{"id":119144,"date":"2013-01-01T12:00:00","date_gmt":"2013-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/01\/asensio-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:19","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:19","slug":"asensio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/01\/asensio\/","title":{"rendered":"Die Auswirkungen der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf \u2028die L\u00f6hne in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Das im Juni 2002 in Kraft getretene Personenfreiz\u00fcgigkeitsab&shy;kommen (FZA) zwischen der Schweiz und den EU\/Efta-Staaten markiert einen Meilenstein in der\u00a0Zuwanderungspolitik unseres Landes. Nach einer f\u00fcnf Jahre dauernden \u00dcbergangsphase erhielten die Staaten, welche das FZA unterzeichnet haben, freien Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt. Eine Studie des Obser&shy;vatoire Universitaire de l\u2019Emploi (OUA) der Universit\u00e4t Genf hat die Auswirkungen auf die L\u00f6hne in der Schweiz untersucht. Die\u00a0Personenfreiz\u00fcgigkeit hat nicht nur zu einer starken und &shy;beschleunigten Zuwanderung von\u00a0hoch qualifizierten Personen gef\u00fchrt, sondern auch die Struktur des Arbeitsangebots bez\u00fcglich Berufserfahrung ver\u00e4ndert. &shy;Insgesamt blieben die beobach&shy;teten Effekte eher bescheiden, variieren jedoch nach Ausbildung, Berufserfahrung und Nationalit\u00e4t. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201301_11_Asensio_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie vorliegende Analyse der Auswir&shy;kungen des FZA basiert auf den Daten der\u00a0Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) und beschr\u00e4nkt sich auf die Jahre 1996 bis 2010 sowie auf die Erwerbst\u00e4tigen im &shy;Privatsektor, mit Ausnahme der Landwirtschaft. Es handelt sich um eine umfangreiche Erhebung, die detaillierte und genaue Analysen erm\u00f6glicht. Allein die Erhebung 2010 erfasst beinahe 2 Mio. Personen, was der H\u00e4lfte aller Besch\u00e4ftigten in der Schweiz entspricht. Die Erhebung schliesst auch Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger mit ein, w\u00e4hrend selbstst\u00e4ndig erwerbende Schweizerinnen und Schweizer sowie ausl\u00e4ndische Dienstleistungserbringer (selbstst\u00e4ndig erwerbende und entsandte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer) nicht ber\u00fccksichtigt sind. Der Ausl\u00e4nderanteil unter den Besch\u00e4ftigten betrug im Jahr 1996 30,0% und blieb bis 2002 konstant; danach nahm er bis 2010 auf 31,8% zu. Bezogen auf die Gesamtbesch\u00e4ftigung erh\u00f6hte sich zwischen 1996 und 2010 der Anteil der Aufenthalterinnen und Aufenthalter mit Ausweis B von 5,2% auf 7,7% und jener der Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger von 5,6% auf 7,2%. Fast der gesamte Zuwachs fand im Zeitraum zwischen 2004 und 2010 statt, dessen Beginn mit einer wirtschaftlichen Erholungsphase nach dem Abschwung 2002\/03 und dem Inkrafttreten der flankierenden Massnahmen zusammenfiel. W\u00e4hrend im Jahr 2002 noch fast jeder sechste Erwerbst\u00e4tige im Besitz einer Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) war, so traf dies 2010 nur noch auf jeden siebten Erwerbst\u00e4tigen zu. Dass die Einf\u00fchrung der Personenfrei&shy;z\u00fcgigkeit von einem starken Anstieg des &shy;prozentualen Anteils von hoch qualifizierten Zuwanderern begleitet war, ist allgemein \u2028bekannt. Die Zuwanderung hat aber auch die Struktur des Arbeitsangebots in Bezug auf die Berufserfahrung ver\u00e4ndert. So nahm der Ausl\u00e4nderanteil mit Ausbildung auf \u2028Ter&shy;ti\u00e4rstufe&#13;<br \/>\nDie terti\u00e4re Ausbildungsstufe umfasst folgende drei Kategorien: Universit\u00e4t, Fachhochschule und Meisterpr\u00fcfung\/h\u00f6here Berufsausbildung. zwischen 2002 und 2010 haupts\u00e4chlich in den Kategorien der weniger \u2028Erfahrenen (unter 15 Jahre Berufserfahrung) zu, w\u00e4hrend er bei den \u00e4lteren Arbeitskr\u00e4ften unver\u00e4ndert blieb. Dagegen traf im gleichen Zeitraum bei auf Primarstufe&#13;<br \/>\nZur Primarstufe geh\u00f6ren Personen ohne abgeschlossene Berufslehre (obligatorische Schulpflicht) und jene mit einer unternehmensinternen Ausbildung. ausgebildeten Personen genau das Gegenteil ein: Der Ausl\u00e4nderanteil nahm am markantesten in der Kategorie der erfahrensten Arbeitskr\u00e4fte zu, w\u00e4hrend er bei den unerfahrensten abnahm.