{"id":119229,"date":"2012-12-01T12:00:00","date_gmt":"2012-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/12\/etter-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:47","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:47","slug":"etter-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/12\/etter-3\/","title":{"rendered":"Freihandelsabkommen Efta-Hongkong \u2013 Weiterentwicklung der Schweizer Freihandelspolitik"},"content":{"rendered":"<p>Das Freihandelsabkommen (FHA) mit Hongkong ist am 1.Oktober 2012 in Kraft getreten. Es ist das vierte FHA mit ostasiatischen Partnern nach den Abkommen mit Singapur (in Kraft seit 1.1.2003), der Republik Korea (1.9.2006) und Japan (1.9.2009). F\u00fcr die aussenwirtschaftsabh\u00e4ngige Schweizer Volkswirtschaft sind ein m\u00f6glichst diskriminierungsfreier Marktzugang und Rechts&shy;sicherheit auf den Exportm\u00e4rkten besonders in Zeiten des starken Frankens von entscheidender &shy;Bedeutung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Autor war Efta-Sprecher und Leiter der Schweizer Delegation in den Verhandlungen der Efta-Staaten mit Honkong (September 2009 bis Juni 2011).Die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong ist seit 1997 eine Sonderver&shy;waltungszone der Volksrepublik China und ist eigenst\u00e4ndiges Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Das Land weist seit 10 Jahren ein j\u00e4hrliches Wirtschaftswachstum von 6%\u20138% auf. Dieser Trend wurde nur 2008\/09 durch die internationale Finanzkrise unterbrochen. 2011 exportierte die Schweiz Waren f\u00fcr 7,9 Mrd. Franken nach Hongkong (Uhren, Edelsteine, Edelmetalle, Schmuck, Maschinen usw.); die Importe betrugen 1,8 Mrd. Franken (u.a. Bijouterie, Uhrmacherwaren, Maschinen). Honkong ist nach China und Japan in Asien der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz und als drittgr\u00f6sster Finanzplatz der Welt auch f\u00fcr den Dienstleistungshandel bedeutsam. \u00dcber 200 Schweizer Unternehmen von Sektoren wie Uhren, Banken, Versicherungen, Pharma, Maschinen sowie Handel und Logistik sind durch Niederlassungen oder B\u00fcros vertreten. Der Bestand der Schweizer Direktinvestitionen in Hongkong erreichte Ende 2010 4,9 Mrd. Franken.&#13;<\/p>\n<h2>Inhalt des Abkommens<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas im Rahmen der Europ\u00e4ischen Freihandelsassoziation (Efta)&#13;<br \/>\nMitglieder: Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz. ausgehandelte Abkommen erleichtert den bilateralen Warenverkehr und Dienstleistungshandel, gew\u00e4hrleistet die Weiterf\u00fchrung der beidseits offenen Investitionsregimes und verst\u00e4rkt den Schutz geistiger Eigentumsrechte. Weiter enthalten sind Bestimmungen \u00fcber Wettbewerb, \u00f6ffentliches Beschaffungswesen und handelsrelevante Umweltfragen.&#13;<br \/>\nVgl. Botschaft des Bundesrates vom 16.9.2011 BBl 2011-1050, S. 7865\u20137962. Parallel dazu haben die Efta-Staaten und Hongkong ein Abkommen \u00fcber Arbeitsstandards abgeschlossen. Wie bei den bisherigen Efta-FHA wird der Handel mit unverarbeiteten Landwirtschaftsprodukten in bilateralen Abkommen der einzelnen Efta-Staaten geregelt.Im <i>Warenverkehr<\/i> gilt ab Inkrafttreten des Abkommens Zollfreiheit f\u00fcr Industrieprodukte: Die Schweiz beseitigt gegen\u00fcber Hongkong die bestehenden Industriez\u00f6lle, und Hongkong verpflichtet sich, gegen\u00fcber der Schweiz seine Nullzollpolitik weiterzuf\u00fchren. Dies erh\u00f6ht die Rechtssicherheit f\u00fcr die Schweizer Exporteure, da Honkong die Zollbefreiung in der WTO nur teilweise v\u00f6lkerrechtlich verpflichtet hat. Die Zollbefreiung Hongkongs wird auch f\u00fcr die Exporte von verarbeiteten und unverarbeiteten Agrar&shy;produkten weitergef\u00fchrt. Umgekehrt gew\u00e4hrt die Schweiz Hongkong Zollerleichterungen f\u00fcr verarbeitete und f\u00fcr ausgew\u00e4hlte unverarbeitete Agrarprodukte.F\u00fcr den Handel mit <i>Dienstleistungen<\/i> enth\u00e4lt das Abkommen beiderseits ein gegen\u00fcber der WTO h\u00f6heres Niveau der Markt&shy;zugangsverpflichtungen. F\u00fcr Schweizer Anbieter von besonderem Interesse sind z.B. Versicherungs-, Ingenieurs- und Handelsdienstleistungen, Installation und Unterhalt von Maschinen sowie Umwelt- und Logistikdienstleistungen. Erstmals in einem FHA der Efta wurden die Dienstleistungsverpflichtungen nach der Methode der Negativlisten festgelegt, die ein anspruchsvolleres Verpflichtungsniveau als die bisher verwendeten Positivlisten f\u00f6rdern.&#13;<br \/>\nNegativlisten wurden bereits im bilateralen Abkommen der Schweiz mit Japan verwendet.Auch f\u00fcr bestimmte Rechte an <i>geistigem Eigentum<\/i> (namentlich Patente, Testdaten, Designs und Marken) sowie bei deren Durchsetzung wurde ein zum Teil \u00fcber die WTO hinausgehendes Schutzniveau vereinbart. So wurde u.a. der Patentschutz jenem des Europ\u00e4ischen Patent\u00fcbereinkommens angen\u00e4hert.Mit den erstmals im Rahmen eines FHA der Efta bzw. der Schweiz vereinbarten Bestimmungen \u00fcber <i>handelsrelevante Umwelt-<\/i> und <i>Arbeitsstandards<\/i> leitet das vorliegende Abkommen eine inhaltliche Weiterentwicklung der Schweizer Freihandelspolitik ein. Konkret verpflichten sich die Parteien u.\u2009a., in ihren Gesetzgebungen hohe Schutzniveaus anzustreben und ihre Verpflichtungen in der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und den multilateralen Umweltabkommen wirksam umzusetzen.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nFHA werden mit weiteren asiatischen und anderen Partnern angestrebt. Die Schweiz verhandelt seit 2011 bilateral mit China. Im Rahmen der Efta sind Verhandlungen mit Indien, der Zollunion Russland\/Belarus\/Kasachstan, den zentralamerikanischen Staaten Indonesien, Vietnam, Malaysia und Thailand in Gang.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Freihandelsabkommen (FHA) mit Hongkong ist am 1.Oktober 2012 in Kraft getreten. Es ist das vierte FHA mit ostasiatischen Partnern nach den Abkommen mit Singapur (in Kraft seit 1.1.2003), der Republik Korea (1.9.2006) und Japan (1.9.2009). 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