{"id":119614,"date":"2012-07-01T12:00:00","date_gmt":"2012-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/07\/zuercher-10\/"},"modified":"2023-08-23T23:27:32","modified_gmt":"2023-08-23T21:27:32","slug":"zuercher-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/07\/zuercher-9\/","title":{"rendered":"Leidet die Schweiz an der Holl\u00e4ndischen Krankheit?"},"content":{"rendered":"<p>Der vorliegende Artikel befasst sich mit m\u00f6glichen strukturellen Ursachen einer k\u00fcnftigen Deindustrialisierung der Schweiz. Ausgangspunkt bildet dabei eine Skizze des 3-Sektoren-Modells, das der sogenannten Holl\u00e4ndischen Krankheit zugrunde liegt. Es wird gezeigt, dass die Schweiz verschiedene Voraussetzungen einer Holl\u00e4ndischen Krankheit aufweist, in der Vergangenheit aber durch geeignete wirtschaftspolitische Massnahmen potenziell sch\u00e4dliche Entwicklungen abwenden konnte, sodass ein weiterer gravierender Deindustrialisierungsschub nicht zu bef\u00fcrchten ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAls in den 1960er-Jahren in den Niederlanden das Groningen-Erdgasfeld entdeckt wurde, l\u00f6ste dies einen Investitions- und Exportboom sowie einen erheblichem Kapitalzufluss in Form von Direktinvestitionen aus, der die gesamte Wirtschaft zu befl\u00fcgeln versprach. Der dadurch verursachte Strukturwandel stellte die niederl\u00e4ndische Wirtschaft jedoch vor grosse Herausforderungen und zeitigte insbesondere f\u00fcr den Industriesektor negative Auswirkungen. Es kam zu einem Abbau industrieller Arbeitspl\u00e4tze und zu einer eigentlichen Deindustrialisierung. Der Economist pr\u00e4gte damals f\u00fcr diese Entwicklung den Begriff der <i>Dutch Disease,<\/i> der Holl\u00e4ndischen Krankheit. Damit sollte ausgedr\u00fcckt werden, dass eine an sich segensreiche Entwicklung \u2013 n\u00e4mlich steigende Einkommen infolge steigender Exporterl\u00f6se \u2013 im Inland ambivalente Strukturverschiebungen bewirken kann.Das Ph\u00e4nomen der Holl\u00e4ndischen Krankheit bietet im Zusammenhang mit der Frage nach der Zukunft des Schweizer Industriestandortes einen zweckm\u00e4ssigen Analyserahmen. Denn im Vordergrund stehen weniger konjunkturelle Entwicklungen, als vielmehr die mittel- bis l\u00e4ngerfristigen Treiber einer allf\u00e4lligen Deindustrialisierung. Im Folgenden wird deshalb zuerst das der Holl\u00e4ndischen Krankheit zugrunde liegende 3-Sektoren-Modell kurz erl\u00e4utert. Anschliessend werden die relevanten Wirkungszusammenh\u00e4nge und Konsequenzen aufgezeigt, welche ein boomender Sektor auf die \u00fcbrigen Teile der Wirtschaft haben kann. In einem zweiten Schritt wird mittels Analogieschluss der Frage nachgegangen, ob die Schweizer Wirtschaft \u00e4hnliche Z\u00fcge aufweist, wie damals die Niederlande. Anstelle des Erdgassektors tritt in der Schweiz dabei der Finanzsektor. Es zeigt sich, dass die Schweizer Wirtschaft bislang keine nennenswerten, f\u00fcr eine Dutch Disease charakteristischen Entwicklungen durchlaufen hat, obschon verschiedene strukturelle Voraussetzungen daf\u00fcr eigentlich gegeben sind. Von Interesse ist dann, weshalb die Schweizer Wirtschaft davon verschont blieb. Die Antwort darauf erlaubt es schliesslich, wirtschaftspolitische Empfehlungen abzuleiten.&#13;<\/p>\n<h2>Ein einfaches 3-Sektoren-Modell<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas zur Analyse der Dutch Disease verwendete Modell geht auf die beiden \u00d6konomen Max Corden und Peter Neary zur\u00fcck.