{"id":119239,"date":"2012-12-01T12:00:00","date_gmt":"2012-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/12\/kreider-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:30","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:30","slug":"kreider","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/12\/kreider\/","title":{"rendered":"Zunehmende Verbreitung von Nachhaltigkeitsstandards in Schwellenl\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten zehn Jahren sind zahlreiche Nachhaltigkeitsstandards und Zertifizierungssysteme entstanden. Sie sind Ausdruck eines Wandels hin zu Multi-Stakeholder-Modellen, aber auch hin zu marktbasierten, nachhaltigen Instrumenten. Nun gilt es sicherzustellen, dass auch Schwellenl\u00e4nder wirksame Standards im Bereich der nachhaltigen Entwicklung einf\u00fchren und anwenden. Wenn auch L\u00e4nder wie Brasilien, Indien und China ihre Produktions-, Handels- und Konsummuster auf eine nachhaltige Entwicklung ausrichten, werden weltweit Wirtschaft, Umwelt und Bev\u00f6lkerung in hohem Masse davon profitieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201212_09_Kreider_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Westliche Industriel\u00e4nder als Pioniere<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Nachhaltigkeitsstandards und Zertifizierungssysteme haben sich seit Anfang der 1990er-Jahre im Zuge der Nachhaltigkeitsbestrebungen und der zunehmenden Nachfrage nach sozial und \u00f6kologisch vertr\u00e4glichen Produkten in den westlichen Industriel\u00e4ndern entwickelt. Beispiele daf\u00fcr sind etwa das <i>Forest Stewardship Council (FSC)<\/i> und das <i>Marine Stewardship Council (MSC)<\/i>. Die zertifizierte Produktion weist in einigen Sektoren mittlerweile einen Marktanteil von knapp 10% auf.&#13;<br \/>\nVgl. Towards Sustainability: State of Knowledge Assessment of Standards and Certification, <a href=\"http:\/\/www.resolv.org\/site-assessment\/towardsustainability\">http:\/\/www.resolv.org\/site-assessment\/towardsustainability<\/a>Die Organisationen, welche die Standards festlegen, sind sich bewusst, dass dieser Anteil nur gesteigert werden kann, wenn neue M\u00e4rkte f\u00fcr nachhaltige Produkte erschlossen werden k\u00f6nnen. Viele dieser Organisationen r\u00e4umen den Schwellenl\u00e4ndern strategische Priorit\u00e4t ein und haben ihre Anstrengungen entsprechend intensiviert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf verbesserter internationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit, nachhaltigen Versorgungsketten und Entwicklungszielen.Innerhalb der weltweiten Beschaffungsketten sind China, Indien und Brasilien entscheidende Produktions- und Verarbeitungsmotoren. Auch der Konsum in diesen L\u00e4ndern weist die weltweit h\u00f6chsten Wachstumsraten und die gr\u00f6ssten Ver\u00e4nderungen auf. Das Bev\u00f6lkerungswachstum, die Urbanisierung und die erstarkende Mittelschicht in den Schwellenl\u00e4ndern f\u00fchren zu sehr hohen Zuwachsraten im Binnenkonsum, welche die Exporte in einigen Sektoren in den Schatten stellen. Indien, der weltweit gr\u00f6sste Teeproduzent, ben\u00f6tigt 80% seiner Produktion f\u00fcr den Eigenkonsum.&#13;<br \/>\nTea Barometer 2010, Tropical Tea Commodity Coalition. \u00c4hnliche Werte bestehen in der Bekleidungsindustrie.In Zukunft wird der Binnenkonsum \u2013 zusammen mit den Exporten in die hoch entwickelten, \u00abgr\u00fcnen\u00bb M\u00e4rkte des Westens \u2013 die Praxis innerhalb der Beschaffungsketten und die Nachhaltigkeitsverpflichtungen des privaten Sektors bestimmen. Ausserdem bauen die Bric-Staaten ihre gegenseitigen Handelsbeziehungen immer weiter aus. So hat China k\u00fcrzlich die USA als wichtigster Handelspartner Brasiliens abgel\u00f6st: Im letzten Jahr verkaufte Brasilien Soja im Wert von 10,5 Mrd. US-Dollar an China.