{"id":119619,"date":"2012-07-01T12:00:00","date_gmt":"2012-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/07\/arvanitis-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:27:20","modified_gmt":"2023-08-23T21:27:20","slug":"arvanitis-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/07\/arvanitis-5\/","title":{"rendered":"Trotz Krise nach wie vor starke Position der Schweizer Wirtschaft im internationalen Innovationswettbewerb"},"content":{"rendered":"<p>Die Innovationsleistung der Unternehmen beeinflusst l\u00e4ngerfristig stark das Wachstum der Schweizer Wirtschaft. Um diese beurteilen zu k\u00f6nnen, f\u00fchrt die KOF der ETH Z\u00fcrich seit 1990 regelm\u00e4ssig eine Erhebung bei rund 6000 Firmen durch. Aufbauend auf der neuesten Erhebung f\u00fcr den Zeitraum 2009\u20132011 liefert die Studie Ergebnisse zu folgenden Fragen: Wie entwickelte sich die Innovationsleistung der Wirtschaft seit 1990? Durch welche Faktoren wurde sie behindert? Wie schneidet die Schweiz im Vergleich zum Ausland ab? Konnten die Unternehmen dank Neuerungen ihre Marktleistung steigern? Welche Folgen hat die Wirtschaftskrise auf die Innovationst\u00e4tigkeit? Wie kann die Politik die Innovationsf\u00e4higkeit der Firmen st\u00e4rken?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201207_11_Arvanitis_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>R\u00fcckgang des Innovationsoutputs bei stabilem Innovationsinput<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit dem H\u00f6chststand in den fr\u00fchen 1990er-Jahren verzeichnete der Anteil von Firmen, die Innovationen (Produkt- und\/oder Prozessneuerungen) realisierten, einen kontinuierlichen R\u00fcckgang, der sich zwischen 2003 und 2008 verlangsamte, um sich in den letzten Jahren wieder zu beschleunigen. In der Industrie nahm dieser Indikator in der Referenzperiode 2009\u20132011 nun nochmals ab (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Der R\u00fcckgang war ausgepr\u00e4gter im Prozess- als im Produktbereich. Die gegenw\u00e4rtige Wirtschaftskrise hat also deutliche Spuren bei den Innovationsaktivit\u00e4ten hinterlassen. Dies kann auch aus der Abnahme sowohl des Anteils der Firmen mit Patentanmeldungen als auch des Umsatzanteils von innovativen Produkten in der Periode 2009\u20132011 (siehe <i>Grafik 2<\/i>) abgelesen werden. Der Anteil von Firmen mit F&amp;E-Aktivit\u00e4ten verzeichnete in der Referenzperiode eine geringe Abnahme. Auch im Dienstleistungssektor nahm der Anteil von Firmen mit Innovationen \u2013 der f\u00fcr diesen Bereich aussagekr\u00e4ftigste Innovationsindikator \u2013 ab, allerdings weniger stark als im Industriebereich. Die f\u00fcr diesen Sektor weniger aussagekr\u00e4ftigen Indikatoren \u2013 der Anteil der F&amp;E-treibenden Firmen bzw. der Anteil der Firmen mit Patentanmeldungen \u2013 wiesen sogar eine leichte Zunahme auf. Bei der Beurteilung der Ver\u00e4nderung der Innovationsleistung der Wirtschaft spielt nicht nur der Anteil der Firmen mit Innovationsaktivit\u00e4ten eine Rolle, sondern auch die Entwicklung der daf\u00fcr eingesetzten Mittel. Diese nahmen in beiden Sektoren bis Ende der 1990er-Jahre ab. Besonders ausgepr\u00e4gt war der R\u00fcckgang der Aufwendungen f\u00fcr Forschung. Am geringsten fiel der R\u00fcckgang f\u00fcr Konstruktion\/Design aus (rund 70% des fr\u00fcheren