&#13;<\/p>\n<h2>Zerlegung der Ver\u00e4nderung der &shy;Lohnverteilung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Entwicklung der Lohnverteilung seit dem Inkrafttreten des FZA wird mittels einer Zerlegungsmethode detailliert untersucht. Diese erm\u00f6glicht es zu bestimmen, inwiefern die Entwicklung der Lohnverteilung auf &shy;Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung der erwerbst\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung (<i>Kompositionseffekt<\/i>) oder auf Ver\u00e4nderungen bei den Bildungs- und Erfahrungsertr\u00e4gen (<i>Ertragseffekt<\/i>) zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Im weiteren Verlauf der Untersuchung gilt unser Interesse der Rolle, welche die Zuwanderung bei der Entwicklung der Lohnstruktur spielt. Die Entwicklung der Reall\u00f6hne aller Besch\u00e4ftigten zwischen 2004 und 2010 ist in den 6 Jahren durch eine leichte Erh\u00f6hung des Medianlohnes von 2,6% sowie durch eine Zunahme der Ungleichheit vor allem im oberen Bereich der Verteilung gekennzeichnet. W\u00e4hrend sich die Reall\u00f6hne des neunten Dezils um ungef\u00e4hr 7% erh\u00f6hten, betrug der Anstieg der Reall\u00f6hne zwischen dem ersten Dezil und dem Median lediglich 1% bis 2,5% (siehe <i>&#13;<br \/>\n<\/i>). Zu den wichtigsten Ergebnissen der Zerlegung (siehe <i>&#13;<br \/>\n<\/i>) geh\u00f6rt folgende Erkenntnis: Allein durch den <i>Kompositionseffekt<\/i> der erwerbst\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung l\u00e4sst sich gr\u00f6sstenteils die Erh\u00f6hung des Medianlohns und zumindest teilweise die Zunahme der Ungleichheit erkl\u00e4ren. Beides ist in erster Linie auf das h\u00f6here Bildungsniveau sowie auf den Anstieg des Anteils von hoch qualifizierten einheimischen und vor allem ausl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4ften zur\u00fcckzuf\u00fchren. Aus unseren Ergebnissen wird ersichtlich, dass die Bildungs- und Erfahrungsertr\u00e4ge st\u00e4rker an den Enden als in der Mitte der Verteilung zugenommen haben. In der Tat ist im unteren Bereich der Verteilung der Reallohn \u2028(<i>Ertragseffekt<\/i>) zwischen 2004 und 2010 um ungef\u00e4hr 2% gestiegen, w\u00e4hrend der Medianlohn praktisch stagniert hat. Die hohen L\u00f6hne haben dagegen um ungef\u00e4hr 3%\u2009\u2013\u20094% zugelegt. Der Ertragseffekt ist sowohl bei schweizerischen als auch bei ausl\u00e4ndischen Angestellten im Wesentlichen der gleiche.&#13;<\/p>\n<h2>Einfluss des FZA<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHat die Personenfreiz\u00fcgigkeit bei der Entwicklung der Lohnverteilung eine entscheidende Rolle gespielt? Um diese Frage beantworten zu k\u00f6nnen, wird die Ver\u00e4nderung der\u00a0Bildungs- und der Erfahrungsertr\u00e4ge von Schweizer Besch\u00e4ftigten (siehe <i>&#13;<br \/>\n<\/i>) der Ver\u00e4nderung der Ausl\u00e4nderanteile &shy;innerhalb der Lohnperzentile von einhei&shy;mischen Arbeitskr\u00e4ften (siehe <i>&#13;<br \/>\n<\/i>) gegen\u00fcber&shy;gestellt. Falls das FZA die L\u00f6hne von einheimischen Arbeitskr\u00e4ften entscheidend beeinflusst h\u00e4tte, m\u00fcsste eine Verringerung (oder ein geringerer Anstieg) der Bildungs- und Erfahrungsertr\u00e4ge feststellbar sein in jenen Bereichen der Verteilung, in denen sich die Konkurrenz durch ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte am meisten