{"id":119604,"date":"2012-07-01T12:00:00","date_gmt":"2012-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/07\/schneider-ammann-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:27:09","modified_gmt":"2023-08-23T21:27:09","slug":"schneider-ammann-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/07\/schneider-ammann-3\/","title":{"rendered":"Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann \u00fcber die Zukunft des Industriestandortes Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweizer Wirtschaft behauptet sich zwar dank robuster Binnenkonjunktur und relativ widerstandsf\u00e4higer Exportwirtschaft besser als erwartet, dies trotz starkem Franken und schwacher Konjunktur besonders in den EU-L\u00e4ndern. Eine weiterhin positive Konjunkturentwicklung ist aber nur gesichert, wenn eine Eskalation der Staatsschuldenkrise im Euroraum verhindert werden kann. Diese Ausgangslage steht denn auch im Zentrum des Gespr\u00e4chs, das wir mit unserem Wirtschaftsminister, Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann, gef\u00fchrt haben. Im Vordergrund standen Fragen nach den Erfolgsfaktoren des Werk-, Denk- und Forschungsplatz Schweiz, aber auch, was getan werden muss, um die guten Rahmenbedingungen l\u00e4ngerfristig zu sichern. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201207_12_Schneider-Ammann_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Gem\u00e4ss Lausanner Institut f\u00fcr Management-Entwicklung (IMD) z\u00e4hlt die Schweiz seit Jahren zu den f\u00fcnf wettbewerbsf\u00e4higsten L\u00e4ndern der Welt. In dieser komfortablen Lage stellt sich die Frage: M\u00fcssen wir uns um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Schweiz \u00fcberhaupt Sorgen machen? Und wenn ja, warum?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Grunds\u00e4tzlich ist der Werk-, Denk- und Forschungsplatz Schweiz ausgezeichnet aufgestellt. Das heisst aber nicht, dass wir unsere H\u00e4nde in den Schoss legen k\u00f6nnen. Der internationale Konkurrenzkampf um Marktanteile wird immer h\u00e4rter. Da spielt es eine zentrale Rolle, wie innovativ die Marktteilnehmer und damit die einzelnen Wirtschaftszweige sind. Zudem wird die Halbwertszeit von Innovationen immer k\u00fcrzer, der Kampf auch um kleine Verbesserungen immer h\u00e4rter. Es geht immer schneller, bis neue Produkte kopiert werden. Deshalb m\u00fcssen wir uns t\u00e4glich anstrengen, um an der Spitze zu bleiben, sonst ist unser Vorsprung schnell verspielt.<b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat mit dem Mindestkurs von 1,20 je Euro die Sicherheit und Planbarkeit f\u00fcr die Exportbranche erh\u00f6ht. Gen\u00fcgt dieser Entscheid?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Dieser Entscheid der SNB ist f\u00fcr die Schweizer Volkswirtschaft von absolut zentraler Bedeutung. Der Mindestkurs von 1,20 Fr. je Euro bringt unseren Unternehmen die dringend n\u00f6tige minimale Planungssicherheit, auf der die mittel- und l\u00e4ngerfristigen Budgets erstellt werden k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich entspricht unsere W\u00e4hrung nach wie vor nicht der eigentlichen Kaufkraftparit\u00e4t. Unsere Exportwirtschaft \u2013 allen voran die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, aber auch die Tourismusbranche \u2013 leidet unter dem starken Franken. Ich bin deshalb der SNB-Spitze und ihrem Pr\u00e4sidenten, Thomas Jordan, sehr dankbar f\u00fcr die wiederholte Bekr\u00e4ftigung, diese Untergrenze mit allen Mitteln zu verteidigen.