{"id":119344,"date":"2012-11-01T12:00:00","date_gmt":"2012-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/11\/hewicker-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:26:08","modified_gmt":"2023-08-23T21:26:08","slug":"hewicker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/11\/hewicker\/","title":{"rendered":"Die deutsche Energiewende \u2013 Aufbruchsstimmung und Umsetzungsprobleme im Strommarkt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201211_10_Hewicker_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"789\" height=\"527\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Die Energiewende Deutschlands ist ein ambitioniertes umwelt- und wirtschaftspolitisches Programm, das den Energiesektor, aber auch den B\u00fcrger vor grosse Ver\u00e4nderungen stellt. Wind- und Solarenergie bilden in diesem Programm das neue R\u00fcckgrat der Stromversorgung. Im Bild: Solar- und Windpark in Norddeutschland. Keystone<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Breiter politischer Konsens \u2028zur Energiewende<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie klimapolitischen Ziele wurden bereits im Energiekonzept von 2010 ausgerufen. Sie gehen ihrerseits auf die gemeinsamen EU-2020-Ziele sowie die Integrierte Energie- und Klimapolitik (IEKP) aus dem Jahr 2007 zur\u00fcck. Zusammen mit dem Atomausstieg bilden die Beschl\u00fcsse ein ambitioniertes umwelt- und wirtschaftspolitisches Programm, das den Energiesektor, aber auch den B\u00fcrger vor grosse Ver\u00e4nderungen stellt. In ihrer Regierungserkl\u00e4rung zur Energiewende sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel von einer \u00abHerkulesaufgabe \u2013 ohne Wenn und Aber\u00bb. Da auch die Opposition die Regierung im Grundsatz unterst\u00fctzt, gibt es wenig \u00f6ffentlichen Widerspruch gegen die politische Zielrichtung der Energiewende. Auch f\u00fchrende Vertreter von Industrieverb\u00e4nden versichern der Regierung ihre Unterst\u00fctzung; selbst der Vorstandsvorsitzende der RWE AG, Peter Terium, nannte die Energiewende eine hochinteressante Entwicklung. Freilich mehren sich zuletzt die Stimmen, die auf Probleme und Verz\u00f6gerungen hinweisen: So sagte etwa Umweltminister Peter Altmaier im Juni 2012 in einem Interview, das Ziel einer Stromersparnis von 10% bis 2020 bed\u00fcrfe \u00abriesiger Anstrengungen\u00bb. Auch den Erfolg eines weiteren wichtigen Teilprojekts des Energiekonzepts, der F\u00f6rderung der Elektromobilit\u00e4t, zog er in Zweifel. Von Seiten des Koalitionspartners FDP wurde mehrfach eine st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung der Wirtschaftlichkeit bei der Umsetzung der Energiewende angemahnt. Zugleich wird deutlich, dass einzelne Regulierungsmassnahmen in Zukunft erheblich besser aufeinander abgestimmt werden m\u00fcssen. Das gilt vor allem f\u00fcr den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze, aber auch f\u00fcr das Strommarktdesign insgesamt. Im Folgenden gehen wir auf die Umsetzungsprobleme der Energiewende genauer ein, wobei wir uns auf die Stromwirtschaft konzentrieren.