{"id":119444,"date":"2012-10-01T12:00:00","date_gmt":"2012-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/10\/guerra-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:26:26","modified_gmt":"2023-08-23T21:26:26","slug":"guerra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/10\/guerra\/","title":{"rendered":"Der Kanton Tessin zwischen den Herausforderungen des Wettbewerbs und den Spielr\u00e4umen der \u00f6ffentlichen Hand"},"content":{"rendered":"<p>Als Grenzgebiet sind im Kanton Tessin traditionell die Sektoren Tourismus und Finanzen stark vertreten. Allerdings wird zunehmend in spezialisierte Industriezweige investiert. Vorwiegend kleine Unternehmen erschliessen \u00fcber wirtschaftliche Netzwerke internationale M\u00e4rkte, ohne dabei auf ihre lokale Dimension zu verzichten. Die Regionalpolitik schaltet sich in diese Entwicklung ein, indem sie die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Unternehmen f\u00f6rdert und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung beg\u00fcnstigt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201210_18_Guerra_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Kantons Tessin im Schweizer Vergleich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Vergleich zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit anderer Kantone liegt der Kanton Tessin im schweizerischen Durchschnitt. In einigen Punkten hat er allerdings die Nase vorn:&#13;<br \/>\nIRE (2012). Bez\u00fcglich Infrastruktur und dem sogenannten Sachkapital punktet der Kanton s\u00fcdlich der Alpen mit seiner hervorragenden Lage entlang der strategischen Nord-S\u00fcd-Achse und mit seiner wundersch\u00f6nen und vielf\u00e4ltigen Landschaft. Dank einer vorwiegend auf einem Netzwerk von Kleinst- und Kleinunternehmen basierenden Wirtschaftsstruktur kann der Kanton Tessin die Vorteile der wirtschaftlichen Diversifizierung und der Spezialisierung miteinander vereinen. Allerdings hat diese Struktur den Nachteil, dass grosse Forschungsinvestitionen nicht einfach zu bewerkstelligen sind. Trotzdem gelingt es der Tessiner Wirtschaft, rasch auf Ver\u00e4nderungen zu reagieren \u2013 eine Eigenheit, die sich insbesondere in der heutigen Zeit auszahlt. Weiter unterscheidet sich das Tessin von den anderen Kantonen durch tiefe Arbeitskosten. Das durchschnittliche Bruttogehalt ist denn auch das tiefste aller sieben Grossregionen der Schweiz. Wenn man bedenkt, wie wichtig die anderen Faktoren sind und welche Anziehungskraft tiefe L\u00f6hne in Kombination mit spezialisierten Arbeitskr\u00e4ften auf die Unternehmen aus\u00fcben, so darf diese Tatsache sicher als St\u00e4rke im Wettbewerb gewertet werden.&#13;<br \/>\nUNIDO (2003).Die Schwachstellen der Tessiner Wettbewerbsf\u00e4higkeit liegen in anderen Bereichen und werden vielleicht eher verst\u00e4ndlich, wenn sie im Kontext betrachtet werden. Der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis scheint das ungenutzte Potenzial zu sein: Auf der einen Seite ist das Bildungsniveau im nationalen Vergleich unterdurchschnittlich. Viele junge Tessiner beenden ihre Ausbildung bereits nach der obligatorischen Schulzeit (auch wenn eine Zunahme der universit\u00e4ren Ausbildung zu verzeichnen ist). Auf der anderen Seite leidet der Kanton unter einer relativen Spezialisierung im Bereich Finanzsektor, welche die Industrie nicht gen\u00fcgend zu unterst\u00fctzen vermag.&#13;<br \/>\nIRE (2012). Hintergrund dieser Faktoren bildet der typische Arbeitsmarkt einer Grenzregion mit dem tendenziell steigenden Zuwachs an ausl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4ften.