{"id":119449,"date":"2012-10-01T12:00:00","date_gmt":"2012-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/10\/junge-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:26:46","modified_gmt":"2023-08-23T21:26:46","slug":"junge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/10\/junge\/","title":{"rendered":"Die Auswirkungen der h\u00f6heren Eigenkapitalanforderungen auf die Schweizer Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Haben die neuen Eigenmittelvorschriften f\u00fcr Banken, die Anfang 2013 schrittweise in Kraft treten, bedeutende volkswirtschaftliche Auswirkungen? Dar\u00fcber gehen die Meinungen weit auseinander. Der folgende Beitrag versucht, die Kosten und den Nutzen der erh\u00f6hten Eigenmittelanforderungen f\u00fcr die Schweiz zu quantifizieren.&#13;<br \/>\nDie hier zusammengefassten empirischen Ergebnisse stammen aus der Arbeit von Junge, G. und Kugler, P.: Quantifying the impact of higher capital requirements on the Swiss Economy, WWZ Discussion Paper 2012\/13, <i><a href=\"http:\/\/wwz.unibas.ch\">http:\/\/wwz.unibas.ch<\/a>,<\/i> Forschung, WWZ Discussion Papers. Die in diesem Artikel ge\u00e4usserten Ansichten und Meinungen sind diejenigen der Autoren und entsprechen nicht der Position der Finma. Bei allen Unsicherheiten, die mit derartigen Sch\u00e4tzungen verbunden sind, ist das Ergebnis dennoch eindeutig: W\u00e4hrend die volkswirtschaftlichen Kosten gegen Null tendieren, ist der volkswirtschaftliche Nutzen betr\u00e4chtlich. Erh\u00f6hte Kapitalanforderungen reduzieren die Anf\u00e4lligkeit gegen\u00fcber Bankenkrisen und f\u00fchren so zu einer signifikanten Vermeidung von Einbr\u00fcchen des Bruttoinlandprodukts.&#13;<\/p>\n<h2>Die neuen Kapitalanforderungen gem\u00e4ss Basel III und Too big to fail<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie wichtigste Lehre aus der Finanzkrise von 2007 ist, dass die Banken damals nicht \u00fcber gen\u00fcgend verlustdeckendes Kapital verf\u00fcgten. Um Schlimmeres zu verhindern, musste der Staat in die L\u00fccke springen. Krisen dieser Art sollen in Zukunft vermieden werden. Deshalb verfolgen die neue internationale Regulierung <i>Basel III<\/i> und die nationale <i>Too-big-to-fail-Gesetzgebung (TBTF)<\/i> zwei sich erg\u00e4nzende Ans\u00e4tze:\u2212 eine massive Erh\u00f6hung der verlustdeckenden Eigenmittelbasis der Banken in Verbindung mit der Erh\u00f6hung der Risikogewichte ausgew\u00e4hlter Risikoklassen, wie z.B. der Gegenparteirisiken bei Derivaten;\u2212 organisatorische Massnahmen, um im Ernstfall eine Weiterf\u00fchrung der systemrelevanten Funktionen zu gew\u00e4hrleisten. Die vorliegende Analyse befasst sich mit dem ersten Ansatz. Sie versucht, die volkswirtschaftlichen Kosten und den Nutzen einer st\u00e4rkeren Eigenmittelbasis der Banken zu sch\u00e4tzen. Im Einklang mit den neuen Regulierungen wird verlustdeckendes Eigenkapital definiert als sogenanntes CET1-Kapital, das im Wesentlichen aus Stammaktienkapital und einbehaltenen Gewinnen besteht. Goodwill und andere immaterielle Verm\u00f6genswerte sind ausgeschlossen.Gem\u00e4ss dem Erl\u00e4uterungsbericht der Eidg. Finanzmarktaufsicht (Finma) zur neuen Regulierung erf\u00fcllen die meisten Nicht-Grossbanken in der Schweiz bereits heute die Anforderungen von Basel III. Einzig die beiden Grossbanken CS und UBS haben einen nicht n\u00e4her spezifizierten Nachholbedarf.