&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.bsr.org\/en\/our-insights\/blog-archive\/2012\/09\">http:\/\/www.bsr.org\/en\/our-insights\/blog-archive\/2012\/09<\/a> Wenn die Schwellenl\u00e4nder eine gemeinsame Haltung zur Frage finden, wie glaubw\u00fcrdige Standards verwendet werden k\u00f6nnen, um Gesch\u00e4fts- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, kann der nachhaltige Handel zu einer treibenden Kraft einer \u00f6kologisch ausgerichteten Weltwirtschaft werden. Indem sichergestellt wird, dass die internationalen Standards mit den innerstaatlichen Priorit\u00e4ten in Einklang stehen, wird zudem das Argument entkr\u00e4ftet, sie seien innerstaatliche Handelsschranken.&#13;<\/p>\n<h2>Grosser Einfluss des privaten Sektors<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine der zentralen Herausforderungen bei der Steigerung der Binnennachfrage nach nachhaltigen G\u00fctern besteht darin, die heimischen Entscheidungstr\u00e4ger internationaler Marken davon zu \u00fcberzeugen, dass ein lokaler Markt f\u00fcr zertifizierte Produkte &shy;vorhanden sei und sie deshalb ihr En&shy;gagement auf die Konsumentinnen und Kon&shy;sumenten in den Schwellenl\u00e4ndern ausdehnen sollten. Viele der weltweit f\u00fchrenden multinationalen Unternehmen haben ambitionierte Nachhaltigkeitsprogramme kommuniziert. Doch die meisten dieser Verpflichtungen beziehen sich nur auf Erzeugnisse, die f\u00fcr den Export in europ\u00e4ische und nordamerikanische M\u00e4rkte bestimmt sind.Im Zusammenhang mit den Nachhaltigkeitsstandards stellt sich die Frage nach Ursache und Wirkung: Den privaten Unternehmen fehlt der klare Beweis f\u00fcr die inl\u00e4ndische Nachfrage in den betreffenden L\u00e4ndern; die Binnennachfrage nimmt aber voraussichtlich erst zu, wenn mehr zertifizierte Produkte angeboten werden. So hat sich die weltweit operierende Fastfoodkette McDonald\u2019s etwa verpflichtet, in allen ihren Restaurants in Europa ausschliesslich Fische und Meeresfr\u00fcchte anzubieten, die dem MSC-Standard f\u00fcr nachhaltige Fischerei entsprechen, nicht aber in Schwellenl\u00e4ndern. W\u00fcrden die multinationalen Unternehmen ihre weltweiten Nachhaltigkeitskampagnen und Beschaffungskriterien mit entsprechenden Anstrengungen in den Schwellenl\u00e4ndern verbinden, k\u00e4men sie zum Schluss, dass die dortigen Konsumentinnen und Konsumenten darauf positiv reagieren. Diese h\u00e4tten dann eher die M\u00f6glichkeit, ihre Kaufentscheide auf der Basis von umfassenden Informationen zu treffen. Zus\u00e4tzlich zu den weltweit anerkannten Unternehmen mit Niederlassungen in Brasilien, Indien und China m\u00fcssen die Anstrengungen auch auf grosse einheimische Unternehmen in den Schwellenl\u00e4ndern \u2013 wie Tata in Indien und Sun Art Retail in China \u2013 ausgerichtet werden, da sie in ihrem jeweiligen Land einen grossen Einfluss haben. In Indien \u00fcbernehmen sowohl ausl\u00e4ndische als auch inl\u00e4ndische Unternehmen eine F\u00fchrungsrolle. Unilever Hindustan, eine Tochtergesellschaft des britisch-niederl\u00e4ndischen Konsumg\u00fctergiganten, hat sich verpflichtet, bis 2020 in Indien ausschliesslich nachhaltig produzierten Tee anzubieten, der dem Standard <i>Rainforest Alliance \/ SAN<\/i> entspricht.&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.hul.co.in\/mediacentre\/pressreleases\">http:\/\/www.hul.co.in\/mediacentre\/pressreleases<\/a> In den Betrieben von Coffee Day, der gr\u00f6ssten Caf\u00e9-Kette in Indien, wird ausschliesslich UTZ-zertifizierter Kaffee serviert.