&#13;<\/p>\n<h2>Herk\u00f6mmliche und neue Industriezweige<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nStudien zu neuen Wirtschaftsstrukturen auf internationaler Ebene&#13;<br \/>\nUNIDO (2003). weisen darauf hin, dass die herk\u00f6mmliche statistische Aufteilung der Branchen bzw. die traditionelle Darstellung der spezialisierten Industriezweige einer Region nicht mehr ausreicht, um die integrierten Wertsch\u00f6pfungsketten darzustellen. Neu wird dazu eine \u00fcbergreifende Analyse der regionalen Wirtschaftszweige vorgenommen, anhand derer die kantonalen Spezialisierungen mithilfe von Standortquotienten auf sehr spezifischen Branchenebenen analysiert werden k\u00f6nnen. Mit dieser Methode k\u00f6nnen diejenigen Bereiche ausgemacht werden, in denen der Kanton \u00fcberdurchschnittlich spezialisiert ist. Das Tessin weist in der Herstellung von Textilien sowie bei Leder- und leder\u00e4hnlichen Waren eine hohe Produktionsdichte mit zunehmende Tendenz auf.&#13;<br \/>\nIRE (2012). Basierend auf diesen Ergebnissen best\u00e4tigt eine laufende IRE-Studie die Existenz einer Ansammlung von Unternehmen der Modeindustrie zwischen Lugano und Mendrisio \u2013 bekannt unter dem Namen <i>Fashion Valley<\/i> \u2013 sowie einen industriellen Wandlungsprozess hin zu Spezialdienstleistungen wie etwa der modebranchespezifischen Logistik, durch den die Produktionskette erweitert wird. Dabei handelt es sich um bedeutende Unternehmen mit internationalem Profil, die im Laufe der Jahre nicht nur solide Betriebe, sondern auch ein wettbewerbsf\u00e4higes Umfeld geschaffen haben. Mit der gleichen Analysemethode kann eine Unterscheidung territorialer Spezialisierungen innerhalb des Kantons vorgenommen und eine Art Produktionsprofil f\u00fcr jede einzelne der vier ermittelten funktionalen Regionen erstellt werden. Ermittelt wird die Anzahl Unternehmen aus Wirtschaftszweigen, die in den Regionen h\u00e4ufiger vertreten sind als im kantonalen Durchschnitt.&#13;<br \/>\nDabei haben wir uns auf die Besch\u00e4ftigung und auf die wichtigsten Wirtschaftszweige beschr\u00e4nkt. Die Region Bellinzona Valli ist vor allem im Dienstleistungssektor stark: Der Standortquotient ist dort besonders hoch in den Bereichen Telekommunikation, Forschung, \u00f6ffentliche Verwaltung und Logistik. Im Industriesektor gibt es eine betr\u00e4chtliche Anzahl an Betrieben im Bergbau (Steinbr\u00fcche). Die Region Locarno Vallemaggia verf\u00fcgt \u00fcber einen hohen Standortquotienten in der Hotellerie und dem Gastgewerbe, der auf eine starke Ausrichtung auf den Tourismus hindeutet. Die Region Lugano weist einen hohen Spezialisierungsgrad im Bereich Programmgestaltung und \u00dcbertragung (Radio, TV), in der Filmbranche, in der Erbringung von Finanzdienstleistungen, in juristischen und buchhalterischen Belangen sowie in weiteren unternehmensbezogenen Dienstleistungen (EDV-Beratung, Marktforschung, Administration) auf. Bei der industriellen Spezialisierung nimmt Lugano aufgrund der hohen Standortquotienten f\u00fcr pharmazeutische Produkte und Lederwaren eine Spitzenstellung ein. Die Region Mendrisiotto zeichnet sich insbesondere durch hohe Standortquotienten im Industriesektor aus. Herausragend sind hier die Metallindustrie, Textilindustrie (starke Zunahme zwischen 2001 und 2008), Elektroger\u00e4teherstellung, Lebensmittelindustrie sowie Gummi- und Plastikartikelproduktion. Bei den Dienstleistungen ist vor allem die Logistik zu erw\u00e4hnen.