Maximums). In der Folge waren die Innovationsausgaben praktisch konstant; in den beiden konjunkturellen Aufschwungsphasen gegen Ende der 1990er-Jahre und vor 2008 nahmen sie wieder (leicht) zu. Im Zuge dieser l\u00e4ngerfristigen Entwicklung verschob sich die Zusammensetzung des Mitteleinsatzes sukzessive von F&amp;E-Aktivit\u00e4ten, die auf eine Verst\u00e4rkung der technologischen Grundlagen abzielen, hin zu anwendungsn\u00e4heren Ausgabenkomponenten wie Konstruktion\/Design und innovationsorientierte Folgeinvestitionen (z.B. Marktabkl\u00e4rungen). Diese Ver\u00e4nderung der Struktur der Innovationsausgaben deutet auf eine Reduktion der \u00abInnovationstiefe\u00bb hin; allerdings setzte sich diese Tendenz in j\u00fcngster Zeit nicht mehr fort. Bei einem ungef\u00e4hr gleichen Umsatzanteil von Innovationsaufwendungen wie in der Vorperiode von 4%\u20135% in der Industrie und 1%\u20131,5% im Dienstleistungssektor blieb in der Referenzperiode die Struktur der Aufwandskomponenten (Forschung, Entwicklung, Konstruktion\/Design, Folgeinvestitionen) bei den Produktinnovationen etwa konstant. Bei Prozessinnovationen gab es sogar eine Tendenz, F&amp;E und Konstruktion\/Design zu st\u00e4rken, dies aber auf Kosten der Folgeinvestitionen, die mehr Mittel beanspruchen. Im Dienstleistungssektor wurden zudem die innovationsrelevanten Informatikaufwendungen zur\u00fcckgefahren.&#13;<\/p>\n<h2>Keine Verschlechterung des Innovationsklimas<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie in <i>Tabelle 1<\/i> aufgef\u00fchrten Innovationshemmnisse haben im l\u00e4ngerfristigen Trend \u2013 von wenigen Ausnahmen abgesehen \u2013 an Bedeutung stark eingeb\u00fcsst. Das Innovationsklima hat sich also \u00fcber die gesamte hier betrachtete Periode wesentlich verbessert und in der Referenzperiode trotz Krise nicht merklich verschlechtert.Heute stellen noch folgende Faktoren f\u00fcr einen nennenswerten Teil der Firmen \u2013 in erster Linie in der Industrie \u2013 ein Innovationshemmnis dar: Hohe Kosten von Innovationsprojekten, zu lange Amortisationszeiten, marktbezogene und technologische Risiken derartiger Projekte sowie ein Mangel an Eigenmitteln und F&amp;E-Personal. Dagegen spielen staatliche Regulierungen und ungen\u00fcgende Mittel zur Forschungs- und Innovationsf\u00f6rderung keine wesentliche Rolle. Nur ein Teil dieser Hemmnisse ist durch die Politik beeinflussbar. F\u00fcr diese sind folgende Tendenzen festzustellen:\u2212 Finanzierungsprobleme haben in den letzten Jahren merklich an Bedeutung eingeb\u00fcsst, nachdem sie bis zu Beginn der 2000er-Jahre die Innovationst\u00e4tigkeit stark beeintr\u00e4chtigt hatten. Die g\u00fcnstige Entwicklung der letzten Jahre ist jedoch bis zu einem gewissen Grad konjunktureller Natur. Strukturell gesehen d\u00fcrfte der Mangel an Eigenmitteln \u2013 insbesondere f\u00fcr kleinere Unternehmen \u2013 ein Problem bleiben. \u2212 Engp\u00e4sse bei der Rekrutierung von (hoch) qualifiziertem Personal, die im l\u00e4ngerfristigen Trend wesentlich geringer geworden sind, nahmen 2009\u20132011 insbesondere im Industriebereich konjunkturbedingt etwas ab. Trotz starker Zuwanderung qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte aus dem EU-Raum stellt aber der Mangel an F&amp;E-Personal weiterhin ein Strukturproblem dar.