&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.cafecoffeeday.com\/utz-certified.php\">http:\/\/www.cafecoffeeday.com\/utz-certified.php<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Zivilgesellschaft in den \u2028Schwellenl\u00e4ndern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZu den wichtigsten Faktoren f\u00fcr die Steigerung der Binnennachfrage nach nachhaltigen Produkten geh\u00f6ren ein entsprechendes Bewusstsein der Zivilgesellschaft und die F\u00e4higkeit von Gruppierungen, die Unternehmen zu vermehrten Anstrengungen der Nachhaltigkeit zu motivieren. Das Bewusstsein f\u00fcr soziale und umweltbezogene Fragen ist in den Schwellenl\u00e4ndern unterschiedlich ausgebildet. Es h\u00e4ngt ab von verschiedenen Faktoren wie Bildung und Zugang zu Informationen, aber auch von der unmittelbaren Konfrontation mit wie Klimawandel, Wasserknappheit und schlechten Arbeitsbedingungen.In Brasilien stehen Abholzung, Verlust an biologischer Vielfalt, und andere seit vielen Jahren im Fokus der \u00d6ffentlichkeit und der politischen Agenda. Daraus resultierten eine Zivilgesellschaft, die sich lautstark Geh\u00f6r verschafft, mit einem dichten Netzwerk von Akteuren und Organisationen. Zahlreiche Studien zeigen, dass das Bewusstsein f\u00fcr weltweite Nachhaltigkeitsprobleme und die Bedeutung von nachhaltigen L\u00f6sungen der brasilianischen Bev\u00f6lkerung sogar h\u00f6her ist als jenes in den Industriel\u00e4ndern. Gem\u00e4ss dem <i>Biodiversit\u00e4ts-Barometer<\/i> der <i>Union for Ethical Bio Trade<\/i> f\u00fcr das Jahr 2012 sind 95% der Brasilianerinnen und Brasilianer mit dem Begriff \u00abnachhaltige Entwicklung\u00bb und 97% mit dem Begriff \u00abBiodiversit\u00e4t\u00bb .&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.ethicalbiotrade.org\">http:\/\/www.ethicalbiotrade.org<\/a>Aus verschiedenen Studien \u2013 wie der internationalen <i>Greendex<\/i>-Studie der <i>National Geographic Society<\/i> \u2013 geht hervor, dass unter chinesischen und indischen Konsumentinnen und Konsumenten ebenfalls ein hohes Bewusstsein f\u00fcr Fragen der Nachhaltigkeit besteht. Auch diese \u00e4ussern Bedenken zu den \u00f6kologischen Auswirkungen ihres individuellen Konsumverhaltens. Mit Kampagnen zur F\u00f6rderung des Konsumentenbewusstseins haben indische Nichtregierungsorganisationen (NGO) und soziale Bewegungen schon in der Vergangenheit Gesundheits- und Sicherheitsfragen thematisiert. Und dank Arbeitsrichtlinien \u2013 wie <i>GoodWeave<\/i> in der Teppichindustrie \u2013 kamen soziale Fragen auf die Agenda. Die chinesische Zivilgesellschaft hat sich in den letzten zehn Jahren rasch entwickelt. Eine zunehmende Zahl von NGO interveniert direkt bei den Unternehmen und versucht sie dazu zu bewegen, ihre Verfahren nachhaltiger zu gestalten. Insbesondere die chinesischen Branchenverb\u00e4nde spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Unternehmen und Regierung f\u00fcr Fragen der Nachhaltigkeit sowie der Anwendung von Nachhaltigkeitsstandards und Managementsystemen zu sensibilisieren. So der der <i>China Tea Marketing Association<\/i> Bezug auf weltweit massgebende Nachhaltigkeitsstandards wie UTZ, Fairtrade und Rainforest Alliance.