{"id":119524,"date":"2012-09-01T12:00:00","date_gmt":"2012-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/09\/delbiaggio-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:26:56","modified_gmt":"2023-08-23T21:26:56","slug":"delbiaggio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/09\/delbiaggio\/","title":{"rendered":"Regional\u00f6konomische Auswirkungen von Firmenansiedlungen"},"content":{"rendered":"<p>Ansiedlungen von Firmen aus dem Ausland sind \u00f6konomisch erw\u00fcnscht, da sie im Inland zur Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen und zur Entstehung von Wertsch\u00f6pfung f\u00fchren. Sie k\u00f6nnen zudem die regionale Wirtschaftsstruktur positiv beeinflussen. Wertsch\u00f6pfungseffekte einer Ansiedlung sind in der Regel auch \u00fcber den Standortkanton hinaus bedeutend. Im vorliegenden Artikel werden die Resultate einer Studie pr\u00e4sentiert, welche die Wirkungen von Firmenansiedlungen in der Schweiz untersucht hat.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm internationalen Vergleich ist die Schweiz nach wie vor ein attraktiver Unternehmens-standort. Entsprechende Ranglisten \u2013 wie der <i>Global Competitiveness Report<\/i> des <i>World Economic Forum<\/i> \u2013 werden oft und gerne zitiert. Im Wettbewerb zwischen einzelnen Standortl\u00e4ndern verf\u00fcgt die Schweiz also \u00fcber eine gute Ausgangslage. Aber international wird der Wettbewerb zwischen Standortl\u00e4ndern immer h\u00e4rter gef\u00fchrt. Zurzeit kann der hohe Frankenkurs Ansiedlungsvorhaben erschweren, besonders f\u00fcr Produktionsbetriebe. Damit ausl\u00e4ndische Unternehmen tats\u00e4chlich ihren Weg in die Schweiz finden und sich hier niederlassen, sind gemeinsame Anstrengungen von Bund und Kantonen notwendig. Der Bund f\u00f6rdert die langfristige, nachhaltige Ansiedlung von ausl\u00e4ndischen Unternehmen durch Standortmarketing in ausgew\u00e4hlten L\u00e4ndern sowie durch die gezielte Ansprache potenzieller Investoren. Seit 2008 stellt die Osec als dazu beauftragte Organisation Informationen \u00fcber den Unternehmensstandort Schweiz in diversen Sprachen zur Verf\u00fcgung und organisiert Unternehmerseminare. Im Fokus stehen Firmen mit einer m\u00f6glichst hohen Wertsch\u00f6pfung aus sieben Schwerpunktl\u00e4ndern: Deutschland, Frankreich, USA, Japan, Russland, China und Indien.&#13;<\/p>\n<h2>Schwierige Wirkungsmessung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit ihren Dienstleistungen legt die Osec die Grundlage f\u00fcr die T\u00e4tigkeit von privaten Beratungsfirmen sowie vor allem f\u00fcr regionale, kantonale und kommunale Wirtschaftsf\u00f6rderer, welche in der Standortpromotion aktiv sind (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Gemeinsame Herausforderung von Bund und Kantonen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Die Kantone haben sich f\u00fcr die Standortpromotion mehrheitlich in regionalen Zusammenschl\u00fcssen mit unterschiedlicher Integrationstiefe organisiert: Basel Area (BL, BS, JU), Greater Geneva Berne Area (BE, FR, GE, NE, VD, VS), Greater Zurich Area (GL, GR, SH, SO, SZ, ZG, ZH) und St.Gallen Bodensee Area (AI, AR, SG, TG). Die Zentralschweizer Kantone sowie die Kantone Aargau und Tessin haben sich nicht in einem vergleichbaren Rahmen \u00fcberregional zusammengeschlossen, treten jedoch im Koordinationsgremium der nationalen Standortpromotion gemeinsam auf. Der Bund stellt f\u00fcr die nationale Standortpromotion rund 5,1 Mio. Franken pro Jahr zur Verf\u00fcgung, die Kantone 1,3 Mio. Franken.