&#13;<\/p>\n<h2>F\u00f6rdermechanismen erneuerbarer \u2028Energien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Ausbau der erneuerbaren Energien steht im Mittelpunkt der Energiewende. Zwar wird auch der Minderung der Treib&shy;hausgasemissionen als eigentliche Motivation der Klimapolitik hohe Beachtung geschenkt; doch ist deren direkte Begrenzung zum gr\u00f6sseren Teil durch das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) geregelt und damit der nationalen Regulierung entzogen. Durch den Preiszerfall der Emissionsrechte hat dessen Ruf zudem Schaden genommen. Stimmen, die in der Vergangenheit die zweigleisige Emissionsminderungsstrategie durch EU ETS und die F\u00f6rderung erneuerbarer Energien als \u00f6konomisch ineffizient kritisiert hatten, sind zuletzt leiser geworden. So r\u00fcckte etwa der Sachverst\u00e4ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung von seiner vorherigen Fundamentalkritik am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab und empfahl in seinem Jahresgutachten 2011 stattdessen die Umstellung des gegenw\u00e4rtigen Systems von technologiespezifischen Einspeisetarifen auf ein technologieneutrales Quotenmodell.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>\u00a0Dieser Position steht bislang eine breite Front von Unterst\u00fctzern des jetzigen EEG in Politik, bei kleineren Energieversorgungsunternehmen und Umweltverb\u00e4nden gegen\u00fcber, die auf die grossen Erfolge beim Ausbau erneuerbarer Energien im vergangenen Jahrzehnt verweisen: Seit der Einf\u00fchrung des EEG im Jahr 2001 hat sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung von 3% auf heute 20% mehr als versechsfacht (siehe <i>Grafik 1<\/i>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie rasant steigenden Kosten \u2013 f\u00fcr das Jahr 2011 gaben die zust\u00e4ndigen Netzbetreiber eine Gesamtf\u00f6rdersumme von 16 Mrd. Euro an \u2013 haben jedoch Bewegung in die Debatte gebracht. Zum einen geht es dabei um die bislang geltende Befreiung energieintensiver Unternehmen von der EEG-Umlage, die von Umwelt- und Verbraucherverb\u00e4nden lautstark eingefordert wird. Zum anderen verst\u00e4rken sich die Forderungen nach einer Reform des F\u00f6rdersystems, die den Einsatz erneuerbarer Energien st\u00e4rker an der \u00f6konomischen Effizienz und weniger am Motiv der Innovationsf\u00f6rderung ausrichten solle. Zuletzt wurden die Tarife f\u00fcr die besonders teure Photovoltaik mehrfach abgesenkt. Ausserdem wurde beschlossen, dass die F\u00f6rderung bei Erreichung einer Gesamtkapazit\u00e4t von 52 Gigawatt (GW) auslaufen soll (Kapazit\u00e4t heute: 25 GW).Die direkten F\u00f6rderkosten stellen jedoch nicht das einzige Problem bei der Erreichung des Erneuerbaren-Ziels der Bundesregierung dar. Vielmehr werden mit zunehmendem Ausbau der Wind- und Photovoltaikanlagen, die den gr\u00f6ssten Teil des Zuwachses leisten sollen, die Themen Versorgungssicherheit, Systemstabilit\u00e4t undNetzausbau immer wichtiger. Hierauf gehen wir in den nachfolgenden Abschnitten n\u00e4her ein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/10.32.68.4\/graphics\/cache\/201211_10D_Grafik01.eps.gif\" alt=\"Entwicklung und Prognose der Strommengen aus erneuerbaren Energien laut Leitstudie 2011 des Bundesumweltministeriums\" width=\"826\" height=\"870\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Flexibilit\u00e4t und Versorgungssicherheit: Kapazit\u00e4tsmechanismen notwendig?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm September 2012 drohte das Bundeswirtschaftsministerium deutschen Energieversorgern, sie per Gesetz dazu zu zwingen, Kraftwerke auch dann am Netz zu lassen, wenn diese keine Gewinne erwirtschaften. Ein Sprecher erkl\u00e4rte, man sei, \u00abjederzeit in der Lage, durch schnelle gesetzliche \u00c4nderungen die Versorgung sicherzustellen.