&#13;<\/p>\n<h2>Eigene nationale Standards in Indien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInnerhalb der Bric-Staaten ist die Frage von eigenen nationalen Standards in erster Linie in Indien ein wichtiges Thema. Aus &shy;historischen Gr\u00fcnden und aufgrund von Handelsspannungen besteht in Indien ein gewisses Unbehagen gegen\u00fcber freiwilligen internationalen Standards. In Indien ist es f\u00fcr die Entscheidungstr\u00e4ger des privaten und \u00f6ffentlichen Sektors sehr wichtig, dass der Prozess f\u00fcr die Entwicklung und Umsetzung von Standards unter nationaler Aufsicht steht. Damit wollen sie gew\u00e4hrleisten, dass den besonderen Verh\u00e4ltnissen in Indien Rechnung getragen wird.Der grosse Stellenwert sozialer und umweltbezogener Standards in Indien zeigt sich daran, dass nationale Versionen internationaler Standards geschaffen wurden. So hat Indien beispielsweise seine eigene Version des <i>Global Organic Textile Standard<\/i> entwickelt, und k\u00fcrzlich f\u00fchrte das <i>Ministry of Corporate Affairs<\/i> eine Reihe strenger Standards f\u00fcr unternehmerische Verantwortung ein. Die Arbeit an der Schnittstelle zwischen nationalen und internationalen Standards ist eine grosse Herausforderung. W\u00e4hrend der letzten Jahrzehnte wurde im Bereich der internationalen Nachhaltigkeitsstandards ein umfangreiches Know-how zur <i>Best Practice<\/i> erarbeitet. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Anforderungen hinsichtlich Transparenz, Aufbau von F\u00e4higkeiten (<i>Capacity Building<\/i>), Wirkungen und Audits, die ein Standard erf\u00fcllen muss, um glaubw\u00fcrdig zu sein. Wenn die immer zahlreicher werdenden nationalen Standards nicht auf dieses Know-how zur\u00fcckgreifen, k\u00f6nnte dies \u2013 bildlich gesprochen \u2013 zu einer Neuerfindung des Rades mit verminderter Wirksamkeit f\u00fchren. Als Nebenwirkung von nationalen Standards, die nicht mit den weltweit anerkannten Standards \u00fcbereinstimmen, k\u00f6nnten neue internationale Handelsschranken f\u00fcr umweltvertr\u00e4gliche Produkte resultieren. Bei Produkten wie Kaffee, Tee und Baumwolle sind indische Kleinbetriebe weltweit f\u00fchrend. Deshalb ist es von ausschlaggebender Bedeutung, dass Standards auch zur L\u00f6sung lokaler Probleme beitragen. Ein Beispiel ist der st\u00e4rkere Fokus auf den Aufbau von F\u00e4higkeiten, die den Produzenten die Zertifizierung ihrer Erzeugnisse erst erm\u00f6glichen. Entwicklungsorganisationen wie <i>Better Cotton Initiative<\/i> und <i>Solidaridad<\/i> bieten den Produzenten Ausbildung und Unterst\u00fctzung an, um die negativen Umweltauswirkungen des Anbaus von Baumwolle und Zuckerrohr zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, dass die Wirtschaftsf\u00fchrer in den Schwellenl\u00e4ndern aktiv in die weltweiten Diskussionen \u00fcber Nachhaltigkeitsstandards einbezogen werden. Ein solches Beispiel sind die Beratungen \u00fcber die <i>Iseal Credibility Principles<\/i>, die in diesem Jahr aufgenommen wurden.&#13;<br \/>\nF\u00fcr weitere Informationen siehe <a href=\"http:\/\/www.isealalliance.org\/credibilityprinciples\">http:\/\/www.isealalliance.org\/credibilityprinciples<\/a> Im Rahmen von Stakeholder-Workshops in Brasilien, Indien und China erhalten die Entscheidungstr\u00e4ger der Schwellenl\u00e4nder die Gelegenheit, auf die Diskussion \u00fcber Nachhaltigkeitsstandards einzuwirken. Ausserdem wird ihnen dort vermittelt, welche Vorteile die Anwendung von glaub&shy;w\u00fcrdigen Standards f\u00fcr das Erreichen von nachhaltigen Entwicklungszielen und die Verbesserung der Handelsm\u00f6glichkeiten hat.