&#13;<br \/>\nFinma (Oktober 2011): Erl\u00e4uterungsbericht \u00c4nderung Eigenmittelverordnung (ERV) und Ausf\u00fchrungsbestimmungen, siehe Abschnitt 9,4 und 9,5. Angesichts der Unsicherheiten \u00fcber die kapitalm\u00e4ssige Ausgangslage der Grossbanken werden drei alternative Szenarien in Betracht gezogen: n\u00e4mlich dass die Grossbanken ihre CET1-Kapitalquotienten um 50%, 100% oder 150% erh\u00f6hen m\u00fcssen, um die regulatorischen Anforderungen zu erf\u00fcllen.&#13;<br \/>\nDass ein Anstieg der Kapitalquotienten der Grossbanken um 100% bis 150% realistisch ist, l\u00e4sst sich aus den Ver\u00f6ffentlichungen des Basler Ausschusses f\u00fcr Bankenaufsicht (BCBS) ableiten. Dabei unterstellen wir, dass die beiden Grossbanken CET1-Kapital in H\u00f6he des internationalen Durchschnitts halten. Siehe BCBS (16. Dezember 2010): Results of the Comprehensive Quantitative Impact Study, <i><a href=\"http:\/\/www.bis.org\">http:\/\/www.bis.org<\/a>.<\/i>&#13;<\/p>\n<h2>Die Kosten h\u00f6herer Eigenmittel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn Bankenkreisen \u2013 und teilweise auch in den Medien und der \u00d6ffentlichkeit \u2013 wird argumentiert, dass mit den neuen Eigenmittelvorschriften die Kreditzinsen steigen und die Kreditausleihungen zur\u00fcckgehen werden. Zusammengenommen w\u00fcrden beide Effekte wachstumshemmend wirken und dauerhaft die Wohlfahrt eines Landes belasten. Dahinter steht die Vorstellung, dass Kapitalerh\u00f6hungen automatisch die Kapitalkosten der Banken erh\u00f6hen. Diese w\u00fcrden von den Banken eins zu eins auf den Markt \u00fcberw\u00e4lzt werden. Es lohnt sich, das Argument zuerst aus einer historischen Perspektive anzuschauen. <i>Grafik 1<\/i> zeigt, dass der Verschuldungsgrad&#13;<br \/>\nDer Verschuldungsgrad ist das Verh\u00e4ltnis von Bilanzsumme zu Eigenmitteln. des schweizerischen Bankensystems seit 1881 stark gestiegen ist. Wenn die These richtig ist, dass h\u00f6here Kapitalanforderungen h\u00f6here Zinsspannen implizieren, dann sollten die Zinsspannen seit 1881 im Schnitt kleiner geworden sein. Davon kann keine Rede sein. Vielmehr haben sich die Zinsspannen weitgehend unabh\u00e4ngig vom Verschuldungsgrad des Bankensystems entwickelt. Zu Beginn der 1970er-Jahren des letzten Jahrhunderts ist sogar ein Anstieg der Zinsspannen zu beobachten, obwohl die Kapitalisierung des Bankensystems stark zur\u00fcckgegangen war. Auch das andere Argument, wonach sich eine h\u00f6here Kapitalisierung des Bankensystems negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken k\u00f6nnte, l\u00e4sst sich historisch nicht belegen (siehe <i>Tabelle 1<\/i>). Obwohl der durchschnittliche Verschuldungsgrad der Banken nach 1935 und nach 1990 stark zugenommen hat, blieb das durchschnittliche j\u00e4hrliche BIP-Wachstum mehr oder weniger unver\u00e4ndert bzw. verlangsamte sich gar seit 1990. Interessanterweise wurden in L\u00e4ndern wie England und den USA sehr \u00e4hnliche Beobachtungen gemacht wie in der Schweiz. Das l\u00e4sst darauf schliessen, dass der postulierte Zusammenhang zwischen Kapitalerh\u00f6hungen, steigenden Kapitalkosten und Wachstumsverlangsamung nicht so gefestigt ist, wie er manchmal vorgetragen wird.&#13;<br \/>\nSiehe Miles, D., Yang, J., Marcheggiano, G. (2011): Optimal Bank Capital, Bank of England. External MPC Unit, Discussion Paper No. 1; Kashyap ,K., Stein, J. Hanson, S. (2010): An Analysis of the Impact of \u00abSubstantially Heightened\u00bb Capital Requirements on Large Financial Institutions, Working Paper.Auch die moderne Theorie der Unternehmensfinanzierung steht im Widerspruch zur Behauptung, dass eine h\u00f6here Bankenkapitalisierung volkswirtschaftliche Mehrkosten verursacht. Vielmehr reduziert eine bessere Kapitalisierung der Banken die Renditewartungen von Aktion\u00e4ren und Gl\u00e4ubigern, weil gleichzeitig auch deren Risiken sinken: Je h\u00f6her das Eigenkapital der Bank, umso kleiner ist das Risiko f\u00fcr die Aktion\u00e4re und Gl\u00e4ubiger der Bank. Es besteht somit eine lineare Beziehung zwischen der Kapitalisierung einer Bank und dem Aktion\u00e4rsrisiko.