{"id":119489,"date":"2012-10-01T12:00:00","date_gmt":"2012-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/10\/vincenz-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:26:36","modified_gmt":"2023-08-23T21:26:36","slug":"vincenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/10\/vincenz\/","title":{"rendered":"Regulierung ist kein Naturgesetz"},"content":{"rendered":"<p>Regeln ordnen ein Spiel. \u00c4hnlich sollte es sich mit den Regeln f\u00fcr die Wirtschaft verhalten. Politisch entschiedene Regeln sollten Freiheit, Verl\u00e4sslichkeit und Flexibilit\u00e4t f\u00fcr das Wirtschaften gew\u00e4hrleisten. Regulierung ist (auch) das Ergebnis der Politikmechanismen: Es passiert etwas. Darauf reagiert die Politik mit neuen Regeln, \u00fcblicherweise Einengungen. Dahinter steckt der Glaube und die Hoffnung, Probleme, wie sie in der Zukunft auftauchen, w\u00fcrden mit alten Rezepten zu l\u00f6sen sein. Mit allergr\u00f6sster Wahrscheinlichkeit halten sich neue Bedrohungen aber nicht an Krisenregulierungsmechanismen, wie sie Politik, Finma, SNB oder Finanzunternehmen in ihren Szenarien vorsehen. K\u00fcnftige Probleme werden neue Probleme sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTrifft diese Analyse zu, so w\u00e4re (politische) Flexibilit\u00e4t notwendig, um auf neue Probleme und Krisen mit ad\u00e4quaten Massnahmen zu reagieren. Freiheit und Flexibilit\u00e4t aber kann die Politik, welche die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Wirtschaft festlegt, nur zugestehen, wenn gegenseitiges Vertrauen besteht. Da haben wir in der Schweiz mit dem verbreiteten Misstrauen gegen\u00fcber der Bankenbranche ein Problem. Doch mehr Regulierungen sind kein tauglicher L\u00f6sungsansatz. Sie bringen verlorenes Vertrauen nicht zur\u00fcck. Die zahlreichen laufenden Regulierungsprojekte bringen Banken schon heute an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Das Branchenblatt \u00abSchweizer Bank\u00bb schreibt in der September-Ausgabe 2012, Seite 12: \u00abSie [die Banken] sind (\u2026) gut beraten, wenn sie den Umgang mit Regulierungen k\u00fcnftig als Kernkompetenz wahrnehmen.\u00bb Bei Raiffeisen sind wir noch immer davon \u00fcberzeugt, dass die Kernkompetenz einer Bank anderswo liegt. 80% unseres Gesch\u00e4fts sind nach wie vor simpel: Wir nehmen Einlagen entgegen, gew\u00e4hren Kredite und stellen den Zahlungsverkehr sicher. Das ist f\u00fcr das Volk nachvollziehbar.&#13;<\/p>\n<h2>Agieren statt Reagieren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKrisen und Regulierungen geh\u00f6ren zusammen, wie Huhn und Ei. Wobei nicht definitiv gekl\u00e4rt ist, wer zuerst da war. Bei Raiffeisen f\u00fchrte die zunehmende Regulierung dazu, dass sich die Compliance-Aufwendungen seit 2007 zumindest verdoppelt haben. Seit 2002 sind die Kosten f\u00fcr den Ausbau der Kernkompetenz Regulierung um mindestens 400% gestiegen. Dieser Kostenanstieg \u2013 verursacht durch die Huhn-EiKrisen-Regulierungs-Problematik \u2013 ist aber kein Naturgesetz. Hier k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir vom Modus des Reagierens sofort umschalten auf politisches Agieren. Dabei heisst die erste und zentrale Frage: Welchen Finanzplatz wollen wir?Gemeinsam m\u00fcssen wir \u2013 B\u00fcrger, Bankkunden, Banken, Realwirtschaft, Interessenverb\u00e4nde, Parlamentarier, Bundesrat \u2013 die richtige Antwort finden. Speziell gefordert sind die Vertreter der Banken. Wir m\u00fcssen mit den Leuten \u2013 dem Souver\u00e4n \u2013 reden, und zwar direkt. Wenn die Bankenbranche sich gegen\u00fcber den politischen Entscheidungstr\u00e4gern ernsthaft zeigt, und wenn sie bereit ist, Zugest\u00e4ndnisse zu machen, stehen ihr viele M\u00f6glichkeiten offen. Der Schweizer Politik und den B\u00fcrgern ist die Bedeutung des Sektors f\u00fcr den Wohlstand des Landes bewusst. Es liegt an den Banken, ihre politische Verantwortung im offenen Dialog wahrzunehmen.