&#13;<\/p>\n<h2>Internationaler Vergleich der Innovationsleistung<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Die Schweiz immer noch in Spitzenposition<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss einem Vergleich der Resultate der j\u00fcngsten KOF-Innovationsumfrage mit den entsprechenden Ergebnissen des in den EU-L\u00e4ndern durchgef\u00fchrten <i>Community Innovation Survey (CIS)<\/i> geh\u00f6rt die Schweiz zusammen mit Deutschland nach wie vor zur Spitze Europas. Allerdings beziehen sich die zur Zeit verf\u00fcgbaren EU-Angaben \u2013 mit Ausnahme von Deutschland, f\u00fcr welches bereits Daten von 2009\u20132010 erh\u00e4ltlich sind \u2013 auf die Periode 2006\u20132008, also die Zeit vor der Konjunkturabschw\u00e4chung. Daher werden die ausgewiesenen Differenzen gegen\u00fcber den EU-L\u00e4ndern \u2013 mit Ausnahme von Deutschland \u2013 durch diesen Vergleich zu ungunsten der Schweiz \u00fcberzeichnet, da anzunehmen ist, dass die Konjunkturabschw\u00e4chung auch bei anderen L\u00e4ndern sp\u00fcrbar gewesen ist. Diese Einsch\u00e4tzung der Position der Schweiz beruht auf einem breiten Spektrum von Indikatoren, das alle Phasen des Innovationsprozesses abdeckt (siehe <i>Tabelle 2<\/i>). Im Industriebereich belegt die Schweiz insgesamt \u2013 d.h. bei Ber\u00fccksichtigung der in der Tabelle aufgef\u00fchrten Messgr\u00f6ssen \u2013 zusammen mit Deutschland den ersten Rang, gefolgt von Finnland, Schweden und Belgien. Auch im Dienstleistungssektor nimmt die Schweiz eine Spitzenposition ein, allerdings bei ungen\u00fcgender Datenlage, die keinen aussagekr\u00e4ftigen Vergleich zul\u00e4sst. Gem\u00e4ss den Angaben in <i>Tabelle 2<\/i> liegen die besonderen St\u00e4rken der Schweizer Wirtschaft beim hohen Anteil von Firmen, die sich in F&amp;E-Aktivit\u00e4ten engagieren, sowie bei der F\u00e4higkeit, Neuerungen in Markterfolge umzusetzen. Die Spitzenstellung der Schweiz wird durch Vergleiche anhand eines erweiterten Sets von Indikatoren und unter Ber\u00fccksichtigung einer Vielzahl von nicht-europ\u00e4ischen L\u00e4ndern best\u00e4tigt.&#13;<br \/>\nVgl. European Commission, 2012. Gem\u00e4ss dem EU-Ranking ist die Schweiz der <i>Overall Innovation Leader,<\/i> gefolgt von Schweden, D\u00e4nemark, Deutschland und Finnland, welche die Spitzengruppe bilden. Die Schweiz scheint auch vor den USA, Japan und Korea zu liegen; allerdings ist Vorsicht geboten, da die Indikatoren nicht immer einen direkten Vergleich zulassen.&#13;<\/p>\n<h2>Stark innovativer KMU-Sektor in der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBesonders gut schneidet die Schweiz bei den KMU ab. Die Unternehmen mit weniger als 250 Besch\u00e4ftigten sind gem\u00e4ss den in <i>Tabelle 2<\/i> aufgef\u00fchrten Indikatoren insgesamt innovativer als die KMU in allen EU-L\u00e4ndern. In der Schweiz ist also die Innovationsf\u00e4higkeit nach Gr\u00f6ssenklassen besonders breit abgest\u00fctzt. Dank eigener Innovationsaktivit\u00e4ten ist ein erheblicher Teil der KMU bef\u00e4higt, firmenexternes Wissen aufzunehmen und dieses mit internem Know-how zu kombinieren. Damit verf\u00fcgen viele KMU \u00fcber die n\u00f6tigen Voraussetzungen, um mit technologisch hochwertigen Produkten auf dem Weltmarkt \u2013 meist in Nischen \u2013 erfolgreich zu sein. Die Kombination eines sehr innovativen KMU-Sektors und einer betr\u00e4chtlichen Zahl von grossen F&amp;E-intensiven multinationalen Firmen ist eine strukturelle St\u00e4rke des Innovationssystems Schweiz.