\u00bb<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>\u00a0Vorausgegangen waren Ank\u00fcndigungen grosser deutscher Energieversorger, unrentable Gaskraftwerke demn\u00e4chst vom Netz zu nehmen. Laut den Versorgern h\u00e4ngt die schlechte Ertragslage mit der zunehmenden Einspeisung des priorisierten erneuerbaren Stroms zusammen, welche die teureren konventionellen Kraftwerke immer h\u00e4ufiger verdr\u00e4nge. Diese Situation kennzeichnet ein Dilemma: Da Wind- und Solarkraftwerke aufgrund der Witterungsbedingungen nur fluktuierend Strom bereit stellen, werden flexible konventionelle Kapazit\u00e4ten zur Sicherung der Versorgung nach wie vor ben\u00f6tigt. Tats\u00e4chlich stellt die derzeitige Debatte um m\u00f6gliche Versorgungsengp\u00e4sse nur den vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt einer Diskussion um eine m\u00f6gliche Stroml\u00fccke in Deutschland dar, die auch in anderen Industriel\u00e4ndern in der Folge von Energiemarktreformen \u2013 wenngleich unter anderen Vorzeichen \u2013 gef\u00fchrt wird. Eine Reihe von \u00d6konomen geht davon aus, dass liberalisierte Stromm\u00e4rkte keine ausreichenden Anreize f\u00fcr Investitionen in Erzeugungskapazit\u00e4ten hervorbringen <i>(Missing-Money-Problem)<\/i> und eine sichere Versorgung demnach nur durch einen Markteingriff garantiert werden kann. Diese Ansicht steht im Gegensatz zum allgemeinen Lehrsatz, dass Angebot und Nachfrage bei freier Preisbildung in ein Gleichgewicht kommen. Die klassische Stromversorgung ist gegen\u00fcber der Versorgung mit anderen G\u00fctern durch die oft hervorgehobene \u00abNicht-Speicherbarkeit\u00bb von Strom gekennzeichnet;<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0in der energiewirtschaftlichen Praxis sollte man wohl besser von \u00abschwer speicherbar\u00bb sprechen. Gemeint ist damit, dass Stromangebot und Stromnachfrage zu jeder Zeit im Gleichgewicht sein m\u00fcssen. Da die gr\u00f6ssere Zahl der Stromverbraucher sich nicht unmittelbar an kurzfristigen Knappheitspreisen orientiert bzw. orientieren kann \u2013 Privathaushalte und auch der GHD-Sektor (Gewerbe, Handel, Dienstleistungen) bezahlen normalerweise einen einheitlichen Stromtarif \u2013, ist die Strombereitstellung traditionell stark an die Nachfrage angepasst. Durch die kurzfristig unelastischen Nachfrage, so lautet das Argument, kann kein Preismechanismus funktionieren; in der Folge k\u00f6nnen die teuersten Kraftwerke ihre Investitionskosten nicht erwirtschaften. M\u00f6chte man langfristig teure Stromausf\u00e4lle vermeiden, was im allgemeinen Interesse ist, dann m\u00fcsse man zus\u00e4tzliche Investitionsanreize schaffen. In der Folge dieser Analyse wurden in einigen Stromm\u00e4rkten sogenannte Kapazit\u00e4tsmechanismen eingef\u00fchrt, in denen die Bereitstellung von Erzeugungskapazit\u00e4ten durch eine zentrale Instanz gesondert verg\u00fctet wird. Beispiele hierf\u00fcr sind die Stromm\u00e4rkte in Kolumbien und PJM (Pennsylvania, New Jersey, Maryland). In Deutschland wurden in den letzten Monaten eine Reihe von Gutachten ver\u00f6ffentlicht, die verschiedene Konzepte f\u00fcr derartige Mechanismen vorschlagen. Diese reichen von einem umfassenden Kapazit\u00e4tsmarkt, in dem alle Kapazit\u00e4ten an einer Auktion f\u00fcr Kapazit\u00e4tsverg\u00fctung teilnehmen, bis hin zu einer strategischen Kraftwerksreserve, die bei \u00dcberschreiten einer festgesetzten Preisobergrenze an der Stromb\u00f6rse vom Netzbetreiber oder der Regulierungsbeh\u00f6rde zur Preissenkung eingesetzt werden kann. Bislang gibt es politischen Widerstand gegen die mit der Einf\u00fchrung verbundenen neuen Abgaben. Der Ausgang der Debatte wird auch von der Entwicklung der Versorgungssicherheit abh\u00e4ngen.