{"id":119464,"date":"2012-10-01T12:00:00","date_gmt":"2012-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/10\/mueller-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:26:48","modified_gmt":"2023-08-23T21:26:48","slug":"mueller-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/10\/mueller-5\/","title":{"rendered":"Der Finanzmarkt in der Regulierungsspirale"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr viele ist der Fall nach der Finanzkrise klar: Banken m\u00fcssen strenger reguliert werden. Vor diesem Hintergrund mag der Titel dieses Artikels \u00fcberraschen. In der Tat stand Deregulierung in den Jahren vor dem Ausbruch der Krise hoch im Kurs. Dies steht im Gegensatz zur langfristigen Entwicklung. Die Finanzmarktregulierung wird seit Jahrzehnten angepasst und ausgeweitet. Dennoch steht der Finanzmarkt immer wieder vor denselben Problemen. Der vorliegende Artikel analysiert die zentralen Regulierungen sowie deren Zusammenh\u00e4nge und M\u00e4ngel. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201210_04_Mueller_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"277\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Zusammenbruch des Finanzmarktes h\u00e4tte katastrophale Auswirkungen auf die globale Wirtschaft. Die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre dient als Lehrst\u00fcck. Die Finanzmarktregulierung setzt an diesem Punkt an und soll einen stabilen und effizienten Finanzmarkt garantieren. Im Folgenden wird zuerst das Marktversagen auf dem Finanzmarkt und die Bedeutung der Finanzintermediation beschrieben. Anschliessend werden die zentralen Finanzmarktregulierungen diskutiert, und es wird erl\u00e4utert, weshalb von einer Regulierungsspirale gesprochen werden kann.&#13;<\/p>\n<h2>Das Finanzmarktversagen und die Rolle der Banken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf dem Finanzmarkt werden Finanzforderungen gehandelt. Diese Forderungen erm\u00f6glichen es, Kaufkraft \u00fcber die Zeit hinweg zu transferieren. Finanzforderungen haben die Eigenschaft, dass ihr Wert von den Eigenschaften und Handlungen des Schuldners abh\u00e4ngt. Der Gl\u00e4ubiger kann den Wert einer Forderung nicht ohne weiteres feststellen. Diese Informationsasymmetrie zwischen den Marktteilnehmern f\u00fchrt zu <i>Moral Hazard<\/i> und <i>adverser Selektion.<\/i> Daher werden viele Finanzforderungen nicht direkt auf dem Finanzmarkt gehandelt; Intermedi\u00e4ren \u2013 insbesondere Banken \u2013 kommt eine grosse Bedeutung zu (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Die Probleme der Finanzintermediation stehen im Zentrum der aktuellen Krise, weshalb sich der vorliegende Artikel auf diesen Teil des Finanzmarktes konzentriert.&#13;<br \/>\nAndere Teile des Finanzmarktes \u2013 wie z.B. die Anleihen-, Aktien- und Versicherungsm\u00e4rkte \u2013 bleiben ausgeblendet.Banken werden in der heutigen politischen Diskussion oft als Ursache allen \u00dcbels dargestellt. Interessanterweise helfen aber gerade Banken, das Marktversagen auf dem Finanzmarkt zu mindern. Banken erg\u00e4nzen nicht nur mit Aktivit\u00e4ten auf der Aktivseite ihrer Bilanz unvollst\u00e4ndige M\u00e4rkte, sondern auch mit solchen auf ihrer Passivseite (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Wie lindern Banken das Marktversagen auf dem Finanzmarkt?a<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBanken \u00fcberpr\u00fcfen potenzielle Kreditnehmer auf ihre Kreditw\u00fcrdigkeit. Dank dieses sogenannten Screenings kann adverse Selektion bei der Kreditvergabe vermieden werden. Wenn Banken einen Kredit geben, ist dieser oft an spezielle Vertragsbestimmungen und die Hinterlegung von Sicherheiten gebunden. W\u00e4hrend der Laufzeit \u00fcberpr\u00fcfen Banken die Einhaltung des Vertrages und den Wert der Sicherheiten. Diese Aktivit\u00e4t wird Monitoring genannt und hilft Moral Hazard auf Seiten des Kreditnehmers zu verhindern. Beide Aktivit\u00e4ten \u2013 Screening und Monitoring \u2013 sind kostspielig, aber unerl\u00e4sslich f\u00fcr die effiziente Vergabe von Krediten. Banken finanzieren diese T\u00e4tigkeit, indem sie einen h\u00f6heren Zins auf vergebene Kredite erheben, als sie auf Bankeinlagen bezahlen.Um Kredite zu vergeben, m\u00fcssen Banken Geld aufnehmen. