{"id":119424,"date":"2012-10-01T12:00:00","date_gmt":"2012-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/10\/becker-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:26:16","modified_gmt":"2023-08-23T21:26:16","slug":"becker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/10\/becker\/","title":{"rendered":"Auslandskorruption bei Schweizer Unternehmen"},"content":{"rendered":"<p>Bis vor wenigen Jahren war Korruption von Schweizer Unternehmen im Ausland oder von in ihrem Namen handelnden Dritten kaum mit rechtlichen Konsequenzen in der Schweiz verbunden. Inzwischen wurde das Korruptionsstrafrecht der Schweiz jedoch deutlich versch\u00e4rft. Um das Korruptionsrisiko zu vermindern und eine strafrechtliche Haftung zu vermeiden, m\u00fcssen Unternehmen \u00fcber wirksame Massnahmen zur Korruptionspr\u00e4vention verf\u00fcgen. Die Hochschule f\u00fcr Technik und Wirtschaft HTW Chur untersuchte, wie h\u00e4ufig Schweizer Unternehmen mit korruptem Verhalten konfrontiert sind, welche Pr\u00e4ventionsmassnahmen sie einsetzen und wie deren Wirksamkeit zu beurteilen ist.&#13;<br \/>\nAngaben zur Studie siehe <i>Kasten 4.<\/i> Das Projekt \u00abKorruptionsrisiken erfolgreich begegnen \u2013 Strategien f\u00fcr international t\u00e4tige Unternehmen\u00bb wird von der Kommission f\u00fcr Technologie und Innovation KTI, Credit Suisse sowie Osec finanziell unterst\u00fctzt und l\u00e4uft von 2010 bis 2012.&#13;<\/p>\n<h2>Wachstumsm\u00e4rkte mit hohem Korruptionsrisiko<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund der anhaltenden realen \u00dcberbewertung des Schweizer Frankens sehen sich zahlreiche international orientierte Schweizer Unternehmen mit beachtlichen wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert, die in letzter Konsequenz auch ihren Weiterbestand in der Schweiz gef\u00e4hrden. Das unvorteilhafte Wechselkursverh\u00e4ltnis des Schweizer Frankens verschlechtert ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit in den angestammten Auslandsm\u00e4rkten und verringert ihre Margen auf den Auslandsums\u00e4tzen. Eine konkrete Handlungsoption, dieser Problematik zu begegnen, ist die Erschliessung wachstumsstarker Absatzm\u00e4rkte, in denen sich das reale Wechselkursverh\u00e4ltnis weniger stark ver\u00e4ndert hat und in Schweizer Franken fakturiert werden kann. Laut einer aktuellen Umfrage plant fast die H\u00e4lfte der Schweizer Industrieunternehmen, als Massnahme gegen die Frankenst\u00e4rke, neue M\u00e4rkte in anderen W\u00e4hrungsr\u00e4umen zu erschliessen. Ein Viertel hat diesen Schritt bereits vollzogen.&#13;<br \/>\nSwissmem (2011). Die Erschliessung dieser neuen Zielm\u00e4rkte ist jedoch mit erheblichen Risiken verbunden, da sich die dortigen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen zum Teil deutlich von denen in den angestammten Absatzm\u00e4rkten unterscheiden. So liegen die aktuellen und zuk\u00fcnftigen Wachstumsm\u00e4rkte \u2013 wie beispielsweise der Nahe Osten, Brasilien, Indien oder China \u2013 vor allem in Weltregionen und L\u00e4ndern, die ein hohes Korruptionsrisiko aufweisen.&#13;<\/p>\n<h2>Versch\u00e4rfung des Korruptionsstrafrechts zwingt zum Handeln<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNoch bis vor wenigen Jahren war wissentliche oder unwissentliche Auslandskorruption von Schweizer Unternehmen oder von in ihrem Namen handelnden Dritten kaum mit Konsequenzen in der Schweiz verbunden. Mittlerweile haben sich die rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch deutlich ge\u00e4ndert, da sowohl national als auch international der Kampf gegen Korruption in den letzten Jahren erheblich verst\u00e4rkt wurde. Nach der neuen