&#13;<\/p>\n<h2>Der Netzausbau und die Akzeptanz \u2028der Energiewende<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine der Fragen in der Diskussion um Kapazit\u00e4tsmechanismen betrifft die Art der zugelassenen Kapazit\u00e4ten. Insbesondere ist offen, ob auch Stromspeicher in einem solchen Rahmen gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnten. Der m\u00f6gliche Ausbau von Speichern und deren wirtschaftlicher Betrieb stellt eine der grunds\u00e4tzlichen technischen Optionen der Flexibilisierung des Stromsystems dar; er bietet auch Potenzial f\u00fcr den zuverl\u00e4ssigen Netzbetrieb. Auf der Verteilnetzebene ist dieser in einzelnen F\u00e4llen schon jetzt durch den starken Zubau von Photovoltaikanlagen bedroht, wenn die Einspeisung an sonnigen Tagen die Netzkapazit\u00e4tsgrenze erreicht. Eine der Herausforderungen der Energiewende stellen also der Netz- und gegebenenfalls Speicherausbau dar. Dies gilt auch f\u00fcr die \u00dcbertragungsleitungen, durch die in Zukunft verst\u00e4rkt der an den K\u00fcsten erzeugte Windstrom in die industriellen Zentren S\u00fcddeutschlands transportiert werden soll. Doch der Ausbau kommt nur sehr schleppend voran: Im August 2012 bem\u00e4ngelte die Bundesnetzagentur nach der Vorstellung eines Gutachtens, dass bislang nur 214 km der im Ausbaugesetz vorgesehenen 1800 km neuer Trassen gebaut worden seien. Ein grosses Problem stellt dabei die \u00f6ffentliche Akzeptanz des Leitungsbaus dar: In Planfeststellungsverfahren stossen investitionsbereite Netzbetreiber immer wieder auf den Widerstand lokaler B\u00fcrger&shy;initiativen, die sich gegen die Errichtung neuer Trassen in ihrer Umgebung wenden. Die Erh\u00f6hung der Akzeptanz ist deshalb \u2028eines der erkl\u00e4rten Ziele des Energiekonzepts.Technische und finanzielle Probleme behindern dagegen den Netzausbau auf hoher See: Die Pl\u00e4ne der Bundesregierung, die durch starke F\u00f6rderung innerhalb von 20 Jahren bis zu 25 GW Offshore-Windenergie in daf\u00fcr ausgewiesenen Seeregionen in Nord- und Ostsee errichten lassen m\u00f6chte, drohen derzeit angesichts der Probleme mit dem Netzanschluss der geplanten und teilweise schon im Bau befindlichen Anlagen zu versanden. Bei der Bundesnetzagentur sind Beschwerdeverfahren gegen den zust\u00e4ndigen Netzbetreiber anh\u00e4ngig, der mehrfach Fristen zum Anschluss von Offshore-Windparks vers\u00e4umt hat. Der weitere Ausbau der Anlagen konnte nur durch einen politischen Kompromiss sichergestellt werden, demzufolge die Haftung f\u00fcr Einnahmeausf\u00e4lle der Windpark-Betreiber durch derartige Verz\u00f6gerungen vollst\u00e4ndig auf die Verbraucher \u00fcberw\u00e4lzt wird. Dies hat zu einem Protest der Verbraucherschutzministerin und einigem Unmut gef\u00fchrt, letztlich aber auch den weiteren Fortschritt des Ausbaus erm\u00f6glicht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/10.32.68.4\/graphics\/cache\/201211_10D_Tabelle01.eps.gif\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"437\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Smarte