{"id":119279,"date":"2012-12-01T12:00:00","date_gmt":"2012-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/12\/starmanns-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:26:10","modified_gmt":"2023-08-23T21:26:10","slug":"starmanns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/12\/starmanns\/","title":{"rendered":"Kompass Nachhaltigkeit \u2013 ein n\u00fctzliches Instrument f\u00fcr nachhaltige Beschaffer"},"content":{"rendered":"<p>Das Thema Nachhaltigkeit ist in Unternehmen gegenw\u00e4rtiger denn je. Im Bereich der Beschaffung engagieren sich bereits viele Unternehmen f\u00fcr sozial und \u00f6kologisch nachhaltige Praktiken. Doch das Thema ist sehr komplex. Der \u00abKompass Nachhaltigkeit\u00bb unterst\u00fctzt private und \u00f6ffentliche Beschaffer bei Fragen zur Umsetzung einer effizienten und gewinnbringenden nachhaltigen Beschaffung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVon Unternehmen und \u00f6ffentlichen Institutionen wird heute erwartet, dass sie bei \u2028der Beschaffung von Produkten aus Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern gewisse Umwelt- und Sozialstandards einhalten. \u2028Wer sich nicht mit dem Thema besch\u00e4ftigt, ist zum Teil erheblichen Reputationsrisiken ausgesetzt. Zus\u00e4tzlich gibt es immer mehr Beispiele, die zeigen, dass Unternehmen \u2028und \u00f6ffentliche Einrichtungen durch ihr Enga&shy;gement im Bereich Nachhaltigkeit einen finanziellen Mehrwert f\u00fcr sich selbst schaffen \u2013 und zwar jenseits von Reputations\u00fcberlegungen. Der bekannte Business-Professor Michael Porter von der Harvard Universit\u00e4t hat gemeinsam mit Mark Kramer den Begriff <i>Shared Value<\/i> gepr\u00e4gt, um die Chancen zu betonen, die bei der Umstellung auf Nachhaltigkeit auf Unternehmen warten.&#13;<br \/>\nPorter M. E. &amp;amp; M. R. Kramer (2011): Creating Shared Value. Harvard Business Review, Januar 2011. Auf den Punkt gebracht: Nachhaltige Beschaffungsstrategien k\u00f6nnen Kosten sparen, die Produkt&shy;qualit\u00e4t verbessern oder dabei helfen, neue M\u00e4rkte zu erschliessen. So sch\u00e4tzt die Schweizerische Agentur f\u00fcr Energieeffizienz (Safe) das Sparpotenzial von Lampen auf 40% ein \u2013 das hilft der Umwelt und spart Geld dort, wo es umgesetzt wird.&#13;<br \/>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.proofit.ch\">http:\/\/www.proofit.ch<\/a> Neuere Forschung best\u00e4tigt, dass Unternehmen, die Umweltstandards wie den ISO 14001 umsetzen, eine h\u00f6here Arbeitsproduktivit\u00e4t haben als Firmen, die dies nicht tun.&#13;<br \/>\nDelmas M. A. &amp;amp; S. Pekovic (2012): Environmental standards and labor productivity: Understanding the mechanisms that sustain sustainability. Journal of Organizational Behavior, 2012. Begr\u00fcndet wird dies dadurch, dass diese Firmen mehr in das Training ihrer Mitarbeiter investieren und durch die Umsetzung die Zusammenarbeit der Mitarbeiter auf verschiedenen Levels der Unternehmenshierarchie f\u00f6rdern, was letztendlich zum Wissenstransfer und zu \u2028einer h\u00f6heren Arbeitsproduktivit\u00e4t beitr\u00e4gt. F\u00fcr Beschaffer in privaten Unternehmen und im \u00f6ffentlichen Sektor stellt jedoch die Ausrichtung der Beschaffungsstrategie auf Nachhaltigkeit oftmals eine Herausforderung dar. Alleine die Frage, welcher Nachhaltigkeitsstandard den eigenen Bed\u00fcrfnissen am meisten entspricht, setzt eine umfassende Recherche voraus, f\u00fcr die den meisten KMU und \u00f6ffentlichen Stellen die Ressourcen fehlen. Hier schafft die mit Unterst\u00fctzung des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) entwickelte Internetplattform Kompass Nachhaltigkeit&#13;<br \/>\nVgl. <a href=\"http:\/\/www.kompass-nachhaltigkeit.ch\">http:\/\/www.kompass-nachhaltigkeit.ch<\/a> Abhilfe. Sie gibt vor allem Antworten auf vier Kernfragen von Beschaffenden: \u2212 Welche Massnahmen sollte ein Beschaffer ergreifen, um Nachhaltigkeit in der Beschaffungsstrategie und ihrer Umsetzung zu verankern? \u2212 Welche freiwilligen Standards entsprechen den Bed\u00fcrfnissen des beschaffenden Unternehmens oder der beschaffenden Beh\u00f6rde? \u2212 Wie gehen andere Unternehmen bzw. \u00f6ffentliche Institutionen in ihrer nachhaltigen Beschaffung vor?