Rechtslage werden in der Schweiz sowohl nat\u00fcrliche Personen als auch Unternehmen strafrechtlich verfolgt, die ausl\u00e4ndische Amtstr\u00e4ger bestechen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen f\u00fcr Unternehmen grosse Sch\u00e4den entstehen, indem ihnen beispielsweise der Zugang zu staatlichen Leistungen und Projekten untersagt wird, oder indem sie in der \u00d6ffentlichkeit einen Reputationsverlust erleiden. Die ver\u00e4nderte Gesetzeslage zwingt die international t\u00e4tigen Schweizer Unternehmen, sich zunehmend aktiv mit den Korruptionsrisiken auf Auslandsm\u00e4rkten auseinanderzusetzen. Dies schliesst sowohl die Entwicklung eines Bewusstseins f\u00fcr die Korruptionsproblematik als auch die Implementierung geeigneter unternehmensinterner Massnahmen zur wirkungsvollen Unterbindung von Korruption ein.Doch wie gross ist das Problem der Auslandskorruption f\u00fcr Schweizer Unternehmen \u00fcberhaupt? Der <i>Bribe Payers Index (BPI) 2011<\/i> von <i>Transparency International<\/i> legt die Vermutung nahe, dass Auslandskorruption von Schweizer Unternehmen ein zu vernachl\u00e4ssigendes Ph\u00e4nomen sei. Von den Unternehmen aus den 28 f\u00fchrenden Exportl\u00e4ndern belegen die Schweizer Unternehmen mit einem Wert von 8,8 den 1. Platz. Das heisst, Schweizer Unternehmen neigen am seltensten dazu, Bestechungsgelder im Ausland zu zahlen. Die Ergebnisse des BPI machen aber zugleich deutlich, dass auch Schweizer Unternehmen im Ausland bestechen, denn auch sie erreichen nicht den H\u00f6chstwert von 10.In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie h\u00e4ufig Schweizer Unternehmen tats\u00e4chlich im Ausland mit Korruption konfrontiert sind, wie oft sie informelle Zahlungen unter der Hand leisten und welche H\u00f6he diese Zahlungen haben. Ausserdem ist von Interesse, welche Pr\u00e4ventionsmassnahmen international orientierte Schweizer Unternehmen einsetzen und wie deren Wirksamkeit zu beurteilen ist.&#13;<\/p>\n<h2>Schweizer Unternehmen sind vielfach von Korruption betroffen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse der Studie zeigen auf, dass von gut 40% der Schweizer Unternehmen informelle Zahlungen im Ausland erwartet werden. Weitere 3% der Unternehmen sagen aus, dass derartige Zahlungen zwar nicht von ihnen selbst, aber von in ihrem Auftrag handelnden Dritten \u2013 wie Agenten, Vermittlern oder Vertriebspartnern vor Ort \u2013 erwartet werden. Die restlichen 57% der Befragten geben an, dass sie sich nicht mit derartigen Erwartungen konfrontiert sehen (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Innerhalb der Gruppe von Unternehmen, die im Ausland mit korruptem Verhalten konfrontiert sind, leisten 56% auch informelle Zahlungen. Diese wenden f\u00fcr informelle Transaktionen j\u00e4hrlich im Durchschnitt rund 5% ihres Umsatzes im jeweiligen Zielland auf.Eine vertiefende Analyse zeigt, welche Unternehmen besonders h\u00e4ufig mit Korruption in Kontakt kommen: zum einen Unternehmen, die im jeweiligen Land mit einer eigenen Produktions-, Vertriebs- oder Servicest\u00e4tte vertreten sind, und zum anderen Unternehmen, die ihre Gesch\u00e4fte mithilfe lokaler Agenten, Vermittler oder sonstiger Vertriebspartner abwickeln. Ferner treten Forderungen nach informellen Zahlungen h\u00e4ufig auf, wenn die Unternehmen die B\u00fcrokratie als besonders hoch einstufen und sie einen gr\u00f6sseren Anteil des Umsatzes mit Staatsunternehmen oder staatlichen Beh\u00f6rden erwirtschaften. Demgegen\u00fcber sind Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes seltener mit korruptem Verhalten konfrontiert als Unternehmen anderer Branchen.Insgesamt bezahlen mehr als ein F\u00fcnftel der befragten Schweizer Unternehmen im Ausland Bestechungsgelder. Dieser \u00fcberraschend hohe Anteil steht nicht unbedingt im Widerspruch zu den Ergebnissen des BPI 2011. Vielmehr belegt dies das offensichtlich grosse Ausmass der Auslandskorruption. Denn wenn bereits aus dem Land, das im BPI den 1. Rang belegt, jedes f\u00fcnfte Unternehmen angibt, informelle Zahlungen zu leisten, l\u00e4sst sich erahnen, wie hoch der Anteil der Unternehmen aus den anderen L\u00e4ndern sein muss, die Bestechungsgelder bezahlen.