&#13;<br \/>\nVgl. Cordon &amp; Neary 1982; Corden (1984). Es baut auf einem einfachen 3-Sektoren-Modell auf, das aus einem binnenorientierten Sektor, einem Industriesektor und einem sogenannt boomenden Sektor besteht:\u2212 Der <i>binnenorientierte Wirtschaftssektor<\/i> stellt international nicht handelbare G\u00fcter und Dienstleistungen her. Dazu z\u00e4hlen landwirtschaftliche G\u00fcter, die Bauwirtschaft, pers\u00f6nliche Dienstleistungen, das Gesundheitswesen und andere vom internationalen Markt abgeschottete Bereiche sowie der Staat und die staatsnahen Unternehmen. \u2212 Der <i>exportorientierte Sektor<\/i> stellt international handelbare G\u00fcter und Dienstleistungen her. Darunter werden die Branchen und Unternehmen subsumiert, die exportieren oder Importkonkurrenz ausgesetzt sind. Konkret handelt es sich dabei um die MEM-Branchen, die Pharma- und chemische Industrie, grosse Teile des Verarbeitenden Gewerbes, die Branche der Uhren und Pr\u00e4zisionsinstrumente, aber auch gewisse Teile der Tourismusbranche. Der Einfachheit halber wird im Folgenden nur noch vom Industriesektor gesprochen.\u2212 Der <i>boomende Sektor<\/i> schliesslich stellt ebenfalls international handelbare G\u00fcter oder Dienstleistungen her. Dies kann etwa Rohstoffe oder Energietr\u00e4ger wie Erdgas oder Erd\u00f6l umfassen; es k\u00f6nnen aber auch spezielle Dienstleistungen sein, wie die Finanzdienstleistungen im Fall der Schweiz oder Grossbritanniens. Wichtig ist, dass der dritte Sektor in dieser Betrachtung boomt, also letztlich schneller als die \u00fcbrigen Sektoren w\u00e4chst. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die pl\u00f6tzliche Expansion dieses Sektors sind im Modell nicht weiter ausgef\u00fchrt. Es wird folglich unterstellt, dass der Boom durch exogene Umst\u00e4nde getrieben wird. Der boomende Sektor generiert \u00fcber einen starken Zuwachs der Exporterl\u00f6se gesamtwirtschaftliches Wachstum und steigende Einkommen im Inland. Begleitet wird dies von einem signifikanten Zufluss ausl\u00e4ndischen Kapitals.&#13;<br \/>\nIm Originalmodell fliesst das Kapital in Form von Direktinvestitionen in den boomenden Sektor und bewirkt dadurch eine Aufwertung der Landesw\u00e4hrung. Die zentrale Frage ist nun, wie die \u00fcbrigen Sektoren auf diese Expansion reagieren. Zu den Hauptergebnissen z\u00e4hlt, dass der boomende Sektor einerseits auf den Faktorm\u00e4rkten zunehmend zum Industriesektor in Konkurrenz tritt und andererseits eine reale Aufwertung verursacht, welche wiederum die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Industrie verringert. Beides f\u00fchrt zu einer Erosion der Margen beziehungsweise zu einer sinkenden Profitabilit\u00e4t des Industriesektors, was bis zum Marktaustritt oder zur Abwanderung von Industrieunternehmen an kosteng\u00fcnstigere Standorte f\u00fchren kann \u2013 mithin also zu einer Deindustrialisierung.&#13;<\/p>\n<h2>Die Wirkungszusammenh\u00e4nge<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer binnenorientierte Sektor profitiert von der mit steigenden Einkommen verbundenen Zunahme der Nachfrage und kann daher auch die Preise und L\u00f6hne erh\u00f6hen. Demgegen\u00fcber hat der Exportsektor aufgrund der internationalen Konkurrenz beim Preissetzungsverhalten keinen Spielraum und wird deshalb vom steigenden Einkommen vergleichsweise weniger profitieren. Dies verursacht einen Anstieg der relativen Preise von nicht gehandelten zu gehandelten G\u00fctern und Dienstleistungen \u2013 letztlich also eine reale Aufwertung, die auch als <i>Balassa-Samuelson-Effekt<\/i> bekannt ist. Zwar profitieren die Konsumenten, indem sie g\u00fcnstiger importieren k\u00f6nnen. Gleichzeitig ger\u00e4t aber die Profitabilit\u00e4t der exportorientierten oder der Importkonkurrenz unterliegenden Unternehmen unter Druck. Der boomende Sektor fragt in Konkurrenz zum Industriesektor mehr qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte nach. Die L\u00f6hne im boomenden Sektor steigen schneller als im Industriesektor. Damit der Industriesektor um das knappe Humankapital konkurrenzf\u00e4hig bleibt, muss er mitziehen. Da ferner der boomende Sektor vermehrt G\u00fcter und Dienstleistungen vom binnenorientierten Sektor bezieht, verschieben sich die relativen Preise weiter zu Ungunsten des Industriesektors. In die gleiche Richtung wirkt der Staat, der aufgrund des Einkommenszuwachses h\u00f6here Steuereinnahmen