&#13;<\/p>\n<h2>Neue Entwicklungen auf lokaler Ebene<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBesonders interessant ist die Entwicklung der Spezialisierungen auf lokaler Ebene. Es stellt sich die Frage, ob in einigen Bereichen eine Clusterbildung stattfindet und sich dadurch eine neue Dynamik in den entsprechenden Sektoren entwickelt. Auf diese Art k\u00f6nnten in Zukunft Gebiete mit Entwicklungspotenzial entstehen, wo die innovative Kapazit\u00e4t der Unternehmen durch ihre N\u00e4he zueinander beg\u00fcnstigt wird.&#13;<br \/>\nCapello (2004). Tats\u00e4chlich entstand ein Grossteil des Tessiner Industrienetzwerks aus lokal konzentrierten Produktionseinheiten. Die Mehrheit dieser Industriekonzentrationen scheint jedoch eher von gemeinsamen Standortfaktoren \u2013 d.h. g\u00fcnstigen Rahmenbedingungen \u2013 bestimmt zu sein als von der Pr\u00e4senz industrieller Cluster. Dennoch sind einige wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten immer enger miteinander verbunden, insbesondere die Personalpolitik, die Konzessionierung <i>(Licensing)<\/i> und die Patentierung <i>(Patenting).<\/i> Zudem entstehen bemerkenswerte r\u00e4umliche Konzentrationen von Industrieunternehmen und Zulieferern.&#13;<br \/>\nTorricelli und Garlandini (2012).Das in der Region Lugano gelegene Valle del Vedeggio ist diesbez\u00fcglich eines der aufschlussreichsten Gebiete. In diesem Tal wird die zunehmende Konzentration von industriellen Unternehmen (v.a. aus den Bereichen Pharmaindustrie, Maschinenbau und medizinische Ger\u00e4te) unterst\u00fctzt von lokalen Clusterbildungen im Transport- und Logistikbereich, von Zulieferern (Hauptsitze von Unternehmen, Unternehmen aus den Bereichen Immobilien, Werbung und Marketing) sowie von Bildungsunternehmen. Dank der geografischen N\u00e4he zu Lugano, der hervorragenden Infrastruktur, der N\u00e4he zu Forschungspools (Universit\u00e0 della Svizzera italiana und Fachhochschule Supsi) sowie der guten verkehrstechnischen Anbindung ist das Vedeggio-Tal eines der Tessiner Industriegebiete mit dem gr\u00f6ssten Entwicklungspotenzial. Die Tessiner Region Mendrisio (Industriedreieck Chiasso-Mendrisio-Stabio) ist die zweitwichtigste Industriezone des Kantons Tessin und diejenige, die im letzten Jahrzehnt die gr\u00f6sste Entwicklung durchgemacht hat. Auch hier geht die Konzentration von Industriezweigen \u2013 insbesondere aus der Bekleidungs- und Edelmetallverarbeitungsbranche \u2013 mit lokalen Clusterbildungen von Transport- und Logistikunternehmen einher. Allerdings sind im Mendrisiotto Dienstleistungsbetriebe mit gr\u00f6sserer strategischer Bedeutung \u2013 wie Hauptsitze von Unternehmen, Werbung und Marketing oder Forschungs- und Entwicklungszentren \u2013 weniger pr\u00e4sent als in der Region Lugano. Die B\u00fcndelung von Betrieben des Industrie- und Dienstleistungssektors scheint in diesem Fall eher mit den Vorteilen der Grenzn\u00e4he verkn\u00fcpft zu sein (traditioneller Standortfaktor) als mit dem Vorhandensein von Zulieferbetrieben. In den \u00fcbrigen Teilen des Kantons \u2013 insbesondere im Sopraceneri \u2013 entstehen zurzeit keine Industriekonzentrationen. Eine Ausnahme bildet die Region Locarno, wo sich ein kleiner Cluster spezialisierter Industriebetriebe zu bilden beginnt, und zwar im kantonalen Entwicklungsschwerpunkt Riazzino.&#13;<\/p>\n<h2>Wettbewerbsindikatoren und Monitoringmodell<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nJede Beschreibung der wirtschaftlichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit eines Gebiets (sei dies ein Kanton, eine Region oder ein Land) muss einen direkten Vergleich mit den Mitbewerbern umfassen. Wettbewerbsf\u00e4hig zu sein, bedeutet in diesem Kontext, dass man in der Lage ist, G\u00fcter und Dienstleistungen anzubieten, die den Bed\u00fcrfnissen der internationalen M\u00e4rkte entsprechen, und gleichzeitig im Inland ein gutes Besch\u00e4ftigungs- und Wohlstandsniveau beibehalten kann.