<b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Der f\u00fcr viele nach wie vor starke Franken wird angesichts der Turbulenzen im Euro-Raum kaum schw\u00e4cher werden. Hingegen k\u00f6nnte aber der starke Franken durch die Inflationsdifferenzen bald stark abgemildert werden. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Es ist richtig, dass wir in der Schweiz keine Inflation kennen und sich deshalb die Kaufkraftparit\u00e4t zu unseren Gunsten verschiebt. Damit wertet sich der Schweizer Franken im Vergleich zum Euro real leicht ab. Bis aber wieder wirkliche Kaufkraftparit\u00e4t hergestellt ist, braucht es viel Zeit. Damit entspannt sich zwar die Lage unserer Wirtschaft, aber eben nur l\u00e4ngerfristig. Eine Schw\u00e4chung des Euro gegen\u00fcber dem US-Dollar und anderen W\u00e4hrungen ist f\u00fcr die Schweiz also durchaus vorteilhaft. Zum einen w\u00fcrde die \u00dcberbewertung des Frankens gegen\u00fcber Drittw\u00e4hrungen abgeschw\u00e4cht, und zum andern w\u00fcrde dies die Konjunktur in der Eurozone st\u00fctzen. <b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Bis 2008 hatten wir einen schwachen Franken. K\u00f6nnte es nicht sein, dass der schwache Franken und der Boom in China dazu gef\u00fchrt haben, dass in der Schweiz Industrien aufgebaut wurden, die nun eben bei h\u00e4rterer Konkurrenz nicht mehr konkurrenzf\u00e4hig sind? <b>Schneider-Ammann:<\/b> Sicher hat die Wechselkurssituation bis 2008 den Wirtschaftsstandort Schweiz beg\u00fcnstigt. Aber die Schweizer Industrie hat sich in den letzten Jahren gut aufgestellt, sowohl mit innovativen Produkten wie auch mit der stetigen Verbesserung der Herstellungsprozesse. Unsere Wirtschaft hat konsequent den Zugang in neue Weltm\u00e4rkte gesucht, insbesondere im Fernen Osten, in China und Indien. Gerade China ist ein \u00e4ussert anspruchsvoller und hart umk\u00e4mpfter Markt. Der Erfolg verschiedener Schweizer Firmen in diesem Markt zeigt, dass sie global wettbewerbsf\u00e4hig sind. <b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht f\u00fcr die Schweiz, Industrie zu haben? Immerhin haben wir kaum Arbeitslosigkeit. Schliesslich gibt es Dienstleistungsbranchen, die eine hohe Wertsch\u00f6pfung haben.<b>Schneider-Ammann:<\/b> Ganz einfach, weil die Industrie alleine etwa 630&nbsp;000 Menschen in der Schweiz direkt eine gute Besch\u00e4ftigung gibt und damit zum Wohlstand der Schweiz massgeblich beitr\u00e4gt. Gerade in einer turbulenten Zeit wie heute zeigt sich, dass eine Volkswirtschaft, in der neben der Dienstleistung auch eine wirkliche Industrie existiert, erfolgreicher ist als eine, wo die Industrie nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Ganz deutlich sieht man dies am Beispiel von Grossbritannien, wo der Industrieanteil im einstelligen Prozentbereich liegt. In einer breit diversifizierten Volkswirtschaft, wie sie die Schweiz darstellt, k\u00f6nnen Schwankungen von anderen Branchen erfolgreich aufgefangen werden. F\u00fcr mich ist eine breit abgest\u00fctzte Volkswirtschaft aber noch aus einem ganz anderen Grund von enormer Bedeutung: Nur sie ist in der Lage, Menschen mit ihren unterschiedlichen F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten eine echte Auswahl an Besch\u00e4ftigung anzubieten. Eine Gesellschaft muss eben nicht nur Kopfmenschen eine Arbeit anbieten, sondern auch Handwerkern. <b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Worin bestehen