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Zur Herstellung von Kontakten mit potenziellen Investoren hat die Osec in den letzten Jahren zunehmend Synergien mit ihrem Mandat zur Exportf\u00f6rderung erschlossen und ihr weltweites Netz von Swiss Business Hubs ausgebaut. Die Kantone, welche im Ausland zum Teil auch selber aktiv auf potenzielle Investoren zugehen, \u00fcbernehmen dann die von der Osec im Rahmen der nationalen Standortpromotion generierten Kontakte. Sie sind f\u00fcr die Weiterbetreuung der Unternehmen sowie letztendlich f\u00fcr die konkrete Ansiedlung verantwortlich.Dass nicht jeder Kanton selber Informationen \u00fcber den Wirtschaftsstandort Schweiz aufbereitet, ist sicher sinnvoll. Notwendig ist auch, so genanntes <i>Awareness Raising<\/i> zum Unternehmensstandort Schweiz zu betreiben \u2013 besonders in fernen M\u00e4rkten wie China oder Indien, welche verst\u00e4rkt in den Fokus der Standortpromotion r\u00fccken. Insgesamt ist die Wirkung der entsprechenden T\u00e4tigkeiten nur schwer messbar. Erstaunlich ist hingegen, dass es bisher erst wenige Studien \u00fcber die konkreten Auswirkungen von Firmenansiedlungen in der Schweiz gibt. Diese L\u00fccke soll eine k\u00fcrzlich vom Institut f\u00fcr Betriebs- und Regional\u00f6konomie IBR der Hochschule Luzern im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) durchgef\u00fchrte Studie schliessen helfen.&#13;<br \/>\nVgl. Delbiaggio, Egli (2012).&#13;<\/p>\n<h2>Quantitative Effekte von Ansiedlungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWertsch\u00f6pfung entsteht zun\u00e4chst einmal durch die direkte Unternehmensleistung der sich ansiedelnden Firma und wird in Form von L\u00f6hnen, Steuern, Zinsen und Dividenden an Mitarbeitende, den Staat und die Kapitalgeber verteilt. Im Normalfall verbleibt zudem ein Teil der direkt erzeugten Wertsch\u00f6pfung als nicht ausgesch\u00fctteter Gewinn im Unternehmen und wird beispielsweise benutzt, um Investitionen zu finanzieren. Zus\u00e4tzlich zu diesem <i>direkten Effekt<\/i> f\u00fchrt eine Ansiedlung zur Entstehung von <i>indirekter Wertsch\u00f6pfung<\/i> \u00fcber den Bezug von Vorleistungen und Investitionsg\u00fctern sowie zu <i>induzierter Wertsch\u00f6pfung<\/i> aufgrund der Konsumnachfrage, welche mit dem ausbezahlten Einkommen finanziert wird. Sowohl die indirekte als auch die induzierte Wertsch\u00f6pfung l\u00f6sen ihrerseits weitere Wertsch\u00f6pfungseffekte via Vorleistungen und Einkommensverwendung aus. Der gesamte Wertsch\u00f6pfungseffekt ist somit h\u00f6her als der unmittelbare wirtschaftliche Impuls durch die Ansiedlung, gemessen zum Beispiel an der Anzahl neu geschaffener Arbeitspl\u00e4tze. Allf\u00e4llige regionale Verlagerungseffekte (falls zum Beispiel die neue Firma bereits ans\u00e4ssige Unternehmen aus dem Markt verdr\u00e4ngt), potenzielle Zusatzkosten im Infrastrukturbereich sowie m\u00f6gliche negative Externalit\u00e4ten (zum Beispiel wegen L\u00e4rmemissionen oder zus\u00e4tzlichem Verkehr) k\u00f6nnen allerdings die positiven Effekte schm\u00e4lern.Eine besonders intensive regionale Ansiedlungsdynamik oder Ansiedlungen grosser Firmen k\u00f6nnen aber auch zu <i>quantitativen Marktausdehnungseffekten<\/i> f\u00fchren. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die dadurch generierte Nachfrage nach Vorleistungen, Investitions- und Konsumg\u00fctern mit den regional vorhandenen Produktionskapazit\u00e4ten nicht mehr befriedigt werden kann. Als Folge davon ist eine Erh\u00f6hung der Anzahl regional t\u00e4tiger Firmen zu erwarten.&#13;<\/p>\n<h2>Wichtige qualitative Effekte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchliesslich f\u00fchren Firmenansiedlungen zu einer <i>qualitativen<\/i> Marktausdehnung, falls Agglomerationsvorteile entstehen und somit die Produktivit\u00e4t und Wettbewerbsf\u00e4higkeit einer Region verbessert werden k\u00f6nnen. Bei der Erkl\u00e4rung der Mechanismen, die zu Agglomerationsvorteilen f\u00fchren, wird in der Literatur zwischen <i>exogenen<\/i> und <i>endogenen Wachstumsfaktoren<\/i> unterschieden.