&#13;<\/p>\n<h2>Der Vorsprung der Schweiz nimmt ab<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Innovationsleistung der Schweiz ist zwar besser als jene der EU-L\u00e4nder (mit Ausnahme Deutschlands). Doch letztere haben in den vergangenen zehn Jahren \u2013 teilweise markant \u2013 aufgeholt (siehe <i>Tabelle 3<\/i>). Der Aufholprozess ist im Dienstleistungssektor ausgepr\u00e4gter. Dies ist nicht nur auf Fortschritte im Ausland zur\u00fcckzuf\u00fchren, die bis zu einem gewissen Grad Ausdruck eines normalen Konvergenzprozesses sind, sondern widerspiegelt auch die ung\u00fcnstige Entwicklung der Innovationsaktivit\u00e4ten in der schweizerischen Industrie in den 1990er-Jahren und im Dienstleistungssektor in den fr\u00fchen 2000er-Jahren. Gest\u00fctzt auf den Anteil der Firmen mit Innovationen machten Finnland und Belgien gegen\u00fcber der Schweiz am st\u00e4rksten Boden gut. Der nochmalige R\u00fcckgang in der Periode 2009-2011 hat aber die relative Position der Schweiz nicht verschlechtert.&#13;<\/p>\n<h2>Leistungsf\u00e4hig bei der Umsetzung von Neuerungen in Markterfolge<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVom \u00f6konomischen Standpunkt aus ist eine Innovation erfolgreich, wenn sie sich am Markt durchsetzt und entsprechende Ertr\u00e4ge generiert. Als Massstab f\u00fcr den Markterfolg wird hier der Umsatzanteil innovativer Produkte verwendet. Wie <i>Tabelle 2<\/i> zeigt, ist der Umsatzanteil innovativer Produkte in der Schweiz ungef\u00e4hr gleich hoch wie in Deutschland. Besonders gut schneidet die Schweiz \u2013 auch gegen\u00fcber Deutschland \u2013 bei Marktneuheiten ab. Weniger gut ist das Abschneiden bei Firmenneuheiten, die auf eine erfolgreiche Adoption teilweise anderswo entwickelter Innovationen zur\u00fcckgehen. Der internationale Vergleich zeigt, dass die popul\u00e4re These nicht zutrifft, wonach die Schweizer Wirtschaft zwar erfolgreich sei im Hervorbringen von Neuerungen, aber Defizite aufweise bei deren Umsetzung am Markt.Zus\u00e4tzliche Informationen zur Leistungsf\u00e4higkeit der Schweizer Wirtschaft bei der Umsetzung von Neuerungen liefern Angaben zur Ver\u00e4nderung des Umsatzanteils innovativer Produkte im Zeitablauf. In der Industrie entwickelte sich dieser Anteil \u2013 nach einem starken R\u00fcckgang in den sp\u00e4ten 1990er-Jahren \u2013 relativ g\u00fcnstig, nahm er doch seit 2002 wieder zu und erreichte in der Periode 2006\u20132008 fast zwei Drittel des fr\u00fcheren H\u00f6chststandes. In der Referenzperiode ist er wieder merklich gefallen, und zwar sowohl im Industrie- als auch im Dienstleistungssektor (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Da der Umsatzanteil von innovativen Produkten im Referenzzeitraum st\u00e4rker abgenommen hat als der Umsatzanteil der Innovationsaufwendungen, ist die \u00abUmsatzproduktivit\u00e4t\u00bb von Investitionen in Innovationsprojekte gesunken. Somit wurde die seit l\u00e4ngerer Zeit zu beobachtende Tendenz zur Erh\u00f6hung der Effektivit\u00e4t des Innovationsprozesses krisenbedingt gestoppt. Dies steht im Einklang mit dem generellen zyklischen Ph\u00e4nomen der Abnahme der Produktivit\u00e4t am Anfang einer Periode der Konjunkturschw\u00e4che.