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Banken und Investmentfonds. W\u00e4hrend sich letztere ausschliesslich mit Eigenkapital finanzieren, bieten erstere zus\u00e4tzlich Sichteinlagen an, welche jederzeit zum Nominalwert bezogen werden k\u00f6nnen. Banken halten ein breit diversifiziertes Portfolio an Krediten, und allf\u00e4llige Verluste werden bis zur H\u00f6he des Eigenkapitals von den Eigent\u00fcmern getragen. Deshalb haben Sichteinlagen in normalen Zeiten ein vernachl\u00e4ssigbares Kreditrisiko. Zusammen mit der jederzeitigen Verf\u00fcgbarkeit f\u00fchrt dies dazu, dass Sichteinlagen einen geld\u00e4hnlichen Charakter annehmen und damit Bankkunden gegen Liquidit\u00e4tsrisiken versichern. Die Bank finanziert langfristige Projekte, ohne dass Kreditgeber ihre Liquidit\u00e4t aufgeben m\u00fcssen (sogenannte Fristentransformation).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na F\u00fcr einen \u00dcberblick zur Mikro\u00f6konomie von Banken, siehe Freixas und Rochet (2008).). So erm\u00f6glichen sie einen effizienteren Einsatz knapper Ressourcen. Unsere hoch spezialisierte Wirtschaft w\u00e4re ohne ein funktionierendes Bankenwesen undenkbar.&#13;<\/p>\n<h2>Die Gefahr von Bank Runs legitimiert Regulierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Erf\u00fcllung dieser zentralen volkswirtschaftlichen Aufgaben gehen Banken Risiken ein. Die Fristentransformation \u2013 d.h. die Finanzierung langfristiger Projekte mittels kurzfristiger Sichteinlagen \u2013 macht sie anf\u00e4llig f\u00fcr sogenannte <i>Bank Runs.<\/i> Wenn innert k\u00fcrzester Zeit viele Einleger ihre Sichteinlagen zur\u00fcckverlangen, wird die Bank zahlungsunf\u00e4hig. Dieses Problem ist bekannt. Drei Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit:\u2212 Bank Runs k\u00f6nnen selbsterf\u00fcllend sein. Wenn gen\u00fcgend Bankkunden an der Zahlungsf\u00e4higkeit ihrer Bank zweifeln und ihre Einlagen abziehen, dann wird die Bank zahlungsunf\u00e4hig, und dies unabh\u00e4ngig davon, ob die Zweifel zu Beginn gerechtfertigt waren.&#13;<br \/>\nEine theoretische Grundlage f\u00fcr Bank Runs liefern Bryant (1980) und Diamond und Dybvig (1983).\u2212 Bank Runs sind ein wiederkehrendes Ph\u00e4nomen.&#13;<br \/>\nGorton und Winton (2003) geben einen \u00dcberblick \u00fcber die empirische Literatur zu historischen Bank Runs.\u2212 Die Folgen f\u00fcr die reale Wirtschaft k\u00f6nnen verheerend sein. Der Zusammenbruch mehrerer Banken beeintr\u00e4chtigt nachhaltig die effiziente Allokation von G\u00fctern in einer Wirtschaft, und die Investitionst\u00e4tigkeit wird empfindlich gest\u00f6rt.&#13;<br \/>\nEine Zusammenfassung der Ursachen und Auswirkungen einer Kreditklemme findet sich in Bernanke (1993).W\u00e4hrend der erste Punkt nahe legt, dass Bank Runs relativ einfach verhindert werden k\u00f6nnten, unterstreicht der zweite Punkt die Relevanz des Problems. Der dritte Punkt legitimiert eine Staatsintervention, da offensichtlich stark negative externe Effekte von einem Bank Run ausgehen.Staaten haben auf die wiederkehrenden Bank Runs im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert mit Einlagensicherungen und der Etablierung der Zentralbank als <i>Lender of Last Resort<\/i> reagiert.