die Chancen und M\u00f6glichkeiten der Schweizer Industrie angesichts der Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Innovation und nochmals Innovation: Die Schweizer Industrie kann mit besseren Produkten und Prozessen Vorteile erzielen. Deshalb ist es f\u00fcr uns entscheidend, die Innovationsprozesse st\u00e4ndig zu verbessern. Dazu geh\u00f6rt vieles: Gut ausgebildete Fachkr\u00e4fte aller Stufen von den Facharbeitern bis zu den Ingenieuren, eine enge Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und den Hochschulen, ein gut funktionierender Kapitalmarkt auch f\u00fcr Risikokapital bis zu den unternehmerischen Freir\u00e4umen. Und vor allem Unternehmer, die das Unternehmertum ernst nehmen und wirklich leben. Aber auch der Staat hat seine Rolle zu spielen. Einerseits ist er verantwortlich f\u00fcr das Bildungsangebot auf allen Stufen, andererseits unterst\u00fctzt er mit seiner F\u00f6rderagentur KTI innovative Projekte.<b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Welche Massnahmen kann der Staat ergreifen, ohne dass wir unser Erfolgsmodell einer Wirtschaftspolitik, die nicht direkt in Branchen und Firmen eingreift, opfern m\u00fcssen?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Ziel der Wirtschaftspolitik muss sein, g\u00fcnstige Voraussetzungen f\u00fcr wettbewerbsf\u00e4hige Unternehmen zu schaffen. Diese Politik basiert auf vier Pfeilern: Erstens muss die Politik \u00fcber die Bildung optimale Fachkr\u00e4fte anbieten. Zweitens kann sie \u00fcber die KTI die Innovation f\u00f6rdern. Drittens kann sie \u00fcber B\u00fcrokratieabbau und die Reduktion von Regulierungskosten die Unternehmen bei ihren Anstrengungen unterst\u00fctzen, ihre Kosten zu senken. Und viertens ist es Aufgabe des Staates, die Firmen bei der Erschliessung neuer M\u00e4rkte zu unterst\u00fctzen. Dies geschieht \u00fcber die Aushandlung von Freihandelsabkommen, aber auch \u00fcber Dienstleistungen, welche die diplomatischen Vertretungen und die spezialisierten Businesshubs in insgesamt 18 M\u00e4rkten auf der ganzen Welt anbieten. <b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Der freie Personenverkehr wurde bis vor kurzem als Erfolgsmodell wahrgenommen. Wird er \u2013 trotz Anrufung der Ventilklausel \u2013 auch in Zukunft eine tragende Rolle spielen?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Die Personenfreiz\u00fcgigkeit ist f\u00fcr die Schweizer Volkswirtschaft von absolut zentraler Bedeutung. Sie hat unserem Land seit ihrer Einf\u00fchrung Prosperit\u00e4t und Wohlstand gebracht. Die Unternehmen haben stark davon profitiert, Fachkr\u00e4fte aus dem EU\/Efta-Raum rekrutieren zu k\u00f6nnen. Die \u00d6ffnung des Arbeitsmarktes trug in den letzten Jahren massgeblich zum Wirtschafts- und Besch\u00e4ftigungswachstum in der Schweiz bei. In letzter Zeit sind aber vermehrt kritische Stimmen gegen die Einwanderung aufgekommen. Diese Stimmen weisen nicht zu Unrecht auf gewisse negative Auswirkungen im Arbeits- und Wohnungsmarkt hin, auch wenn diese Auswirkungen bislang eng begrenzt geblieben sind. Zur Weiterentwicklung: Ich will die Personenfreiz\u00fcgigkeit mit unseren Partnern im europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum festigen, weil die Schweizer Volkswirtschaft ein integrierter Teil dieses Raum ist. Ich will aber auch sicherstellen, dass es nicht zu einem Lohndruck kommt, sondern dass zu den hiesigen Bedingungen gearbeitet wird. Ich bin deshalb sehr froh, dass das Parlament die flankierenden Massnahmen ajustiert und verfeinert hat und werde, wie vom Parlament gefordert, f\u00fcr die kommende Herbstsession einen Vorschlag bez\u00fcglich Solidarhaftung machen. <b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Aus ordnungspolitischer Sicht muss es der Markt sein, der \u00fcber die Wettbewerbsf\u00e4higkeit entscheidet. Wo liegen f\u00fcr Sie abschliessend und zusammenfassend die M\u00f6glichkeiten und Grenzen von Markt und Staat?