&#13;<\/p>\n<h2>Auftragsverlust und Marktr\u00fcckzug aufgrund von Korruption<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZu diesen Befunden passt auch das Umfrageergebnis, wonach ein Viertel der Schweizer Unternehmen davon ausgeht, dass es in den vergangenen zwei Jahren einen Auftrag eines staatlichen oder privaten Auftraggebers an einen Mitbewerber verloren hat, der diesen Auftrag nur mithilfe korrupter Machenschaften erhalten hat. Am h\u00e4ufigsten vorgekommen ist dies in Russland, gefolgt von Deutschland, China, Indien, Brasilien, Italien und Polen. Die jeweiligen Mitbewerber kamen aus Deutschland, der Schweiz, Italien, \u00d6sterreich, Frankreich, den USA und China.Welche hemmende Wirkung Auslandskorruption auf den internationalen Handel hat, belegt auch die Tatsache, dass aufgrund der bestehenden Korruptionsrisiken gut 10% der Unternehmen innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre den Markteintritt in ein bestimmtes Land nicht vollzogen haben. Rund 4% der Befragten haben sich im gleichen Zeitraum aufgrund bestehender Korruptionsrisiken aus einem Markt zur\u00fcckgezogen, und knapp 1% der Schweizer Unternehmen gibt an, derzeit diesen Schritt in Erw\u00e4gung zu ziehen. Nicht vollzogen wurde der Markteintritt besonders h\u00e4ufig in L\u00e4ndern aus Mittel- und Osteuropa wie Russland, Bulgarien, Polen, Rum\u00e4nien, Serbien-Montenegro oder der Ukraine, aber auch in Staaten wie China oder Indien. Zu denjenigen L\u00e4ndern, aus denen sich die Unternehmen aufgrund von Korruptionsrisiken zur\u00fcckgezogen haben, z\u00e4hlen in erster Linie Russland, Libyen, Italien, die Ukraine und der Iran.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe Wirksamkeit der Massnahmen gem\u00e4ss Selbsteinsch\u00e4tzung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie dargestellten Ergebnisse machen deutlich, dass bei international aktiven Unternehmen grosser Handlungsbedarf besteht, um sich vor korruptem Verhalten zu sch\u00fctzen. Hierf\u00fcr k\u00f6nnen verschiedene Massnahmen zur Vorbeugung, Aufdeckung und Reaktion eingesetzt werden. Zu den in der Praxis am h\u00e4ufigsten genutzten Massnahmen geh\u00f6ren die schriftliche Dokumentation s\u00e4mtlicher Gesch\u00e4ftsvorg\u00e4nge, die \u00dcberpr\u00fcfung von Partnern auf deren Integrit\u00e4t vor einem Vertragsabschluss sowie die konsequente Verfolgung von Verst\u00f6ssen gegen Vorschriften. Bislang wenig verbreitet sind hingegen vertrauliche Anlaufstellen, regelm\u00e4ssige Mitarbeiterschulungen oder die systematische Personalrotation in korruptionsgef\u00e4hrdeten Unternehmensbereichen. Nach ihrer Selbsteinsch\u00e4tzung zur Wirksamkeit der verwendeten Massnahmen befragt, zeigt sich, dass deutlich mehr als drei Viertel der Unternehmen jede einzelne Massnahme als wirksam oder sehr wirksam einstufen (siehe <i>Tabelle 1<\/i>).