Technologien und \u2028Energieeffizienz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWeitere Kosten, m\u00f6glicherweise aber auch langfristige Einsparungen zeichnen sich durch die Einf\u00fchrung IT-gest\u00fctzter Verbrauchs- und \u00dcbertragungssysteme <i>(Smart Grids)<\/i> ab. Von diesen erhofft man sich einen Beitrag zur Flexibilisierung des Stromverbrauchs. Zahlreiche Unternehmen entwickeln Strategien und Konzepte, um zur Umsetzung und Nutzung smarten Energieverbrauchs beizutragen. Letztlich sind aber auch eine Reihe regulatorischer \u00c4nderungen vonn\u00f6ten, um ein m\u00f6gliches Potenzial der Technologien zu heben. Voraussetzung f\u00fcr Investitionen in smarte Technologien auf Netz&shy;ebene ist eine Anpassung der Entgeltordnung, die ja einer staatlichen Regulierung unterliegt. In dieser wird festgelegt, welche Netzinvestitionen auf die Entgelte umgelegt werden d\u00fcrfen; innovative IT-L\u00f6sungen werden bislang nur unzureichend ber\u00fccksichtigt. Gegenw\u00e4rtig pr\u00fcft die Bundesregierung \u2013 im Einklang mit einer entsprechenden Empfehlung der EU \u2013 ausserdem die fl\u00e4chendeckende Einf\u00fchrung von <i>Smart Metering<\/i> (intelligente Energiez\u00e4hler) f\u00fcr alle Haushalte in Deutschland (f\u00fcr Verbraucher jenseits von 6000 kWh p.a. sind Smart Meter schon heute verpflichtend). Ziel ist dabei vor allem, eine zeitdifferenzierte Strombepreisung f\u00fcr Endverbraucher zu erm\u00f6glichen und damit auch eine Anpassung des Verbrauchsverhaltens an das Stromangebot zu erreichen.Neben der Flexibilisierung der Stromlast sollen Smart Meter auch zur Stromersparnis beitragen. Das Ziel einer Reduktion von 10% des Stromverbrauchs in Deutschland bis 2020 ist \u00fcberaus ehrgeizig und wird durch gegenl\u00e4ufige Trends der Energiewende wie der verst\u00e4rkten Nutzung von W\u00e4rmepumpen und der F\u00f6rderung der Elektromobilit\u00e4t ein St\u00fcck weit konterkariert. So sorgte die (leichte) Erh\u00f6hung des Stromverbrauchs 2011 gegen\u00fcber dem Vorjahr f\u00fcr weitgehende Ern\u00fcchterung. Bislang schreckt die Bundesregierung vor harten ordnungspolitischen Eingriffen \u2013 wie Zwangseinsparungen bei Unternehmen \u2013 zur\u00fcck. Als Gegenleistung f\u00fcr die Fortschreibung der Befreiung von der EEG-Umlage konnte sie der Industrie jedoch die Verpflichtung zu einem betrieblichen Energiemanagement abringen. Es bleibt abzuwarten, ob dar\u00fcber hinausgehende Massnahmen eingeleitet werden.&#13;<\/p>\n<h2>Die deutsche Energiewende und die Energiestrategie 2050 der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit dem Entscheid des Bundesrates zu einem Ausstieg aus der Kernenergie und den Weichenstellungen der Energiestrategie 2050 vom 28. September 2012 wurden die Zielsetzungen f\u00fcr eine Umgestaltung der Schweizer Stromversorgung vorgegeben. Die Priorit\u00e4ten liegen \u2013 \u00e4hnlich wie bei der deutschen Energiewende \u2013 bei einer Senkung des Stromverbrauchs, einer Verbreiterung des Stromangebots und einem Ausbau der Stromnetze.