&#13;<br \/>\nEurop\u00e4ische Kommission (1999; 2003). Auch wenn einige Konzepte bei dieser Beurteilung sehr komplex sind, kann dadurch die Positionierung im Wettbewerb bez\u00fcglich verschiedener Faktoren aufgezeigt werden. Der Kanton Tessin hat ein Observatorium f\u00fcr Wirtschaftspolitik <i>(Osservatorio delle politiche economiche)<\/i> eingerichtet, um die Entwicklung der kantonalen und regionalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit \u00fcberwachen zu k\u00f6nnen (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Das Observatorium f\u00fcr Wirtschaftspolitik<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAm 1. Januar 2008 trat das Bundesgesetz \u00fcber Regionalpolitik in Kraft. Mit dem Gesetz \u00fcber die kantonale Umsetzung wollte das Tessin betonen, wie wichtig eine eigene Regionalpolitik ist, die sich nicht nur auf die Umsetzung der Bundesgesetzgebung beschr\u00e4nkt. Zwar spielt in diesem Bereich der Kanton weiterhin eine zentrale Rolle. Allerdings wird versucht, vermehrte Synergien zwischen Kantonen, Gemeinden, Regionen sowie \u00f6ffentlichen und privaten Institutionen zu schaffen, indem sektorale Ans\u00e4tze \u00fcberwunden und Projektvorhaben von der Basis her realisiert werden.Dieser massgebende Wandel bringt nicht nur neue Verfahren mit sich, sondern auch eine neue Auslegung der regionalen Wirtschaftspolitik auf kantonaler Ebene. Aus dieser Situation heraus entstand die Notwendigkeit, den \u00f6ffentlichen Institutionen ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem die Wettbewerbsf\u00e4higkeit erfasst sowie die Mittel f\u00fcr das Monitoring und die Bewertung der gegenw\u00e4rtigen Wirtschaftspolitik bereitgestellt werden k\u00f6nnen. Vor diesem Hintergrund wurde zwischen Ende 2009 und 2010 das dem Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (IRE) der Tessiner Universit\u00e4t angesiedelte Observatorium f\u00fcr Wirtschaftspolitik (O-Pol) ins Leben gerufen.Das Observatorium ist mit der Erforschung, Analyse und Informationsverbreitung zur aktuellen wirtschaftlichen Verfassung sowie der Wirtschaftspolitik des Kantons Tessin betraut. Auf der Basis dieser Informationen kann die aktuelle Wirtschaftslage kontinuierlich \u00fcberwacht und die wirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Kantons wissenschaftlich ermittelt und ausgewertet werden. Es bildet ein n\u00fctzliches Instrument zur \u00dcberpr\u00fcfung bzw. Untersuchung getroffener oder noch zu treffender wirtschaftlicher Massnahmen und stellt damit eine solide wissenschaftliche Grundlage f\u00fcr die Entscheidungsprozesse der kantonalen Beh\u00f6rden dar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Das Monitoringmodell, das dabei zur Anwendung kommt, entspricht dem Bed\u00fcrfnis, den analytischen Ansatz mit der Reflexion \u00fcber die gegenw\u00e4rtigen oder k\u00fcnftigen politischen Entscheidungen zu verkn\u00fcpfen. Die Zusammensetzung des Modells erm\u00f6glicht nicht nur die Ber\u00fccksichtigung quantitativer und qualitativer Informationen, die insbesondere f\u00fcr kleine geografische Einheiten wichtig ist, sondern auch die Ermittlung der Bereiche, auf die sich politische Entscheidungen auswirken. Mit seiner Spannbreite von einer Interpretation der gegenw\u00e4rtigen wirtschaftlichen Gegebenheiten bis hin zur expliziten und klaren Beschreibung der Bewertung einer Massnahme erweist sich dieses Instrument als n\u00fctzliches Hilfsmittel f\u00fcr die Gestaltung der Wirtschaftspolitik.