{"id":119124,"date":"2013-03-01T12:00:00","date_gmt":"2013-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/03\/troesch-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:18","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:18","slug":"troesch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/03\/troesch\/","title":{"rendered":"Einkaufstourismus auf Allzeit-Hoch"},"content":{"rendered":"<p>Anfangs Jahr hat das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) eine Teuerungsrate von minus 0,7% bekanntgegeben. Erfreulich w\u00fcrde man meinen. Angesichts der Tatsache, dass der Euro um 20% billiger geworden ist und, was gerne vergessen wird, weder Krankenkassenpr\u00e4mien noch Mietzinse im Warenkorb ber\u00fccksichtigt werden, ist dies wohl eher ein Tropfen auf den heissen Stein. Sowohl Krankenkassenpr\u00e4mien wie Mietzinse sind auch 2012 weiter angestiegen. Das bedeutet, dass das frei verf\u00fcgbare Haushaltbudget j\u00e4hrlich kleiner wird und damit die Preissensibilit\u00e4t f\u00fcr den t\u00e4glichen Bedarf \u2013 f\u00fcr viele gezwungenermassen \u2013 zunimmt. Laut einer Studie von Credit Suisse hat der Einkaufstourismus im 2012 um 25% zugenommen, dies nachdem er schon in fr\u00fcheren Jahren infolge der Frankenst\u00e4rke stark zugenommen hatte. Das ist ein klares Zeichen, dass die \u00abHochpreisinsel Schweiz\u00bb nach wie vor eine Realit\u00e4t ist.&#13;<\/p>\n<h2>Viele Reformen angek\u00fcndigt oder &shy;wirkungslos<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEiniges ist in der Vergangenheit im Kampf gegen die Hochpreisinsel getan worden. Dazu z\u00e4hlen Massnahmen wie das Cassis-de-Dijon-Prinzip und die Zulassung von Parallelimporten. Leider haben diese Massnahmen wenig bis gar keine Auswirkung auf die Preise gezeitigt. Deshalb sind weitere Massnahmen ein Must. Das war denn auch der Grund, weshalb das kf im Sommer 2011 die von Bundesrat Schneider-Amman vorgeschlagenen Massnahmen zur Abfederung der Frankenst\u00e4rke, Sicherung von Arbeitspl\u00e4tzen und Erhalt der Standortattraktivit\u00e4t unterst\u00fctzt hat. Sie wurden zwar vom Parlament genehmigt. Aber heute ist von einem noch vor zwei Jahren vorhandenen Reformwillen nicht mehr viel zu sp\u00fcren. Auch ist das Resultat der Anstrengungen nach wie vor d\u00fcrftig: Noch immer z\u00e4hlt die Schweiz zu den teuersten L\u00e4ndern; die Preise f\u00fcr identische Produkte sind zum Teil \u00fcber 50% teurer als im umliegenden Ausland.&#13;<\/p>\n<h2>Wie lassen sich die Preise in der Schweiz auf ein annehmbares Niveau senken?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr das kf haben folgende Massnahmen oberste Priorit\u00e4t:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Die Zulassung von Parallelimporten muss konsequent durchgesetzt und die Nichtbeachtung sanktioniert werden. Detailhandel, Gastronomie, Hotellerie und Landwirtschaft m\u00fcssen auch im vorgelagerten Bereich die M\u00f6glichkeit haben, im Ausland oder im Inland zu gleichen Konditionen einzukaufen wie in den umliegenden L\u00e4ndern.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Die 2011 in Vernehmlassung gegebene Versch\u00e4rfung des Kartellrechts, wonach horizontale wie vertikale Wettbewerbsabsprachen grunds\u00e4tzlich unzul\u00e4ssig sind und Ausnahmebegehren vom Unternehmen begr\u00fcndet werden m\u00fcssen, ist endlich in Kraft zu setzen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Der Fleischmarkt ist analog dem K\u00e4semarkt zu \u00f6ffnen. Mit der \u00d6ffnung des K\u00e4semarktes sind die Preise und damit der Einkaufstourismus markant zur\u00fcckgegangen. Laut Marktanalysen ist der hohe Preis f\u00fcr Fleisch- und Wurstwaren einer der Haupttreiber f\u00fcr den Einkauf im Ausland. Hinzu kommen Kosmetika und Reinigungsmittel.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Das Freihandelsabkommen im Agrar- und Lebensmittelbereich ist wieder zu aktivieren und Verhandlungen aufzunehmen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Laden\u00f6ffnungszeiten in der Schweiz sind der gesellschaftlichen Entwicklung anzupassen. Heute kann es sich nur noch eine Minderheit leisten, dort zu wohnen, wo sie arbeitet. Das heisst, man kommt meist nach Ladenschluss nach Hause. Anders in den umliegenden L\u00e4ndern: In Deutschland sind die Gesch\u00e4fte \u2013 insbesondere die grenznahen \u2013 bis 22 Uhr ge\u00f6ffnet; und in Italien darf selbst am Sonntag eingekauft werden. Es entspricht der gesellschaftlichen Entwicklung, dass abends oder eben am Samstag der Grosseinkauf zum Familienausflug wird.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Preisbarometer: Im Auftrag des Bundes und bewilligt vom Parlament haben die vier Konsumentenorganisationen diese Massnahme umgesetzt. Mit dem Preisvergleich identischer Produkte im In- und Ausland soll dem Konsumenten der Kaufentscheid erleichtert werden. Was nach Ansicht des kf fehlt, sind der Hinweis auf auch bei Markenartikeln landesspezifische Unterschiede, eine Gesamtauflistung der Kosten \u2013 Zeit, Anfahrtsweg, CO2-Ausstoss \u2013 und die Vergleichbarkeit der Qualit\u00e4tsunterschiede hinsichtlich Nachbetreuung, Service, Garantieanspr\u00fcche wie auch der Hinweis auf g\u00fcnstige Alternativen im Inland zu \u00fcberteuerten Importprodukten. Eine Stellungnahme auf der Internetplattform und ein Merkblatt, welches unter <a href=\"http:\/\/www.konsum.ch\">http:\/\/www.konsum.ch<\/a> abgerufen werden kann, gibt diesbez\u00fcglich Auskunft.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDies alles sind Massnahmen, welche die Preise in der Schweiz auf ein annehmbares Niveau senken k\u00f6nnten. Damit ist nicht gemeint, sie auf EU-Niveau zu senken. Es ist erwiesen, dass die Konsumenten in der Schweiz bereit sind, f\u00fcr Qualit\u00e4t, sozial vertr\u00e4gliche Arbeitsbedingungen und tiergerechte Produktion einen Mehrwert zu bezahlen. Dieser muss aber nachvollziehbar und begr\u00fcndbar sein.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfangs Jahr hat das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) eine Teuerungsrate von minus 0,7% bekanntgegeben. Erfreulich w\u00fcrde man meinen. Angesichts der Tatsache, dass der Euro um 20% billiger geworden ist und, was gerne vergessen wird, weder Krankenkassenpr\u00e4mien noch Mietzinse im Warenkorb ber\u00fccksichtigt werden, ist dies wohl eher ein Tropfen auf den heissen Stein. 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