&#13;<\/p>\n<h2>Geringer Einfluss der Massnahmen auf Zahlungsh\u00f6he gem\u00e4ss statistischen Tests<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nErg\u00e4nzend zur Selbsteinsch\u00e4tzung durch die Unternehmen wurde die Wirksamkeit der Massnahmen mit Hilfe statistischer Testverfahren analysiert. In einem ersten Schritt wurde untersucht, ob die Anzahl der von den Unternehmen eingesetzten Massnahmen einen Einfluss auf die H\u00f6he der f\u00fcr Korruption aufgewendeten Zahlungen aus\u00fcbt. Damit kann aufzeigt werden, ob die Anwendung von Massnahmen grunds\u00e4tzlich wirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl eingesetzter Massnahmen die Zahlungsh\u00f6he nicht beeinflusst. Im Anschluss daran wurde jede einzelne Massnahme auf ihre Wirkung \u00fcberpr\u00fcft. Dabei wird ersichtlich, dass nur die offene und klare Kommunikation durch die Unternehmensleitung, Korruption in keiner Form zu dulden, eine statistisch \u00fcberpr\u00fcfbare reduzierende Wirkung auf die H\u00f6he der f\u00fcr Korruption aufgewendeten Zahlungen aus\u00fcbt.Diese Ergebnisse korrespondieren nicht mit der oben dargestellten Selbsteinsch\u00e4tzung der Unternehmen, die s\u00e4mtliche Massnahmen in ihrer grossen Mehrheit als wirksam bis sehr wirksam erachten. Weiterf\u00fchrende Analysen lassen jedoch vermuten, dass Unternehmen ein reaktives Verhalten an den Tag legen und tendenziell erst dann auf Massnahmen zur\u00fcckgreifen, wenn sie mit Korruption konfrontiert sind. Bivariate Tests deuten darauf hin, dass die mit Korruption konfrontierten Unternehmen bestimmte Massnahmen h\u00e4ufiger einsetzen. Insbesondere sind dies schriftliche Gesch\u00e4ftsgrunds\u00e4tze und Verhaltensregeln, Mitarbeiterschulungen, Auditierung durch interne und externe Stellen, eine sorgf\u00e4ltige Mitarbeiterauswahl in gef\u00e4hrdeten Bereichen sowie schriftliche Vereinbarungen mit Vertriebspartnern. Ob diese Massnahmen zuk\u00fcnftig Wirkung entfalten, wird sich in der Praxis zeigen.&#13;<\/p>\n<h2>Korruptionspr\u00e4vention muss nicht teuer sein<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGrossunternehmen verf\u00fcgen zumeist \u00fcber Compliance-Abteilungen, die sich mit unternehmensspezifischen Massnahmen im Bereich der Korruptionspr\u00e4vention auseinandersetzen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben hierf\u00fcr h\u00e4ufig nicht die notwendigen Ressourcen. Dennoch m\u00fcssen auch sie sich wirksam gegen Korruption sch\u00fctzen. Wie die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, kommt dem Bekenntnis der Unternehmensleitung eine zentrale Bedeutung zu: Nur diejenigen Unternehmen sind signifikant seltener in Korruption involviert, deren Unternehmensleitungen das Thema intern und extern aktiv und offen ansprechen sowie klare Signale senden, dass informelle Zahlungen oder Geschenke unter der Hand in keiner Form geleistet und toleriert werden. Diese als wirksam getestete Massnahme kann auch ohne umfangreiche Investitionen in komplexe Compliance-Strukturen von Unternehmen jeglicher Gr\u00f6sse umgesetzt werden. Das heisst, dass Korruptionspr\u00e4vention nicht grunds\u00e4tzlich mit hohen Kosten verbunden sein muss, denn den gr\u00f6ssten Einfluss auf das integre Verhalten des gesamten Unternehmens hat das pers\u00f6nliche Engagement der Unternehmensleitung. Konkret bedeutet dies, dass sich die Unternehmensleitung zu einer konsequenten Ablehnung von Korruption bekennen und diese Haltung eindeutig und glaubw\u00fcrdig vorleben muss. Nur wenn diese Grundvoraussetzung erf\u00fcllt ist, k\u00f6nnen auf der Ebene der operativen Unternehmensprozesse weitere Massnahmen zur Korruptionspr\u00e4vention wirksam implementiert werden. Hierzu z\u00e4hlen schriftliche Verhaltensrichtlinien, die allen Mitarbeitenden als Orientierung und Ratgeber dienen und sie f\u00fcr kritische Situationen sensibilisieren. Die Inhalte dieses Verhaltenskodexes sollten in obligatorischen Trainings und Schulungen anhand von Praxisbeispielen veranschaulicht werden. Neben der Vorbeugung ist aber auch die F\u00e4higkeit zur systematischen Aufdeckung von korrupten Handlungen entscheidend. Kommt es zu einer Aufdeckung, ist eine konsequente Reaktion auf das Fehlverhalten zwingend, sei dies in Form von Abmahnungen, Aufhebungsvertr\u00e4gen oder K\u00fcndigungen.