{"id":119509,"date":"2012-09-01T12:00:00","date_gmt":"2012-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/09\/atteslander-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:27:11","modified_gmt":"2023-08-23T21:27:11","slug":"atteslander-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/09\/atteslander-3\/","title":{"rendered":"Zugang zu Asiens M\u00e4rkten wird immer wichtiger f\u00fcr die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Zum ersten Mal entwickelt die Schweiz eine Aussenwirtschaftsstrategie, die sich auf einen Kontinent bezieht. Woran liegt das? Asien hat sich in den vergangenen 30 Jahren zu einem der Schwerpunkte der Weltwirtschaft entwickelt. Die Region w\u00e4chst st\u00e4rker als Europa oder Amerika. Im aktuellen World Economic Outlook prognostiziert der IWF f\u00fcr die Emerging Countries Asiens f\u00fcr das Jahr 2013 ein Wirtschaftswachstum von 7,5%, angef\u00fchrt von China mit 8,5%. F\u00fcr die USA betragen die Prognosen 2,3%, f\u00fcr Japan 1,5% und die Eurozone 0,7%. Auch wenn der asiatische Raum noch nicht die Rolle der Lokomotive der Weltwirtschaft einnimmt, so ist doch davon auszugehen, dass er in den kommenden Jahren stark an Bedeutung gewinnen wird \u2013 wirtschaftlich und in der Folge auch geopolitisch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAngesichts der Vielfalt Asiens kann nicht von einem homogenen Wirtschaftsraum gesprochen werden. Dennoch ist eine aussenwirtschaftspolitische Strategie zur Festlegung der Priorit\u00e4ten sinnvoll. Dabei ist es von Vorteil, wenn die langfristigen Entwicklungen ber\u00fccksichtigt werden. Wie hat sich dieser wirtschaftliche Aufbruch Asiens auf die Schweiz als Exportnation ausgewirkt? Die Schweizer Aussenwirtschaft wurde schon relativ fr\u00fch in der Region aktiv. Japan wurde vom harten Konkurrenten zu einem wichtigen Kunden f\u00fcr Schweizer Industrie- und Konsumg\u00fcter sowie f\u00fcr Dienstleistungen. Die ersten Joint Ventures in China wurden von Schweizer Firmen unternommen. Insgesamt macht Asien heute rund 20,6% der Schweizer Exporte und 12,7% der Schweizer Direktinvestitionen aus. Die Wachstumsraten sind sehr hoch. Von 2000 bis 2010 nahm der Export nach China um rund 430% auf 7,5 Mrd. und nach Indien um 290% auf 2,6 Mrd. Franken zu.&#13;<\/p>\n<h2>Asien auf dem Weg zum Innovationsstandort<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer wirtschaftliche Aufstieg Asiens wird nachhaltige Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Es ist daher davon auszugehen, dass Asiens Anteil am Schweizer Handel und an den Direktinvestitionen weiterhin zunehmen wird. Gleichzeitig wird mit dem quantitativen Wachstum auch die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit Asiens steigen. Fazit: Nicht nur Absatzm\u00e4rkte und die Anzahl m\u00f6glicher Kunden werden in Asien stark zunehmen, sondern auch die Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t der Konkurrenten. Der globale Vergleich der j\u00e4hrlichen Absolventen in Mathematik und Naturwissenschaften weist auf das Innovationspotenzial der Region hin (siehe <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>F\u00fchrende Position Asiens in der naturwissenschaftlichen Ausbildung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Anzahl der j\u00e4hrlichen Absolventen in Mathematik und Naturwissenschaften betr\u00e4gt in Indien 690&nbsp;000, in China 530&nbsp;000 und in Japan 350 000; in der EU sind es 470&nbsp;000 und in den USA 420&nbsp;000 (Quelle: Ernst&amp;amp;Young, Assocham; 2009).Asien bildet demnach \u00fcber 60% der f\u00fcr Forschung und Entwicklung relevanten Absolventen aus. Nat\u00fcrlich sind Qualit\u00e4tsunterschiede in der Ausbildung zu ber\u00fccksichtigen. Dennoch zeigt der Vergleich das Potenzial Asiens, in der globalen Arbeitsteilung in Bereiche mit h\u00f6herer Wertsch\u00f6pfung vorzustossen. F\u00fcr die Schweiz als Forschungsstandort ist diese Entwicklung wichtig f\u00fcr eine aussenwirtschaftspolitische Strategiediskussion.