{"id":119149,"date":"2013-01-01T12:00:00","date_gmt":"2013-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/01\/baltensperger-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:22","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:22","slug":"baltensperger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/01\/baltensperger\/","title":{"rendered":"Die Eurokrise und der Schweizer Franken"},"content":{"rendered":"<p>Was bedeutet die gegenw\u00e4rtige Eurokrise f\u00fcr die Schweizer &shy;W\u00e4hrung? Der Schweizer Franken hat sich in seiner bisherigen &shy;Geschichte vor allem im 20. Jahrhundert zum weltweiten Erfolgsmodell entwickelt. Die Identit\u00e4tskrise der Eurozone schafft auch f\u00fcr den Schweizer Franken Pro&shy;bleme, insbesondere seine starke Aufwertung gegen\u00fcber dem Euro. Wie jedoch die historischen &shy;Erfahrungen der Schweiz sowohl mit fixen wie mit flexiblen Wechselkursen zeigen, ist die Wahrung der monet\u00e4ren Souver\u00e4nit\u00e4t ein\u00a0wertvolles Gut, f\u00fcr das es sich lohnt, die zeitweise schwankenden Wechselkurse in Kauf zu &shy;nehmen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201301_06_Baltensperger_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Erfolgsgeschichte Schweizer Franken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Schweizer Franken ist gegenw\u00e4rtig auf einem H\u00f6henflug und strotzt vor Kraft. Zwei Jahre nach der Gr\u00fcndung des modernen Bundesstaates mit dem Eidgen\u00f6ssischen M\u00fcnzgesetz von 1850 geschaffen, blieb die neue Schweizer W\u00e4hrung im ersten halben Jahrhundert ihrer Existenz ein Anh\u00e4ngsel des franz\u00f6sischen Franc. Sie neigte damals gegen\u00fcber dem franz\u00f6sischen Franc h\u00e4ufig zur Schw\u00e4che: Statt durch einen Zinsbonus, wie wir ihn heute kennen, war der Schweizer Franken in den Jahrzehnten vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs gegen\u00fcber der franz\u00f6sischen W\u00e4hrung durch einen Zinsmalus (Zinsaufschlag) charakterisiert. Im Verlauf des 20.\u2009\u2009Jahrhunderts jedoch hat sich das stark ver\u00e4ndert. Seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs hat der Schweizer Franken gegen\u00fcber allen anderen W\u00e4hrungen massiv an Wert zugelegt. 1914 galt der US-Dollar 5,18 Schweizer Franken; &shy;gegenw\u00e4rtig erh\u00e4lt man f\u00fcr ihn rund 95 Rappen. Bei den meisten anderen W\u00e4hrungen war der relative Wertverlust noch gr\u00f6sser. Das britische Pfund war 1914 gut 25 Schweizer Franken wert, heute sind es noch rund 1,50 Franken. Besonders ausgepr\u00e4gt war der relative Wertzerfall bei den ehemaligen Partnerw\u00e4hrungen der Lateinischen M\u00fcnzunion, der die Schweiz im 19.\u2009Jahrhundert lange Zeit angeh\u00f6rte, wie dem franz\u00f6sischen Franc und der italienischen Lira. Bei der Einf\u00fchrung des Euro im Jahr 1999 war der Wert der Lira nur noch in Tausendsteln Schweizer Franken zu messen.Der Aufstieg des Schweizer Frankens vom Satelliten des franz\u00f6sischen Franc zur selbst\u00e4ndigen und starken Anlagew\u00e4hrung von internationalem Gewicht ging einher mit der politischen und gesellschaftlichen Festigung des Landes und dessen zunehmenden wirtschaftlichen Erfolg. Eine zentrale Rolle spielte dabei der ausgepr\u00e4gte Wille zur Selbst\u00e4ndigkeit und zur finanzpolitischen und monet\u00e4ren Stabilit\u00e4t, der die Schweiz im internationalen Vergleich stets gekennzeichnet hat. In einem zerr\u00fctteten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld l\u00e4sst sich eine stabile monet\u00e4re Ordnung schwer aufbauen und aufrechterhalten. Dass die Schweiz seit eineinhalb Jahrhunderten \u2013 aufgrund politischer Klugheit und dank gl\u00fccklicher Umst\u00e4nde \u2013 von Kriegswirren verschont geblieben ist, hat nat\u00fcrlich ebenfalls stark zum Aufbau des Stabilit\u00e4ts- und Vertrauenskapitals beigetragen, von dem der Schweizer Franken heute profitiert.