{"id":119469,"date":"2012-10-01T12:00:00","date_gmt":"2012-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/10\/rohner-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:26:28","modified_gmt":"2023-08-23T21:26:28","slug":"rohner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/10\/rohner\/","title":{"rendered":"Finanzmarktregulierung ist kein Selbstzweck"},"content":{"rendered":"<p>Die Finanzindustrie ist ein Kernelement unserer Volkswirtschaft, und ein funktionierendes Finanzsystem ist unabdingbar f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung und Wachstum. Damit die Banken ihre unterst\u00fctzende Rolle f\u00fcr Privat- und Firmenkunden effektiv wahrnehmen k\u00f6nnen und das Funktionieren des Finanzsystems sichergestellt ist, bedarf es einer sinn- und massvollen Regulierung der Finanzdienstleister. F\u00fcr ein optimales Zusammenspiel von Finanzplatz und Wirtschaft, so die nachfolgend ausgef\u00fchrten zwei Thesen, muss daher einerseits die Balance zwischen Systemstabilit\u00e4t und Wirtschaftswachstum stimmen. Andererseits m\u00fcssen f\u00fcr Banken die gleichen Marktmechanismen gelten wie f\u00fcr jedes andere Unternehmen auch.&#13;<\/p>\n<h2>Balance von Stabilit\u00e4t und Wirtschaftswachstum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nRegulierungsfolgeabsch\u00e4tzungen untersuchen regelm\u00e4ssig die Auswirkungen von neuen Vorlagen auf die Volkswirtschaft. Im Falle der Finanzindustrie werden die hohen Regulierungskosten jeweils den gravierenden volkswirtschaftlichen Auswirkungen der ungeordneten Abwicklung eines grossen Finanzinstituts gegen\u00fcbergestellt. Um die Regulierungskosten m\u00f6glichst tief und gleichzeitig die volkswirtschaftlichen Auswirkungen m\u00f6glichst gering zu halten, ist es unabdingbar, die Summe aller \u00c4nderungen der Finanzmarktregulierung in der Kostenbestimmung zu ber\u00fccksichtigen. Einzelne Regulierungsvorhaben \u2013 wie die neuen Bestimmungen f\u00fcr die systemrelevanten Banken \u2013 wurden untersucht und deren Kosten-Nutzen-Abw\u00e4gung positiv beurteilt. Demgegen\u00fcber blieben andere Aspekte der Finanzmarktregulierung \u2013 wie zum Beispiel die zahlreichen \u00c4nderungen zur Berechnung der Kapitalunterlegung \u2013 nicht gen\u00fcgend ber\u00fccksichtigt. So nachvollziehbar die Gr\u00fcnde f\u00fcr die einzelnen Regel\u00e4nderungen auch sein m\u00f6gen: Ihr Nutzen muss die Kosten mindestens ausgleichen k\u00f6nnen, soll damit kein nachhaltiger Wettbewerbsnachteil f\u00fcr die heimischen Finanzdienstleister geschaffen werden. Dies ist umso wichtiger, als sich die Finanzmarktregulierung in den einzelnen L\u00e4ndern ungleich entwickelt. Die f\u00fcr alle Akteure verbindlichen Vorgaben des Basler Ausschusses werden unterschiedlich interpretiert, und die nationale Umsetzung erfolgt unterschiedlich schnell. Entsprechend wichtig ist es, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Banken zu erhalten. Diese leisten einen bedeutenden Beitrag an die Schweizer Volkswirtschaft und tragen zur Attraktivit\u00e4t des Wirtschaftsstandortes bei. Die globale Ausrichtung der Schweizer Wirtschaft ist zudem auf international t\u00e4tige Banken angewiesen. Aufgrund der besonderen Bedeutung des Finanzsektors in der Schweiz sind von der Branche auch \u00fcber die Basler Mindestanforderungen hinausgehende Regulierungen zu akzeptieren, solange diese die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit nicht nachhaltig beeintr\u00e4chtigen. Der Wirtschaftsstandort Schweiz w\u00fcrde zweifellos darunter leiden, wenn einige zentrale Bankdienstleistungen f\u00fcr international t\u00e4tige Schweizer Unternehmen nur noch von Auslandsbanken ausserhalb der Schweiz angeboten werden k\u00f6nnten.&#13;<\/p>\n<h2>Gleiche Marktmechanismen f\u00fcr alle Unternehmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnter der Federf\u00fchrung des Financial Stability Board (FSB) haben die grossen Finanzpl\u00e4tze der Welt \u2013 darunter die Schweiz \u2013 im Zusammenhang mit der Too-big-to-fail-Problematik (TBTF) Standards entwickelt, welche detailliert die Planung der Abwicklung von Grossbanken regeln (sog. <i>Recovery and Resolution Plans<\/i>). Dieser von den Banken mit grossem Aufwand mitgetragene Prozess schafft Transparenz und die notwendigen Instrumente f\u00fcr eine geordnete Abwicklung der Finanzinstitute. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Recovery and Resolution Plans ist die internationale Zusammenarbeit der Aufsichtsbeh\u00f6rden und der f\u00fcr die Abwicklung zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden. Kooperation ist auch eine entscheidende Voraussetzung, um auf globaler Ebene eine volkswirtschaftlich ineffiziente Duplizierung von Vorschriften und die damit verbundenen Kosten zu vermeiden. Auf der Grundlage der Standards des FSB und den Vorgaben f\u00fcr die internationale Zusammenarbeit der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden ist eine geordnete globale Abwicklung der Grossbanken m\u00f6glich. Entsprechend wird die Bewertung der Regulierungsfolgekosten auf eine neue Stufe gestellt: Regulierungskosten sollten prim\u00e4r mit den Kosten eines geordneten Marktaustritts einer Bank verglichen werden und nicht mit den Kosten einer ungeordneten Insolvenz.Die Finanzmarktregulierung entwickelt sich weiter \u2013 im Bereich der Banken, der Versicherungen und auch der Schattenbanken. Das schwierige wirtschaftliche Umfeld verlangsamt das Tempo in einigen L\u00e4ndern, und wir beobachten, dass Standards unterschiedlich interpretiert werden. Vor diesem Hintergrund sollte auch die Schweiz neue \u2013 d.h. \u00fcber die bereits beschlossenen und von den Banken mitgetragenen Vorschriften zu TBTF hinausgehende \u2013 Regulierungen an diesen beiden Thesen messen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Finanzindustrie ist ein Kernelement unserer Volkswirtschaft, und ein funktionierendes Finanzsystem ist unabdingbar f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung und Wachstum. Damit die Banken ihre unterst\u00fctzende Rolle f\u00fcr Privat- und Firmenkunden effektiv wahrnehmen k\u00f6nnen und das Funktionieren des Finanzsystems sichergestellt ist, bedarf es einer sinn- und massvollen Regulierung der Finanzdienstleister. 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