&#13;<\/p>\n<h2>Konjunktur und Innovationst\u00e4tigkeit: Die Krise hinterl\u00e4sst deutliche Spuren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus einem Vergleich der Zeitprofile der Konjunkturentwicklung und der Innovationsleistung in der Industrie f\u00fcr zwei volle Zyklen (Zeitraum 1988\u20131990 bis 2006\u20132008) geht hervor, dass sich die beiden Variablen parallel entwickeln oder die Innovationsleistung der Konjunkturentwicklung mit leichter Verz\u00f6gerung folgt. Dieses Muster ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass Investitionen generell prozyklisch sind; das trifft f\u00fcr Innovationsprojekte angesichts ihres \u00fcberdurchschnittlichen Risikos umso mehr zu. Die Eigenmittel der Unternehmen nehmen in Rezessionszeiten ab \u2013 also gerade jene Ressourcen, die typischerweise zur Finanzierung von Innovationsprojekten herangezogen werden. Je l\u00e4nger eine Rezession dauert, umso mehr f\u00e4llt dieser Faktor ins Gewicht.Angesichts dieser Zusammenh\u00e4nge sollten die Innovationsaktivit\u00e4ten in der Referenzperiode krisenbedingt r\u00fcckl\u00e4ufig sein. Wie zu Beginn des Artikels festgestellt, reduzierten die Unternehmen im Durchschnitt zwar ihr Innovationsoutput <i>prozyklisch.<\/i> Sie verzichteten aber darauf, auch ihr Innovationsinput merklich zur\u00fcckzufahren, sei es durch Reduktion des Anteils der Innovationsaufwendungen oder generell durch Suspendierung von F&amp;E-Aktivit\u00e4ten (bei Firmen mit geringer F&amp;E-Intensit\u00e4t). So k\u00f6nnen Know-how und innovationsrelevante Kompetenzen, deren Wiederbeschaffung oft recht kostspielig ist, f\u00fcr den n\u00e4chsten Aufschwung aufrechterhalten werden.Dieses Verhalten steht im Widerspruch zur eingangs postulierten These, kann aber durch die Resultate einer neueren KOF-Studie f\u00fcr die Periode 1997\u20132008&#13;<br \/>\nVgl. Arvanitis und W\u00f6rter, 2011. teilweise erkl\u00e4rt werden. Gem\u00e4ss dieser Studie ist die Zahl der Firmen mit <i>prozyklischem<\/i> F&amp;EInvestitionsverhalten betr\u00e4chtlich gr\u00f6sser als diejenige der Firmen mit <i>antizyklischem<\/i> Verhalten. Das prozyklische Verhalten ist aber asymmetrisch. Es existieren n\u00e4mlich merklich mehr Unternehmen, welche sich im <i>Aufschwung<\/i> prozyklisch verhalten, als solche, welche im Abschwung konjunktursynchron ihr F&amp;E-Investitionsverhalten \u00e4ndern. Dar\u00fcber hinaus existiert eine mit der Anzahl prozyklischer Unternehmen vergleichbar hohe Zahl von Firmen mit unsystematischem \u2013 d.h. weder prozyklischem noch antizyklischem \u2013 Verhalten. So ergibt sich also eine Mehrheit von Firmen, welche ein zur\u00fcckhaltendes Verhalten im Abschwung aufweisen. Die Studie zeigte ferner, dass spezifische Unternehmensmerkmale und das Wettbewerbsumfeld einen signifikanten Einfluss auf das F&amp;E-Investitionsverhalten der Firmen im wechselnden konjunkturellen Umfeld aus\u00fcben. <i>Antizyklisches<\/i> Verhalten wurde vor allem in M\u00e4rkten mit niedrigem preislichen Wettbewerb und hoher Relevanz nichtpreislicher Wettbewerbsparameter festgestellt. Antizyklische Unternehmen sind in der Regel im F&amp;E-Bereich gut vernetzt und haben eine relativ hohe F&amp;E-Intensit\u00e4t.