&#13;<br \/>\nModigliani und Miller haben diesen Sachverhalt 1958 nachgewiesen. Diese Beziehung l\u00e4sst sich empirisch \u00fcberpr\u00fcfen und bildet die Grundlage f\u00fcr die \u00f6konometrische Analyse, die im folgenden Abschnitt in ihren Grundz\u00fcgen geschildert wird (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Vorgehensweise<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>In einem ersten Schritt wurden im Rahmen des Capital Asset Pricing Modells (CAPM) auf Quartals- oder Halbjahresbasis mit Tagesdaten \u00fcber die Zeit variierende Beta-Koeffizienten gesch\u00e4tzt. Danach wurden anhand von Daten f\u00fcr ein Bank-Panel \u00fcberpr\u00fcft, inwiefern sich Ver\u00e4nderungen der Bankenverschuldung auf das gesch\u00e4tzte Beta \u2013 und damit die Eigenkapitalrendite der Banken in der Schweiz \u2013 auswirken. In einer Modigliani-Miller-Welt m\u00fcsste die Elastizit\u00e4t von Beta bez\u00fcglich des Verschuldungsgrads der Banken 1 sein. Anhand dieser Sch\u00e4tzung und einiger weniger zus\u00e4tzlicher Annahmen konnten dann die gewichteten Kapitalkosten bezogen auf den Verschuldungsgrad ermittelt werden. Die beiden Grossbanken standen im Vordergrund der Analyse; einbezogen wurden jedoch auch andere Banken, um die Analyse zu erweitern. In einem weiteren Schritt wurden anhand einer makro\u00f6konomischen Produktionsfunktion die langfristigen Produktionseinbussen von h\u00f6heren Kapitalkosten quantifiziert.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).&#13;<\/p>\n<h2>Ergebnisse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Ergebnis der Kostensch\u00e4tzungen ist in <i>Tabelle 2<\/i> dargestellt, kombiniert mit dem Ergebnis der Nutzenanalyse. Es zeigt, dass selbst bei einer massiven Erh\u00f6hung der Kapitalquotienten um 50%, 100% und 150% die volkswirtschaftlichen Kosten vernachl\u00e4ssigbar klein bleiben. So f\u00fchrt z. B. eine Erh\u00f6hung der Kapitalquotienten der Grossbanken um 100% zu einer permanenten Reduktion des BIP von nur 0,044 bis 0,049%. Das mag auf dem ersten Blick als klein erscheinen. Eine genauere Analyse erkl\u00e4rt dieses Ergebnis: \u2212 Gem\u00e4ss unseren Sch\u00e4tzungen betr\u00e4gt die Modigliani-Miller (MM)-Elastizit\u00e4t der Grossbanken rund 55%. H\u00f6here Kapitalanforderungen reduzieren somit das Risiko der Grossbanken und die Renditeerwartungen fallen, wie es die moderne Theorie der Unternehmensfinanzierung voraussagt. Folglich f\u00e4llt auch der Anstieg der Kapitalkosten deutlich kleiner aus, als dies der Fall w\u00e4re, wenn das MM-Theorem nicht gelten w\u00fcrde.&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss unseren Sch\u00e4tzungen steigen die Kapitalkosten der Grossbanken um 5 bis 14 Basispunkte. Ohne MM-Effekt l\u00e4ge der Anstieg bei 15 bis 39 Basispunkten.