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).In struktureller Hinsicht wird der nach wie vor grosse Nachholbedarf vieler asiatischer L\u00e4nder die Nachfrage nach Schweizer Produkten bestimmen. Dies betrifft Ausr\u00fcstungsg\u00fcter f\u00fcr die Industrie und Infrastrukturen, aber auch die Energie- und Wasserversorgung sowie das Gesundheitswesen. Je mehr es in Asien Unternehmen in Hightech-Branchen gibt, desto gr\u00f6sser wird auch die dortige Nachfrage nach Hightech-Komponenten aus der Schweiz sein. Das steigende Pro-Kopf-Einkommen spiegelt die Entstehung einer kaufkr\u00e4ftigen Mittelschicht. Dies wiederum hat positive Nachfrageeffekte auf unsere Konsumg\u00fcter, Finanzdienstleistungen und den Tourismus. Die Schweiz hat hier eine gute Ausgangsposition, da der asiatische Raum als sehr qualit\u00e4ts- und markenbewusst gilt.Bei der Betrachtung des aussenwirtschaftlichen Datenkranzes f\u00e4llt die hohe Konzentration auf wenige L\u00e4nder Asiens auf: Japan und China kommen zusammen auf einen Anteil von 60% am Handel mit Asien; bei den Direktinvestitionen betr\u00e4gt der entsprechende Anteil von Japan, China und Singapur 56%.&#13;<\/p>\n<h2>Anmerkungen zu den strategischen Zielen und Massnahmen auf Bundesebene<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAsien ist ein \u00e4usserst vielf\u00e4ltiger Kontinent mit grossen Unterschieden zwischen den einzelnen L\u00e4ndern. Auch innerhalb der L\u00e4nder bestehen grosse Divergenzen, beispielsweise zwischen Stadt und Land oder zwischen den Ethnien. Eine Gesamtstrategie des Bundes f\u00fcr ganz Asien ist daher auf ein paar wenige Hauptziele zu beschr\u00e4nken. Die einzelnen Teilstrategien sind dann jeweils an die spezifischen Gegebenheiten eines bestimmten Landes anzupassen. Solche aussenwirtschaftspolitischen Hauptziele k\u00f6nnten aus Sicht der Wirtschaft folgende Punkte enthalten: \u2013 Markt\u00f6ffnung und Rechtssicherheit;\u2013 Verbreiterung der Anzahl Unternehmen mit Aktivit\u00e4ten in Asien;\u2013 Ausbau der Zusammenarbeit im Forschungsbereich.&#13;<\/p>\n<h2>Markt\u00f6ffnung und Rechtssicherheit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Markt\u00f6ffnung ist durch den Abschluss von Freihandelsabkommen zu verbessern. Dieser Punkt ist in der Asienstrategie des Bundesrates enthalten. Bestehende Freihandelsabkommen sind in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden aufzudatieren. Die Schweizer Aussenwirtschaftsdiplomatie sollte hierbei eine Qualit\u00e4tsstrategie verfolgen. Auch bei den grossen Emerging Countries Asiens sind m\u00f6glichst umfassende Reduktionen der Z\u00f6lle und der nicht-tarif\u00e4ren Handelshemmnisse anzustreben. Auch Verbesserungen beim Schutz von geistigem Eigentum sind dringend notwendig. Dieser Punkt ist zentral f\u00fcr die Rechtssicherheit. H\u00e4ufig ist die Umsetzung bestehender nationaler Gesetze und internationaler Verpflichtungen ungen\u00fcgend.Neben den grossen sind auch die mittleren und kleineren L\u00e4nder Asiens potenziell wichtige Partner f\u00fcr Handel und Direktinvestitionen. Deshalb ist auch hier der Ausbau der Freihandelsabkommen fortzusetzen. Ein wichtiger Bereich der Rechtssicherheit sind Investitionsschutzabkommen. Die Schweiz hat hier ein gutes Netz, das weiterentwickelt werden sollte. Gute Investitionsschutzabkommen sind ein wichtiger Standortvorteil der Schweiz f\u00fcr multinationale Unternehmen.&#13;<\/p>\n<h2>Verbreiterung der Anzahl Unternehmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Wirtschaftsbeziehungen mit Asien entfallen auf relativ wenige Firmen. Dies sollte sich langfristig \u00e4ndern. Dabei gibt es zwei Stossrichtungen: \u2212 Erstens durch die <i>klassische Exportf\u00f6rderung mittels Information.<\/i> Um dies zu erreichen, ist die Zusammenarbeit zwischen Bund, Aussenhandelskammern und Osec auszubauen. Ein Ziel wird hier das vermehrte Angebot von branchenspezifischem Know-how sein, da es f\u00fcr die KMU sehr wichtig ist. \u2212 Zweitens sind <i>vermehrte Bem\u00fchungen zur Ansiedelung von asiatischen Unternehmen in der Schweiz<\/i> notwendig. Die enorme wirtschaftliche Dynamik wird von den dortigen multinationalen Unternehmen getragen. Je besser es der Schweiz gelingt, vermehrt Tochtergesellschaften von asiatischen Konzernen anzusiedeln, desto eher werden diese Kundenbeziehungen zu Schweizer Unternehmen aufbauen. Die \u00abzweite Welle der Globalisierung\u00bb wird stark vom internationalen Standortwettbewerb um die Ansiedelung asiatischer Unternehmen gepr\u00e4gt sein. So betrachtet ist die Standortpolitik ein wichtiger Teil der aussenwirtschaftspolitischen Asienstrategie der Schweiz.