&#13;<br \/>\nVgl. Capello (2007). Ansiedlungen von international t\u00e4tigen Firmen sind ein klassisches Beispiel exogener Faktoren, welche die \u00f6konomische Entwicklung einer Region prim\u00e4r via <i>Knowledge Spillovers<\/i> \u2013 d.h. positive externe Effekte im Wissens- bzw. Technologiebereich \u2013 beeinflussen k\u00f6nnen. Dabei entstehen regionale Produktivit\u00e4tserh\u00f6hungen, etwa dank Imitation: Durch informelle Kontakte k\u00f6nnen lokale Firmen von Produkten, Technologien, Organisationsformen oder Produktionsprozessen der sich ansiedelnden Firma lernen und somit die eigene Produktivit\u00e4t verbessern. Die Produktivit\u00e4t kann auch aufgrund der Mobilit\u00e4t der Arbeitnehmenden erh\u00f6ht werden. Die regionale Wissensdiffusion wird beg\u00fcnstigt, wenn hochqualifizierte Arbeitnehmende die international t\u00e4tige Firma verlassen, um selbst\u00e4ndig zu werden oder f\u00fcr eine lokale Firma zu arbeiten. Voraussetzung daf\u00fcr sind eine hohe Produktivit\u00e4t und Innovationskraft der sich aus dem Ausland ansiedelnden Firma.Die Entstehung von Agglomerationsvorteilen durch Ansiedlung eines international t\u00e4tigen Unternehmens h\u00e4ngt allerdings auch massgeblich von der M\u00f6glichkeit und der F\u00e4higkeit der Ansiedlungsregion ab, davon zu profitieren.&#13;<br \/>\nVgl. Castellani und Zanfrei (2006). Entscheidend sind dabei sowohl die Einbindung des angesiedelten Unternehmens in die regionale Wirtschaft als auch die in der Region verf\u00fcgbaren endogenen Entwicklungsfaktoren. Zu den klassischen endogenen Faktoren z\u00e4hlen unter anderem das regionale Unternehmertum sowie die F\u00f6rderung der Kooperation zwischen lokalen KMU durch die sozialen, institutionellen und politischen Rahmenbedingungen. Da Wissens- und Informationsaustausch zwischen Unternehmen ein gewisses Mass an sozialer Interaktion erfordern, betonen viele Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze die Relevanz von geografischer N\u00e4he zwischen den regionalen Akteuren f\u00fcr die Entstehung von <i>Knowledge Spillovers.<\/i>&#13;<br \/>\nVgl. Capello (2007). Andere Ans\u00e4tze&#13;<br \/>\nVgl. z.B. Boschma (2005). arbeiten dagegen mit einem mehrdimensionalen Begriff der N\u00e4he, indem zwischen kognitiver, organisatorischer, gesellschaftlicher, institutioneller und geografischer N\u00e4he unterschieden wird. Die geografische N\u00e4he spielt dabei eine wesentliche Rolle, ist alleine aber weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung f\u00fcr Innovation und Wissensdiffusion. Vielmehr k\u00f6nnen die einzelnen Dimensionen sich gegenseitig unterst\u00fctzen oder \u2013 zumindest teilweise \u2013 ersetzen.&#13;<\/p>\n<h2>Wertsch\u00f6pfungsmodell<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wirtschaftsf\u00f6rderung des Kantons Bern hat k\u00fcrzlich ein 2008 angesiedeltes Informatikunternehmen portr\u00e4tiert, das Ende 2011 bereits eine Filiale in der Region Z\u00fcrich gegr\u00fcndet hat. In den meisten F\u00e4llen sind die \u00fcberregionalen Effekte von Ansiedlungen allerdings weniger offensichtlich, und in Studien wurden sie bisher kaum betrachtet. Die Studie der Hochschule Luzern untersucht nun die Wertsch\u00f6pfung, welche j\u00e4hrlich durch Firmenansiedlungen aus dem Ausland generiert wird, exemplarisch mit Fallstudien f\u00fcr vier konkrete Ansiedlungen mit einem eigens daf\u00fcr entwickelten Modell. Die Modellfunktionalit\u00e4ten