\u2212 Der Anstieg der Kapitalkosten bei den Grossbanken hat zudem keine oder nur geringe volkswirtschaftliche Auswirkungen, weil die Grossbanken keine marktbeherrschende Stellung im schweizerischen Kreditmarkt haben und sie den Anstieg ihrer Kosten kaum auf den Rest der Volkswirtschaft \u00fcberw\u00e4lzen k\u00f6nnen. \u2212 Selbst wenn es den Grossbanken gel\u00e4nge, den Anstieg ihrer Kapitalkosten eins zu eins auf die schweizerischen Haushalte und Unternehmen zu \u00fcberw\u00e4lzen, bliebe der gesamtwirtschaftliche Effekt sehr klein, dies aus zwei Gr\u00fcnden: Erstens macht der Anteil der Grossbanken am inl\u00e4ndischen Kreditmarkt nur ein Drittel aus; die Haushalte m\u00fcssten nur einen Drittel des Anstiegs der Kapitalkosten tragen. Zweitens finanzieren sich die schweizerischen Unternehmen nur zu einem Drittel \u00fcber Bankkredite; dadurch machen die zus\u00e4tzlichen Kapitalkosten f\u00fcr die Unternehmen nur 11% (0,33*0,33) des Anstiegs der Kapitalkosten der Grossbanken aus. Ein Anstieg der Eigenmittelanforderungen um 100% erh\u00f6ht die Kapitalkosten f\u00fcr Unternehmen um nur 0,6 bis 1,5 Basispunkte. Das wiederum hat gem\u00e4ss der gesch\u00e4tzten Produktionsfunktion eine einmalige Reduktion des BIP um 0,044% bis 0,049% zur Folge. Insgesamt l\u00e4sst sich nachweisen, dass die langfristigen volkswirtschaftlichen Kosten der geplanten Erh\u00f6hungen der Eigenmittel bei den Banken vernachl\u00e4ssigbar klein sind. Der MM-Effekt und die funktionierenden Wettbewerbsbedingungen auf dem schweizerischen Kreditmarkt f\u00fchren dazu, dass die Grossbanken den Anstieg ihrer Kapitalkosten nicht auf die Volkswirtschaft insgesamt \u00fcberw\u00e4lzen k\u00f6nnen. Die grossz\u00fcgigen \u00dcbergangsfristen, die f\u00fcr Basel III und TBTF gelten, erleichtern zudem die die Anpassung der Banken an die neuen Eigenmittelerfordernisse.&#13;<br \/>\nDer Basler Ausschuss sch\u00e4tzt, dass \u00dcbergangskosten im Durchschnitt einmalige BIP-Kosten in H\u00f6he von 0,08% verursachen.&#13;<\/p>\n<h2>Der Nutzen h\u00f6herer Eigenmittel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Nutzen von h\u00f6heren Kapitalanforderungen besteht darin, dass sie die Wahrscheinlichkeit von Bankenkrisen und von damit verbundenen BIP-Verlusten reduzieren. Um diese Hypothese quantitativ zu untersuchen, haben wir sie in zwei Teile aufgespalten:\u2212 Wie gross sind die BIP-Verluste bei einem Auftreten einer schweren Bankenkrise mit Restrukturierungen innerhalb des Bankensektors und\/oder staatlichen Rettungspaketen?\u2212 Wie h\u00e4ngt die Wahrscheinlichkeit einer Bankenkrise vom Verschuldungsgrad ab?Anhand dieser beiden separaten Analysen kann dann der erwartete Nutzen (vermiedene BIP-Verluste) von h\u00f6heren Eigenmittelanforderungen berechnet werden. Die Schweiz hat in den letzten 140 Jahren vier schwere Bankenkrisen erlebt. Die Krisen von 1931 (Volksbank und Banque d\u2019Escompte Suisse) und 2008 (UBS) waren mit grossen nationalstaatlichen Interventionen verbunden. Die Krisen von 1911 und 1991 konnten \u2013 abgesehen von den Kantonalbanken \u2013 ohne staatliche Intervention bew\u00e4ltigt werden. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die BIP-Verluste durch Bankenkrisen tempor\u00e4r oder permanent sind. Unsere \u00f6konometrische Analyse dieser Frage zeigt folgenden Sachverhalt: Bankenkrisen f\u00fchren zu einer statistisch und \u00f6konomisch signifikanten, permanenten Reduktion des Wachstumspfads des realen BIP um knapp 28,5%. Andere schwere Krisen \u2013 wie die beiden Weltkriege oder die \u00d6lkrise in den 1970er-Jahren \u2013 reduzierten den Wachstumspfad des BIP \u00abnur\u00bb um 10,9%. Daher l\u00e4sst sich der \u00abAufschlag\u00bb f\u00fcr eine Bankenkrise gegen\u00fcber einer anders verursachten Krise auf 17,6% sch\u00e4tzen (28,5% minus 10,9%).Diese eindr\u00fcckliche permanente Reduktion des realen BIP ist dadurch zu