&#13;<br \/>\nDie erste nationalstaatliche Einlagensicherung wurde in den USA als Antwort auf die Ereignisse w\u00e4hrend der Weltwirtschaftskrise eingef\u00fchrt. Ab 1. Januar 1934 waren Bankeinlagen bis zu einer H\u00f6he von 2500 US-Dollar versichert (Federal Deposit Insurance Corporation, 2010). In der Folge haben viele Staaten Einlagensicherungen implementiert (Demirg\u00fc\u00e7-Kunt, Karacaovali und Laeven, 2005). Wenn die Allgemeinheit die Einlagen von Bankkunden garantiert, m\u00fcssen sich diese nicht mehr um den Verlust ihrer Ersparnisse sorgen. Bank Runs verlieren ihre Eigenschaft, selbsterf\u00fcllend zu sein, und Ger\u00fcchte f\u00fchren nicht mehr zur Zahlungsunf\u00e4higkeit von Banken. Es ist hervorzuheben, dass diese Regulierung nicht das Marktversagen auf dem Finanzmarkt adressiert, sondern Bank Runs verhindern will. Diese werden nicht durch die urspr\u00fcnglichen Informationsasymmetrien auf dem Finanzmarkt verursacht. Vielmehr gr\u00fcnden sie in der Transformation von Fristen durch Banken.&#13;<\/p>\n<h2>Einlagensicherung macht weitere Regulierung notwendig<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Theorie ist die Einlagensicherung g\u00fcnstig und effektiv. Leider f\u00fchrt sie zu neuen Moral-Hazard-Problemen. Wenn Sichtguthaben staatlich garantiert sind, spielt das Risiko bei der Er\u00f6ffnung eines Bankkontos keine Rolle mehr. Banken k\u00f6nnen in der Folge exzessive Risiken eingehen, um ihre Eigenkapitalrendite zu maximieren.&#13;<br \/>\nSiehe Buser, Chen und Kane (1981). Grossman (2001) belegt diesen Effekt empirisch. Bei Too big to fail-Banken ist dieses Problem akzentuiert, da bei ihnen nicht nur Sichteinlagen, sondern implizit alle Schulden vom Staat garantiert sind. Siehe dazu den Artikel von W\u00fcnsch auf Seite 8 ff. in dieser Ausgabe. Wenn sich das Risiko auszahlt, kommt der erzielte Gewinn den Anteilseignern und \u2013 je nach Verg\u00fctungssystem \u2013 den Mitarbeitenden zu. Im schlechten Fall haften die Banken nur bis zur H\u00f6he ihres Eigenkapitals. Ist dieses zu tief, m\u00fcssen die Schuldner der Bank Verluste hinnehmen. Im Falle einer Einlagensicherung springt der Staat \u2013 und damit der Steuerzahler \u2013 ein.Auf das sich aus der Einlagensicherung ergebende Moral-Hazard-Problem wurde mit Mindestkapitalanforderungen reagiert.&#13;<br \/>\nAufgrund stetig sinkender Eigenkapitalquoten wurde in den 1980er-Jahren die internationale Harmonisierung von Kapitalvorschriften f\u00fcr Banken unter dem sogenannten Basel Akkord (auch Basel I genannt) in Angriff genommen. W\u00e4hrend bei der Einlagensicherung die Interessen der Bank und des Regulators deckungsgleich sind, stimmen diese bei Kapitalvorschriften nicht \u00fcberein. Seit ihrer Einf\u00fchrung versuchen Banken, Kapitalvorschriften zu umgehen. Zum einen k\u00f6nnen Banken strengere Kapitalvorschriften mit riskanteren Investitionen unterwandern. Die vorgeschriebene Eigenkapitalquote sollte deshalb umso h\u00f6her ausfallen, je riskanter die Investitionen einer Bank sind.&#13;<br \/>\nBasel I beinhaltete bereits simple Regeln zur Risikogewichtung. Mit der Einf\u00fchrung von Basel II wurde unter anderem versucht, die Schw\u00e4chen dieser Regeln zu korrigieren. Diese Risikogewichtung erschwert die Ausgestaltung einer effektiven Regulierung enorm. Zum anderen haben Banken in der Verbriefung eine M\u00f6glichkeit gefunden, illiquide Kredite aus ihrer Bilanz zu entfernen und damit Kapitalvorschriften zu umgehen.&#13;<\/p>\n<h2>Schattenbanken \u00fcbernehmen die Aufgaben von traditionellen Banken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese Auslagerung traditioneller Bankaktivit\u00e4ten in einen sogenannten Schattenbanken-Sektor hat bereits in den 1970er-Jahren ihren Anfang genommen. Seither ist dieser weitgehend unregulierte Sektor stark gewachsen. Anfang der 1990er-Jahre beliefen sich die Verbindlichkeiten klassischer Banken und des Schattenbanken-Sektors auf je 3 Bio. US-Dollar.