{"id":119664,"date":"2012-07-01T12:00:00","date_gmt":"2012-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/07\/indergand-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:27:24","modified_gmt":"2023-08-23T21:27:24","slug":"indergand-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/07\/indergand-5\/","title":{"rendered":"Schweizer Industrie dank Strukturwandel an internationaler Spitze"},"content":{"rendered":"<p>Die Wirtschaftskrise von 2008\/09 hat die exportorientierte Industrie in der Schweiz in besonderem Ausmass getroffen. Zudem werden die Schweizer Produzenten durch die aktuelle konjunkturelle Schw\u00e4che in Europa, die Frankenst\u00e4rke sowie die harte internationale Konkurrenz aus Asien erneut gefordert. Im langfristigen internationalen Vergleich \u00fcbertrifft das Wachstum der Industrieproduktion in der Schweiz jedoch das der meisten anderen Industriestaaten. Erm\u00f6glicht wurde diese Entwicklung durch starke Umstrukturierungen innerhalb der Industrie. Dominante Sektoren wie Pharma und Elektronik\/Optik\/Uhren haben seit den 1990er-Jahren starkes Wachstum generiert und ihren Anteil an der gesamten Industriewertsch\u00f6pfung deutlich gesteigert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201207_05_Indergand_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Vergleich Industrieproduktion international<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den meisten Industriestaaten ist ein sinkender Anteil der Wertsch\u00f6pfung im Industriesektor am gesamten Bruttoinlandprodukt (BIP) beobachtbar. Dieses Ph\u00e4nomen der <i>Postindustrialization<\/i>&#13;<br \/>\nDefinition nach Weltbank. ist auf die wachsende Bedeutung des Dienstleistungssektors in den Industriestaaten zur\u00fcckzuf\u00fchren. In der Schweiz hat sich der Anteil der Industrie am BIP seit 1980 von 23,8% auf 18,1% in 2011 reduziert.Der R\u00fcckgang dieses Anteils bedeutet nat\u00fcrlich nicht, dass die Produktion im Schweizer Industriesektor absolut ebenfalls zur\u00fcckgegangen ist. Im Vergleich mit den wichtigen Industrienationen \u2013 wie Deutschland, Frankreich, USA und Japan \u2013 hat sich die Industrieproduktion&#13;<br \/>\nDer Produktionsindex der Industrie reflektiert das Produktionsvolumen im Verarbeitenden Gewerbe, d.h. ohne Bergbau, Energie- und Wasserversorgung. Das Baugewerbe wird vom Index ebenfalls nicht erfasst. in der Schweiz sogar aussergew\u00f6hnlich stark entwickelt (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Seit den 1990er-Jahren \u00fcbertrifft das Wachstum der Schweizer Industrie dasjenige in praktisch allen anderen grossen L\u00e4ndern. Verglichen mit S\u00fcdeuropa und Grossbritannien erscheint das Wachstum besonders stark. Auch in den letzten Jahren zeigte die Schweizer Industrie eine solide Entwicklung. Der markante Einbruch 2008\/09 konnte in der Schweiz zwar noch nicht ganz wettgemacht werden, dies im Gegensatz zur Industrieproduktion in Deutschland, welche das Niveau von vor der Krise praktisch wieder erreicht hat. Die Industriesektoren in Frankreich und Japan haben sich seit Mitte der 1990er-Jahre unterdurchschnittlich entwickelt und haben in j\u00fcngster Vergangenheit massiv unter der Finanz- und Wirtschaftskrise gelitten. Deren Produktionsindizes liegen weit unterhalb der bisher erreichten Maximalwerte. In Japan wurden die Aufholeffekte durch die Erbeben- und Tsunamikatastrophe anfangs 2011 stark getr\u00fcbt.