erkl\u00e4ren, dass Bankenkrisen zu lang anhaltenden Wachstumseinbussen mit Verlusten an Sach- und Humankapital f\u00fchren. Insbesondere f\u00fchren Bankenkrisen, die h\u00e4ufig durch eine vorangehende Wachstumseuphorie und Preisblasenbildung verst\u00e4rkt werden, zu fehlgeleiteten Investitionen, die in der Krise abgeschrieben werden m\u00fcssen. Gem\u00e4ss unserer Analyse w\u00e4re die Schweizer Volkswirtschaft ohne die vier erw\u00e4hnten grossen Bankenkrisen, die beiden Weltkriege und die \u00d6lkrise real um 3,9% gewachsen. Effektiv ausgewiesen wurde in diesem Zeitraum ein reales BIP-Wachstum von 2,7%.<i>Grafik 2<\/i> illustriert diesen Sachverhalt. Sie zeigt die Trendentwicklung (deterministischer Trend mit Niveaubr\u00fcchen) des logarithmierten BIP und die Abweichungen von diesem Trend. Die Niveaueinbr\u00fcche durch die Krisen sind deutlich zu sehen. Die Trendabweichung gibt die normale Konjunktur ohne grosse negative Schocks wieder; diese Abweichungen sind sowohl f\u00fcr das Auge als auch die entsprechenden statistischen Tests nur tempor\u00e4r oder station\u00e4r.&#13;<br \/>\nStation\u00e4r bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Trendabweichungen ein langfristiges Mittel von 0 und eine beschr\u00e4nkte Varianz haben.Zur Abkl\u00e4rung des Einflusses des Verschuldungsgrads auf die Wahrscheinlichkeit einer Bankenkrise wurde ein \u00f6konometrisches Modell mit Daten der Jahre 1906\u20132010 gesch\u00e4tzt. Im Zentrum steht der Verschuldungsgrad, der als Quotient der Bilanzsumme geteilt durch die gesamten Eigenmittel definiert ist. Als zus\u00e4tzliche erkl\u00e4rende Variablen haben wir die Zinsspanne, das BIP-Wachstum und die Inflation ber\u00fccksichtigt. F\u00fcr diese Erkl\u00e4rungsvariablen wurde zwischen einer zyklischen und einer Trendkomponente unterschieden&#13;<br \/>\nDie Inflationsrate wurde in eine erwartete und eine unerwartete Komponente zerlegt.. Dabei zeigt sich unter anderem, dass starke zyklische Erh\u00f6hungen des Verschuldungsgrads die Wahrscheinlichkeit von Bankenkrisen signifikant erh\u00f6hen, und dass mit einer permanenten Erh\u00f6hung des Verschuldungsgrads solche zyklischen Ausschl\u00e4ge nach oben wahrscheinlicher werden.&#13;<br \/>\nDieser Zusammenhang wurde durch die Sch\u00e4tzung eines Egarch-Modells f\u00fcr die zyklische Variabilit\u00e4t unter Ber\u00fccksichtigung der Trendkomponente des Verschuldungsgrads modelliert. Diese Zusammenh\u00e4nge belegen, dass eine Erh\u00f6hung des Verschuldungsgrads zu einer h\u00f6heren Wahrscheinlichkeit einer Bankenkrise f\u00fchrt. Interessanterweise zeigt sich hier auch, dass der Verschuldungsgrad der Grossbanken der bessere statistische Indikator f\u00fcr die Wahrscheinlichkeit von Bankenkrisen ist als der Verschuldungsgrad aller Banken. Aufgrund von Simulationen kann nun berechnet werden, wie stark ein h\u00f6herer Verschuldungsgrad die Wahrscheinlichkeit einer Bankenkrise erh\u00f6ht.&#13;<br \/>\nDabei wurde die Varianz der zyklischen Komponente gem\u00e4ss dem Egarch-Modell in Abh\u00e4ngigkeit von der Trendkomponente ermittelt. Anschliessend wurde anhand von jeweils 50&nbsp;000 Monte-Carlo-Replikationen der zyklischen Komponente die mittlere Wahrscheinlichkeit aufgrund des Probit-Modells f\u00fcr das Auftreten von Bankenkrisen berechnet. Dabei wurden alle anderen erkl\u00e4renden Variablen auf ihrem Langfristwert fixiert. Der so ermittelte Zusammenhang ist in <i>Grafik 3<\/i> dargestellt. Es zeigt sich, dass der Verschuldungsgrad, wie er vor der j\u00fcngsten Krise ab 2007 erreicht wurde, die