&#13;<\/p>\n<h2>Eurokrise und die Rolle der EZB<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEuropa und die Eurozone werden gegenw\u00e4rtig von einer schweren Schulden- und Bankenkrise gesch\u00fcttelt. Diese Krise ist in &shy;ihrem Ursprung eine Krise der europ\u00e4ischen\u00a0Finanzverfassung. Die Gr\u00fcnder der W\u00e4hrungsunion versprachen eine gemein&shy;same W\u00e4hrung, schlossen jedoch eine &shy;\u2028Fiskal- und Schuldenunion ausdr\u00fccklich aus. Finanzpolitischer Schlendrian in zahlreichen Mitgliedsl\u00e4ndern und die Folgen eines &shy;\u00fcberschuldeten und fragilen Bankensystems haben aber politischen Druck geschaffen, der die Union entgegen dieser Verpflichtung zunehmend auf den Weg einer Transfer- und Schuldenunion zu f\u00fchren droht.Die grosse wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Heterogenit\u00e4t ihrer Teilnehmerl\u00e4nder bedeutete f\u00fcr die W\u00e4hrungsunion von Anfang an ein hohes Risiko und eine strukturelle Belastung. Mit der aktuellen Verschuldungskrise sind diese latenten Probleme voll zum Ausbruch gekommen. Die Eurozone ist in Bezug auf Wirtschaftskraft, Verschuldung und gesellschaftliche Vorstellungen viel zu heterogen. Sie l\u00e4sst sich nur durch stets weitere Schritte zur Sozialisierung von Risiken und Verpflichtungen noch zusammenhalten. Diese schleichende Bewegung zur Transferunion d\u00fcrfte sich auf Dauer als politisch instabil erweisen. Die Gefahr ist gross, dass es langfristig zu politischen Ver\u00e4nderungen kommen wird, welche die Eurozone in ihrer bisherigen Form in Frage stellen.Der neu geschaffenen Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) gelang es im ersten Jahrzehnt ihrer T\u00e4tigkeit zun\u00e4chst noch gut, den Euro als stabile und zuverl\u00e4ssige gesamteurop\u00e4ische W\u00e4hrung einzuf\u00fchren. Entscheidend daf\u00fcr war die solide Verankerung ihrer Politik in einem Zentralbankstatut, das sie mit starker Unabh\u00e4ngigkeit von der Politik und der staatlichen Finanzpolitik sowie einem klaren Mandat (Gew\u00e4hrleistung der Preisstabilit\u00e4t und subsidi\u00e4r Konjunkturstabilisierung) ausstattete. Die schrittweise Verletzung der urspr\u00fcnglichen Prinzipien der W\u00e4hrungsunion begann jedoch mehr und mehr auch Schatten auf die EZB als Institution zu werfen. Die Tatsache, dass die EZB zunehmend ins Visier der Politik ger\u00e4t, wurde zu einer Belastung f\u00fcr die von ihr geschaffene neue W\u00e4hrung.&#13;<\/p>\n<h2>Zugleich globale Risiken und &shy;Dollarschw\u00e4che<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDazu kommen die allgemeinen Risiken der heutigen globalen Wirtschaftslage. Die EZB hat, wie alle Zentralbanken der Welt, in den letzten Jahren in gewaltigem Ausmass ihre Bilanz verl\u00e4ngert und Liquidit\u00e4t geschaffen. Das war als Reaktion auf die Krise\u00a0auch korrekt. Die Vermeidung zuk\u00fcnftiger Inflation und W\u00e4hrungsschw\u00e4che erfordert aber, dass diese Zusatzliquidit\u00e4t auch rechtzeitig wieder vom Markt abgesch\u00f6pft wird, wenn sich die Lage der Wirtschaft und der Geldm\u00e4rkte einmal normalisiert. In ihrer heutigen Verfassung ist die Versuchung f\u00fcr die EU jedoch gross, durch etwas mehr Inflationstoleranz im \u00abNorden\u00bb den Wettbewerbsr\u00fcckstand des \u00abS\u00fcdens\u00bb abzubauen und so die internen Handelsungleichgewichte der Eurozone auszugleichen. Die Angst davor, dass Zinserh\u00f6hungen und fallende Verm\u00f6genspreise das europ\u00e4ische Bankensystem und den Finanzhaushalt der Krisenstaaten erneut destabilisieren, erh\u00f6ht zu&shy;s\u00e4tzlich das