erlauben unter anderem die gesonderte Ermittlung: \u2212 der direkten, indirekten und induzierten Wertsch\u00f6pfung auf drei Wertsch\u00f6pfungsstufen; \u2212 der regionalen Verteilung dieser Effekte in bis zu sechs unterschiedlichen Kantonen;\u2212 der Bruttowertsch\u00f6pfung, der Anzahl Vollzeit\u00e4quivalente, der Einkommens- und Steuereffekte sowie der Effekte im Bereich der Sozialleistungen.Nicht ber\u00fccksichtigt werden allf\u00e4llige Verlagerungseffekte, Externalit\u00e4ten oder Zusatzkosten sowie qualitative oder quantitative Marktausdehnungseffekte. Das Modell arbeitet mit zwei Gruppen von Variablen. Die erste Gruppe enth\u00e4lt firmenspezifische Daten (Erfolgs- und Investitionsrechnung, regionale Verflechtung), welche die analysierten Firmen zur Verf\u00fcgung gestellt haben. Die zweite Gruppe enth\u00e4lt alle anderen Daten, die zur Ermittlung der Wertsch\u00f6pfungseffekte notwendig sind. Diese Daten basieren auf Sekund\u00e4rstatistiken. Bei unsicherer Datenlage werden Sensitivit\u00e4tsanalysen mit den Szenarien \u00abHoch\u00bb, \u00abStandard\u00bb und \u00abTief\u00bb durchgef\u00fchrt, um die Robustheit der Resultate zu testen. Die Modellresultate werden dementsprechend als Bandbreiten angegeben.&#13;<\/p>\n<h2>Fallstudien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie erste Fallstudie untersucht die Wertsch\u00f6pfungseffekte einer mittelgrossen Produktions- und Vertriebsfirma im Bereich Elektrotechnik aus der Zentralschweiz. Bei der zweiten Fallstudie handelt es sich um eine kleine Vertriebsfirma, die sich erst vor kurzem in der Nordwestschweiz angesiedelt hat und sich noch im Aufbau befindet. Die dritte Fallstudie ist ein Rohstoffhandelsunternehmen, das sich in der Ostschweiz angesiedelt hat. Die vierte Fallstudie, welche im Folgenden genauer vorgestellt wird, analysiert die Ansiedlungseffekte einer Firma, welche im Jahr 2007 gegr\u00fcndet wurde. Sie ist die technische Entwicklungsabteilung im Bereich von Herstellungstechniken in der Druckindustrie (Abteilung 72 gem\u00e4ss Noga-Klassifizierung) eines ausl\u00e4ndischen Konzerns. Im Jahr 2010 z\u00e4hlte die Firma 44 Vollzeit\u00e4quivalente. Die Modellrechnungen ergeben jedoch, dass die gesamte Besch\u00e4ftigungswirkung zwischen 71 und 81 Vollzeit\u00e4quivalenten liegt, falls neben den direkten auch die indirekten und induzierten Effekte mitber\u00fccksichtigt werden. Jede Vollzeitstelle, welche durch die Ansiedlung geschaffen wird, f\u00fchrt somit durch die direkten und induzierten Effekte zur Entstehung von weiteren 0,61 bis 0,84 Vollzeitstellen. Dabei liegt der Anteil der direkten Effekte \u00fcber alle Szenarien hinweg zwischen 54% und 62%, w\u00e4hrend die indirekten und induzierten Effekte f\u00fcr die restliche Besch\u00e4ftigungswirkung verantwortlich sind (siehe <i>Grafik 1<\/i>).&#13;<\/p>\n<h2>Deutliche Wirkungen ausserhalb des Standortkantons<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei Firmenansiedlungen ist neben den Gesamteffekten auch die regionale Aufteilung von Interesse. Wie aus <i>Tabelle 1<\/i> ersichtlich wird, variiert bei dieser Fallstudie der Anteil der Effekte, die nicht im Ansiedlungskanton anfallen, je nach betrachteter Kennzahl und Szenario zwischen 11% und 26%.