{"id":119639,"date":"2012-07-01T12:00:00","date_gmt":"2012-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/07\/braun-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:27:23","modified_gmt":"2023-08-23T21:27:23","slug":"braun-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/07\/braun-3\/","title":{"rendered":"Infrastrukturbau: Chancen ja, Euphorie nein"},"content":{"rendered":"<p>In zahlreichen Schwellenl\u00e4ndern stehen Infrastrukturprojekte mit enormen Dimensionen auf der Agenda. Das Massengesch\u00e4ft ist jedoch kein Marktplatz f\u00fcr Schweizer Ingenieur- und Planungsunternehmen. Zu hoch sind die Anforderungen an die personellen Ressourcen und zu gering die internationalen Honorare. Das Nischenprodukt \u00abhochwertige Expertise\u00bb l\u00e4sst sich aber durchaus international vermarkten. F\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) spielen strategische Partnerschaften als T\u00fcr\u00f6ffner eine entscheidende Rolle. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201207_21_Braun_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"278\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine gut ausgebaute und funktionierende Infrastruktur ist ein wesentlicher Standortfaktor, um im globalisierten Wettbewerb bestehen zu k\u00f6nnen. Besonders aufstrebende L\u00e4nder wie Brasilien, Russland, Indien und China werden in den n\u00e4chsten Jahrzehnten Milliarden in ihre Infrastruktur investieren. Noch hinkt die Infrastruktur in diesen L\u00e4ndern dem Wirtschafts- und Bev\u00f6lkerungswachstum in den Metropolen deutlich hinterher. Der Bedarf w\u00e4chst t\u00e4glich. Ein Beispiel: W\u00e4hrend der ersten Planungsarbeiten f\u00fcr den neuen internationalen Flughafen in Bangalore in den Jahren 2000 bis 2002 ging man von einem Passagieraufkommen von rund 2 bis 4 Mio. pro Jahr aus. Im ersten Betriebsjahr nach der Er\u00f6ffnung 2008 z\u00e4hlte der Betreiber bereits 8 Mio. Passagiere; 2011 waren es schon 12,6 Mio. Die j\u00e4hrliche Wachstumsrate liegt bei rund 17%. Derartigen Wachstumszahlen muss auch die Infrastruktur folgen. Sind die aufstrebenden Schwellenl\u00e4nder also ein El Dorado f\u00fcr kompetente und erfahrene Ingenieur- und Planungsunternehmen aus der Schweiz? Die Antwort lautet: Jein.&#13;<\/p>\n<h2>Schweizer Infrastruktur als beste Referenz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz ist ein Musterland f\u00fcr eine hochwertige, gut ausgebaute und sehr zuverl\u00e4ssige Infrastruktur. Das gilt sowohl f\u00fcr den Verkehr als auch f\u00fcr Ver- und Entsorgung sowie die Kommunikation. Gem\u00e4ss einer Studie des Schweizerischen Nationalfonds aus dem Jahr 2011 bel\u00e4uft sich der Wiederbeschaffungswert der gesamten technischen Infrastruktur in der Schweiz auf rund 830 Mrd. Franken. F\u00fcr den Erhalt dieses hochwertigen Netzwerks sind j\u00e4hrlich 19 Mrd. Franken n\u00f6tig. Diese Zahlen deuten an, wof\u00fcr die Schweiz auch im Infrastrukturbereich international steht: f\u00fcr eine exzellente Qualit\u00e4t, die einen hohen Wert, aber auch ihren Preis hat. F\u00fcr Schweizer Ingenieurunternehmen ist die heimische Infrastruktur die beste Referenz, die man sich vorstellen kann. Jeder ausl\u00e4ndische Besucher kann sich schon bei einem kurzen Aufenthalt von ihrer Hochwertigkeit \u00fcberzeugen. Entsprechend glaubw\u00fcrdig k\u00f6nnen Schweizer Planer, Ingenieure und Berater im Ausland ihre Expertise vertreten. Doch Schweizer Preise sind im Ausland nur bedingt wettbewerbsf\u00e4hig: Die meisten internationalen Infrastrukturprojekte haben enorme Dimensionen \u2013 nicht nur physisch, sondern auch bez\u00fcglich der zu leistenden Arbeiten und der daf\u00fcr notwendigen personellen Ressourcen. In diesem \u00abMassengesch\u00e4ft\u00bb k\u00f6nnen Schweizer Ingenieurunternehmen weder personell noch preislich mithalten. Hier kommen die Global Player mit bis zu 70&nbsp;000 Mitarbeitenden auf der ganzen Welt zum Zug. Die Chancen f\u00fcr die Schweizer liegen in den Nischen.