{"id":119479,"date":"2012-10-01T12:00:00","date_gmt":"2012-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/10\/staub-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:26:44","modified_gmt":"2023-08-23T21:26:44","slug":"staub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/10\/staub\/","title":{"rendered":"Bankenregulierung \u00e0 gogo? Eine kritische Standortbestimmung"},"content":{"rendered":"<p>Als Reaktion auf die Finanzkrise sind mittlerweile zahlreiche und gewichtige regulatorische Projekte beschlossen worden oder sogar bereits in Kraft getreten. Der vorliegende Beitrag nimmt thesenartig eine \u00fcberblicksartige Lagebeurteilung aus \u00f6konomischer Sicht vor. Dabei stehen Eigenkapital- und Liquidit\u00e4tsregulierung exemplarisch im Vordergrund. Von zentraler Bedeutung sind das Konzept der makroprudenziellen Regulierung, die anreizvertr\u00e4gliche Ausgestaltung regulatorischer Anforderungen sowie Sorgfalt beim Design der neuen Liquidit\u00e4tsregulierung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWer die internationale Diskussion zu verschiedenen Neuerungen und Vorschl\u00e4gen im Bereich der Banken- und Finanzmarktregulierung der letzten Monate verfolgt hat, wird sich kaum des Eindrucks eines gewissen Aktivismus, mindestens eines bisher nicht gesehenen Aktivit\u00e4tsniveaus, erwehren k\u00f6nnen. Auch in der Schweiz sind massive Versch\u00e4rfungen der Banken- und Finanzmarktregulierung zu beobachten. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Es wird hier nicht die Meinung vertreten, dass diese Initiativen generell als \u00fcbertrieben zu kritisieren seien. Vielmehr muss der Akzent in der Folge auf einer vern\u00fcnftigen Umsetzung und auf einer soliden Konsolidierung liegen.&#13;<\/p>\n<h2>Ausgangslage: Zwischen zwei Phasen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm l\u00e4ngerfristigen \u00dcberblick befinden wir uns momentan an einem interessanten Punkt. Mit den Beschl\u00fcssen von Bundesrat und Finma vom Fr\u00fchsommer dieses Jahres ist der Bereich der Eigenkapitalregulierung in mehrerlei Hinsicht neu definiert worden. Dazu z\u00e4hlen die schweizerische Umsetzung von Basel III (Stufen Eigenmittelverordnung, ERV, und verschiedene Finma-Rundschreiben), das schweizerische Massnahmenpaket zu \u00abToo big to fail\u00bb (Bankengesetz, Bankenverordnung und ERV), die Revision der spezifischen Eigenmittelunterlegung im Hypothekargesch\u00e4ft (ERV) sowie die Einf\u00fchrung eines, allerdings bisher nicht aktivierten, antizyklischen Eigenkapitalpuffers (ERV). W\u00e4hrend also bis heute die Regulierung des Eigenkapitals im Zentrum stand, wird es \u2013 international wie national \u2013 in einer n\u00e4chsten Phase insbesondere um die Revision der Liquidit\u00e4tsregulierung (Verordnung und Finma-Rundschreiben) gehen.Anstelle einer Darstellung der einzelnen Inhalte dieser Regulierungsvorhaben soll hier in Form von drei Thesen auf grundlegende Aspekte der bisherigen und absehbaren weiteren Entwicklung hingewiesen werden:\u2212 <i>Systemrisiko und makroprudenzielle Regulierung:<\/i> Die Finanzkrise hat eindr\u00fccklich illustriert, dass ein System von stabilen Banken nicht auch automatisch ein stabiles Bankensystem garantiert. F\u00fcr die Flankierung des bisherigen mikroprudenziellen Regulierungsansatzes mit makroprudenzieller Regulierung bestehen in der Tat gute Gr\u00fcnde. Dabei darf aber das Argument der Verbesserung der Systemstabilit\u00e4t nicht unreflektiert zur Begr\u00fcndung beliebiger Versch\u00e4rfungen herangezogen werden. Makroprudenzielle Instrumente \u2013 wie beispielsweise der neue antizyklische Kapitalpuffer \u2013 bed\u00fcrfen vielmehr einer klaren, \u00f6konomisch fundierten Motivation.\u2212 <i>Anreizvertr\u00e4glichkeit:<\/i> Die rechtliche, \u00f6konomische und politische Komplexit\u00e4t der verschiedenen Regulierungsans\u00e4tze darf nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass auch neue Massnahmen anreizvertr\u00e4glich ausgestaltet sein m\u00fcssen. Mit Fehlanreizen, beispielsweise f\u00fcr eine Verlagerung bestimmter Gesch\u00e4fte in nicht oder wenig regulierte Bereiche des Finanzdienstleistungssektors (Shadow Banking), w\u00e4re der legitimen Zielsetzung einer erh\u00f6hten Systemstabilit\u00e4t nicht gedient. \u00dcberlegungen zu solchen Anreizeffekten wird insk\u00fcnftig erh\u00f6htes Gewicht zukommen m\u00fcssen.\u2212 <i>Liquidit\u00e4t:<\/i> Die Umsetzung der Liquidit\u00e4tsanforderungen von Basel III wird voraussichtlich zu substanziellen \u00c4nderungen gegen\u00fcber dem heutigen schweizerischen Liquidit\u00e4tsregime f\u00fchren. Mit der geplanten Einf\u00fchrung einer (kurzfristigen) <i>Liquidity Coverage Ratio (LCR)<\/i> und einer l\u00e4ngerfristigen <i>Net Stable Funding Ratio (NSFR)<\/i> wird die Liquidit\u00e4tsregulierung neu konzipiert. Eine angemessene Differenzierung je nach Ausgangslage einzelner Bankengruppen und Institute (Proportionalit\u00e4tsprinzip) sowie ein sorgf\u00e4ltiger Mix aus quantitativen Vorgaben (Liquidit\u00e4ts-Minima) und qualitativen Standards (Liquidit\u00e4ts-Management) werden dabei entscheidend sein.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick: Zusammenarbeit n\u00f6tig<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine ungebremste Fortsetzung der bisherigen Regulierungsdynamik ohne Ber\u00fccksichtigung m\u00f6glicher wettbewerbspolitischer Implikationen w\u00e4re kaum zielf\u00fchrend. Deshalb bleibt von hoher Relevanz, dass die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Schweizer Finanzplatzes explizit eine Zielvariable der schweizerischen Regulierung bildet. Daf\u00fcr ist die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Regulatoren und Regulierten weiterhin eine zentrale Voraussetzung.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Reaktion auf die Finanzkrise sind mittlerweile zahlreiche und gewichtige regulatorische Projekte beschlossen worden oder sogar bereits in Kraft getreten. Der vorliegende Beitrag nimmt thesenartig eine \u00fcberblicksartige Lagebeurteilung aus \u00f6konomischer Sicht vor. Dabei stehen Eigenkapital- und Liquidit\u00e4tsregulierung exemplarisch im Vordergrund. 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