\u00dcber alle vier Fallbeispiele und drei Szenarien hinweg ist die kantonale Aufteilung der Ansiedlungseffekte sehr unterschiedlich. In allen F\u00e4llen ist der Effekt im Heimatkanton erwartungsgem\u00e4ss dominant. Im Szenario \u00abStandard\u00bb der Fallstudie 4 fliesst beispielsweise mehr als ein F\u00fcnftel des generierten Einkommens in die Nicht-Ansiedlungskantone (siehe <i>Grafik 2<\/i>). In den anderen Fallstudien k\u00f6nnen sogar insgesamt bis zu 50% der Ansiedlungseffekte ausserhalb des Standortkantons anfallen.Grunds\u00e4tzlich gilt: Je st\u00e4rker die Verflechtung der sich ansiedelnden Firma mit der Schweizer Wirtschaft ist und je weniger regional konzentriert die Belegschaft wohnt, umso h\u00f6her ist die regionale Verteilung der Ansiedlungseffekte. Weiter h\u00e4ngt die kantonale Aufteilung der Wertsch\u00f6pfungseffekte stark von der Firmengr\u00f6sse, der Branche sowie vom Vorleistungs- und Investitionsanteil aus dem Ausland ab.&#13;<\/p>\n<h2>Heterogene Resultate<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00dcber alle vier Fallstudien und drei Szenarien hinweg liegen die Multiplikatoren f\u00fcr die Bruttowertsch\u00f6pfung, die Besch\u00e4ftigungswirkung und das Einkommen zwischen 1,01 und 1,88. Im besten Fall (Fallstudie 1) kommt es beinahe zu einer Verdopplung des direkt von der angesiedelten Firma geschaffenen Effektes. Im Fall der sich im Aufbau befindenden Firma (Fallstudie 2) ist die zus\u00e4tzliche Wirkung hingegen minim. Diese Heterogenit\u00e4t sowie die geringe Anzahl untersuchter Ansiedlungen l\u00e4sst eine Verallgemeinerung der Fallstudienresultate nicht zu. Weiter w\u00e4re interessant zu verfolgen, wie sich diese Firmen \u00fcber die Zeit entwickeln. Neben dem Wachstumspfad (gemessen am Umsatz oder an der Anzahl Vollzeit\u00e4quivalente) w\u00e4re auch die zeitliche Ver\u00e4nderung der regionalen Vernetzung von Interesse. Dennoch liefern die Ergebnisse der vier Fallstudien erste quantitative Hinweise zur kantonalen und ausserkantonalen Bedeutung der Anstrengungen von Bund und Kantonen, ausl\u00e4ndische Firmen in der Schweiz anzusiedeln.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n2011 wurden gem\u00e4ss einer Zusammenstellung der Volkswirtschafsdirektorenkonferenz (VDK) in der Schweiz 391 Unternehmen angesiedelt, die 2059 Arbeitspl\u00e4tze schufen. In den Vorjahren lagen diese Werte ungef\u00e4hr auf demselben Niveau beziehungsweise leicht h\u00f6her. Bei diesen Zahlen schwingt jedoch immer eine gewisse statistische Unsch\u00e4rfe mit. Denn diese Z\u00e4hlung erfasst Ansiedlungen bisher nicht immer nach einheitlichen Kriterien und z\u00e4hlt meist nur Projekte, welche die kantonalen Wirtschaftsf\u00f6rderstellen massgeblich selber betreut haben. Wie die vorliegende Studie zeigt, ist der Gesamteffekt einer Firmenansiedlung in der Regel aber deutlich h\u00f6her als der unmittelbare wirtschaftliche Impuls, welcher meist nur mit den (im Ansiedlungsjahr) geschaffenen Arbeitspl\u00e4tzen ausgewiesen wird. Weiter weisen die Resultate der Studie darauf hin, dass die quantitativen Wertsch\u00f6pfungseffekte einer Ansiedlung ausserhalb des Standortkantons bedeutend sein k\u00f6nnen.Die einzelnen Kantone und Regionen in der Schweiz bleiben trotzdem immer auch Konkurrenten, wenn es um eine konkrete Ansiedlung geht. Das ist grunds\u00e4tzlich durchaus begr\u00fcssenswert. Denn der interne Standortwettbewerb tr\u00e4gt letztlich zu den attraktiven Rahmenbedingungen bei, welche die Schweiz international als Unternehmensstandort konkurrenzf\u00e4hig machen. Auf der anderen Seite liegt die Herausforderung f\u00fcr die nationale Standortpromotion aber darin, bei der Bearbeitung vor allem der fernen M\u00e4rkte die Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln und beispielsweise einen m\u00f6glichst einheitlichen Auftritt der Schweiz sicherzustellen. Auch geht es darum, gezielt ausl\u00e4ndische Firmen mit \u00fcberdurchschnittlicher Innovationskraft und Produktivit\u00e4t zu identifizieren und die Koordination aller an der Standortpromotion beteiligten Akteure im Inland weiter zu st\u00e4rken. Mit