{"id":119189,"date":"2013-01-01T12:00:00","date_gmt":"2013-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/01\/schmidt-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:49","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:49","slug":"schmidt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/01\/schmidt\/","title":{"rendered":"Auswirkungen der Eurokrise auf das Wirtschaftswachstum und das Produktionspotenzial der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweizer Wirtschaft hat sich trotz Eurokrise erstaunlich g\u00fcnstig entwickelt. Die vorliegende Studie zeigt anhand von Modellsimulationen, dass dies den robusten Exporten und dem zuwanderungsbedingt hohen Bev\u00f6lkerungswachstum zuzuschreiben ist. Dennoch sind im Vergleich zu einem hypothetischen Szenario ohne Eurokrise deutliche Bremsspuren festzustellen. Beim Bruttoinlandprodukt (BIP) zeigt sich bis Ende 2012 ein Niveauverlust von 1,7%, und beim Produktionspotenzial betr\u00e4gt die Einbusse l\u00e4ngerfristig 1,3%. W\u00e4hrend die schlechte Auslandkonjunktur und die Aufwertung des Frankens zu markanten Exporteinbussen f\u00fchrten, werden der Wohnbau und die Immobilienpreise durch die rekordtiefen Zinsen stimuliert. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201301_05_Schmidt_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieser Beitrag&#13;<br \/>\nDie in diesem Beitrag vertretenen Ansichten sind die der Autoren und stimmen nicht notwendigerweise mit jenen der SNB \u00fcberein. Neben dem hier verwendeten Modell st\u00fctzt sich die SNB in ihren Einsch\u00e4tzungen auf verschiedene andere Modelle und Indikatoren. behandelt die Auswirkungen der europ\u00e4ischen W\u00e4hrungskrise auf die Schweiz. Neben den Effekten auf das BIP-Wachstum sollen auch die Implikationen f\u00fcr die Wirtschaftsstruktur, den Arbeitsmarkt, das Investitionsverhalten und das Potenzialwachstum untersucht werden. Wirkungsanalysen dieser Art sind methodisch heikel. Denn bekannt ist nur die Entwicklung unter den tats\u00e4chlich herrschenden Bedingungen, w\u00e4hrend das zur Identifikation der Effekte ben\u00f6tigte Vergleichsszenario \u2013 im vorliegenden Kontext also die Entwicklung ohne Eurokrise \u2013 anhand modellm\u00e4ssiger \u00dcberlegungen konstruiert werden muss. Nur festzuhalten, was sich nach Ausbruch der Eurokrise ver\u00e4ndert hat, w\u00e4re wenig hilfreich, da die seitherige Entwicklung von einer Vielzahl weiterer Einflussfaktoren gepr\u00e4gt war.In einem ersten Schritt ist zu \u00fcberlegen, wie sich die <i>Weltwirtschaft<\/i> ohne Eurokrise entwickelt h\u00e4tte. Wegen der Verquickung mit anderen Problemherden \u2013 wie der Finanzkrise von 2008, der Bankenrettung und der daraus resultierenden zus\u00e4tzlichen Staatsverschuldung \u2013 stellt dies ein schwieriges Unterfangen dar. Die Eurokrise ist zudem als Folge von Fehlentwicklungen zu sehen, die bereits fr\u00fcher eingesetzt haben. Das kontrafaktische Weltszenario m\u00fcsste deshalb strenggenommen weiter zur\u00fcckblenden und zum Beispiel ein risikobewussteres Verhalten im Finanzsektor, erh\u00f6hte staatliche Budgetdisziplin und weniger divergierende Lohnst\u00fcckkosten im Euroraum unterstellen. Das im n\u00e4chsten Abschnitt skizzierte Weltszenario kann vor diesem Hintergrund nur als grobe Behelfsl\u00f6sung betrachtet werden. Anschliessend gehen wir der Frage nach, warum sich die Schweizer Wirtschaft unter den Bedingungen der Eurokrise besser entwickelt hat als dies gemeinhin erwartet worden war. Es lassen sich vor