{"id":119419,"date":"2012-10-01T12:00:00","date_gmt":"2012-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/10\/babey-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:26:21","modified_gmt":"2023-08-23T21:26:21","slug":"babey-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/10\/babey-3\/","title":{"rendered":"Arbeitslosenversicherung im Jahr 2011"},"content":{"rendered":"<p>In den Jahren 2010 und 2011 erholte sich die Schweizer Wirtschaft von der Rezession 2009. Die Arbeitslosenquote bildete sich von 4,1% Anfang 2010 auf 2,5% im Juli 2011 zur\u00fcck. Ab Herbst 2011 schw\u00e4chte sich die wirtschaftliche Entwicklung wieder ab, und die Arbeitslosenquote stieg bis Ende Juli 2012 leicht auf 2,7% an. Im Jahresdurchschnitt 2011 lag die Arbeitslosenzahl bei 122&nbsp;892 und damit um 19% unter dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote erreichte 2,8%. Auch die Kurzarbeit bildete sich 2011 weiter stark zur\u00fcck. 2011 waren im Durchschnitt noch gut 6000 Arbeitskr\u00e4fte von Kurzarbeit betroffen. 2009 waren es mit gut 67&nbsp;000 mehr als elfmal so viele. In der ersten H\u00e4lfte 2012 bewegte sich die Arbeitslosenzahl leicht nach oben. Die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes rechnet im weiteren Jahresverlauf mit einer Fortsetzung dieses Trends, womit die Arbeitslosenquote bei 2,9% zu liegen kommen d\u00fcrfte.&#13;<\/p>\n<h2>Entwicklung der Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den Jahren 2010 und 2011 erholte sich die Schweizer Wirtschaft relativ rasch von der Finanz- und Wirtschaftskrise, welche im Jahr 2009 einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit verursacht hatte. Um die Jahreswende 2009\/10 waren bis zu 175&nbsp;000 Personen arbeitslos gemeldet; die Arbeitslosenquote erreichte im Januar 2010 einen Maximalwert von 4,1&nbsp;%. Vor allem die Industrie, welche von der Rezession am h\u00e4rtesten getroffen wurde, verzeichnete eine ausserordentlich hohe Arbeitslosigkeit. Bis Mitte 2011 bildete sich die Arbeitslosenquote auf 2,5% zur\u00fcck, und die Kurzarbeit, welche in der Industrie sehr intensiv eingesetzt worden war, wurde wieder praktisch vollst\u00e4ndig abgebaut. Aktuell befindet sich die Schweizer Wirtschaft in einer Phase mit schwachem Wirtschaftswachstum. Sowohl die Arbeitslosenzahlen als auch die Kurzarbeit nehmen wieder leicht zu. Ende Juli 2012 erreichte die Arbeitslosenquote 2,7&nbsp;%. Es ist weiterhin damit zu rechnen, dass die Aufwertung des Schweizer Frankens die Entwicklung der Exportindustrie bremsen wird. Auch eine Straffung der weltweit sehr expansiv ausgerichteten Fiskal- und Geldpolitik d\u00fcrfte das heutige Wachstumstempo mittelfristig bremsen. Das gr\u00f6sste Risiko f\u00fcr die Schweizer Konjunktur stellt die schwelende Schulden- und Wirtschaftskrise im Euroraum dar. In etwa parallel zur Arbeitslosigkeit entwickelte sich 2011 die Zahl der Stellensuchenden (Summe von registrierten Arbeitslosen und registrierten nicht arbeitslosen Stellensuchenden). Sie sank von 215&nbsp;000 (2010) auf rund 180&nbsp;000 (2011), was einem R\u00fcckgang von 17% entspricht. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen (Dauer der Arbeitslosigkeit von mehr als einem Jahr) nahm ebenfalls von durchschnittlich 32&nbsp;500 (2010) auf 24&nbsp;700 (2011) ab. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen am Total aller Arbeitslosen sank damit leicht von 21% auf 20%.&#13;<\/p>\n<h2>Aufsichtskommission ALV<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Aufsichtskommission \u00fcbernimmt im Bereich der Arbeitslosenversicherung (ALV) Aufsichts-, Beratungs- und Entscheidfunktionen. Sie trat im Jahr 2011 zu insgesamt drei Sitzungen (Vorjahr 4 Sitzungen) zusammen. Neben den j\u00e4hrlich wiederkehrenden Aufgaben befasste sie sich unter anderem mit der Evaluation der aktiven Arbeitsmarktpolitik, der Beurteilung von Studienantr\u00e4gen und der Beurteilung des Rahmenkonzepts zur Zusammenarbeit von ALV und Sozialhilfe.Der Mitgliederbestand der Aufsichtskommission des Ausgleichsfonds der ALV blieb 2011 konstant. Ende des