&#13;<br \/>\nVgl. Pozsar et al. (2012). Kurz vor Ausbruch der Krise stiegen die Verbindlichkeiten im Schattenbanken-Sektor auf knapp 22 Bio. US-Dollar an. Sie waren damit mehr als eineinhalbmal so gross wie die Verbindlichkeiten im klassischen Sektor.Die Umgehung von Kapitalvorschriften ist ein treibender Faktor dieser Entwicklung. Erm\u00f6glicht wurde dies aber erst durch den Einsatz von Informationstechnologien (IT). Im Schattenbankensektor werden illiquide Kredite in handelbare Wertpapiere transformiert. Die daf\u00fcr notwendigen Aktivit\u00e4ten \u2013 wie zum Beispiel die Verbriefung der Kredite, die Emission neuer Wertpapiere und deren Risikobewertung \u2013 k\u00f6nnen nur mit Hilfe von Computern bew\u00e4ltigt werden. Der Schattenbankensektor in seiner heutigen Form w\u00e4re ohne die gewaltigen Fortschritte der IT undenkbar.Der Schattenbanken-Sektor wurde in den letzten Jahren in mehreren Forschungspapieren analysiert.&#13;<br \/>\nPozsar et al. (2012) geben eine gute Einf\u00fchrung in die Thematik. F\u00fcr die Zwecke des vorliegenden Artikels ist die Fristentransformation in diesem Sektor von besonderem Interesse. Nachfolgend wird exemplarisch aufgezeigt, wie diese erfolgt.&#13;<br \/>\nDie folgenden Ausf\u00fchrungen konzentrieren sich auf die Rolle von Repos (in Anlehnung an Gorton und Metrick, 2012). In der Realit\u00e4t sind auch andere Kan\u00e4le wichtig (z.B. Money Market Mutual Funds oder Asset Backed Commercial Papers). Am Anfang stehen illiquide langfristige Kredite wie z.B. Hypotheken oder Studentenkredite, welche in neuen forderungsbesicherten Wertpapieren mit unterschiedlicher Kreditw\u00fcrdigkeit verbrieft werden. Diese Wertpapiere werden von Ratingagenturen bewertet.&#13;<br \/>\nF\u00fcr eine Einf\u00fchrung zu forderungsbesicherten Wertpapieren und der Rolle von Ratingagenturen, siehe Coval, Jurek und Stafford (2009). Siehe auch den Artikel von Adamek und Miremad auf Seite 24 ff. in dieser Ausgabe.Die bestbenoteten Wertpapiere k\u00f6nnen als Sicherheit in einer <i>R\u00fcckkaufvereinbarung (Repo)<\/i> verwendet werden. Ein Repo kann \u2013 vereinfacht gesagt \u2013 als kurzfristiger, mit Wertpapieren gesicherter Kredit bezeichnet werden. Der Marktwert der Sicherheit \u2013 in unserem Fall ein forderungsbesichertes Wertpapier mit langfristigen Krediten als Grundlage \u2013 und ein sogenannter <i>Haircut<\/i> bestimmen die H\u00f6he des Kredits. Der Haircut wird als Prozentanteil vom Marktwert der Sicherheit angegeben. Der maximal erh\u00e4ltliche Kredit wird um den Haircut verringert. Im Falle eines Zahlungsausfalls des Kreditnehmers kann der Kreditgeber die Sicherheit verkaufen, um seinen Verlust zu kompensieren. Durch den Haircut ist er zus\u00e4tzlich vor Preisschwankungen des als Sicherheit dienenden Wertpapiers gesch\u00fctzt. Folglich gibt es in normalen Zeiten kaum mehr ein Kreditrisiko. Die Fristigkeit eines Repos ist h\u00e4ufig sehr kurz, oftmals \u00fcber Nacht. Der Kreditgeber kann jederzeit sein Geld zur\u00fcckfordern. Ein Repo weist damit wesentliche Gemeinsamkeiten mit einer klassischen Sichteinlage auf: vernachl\u00e4ssigbares Kreditrisiko in normalen Zeiten und jederzeitige Verf\u00fcgbarkeit zum Nominalpreis. Wie bei einer traditionellen Bank werden mit diesen kurzfristigen Geldern langfristige Projekte finanziert.