erzielt und deshalb expandiert sowie gleichzeitig in der Tendenz mehr G\u00fcter und Dienstleistungen aus dem binnenorientierten Sektor konsumiert. Wir haben es demnach mit zwei Wirkungszusammenh\u00e4ngen zu tun: die sich zu Ungunsten der Industrie verschiebenden relativen Preise \u2013 d.h. die reale Aufwertung \u2013 einerseits und die sinkende Profitabilit\u00e4t der Industrie andererseits. Bei beiden wurde bis jetzt unterstellt, dass auf den Faktorm\u00e4rkten vollkommene Konkurrenz herrscht sowie L\u00f6hne und Preise flexibel reagieren. Gilt dies jedoch nicht, wovon realistischerweise ausgegangen werden muss, kann das Wachstum des boomenden Sektors sogar rezessive Tendenzen ausl\u00f6sen. Zwar \u00fcbt der boomende Sektor aufgrund der steigenden Inlandnachfrage einen Aufw\u00e4rtsdruck auf das Preisniveau aus. Inflation bedingt jedoch, dass die Geldpolitik entsprechend akkomodierend auf den zus\u00e4tzlichen Einkommenszuwachs reagiert. Tut sie dies nicht oder nur unzureichend, so hat dies unter einem Regime flexibler Wechselkurse eine Aufwertung der Landesw\u00e4hrung zur Folge und wirkt im Inland tendenziell deflation\u00e4r auf die Preise und L\u00f6hne. Wenn die Preise und L\u00f6hne nach unten starr sind, f\u00fchrt dies zu einem R\u00fcckgang der Besch\u00e4ftigung beziehungsweise einem Anstieg der Arbeitslosigkeit oder zu einer weiteren Erosion der Margen des Industriesektors.&#13;<\/p>\n<h2>Die Analogie zur Schweizer Situation und stilisierte Fakten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr den Fall der Niederlande sind die oben skizzierten Wirkungszusammenh\u00e4nge gut dokumentiert. Das Resultat der Entdeckung grosser Erdgasvorkommen bewirkte dort einen Deindustrialisierungsschub. Traditionsreiche Industrieunternehmen mussten angesichts der raschen und starken Aufwertung des Guldens um ihr \u00dcberleben k\u00e4mpfen. Aktuell findet sich im Gefolge des anhaltenden weltweiten Rohstoffbooms eine \u00e4hnliche Konstellation in Australien.&#13;<br \/>\nVgl. Corden (2012). Auch in weniger entwickelten L\u00e4ndern finden sich Elemente der Holl\u00e4ndischen Krankheit, etwa wenn die Ausbeutung grosser Rohstoffvorkommen die angestrebte Industrialisierung behindert. Gerade im Zuge der Finanzmarktkrise wurde das Modell verschiedentlich auf Situationen angewendet, bei denen es nicht um die Entdeckung oder Ausbeutung grosser Rohstoffvorkommen geht. Zu nennen ist hier der starke Zustrom von Direktinvestitionen in Irland und die damit einhergehenden Zunahme der Exporterl\u00f6se bis 2007 oder die rasche Expansion des Finanzsektors auf den Britischen Inseln.&#13;<br \/>\nVgl. Laidler (2008). F\u00fcr die Schweiz kann die Analogie des Finanzsektors (und hier insbesondere in der Verm\u00f6gensverwaltung) zur Entdeckung grosser Erdgasvorkommen in den Niederlanden leicht hergeleitet werden \u2013 nicht nur, weil Geld fl\u00fcchtig ist und so gewisse \u00c4hnlichkeiten mit Erdgas aufweist. Wie bereits erw\u00e4hnt ist im Modell entscheidend, dass der dritte Sektor schneller w\u00e4chst als der Rest der Wirtschaft, hohe Exporterl\u00f6se erzielt und signifikante Kapitalzufl\u00fcsse ausl\u00f6st. Dies alles trifft auf den Finanzsektor der Schweiz und insbesondere auf die Verm\u00f6gensverwaltung zu.&#13;<br \/>\nDie Verm\u00f6gensverwaltung wirkt wie ein Durchlauferhitzer, indem einerseits viel Kapital in die Schweiz str\u00f6mt, beziehungsweise eine hohe Nachfrage nach Franken ausl\u00f6st und andererseits das Kapital wieder im Ausland angelegt wird. Dabei bleibt ein gewisser Teil in der Schweiz h\u00e4ngen und f\u00fchrt dadurch zum positiven Einkommenseffekt. W\u00fcrden die Anlagen nicht wieder ins Ausland zur\u00fcckfliessen, w\u00fcrde im Inland die Inflation zweifellos stark anziehen oder der Franken w\u00fcrde noch st\u00e4rker aufwerten. Unbestritten d\u00fcrfte sein, dass der Finanzsektor \u00fcber die vergangenen Dekaden einen Boom erlebt hat. Der Schweizer