allem zwei wachstumsst\u00fctzende Faktoren identifizieren: die <i>Widerstandsf\u00e4higkeit der Exporte<\/i> gegen\u00fcber der Frankenaufwertung sowie die unter dem Regime der Personenfreiz\u00fcgigkeit trotz Konjunkturabschw\u00e4chung fast ungebrochene <i>Einwanderung<\/i>. Umgekehrt konnte die <i>Geldpolitik<\/i> nach der Absenkung des 3M-Libor auf praktisch null im Rahmen konventioneller Massnahmen nicht mehr weiter gelockert werden. Im Haupttteil der Untersuchung zeigen wir schliesslich, wie sich die Schweizer Wirtschaft unter den kontrafaktischen Weltannahmen ohne Eurokrise entwickelt h\u00e4tte und diskutieren die Abweichungen der tats\u00e4chlichen Entwicklung von diesem Vergleichsszenario. Das f\u00fcr die Simulationen verwendete \u00f6konometrische Modell ist in vielen Anwendungen erprobt, stellt aber \u2013wie jedes andere Modell \u2013 ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit dar. Auch deshalb sind die Untersuchungsergebnisse mit einer gewissen Vorsicht zu interpretieren.&#13;<\/p>\n<h2>Vergleichsszenario \u00abWeltwirtschaft &shy;ohne\u00a0Eurokrise\u00bb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Beginn der Eurokrise im engeren Sinn kann das Fr\u00fchjahr 2010 gesehen werden. Innerhalb kurzer Zeit war damals klar geworden, dass es der griechischen Regierung nur mit Hilfe der EU und des IWF gelingen w\u00fcrde, einen Staatsbankrott abzuwenden. Gleichzeitig stiegen die Risikopr\u00e4mien auf Anleihen der Peripheriel\u00e4nder stark an. Auswirkungen auf das aggregierte BIP-Wachstum der EU wurden allerdings erst rund ein Jahr sp\u00e4ter sichtbar. Aus heutiger Sicht etwas erstaunlich rechneten die meisten Prognostiker jedoch nicht mit einer markanten Wachstumsabschw\u00e4chung. So prognostizierte z.B. das Seco im Dezember 2010 f\u00fcr die EU noch Wachstumsraten von 1,7% in 2011 und 2,0% in 2012 und die KOF von 1,4% in 2011 und 1,8% in 2012. Tats\u00e4chlich waren es dann 1,4% bzw. \u20130,3%. Offensichtlich war man damals der Auffassung, die Eurokrise w\u00fcrde nicht auf die Realwirtschaft \u00fcbergreifen. Die Ende 2010 ver\u00f6ffentlichten Prognosen f\u00fcr die Weltwirtschaft k\u00f6nnen mithin als Ausgangspunkt f\u00fcr die Konstruktion des kontrafaktischen Vergleichsszenarios dienen.Ob der damalige \u00dcberoptimismus allerdings allein aus der Vernachl\u00e4ssigung der realwirtschaftlichen Auswirkungen der Eurokrise resultierte, ist fraglich. Vielmehr scheint man auch die nach der Finanzkrise von 2008 vom Entschuldungsprozess im \u00f6ffentlichen und privaten Bereich ausgehenden Bremswirkungen untersch\u00e4tzt zu haben. Mit anderen Worten w\u00e4re das realwirtschaftliche Wachstum auch ohne Eurokrise tiefer ausgefallen als Ende 2010 prognostiziert. Wir gehen deshalb davon aus, dass die Entwicklung der Weltwirtschaft ohne Eurokrise zwischen den \u00fcberoptimistischen Prognosen von Ende 2010 und dem effektiven Pfad verlaufen w\u00e4re. Die wichtigsten Annahmen dieses Vergleichsszenarios sind in <i>Tabelle 1<\/i> festgehalten. Die im oberen Teil der Tabelle dargestellte \u00abeffektive Entwicklung\u00bb ist nat\u00fcrlich nur bis Ende 2012 bekannt; die f\u00fcr 2013-2015 unterstellte Entwicklung geht von einem graduellen Abklingen der Eurokrise aus und entspricht in etwa dem gegenw\u00e4rtigen Prognose-Konsens. Das 2012 realisierte bzw. f\u00fcr 2013 erwartete BIP-Wachstum der EU liegt 1,3 bzw. 1,4 Prozentpunkte unter den Werten des Vergleichsszenarios ohne Eurokrise. Danach verringert sich der Wachstumsr\u00fcckstand. Im Niveau f\u00e4llt die Wirtschaftsleistung der EU bis 2015 aber um 2,9% unter den Vergleichspfad. Entsprechend bleiben auch die Kurz- und Langfristzinsen unter den Werten des Vergleichsszenarios, und der Euro notiert zum Dollar anhaltend schw\u00e4cher.