Risiko, dass die geldpolitische Korrektur der EZB einmal zu sp\u00e4t kommen wird. Auch die USA stehen gegenw\u00e4rtig wirtschaftlich schwach da. Gel\u00e4hmt von Fiskaldefiziten, unkontrollierter Staatsverschuldung und den noch nicht voll bew\u00e4ltigten Sp\u00e4tfolgen einer massiven \u00dcberschuldung des Privatsektors, kranken sie an eigenen Problemen. Das Risiko ist hoch, dass das Federal Reserve aufgrund der ungel\u00f6sten Haushaltsprobleme das Zinsniveau viel zu lange tief halten und seinen Kurs zu sp\u00e4t korrigieren wird, wenn einmal die konjunkturelle Wende und die R\u00fcckkehr zu Wachstum und Normalbesch\u00e4ftigung in Sicht kommt. Die USA neigen ohnehin stark dazu, die Inflation als Mittel zum Abbau der realen Staatsverschuldung einzusetzen, und es droht eine zunehmende Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik. Dies ist kein gutes Omen f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des US-Dollars.&#13;<\/p>\n<h2>Bedrohung f\u00fcr den Schweizer Franken?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInfolge dieser Entwicklungen ist der Schweizer Franken in der j\u00fcngsten Zeit unter immensen Aufwertungsdruck geraten. Werden all diese Unsicherheiten und Gefahren auch zur Bedrohung f\u00fcr ihn? Stellen sie gar seine Zukunft als unabh\u00e4ngige W\u00e4hrung in Frage? Solche Bef\u00fcrchtungen werden heute nicht selten vorgebracht. Darauf ist eine differenzierte Antwort notwendig. Zun\u00e4chst: Es ist kein Wunder, dass die unsicheren Perspektiven von Eurozone und USA f\u00fcr deren W\u00e4hrungen zum Belastungsfaktor geworden sind. Ebenso ist es klar, dass ein krisenhaftes Umfeld auch f\u00fcr stabile, grunds\u00e4tzlich solide W\u00e4hrungen Schwierigkeiten schaffen kann. Das war schon immer so \u2013 die Schweiz hat dies in ihrer Geschichte mehrfach erfahren, etwa w\u00e4hrend der Grossen Depression der 1930er-Jahre, oder in der Endphase des Bretton-Woods-Systems in den sp\u00e4ten 1960er- und fr\u00fchen 1970er-Jahren, und dann wieder w\u00e4hrend der starken W\u00e4hrungsturbulenzen von 1977\/78. Die Erfahrung zeigt, dass ein Land sich in solchen &shy;Situationen von der Umwelt nie v\u00f6llig abschotten kann. So war die Schweiz 1936 nach langem Z\u00f6gern am Ende doch gezwungen, den Franken um 30% abzuwerten. Sie h\u00e4tte dies besser bereits fr\u00fcher getan, nachdem die \u00a0starken Abwertungen von Grossbritannien (1931) und den USA (1933\/34) die Schweizer W\u00e4hrung real weit \u00fcberbewertet und die &shy;internationale Wettbewerbsposition der schweizerischen Wirtschaft massiv verschlechtert hatte. Aber solche Entwicklungen haben noch nie bedeutet, dass die Schweiz deswegen ihre w\u00e4hrungspolitische Selbst\u00e4ndigkeit aufgeben musste oder dass der Erfolgskurs ihrer W\u00e4hrungspolitik auf Dauer in Frage gestellt worden w\u00e4re. Die Schweiz leidet im Moment im internationalen Vergleich an \u00abzu viel Erfolg\u00bb. Das kann beim Wechselkurs zu \u00dcbertreibungen f\u00fchren. Mit diesen muss man pragmatisch und mit Realit\u00e4tssinn umgehen, ohne dabei die eigenen Prinzipien langfristig zu vergessen. Grunds\u00e4tzlich ist eine starke W\u00e4hrung positiv zu werten. Der Erfolg einer W\u00e4hrung ist noch nie an ihrer Schw\u00e4che gemessen worden. W\u00e4hrungen wurden auch nicht wegen ihres Erfolgs und ihrer Stabilit\u00e4t aufgegeben, sondern eher schon umgekehrt \u2013 oder dann aus rein politischen Gr\u00fcnden, wie im Falle der DM. Die DM galt zu recht als eine der erfolgreichsten W\u00e4hrungen ihrer Zeit, gerade weil sie stark war.&#13;<\/p>\n<h2>Kursuntergrenze zur Stabilisierung der\u00a0Volkswirtschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm vergangenen Jahr gerieten die Devisenm\u00e4rkte als Folge von Eurokrise und &shy;Dollarschw\u00e4che zeitweise ausser Rand und Band. Eine massive, in ihrer Geschwindigkeit kaum je erlebte Aufwertung des Frankens bewog die SNB am 6.