&#13;<\/p>\n<h2>Ausbau der Zusammenarbeit im Forschungsbereich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit zunehmender Industrieproduktion wird auch die Nachfrage vieler asiatischer L\u00e4nder nach umweltvertr\u00e4glichen Produkten und Produktionsprozessen zunehmen. Hier d\u00fcrften sich f\u00fcr viele Unternehmen neue Marktpotenziale er\u00f6ffnen. Angesichts der ausgepr\u00e4gten Investitionen in die naturwissenschaftliche Ausbildung wird auch eine engere Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung anzustreben sein. In L\u00e4ndern mit ungen\u00fcgendem Schutz von Markten- und Patentrechten wird sich diese Zusammenarbeit eher auf die Grundlagenforschung fokussieren.&#13;<\/p>\n<h2>Herausforderungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Umsetzung der Asienstrategie wird hohe Anforderungen an die Schweizer Wirtschaftsdiplomatie stellen. Entsprechende Ressourcen sind mittel- bis langfristig aufzubauen. Bei der L\u00e4nderaufstellung in der Asienstrategie f\u00e4llt das Fehlen Australiens und Neuseelands auf. Australien ist wirtschaftlich betrachtet Teil des asiatischen Raumes und ein attraktiver Wirtschaftsstandort. Die Kontakte auf Regierungsebene sollten daher intensiviert werden. In die Asienstrategie einbezogen werden sollten auch asiatische Staatsunternehmen, da sie ein vergleichsweise grosses Gewicht haben und in vielen Wirtschaftsbereichen sowie im Export aktiv sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abHandelsexporte und Direktinvestitionen der Schweiz, 2010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Asiatischer Erfolg dank marktwirtschaftlicher Reformen&#13;<\/p>\n<h3>Asiatischer Erfolg dank marktwirtschaftlicher Reformen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer wirtschaftliche Aufstieg der Region wurde haupts\u00e4chlich durch zwei Faktoren ausgel\u00f6st: Viele L\u00e4nder der Region haben mit marktwirtschaftlichen Reformen und dem sp\u00e4teren WTO-Beitritt einen ungeahnten Wachstumsschub ausgel\u00f6st. Hier sind besonders China und Indien zu nennen. Bereits vorher haben sich Japan und S\u00fcdkorea \u00e4usserst erfolgreich in die Weltwirtschaft integriert. Gleichzeitig reduzierten sich Zahl und Intensit\u00e4t der zwischen- und innerstaatlichen Konflikte, was die politische Stabilit\u00e4t zugunsten der Rechtssicherheit erh\u00f6hte. Neben den marktwirtschaftlichen Reformen in Inland haben die meisten asiatischen L\u00e4nder eine Politik der aussenwirtschaftlichen \u00d6ffnung verfolgt. In einer ersten Phase wurden gezielt ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen angezogen \u2013 h\u00e4ufig in Sonderzonen mit tiefen Zolls\u00e4tzen. Dadurch konnten westliche Technologien importiert werden, was Voraussetzung f\u00fcr einen nachhaltigen Wissenstransfer wurde. Der grosse Erfolg von Japan, S\u00fcdkorea und Taiwan nach dem Zweiten Weltkrieg hat weitere L\u00e4nder der Region motiviert, ebenfalls wachstumsfreundliche Rahmenbedingungen f\u00fcr ihre Volkswirtschaften zu schaffen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: F\u00fchrende Position Asiens in der naturwissenschaftlichen Ausbildung&#13;<\/p>\n<h3>F\u00fchrende Position Asiens in der naturwissenschaftlichen Ausbildung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Anzahl der j\u00e4hrlichen Absolventen in Mathematik und Naturwissenschaften betr\u00e4gt in Indien 690&nbsp;000, in China 530&nbsp;000 und in Japan 350 000; in der EU sind es 470&nbsp;000 und in den USA 420&nbsp;000 (Quelle: Ernst&amp;Young, Assocham; 2009).Asien bildet demnach \u00fcber 60% der f\u00fcr Forschung und Entwicklung relevanten Absolventen aus. Nat\u00fcrlich sind Qualit\u00e4tsunterschiede in der Ausbildung zu ber\u00fccksichtigen. Dennoch zeigt der Vergleich das Potenzial Asiens, in der globalen Arbeitsteilung in Bereiche mit h\u00f6herer Wertsch\u00f6pfung vorzustossen. F\u00fcr die Schweiz als Forschungsstandort ist diese Entwicklung wichtig f\u00fcr eine aussenwirtschaftspolitische Strategiediskussion.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum ersten Mal entwickelt die Schweiz eine Aussenwirtschaftsstrategie, die sich auf einen Kontinent bezieht. Woran liegt das? Asien hat sich in den vergangenen 30 Jahren zu einem der Schwerpunkte der Weltwirtschaft entwickelt. Die Region w\u00e4chst st\u00e4rker als Europa oder Amerika. 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