Jahres ging die Amtsperiode zu Ende. Auf diesen Zeitpunkt haben folgende Personen ihren R\u00fccktritt gegeben:\u2212 Arbeitnehmervertreter: Herr Michael von Felten, Unia;\u2212 Arbeitgebervertreter: Herr Peter Zumbrunn, Arbeitgeberverband Basel;\u2212 Kantonsvertreter: Herr Bruno Thurre, ehemaliger Pr\u00e4sident des Verbandes der \u00f6ffentlichen Arbeitslosenkassen der Schweiz und des F\u00fcrstentums Lichtenstein (VAK) sowie Herr Marc Genilloud, ehemaliger Pr\u00e4sident des Verbandes der Schweizerischen Arbeits\u00e4mter (VSAA) (Austritt per Mitte Jahr).Die Subkommission Finanzen ber\u00e4t die Aufsichtskommission in finanziellen Fragen der ALV. Sie stellt sicher, dass die gesetzlichen Aufgaben der Aufsichtskommission in diesem Bereich wahrgenommen werden. Antr\u00e4ge der Ausgleichsstelle zu Budget und Jahresrechnung sowie zur Informatiksteuerung werden von der Subkommission Finanzen begutachtet. Sie richtet Empfehlungen an die Aufsichtskommission und kann eigene Antr\u00e4ge stellen. Als Vorinstanz der Aufsichtskommission befasste sie sich gem\u00e4ss T\u00e4tigkeitsbericht haupts\u00e4chlich mit folgenden Themen: Jahresrechnung 2010 des Ausgleichsfonds der ALV sowie Voranschl\u00e4ge 2012 der ALV-Ausgleichsstelle, der Vollzugsstellen und der arbeitsmarktlichen Massnahmen; Genehmigung des Abschlussberichtes der Neukonzeption Avam (Anwendung f\u00fcr die Arbeitsvermittlung und Arbeitsmarktstatistik); Ausbreitung des Dokumentenmanagementsystems bei allen Arbeitslosenkassen; Anpassung der IT-Strategie.Um die einwandfreie \u00dcberwachung der Revisionst\u00e4tigkeiten der Ausgleichsstelle gegen\u00fcber den Vollzugsstellen sicherzustellen, ist 2010 das Audit Committee geschaffen worden. Dieses hat 2011 seine T\u00e4tigkeit aufgenommen, welche haupts\u00e4chlich in der \u00dcberwachung der in der Risikoanalyse identifizierten Risikobereiche sowie der daraus abzuleitenden risikominimierenden Massnahmen (\u00dcberwachung der Vollzugsstellen durch TC) besteht. Zudem \u00fcberwacht dieses Gremium die Umsetzung von allf\u00e4lligen Beschl\u00fcssen der Aufsichtskommission in diesem Bereich. Als formell ernannter Fachausschuss der Aufsichtskommission befasste sich das Audit Committee gem\u00e4ss T\u00e4tigkeitsbericht haupts\u00e4chlich mit folgenden Themen:\u2212 Kenntnisnahme der umfassenden Berichterstattung der Stellen mit Assurance-Funktionen an die Mitglieder des Audit Committees (darin berichten sie \u00fcber die Resultate ihrer Pr\u00fcfungshandlungen bei den Vollzugsstellen);\u2212 Beurteilung der Gesamtsicht \u00fcber die aufgewendeten Ressourcen im Revisionsbereich;\u2212 Formulierung eines Antrages zur laufenden Organisationsanalyse der Ausgleichsstelle zum Zusammenwirken der Stellen mit Assurance-Funktionen;\u2212 Berichterstattung \u00fcber sicherheitsrelevante Vorkommnisse im IT-Bereich;\u2212 Beurteilung der durch den Leistungsbereich Arbeitsmarkt \/ ALV erstellten und f\u00fcr den ganzen ALV-Fonds g\u00fcltigen Risikoanalyse;\u2212 Beurteilung des strategischen Pr\u00fcfplanes, welcher s\u00e4mtliche Pr\u00fcfungshandlungen des Leistungsbereichs Arbeitsmarkt \/ ALV gegen\u00fcber den Vollzugsstellen aufzeigt.&#13;<\/p>\n<h2>Finanzen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Beitr\u00e4ge der Versicherten und Arbeitgeber<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei einem Beitragssatz von 2,2% (2010: 2,0%) und einem Solidarit\u00e4tsbeitrag von 1,0% (2010: 0,0%) beliefen sich die Beitr\u00e4ge der Versicherten und Arbeitgeber im Berichtsjahr auf 6144,8 Mio. Franken (2010: 5195,8 Mio. Fr.). Diese haben gegen\u00fcber dem Vorjahr um 949,0 Mio. Franken oder 18,3% zugenommen.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitslosenentsch\u00e4digungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Berichtsjahr sind insgesamt 4157,9 Mio. Franken (2010: 5439,4 Mio. Fr.) Entsch\u00e4digungen an Arbeitslose ausgerichtet worden; das sind 1281,5 Mio. Franken oder 23,6% weniger als im Vorjahr. Es wurden somit durchschnittlich je Monat rund 346,5 Mio. Franken ausbezahlt.