Krisenanf\u00e4lligkeit stark erh\u00f6ht hat. Die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr das j\u00e4hrliche Auftreten einer Bankenkrise liegt bei 4%-5%. Mit anderen Worten: Bei den tiefen Eigenmittelunterlegungen vor der letzten Krise m\u00fcsste \u2013 statistisch gesehen \u2013 alle 20-25 Jahre eine Bankenkrise ausbrechen. Dieser Wert kann durch eine Halbierung des Verschuldungsgrads \u2013 also eine Erh\u00f6hung der Eigenmittel um 100% wie im mittleren Szenario \u2013 auf deutlich unter 1% (einmal in 100 Jahren) gebracht werden. Der erwartete j\u00e4hrliche BIP-Einbruch (Wahrscheinlichkeit mal 17,6%) betr\u00e4gt demnach im ersten Fall 0,8%, w\u00e4hrend er im zweiten Fall auf unter 0,1% reduziert wird.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Ergebnis zeigt sich, dass eine substanzielle Erh\u00f6hung der Eigenkapitalausstattung der schweizerischen Banken zu vernachl\u00e4ssigbaren volkswirtschaftlichen Kosten nahe Null und zu einem betr\u00e4chtlichen Gewinn im Sinne der Vermeidung von erwarteten BIP-Einbr\u00fcchen in der Gr\u00f6ssenordnung von 0,5% bis 0,7% f\u00fchrt. Die Bef\u00fcrchtungen, wonach die Erh\u00f6hung der Eigenmittel f\u00fcr die beiden Grossbanken zu hoch ausgefallen ist, sind also unbegr\u00fcndet. Die verbesserte Kapitalausstattung der Banken st\u00e4rkt die Widerstandskraft der Banken gegen Verluste und reduziert die Systemanf\u00e4lligkeit gegen\u00fcber Bankenkrisen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abVerschuldungsgrad und Zinsmargen, 1880\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abEffekte von grossen Krisen auf das reale BIP der Schweiz, 1881\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abWahrscheinlichkeit von Bankenkrisen in Abh\u00e4ngigkeit des Verschuldungsgrads, 1906\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abDurchschnittlicher Verschuldungsgrad und Wirtschaftswachstum in ausgew\u00e4hlten Perioden\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abKosten und Nutzen h\u00f6herer Eigenmittel\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Vorgehensweise&#13;<\/p>\n<h3>Vorgehensweise<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn einem ersten Schritt wurden im Rahmen des <i>Capital Asset Pricing Modells (CAPM)<\/i> auf Quartals- oder Halbjahresbasis mit Tagesdaten \u00fcber die Zeit variierende Beta-Koeffizienten gesch\u00e4tzt. Danach wurden anhand von Daten f\u00fcr ein Bank-Panel \u00fcberpr\u00fcft, inwiefern sich Ver\u00e4nderungen der Bankenverschuldung auf das gesch\u00e4tzte Beta \u2013 und damit die Eigenkapitalrendite der Banken in der Schweiz \u2013 auswirken. In einer Modigliani-Miller-Welt m\u00fcsste die Elastizit\u00e4t von Beta bez\u00fcglich des Verschuldungsgrads der Banken 1 sein. Anhand dieser Sch\u00e4tzung und einiger weniger zus\u00e4tzlicher Annahmen konnten dann die gewichteten Kapitalkosten bezogen auf den Verschuldungsgrad ermittelt werden. Die beiden Grossbanken standen im Vordergrund der Analyse; einbezogen wurden jedoch auch andere Banken, um die Analyse zu erweitern. In einem weiteren Schritt wurden anhand einer makro\u00f6konomischen Produktionsfunktion die langfristigen Produktionseinbussen von h\u00f6heren Kapitalkosten quantifiziert.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben die neuen Eigenmittelvorschriften f\u00fcr Banken, die Anfang 2013 schrittweise in Kraft treten, bedeutende volkswirtschaftliche Auswirkungen? Dar\u00fcber gehen die Meinungen weit auseinander. 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