\u2212 Wie und wo kann ich mich vertieft \u00fcber das Thema informieren?&#13;<\/p>\n<h2>Nachhaltiges Beschaffungsmanagement<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Kompass Nachhaltigkeit hilft dabei, die Komplexit\u00e4t der notwendigen Schritte hin zu einer nachhaltigeren Beschaffung zu reduzieren, indem er das Beschaffungsmanagement in viele kleine Pakete unterteilt. Im Bereich KMU werden f\u00fcnf Prozessphasen jeweils mit verschiedenen Einzelmassnahmen und Instrumenten definiert (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Jede der insgesamt 16 Massnahmen wird kurz erl\u00e4utert mit Hinweisen zu weiterf\u00fchrenden Informationen. Einfache Arbeitshilfen und Tools zur Verf\u00fcgung gestellt. Diese Struktur hilft nicht nur Unternehmen, die gerade damit beginnen, die eigene Beschaffung nachhaltig auszurichten. Sie dient auch Unternehmen, die bereits im Bereich Nachhaltigkeit aktiv sind, zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob die eigene Strategie alle wichtigen Aspekte systematisch abdeckt. Zus\u00e4tzlich bietet der Kompass Nachhaltigkeit einen kurzen Selbsttest, der dem Unternehmen unmittelbar Verbesserungsvorschl\u00e4ge offeriert. \u00d6ffentlichen Beschaffern gibt der Kompass Nachhaltigkeit parallel dazu eine erste Orientierung, wie und wo in der Auftragsvergabe soziale und \u00f6kologische Kriterien verankert werden k\u00f6nnen. Hier wird auch auf die zentralen Gesetzestexte verwiesen.&#13;<\/p>\n<h2>Standarddatenbank<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKernst\u00fcck des Kompasses ist eine in dieser Tiefe einzigartige Datenbank mit detaillierten Ausk\u00fcnften zu derzeit 45 Sozial- und Umweltstandards. Die Datenbank wurde mit dem Internationalen Handelszentrum in Genf (ITC) entwickelt. Die Daten werden in Zusammenarbeit mit den Standardinitiativen erfasst. Die Datenbank erlaubt \u00f6ffentlichen und privaten Beschaffern detaillierte, gut gegliederte und vergleichbare Informationen zu Standards und Labels aus folgenden Produktgruppen abzurufen: landwirtschaftliche Produkte, Fischerei, Getr\u00e4nke, Textilien, Holz &amp; Papier, Energie &amp; Strom, Natursteine &amp; Baumittel. Der Kompass erm\u00f6glicht den Vergleich zweier Standards im Hinblick auf \u00fcber 150 Kriterien. So kann ein Beschaffer \u00fcberpr\u00fcfen, welche Standards die eigenen Anforderungen am besten erf\u00fcllen.&#13;<\/p>\n<h2>Praxisbeispiele und aktuelle &shy;Informationen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Beschaffungsmanagement-Instrumente sowie die Standarddatenbank werden erg\u00e4nzt mit regelm\u00e4ssigen Informationen zu Themen, Entwicklungen und Veranstaltungen in den Bereichen Beschaffung und &shy;Standards, die auch \u00fcber einen kostenlosen Newsletter abonnierbar sind. Zus\u00e4tzlich stellt das Portal Beschaffungspraktiken von einzelnen Unternehmen und \u00f6ffentlichen Beschaffungsstellen vor. Anhand der Beispiele er&shy;halten die Nutzer einen Einblick in die Beschaffungspraktiken anderer Organisationen und k\u00f6nnen Anregungen und Ideen gewinnen. Insgesamt ist der Kompass Nachhaltigkeit\u00a0eine n\u00fctzliche Online-Plattform f\u00fcr &shy;Beschaffungsverantwortliche aus KMU und \u00f6ffen&shy;tlichen Institutionen. Anregungen und &shy;Feedback, die der Weiterentwicklung des Kompass Nachhaltigkeit sowie der Anpassung an die Bed\u00fcrfnisse der Nutzer dienen, sind willkommen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abProzess nachhaltige Beschaffung\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema Nachhaltigkeit ist in Unternehmen gegenw\u00e4rtiger denn je. Im Bereich der Beschaffung engagieren sich bereits viele Unternehmen f\u00fcr sozial und \u00f6kologisch nachhaltige Praktiken. Doch das Thema ist sehr komplex. 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