&#13;<\/p>\n<h2>Branchenspezifische Entwicklung 1997\u20132010<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie neuen vom Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) berechneten Zahlen zur Wertsch\u00f6pfung der Schweizer Industrie&#13;<br \/>\nDie neuen Daten des BFS beziehen sich auf die Sektorgliederung nach Noga 2008. zeigen, wo diese international starke Entwicklung der Schweizer Industrie herr\u00fchrt. Die St\u00e4rken der letzten 15 Jahre sind auf einige wenige, f\u00fcr die Schweiz sehr bedeutende Branchen zur\u00fcckzuf\u00fchren, w\u00e4hrend sich die meisten mittelgrossen Industriezweige ordentlich behaupteten. Deutlich negativ entwickelten sich praktisch nur Branchen, welche 1997 an der gesamten industriellen Wertsch\u00f6pfung bereits einen geringen Anteil hatten. Dies \u00e4ussert sich auch im durchschnittlichen Wachstum der gesamten Industrie, das von 1997-2010 2,1% betrug, was leicht \u00fcber dem durchschnittlichen Wachstum des BIP liegt.Wie <i>Grafik 2<\/i> zeigt, entwickelten sich die grossen Sektoren Pharma, Nahrungsmittel\/Tabak, Elektronik\/Optik\/Uhren sowie Kokerei\/Mineral\u00f6l\/Chemie sehr positiv. Die Pharmaindustrie verdreifachte ihre reale Wertsch\u00f6pfung in dieser Zeit. Die Sektoren Maschinen sowie Metalle stagnierten hingegen. Negativ ver\u00e4nderten sich eher kleine Branchen wie Textilien\/Bekleidung, Papier\/Pappe, Druckerzeugnisse und M\u00f6bel.Erste Zahlen zum Jahr 2011 werden vom BFS Ende August 2012 ver\u00f6ffentlicht. F\u00fcr die Gesamtwertsch\u00f6pfung der Industrie weist das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) bis zum 1. Quartal 2012 aber bereits Quartalszahlen aus.&#13;<br \/>\nK\u00fcnftig werden vom Seco auch auf Quartalsebene Zahlen zu den einzelnen Sektoren der Industrie berechnet. Demzufolge konnte die Gesamtindustrie 2011 um 3,9% im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Trotzdem kann nicht davon ausgegangen werden, dass die St\u00e4rke der Schweizer W\u00e4hrung an den exportorientierten Industriebranchen spurlos vorbeigeht. Bremsspuren sind denn auch im ersten Quartal 2012 bei der Wertsch\u00f6pfung der Industrie sichtbar (\u20131,1% im Vergleich zum Vorquartal, saisonbereinigt). Aussergew\u00f6hnlich erscheint diese Entwicklung bisher aber nicht angesichts der starken konjunkturellen Abk\u00fchlung in Europa.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Industrielandschaft erfuhr \u00fcber die letzten 15 Jahre einen Strukturwandel, welcher die treibende Kraft hinter dem starken Industriewachstum ist. Die Entwicklung einzelner Branchen war dermassen stark, dass die Schweiz im internationalen Vergleich zu jenen entwickelten Volkwirtschaften geh\u00f6rt, welche seit Mitte der 1990er-Jahre die h\u00f6chsten Wachstumsraten in der Industrie verzeichnen konnten. Ob die Entwicklung in diesem Tempo weitergehen kann, ist insbesondere angesichts der harten Schweizer W\u00e4hrung ungewiss.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abProduktionsindex der Industrie (Verarbeitendes Gewerbe), Schweiz und international, 1995\u20132012\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abWachstum einzelner Industriebranchen, 1997\u20132010\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wirtschaftskrise von 2008\/09 hat die exportorientierte Industrie in der Schweiz in besonderem Ausmass getroffen. Zudem werden die Schweizer Produzenten durch die aktuelle konjunkturelle Schw\u00e4che in Europa, die Frankenst\u00e4rke sowie die harte internationale Konkurrenz aus Asien erneut gefordert. 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