&#13;<\/p>\n<h2>Warum kam die Schweiz trotz Eurokrise relativ gut \u00fcber die Runden?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Tabelle 2<\/i> vergleicht die effektive bzw. unter der Annahme einer langsam abflauenden Eurokrise prognostizierte Entwicklung der Schweizer Wirtschaft mit verschiedenen Alternativszenarien. Angesichts des Wachstumseinbruchs in Europa und der markanten Frankenst\u00e4rke kam die Schweiz mit BIP-Wachstumsraten von 1,9% in 2011 und rund 1% in 2012 erstaunlich gut \u00fcber die Runden. Auch f\u00fcr 2013 ist gem\u00e4ss Modell trotz anhaltender Stagnation in Europa ein moderates Wachstum von 1,3% zu erwarten. Zwei Faktoren haben den Wirtschaftsgang unter den Bedingungen der Eurokrise positiv beeinflusst:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Die <i>Exporte<\/i> erwiesen sich gegen\u00fcber der weltweiten Wachstumsschw\u00e4che und der massiven Aufwertung des Frankens als erstaunlich widerstandsf\u00e4hig. Dies d\u00fcrfte auf eine verst\u00e4rkte Spezialisierung auf wenig preissensitive Produkte sowie die stark wachsende Bedeutung aussereurop\u00e4ischer Absatzregionen zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Im Modell schl\u00e4gt sich dies in positiven Residuen der Exportgleichung nieder. Setzt man diese Residuen auf Null, so zeigt das Modell die Entwicklung, wie sie gem\u00e4ss den historisch gesch\u00e4tzten Reaktionsparametern zu erwarten gewesen w\u00e4re. In den Jahren 2011 und 2012 h\u00e4tte das Exportwachstum nicht 3,83% bzw. 0,06% betragen, sondern w\u00e4re mit 2,40% bzw. \u20130,65% sp\u00fcrbar tiefer ausgefallen, was sich d\u00e4mpfend auf das BIP-Wachstum, die Teuerung, die Zinsen und das Bev\u00f6lkerungswachstum ausgewirkt h\u00e4tte. Insgesamt resultiert aus der erstaunlich robusten Exportentwicklung bis Ende 2012 ein positiver BIP-Niveaueffekt von 0,7%.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Unter dem Regime der <i>Personenfreiz\u00fcgigkeit<\/i> hielt das hohe Bev\u00f6lkerungswachstum trotz Konjunkturabk\u00fchlung fast ungebremst an. Um den Einfluss dieses Faktors abzusch\u00e4tzen, wird anhand des Modells untersucht, was passiert w\u00e4re, wenn die Immigration st\u00e4rker abgenommen h\u00e4tte. Im Vergleich zu dieser Simulation zeigt sich, dass das anhaltend starke Bev\u00f6lkerungswachstum kumuliert \u00fcber die Jahre 2010 bis 2013 einen BIP-Zuwachs von 0,6% generiert. Dabei f\u00e4llt der angebotserweiternde Effekt der hohen Zuwanderung etwas st\u00e4rker aus als die nachfrageseitige Stimulierung der Wirtschaft (Konsumnachfrage und Wohnungsbau). Entsprechend sinkt der Inflationsdruck; der 3M-Libor kann bei gleichem Inflationsziel tiefer gehalten werden. Das h\u00f6here Arbeitsangebot wirkt sich aber negativ auf das Produktivit\u00e4tswachstum und das BIP pro Kopf der Bev\u00f6lkerung aus. Es schl\u00e4gt sich in leicht erh\u00f6hter Arbeitslosigkeit und einer tieferen Erwerbsquote nieder. Umgekehrt formuliert w\u00e4ren die Unternehmungen ohne die starke Zuwanderung mit verst\u00e4rkter Personalknappheit und daher st\u00e4rker steigenden L\u00f6hnen konfrontiert gewesen, was das BIP-Wachstum gebremst, die Produktivit\u00e4t aber gesteigert und die Arbeitslosigkeit reduziert h\u00e4tte.