&#13;<\/p>\n<h2>Der Shadow Bank Run<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese Fristentransformation macht den Schattenbanken-Sektor \u2013 \u00e4hnlich wie den klassischen Bankensektor \u2013 anf\u00e4llig f\u00fcr Bank Runs. Ein solcher hat sich 2007 ereignet. Die relativ kleinen Verluste auf dem Subprime-Hypothekenmarkt haben zu einer grossen Verunsicherung unter den Marktteilnehmern gef\u00fchrt. Repos mit Wertpapieren, welche diese Hypotheken als Grundlage hatten, wurden nicht mehr erneuert bzw. es wurden h\u00f6here Haircuts verlangt. Zur Liquidit\u00e4tsbeschaffung wurde in der Folge versucht, diese Wertschriften auf dem Markt zu verkaufen. Der resultierende Preisrutsch f\u00fchrte zu noch h\u00f6heren Haircuts und schliesslich zu einer unerwarteten Kettenreaktion.&#13;<br \/>\nKurz vor der Krise meinte Ben Bernanke, Vorsitzender der US-Zentralbank, in einer Rede: \u00ab&#8230; and we do not expect significant spillovers from the subprime market to the rest of the economy or to the financial system.\u00bb (Bernanke, 2007). Selbst wenn die Panik im Schattenbankensektor nicht zu Schlangen vor Bankschaltern gef\u00fchrt hat, waren die Auswirkungen auf die Kreditvergabe massiv.&#13;<br \/>\nSiehe Ivashina und Scharfstein (2010) f\u00fcr eine empirische Analyse dieses Effektes.Um das globale Finanzsystem vor dem Kollaps zu retten, sahen sich die Zentralbanken gezwungen, als Lender of Last Resort aufzutreten. Da diese normalerweise nur klassische Banken mit Liquidit\u00e4t versorgen, mussten sie unkonventionelle Massnahmen ergreifen.&#13;<br \/>\nBernanke (2009) gibt einen guten \u00dcberblick \u00fcber die verschiedenen Massnahmen. So konnten die Preise der Wertpapiere stabilisiert und die Panik gestoppt werden. Doch damit dreht sich die Regulierungsspirale wieder ein St\u00fcck weiter (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Aufgrund des Einschreitens der Zentralbanken vertrauen Marktteilnehmer nun darauf, dass kurzfristige Verbindlichkeiten des Schattenbankensektors staatlich garantiert sind. Wieder ergibt sich ein Moral-Hazard-Problem, welches durch neue Regulierungen gel\u00f6st werden muss.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas urspr\u00fcngliche Marktversagen auf dem Finanzmarkt wird durch Finanzintermedi\u00e4re gemildert. Banken \u2013 wie auch der Schattenbankensektor \u2013 schaffen dabei geld\u00e4hnliche Finanzprodukte. Wenn das Vertrauen in diese Produkte schwindet, kann es zu Bank Runs kommen. Dadurch verlieren diese ihren geld\u00e4hnlichen Charakter, was zusammen mit der gest\u00f6rten Kreditvergabe zu grossen realwirtschaftlichen Verwerfungen f\u00fchrt. Der Staat kann einen solchen Zusammenbruch verhindern, indem er als Lender of Last Resort auftritt oder die Produkte so versichert, dass sie ihren geld\u00e4hnlichen Charakter beibehalten. Dies schafft allerdings ein Moral-Hazard-Problem, welches sich als erstaunlich schwierig zu regulieren herausgestellt hat.Seit mehr als 30 Jahren versuchen Experten auf internationaler Ebene, durch immer komplexere Eigenkapitalvorschriften dieses Problem zu l\u00f6sen. Mit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 m\u00fcssen diese Versuche als gescheitert angesehen werden. Trotz umfangreicher Regulierung hat sich wieder eine Panik auf dem Finanzmarkt ausgebreitet, welche das globale Wirtschaftssystem an den Rand des Abgrundes gef\u00fchrt hat. Die Frage nach der richtigen Regulierung des Finanzmarktes wird uns weiterhin besch\u00e4ftigen. Dabei wird sich zeigen, ob inkrementelle Verbesserungen bestehender Finanzmarktregulierungen den gew\u00fcnschten Erfolg bringen, oder ob eine radikale Neuausrichtung des Regulierungsansatzes n\u00f6tig ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abFinanzmarktversagen und die Rolle der Finanzintermediation\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abRegulierungsspirale: Zentrale Finanzmarktregulierungen und ihre ungewollten Auswirkungen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Wie lindern Banken das Marktversagen auf dem Finanzmarkt?a&#13;<\/p>\n<h3>Wie lindern Banken das Marktversagen auf dem