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>Die Energiestrategie 2050 sieht insbesondere eine Erh\u00f6hung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energietr\u00e4gern um 22,6 Terawattstunden bis 2050 vor. Bei aller \u00e4usseren \u00c4hnlichkeit der politischen Projekte gibt es jedoch faktisch erhebliche Unterschiede in den Herausforderungen. Die Schweiz ist geografisch im Vorteil: Die Energiestatistik weist f\u00fcr 2011 einen Anteil von rund 30% Strom aus Pumpspeicherkraftwerken und 23% aus Laufwasserkraftwerken an der Stromgestehung aus. Innerhalb eines gewissen Rahmens sind \u2013 vor allem bei den Speicherkraftwerken \u2013 Erweiterungen m\u00f6glich. Zwar setzen die Schweizer Energie&shy;szenarien auch auf den Ausbau von Wind- und Solarenergie. Dieser Sektor soll bis 2050 jedoch maximal ein Drittel des Strombedarfs decken, w\u00e4hrend er in Deutschland als neues R\u00fcckgrat der Stromversorgung auserkoren ist. Im Gegensatz dazu bedeutet der Ausstieg aus der Kernenergie f\u00fcr die Schweiz die gr\u00f6ssere Herausforderung, deckt sie heute doch 40% des Strombedarfs. Es ist zu vermuten, dass die Schweiz zuk\u00fcnftig noch st\u00e4rker als bisher Strom aus dem Ausland importieren wird.Hierin liegt freilich auch eine Chance: Durch den massiven Ausbau fluktuierender erneuerbarer Energien in Deutschland entsteht potenziell ein grosser Speicherbedarf. Die Schweiz k\u00f6nnte aufgrund ihrer bevorzugten geografischen Verh\u00e4ltnisse zu einem begehrten Partner deutscher Energieversorger werden, die ihren \u00fcbersch\u00fcssigen Wind- und Solarstrom f\u00fcr Knappheitsperioden speichern m\u00f6chten. Dies freilich setzt eine Abstimmung der Verg\u00fctungsregeln und wohlm\u00f6glich ein grenz\u00fcberschreitendes Marktdesign voraus \u2013 eine wahrhaft spannende Herausforderung f\u00fcr die Kooperation beider L\u00e4nder<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Bei einem Quotenmodell wird jeder Energieerzeuger zur Einhaltung einer Quote an erneuerbaren Energien verpflichtet. Diese muss er jedoch nicht notwendig selbst erf\u00fcllen, sondern kann sie auch durch den Erwerb von Zertifikaten Dritter abgelten. Bei Einspeisetarifen wird dem Erzeuger erneuerbaren Stroms hingegen \u00fcber einen festgelegten, l\u00e4ngeren Zeitraum ein fixer Preis garantiert, der \u00fcber eine Umlage auf den Strompreis finanziert wird.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Vgl. FAZ vom 17.9.2012.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Vgl. z.B. Erdmann, G., Zweifel, P.: Energie\u00f6konomik. Theorie und Anwendungen. Springer, 2008.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Vgl. Eidgen\u00f6ssisches Departement f\u00fcr Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (2012), Energieperspektiven 2050, www.uvek.admin.ch&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; &#13; &#13; &#13; Die Energiewende Deutschlands ist ein ambitioniertes umwelt- und wirtschaftspolitisches Programm, das den Energiesektor, aber auch den B\u00fcrger vor grosse Ver\u00e4nderungen stellt. Wind- und Solarenergie bilden in diesem Programm das neue R\u00fcckgrat der Stromversorgung. Im Bild: Solar- und Windpark in Norddeutschland. 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Juni 2012 den Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie bis 2022. Die von der Bundesregierung ausgerufene Energiewende umfasst allerdings wesentlich mehr als den Verzicht auf die Kernkraft. Im Mittelpunkt stehen vielmehr klimapolitische Ziele: die Minderung der Treib\u00adhausgase, die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien am Prim\u00e4renergieverbrauch und die Energieersparnis. 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