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDen wachstumsst\u00fctzenden Effekten der robusten Exporte und der starken Zuwanderung wirkt der Umstand entgegen, dass die Eurokrise die Schweiz in einer Situation traf, in der der 3M-Libor nicht mehr weiter gesenkt werden konnte. Die Konsequenzen der <i>Zinsuntergrenze<\/i> lassen sich quantifizieren, indem man in einer Modellsimulation negative Kurzfristzinsen zul\u00e4sst. Wie Spalte A3 in <i>Tabelle 2<\/i> zeigt, w\u00e4re der 3M-Libor 2012 auf \u20131,0% gesenkt worden. Der Franken h\u00e4tte sich weniger stark aufgewertet, die Inflation w\u00e4re nicht so stark in den Negativbereich getaucht, und das BIP-Wachstum w\u00e4re 2012 mit 1,46% sp\u00fcrbar h\u00f6her ausgefallen, als dies effektiv der Fall war (0,95%). Kumuliert \u00fcber die Jahre 2010 bis 2013 ergibt sich aus der Zinsuntergrenze ein BIP-Verlust von 1,5%. Dieser negative Effekt ist absolut gesehen gr\u00f6sser als die positiven Effekte der robusten Exporte und der ungebrochenen Zuwanderung. Dabei ist aber zu beachten, dass die Exporte und die Zuwanderung tats\u00e4chlich h\u00e4tten tiefer ausfallen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend ein Absenken des 3M-Libor in den Negativbereich keine real existierende M\u00f6glichkeit darstellt.&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen der Eurokrise auf das &shy;BIP-Wachstum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Grafik 1<\/i> stellt die effektive bzw. die f\u00fcr 2013 prognostizierte Entwicklung der Schweizer Wirtschaft dem kontrafaktischen Vergleichsszenario ohne Eurokrise gegen\u00fcber. Die entsprechenden Jahreswerte finden sich in <i>Tabelle 2<\/i> in den Spalten A und B. In seiner Rolle als \u00absicherer Hafen\u00bb hat sich der Franken im Sommer 2011 massiv aufgewertet. Seit der Einf\u00fchrung der Untergrenze durch die SNB fluktuiert er leicht \u00fcber dem Mindestkurs von 1,20 CHF\/EUR. Damit ist der Franken aber immer noch hoch bewertet, was sich in entsprechenden Residuen der auf Fundamentalfaktoren basierten Wechselkursgleichung des Modells widerspiegelt. Im Vergleichsszenario sind diese \u00abSchocks\u00bb im Sinne einer ungest\u00f6rten Wechselkursentwicklung auf null gesetzt, womit die 2011 eingetretene Aufwertung unterbleibt. Zusammen mit der besseren Auslandkonjunktur ohne Eurokrise setzt sich daher im Vergleichsszenario das BIP-Wachstum in der Schweiz ungebrochen fort. Effektiv hat das BIP-Wachstum jedoch seit Anfang 2011 aufgrund der faktischen Frankenst\u00e4rke und der verschlechterten Auslandkonjunktur deutlich nachgelassen. Die sich bis Ende 2012 gegen\u00fcber dem Vergleichsszenario \u00f6ffnende Niveaudifferenz bel\u00e4uft sich auf 1,7%. Der 3M-Libor, der ohne Eurokrise bereits ab Ende 2010 angehoben worden w\u00e4re, bewegt sich nahe bei null und w\u00e4re ohne Zinsuntergrenze \u2013 wie oben erw\u00e4hnt \u2013 sogar auf \u20131% gesenkt worden. Gem\u00e4ss Modell ist die Geldpolitik somit derzeit restriktiver als unter den gegebenen Umst\u00e4nden erw\u00fcnscht. Das schwache BIP-Wachstum und der starke Franken dr\u00fccken die Teuerung f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in den Negativbereich. Sie liegt durchschnittlich um etwa einen Prozentpunkt unter den Werten, die im Vergleichsszenario ohne Eurokrise zu erwarten gewesen w\u00e4ren.