&#13;<\/p>\n<h2>Kantonale Entwicklungsstrategie und Rolle der Regionalpolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Politik kommt dann ins Spiel, wenn die erkannten wirtschaftlichen Entwicklungen strategisch so gesteuert werden sollen, dass die Wettbewerbsf\u00e4higkeit nachhaltig verbessert wird. Zu diesem Zweck verf\u00fcgt der Kanton Tessin \u00fcber ein Modell f\u00fcr eine integrierte Wirtschaftsentwicklung. Neben dem Mix verschiedener politischer Massnahmen und Interventionen \u2013 z.B. in den Bereichen Tourismus, Innovation oder Landwirtschaft \u2013 wird der Regionalpolitik die Funktion eines Instruments zur Koordination wirtschaftspolitischer Massnahmen \u00fcbertragen.Mit dem neuen T\u00e4tigkeitsprogramm 2012\u20132015 (siehe <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Die Regionalpolitik des Kantons Tessin in den Jahren 2012\u20132015<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie f\u00fcnf Ziele der regionalen Wirtschaftspolitik des Kantons Tessin f\u00fcr die n\u00e4chsten vier Jahre (2012\u20132015) sind:&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n1. St\u00e4rkung der Innovations- und Wettbewerbsf\u00e4higkeit der exportorientierten KMU&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Unterst\u00fctzung der priorit\u00e4ren Wirtschaftsbranchen f\u00fcr die kantonale Wirtschaftsf\u00f6rderung (audiovisuelle Industrie, Life Sciences, nachhaltige Mobilit\u00e4t);\u2013 Wissenstransfer und Unterst\u00fctzung \u00fcbergreifender Initiativen f\u00fcr KMU (Stiftung Agire, Casa dell\u2019innovazione, Entwicklungsschwerpunkte);\u2013 Optimierung des Nutzungsgrads der nat\u00fcrlichen Ressourcen (Holz- und Forstwirtschaft, agroaliment\u00e4re Industrie).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n2. Neupositionierung und St\u00e4rkung des kantonalen Tourismus&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Qualit\u00e4tsverbesserung des Angebots, F\u00f6rderung von Innovation und Zusammenarbeit;\u2013 Optimierung der Organisationsstruktur des Tourismussektors;\u2013 Aufwertung von kantonalen Tourismusrouten und Unterst\u00fctzung von touristischen Schl\u00fcsselbranchen (Bereiche Gesundheit und Wellness).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n3. F\u00f6rderung des Knowhows und \u00dcberwachung der Wirtschaftsf\u00f6rderungspolitik&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Optimierung der Datenqualit\u00e4t und Studien zur territorialen Wettbewerbsf\u00e4higkeit;\u2013 Verst\u00e4rkung des Monitorings und der T\u00e4tigkeit der Observatorien.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n4. Ausbau der interkantonalen und grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Programm Gotthard 2020;\u2013 Grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit (Interreg).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n5. Restrukturierung der regionalen Politik&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Unterst\u00fctzung des regionalen Managements;\u2013 spezifische Hilfsmassnahmen f\u00fcr Gebiete mit schwachem Potenzial.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeiterf\u00fchrende Informationen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAmt f\u00fcr Wirtschaftsf\u00f6rderung (<a href=\"http:\/\/www.ti.ch\/\">http:\/\/www.ti.ch\/<\/a> sviluppo-economico).