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftspolitische Implikationen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vorliegenden Ergebnisse sind nicht nur f\u00fcr die Unternehmen, sondern auch f\u00fcr die Wirtschaftspolitik relevant. Vielfach wird gefordert, dass alle Unternehmen umfangreiche Massnahmen zur Korruptionspr\u00e4vention implementieren. Bei Nichteinf\u00fchrung laufen Unternehmen im Fall aufgetretener Korruption Gefahr, dass sie strafrechtlich belangt werden, wenn sie nicht belegen k\u00f6nnen, dass sie alles erforderliche und zumutbare unternommen haben, um Korruption wirksam zu bek\u00e4mpfen. Die Ergebnisse werfen die Frage auf, ob der Druck auf Unternehmen, komplexe Antikorruptionsprogramme einzuf\u00fchren, am geeigneten Hebel ansetzt. Es scheint sinnvoller zu sein, Unternehmen \u00fcber Korruption aufzukl\u00e4ren und darauf hinzuwirken, dass die Unternehmensleitungen das Antikorruptionsbekenntnis verinnerlichen und glaubhaft umsetzen. Dies ist auch f\u00fcr KMU, die nur \u00fcber beschr\u00e4nkte Ressourcen verf\u00fcgen, problemlos zu realisieren. Damit Unternehmen, welche Korruption konsequent ablehnen, im globalen Wettbewerb keinen Nachteil erleiden, muss die Wirtschaftspolitik jedoch darauf hinwirken, dass international einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen und Strafverfolgungsstandards gelten. Dies gilt insbesondere auch mit Blick auf aufstrebende Exportnationen wie Indien, China oder Russland, da Unternehmen aus diesen L\u00e4ndern auf dem Weltmarkt zunehmend als Konkurrenten f\u00fcr Schweizer Unternehmen auftreten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abKonfrontation mit Korruption und H\u00f6he der Zahlungen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abSelbsteinsch\u00e4tzung der eingesetzten Massnahmen zur Korruptionspr\u00e4vention\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Projektdesign&#13;<\/p>\n<h3>Projektdesign<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBei Korruption handelt es sich um ein verdecktes Ph\u00e4nomen, bei welchem die involvierten Akteure in der Regel kein Interesse daran haben, detaillierte Informationen preiszugeben. Die Erhebung verl\u00e4sslicher Daten zu Korruption ist daher eine zentrale Herausforderung der Untersuchung. In den letzten Jahren wurden u.a. von der Weltbank neue Methoden zur Messung von Korruption auf einzelbetrieblicher Ebene entwickelt. An dieser Stelle setzt die vorliegende Untersuchung an. Neben der Erhebung von Wahrnehmungsindikatoren werden direkte Fragetechniken, etwa nach der Zahlungsh\u00f6he, angewandt. Die quantitative, repr\u00e4sentative Befragung erfolgte telefonisch im Zeitraum von M\u00e4rz bis Juni 2011 durch das Link Institut f\u00fcr Markt- und Sozialforschung. An der Umfrage beteiligten sich insgesamt 510 international t\u00e4tige Schweizer Unternehmen s\u00e4mtlicher Gr\u00f6ssen und Branchen, die einen Teil ihres Umsatzes auch ausserhalb von Westeuropa und Nordamerika erwirtschaften. Die Aussch\u00f6pfungsquote der Befragung betr\u00e4gt 18%. Befragt wurden jeweils die zust\u00e4ndigen Mitglieder der Gesch\u00e4ftsleitung oder die Verantwortlichen f\u00fcr das Auslandsgesch\u00e4ft. Diese wurden zu b\u00fcrokratischen Hemmnissen und korruptem Verhalten in dem Auslandsmarkt interviewt, \u00fcber den sie aufgrund ihrer T\u00e4tigkeit am besten Auskunft