&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen der Eurokrise auf das &shy;Produktionspotenzial<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Eurokrise wirkte sich auch negativ auf die Entwicklung des <i>Produktionspoten&shy;zials<\/i> aus. Wie <i>Grafik 2<\/i> zeigt, n\u00e4herte sich das BIP nach der Finanzkrise bis Ende 2010 von unten dem Potenzialpfad an; d.h. der zuvor negative <i>Output Gap<\/i> hat sich bis zu diesem Zeitpunkt nahezu geschlossen. Ohne Eurokrise h\u00e4tte sich der Output Gap 2011 vor&shy;\u00fcbergehend leicht ins Positive gedreht. Unter dem Einfluss der Eurokrise fiel das BIP 2011 jedoch wieder unter das Produktionspotenzial. Der resultierende negative Gap vergr\u00f6ssert sich 2013 auf \u20131,2% und schliesst sich erst Anfang 2015. Dabei ist zu beachten, dass das Produktionspotenzial seinerseits l\u00e4ngerfristig um 1,3% unter das Vergleichsniveau ohne Eurokrise zu liegen kommt. Verantwortlich daf\u00fcr sind prim\u00e4r die verminderten Ausr\u00fcstungsinvestitionen. Sie fallen um 7% unter das Vergleichsszenario ohne Eurokrise. Zudem ver\u00e4ndert die Eurokrise in einer ersten Phase das Faktorpreisverh\u00e4ltnis zu Ungunsten des Arbeitseinsatzes (rasch sinkende Kapitalkosten im Verh\u00e4ltnis zu den tr\u00e4gen L\u00f6hnen), was sich in einem beschleunigten Abschreibungsrhythmus und kapitalintensiveren Neuinvestitionen niederschl\u00e4gt. Beides wirkt sich negativ auf die Entwicklung des Produktionspotenzials aus (siehe <i>Kasten 1 <\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Bestimmung des Produktions&shy;potenzials<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas diesem Artikel zugrundeliegende &shy;\u00f6konometrische Makromodell erkl\u00e4rt die Entwicklung des Produktionspotenzials als &shy;Folge\u00a0der Abschreibung alter Produktions&shy;anlagen und der Investitionen in neue &shy;Produktionsanlagen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Bestehende Anlagen werden umso rascher abgeschrieben (und durch neue Anlagen ersetzt), je st\u00e4rker die L\u00f6hne im Verh\u00e4ltnis zu den Kapitalkosten steigen (und je h\u00f6her die Rate des technischen Fortschritts auf neuen Produktionsanlagen ist).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Zudem beeinflusst das Faktorpreisverh\u00e4ltnis auch das Faktoreinsatzverh\u00e4ltnis auf neuen Produktionsanlagen. Eine relative Verteuerung des Faktors Arbeit hat zur Folge, dass ein bestimmtes Investitionsvolumen mit weniger Arbeitseinsatz kombiniert wird, wodurch sich der kapazit\u00e4tserweiternde Effekt der Neuinvestitionen verkleinert.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Das Investitionsvolumen schliesslich h\u00e4ngt von einem Vergleich der effektiven Nachfrage mit der vorhandenen Produktionskapazit\u00e4t ab.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Eurokrise zieht eine tempor\u00e4re Erh\u00f6hung des Lohn\/Kapitalkosten-Verh\u00e4ltnisses und einen R\u00fcckgang der effektiven Nachfrage nach sich. Sie d\u00e4mpft folglich das Potenzialwachstum \u00fcber alle drei Kan\u00e4le, wobei der R\u00fcckgang des Investitionsvolumens empirisch am st\u00e4rksten ins Gewicht f\u00e4llt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen der Eurokrise auf die Wirtschaftsstruktur und das Preisgef\u00fcge<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie aufgrund der Eurokrise eingetretene Kombination eines \u00fcberbewerteten Frankens mit rekordtiefen Zinsen hat auch zu betr\u00e4chtlichen Verschiebungen in der <i>Wirtschaftsstruktur<\/i> und ver\u00e4nderten relativen Preisen gef\u00fchrt (siehe <i>Grafik 3<\/i>). Die Wohnbauinvestitionen wurden durch die g\u00fcnstigen Finanzierungskonditionen angetrieben. Unter dem Einfluss