&#13;<\/p>\n<h2>Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Banken haben wieder ein Vertrauensverh\u00e4ltnis zur Bev\u00f6lkerung und zu den politischen Entscheidungstr\u00e4gern herzustellen. Das ist die Hauptherausforderung der n\u00e4chsten Jahre, wenn wir den Finanzplatz st\u00e4rken wollen. Zudem gilt es, unsere Position in Bezug auf Europa zu definieren. Der Schweizer Finanzplatz will und soll sich nicht isolieren. Daher ist es sinnvoll, in Zukunft bei der Gesetzgebung und Regulierung grunds\u00e4tzlich auf den sogenannten \u00abSwiss Finish\u00bb zu verzichten. Die Schweiz und ihr Finanzplatz sollen sich an die internationalen Standards halten. Die Entstehung und Konkretisierung dieser Regeln in den Internationalen Organisationen wollen und m\u00fcssen wir aber intensiv mitgestalten. Wenn die Regeln demokratisch beschlossen sind, setzen wir sie um. Das ist ein wichtiger Grundsatz, dem wir bei der Entwicklung unserer neuen Finanzmarktstrategie nachleben sollten. Er tr\u00e4gt dazu bei, die Flut der hausgemachten Regulierungen einzud\u00e4mmen. Regulierung ist nicht Selbstzweck. Finanzmarktregulierung ist dann gut, wenn sie im beidseitigen Interesse realisiert werden kann: Kunden und Banken, Wirtschaft und Banken, Schweizer Institutionen und Banken. Die Grundhaltung des beidseitigen Nutzens ist zu verteidigen \u2013 auch gegen den internationalen Regulierungsdruck und sein altes Diktum: Vertrauen ist gut, Regulierung und Kontrolle sind besser. Die politische Regulierungsrichtlinie einer selbstbewussten Schweiz muss lauten: Kontrolle ist wichtig, Vertrauen ist besser. F\u00fcr eine souver\u00e4ne Schweiz ist dies eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, auch wenn daf\u00fcr einige Banken und Regulierer noch Hausaufgaben zu machen haben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regeln ordnen ein Spiel. \u00c4hnlich sollte es sich mit den Regeln f\u00fcr die Wirtschaft verhalten. Politisch entschiedene Regeln sollten Freiheit, Verl\u00e4sslichkeit und Flexibilit\u00e4t f\u00fcr das Wirtschaften gew\u00e4hrleisten. Regulierung ist (auch) das Ergebnis der Politikmechanismen: Es passiert etwas. Darauf reagiert die Politik mit neuen Regeln, \u00fcblicherweise Einengungen. Dahinter steckt der Glaube und die Hoffnung, Probleme, wie [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3247,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[67],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[96,154],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3247,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Vorsitzender der Gesch\u00e4ftsleitung der Raiffeisen Gruppe","seco_author_post_occupation_fr":"Pr\u00e9sident de la direction du groupe Raiffeisen","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":119492,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"7381","post_abstract":"","magazine_issue":"20121001","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54ec3497caf13"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119489"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3247"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=119489"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119489\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127363,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119489\/revisions\/127363"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3247"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=119489"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=119489"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=119489"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=119489"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=119489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}