versch\u00e4rft hat. Betrachtet man die Ver\u00e4nderung des Ausl\u00e4nderanteils zwischen 2004 und 2010, ist zu erkennen, dass die Zahl der Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder prozentual am st\u00e4rksten im oberen Bereich der Lohnverteilung von Schweizerinnen und Schweizern zugenommen hat. Ebenfalls in diesem Bereich sind die einheimischen L\u00f6hne am meisten angestiegen. Eine Abnahme des Ausl\u00e4nderanteils l\u00e4sst sich einzig und allein zwischen dem zweiten und dem dritten Dezil der Lohnverteilung von Schweizerinnen und Schweizern feststellen. Die deskriptive Analyse liefert also keinen Hinweis darauf, dass das FZA eine wichtige Rolle bei den Ver\u00e4nderungen der Verteilung der L\u00f6hne von einheimischen Besch\u00e4ftigten gespielt hat. Der technologische Wandel liefert eine plausiblere Erkl\u00e4rung f\u00fcr die beobachteten Lohn\u00e4nderungen. Zwei Faktoren sind f\u00fcr die Polarisierung der Besch\u00e4ftigungsstruktur und der Lohnverteilung hauptverantwortlich:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>der technische Fortschritt (<i>Skill-Biased Technological Change, SBCT<\/i>), der f\u00fcr die st\u00e4rkere Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften verantwortlich ist;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>das Ph\u00e4nomen der <i>Routinisierung<\/i>, d.\u2009h. das Ersetzen von Arbeitnehmenden, welche Routineaufgaben erledigen, durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDies bedeutet jedoch nicht, dass die Zuwanderung keinerlei Auswirkung auf die L\u00f6hne hat. Insbesondere stellt sich die Frage, ob die Zuwanderung dazu beigetragen hat, dass die L\u00f6hne im mittleren Bereich der &shy;Verteilung gesunken sind. Dies l\u00e4sst sich mit Hilfe der \u00f6konometrischen Analyse beantworten.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6konometrische Analyse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWir orientieren uns an der j\u00fcngsten Literatur und verfolgen einen strukturellen Ansatz, um die Auswirkungen des FZA auf die L\u00f6hne in der Schweiz zu beurteilen.&#13;<br \/>\nDie Studie von Gerfin und Kaiser beruht auf einem \u00e4hnlichen Ansatz. Dieser Ansatz legt den Schwerpunkt auf die Tat&shy;sache, dass sich die Zuwanderung einer Arbeitskr\u00e4ftekategorie nicht nur auf die L\u00f6hne\u00a0dieser Besch\u00e4ftigtengruppe, sondern auch auf die L\u00f6hne von anderen Angestellten &shy;auswirkt. Durch diese Komplementarit\u00e4ts- und Substituierbarkeitsbeziehungen zwischen den Arbeitnehmenden erh\u00e4lt man &shy;einen umfassenden \u00dcberblick \u00fcber die \u2028Auswirkungen der Zuwanderung auf die L\u00f6hne. Im vorliegenden Modell wird die Schweizer Wirtschaft vereinfacht anhand einer aggregierten Produktionsfunktion dargestellt. Das strukturelle Modell basiert auf zwei grundlegenden Annahmen, die eine Analyse der Auswirkungen der Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt erm\u00f6glichen.&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Auf der einen Seite wird jeder Arbeitnehmende durch den jeweiligen Bildungsstand sowie durch die Berufserfahrung gekennzeichnet. Diese beiden Dimensionen des Humankapitals widerspiegeln die Heterogenit\u00e4t der Qualifikationen der Arbeitskr\u00e4fte und erlauben eine differenzierte Analyse der Auswirkungen der Zuwanderung auf die L\u00f6hne.