anhaltend tiefer Zinsen \u00fcbersteigen sie das Vergleichsszenario ohne Eurokrise bis 2015 um rund 5%. Stark negativ betroffen waren demgegen\u00fcber die Exporte und die Ausr\u00fcstungsinvestitionen. Beim privaten Konsum dominiert zun\u00e4chst der d\u00e4mpfende Einfluss der verschlechterten Einkommens- und Arbeitsmarktsituation; l\u00e4ngerfristig \u00fcberwiegt der stimulierende Effekt der tiefen Zinsen, sodass das Vergleichsniveau ohne Eurokrise leicht \u00fcbertroffen wird. Die Importe fallen deutlich unter die Werte des Vergleichsszenarios, was den Effekt der r\u00fcckl\u00e4ufigen Nachfrage auf das BIP abfedert. Der BIP-Verlust gegen\u00fcber dem Vergleichsszenario ohne Eurokrise erreicht 2013 aber trotzdem ein Maximum von 1,7%.Die ver\u00e4nderte Nachfragestruktur widerspiegelt sich im Preisgef\u00fcge. Positiv beeinflusst von der Eurokrise werden aufgrund der steigenden Immobiliennachfrage einzig die Hauspreise. Sie kommen bis 2015 um gut 4% \u00fcber das Vergleichsniveau ohne Eurokrise zu liegen. Alle anderen Preisvariablen fallen infolge der Aufwertung des Frankens und\/oder der r\u00fcckl\u00e4ufigen Nachfrage unter die Werte des Vergleichsszenarios. Am wenigsten ist dies f\u00fcr die Baupreise der Fall, weil hier von der kr\u00e4ftigen Nachfrage nach Bauleistungen ein Gegeneffekt ausgeht. Die L\u00f6hne sinken zun\u00e4chst weniger als die Konsumentenpreise, so dass die Reall\u00f6hne von der Eurokrise in einer ersten Phase positiv beeinflusst werden. L\u00e4ngerfristig kehrt sich der Effekt wegen der verschlechterten Arbeitsmarktsituation jedoch um. Der Umstand, dass die Exportpreise st\u00e4rker fallen als der BIP-Deflator, bringt zum Ausdruck, dass die Exportfirmen auf die Frankenaufwertung mit einer Margenverengung reagierten. Ohne dieses Verhalten w\u00e4re das Exportvolumen noch st\u00e4rker unter das Vergleichsniveau ohne Eurokrise gefallen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abEntwicklung der Schweizer Wirtschaft, 2009\u20132013\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abBIP und Produktionspotenzial, 2010\u20132015\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abWirkung der Eurokrise auf die Verwendungsstruktur des BIP und die relativen Preise, 2010\u20132015\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abEntwicklung der Weltwirtschaft, 2010\u20132015\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abEntwicklung der Schweizer Wirtschaft, 2010\u20132013\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Bestimmung des Produktions&shy;potenzials&#13;<\/p>\n<h3>Bestimmung des Produktions&shy;potenzials<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas diesem Artikel zugrundeliegende &shy;\u00f6konometrische Makromodell erkl\u00e4rt die Entwicklung des Produktionspotenzials als &shy;Folge\u00a0der Abschreibung alter Produktions&shy;anlagen und der Investitionen in neue &shy;Produktionsanlagen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Bestehende Anlagen werden umso rascher abgeschrieben (und durch neue Anlagen ersetzt), je st\u00e4rker die L\u00f6hne im Verh\u00e4ltnis zu den Kapitalkosten steigen (und je h\u00f6her die Rate des technischen Fortschritts auf neuen Produktionsanlagen ist).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Zudem beeinflusst das Faktorpreisverh\u00e4ltnis auch das Faktoreinsatzverh\u00e4ltnis auf neuen Produktionsanlagen. Eine relative Verteuerung des Faktors Arbeit hat zur Folge, dass ein bestimmtes Investitionsvolumen mit weniger Arbeitseinsatz kombiniert wird, wodurch sich der kapazit\u00e4tserweiternde Effekt der Neuinvestitionen verkleinert.