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Die Erfahrung hat uns gelehrt: Der Markt allein kann es nicht richten. Es braucht einen starken Staat, der die Rahmenbedingungen so legt, dass sich die Wirtschaft zum Gewinn der ganzen Gesellschaft optimal entwickeln kann. Der Staat muss gleichzeitig daf\u00fcr sorgen, dass die verschiedenen Marktteilnehmer in Dienstleistung und Industrie vorteilhafte Bedingungen vorfinden. Gleichzeitig muss er aber verhindern, dass es zu Fehlentwicklungen kommt, f\u00fcr die dann die ganze Gesellschaft aufkommen muss.<b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Bis heute hat sich die Exportindustrie \u2013 trotz grossen Herausforderungen in einem sehr schwierigen Umfeld \u2013 erstaunlich gut gehalten. Wie gross ist aus Ihrer Sicht die Solidarit\u00e4t der Unternehmer zum Standort Schweiz? Und wann k\u00f6nnte diese Solidarit\u00e4t br\u00f6ckeln?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Es ist erfreulich, dass sich unsere Industrie so gut gehalten hat, was nicht ganz selbstverst\u00e4ndlich ist. Gr\u00fcnde daf\u00fcr gibt es verschiedene: Da ist zun\u00e4chst einmal die Weltkonjunktur zu nennen, und damit vor allem die deutsche Abnehmerindustrie. Die Schweizer Zulieferindustrie ist gefragt und nutzt die Chance, mit Qualit\u00e4tsprodukten, dauerhaften Innovationsanstrengungen und hoher Effizienz, welche durch die Not und den starken Franken zus\u00e4tzlich bef\u00f6rdert wird, den Weltmarkt zu beliefern. Die Unternehmen sind darauf aus, die Kostenstrukturen zu verbessern und auf diesem Weg im Markt zu bleiben. Das haben wir schon immer so gemacht, und das ist auch jetzt der Fall. Das Resultat ist erfreulich. Was die l\u00e4ngerfristige Entwicklung angeht, ist es etwas heikler. Man geht grunds\u00e4tzlich dorthin, wo die Kunden sind. Wenn sich die globale Industrie mehr und mehr im fernen Osten und insbesondere in China aufstellt, muss man als Zulieferer zwangsl\u00e4ufig in die N\u00e4he gehen, um die Wertsch\u00f6pfungsketten risiko\u00e4rmer zu gestalten. Das zweite Kriterium sind die Kosten, die nat\u00fcrlich im Fernost nach wie vor attraktiv sind. Das Tr\u00f6stliche ist: Wir haben in der Industrie seinerzeit haargenau angeschaut, was wirklich passiert. Von drei Unternehmen, die ausgelagert haben, hat nur jeder Dritte seine Verlagerungspolitik durchzogen. Aufgrund dieser Erfahrungen bin ich zuversichtlich, dass auf der Basis des Wechselkurses von 1,20 Franken pro Euro und den guten Rahmenbedingen, welche die Schweiz bietet, die meisten Unternehmen hier bleiben werden. Ausnahmen gibt es immer; ich kenne sie. Mich \u00e4rgert zwar jede einzelne Ausnahme, aber ich muss diese Ausnahmen akzeptieren, weil der Markt letztlich bestimmt.<b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Wo liegen die M\u00f6glichkeiten und Grenzen eines Volkswirtschaftsministers, auch unter Ber\u00fccksichtigung der Marktverh\u00e4ltnisse zu intervenieren?