\u2009September 2011 dazu, eine Kursuntergrenze des Euro gegen\u00fcber dem Franken von 1.20 festzulegen (nachdem kurz zuvor vor\u00fcbergehend praktisch Parit\u00e4t zwischen Franken und Euro erreicht worden war). H\u00e4tte die SNB nicht interveniert, h\u00e4tte dieser Aufwertungsschock eine starke Versch\u00e4rfung ihres geldpolitischen Kurses bewirkt und die Zukunft unserer Exportwirtschaft im Mark bedroht. Die Notenbank musste f\u00fcr eine gewisse Sicherheit sorgen. Die konsequente Durchsetzung der Kurs&shy;untergrenze hat viel dazu beigetragen, dem Wirtschaftsstandort Schweiz eine minimale Planungssicherheit zu erhalten und die Volkswirtschaft zu stabilisieren. Die Interventionspolitik geniesst aus diesem Grund auch breite Unterst\u00fctzung, was f\u00fcr ihre Glaubw\u00fcrdigkeit und Effizienz von zentraler Bedeutung ist. Es gibt zwei haupts\u00e4chliche Risiken der Kursuntergrenze, die gegen die Risiken einer Nichtintervention abzuw\u00e4gen sind:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Einerseits k\u00f6nnte es zu Verlusten auf den Devisenbest\u00e4nden der SNB kommen, sollte der Euro gegen\u00fcber dem Franken langfristig weiter abschw\u00e4chen. Solche Verluste d\u00fcrften aber auf die Dauer durch h\u00f6here Renditen auf den Devisenanlagen wieder ausgeglichen werden.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Andererseits besteht die Gefahr, dass die Nationalbank die immense Liquidit\u00e4t, die sie als Folge ihrer Krisenpolitik geschaffen hat und vielleicht noch zus\u00e4tzlich schaffen muss, nicht rechtzeitig absch\u00f6pfen wird, wenn sich die Situation einmal normalisiert. Die Folge w\u00e4re Inflation. Dies wird die SNB in Zukunft noch stark fordern. Dem gleichen Risiko stehen nat\u00fcrlich auch die anderen Zentralbanken der Welt gegen\u00fcber.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie gegenw\u00e4rtige Interventionspolitik ist nicht als Abschied von der Politik geldpo&shy;litischer Autonomie zu verstehen. Sie stellt vielmehr die Form dar, in der sich diese im heutigen monet\u00e4r extrem turbulenten internationalen Umfeld \u00e4ussert. Wir k\u00f6nnen die Kursuntergrenze ja jederzeit wieder aufheben oder sie anpassen, wenn die Zeit daf\u00fcr reif ist. Keine internationale Verpflichtung oder selbstauferlegte Restriktion hindert uns daran.&#13;<\/p>\n<h2>Der Wert monet\u00e4rer Souver\u00e4nit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nW\u00e4re es sinnvoll und realistisch, dass sich die Schweiz fest einem grossen W\u00e4hrungsraum anschliesst? Die Schweiz hat in ihrer Geschichte sowohl mit fixen wie mit flexiblen Wechselkursen ausgedehnte Erfahrung gesammelt. Ein Fixkurssystem bringt be&shy;merkenswerte Vorz\u00fcge mit sich, solange es reibungslos funktioniert. Dies war der Fall in der Zeit des klassischen Goldstandards sowie in der fr\u00fchen \u00c4ra des Systems von Bretton Woods. Ein Fixkurssystem setzt aber eine &shy;gemeinsame, klare Verpflichtung aller Teilnehmer auf eine stabile Geld- und W\u00e4hrungspolitik voraus, soll es funktions- und \u00fcberlebenst\u00fcchtig sein. F\u00fcr eine W\u00e4hrungsunion gilt das erst recht. W\u00e4ren solche Bedingungen zuverl\u00e4ssig gegeben, k\u00f6nnte ein Anschluss auch f\u00fcr die Schweiz eine Option sein. Danach sieht es aber gegenw\u00e4rtig \u00fcberhaupt nicht aus. Der notwendige Aufbau von Vertrauen w\u00fcrde wohl Jahrzehnte beanspruchen.Letztlich bedingt ein Festkurssystem eine Verst\u00e4ndigung nicht nur im monet\u00e4ren Bereich, sondern auch auf gewisse Parameter der Wirtschaftspolitik in anderen Feldern, insbesondere auf