&#13;<\/p>\n<h2>Strategische Partnerschaften als T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr KMU<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVor allem aufstrebende Staaten in Asien, Osteuropa und S\u00fcdamerika bieten ein Marktpotenzial f\u00fcr hochwertige Expertise (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Hochwertige Expertise als Nischenprodukt<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Basler &amp;amp; Hofmann hat die Erfahrung gemacht, dass Schweizer Kompetenzen vor allem dort erw\u00fcnscht sind, wo nachhaltige und ganzheitliche Infrastrukturl\u00f6sungen gesucht werden. Das Know-how f\u00fcr die Projektierung von einzelnen leistungsf\u00e4higen Infrastrukturanlagen \u2013 wie zum Beispiel von Autobahnen oder Fussballstadien \u2013 bieten heute viele internationale Anbieter bedeutend g\u00fcnstiger als wir an. Solche Vorhaben aber als Gesamtsystem zu denken und mit allen weitreichenden Konsequenzen bez\u00fcglich Energieversorgung, Verkehrsanbindung, Nutzersicherheit oder auch in Hinblick auf einen langfristig \u00f6konomischen Betrieb und Unterhalt zu planen, verlangt breite Kompetenzen und langj\u00e4hrige Erfahrung. Bei solchen Vorhaben k\u00f6nnen wir mit hoher Expertise schon in einer fr\u00fchen Phase wichtige Weichen stellen und zu einem guten Gelingen beitragen. Dies erfordert aber das Bewusstsein auf der Seite des Auftraggebers, dass derartige Expertise und konzeptionelle Leistungen in einer fr\u00fchen Projektphase entscheidend f\u00fcr die Machbarkeit und die Qualit\u00e4t des k\u00fcnftigen Bauwerks sind. Damit sind auch Schweizer Honorare nur vermeintlich teuer. Sie amortisieren sich im weiteren Projektverlauf sehr schnell.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Dennoch wird kaum ein mittelst\u00e4ndisches Ingenieurunternehmen aus der Schweiz anfangen, diese M\u00e4rkte eigenst\u00e4ndig und gar mit eigenen Standbeinen vor Ort strategisch zu entwickeln. Basler &amp; Hofmann ist international h\u00e4ufig in strategischen Partnerschaften t\u00e4tig: So bearbeiten wir zum Beispiel als Berater oder Planer im Auftrag von schweizerischen oder europ\u00e4ischen Industriekonzernen Grossprojekte vor Ort. Wir stellen f\u00fcr den Industriepartner sicher, dass die Anlage nach seinen Qualit\u00e4tsanforderungen ausgef\u00fchrt wird \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie in der Schweiz, in Abu Dhabi oder in Malaysia gebaut wird. Oder wir gehen in einer \u00abSwiss Community\u00bb gemeinsam mit einem Schweizer Dienstleistungspartner an den Start. Derartige eingespielte Partnerschaften erm\u00f6glichen eine effiziente Zusammenarbeit \u2013 gerade unter den h\u00e4ufig erschwerten Bedingungen im Ausland.&#13;<\/p>\n<h2>Qualit\u00e4tssicherung f\u00fcr Investoren und in der Entwicklungszusammenarbeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Berater und Experten sind Schweizer Ingenieure und Planer auch f\u00fcr Investoren oder f\u00fcr staatliche Einrichtungen von Geberl\u00e4ndern t\u00e4tig, die sicherstellen wollen, dass ihre Standards vor Ort eingehalten werden. So war Basler &amp; Hofmann im Auftrag des Flughafens Z\u00fcrich beim Bau des neuen Flughafens in Bangalore bei der Konzeption beteiligt und verantwortete als Projektmanager die Qualit\u00e4tssicherung. Daf\u00fcr war das Unternehmen einige Jahre mit einem eigenen Projektb\u00fcro vor Ort vertreten. Auch in der Entwicklungszusammenarbeit sind Schweizer Experten als Berater gefragt. Im Auftrag der Deutschen Entwicklungsbank KfW betreuen die Biosicherheitsexperten von Basler &amp; Hofmann in Singapur den Aufbau und die Inbetriebnahme eines Biocontainment-Labors in Indonesien. Das Labor wird f\u00fcr die Pr\u00fcfung von Vogelgrippeimpfstoffen ben\u00f6tigt. F\u00fcr das Schweizer Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) begleitet Basler &amp; Hofmann unter anderem ein Abwasserversorgungsprojekt in Mazedonien, bei dem es auch darum geht, Organisationsstrukturen und administrative Prozesse vor Ort zu verbessern und die richtigen Anreizsysteme zu etablieren, damit die Anlagen sp\u00e4ter nachhaltig betrieben werden k\u00f6nnen. Im Zentrum all dieser Engagements stehen konzeptionelle Aufgaben, Machbarkeitsbeurteilungen technischer, finanzieller oder organisatorischer Art sowie die Qualit\u00e4tssicherung.