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Die M\u00f6glichkeiten sind im Einzelfall h\u00f6chst gering. Das muss auch so sein. Wir leben eine saubere Ordnungspolitik. Die Rahmenbedingungen werden durch den Bund und die Kantone festgelegt. Die Unternehmen m\u00fcssen ihren Weg dann selbst finden. Wenn ich mich bei Merck-Serono in Genf und vorher bei Novartis in Prangins, aber auch bei anderen Gelegenheiten, die nicht so sichtbar waren, interveniert habe, dann nur deshalb, weil ich den Leuten erstens ein Signal senden wollte: Pr\u00fcft bitte die Gesamtpalette der Standortfaktoren und nicht nur die kurzfristigen Kosten. Zweitens habe ich den Unternehmen klarmachen wollen, dass wir in diesem Land eine ganz besondere Errungenschaft aufzuweisen haben, n\u00e4mlich die Sozialpartnerschaft. Wenn sich beide Sozialpartner aufeinander zubewegen und sich gegenseitig mit Transparenz und Ehrlichkeit begegnen, steigt die Bereitschaft zu Konzessionen und damit zu L\u00f6sungen, so geschehen in Prangins bei Novartis. In Genf ging es mir darum, die h\u00f6chst qualifizierten Menschen \u2013 insbesondere die Forschenden im Biotechnologie-Bereich \u2013 der Schweiz wenn m\u00f6glich zu erhalten und sie nicht irgendwo hin abwandern zu lassen. Wir reden von Spin-offs, von Start-ups in einer sehr qualifizierten Hochschulumgebung mit der EPFL sowie den Universit\u00e4ten in Lausanne und Genf. Die Kombination m\u00fcsste eigentlich dazu f\u00fchren, dass das, was an diesem Standort aufgebaut worden ist, auch in Zukunft weiter getragen werden kann. Dass die Konzernleitung von Merck-Serono dennoch an der Schliessung des Standortes Genf festh\u00e4lt, ist sehr bedauerlich.<b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Zur\u00fcck zur Euro-Krise: Zwar haben nun in Griechenland bei den Wahlen jene Kr\u00e4fte obsiegt, die das Spar- und Reformpaket mit der EU einhalten wollen. Das stimmt f\u00fcrs erste die B\u00f6rse und wohl auch den Bundesrat zuversichtlich. Doch ein Ende der Eurokrise ist nicht in Sicht. Wie beurteilen Sie die m\u00f6glichen Auswirkungen der Eurokrise auf die Schweiz?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Das weiss ich genauso wenig wie alle anderen auch. Doch ich nehme mit einer gewissen Befriedigung zur Kenntnis, dass sich diejenigen Kr\u00e4fte durchgesetzt haben, die akzeptieren wollen, dass Auflagen erf\u00fcllt werden m\u00fcssen, wenn man die Unterst\u00fctzung aus Br\u00fcssel bekommen will. Das ist f\u00fcr mich nicht einfach gleichbedeutend mit Austerit\u00e4tsprogrammen und Totsparen. Es braucht ein Gleichgewicht zwischen Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen, aber auch Investitionen, um sich Chancen zu er\u00f6ffnen. Br\u00fcssel ist jetzt gefordert, der neuen griechischen Regierung zu helfen, dass sie diese Kombination finden kann, damit eine Stabilisierung eintritt. Denn investiert wird grunds\u00e4tzlich nur, wenn das Umfeld stabil ist. Das gilt f\u00fcr Griechenland, aber auch f\u00fcr die EU und andere Regionen. Herrschen stabile Verh\u00e4ltnisse, sind die Unternehmen bereit, das Risiko einzugehen. Und damit er\u00f6ffnen sie neue Chancen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass sich mit dem Wahlresultat eine neue Stabilit\u00e4t in Griechenland durchsetzen kann.<b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Als Volkswirtschaftsminister sind Sie in der f\u00fcr die Exportindustrie sehr heiklen Lage besonders gefragt. Was ist f\u00fcr Sie heute und in den n\u00e4chsten Monaten wichtig, um eine drohende Krise in der Schweiz abzud\u00e4mpfen?