fiskalische Stabilit\u00e4t und die Flexibilit\u00e4t der G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkte. Mangelnde Bereitschaft, diese Bedingungen zu respektieren, f\u00fchrt zum Aufbau langfristig unhaltbarer internationaler Ungleichgewichte und zu Bem\u00fchungen, das System \u00fcber administrative Massnahmen zu stabilisieren, sei es \u00fcber Handelsbehinderungen und Kapitalverkehrsbeschr\u00e4nkungen, sei es \u00fcber den Aufbau internationaler Trans&shy;fermechanismen. Ein System wird damit zwangsl\u00e4ufig labil.Sind diese Bedingungen nicht gegeben, kann ein Fixkurssystem ein hohes Spannungs- und Unruhepotenzial entfalten. Auch dies hat die Schweiz mehrfach und schmerzhaft erfahren: in Phasen der Lateinischen M\u00fcnzunion im 19.\u2009Jahrhundert, besonders ausgiebig in der Zeit der Grossen Depression der 1930er-Jahre und sp\u00e4ter wieder in der Endphase des Bretton-Woods-Systems. Die Schweiz hat gelernt, dass ein \u00abLeben mit schwankenden Kursen\u00bb unter solchen Bedingungen das kleinere \u00dcbel darstellen und ein Regime flexibler Wechselkurse die attraktivere Alternative sein kann. Sind zuverl\u00e4ssige, international breit verankerte \u00dcberzeugungen und Verpflichtungen auf eine Stabili&shy;t\u00e4tsgemeinschaft nicht erreichbar, ist es im Zweifelsfall besser, mit den von Zeit zu Zeit\u00a0m\u00f6glichen Turbulenzen eines Systems schwankender Kurse zu leben als mit den Gefahren eines unglaubw\u00fcrdigen, \u00abscheinkoordinierten\u00bb Systems. Die Bewahrung der monet\u00e4ren Souver\u00e4nit\u00e4t empfiehlt sich vor diesem Hintergrund als wertvolles Gut, als Option, die niemals unbedacht und leichtsinnig aufgegeben werden sollte. Sie erlaubt prinzipiell \u2013 auch beim Eingehen m\u00f6glicher Fixkursverpflichtungen \u2013 die jederzeitige R\u00fcckkehr zu einem autonomen, selbst bestimmten geldpolitischen Kurs. Die Gefahren und Risiken, die mit der vorzeitigen Abgabe monet\u00e4rer Souver\u00e4nit\u00e4t an eine h\u00f6here, gemeinschaftliche Ebene \u2013 ohne vorherige glaubw\u00fcrdige Einigung auf gemeinsame politische und \u00f6konomische Werte \u2013 , werden durch die gegenw\u00e4rtigen Wirren der Eurozone eindr\u00fccklich belegt. Dies zeigt sich gerade im Vergleich der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion unserer Zeit mit der Lateinischen M\u00fcnzunion des 19. Jahrhunderts. Eine Abgabe monet\u00e4rer Souver\u00e4nit\u00e4t auf die Unionsebene fand damals nicht statt. Die W\u00e4hrungen der Teilnehmerl\u00e4nder blieben in ihrer Definition und gesetzlichen Grundlage national ver&shy;ankert. Es handelte sich lediglich um eine &shy;internationale Vereinbarung zur gemeinsamen Adoption eines bestimmten Metall&shy;w\u00e4hrungsstandards. Austritt und R\u00fcckkehr zu einem abweichenden w\u00e4hrungspolitischen Kurs waren grunds\u00e4tzlich jederzeit m\u00f6glich und vergleichsweise einfach vollziehbar \u2013 ganz anders als in der heutigen W\u00e4hrungsunion in Europa.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Literatur<\/b>&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Baltensperger, Ernst (2010), Geldpolitik: Autonomie als Stabilit\u00e4tsanker, in: Gentinetta, K. und G. Kohler (Hrsg.), Souver\u00e4nit\u00e4t im H\u00e4rtetest, NZZ Libro, Z\u00fcrich.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Baltensperger, Ernst (2012), Der Schweizer Franken \u2013 Eine Erfolgsgeschichte. Die W\u00e4hrung der Schweiz im 19. Und 20. Jahrhundert, NZZ Libro, Z\u00fcrich.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bedeutet die gegenw\u00e4rtige Eurokrise f\u00fcr die Schweizer &shy;W\u00e4hrung? Der Schweizer Franken hat sich in seiner bisherigen &shy;Geschichte vor allem im 20. 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