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Das Investitionsvolumen schliesslich h\u00e4ngt von einem Vergleich der effektiven Nachfrage mit der vorhandenen Produktionskapazit\u00e4t ab.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Eurokrise zieht eine tempor\u00e4re Erh\u00f6hung des Lohn\/Kapitalkosten-Verh\u00e4ltnisses und einen R\u00fcckgang der effektiven Nachfrage nach sich. Sie d\u00e4mpft folglich das Potenzialwachstum \u00fcber alle drei Kan\u00e4le, wobei der R\u00fcckgang des Investitionsvolumens empirisch am st\u00e4rksten ins Gewicht f\u00e4llt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Stalder, P. (2001): Ein \u00f6konometrisches Makromodell f\u00fcr die Schweiz, Quartalsheft 2\/2001, Schweizerische Nationalbank, S. 62-89.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Stalder, P. (2010): Free Migration between the EU and Switzerland: Impacts on the Swiss Economy and Implications for Monetary Policy, Swiss Journal of Economics and Statistics 146(4), S. 821\u2013874.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizer Wirtschaft hat sich trotz Eurokrise erstaunlich g\u00fcnstig entwickelt. Die vorliegende Studie zeigt anhand von Modellsimulationen, dass dies den robusten Exporten und dem zuwanderungsbedingt hohen Bev\u00f6lkerungswachstum zuzuschreiben ist. Dennoch sind im Vergleich zu einem hypothetischen Szenario ohne Eurokrise deutliche Bremsspuren festzustellen. Beim Bruttoinlandprodukt (BIP) zeigt sich bis Ende 2012 ein Niveauverlust von 1,7%, und [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":4710,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[97,213],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":4710,"seco_co_author":[3231,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Dr. oec., wissenschaftliche Mitarbeiterin, Ressort Konjunktur, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco), Bern","seco_author_post_occupation_fr":"Collaboratrice scientifique, secteur Conjoncture, Secr\u00e9tariat d\u2019\u00c9tat \u00e0 l\u2019\u00e9conomie (Seco), Berne","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":3231,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Forschung, Schweizerische Nationalbank SNB, Z\u00fcrich","seco_co_author_post_occupation_fr":"Chercheur, Banque nationale suisse BNS, Zurich"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":119192,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"7053","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/553387477658e"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119189"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4710"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=119189"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119189\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127309,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119189\/revisions\/127309"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3231"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4710"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119189"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=119189"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=119189"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=119189"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=119189"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=119189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}