&#13;<\/p>\n<h2>Risiken abw\u00e4gen und Chancen nutzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInternationale Projekte bergen in der Regel gr\u00f6ssere finanzielle, juristische, politische und personelle Risiken. F\u00fcr ein KMU ist es lebensnotwendig, Risiken und Chancen bei Auslandsauftr\u00e4gen gut abzusch\u00e4tzen. Bei Basler &amp; Hofmann gilt die Daumenregel: Nur einer der drei Bausteine \u00abKunde\u00bb, \u00abDienstleistung\u00bb und \u00abgeografischer Markt\u00bb darf Neuland f\u00fcr das Unternehmen sein. Ein neuer geografischer Markt sollte also nur mit einem bekannten Kunden und einer gut etablierten Dienstleistung in Angriff genommen werden. Nach Abw\u00e4gung aller Chancen und Risiken stellt sich die Frage, warum ein Schweizer Ingenieurunternehmen \u00fcberhaupt im Ausland aktiv werden sollte. In der Schweiz gibt es eine F\u00fclle von Aufgaben. Gleichzeitig herrscht ein Mangel an Fachleuten. Grosse Auslandsprojekte verlangen meist eine hohe Pr\u00e4senz vor Ort und bringen pers\u00f6nliche Entbehrungen mit sich. Vor dem Hintergrund einer hohen Lebensqualit\u00e4t in unserem Land, stossen Auslandseins\u00e4tze nicht bei jedem Experten auf grosses Interesse. Das stellt international aktive Unternehmen vor Herausforderungen. Gleichzeitig gibt es Dienstleistungsbereiche, f\u00fcr die es im Inland in den n\u00e4chsten Jahren und Jahrzehnten nur noch wenige Grossprojekte gibt. So hat eine im Auftrag des Fachverbands Infra erstellte Studie gezeigt, dass dem traditionsreichen Schweizer Tunnelbau in der Schweiz bald die Projekte ausgehen werden. K\u00fcnftig werden hierzulande vor allem Tunnelsanierungen anstehen. Wer also seine Kompetenzen im Tunnelbau erhalten will, wird den Schritt ins Ausland zwingend tun m\u00fcssen. Angesichts einer zunehmend urbanisierten Welt sind die Zukunftsperspektiven f\u00fcr ausgewiesene Tunnelexperten exzellent \u2013 vorausgesetzt sie denken global.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Hochwertige Expertise als Nischenprodukt&#13;<\/p>\n<h3>Hochwertige Expertise als Nischenprodukt<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBasler &amp; Hofmann hat die Erfahrung gemacht, dass Schweizer Kompetenzen vor allem dort erw\u00fcnscht sind, wo nachhaltige und ganzheitliche Infrastrukturl\u00f6sungen gesucht werden. Das Know-how f\u00fcr die Projektierung von einzelnen leistungsf\u00e4higen Infrastrukturanlagen \u2013 wie zum Beispiel von Autobahnen oder Fussballstadien \u2013 bieten heute viele internationale Anbieter bedeutend g\u00fcnstiger als wir an. Solche Vorhaben aber als Gesamtsystem zu denken und mit allen weitreichenden Konsequenzen bez\u00fcglich Energieversorgung, Verkehrsanbindung, Nutzersicherheit oder auch in Hinblick auf einen langfristig \u00f6konomischen Betrieb und Unterhalt zu planen, verlangt breite Kompetenzen und langj\u00e4hrige Erfahrung. Bei solchen Vorhaben k\u00f6nnen wir mit hoher Expertise schon in einer fr\u00fchen Phase wichtige Weichen stellen und zu einem guten Gelingen beitragen. Dies erfordert aber das Bewusstsein auf der Seite des Auftraggebers, dass derartige Expertise und konzeptionelle Leistungen in einer fr\u00fchen Projektphase entscheidend f\u00fcr die Machbarkeit und die Qualit\u00e4t des k\u00fcnftigen Bauwerks sind. Damit sind auch Schweizer Honorare nur vermeintlich teuer. Sie amortisieren sich im weiteren Projektverlauf sehr schnell.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Basler &amp; Hofmann&#13;<\/p>\n<h3>Basler &amp; Hofmann<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBasler &amp; Hofmann ist ein unabh\u00e4ngiges Ingenieur-, Planungs- und Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz und Tochtergesellschaften in der Slowakei, in Deutschland und Singapur. Rund 500 Mitarbeitende aus mehr als 30 Fachgebieten arbeiten in der Unternehmensgruppe zusammen. T\u00e4tigkeitsschwerpunkte sind die Bereiche Infrastruktur, Geb\u00e4ude, Umwelt, Energie und Sicherheit. Das 1963 gegr\u00fcndete Unternehmen war bereits in mehr als 80 L\u00e4ndern t\u00e4tig. Internet: <i><a href=\"http:\/\/www.baslerhofmann.ch\">http:\/\/www.baslerhofmann.ch<\/a><\/i><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In zahlreichen Schwellenl\u00e4ndern stehen Infrastrukturprojekte mit enormen Dimensionen auf der Agenda. 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