&#13;<\/p>\n<h2>Schlussfolgerungen f\u00fcr die Politik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund der Analyse stellen wir einen moderaten wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf fest. Es kristallisieren sich die folgenden Ansatzpunkte zur Verbesserung der Innovationsf\u00e4higkeit von Schweizer Unternehmen heraus:\u2212 Die f\u00fcr die Innovationst\u00e4tigkeit relevanten Rahmenbedingungen sollten durch die \u00d6ffnung bisher gesch\u00fctzter M\u00e4rkte verbessert werden. So liessen sich \u00f6konomische Ressourcen freisetzen, die \u2013 sofern sie f\u00fcr \u00abZukunftsinvestitionen\u00bb verwendet werden \u2013 zur Steigerung der Innovationsleistung der Schweizer Wirtschaft beitr\u00fcgen.\u2212 Der Mangel an hoch qualifiziertem Personal wird zwar durch die Zuwanderung aus dem EU-Raum und die Wirtschaftskrise abgeschw\u00e4cht (siehe <i>Tabelle 3<\/i>), bleibt aber l\u00e4ngerfristig eine Schwachstelle. Der freie Personenverkehr darf deshalb nicht aus einer kurzfristigen Optik heraus eingeschr\u00e4nkt werden. Dar\u00fcber hinaus ist anzustreben, die Einwanderung von Spezialisten aus Nicht-EU-L\u00e4ndern zu erleichtern. Trotzdem: Die Schweiz muss in erster Linie selbst daf\u00fcr sorgen, dass ihre Humankapitalbasis erweitert wird. Humankapital ist der wesentlichste komparative Vorteil der Schweiz. In diesem Sinne erscheint es uns vern\u00fcnftig, dass die Investitionen in Bildung und Forschung von den geplanten Budgetk\u00fcrzungen der \u00f6ffentlichen Hand ausgenommen werden, im Gegenteil: Sie sollten sogar \u00fcberproportional erh\u00f6ht werden. \u2212 Letzteres gilt auch f\u00fcr die Innovationsf\u00f6rderung der Kommission f\u00fcr Technologie und Innovation (KTI). Im Weiteren ist in Betracht zu ziehen, die Finanzierung von F&amp;E- und Innovationsprojekten von Unternehmen durch steuerliche Massnahmen zu unterst\u00fctzen, wie es in zunehmendem Mass in anderen innovationsstarken L\u00e4ndern der Fall ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abInnovationsaktivit\u00e4ten in der Schweizer Wirtschaft, 1988\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abAnteil innovativer Produkte am Umsatz, 1992\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abInnovationshemmnise, 1994\/96-2008\/10\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abInternationaler Vergleich der Innovationsleistung\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 3: \u00abInnovationsleistung im internationalen Vergleich, 1993\u20132008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Die 8. Innovationsumfrage&#13;<\/p>\n<h3>Die 8. Innovationsumfrage<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer vorliegende Beitrag beruht auf der achten Innovationsumfrage, welche die KOF der ETH Z\u00fcrich mit ihrem Unternehmenspanel im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) im Herbst 2011 durchgef\u00fchrt hat. Die dazugeh\u00f6rige Studie erscheint Ende 2012 in der Reihe Strukturberichterstattung des Seco.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Arvanitis, S. und M. W\u00f6rter (2011): Firm Characteristics and the Cyclicality of R&amp;D Investments, KOF Working Paper Nr. 277, Z\u00fcrich.\u2212 European Commission (2012): The Innovation Union Scoreboard 2011, Luxemburg.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Innovationsleistung der Unternehmen beeinflusst l\u00e4ngerfristig stark das Wachstum der Schweizer Wirtschaft. 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