den neuen Leistungsvereinbarungen, welche die Kantone und der Bund f\u00fcr 2012\u20132015 mit der Osec abgeschlossen haben, sind die Grundlagen f\u00fcr eine erfolgreiche Bew\u00e4ltigung solcher Herausforderungen gelegt. Aus einer \u00fcbergeordneten volkswirtschaftlichen Sicht ist \u2013 besonders vor dem Hintergrund der gegenw\u00e4rtigen Frankenst\u00e4rke \u2013 aber ebenso wichtig, dass die diversen Wirtschaftsf\u00f6r-derstellen in enger Abstimmung mit der Politik neben der Ansiedlung neuer Firmen auch die Arbeitspl\u00e4tze der bereits in der Schweiz verankerten, exportorientieren Firmen sichern helfen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abFallstudie 4 \u2013 Vollzeit\u00e4quivalente(VZ\u00c4) nach direkter, indirekter und induzierter Wertsch\u00f6pfung (Szenario \u00abStandard\u00bb)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abFallstudie 4 \u2013 regionale Aufteilung der Einkommenseffekte (Szenario \u00abStandard\u00bb)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abFallstudie 4 \u2013 ausserkantonaler Anteil der Ansiedlungseffekte (alle Szenarien)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Gemeinsame Herausforderung von Bund und Kantonen&#13;<\/p>\n<h3>Gemeinsame Herausforderung von Bund und Kantonen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kantone haben sich f\u00fcr die Standortpromotion mehrheitlich in regionalen Zusammenschl\u00fcssen mit unterschiedlicher Integrationstiefe organisiert: <i>Basel Area<\/i> (BL, BS, JU), <i>Greater Geneva Berne Area<\/i> (BE, FR, GE, NE, VD, VS), <i>Greater Zurich Area<\/i> (GL, GR, SH, SO, SZ, ZG, ZH) und <i>St.Gallen Bodensee Area<\/i> (AI, AR, SG, TG). Die Zentralschweizer Kantone sowie die Kantone Aargau und Tessin haben sich nicht in einem vergleichbaren Rahmen \u00fcberregional zusammengeschlossen, treten jedoch im Koordinationsgremium der nationalen Standortpromotion gemeinsam auf. Der Bund stellt f\u00fcr die nationale Standortpromotion rund 5,1 Mio. Franken pro Jahr zur Verf\u00fcgung, die Kantone 1,3 Mio. Franken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literaturhinweise&#13;<\/p>\n<h3>Literaturhinweise<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Delbiaggio, K. &amp; Egli, H., Institut f\u00fcr Betriebs- und Regional\u00f6konomie IBR der Hochschule Luzern (2012): Studie zu den kantonalen und ausserkantonalen Auswirkungen von Firmenansiedlungen. Schlussbericht zuhanden des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft SECO. \u2212 Boschma, Ron A. (2005): Proximity and Innovation: A Critical Assessment. Regional Studies, 39(1), S. 61-74.\u2212 Botschaft \u00fcber die Standortf\u00f6rderung 2012\u20132015 vom 23. Februar 2011 (11.019).\u2212 Capello, R. (2007): Regional Economics. New York: Routledge.\u2212 Castellani, D. &amp; Zanfrei, A. (2006): Multinational Firms, Innovation and Productivity. Cheltenham: Edward Elgar.\u2212 Wirtschaftsf\u00f6rderung Kanton Bern. <i>bernecapitalarea<\/i> (2012): Durch Kommunikation das Leben bereichern: Huawei Technologies Switzerland AG in K\u00f6niz, S. 12\u201313.\u2212 World Economic Forum (2012): Global Competitiveness Report. <i><a href=\"http:\/\/www.weforum.org\/issues\/global-competitiveness\">http:\/\/www.weforum.org\/issues\/global-competitiveness<\/a>.<\/i><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ansiedlungen von Firmen aus dem Ausland sind \u00f6konomisch erw\u00fcnscht, da sie im Inland zur Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen und zur Entstehung von Wertsch\u00f6pfung f\u00fchren. Sie k\u00f6nnen zudem die regionale Wirtschaftsstruktur positiv beeinflussen. 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