&#13;<\/p>\n<h2>Kurzarbeitsentsch\u00e4digung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kurzarbeitsentsch\u00e4digungen haben gegen\u00fcber dem Vorjahr um 442,4 Mio. auf 96,4 Mio. Franken abgenommen (2010: 538,8 Mio. Fr.).&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitsmarktliche Massnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAn individuellen arbeitsmarktlichen Massnahmen sind im Berichtsjahr 124,2 Mio. Franken (2010: 155,7 Mio. Fr.) ausbezahlt worden; das sind 31,5 Mio. Franken oder 20,2% weniger als im Vorjahr. Die Kosten der kollektiven arbeitsmarktlichen Massnahmen sind gegen\u00fcber dem Vorjahr um 35,7 Mio. oder 7,3% auf 454,7 Mio. Franken gesunken (2010: 490,4 Mio. Fr.). Der Beitrag der Kantone an Kurskosten betr\u00e4gt im Berichtsjahr 4,2 Mio. Franken (2010: 2,5 Mio. Fr.). Dies entspricht einer Zunahme von 1,7 Mio. Franken oder 68,0%.&#13;<\/p>\n<h2>Beitragsr\u00fcckerstattungen Kurzaufenthalter<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Einf\u00fchrung der bilateralen Vertr\u00e4ge per 1. Juni 2002 mit den EU-Staaten und der Efta-Konvention wurden wir verpflichtet, die Retrozessionen (ohne Liechtenstein) bis und mit 31.5.2009 durchzuf\u00fchren. Seit dem 1. April 2006 sind die 10 Staaten der EU-Osterweiterung dazu gekommen, wobei die Retrozessionen f\u00fcr die Zypern und Malta ebenfalls per 31.5.2009 endeten. F\u00fcr die verbleibenden 8 Staaten wurden die Betr\u00e4ge bis 30.4.2011 weiterhin retrozediert. Zus\u00e4tzlich werden neu ab 1.6.2009 Bulgarien und Rum\u00e4nien bis 31.5.2016 retrozediert. Im Berichtsjahr betragen diese 2,1 Mio. Franken (2010: 4,0 Mio. Fr.).&#13;<\/p>\n<h2>Ergebnis<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Rechnung schloss im Berichtsjahr mit einem Gewinn von 1627,5 Mio. Franken ab (2010: Verlust von 1705,1 Mio. Fr.).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abAuszahlungen der Arbeitslosenkassen, 1999\u20132011\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abAusgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung: Bilanz per 31. Dezember 2011\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abAusgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung: Rechnungsergebnis 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2011\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Verlangsamtes Wirtschaftswachstum&#13;<\/p>\n<h3>Verlangsamtes Wirtschaftswachstum<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes rechnet f\u00fcr dieses und das kommende Jahr mit einem langsamen Wachstum der Schweizer Wirtschaft, welches mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit verbunden sein wird. Mit einem R\u00fcckfall in eine ausgepr\u00e4gte Rezession wird gegenw\u00e4rtig nicht gerechnet, sofern in Europa eine gewisse Stabilisierung der Lage eintritt. Erst im Verlauf des Jahres 2013 ist mit einem Aufschwung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt zu rechnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Bundestresoreriedarlehen&#13;<\/p>\n<h3>Bundestresoreriedarlehen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Berichtsjahr konnten 1400,0 Mio. Franken Tresoreriedarlehen an den Bund zur\u00fcckbezahlt werden (2010: Darlehensaufnahmen von 1800,0 Mio. Fr.). Ende Jahr belaufen sich diese Darlehen total auf 6000,0 Mio. Franken (2010: 7400,0 Mio. Fr.). In den 2011 zur\u00fcckbezahlten Darlehen sind auch die einmaligen 500 Mio. Franken enthalten, welche gem\u00e4ss Beschluss des Parlamentes (Herbstsession 2011) im Rahmen des Massnahmenpaketes f\u00fcr die Finanzierung zuk\u00fcnftiger Massnahmen zur Abfederung der Frankenst\u00e4rke an den ALV-Fonds geflossen sind.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Jahren 2010 und 2011 erholte sich die Schweizer Wirtschaft von der Rezession 2009. Die Arbeitslosenquote bildete sich von 4,1% Anfang 2010 auf 2,5% im Juli 2011 zur\u00fcck. Ab Herbst 2011 schw\u00e4chte sich die wirtschaftliche Entwicklung wieder ab, und die Arbeitslosenquote stieg bis Ende Juli 2012 leicht auf 2,7% an. 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