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Unsere Rahmenbedingungen sind grunds\u00e4tzlich gut. Wir sind die Wettbewerbsf\u00e4higsten und Innovativsten; wir haben das beste Bildungssystem und mit die st\u00e4rksten Hochschulen. Aber, und hier spricht der ehemalige Alpinist: Fehler macht man nur, wenn man sich zu sicher f\u00fchlt. Will heissen: totale Aufmerksamkeit, Anstrengungen noch einmal verst\u00e4rken, damit wir die Innovativsten und Wettbewerbsf\u00e4higsten bleiben. Das ist die erste Versicherung, um unsere Volkswirtschaft in eine erfolgreiche Zukunft zu f\u00fchren.Zudem sind wir daran, mit Freihandelsvertr\u00e4gen die Markt\u00f6ffnung mit den grossen Schwellenl\u00e4ndern Indien und China voranzutreiben. Diese L\u00e4nder sind grunds\u00e4tzlich f\u00fcr unsere Dienstleistungen und Industrieprodukte empf\u00e4nglich. Dar\u00fcber hinaus sind wir daran, langfristige Rahmenbedingungen zu gestalten, welche die Chancen f\u00fcr die Marktteilnehmer er\u00f6ffnen. Die Marktteilnehmer m\u00fcssen dann ihrerseits den Weg in die Welt selbstst\u00e4ndig finden.Ganz kurzfristig ist aus jetziger Sicht kaum Handlungsbedarf angesagt. Die Schweizer Volkswirtschaft w\u00e4chst erfreulich gut. Die Arbeitslosigkeit ist tief und die Besch\u00e4ftigungsquote sehr hoch. Aber ich bleibe sehr wachsam. Wir diskutieren st\u00e4ndig, welche Szenarien sich einstellen k\u00f6nnten und wie man darauf reagieren w\u00fcrde. Solange diese Massnahmen nicht aufs Tapet kommen, sind wir ganz zufrieden. <b>Die Volkswirtschaft:<\/b> <i>Welche Rolle spielt im l\u00e4ngerfristigen Kontext die vom Bundesrat k\u00fcrzlich beschlossene Wachstumspolitik 2012\u20132015?<b>Schneider-Ammann:<\/b> Sie spielt eine grosse Rolle, gerade im Zusammenhang mit der erw\u00e4hnten langfristigen Verbesserung der Rahmenbedingungen. Die Wachstumspolitik zielt vor allem auf die Steigerung der Arbeitsproduktivit\u00e4t, insbesondere in den Binnensektoren, wie etwa dem Gesundheitswesen, der Landwirtschaft, aber auch in der Bauindustrie und im \u00f6ffentlichen Sektor. Angesprochen ist aber auch das Thema Energie. Wir wollen den l\u00e4ngerfristigen Umstieg auf erneuerbare Energien. Der Umstieg muss aber erfolgen, ohne dass wir dabei volkswirtschaftlichen Schaden riskieren. Das heisst, die Energiekosten m\u00fcssen tief bleiben. Die Wachstumspolitik enth\u00e4lt dazu einen ganzen Strauss von Massnahmen, der vorangetrieben werden muss. Ich bin sicher, dass wir mit der Wachstumspolitik 2012-2015 weiter kommen k\u00f6nnen, als das in der abgeschlossenen Periode der Fall gewesen ist. Das ist auch eine zwingende Voraussetzung, um letztlich die Besch\u00e4ftigung in unserem Land hoch halten zu k\u00f6nnen.Interview und Redaktion: Geli Spescha, Chefredaktor \u00abDie Volkswirtschaft\u00bbAbschrift: Simon D\u00e4llenbach, Redaktor \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb<\/i><\/i><\/i><\/i><\/i><\/i><\/i><\/i><\/i><\/i><\/i><\/i><\/i><\/i><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizer Wirtschaft behauptet sich zwar dank robuster Binnenkonjunktur und relativ widerstandsf\u00e4higer Exportwirtschaft besser als erwartet, dies trotz starkem Franken und schwacher Konjunktur besonders in den EU-L\u00e4ndern. Eine weiterhin positive Konjunkturentwicklung ist aber nur gesichert, wenn eine Eskalation der Staatsschuldenkrise im Euroraum verhindert werden kann. 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