Finanzsektor hat im Gefolge der finanziellen Globalisierung \u2013 also der Aufhebung von Kapitalverkehrskontrollen und der internationalen \u00d6ffnung der Kapitalm\u00e4rkte \u2013 besonders profitieren k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\nVgl. Seco (2006). Dabei ist auch die besondere Rolle der Verm\u00f6gensverwaltung in Verbindung mit dem Bankkundengeheimnis zu erw\u00e4hnen. Sichtbar wurde der relative Erfolg des Finanzsektors etwa in Form hoher Gewinne und Durchschnittsgeh\u00e4lter. Als Folge davon d\u00fcrfte die gesamtwirtschaftliche Ressourcenallokation zweifellos zugunsten des Finanzsektors verzerrt gewesen sein. Erw\u00e4hnenswert ist dabei auch der segensreiche Effekt des Finanzsektorbooms auf die Staatskassen auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene. Seit jeher d\u00fcrfte zudem der relativ grosse Finanzsektor in der Schweiz einerseits von der Frankenaufwertung profitieren und andererseits diese weiter antreiben. Faktisch kann seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems eine trendm\u00e4ssige Aufwertung des Frankens von rund 0,5% j\u00e4hrlich auf realer und handelsgewichteter Basis beobachtet werden. Schliesslich bildet die Industrie die Exportbasis der Schweiz mit Exportanteilen der Chemie\/Pharma sowie der MEM-Branchen von je weit \u00fcber 50%. Insgesamt finden sich also zahlreiche Parallelen der Schweizer Realit\u00e4t zum oben skizzierten Modell, das der Erkl\u00e4rung der Holl\u00e4ndischen Krankheit zugrunde liegt.&#13;<\/p>\n<h2>Was ist zu tun?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nObwohl gem\u00e4ss dem skizzierten Modell die Voraussetzungen f\u00fcr eine Deindustrialisierung grunds\u00e4tzlich gegeben sind, z\u00e4hlt die Schweiz weiterhin zu den L\u00e4ndern mit der h\u00f6chsten industriellen Wertsch\u00f6pfung pro Kopf der Bev\u00f6lkerung aller OECD-L\u00e4nder. Offenbar konnte die Schweizer Wirtschaft den geschilderten Strukturwandel insgesamt gut bew\u00e4ltigen. Der an sich positive Strukturwandel schlug folglich nicht in eine Deindustrialisierung um.Woran liegt das? Ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit sollen hier ein paar wichtige Gr\u00fcnde genannt werden:\u2212 Die Wirtschaftspolitik hat nie getan, was aufgrund des latenten Drucks auf die Industrie naheliegend w\u00e4re, n\u00e4mlich diese mittels einer spezifischen Industriepolitik zu st\u00fctzen. Dies hatte bislang den Vorteil, dass innerhalb des Industriesektors die notwendigen Anpassungsprozesse erfolgten und sich die Industrie in Richtung h\u00f6herer Wertsch\u00f6pfungserbringungen weiter entwickeln konnte. \u2212 Zur Abwesenheit einer expliziten Industriepolitik kommt ein im Urteil f\u00fchrender Experten sehr flexibler Arbeitsmarkt hinzu. Auch dieser bildet eine wichtige Voraussetzung daf\u00fcr, dass der Strukturwandel effizient erfolgen kann. \u2212 Die Geldpolitik hat flexiblen Wechselkursen stets den Vorrang einger\u00e4umt. Sie hat sich aber auch nicht gescheut, im Sinne einer ultima ratio den Franken wenn n\u00f6tig zu schw\u00e4chen, wie dies gegenw\u00e4rtig wieder der Fall ist. Damit wurde ein allenfalls ineffizienter \u2013 im Sinne von \u00fcberschiessender \u2013 Strukturwandel im Industriesektor vermieden. \u2212 Der Industriesektor selber hat sich an die trendm\u00e4ssige H\u00f6herbewertung des Frankens gew\u00f6hnt und sich entsprechend auf den Innovations- und Qualit\u00e4tswettbewerb spezialisiert, w\u00e4hrend er dem reinen Preis- und Kostenwettbewerb tendenziell ausgewichen ist. Dass die Industrie im Innovations- und Qualit\u00e4tswettbewerb zu bestehen vermag, liegt auch daran, dass die Schweiz ein effizientes Bildungs- und Innovationssystem aufgebaut hat, in dem die Unternehmen selbst wesentliche Investitionen in F&amp;E finanzieren und sich im spezifischen dualen Bildungssystem engagieren. \u2212 Ein wichtiger Punkt betrifft die Offenheit der M\u00e4rkte. Hier hat die