Kapazit\u00e4ten erwerben k\u00f6nnen. Ein erster Ansatz besteht darin, gemeinsam mit den Zentralbanken den Bedarf zu ermitteln und mit gezielter fachlicher Unterst\u00fctzung koh\u00e4rente Kapazit\u00e4ten aufzubauen. Diese fachliche &shy;Begleitung gew\u00e4hrleisten Experten mit vielf\u00e4ltigen Fachrichtungen bei Besuchen in den\u00a0Partnerl\u00e4ndern. Das abgedeckte Themenspektrum ist breit und umfasst bei&shy;spiels&shy;weise den Aufbau und die regelm\u00e4ssige Aktualisierung von Datenbanken nach internationalen Standards, Kurse f\u00fcr die Mitarbeitenden der Zentralbank zur Vermittlung eines soliden Know-hows \u00fcber Wirtschaftsanalyen und Statistikmethoden sowie die St\u00e4rkung der operativen Kapazit\u00e4ten in den Zentralbanken der Partnerl\u00e4nder, wie etwa bei Marktinterventionen.Erg\u00e4nzt wird die fachliche Unterst\u00fctzung im Rahmen des BCC-Programms durch eine F\u00f6rderung der Forschungst\u00e4tigkeit. Ziel ist dabei, die Analysekapazit\u00e4ten der Zentralbanken aufzuwerten. Angewandte Forschung ist kein Luxus, sondern entscheidend f\u00fcr ein solides Verst\u00e4ndnis der wirtschaftlichen Zusammenh\u00e4nge und f\u00fcr die Erarbeitung einer geldpolitischen Strategie. Die Forschungsarbeit soll sich nicht darauf beschr\u00e4nken, die Wirtschaftsentwicklung zu kommentieren. Die Analysen sollen die zentralen Mechanismen der Wirtschaft ergr\u00fcnden und der Zentralbank so Erkenntnisse liefern, die \u00fcber die kurze Frist hinausgehen. Gegen\u00fcber akademischen Einrichtungen haben die \u00d6konomen der Zentralbanken den Vorteil, dass sie mit detaillierteren (und h\u00e4ufig vertraulichen) Daten arbeiten k\u00f6nnen. Ausserdem stehen sie in engem Kontakt mit den Personen, welche die Geldpolitik in die Praxis umsetzen. Das BCC-Programm ber\u00fccksichtigt, dass die Durchf\u00fchrung von Forschungsarbeiten andere Anforderungen stellt als die Analyse des wirtschaftlichen Tagesgeschehens. Insbesondere beinhaltet das Programm folgende Elemente:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>eine Frage formulieren (und den mittelfristigen Bedarf der Institution ermitteln);<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>geeignete Analyse- und Statistikinstrumente bestimmen und dabei ber\u00fccksichtigen, dass die verf\u00fcgbaren Daten nicht vollkommen sind;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Ergebnisse zusammenfassen und pr\u00e4sentieren.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese Kapazit\u00e4ten werden beim Durchf\u00fchren von Forschungsarbeiten erworben. Deshalb steht das Professorenteam des Graduate Institute den Experten der Partner-Zentralbanken bei Forschungsarbeiten mit seiner ganzen Erfahrung unterst\u00fctzend zur Seite. Diese Unterst\u00fctzung beinhaltet die Begleitung bei den Forschungsarbeiten und beim Verfassen eines Forschungsberichts im Partnerland sowie Aufenthalte der Forschenden w\u00e4hrend eines Semesters in Genf.Das BCC-Programm setzt darauf, dass die\u00a0Mitarbeitenden der Zentralbanken vom &shy;Austausch mit den Experten stark profitieren. K\u00fcnftig erfolgen diese Kontakte im Rahmen einer j\u00e4hrlich stattfindenden Konferenz in Genf sowie bei speziellen Workshops in den Zentralbanken der Partnerl\u00e4nder. Diese Konferenzen bieten den Forschenden der Institutionen eine Plattform, mit der sie ihre Arbeiten besprechen und ein Netzwerk aufzubauen k\u00f6nnen. Auch wirtschaftspolitische Entscheidungstr\u00e4ger k\u00f6nnen dort ihre Erfahrungen austauschen.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie finanzielle Globalisierung konfrontiert die wirtschaftspolitischen Institutionen mit neuen Chancen und Herausforderun-gen und verst\u00e4rkt die Notwendigkeit einer &shy;zuverl\u00e4ssigen Infrastruktur als Basis der Wirtschaftspolitik. Das BCC-Programm unterst\u00fctzt die Zentralbanken in den Partnerl\u00e4ndern bei der St\u00e4rkung ihrer operativen und analytischen Kapazit\u00e4ten. Daf\u00fcr steht ein umfangreiches Expertenteam sowie ein Professorenteam mit solider Erfahrung in der Wirtschaftspolitik zur Verf\u00fcgung.Im vorliegenden Artikel wurde der\u00a0Schwerpunkt auf die Geldpolitik gelegt. &shy;Diese ist aber nicht das einzige Instrument, das den Beh\u00f6rden zur Verf\u00fcgung steht. Sie k\u00f6nnen den Herausforderungen der finan&shy;ziellen Globalisierung auch mit haushalts- oder strukturpolitischen Massnahmen begegnen, etwa durch den Ausbau der Infrastruktur zur \u00dcberwachung der Finanzm\u00e4rkte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Korinek Anton: Regulating Capital Flows to Emerging Markets: An Externality View, mimeo, 2010.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Mendoza Enrique: Sudden Stops, Financial Crises and Leverage, in: American Economic Review, 2010, 100(5), S.\u20091941\u201366.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Rogoff Kenneth: Impact of globalization on monetary policy, in: Proceedings, Federal Reserve Bank of Kansas City, 2006, S. 265\u2013305.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die finanzielle Globalisierung geh\u00f6rt zu den pr\u00e4genden Wirtschaftstrends der vergangenen 25 Jahre. In diesem Zeitraum wuchsen die grenz\u00fcberschreitenden Verm\u00f6gen wesentlich schneller als die Bruttoinlandprodukte. Neu ist diese f\u00fcr entwickelte L\u00e4nder typische Konstellation auch in Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern zu beobachten. Die Globalisierung schreitet dort zwar weniger schnell voran. Sie hinterl\u00e4sst aber m\u00f6glicherweise tiefere Spuren, weil die [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3865,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[96,97],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3865,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Professor f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften, Graduate Institute of International and Development Studies (Iheid), Genf","seco_author_post_occupation_fr":"Professeur d\u2019\u00e9conomie, Institut de hautes \u00e9tudes internationales et du d\u00e9veloppement (Iheid), Gen\u00e8ve","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":119122,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"7085","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55950b85eaf0f"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119119"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3865"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=119119"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119119\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127295,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119119\/revisions\/127295"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3865"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119119"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=119119"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=119119"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=119119"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=119119"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=119119"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}