geben k\u00f6nnen. Die Ergebnisse der quantitativen Befragung wurden im Rahmen eines Workshops im Juli 2011 in Form einer Expertenrunde diskutiert und bewertet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Charakteristika der befragten Unternehmen&#13;<\/p>\n<h3>Charakteristika der befragten Unternehmen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie H\u00e4lfte der befragten Unternehmen geh\u00f6rt dem verarbeitenden Gewerbe an. Gut ein Drittel stammt aus den Branchen Handel und Verkehr. Die restlichen knapp 20% sind den unternehmensnahen und sonstigen Dienstleistungen zuzuordnen. Die Studie umfasst die Sichtweise von KMU und Grossunternehmen, wobei der gr\u00f6sste Teil der Befragten aus dem Unternehmenssegment der KMU stammt. Die Struktur der befragten Unternehmen widerspiegelt damit gut den Aufbau der Schweizer Exportwirtschaft, da diese stark mittelst\u00e4ndisch gepr\u00e4gt ist. 63% der Befragten wickeln ihr Gesch\u00e4ft mit dem jeweiligen Zielland unter anderem \u00fcber Exporte ab. 45% arbeiten vor Ort mit Agenten oder Vertriebspartnern zusammen, und 17% verf\u00fcgen \u00fcber eine eigene Vertriebs- und Servicest\u00e4tte. Weitere 15% der Befragten haben eine eigene Tochtergesellschaft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Methode&#13;<\/p>\n<h3>Methode<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGesch\u00e4tzt wurde das Modell mit der Methode der kleinsten Quadrate (OLS). Getestet wurde unter Einbezug verschiedener Kontrollvariablen, ob jede einzelne Massnahme einen Einfluss auf die Zahlungsh\u00f6he f\u00fcr Korruption aus\u00fcbt. Kontrollvariablen sind z.B. das Unternehmensalter, die Unternehmensgr\u00f6sse, die Branchenzugeh\u00f6rigkeit oder einzelne Formen der gesch\u00e4ftlichen Aktivit\u00e4t im Zielland. Die Ergebnisse sind konsistent bei der Verwendung anderer Methoden, wie z.B. eines <i>Fractional Logit<\/i> oder eines einfachen <i>Logit Modells<\/i> sowie eines <i>Ordered Probit Modells.<\/i> Mit den beiden Letzteren wurde getestet, ob Massnahmen einen Einfluss darauf haben, ob Unternehmen mit korruptem Verhalten konfrontiert sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 4: Hinweis zur Studie&#13;<\/p>\n<h3>Hinweis zur Studie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Studie ist auf Deutsch, Franz\u00f6sisch und Italienisch mit je eigener ISBN-Nummer erschienen und im Internet abrufbar <i>(<a href=\"http:\/\/www.sife.ch\/anti-korruption\">http:\/\/www.sife.ch\/anti-korruption<\/a>):<\/i>\u2212 Becker, K., Hauser, C., Kronthaler, F. (2012): Korruptionsrisiken erfolgreich begegnen &#8211; Strategien f\u00fcr international t\u00e4tige Unternehmen. HTW Chur Verlag, Chur, ISBN 978-3-9522147-7-0.\u2212 Becker, K., Hauser, C., Kronthaler, F. (2012): Lutter efficacement contre les risques de corruption: Strat\u00e9gies pour les entreprises internationales. HTW Chur Verlag, Coire, ISBN 978-3-9522147-9-4.\u2212 Becker, K., Hauser, C., Kronthaler, F. (2012): Combattere efficacemente la corruzione &#8211; Strategie per le imprese operanti sui mercati internazionali. HTW Chur Verlag, Coira, ISBN 978-3-9522147-8-7.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis vor wenigen Jahren war Korruption von Schweizer Unternehmen im Ausland oder von in ihrem Namen handelnden Dritten kaum mit rechtlichen Konsequenzen in der Schweiz verbunden. Inzwischen wurde das Korruptionsstrafrecht der Schweiz jedoch deutlich versch\u00e4rft. Um das Korruptionsrisiko zu vermindern und eine strafrechtliche Haftung zu vermeiden, m\u00fcssen Unternehmen \u00fcber wirksame Massnahmen zur Korruptionspr\u00e4vention verf\u00fcgen. 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