&#13;<\/p>\n<h2>Anwendung von Nachhaltigkeits&shy;standards in China<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nChina bietet das komplexeste und herausforderndste Umfeld zur allm\u00e4hlichen Eta&shy;blierung von Nachhaltigkeitsstandards. In China ist es eine Voraussetzung f\u00fcr jede Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit, dass sie im Einklang mit den nationalen Priorit\u00e4ten steht. Die Standards m\u00fcssen insbesondere zu einer F\u00f6rderung der nachhaltigen Entwicklung und zu anderen Aspekten des F\u00fcnfjahresplans beitragen. Die Konzentration der Regierung auf die Steigerung des Binnenkonsums bietet zweifellos eine Chance, das Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten sowie der Unternehmen f\u00fcr ein nachhaltiges Konsumverhalten und die Anwendung von Standards zu st\u00e4rken. Die Anwendung von internationalen Standards in China ist \u2013 wie in Indien und in anderen Schwellenl\u00e4ndern auch \u2013 im Wesentlichen auf den Exportsektor beschr\u00e4nkt. Als Drehscheibe f\u00fcr die Verarbeitung und Herstellung von Produkten, die im Ausland verkauft werden, wird in China eine grosse Zahl von FSC- und MSC-Produktkettenzertifikaten ausgestellt. Praktisch alle Iseal-Mitglieder erachten China als strategisch bedeutend, auch wenn die Engagements der meisten erst im Aufbau begriffen sind. Einige Mitglieder haben entweder Pilotprojekte lanciert oder arbeiten mit Partnern zusammen. Eine der gr\u00f6ssten Herausforderungen im Kampf um die Anerkennung des Werts glaubw\u00fcrdiger Standards besteht im Umgang mit dem regulatorischen Umfeld. Eine umfangreiche B\u00fcrokratie befasst sich mit den internationalen Standardsystemen, mit der <i>National Certification and Accreditation Administration (CNCA)<\/i> der Volksrepublik China als wichtigstem Aufsichtsorgan. Es herrscht eine betr\u00e4chtliche Unklarheit dar\u00fcber, welche Bestimmungen f\u00fcr internationale Standards gelten und wie strikt diese durchgesetzt werden. Ein weiteres zentrales Problem ist die Frage, wie in China Vertrauen aufgebaut werden kann. Dabei geht es darum, das Bewusstsein bei Regierung und Entscheidungstr\u00e4gern des privaten Sektors daf\u00fcr zu st\u00e4rken, dass glaubw\u00fcrdige Standards zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit im internationalen Handel und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen k\u00f6nnen. Das Schaffen von Akzeptanz f\u00fcr Standards und deren vermehrte Verwendung sind langfristige Vorhaben, die mehrere Jahre an Beziehungspflege in Anspruch nehmen. Um diesen Prozess zu unterst\u00fctzen, sollte mit Akteuren zusammengearbeitet werden, die entweder den staatlichen Beh\u00f6rden angeh\u00f6ren oder von diesen zugelassen wurden. So ist das Iseal-Mitglied <i>Alliance for Water \u2028Stewardship<\/i> bei der Entwicklung ihres Standards Verpflichtungen mit chinesischen Stakeholdern eingegangen und hat Partnerschaften mit dem WWF und der \u2028Naturschutzorganisation <i>The Nature Conservancy<\/i>, die in China ein hohes Ansehen geniessen. Derzeit ist nicht klar, in welchem Umfang chinesische Stakeholder freiwillige internationale Standards bei Investitionen im Ausland oder bei der ausschliesslich inl\u00e4ndischen Produktion und beim Binnenkonsum anwenden werden. Die chinesischen Unternehmen haben bislang nur wenige Initiativen lanciert, um bestehende internationale Standards als Kriterien f\u00fcr den Kauf importierter G\u00fcter \u2013 wie Palm\u00f6l, Rindfleisch oder Soja \u2013 zu verwenden. Stattdessen haben die chinesische Regierung und Branchenverb\u00e4nde verschiedene branchenbezogene Leitf\u00e4den und weitere Instrumente erarbeitet. China verfolgt auch die Strategie, Einfluss auf regionale Standards von Handelspartnern auszu\u00fcben. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die k\u00fcrzliche Einflussnahme Chinas, um im Rahmen seines Freihandelsabkommens mit der Asean einen Beitrag zur Vereinheitlichung der Standards f\u00fcr biologische Produkte zu leisten. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit China die F\u00e4higkeit entwickeln wird, auf weltweiter Ebene Einfluss auf andere internationale Nachhaltigkeitsstandards auszu\u00fcben. Es ist daher \u00fcberaus wichtig, dass den chinesischen Interessenvertretern noch st\u00e4rker bewusst wird, wie internationale Standards entwickelt werden und dass eine chinesische Beteiligung an diesem Prozess durchaus willkommen ist.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe Sensibilisierung f\u00fcr Nachhaltigkeit in Brasilien nutzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGegenw\u00e4rtig macht in Bezug auf die Nachhaltigkeit kein anderes Land so grosse Fortschritte wie Brasilien. Dies zeigt, dass ein hohes Wirtschaftswachstum&#13;<br \/>\nZwischen 2007 und 2011 verzeichnete Brasilien ein j\u00e4hrliches durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 4,2%. Siehe dazu: Luiz Awazu Pereira da Silva, Brazil: A Normal Business Cycle in a Complex Global Environment, Policy Responses and Outlook for 2012-2013, August 2012. nicht zwangsl\u00e4ufig auf Kosten der Umwelt gehen muss. Als Land mit einer grossen biologischen Vielfalt, einer Vielzahl von pflanzlichen Erzeugnissen und grossem Rohstoffreichtum ist Brasilien f\u00fcr die Standards von ausschlaggebender Bedeutung. Brasilien ist denn auch in den meisten Bereichen aktiv, in denen Zertifizierungsmassnahmen bereits etabliert (Kaffee, Kakao, Forstwirtschaft) oder im Aufbau begriffen sind (Soja, Zucker, Viehzucht).Brasilien ist das Schwellenland, das in Bezug auf internationale Standards das gr\u00f6sste Engagement und die h\u00f6chste Akzeptanz geniesst. Was die Nachhaltigkeitsstandards betrifft, weist die Forstwirtschaft den mit Abstand h\u00f6chsten Entwicklungsstand auf. Im Juni 2011 deckte die FSC-Zertifizierung \u00fcber 6,7 Mio. Hektaren ab.&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.ga.fsc.org\/ganews.html\">http:\/\/www.ga.fsc.org\/ganews.html<\/a> Die Zertifizierung ist von einer Reihe f\u00fchrender Unternehmen, die in Brasilien t\u00e4tig sind, weitgehend akzeptiert. Zu diesen Unternehmen geh\u00f6ren unter anderem Stora Enso, TetraPak und Kimberly Clark. Ausserdem kann Brasilien Erfolge bei der Bek\u00e4mpfung der Abholzung vorweisen, die auf den tiefsten Stand seit 1988 gesenkt wurde.&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/world-latin-america-16048503\">http:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/world-latin-america-16048503<\/a>In Brasilien besteht die kritische Masse von Interessentr\u00e4gern f\u00fcr die Entwicklung von Standards in den Bereichen Zucker (<i>Bonsucro<\/i>), Soja (<i>Round Table on Responsible Soy<\/i>) und Viehzucht (<i>Rainforest Alliance\/Sustainable Agriculture Network<\/i>). Das Land hat sich zudem verpflichtet, den Anteil der erneuerbaren Energien zu erh\u00f6hen. Dabei soll haupts\u00e4chlich auf Bioethanol und Biomasse zur\u00fcckgegriffen werden. Mit der Verpflichtung zur Einhaltung von glaubw\u00fcrdigen Standards im Bereich Bioenergie \u2013 wie z.B. dem Roundtable on Sustainable Biofuels (RSB) \u2013 kann Brasilien den inl\u00e4ndischen Bedenken zur Nachhaltigkeit von Biotreibstoffen Rechnung tragen. International lassen sich auch M\u00e4rkte f\u00fcr erneuerbare Energien erschliessen, die von Europa \u2013 insbesondere mit der EU-Richtlinie Erneuerbare Energien \u2013 reguliert werden.Ein weiterer Bereich, in dem Brasilien in Bezug auf die Standards eine beeindruckende F\u00fchrungsrolle innehat, ist das \u00f6kologische Bauen. Brasilien weist die weltweit viertgr\u00f6sste Zahl von registrierten LEED-Projekten (<i>Leadership in Energy and Environmental Design<\/i>) auf. Der <i>Green Building Council Brazil<\/i> f\u00fchrt dies darauf zur\u00fcck, dass in Brasilien sowohl im privaten als auch im \u00f6ffentlichen Sektor das Bewusstsein vorhanden ist, dass nachhaltige Verfahren eine intelligente L\u00f6sung sind und auch wirtschaftlich Sinn machen.