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n) will die Tessiner Regionalpolitik in den kommenden Jahren vor allen Dingen die Konkurrenzf\u00e4higkeit und das Innovationsverm\u00f6gen der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) st\u00e4rken. Wie viele andere Kantone hat das Tessin im Jahr 2011 ein regionales B\u00fcro f\u00fcr Innovation (Stiftung <i>Agire<\/i>) eingerichtet. Dieses B\u00fcro ist heute in der Lage, Innovationsvorhaben und Start-up-Unternehmen im Bereich Life Sciences, erneuerbare Energien, Elektronik, Logistik, Informationstechnologie und Kommunikation zu unterst\u00fctzen. Aufgrund der bereits bestehenden Spezialisierungen strebt das Tessin in den n\u00e4chsten Jahren die Errichtung eines umfassenden Life-Sciences-Sektors an. Dasselbe gilt f\u00fcr die audiovisuelle Kommunikation sowie die Agrar- und Nahrungsmittelindustrie. Gleichzeitig pr\u00fcft der Kanton die Durchf\u00fchrbarkeit eines Projekts namens <i>Casa dell\u2019innovazione,<\/i> das die innovativen Start-up-Unternehmen, die bestehenden Forschungszentren und die Stiftung Agire umfassen soll. Zudem versucht der Kanton, mit regionalpolitischen Massnahmen qualitativ hochstehende Industriebetriebe zu f\u00f6rdern und brachliegende Regionen wieder in Schwung zu bringen, indem sie zu <i>wirtschaftlichen Entwicklungsschwerpunkten<\/i> erkl\u00e4rt werden.Die Tessiner Regionalpolitik unterst\u00fctzt zudem spezifische Massnahmen f\u00fcr den Tourismus. Im neuen T\u00e4tigkeitsprogramm 2012\u20132015 fallen hier vor allem folgende Projekte auf: die F\u00f6rderung des Sektors Gesundheit und Wellness, die Schaffung einer Filmkommission, die Entwicklung neuer und innovativer touristischer Angebote sowie eine vermehrte F\u00f6rderung der Unesco-Weltkulturg\u00fcter (Burgen von Bellinzona und Monte San Giorgio). Auch die Aufwertung der Alp- und Bergh\u00fctten sowie der historisch-kulturellen Routen sind Teil dieses Vorhabens. Schliesslich sind die Beteiligungen des Kantons an interkantonalen und internationalen Programmen zu erw\u00e4hnen (Gotthard 2020 und Interreg Italien\u2013Schweiz). Insgesamt verf\u00fcgt der Kanton Tessin heute dank dem erw\u00e4hnten Observatorium f\u00fcr Wirtschaftspolitik und dem Observatorium f\u00fcr Tourismus, das von der Regionalpolitik direkt unterst\u00fctzt wird, \u00fcber zwei Stellen, die n\u00fctzliche Informationen zur kontinuierlichen Optimierung der Instrumente f\u00fcr Wirtschafts- und Fremdenverkehrspolitik liefern. Auf deren Basis k\u00f6nnen die Gesetze zur Wirtschaftsf\u00f6rderung laufend angepasst, massgeschneiderte Programme (beispielsweise f\u00fcr Gebiete mit schwachem wirtschaftlichem Potenzial) entwickelt sowie wertvolle Informationen zuhanden der regionalen Manager und Projekttr\u00e4ger bereitgestellt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit und Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Tessin ist und bleibt ein Grenzkanton, der heute aufgrund des Zustroms von Arbeitskr\u00e4ften und Kapital aus dem Ausland mehr denn je unter Druck steht. Die j\u00fcngsten wirtschaftlichen Entwicklungen zeigen, dass die \u2013 nicht nur f\u00fcr das Tessin charakteristische \u2013 Diversifizierung der Aktivit\u00e4ten dazu beitr\u00e4gt, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit in einem globalen und immer besser ger\u00fcsteten Markt zu st\u00e4rken.In Zukunft gilt es, die Entwicklungen, die zu den beobachteten grossen Ver\u00e4nderungen gef\u00fchrt haben, besser zu verstehen und sie handhaben zu lernen. Angesichts der immer spezialisierteren Industrie und der zahlreichen Unternehmen aus nicht konventionellen Sektoren, die \u00fcber einen eigenen lokalen, engagierten Dienstleistungssektor verf\u00fcgen, wird der Finanzplatz nicht umhin kommen, sein urspr\u00fcnglich auf das Private Banking ausgerichtetes Business-Modell zu \u00fcberdenken. Doch die Zukunft wird auch neue Chancen und Probleme zutage f\u00f6rdern. So wird die Er\u00f6ffnung der Neat die innerkantonalen Verkehrsfl\u00fcsse und die externe Anbindung v\u00f6llig neu ausrichten und damit