Finanzmarkt?a<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBanken \u00fcberpr\u00fcfen potenzielle Kreditnehmer auf ihre Kreditw\u00fcrdigkeit. Dank dieses sogenannten <i>Screenings<\/i> kann adverse Selektion bei der Kreditvergabe vermieden werden. Wenn Banken einen Kredit geben, ist dieser oft an spezielle Vertragsbestimmungen und die Hinterlegung von Sicherheiten gebunden. W\u00e4hrend der Laufzeit \u00fcberpr\u00fcfen Banken die Einhaltung des Vertrages und den Wert der Sicherheiten. Diese Aktivit\u00e4t wird <i>Monitoring<\/i> genannt und hilft Moral Hazard auf Seiten des Kreditnehmers zu verhindern. Beide Aktivit\u00e4ten \u2013 Screening und Monitoring \u2013 sind kostspielig, aber unerl\u00e4sslich f\u00fcr die effiziente Vergabe von Krediten. Banken finanzieren diese T\u00e4tigkeit, indem sie einen h\u00f6heren Zins auf vergebene Kredite erheben, als sie auf Bankeinlagen bezahlen.Um Kredite zu vergeben, m\u00fcssen Banken Geld aufnehmen. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Banken und Investmentfonds. W\u00e4hrend sich letztere ausschliesslich mit Eigenkapital finanzieren, bieten erstere zus\u00e4tzlich Sichteinlagen an, welche jederzeit zum Nominalwert bezogen werden k\u00f6nnen. Banken halten ein breit diversifiziertes Portfolio an Krediten, und allf\u00e4llige Verluste werden bis zur H\u00f6he des Eigenkapitals von den Eigent\u00fcmern getragen. Deshalb haben Sichteinlagen in normalen Zeiten ein vernachl\u00e4ssigbares Kreditrisiko. Zusammen mit der jederzeitigen Verf\u00fcgbarkeit f\u00fchrt dies dazu, dass Sichteinlagen einen geld\u00e4hnlichen Charakter annehmen und damit Bankkunden gegen Liquidit\u00e4tsrisiken versichern. Die Bank finanziert langfristige Projekte, ohne dass Kreditgeber ihre Liquidit\u00e4t aufgeben m\u00fcssen (sogenannte Fristentransformation).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na F\u00fcr einen \u00dcberblick zur Mikro\u00f6konomie von Banken, siehe Freixas und Rochet (2008).&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Bernanke B. S. (1993): Credit in the Macroeconomy, Federal Reserve Bank of New York \u2013 Quarterly Review, 18, S. 50\u201370.\u2212 Bernanke B. S. (2007): The Subprime Mortgage Market, Rede gehalten am 17. May 2007 an der Federal Reserve Bank of Chicago\u2019s 43rd Annual Conference on Bank Structure and Competition. \u2212 Bernanke B. S. (2009): The Crisis and the Policy Response, Rede gehalten am 13. Januar 2009 an der London School of Economics.\u2212 Bryant J. (1980): A Model of Reserves, Bank Runs, and Deposit Insurance. Journal of Banking &amp; Finance, 4(4), S. 335\u2013344.\u2212 Buser S. A., Chen A. H., Kane E. J. (1981): Federal Deposit Insurance, Regulatory Policy, and Optimal Bank Capital, The Journal of Finance, 36(1): S. 51\u201360.\u2212 Coval J., Jurek J., Stafford E. (2009): The Economics of Structured Finance, Journal of Economic Perspectives, 23(1), S. 3\u201325.\u2212 Demirg\u00fc\u00e7-Kunt A., Karacaovali B., Laeven L. (2005): Deposit Insurance around the World: A Comprehensive Database, Policy Research Working Paper Nr. 3628, World Bank: Washington, DC.\u2212 Diamond D. W., Dybvig P. H. 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(2012): Shadow Banking, Federal Reserve Bank of New York &#8211; Staff Reports, Nr. 458.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr viele ist der Fall nach der Finanzkrise klar: Banken m\u00fcssen strenger reguliert werden. Vor diesem Hintergrund mag der Titel dieses Artikels \u00fcberraschen. In der Tat stand Deregulierung in den Jahren vor dem Ausbruch der Krise hoch im Kurs. Dies steht im Gegensatz zur langfristigen Entwicklung. Die Finanzmarktregulierung wird seit Jahrzehnten angepasst und ausgeweitet. 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