{"id":119129,"date":"2013-03-01T12:00:00","date_gmt":"2013-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/03\/wyss-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:23","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:23","slug":"wyss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/03\/wyss\/","title":{"rendered":"Wie die L\u00f6hne so die Preise: Die Kosten im Detailhandel als Spiegel des hohen Lebensstandards"},"content":{"rendered":"<p>Zwar sind bei den administrierten Preisen von SBB, Post und Gesundheitswesen permanent Preisaufschl\u00e4ge zu verzeichnen. Trotzdem spricht hier kaum jemand von der \u00abHochpreisinsel Schweiz\u00bb \u2013 im Gegensatz zu den Marktpreisen. Googelt man den Begriff, so fallen zwei Dinge auf: Es handelt sich bei der \u00abHochpreisinsel Schweiz\u00bb um eine helvetische Wortsch\u00f6pfung, und gemeint sind vorwiegend die Preise von Konsumg\u00fctern. Als Zielscheibe f\u00fcr das Ph\u00e4nomen sieht man gerne den Detailhandel. Das Schlagwort ist popul\u00e4r und l\u00e4sst sich gut verkaufen. Sich mit den wirklichen Gr\u00fcnden f\u00fcr die hohen Preise in der Schweiz zu befassen, ist deutlich weniger einfach, weil dann die Diskussion um den hohen Wohlstand, das hohe Lohnniveau, \u00dcberregulierungen und die gewollte Marktabschottungen gef\u00fchrt werden m\u00fcsste.&#13;<\/p>\n<h2>Wunschgleichung: \u2028Schweizer L\u00f6hne\/EU-Preise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nLeider entspricht die Gleichung Schweizer L\u00f6hne\/EU-Preise einem weit verbreiteten Wunschdenken, ebenso wie die Forderung gewisser Kreise nach \u00abgerechten Preisen\u00bb im Detailhandel. Es w\u00e4re geradezu absurd zu glauben, der Schweizer Detailhandel w\u00fcrde die Konsumenten mit k\u00fcnstlich hochgehaltenen bzw. \u00abungerechten\u00bb Preisen zum Einkaufen im Ausland animieren. Wer vordergr\u00fcndig die Preisdiskussion f\u00fchrt, sollte sich konsequenterweise zuerst einmal mit der Kostenseite befassen: L\u00f6hne, Miet-, Vermarktungs- und Transportkosten liegen in der Schweiz deutlich h\u00f6her als im grenznahen Ausland. Sie m\u00fcssen in lokaler W\u00e4hrung gerechnet werden und fallen in der Schweiz an. So liegt beispielsweise die durchschnittliche Miete pro m2 und Jahr f\u00fcr einen Laden im Zentrum von Bern bei 5000 Franken, w\u00e4hrend sie im vergleichbaren Freiburg i. Br. kaufkraftbereinigt nur die H\u00e4lfte ausmacht. Auch Z\u00f6lle, Zollabfertigungskosten und Wartezeiten an der Grenze verursachen weit h\u00f6here Kosten als im EU-Binnenmarkt. Der \u00f6konomische Gr\u00f6ssenvorteil, wie ihn umliegende L\u00e4nder geniessen, kommt im kleinen Markt Schweiz \u00fcberhaupt nicht zum Tragen. Gemessen an der Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6sse sind wir um rund 2 Mio. Einwohner kleiner als Baden-W\u00fcrttemberg und m\u00fcssen erst noch in drei Landessprachen kommunizieren. Der enge Zusammenhang zwischen Preisniveau und L\u00f6hnen ist eminent. Selbst im EU-Einheitsmarkt gibt es aufgrund der grossen Kaufkraftunterschiede unter den Mitgliedstaaten kein einheitliches Preisniveau.&#13;<\/p>\n<h2>Wettbewerbsverzerrungen und \u2028Standortnachteile<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin weiterer stark ins Gewicht fallender Kostentreiber sind helvetische Sondervorschriften, die den Markt abschotten, anstatt ihn im Interesse des freien Wettbewerbs zu \u00f6ffnen. Diese reichen vom Agrarschutz \u00fcber unsinnige Deklarationsvorschriften bis hin zu restriktiven Laden\u00f6ffnungszeiten. Wo der Detailhandel durch protektionistische Vorschriften im Agrarsektor auf Schweizer Produkte verpflichtet ist, liegen die Einkaufspreise deutlich h\u00f6her als im Ausland. Mit Ausnahme des Rindfleischs kennt das geltende EU-Recht beispielsweise kein Produk&shy;tionslanderfordernis f\u00fcr die Deklaration von Lebensmitteln. F\u00fcr den kleinen Schweizer Markt muss das Herkunftsland jedoch bezeichnet werden. Dieser Zusatzaufwand f\u00fchrt zu unn\u00f6tiger Verteuerung und verhindert letztlich auch Parallelimporte. Eine Ausnahme zu diesem EU-Grundsatz d\u00fcrfte f\u00fcr die Schweiz bei Fleisch und anderen Frischprodukten von Nutzen sein, mit Bestimmtheit aber nicht bei den \u00fcbrigen Lebensmitteln. Insoweit ist dies unbedenklich, als die EU bereits heute einen strengeren Konsumentenschutz kennt als die Schweiz.&#13;<\/p>\n<h2>Falsche Erwartungen: Politik kann \u2028Nachteile nur teilweise ausgleichen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGesetze, Verordnungen und Rezepte zum Abbau unn\u00f6tiger Kosten und zur Wettbewerbsbelebung sind in gen\u00fcgender Zahl vorhanden. Mit dem Binnenmarktgesetzt aus dem Jahre 1995 wollte man erreichen, dass sich der kleine Schweizer Markt durch kantonale und kommunale Regelungen in nicht noch kleinere M\u00e4rkte aufteilt. Dieses Gesetz b\u00f6te die Grundlage, um dem \u00fcberholten Flickenteppich bei den Laden\u00f6ffnungszeiten endlich ein Ende zu setzen. Die von St\u00e4nderatspr\u00e4sident Filippo Lombardi im Rahmen der Wachstumspolitik geforderte moderate Teilharmonisierung der Laden\u00f6ffnungszeiten ist kein Wundermittel gegen den massiven Abfluss von Kaufkraft. Aber sie k\u00f6nnte den Einkaufstourismus rasch und sp\u00fcrbar mildern, Arbeitspl\u00e4tze sichern und dem Bund verlustig gehende Mehrwertsteuern wieder in die Kasse bringen. Auch die rasche Umsetzung einer effizienteren Zollabfertigung d\u00fcrfte zu einer Preissenkung auf importierten Konsum- und Industrieg\u00fctern beitragen, wie dies St\u00e4nder\u00e4tin Karin &shy;Keller-Sutter in einer k\u00fcrzlich eingereichten Interpellation festh\u00e4lt. Gefragt sind rasche &shy;Reformen, die Wettbewerbsverzerrungen &shy;beseitigen und zur Senkung des Binnenkostenanteils beitragen. Auf das Schicksal des Euro kann die Politik auch in Zukunft kaum Einfluss nehmen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwar sind bei den administrierten Preisen von SBB, Post und Gesundheitswesen permanent Preisaufschl\u00e4ge zu verzeichnen. Trotzdem spricht hier kaum jemand von der \u00abHochpreisinsel Schweiz\u00bb \u2013 im Gegensatz zu den Marktpreisen. 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