die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Kantons erheblich verbessern. Andererseits werden die Landreserven schneller aufgebraucht, unter anderem als Folge der Ansiedlung neuer Betriebe mit grossem Bodenverbrauch wie etwa Logistikbetrieben. Dies wird das Tessin dazu zwingen, seine Wohn- und Gewerbefl\u00e4chen neu zu strukturieren bzw. zu verdichten.Die Politik ist gefordert, diese Impulse zum Ausl\u00f6sen eines Entwicklungsschubs zu nutzen, diesen zu \u00fcberwachen und dort einzugreifen, wo negative Auswirkungen und m\u00f6gliche Verzerrungen \u2013 insbesondere auf dem Arbeitsmarkt \u2013 auftreten. Trotz der begrenzten Einflussm\u00f6glichkeiten der \u00f6ffentlichen Hand auf die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung k\u00f6nnen die im Kanton Tessin entwickelten Instrumente wichtige Hinweise zum Verst\u00e4ndnis der laufenden Ver\u00e4nderungen liefern. Sie zeigen auch auf, wie den k\u00fcnftigen Herausforderungen begegnet werden kann und wie die Entwicklungschancen optimal genutzt werden k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Das Observatorium f\u00fcr Wirtschaftspolitik&#13;<\/p>\n<h3>Das Observatorium f\u00fcr Wirtschaftspolitik<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAm 1. Januar 2008 trat das Bundesgesetz \u00fcber Regionalpolitik in Kraft. Mit dem Gesetz \u00fcber die kantonale Umsetzung wollte das Tessin betonen, wie wichtig eine eigene Regionalpolitik ist, die sich nicht nur auf die Umsetzung der Bundesgesetzgebung beschr\u00e4nkt. Zwar spielt in diesem Bereich der Kanton weiterhin eine zentrale Rolle. Allerdings wird versucht, vermehrte Synergien zwischen Kantonen, Gemeinden, Regionen sowie \u00f6ffentlichen und privaten Institutionen zu schaffen, indem sektorale Ans\u00e4tze \u00fcberwunden und Projektvorhaben von der Basis her realisiert werden.Dieser massgebende Wandel bringt nicht nur neue Verfahren mit sich, sondern auch eine neue Auslegung der regionalen Wirtschaftspolitik auf kantonaler Ebene. Aus dieser Situation heraus entstand die Notwendigkeit, den \u00f6ffentlichen Institutionen ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem die Wettbewerbsf\u00e4higkeit erfasst sowie die Mittel f\u00fcr das Monitoring und die Bewertung der gegenw\u00e4rtigen Wirtschaftspolitik bereitgestellt werden k\u00f6nnen. Vor diesem Hintergrund wurde zwischen Ende 2009 und 2010 das dem Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (IRE) der Tessiner Universit\u00e4t angesiedelte Observatorium f\u00fcr Wirtschaftspolitik (O-Pol) ins Leben gerufen.Das Observatorium ist mit der Erforschung, Analyse und Informationsverbreitung zur aktuellen wirtschaftlichen Verfassung sowie der Wirtschaftspolitik des Kantons Tessin betraut. Auf der Basis dieser Informationen kann die aktuelle Wirtschaftslage kontinuierlich \u00fcberwacht und die wirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Kantons wissenschaftlich ermittelt und ausgewertet werden. Es bildet ein n\u00fctzliches Instrument zur \u00dcberpr\u00fcfung bzw. Untersuchung getroffener oder noch zu treffender wirtschaftlicher Massnahmen und stellt damit eine solide wissenschaftliche Grundlage f\u00fcr die Entscheidungsprozesse der kantonalen Beh\u00f6rden dar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Die Regionalpolitik des Kantons Tessin in den Jahren 2012\u20132015&#13;<\/p>\n<h3>Die Regionalpolitik des Kantons Tessin in den Jahren 2012\u20132015<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie f\u00fcnf Ziele der regionalen Wirtschaftspolitik des Kantons Tessin f\u00fcr die n\u00e4chsten vier Jahre (2012\u20132015) sind:&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n1. St\u00e4rkung