Wirtschaftspolitik im Gefolge der sich intensivierenden Globalisierung die Weichen richtig gestellt, indem in der Schweiz nicht die M\u00e4rkte nur f\u00fcr G\u00fcter und Dienstleistungen weiter ge\u00f6ffnet wurden, sondern auch die Faktorm\u00e4rkte. Dies gilt insbesondere f\u00fcr das Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen. Gut bis sehr gut qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte bilden in beiden exportorientierten Sektoren den zentralen Produktionsfaktor. Im Industriesektor ist dies umso wichtiger, als dieser ja im Innovationswettbewerb bestehen soll. Durch die \u00d6ffnung des Arbeitsmarktes via Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen hat die Industrie die M\u00f6glichkeit erhalten, qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte auch ausserhalb der Schweiz zu rekrutieren. Sie konnte so den Lohndruck wesentlich mildern und ihre Profitabilit\u00e4t halten. \u2212 Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Eind\u00e4mmung der Staatst\u00e4tigkeit. Viele Analysen der Holl\u00e4ndischen Krankheit sehen als zentralen Grund f\u00fcr den wirtschaftlichen Abschwung im Gefolge der Entdeckung von Erdgas in den Niederlanden den allm\u00e4hlich \u00fcberbordenden Staat sowie das damit einher gehende Rentseeking. In der Schweiz existiert mit der Schuldenbremse ein wichtiges Instrument zur Stabilisierung der Staatst\u00e4tigkeit. Mit dem f\u00f6deralistischen Steuerwettbewerb wird einem \u00dcberborden des Staates auch auf den unteren Ebenen Einhalt geboten. Gelingt es, diese Faktoren zu erhalten oder sogar zu st\u00e4rken, besteht wenig Grund zur Annahme, dass in der Schweiz ein weiterer gravierender Deindustrialisierungsschub zu bef\u00fcrchten ist, umso mehr, als der boomende Sektor in der Schweiz eher eine Redimensionierung erfahren wird. Dies wird zwar andere, nicht minder grosse Probleme aufwerfen, d\u00fcrfte aber der Industrie im Gegenzug Luft verschaffen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abNominale industrielle Wertsch\u00f6pfung pro Kopf der Bev\u00f6lkerung (in EUR), 2010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abEntwicklung reale Bruttowertsch\u00f6pfung, 1980\u20132011\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abBetroffenheit durch Frankenaufwertung aufgrund der Aussenhandelsverflechtung\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Corden, Max W. und J. Peter Neary (1982): Booming Sector and De-Industrialisation in a Small Open Economy. The Economic Journal 92. \u2212 Corden, Max W. (1984): Booming Sector and Dutch Disease Economics: Survey and Consolidation. Oxford Economic Papers 36.\u2212 Corden, Max W. (2012): The Dutch Disease in Australia: Policy Options for a Three-Speed Economy. Melbourne Institute Working Paper Series, Working Paper Nr. 5\/12, <i><a href=\"http:\/\/www.melbourneinstitute.com\/downloads\/working_paper_series\/wp2012n05.pdf\">http:\/\/www.melbourneinstitute.com\/downloads\/working_paper_series\/wp2012n05.pdf<\/a>.<\/i>\u2212 Laidler, David (2008): The Dutch Disease \u2013 Notes by a Monetary Economist. Mimeo. <i><a href=\"http:\/\/www.ucalgary.ca\/files\/conference08\/Dutch\">http:\/\/www.ucalgary.ca\/files\/conference08\/Dutch<\/a>%20Disease%20June%2024.pdf<\/i>\u2212 Seco (2006): Einige Merkmale der Wertsch\u00f6pfung im Finanzsektor. Konjunkturtendenzen Winter 2006\/2007, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft SECO, Bern, <i><a href=\"http:\/\/www.seco.admin.ch\">http:\/\/www.seco.admin.ch<\/a>,<\/i> Publikationen, Regelm\u00e4ssige Publikationen, Konjunkturtendenzen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der vorliegende Artikel befasst sich mit m\u00f6glichen strukturellen Ursachen einer k\u00fcnftigen Deindustrialisierung der Schweiz. Ausgangspunkt bildet dabei eine Skizze des 3-Sektoren-Modells, das der sogenannten Holl\u00e4ndischen Krankheit zugrunde liegt. 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