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Auf der anderen Seite geht man davon aus, dass einheimische und ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte nicht unbedingt die gleichen beruflichen T\u00e4tigkeiten aus\u00fcben und dass deshalb diese beiden Arbeit&shy;nehmerkategorien gegenseitig nur als unvollkommener Ersatz betrachtet werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nIn diesem Zusammenhang entscheidend ist die Frage, ob beim Bildungsniveau und einer bestimmten Erfahrungsklasse die ein&shy;heimischen und die ausl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4fte in direkter Konkurrenz zueinander auf dem Arbeitsmarkt stehen bzw. ob sie ohne Schwierigkeiten gegeneinander ausgetauscht werden k\u00f6nnen. Sollte dies der Fall sein, entwickeln sich die L\u00f6hne dieser beiden Gruppen parallel und werden durch die Ankunft von Zuwanderern, die vergleichbare Quali&shy;fikationen besitzen, negativ beeinflusst. Sind hingegen die beiden Arbeitnehmerkate&shy;gorien nur unvollkommene Substitute, dann verursacht die Zuwanderung tendenziell das Sinken der L\u00f6hne von ausl\u00e4ndischen, aber nicht unbedingt von einheimischen Arbeitskr\u00e4ften. Aus unseren Sch\u00e4tzungen ziehen wir die Schlussfolgerung, dass im Produktionsprozess einheimische und ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte nur begrenzt austauschbar sind. Ausserdem stellt sich heraus, dass es viel schwieriger ist, eine einheimische Arbeitskraft mit einer zugewanderten zu ersetzen, wenn deren Bildungsniveau niedrig ist. \u2028Wenig qualifizierte Zugewanderte stellen \u2028daher keine direkte Konkurrenz f\u00fcr Schweizerinnen und Schweizer dar. Diese Tatsache wurde bei der Analyse der Auswirkungen \u2028der Zuwanderung auf die L\u00f6hne ber\u00fccksichtigt.Zur Simulation der Auswirkungen des FZA vergleichen wir im Folgenden die Entwicklung des Arbeitsangebots mit und ohne Personenfreiz\u00fcgigkeit. Da es schwierig ist, die Auswirkungen des FZA auf die Zahl der Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in der Schweiz genau zu beurteilen, bedienen wir uns einer einfachen und klaren Hypothese: Wir nehmen an, dass ohne FZA der Ausl\u00e4nderanteil konstant geblieben w\u00e4re. Hierbei handelt es sich um eine sehr konservative Annahme, da die Zuwanderung aller Wahrscheinlichkeit nach selbst ohne FZA nicht stagniert h\u00e4tte. Somit zeigen unsere Simulationen die maximale Auswirkung des FZA auf die L\u00f6hne; die tats\u00e4chliche Auswirkung ist wahrscheinlich von geringerem Ausmass.&#13;<\/p>\n<h2>Hauptergebnisse der \u00f6konometrischen Analyse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZu den wichtigsten Ergebnissen der \u00f6konometrischen Analyse geh\u00f6rt die Erkenntnis, dass alle beobachteten Auswirkungen auf die L\u00f6hne zwar von geringem Ausmass sind, dass es aber Gewinner und Verlierer gibt. Zu\u00a0den gr\u00f6ssten Verlierern geh\u00f6ren junge (einheimische oder ausl\u00e4ndische) terti\u00e4r gebildete Arbeitskr\u00e4fte, die bereits \u00fcber eine gewisse Berufserfahrung (10\u2009\u201315 Jahre) verf\u00fcgen. Ohne FZA w\u00e4ren ihre Reall\u00f6hne im Jahr 2010 ca. 1,6% h\u00f6her ausgefallen. Ein vergleichbarer Verlust (\u20131,4%) ist bei \u00e4lteren ausl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4ften (mit mehr als 35 Jahren Berufserfahrung) mit Primarschulbildung (siehe <i>&#13;<br \/>\n<\/i>) erkennbar. Interessanterweise kann man feststellen, dass die Reall\u00f6hne von jungen terti\u00e4r gebildeten Arbeitskr\u00e4ften seit Inkrafttreten des FZA gesunken sind. F\u00fcr niedrig qualifizierte einheimische Arbeitskr\u00e4fte erweist sich das FZA eher von Vorteil, denn ihre Reall\u00f6hne sind um 1,1% gewachsen. Einerseits k\u00f6nnen sie aufgrund der Komplementarit\u00e4t zwischen ans\u00e4ssigen und neu zugewanderten h\u00f6her qualifizierten Personen aus anderen europ\u00e4ischen Staaten profitieren, durch deren Ankunft die Nachfrage nach niedrig qualifizierten Arbeits&shy;kr\u00e4ften tendenziell gesteigert wird. Andererseits sind sie teilweise vor der direkten Konkurrenz zu den niedrig qualifizierten neu zugewanderten Arbeitskr\u00e4ften gesch\u00fctzt, da sie auf jene T\u00e4tigkeitsbereiche spezialisiert sind, in denen es kaum ausl\u00e4ndische Konkurrenz gibt. Auf Erwerbst\u00e4tige, die \u00fcber einen Sekundarabschluss&#13;<br \/>\nDer Sekundarabschluss beinhaltet die Ausbildungskategorien: Eidg. anerkannte Lehre, Matura und Lehrerpatent. verf\u00fcgen, hat das FZA nur geringf\u00fcgige Auswirkungen: Sowohl die Erfahrensten als auch die J\u00fcngsten k\u00f6nnen davon profitieren, w\u00e4hrend die L\u00f6hne der anderen Angeh\u00f6rigen dieser Gruppe leicht gesunken sind.