der Innovations- und Wettbewerbsf\u00e4higkeit der exportorientierten KMU&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Unterst\u00fctzung der priorit\u00e4ren Wirtschaftsbranchen f\u00fcr die kantonale Wirtschaftsf\u00f6rderung (audiovisuelle Industrie, Life Sciences, nachhaltige Mobilit\u00e4t);\u2013 Wissenstransfer und Unterst\u00fctzung \u00fcbergreifender Initiativen f\u00fcr KMU (Stiftung Agire, Casa dell\u2019innovazione, Entwicklungsschwerpunkte);\u2013 Optimierung des Nutzungsgrads der nat\u00fcrlichen Ressourcen (Holz- und Forstwirtschaft, agroaliment\u00e4re Industrie).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n2. Neupositionierung und St\u00e4rkung des kantonalen Tourismus&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Qualit\u00e4tsverbesserung des Angebots, F\u00f6rderung von Innovation und Zusammenarbeit;\u2013 Optimierung der Organisationsstruktur des Tourismussektors;\u2013 Aufwertung von kantonalen Tourismusrouten und Unterst\u00fctzung von touristischen Schl\u00fcsselbranchen (Bereiche Gesundheit und Wellness).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n3. F\u00f6rderung des Knowhows und \u00dcberwachung der Wirtschaftsf\u00f6rderungspolitik&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Optimierung der Datenqualit\u00e4t und Studien zur territorialen Wettbewerbsf\u00e4higkeit;\u2013 Verst\u00e4rkung des Monitorings und der T\u00e4tigkeit der Observatorien.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n4. Ausbau der interkantonalen und grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Programm Gotthard 2020;\u2013 Grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit (Interreg).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n5. Restrukturierung der regionalen Politik&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Unterst\u00fctzung des regionalen Managements;\u2013 spezifische Hilfsmassnahmen f\u00fcr Gebiete mit schwachem Potenzial.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeiterf\u00fchrende Informationen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAmt f\u00fcr Wirtschaftsf\u00f6rderung <i>(<a href=\"http:\/\/www.ti.ch\/\">http:\/\/www.ti.ch\/<\/a> sviluppo-economico).<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Bibliografie&#13;<\/p>\n<h3>Bibliografie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Capello R. (2004): Economia Regionale. il Mulino: Bologna.\u2212 European Commission (1999): Annual European Competitiveness Report. European Commission, Directorate General for Enterprise and Industry. \u2212 IRE (2012): Competitivit\u00e0 economica 2011: rapporto sulla struttura economica ticinese. Istituto di Ricerche Economiche, USI: Lugano. \u2212 Lengyel, I. (2004): The Pyramid Model: Enhancing Regional Competitiveness in Hungary. Acta Oeconomica, vol. 54, S. 323-342.\u2212 Torricelli G.P., Garlandini S. (2012): Attivit\u00e0 economiche e uso del suolo nel Cantone Ticino 2000-2010. Sezione dello sviluppo territoriale, Dipartimento del territorio, Repubblica e Cantone Ticino e Osservatorio dello sviluppo territoriale, USI: Mendrisio.\u2212 UNIDO (2003). Annual Report. United Nations Industrial Development Organization: Vienna.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Grenzgebiet sind im Kanton Tessin traditionell die Sektoren Tourismus und Finanzen stark vertreten. Allerdings wird zunehmend in spezialisierte Industriezweige investiert. Vorwiegend kleine Unternehmen erschliessen \u00fcber wirtschaftliche Netzwerke internationale M\u00e4rkte, ohne dabei auf ihre lokale Dimension zu verzichten. 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