&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.isealalliance.org\/online-community\/blogs\">http:\/\/www.isealalliance.org\/online-community\/blogs<\/a> Die Verpflichtung zum nachhaltigen Bauen wurde auch auf die Errichtung der hochmodernen Anlagen f\u00fcr die Fussball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 ausgedehnt.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Entwickler von Nachhaltigkeitsstandards m\u00fcssen mit den Meinungsf\u00fchrern und Akteuren zusammenarbeiten, die sich f\u00fcr die Anwendung von Standards einsetzen, um das Bewusstsein f\u00fcr nachhaltige L\u00f6sungen in den aktiven Netzwerken von Brasilien zu verbreiten. Dem privaten und dem &shy;\u00f6ffentlichen Sektor sollte erm\u00f6glicht werden, bei ihren Entscheiden bez\u00fcglich Beschaffungen und Lieferketten zwischen glaubw\u00fcrdigen und unglaubw\u00fcrdigen Standards unterscheiden zu k\u00f6nnen. Dies wird auch dazu beitragen, dass sich qualitativ hochstehende Standards etablieren k\u00f6nnen und eine nachhaltige Entwicklung gew\u00e4hrleistet werden kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Das Projekt der Iseal und des Seco&#13;<\/p>\n<h3>Das Projekt der Iseal und des Seco<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Vereinigung Iseal ist eine weltweite Plattform f\u00fcr Nachhaltigkeitsstandards. \u2028Sie verfolgt unter anderem das Ziel, glaubw\u00fcrdige Standards zu definieren sowie die Auswirkungen und die Wirksamkeit der Nachhaltigkeitsstandards zu verbessern. Dies &shy;erfolgt durch gemeinsame Anstrengungen &shy;ihrer Mitglieder, zu denen unter anderem auch Fairtrade International, MSC und Rainforest Alliance\/Sustainable Agriculture &shy;Network geh\u00f6ren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm M\u00e4rz lancierte die Iseal ein auf drei Jahre angelegtes Projekt, das vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) finanziert wird. Es ist darauf ausgerichtet, in Brasilien, China und Indien das Bewusstsein f\u00fcr glaubw\u00fcrdige Standards zu st\u00e4rken, die Entwicklung nationaler Standards zu f\u00f6rdern und &shy;deren Anwendung auszubauen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit diesem Projekt m\u00f6chte die Iseal eine breite Basis von Verantwortlichen des \u00f6ffentlichen und des privaten Sektors schaffen, \u2028die den Nutzen von Nachhaltigkeitsstandards f\u00fcr die nachhaltige Entwicklung und f\u00fcr die Schaffung von Marktm\u00f6glichkeiten anerkennen.a&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Weitere Informationen zum Projekt unter www.iseal&shy;alliance.org\/our-work\/increasing-uptake\/seco-iseal-project<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten zehn Jahren sind zahlreiche Nachhaltigkeitsstandards und Zertifizierungssysteme entstanden. Sie sind Ausdruck eines Wandels hin zu Multi-Stakeholder-Modellen, aber auch hin zu marktbasierten, nachhaltigen Instrumenten. Nun gilt es sicherzustellen, dass auch Schwellenl\u00e4nder wirksame Standards im Bereich der nachhaltigen Entwicklung einf\u00fchren und anwenden. 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