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse der Simulationen sind einerseits von Annahmen abh\u00e4ngig, die f\u00fcr die \u00f6konometrische Sch\u00e4tzung verwendet wurden, und andererseits von einem Szenario, das die Entwicklung der Zuwanderung ohne FZA abbildet. Was den ersten Punkt betrifft, war es wichtig, den vorherrschenden Ansatz in der j\u00fcngsten \u00f6konomischen Literatur zu w\u00e4hlen und sicherzustellen, dass sich die Sch\u00e4tzungen der kritischen Werte des Modells nicht \u00e4ndern, wenn verschiedene Modellspezifikationen zur Anwendung kommen. Bez\u00fcglich des zweiten Punkts wurde von der konservativen Annahme ausgegangen, dass der Ausl\u00e4nderanteil ohne FZA konstant geblieben w\u00e4re. Die Simulationen neigen demnach dazu, die Auswirkungen des FZA auf die L\u00f6hne \u00fcbertrieben wiederzugeben. Zudem ist zu beachten, dass die \u00f6konometrischen Modellsimulationen Ergebnisse zu Gruppen von Erwerbst\u00e4tigen liefern, die \u00fcber ein \u00e4hnliches Bildungsniveau sowie \u00fcber vergleichbare Erfahrungen verf\u00fcgen. Es ist daher m\u00f6glich, dass die Auswirkungen des FZA auf die L\u00f6hne je nach Wirtschaftszweig unterschiedlich ausfallen. Dieser Frage mit einer \u00f6konometrischen Analyse nachgehen zu wollen, ist jedoch wegen der auftretenden Endogenit\u00e4tsprobleme (die Zuwanderer k\u00f6nnen die Branche ausw\u00e4hlen, in der sie arbeiten m\u00f6chten) \u00e4usserst problematisch.Schliesslich sind zwei Aspekte der vorliegenden Studie zu erw\u00e4hnen, f\u00fcr die sich eine vertiefte Analyse lohnen w\u00fcrde: Erstens hat die Entwicklung der Lohnverteilung gezeigt, dass unter den Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern mit beruflicher Grundbildung die Gefahr eines Downgrading besteht. Dies bedeutet, dass einige ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte eine Besch\u00e4ftigung aus\u00fcben, die insbesondere in Bezug auf ihre Berufserfahrung nicht den beobachtbaren Qualifikationen entspricht. Zweitens konnten wir feststellen, dass im obersten Lohnbereich der Ausl\u00e4nderanteil am st\u00e4rksten gewachsen ist. Es w\u00e4re interessant, die m\u00f6glichen positiven externen Effekte der Ankunft von sehr hoch qualifizierten Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern auf die Gesamtwirtschaft genauer zu untersuchen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Literatur<\/b>&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Gerfin, Matthias und Kaiser, Boris, Auswirkungen der Immigration der Jahre 2002 bis 2008 auf die L\u00f6hne in der Schweiz, in: Die Volkswirtschaft 6-2010, S. 4\u20136.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>M\u00fcller, Tobias, Asensio, No\u00e9 und Graf, Roman (2013): Les effets de la libre circulation des personnes sur les salaires Suisse. Laboratoire d\u2019\u00e9conomie applique\u00e9, LEA, Observatoire Universitaire de l\u2019Emploi, OUE, Universit\u00e9 de Gen\u00e8ve. Internet: <a href=\"http:\/\/www.seco.admin.ch\">www.seco.admin.ch<\/a>, Dokumentation, Publikationen und Formulare, Studien und Berichte, Arbeit.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das im Juni 2002 in Kraft getretene Personenfreiz\u00fcgigkeitsab&shy;kommen (FZA) zwischen der Schweiz und den EU\/Efta-Staaten markiert einen Meilenstein in der\u00a0Zuwanderungspolitik unseres Landes. Nach einer f\u00fcnf Jahre dauernden \u00dcbergangsphase erhielten die Staaten, welche das FZA unterzeichnet haben, freien Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt. 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