{"id":119669,"date":"2012-07-01T12:00:00","date_gmt":"2012-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/07\/lampart-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:27:39","modified_gmt":"2023-08-23T21:27:39","slug":"lampart-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/07\/lampart-7\/","title":{"rendered":"Motiviertes, qualifiziertes Personal und ein fairer Wechselkurs als Erfolgsfaktoren"},"content":{"rendered":"<p>Vor der Finanzkrise verzeichnete die Schweizer Industrie ein starkes Wachstum. Die Industrie-Skeptiker der 1990er-Jahre verstummten. Diese Entwicklung zeigt: Die Schweizer Industrie ist wettbewerbsf\u00e4hig, wenn der Schweizer Franken fair bewertet ist und die Konjunktur im Ausland l\u00e4uft. Der Anteil der Industrie am gesamten Bruttoinlandprodukt betr\u00e4gt rund 20%. Doch dieser Anteil untersch\u00e4tzt die volkswirtschaftliche Bedeutung. In einem kleinen Land wie in der Schweiz h\u00e4ngen die L\u00f6hne und Arbeitspl\u00e4tze in der Binnenwirtschaft zu einem betr\u00e4chtlichen Teil vom Wohlergehen in der Exportwirtschaft ab.&#13;<\/p>\n<h2>Ein fairer Frankenkurs<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn fr\u00fcheren Jahren war die Industriekonjunktur weitgehend unabh\u00e4ngig von der Lage im Finanzsektor. Phasenweise waren die beiden Konjunkturen sogar gegenl\u00e4ufig, was stabilisierend wirkte. In den letzten Jahren traten Rezessionen jedoch immer h\u00e4ufiger in beiden Sektoren zusammen auf. Ein Extremfall ist die Krise 2008\/09, als die Wertsch\u00f6pfung in beiden Sektoren fast gleichzeitig einbrach. Dank dem intensiven Einsatz von Kurzarbeit konnten aber in der schwierigen Phase viele Arbeitspl\u00e4tze erhalten werden. Die zweimalige Verl\u00e4ngerung der maximalen Kurzarbeitsdauer hat dazu wesentlich beigetragen. Angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten darf die Kurzarbeitsdauer nicht verk\u00fcrzt werden.Die starke \u00dcberbewertung des Frankens macht Teilen der Schweizer Industrie ernsthaft Schwierigkeiten. Internationale Preis- und Kostenvergleiche zeigen, dass der Schweizer Franken gegen\u00fcber dem Euro bei 1,40 bis 1,50 CHF\/Euro fair bewertet w\u00e4re. Trotz der von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eingef\u00fchrten Untergrenze ist der Franken nach wie vor viel zu stark. Das kann auch l\u00e4ngerfristig Spuren hinterlassen. Die Innovationsaktivit\u00e4t der Firmen ist von der Gesch\u00e4ftslage abh\u00e4ngig. Ist die Gesch\u00e4ftslage gut, wird mehr in Forschung und Entwicklung neuer Produkte investiert. Bei einer schlechten Lage wird die Innovationst\u00e4tigkeit zur\u00fcckgefahren, weil das Geld knapper ist. Die Firmen verlagern ihren Fokus auf Rationalisierungen. Bei einem \u00fcberbewerteten Franken fehlt es daher an Investitionen in neue Produkte, welche die Wettbewerbsf\u00e4higkeit von morgen ausmachen. Gem\u00e4ss der KOF-Industrieumfrage hat eine steigende Zahl der Firmen Finanzierungsprobleme. Die SNB muss zusammen mit dem Bund daf\u00fcr sorgen, dass sich der Franken m\u00f6glichst rasch zu seiner fairen Bewertung hinbewegt.&#13;<\/p>\n<h2>Gute L\u00f6hne, sichere Arbeitspl\u00e4tze<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Industrie lebt zum grossen Teil davon, dass sie qualitativ hochstehende Produkte produziert, bei denen sie eine starke Marktstellung hat. Qualifiziertes und motiviertes Personal ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Teile der Industrie haben einen Arbeitskr\u00e4ftemangel. Aus \u00f6konomischer Sicht sind Mangelerscheinungen auch ein Hinweis daf\u00fcr, dass die Preise nicht stimmen. Die Industrie muss daher pr\u00fcfen, ob die L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen attraktiv genug sind. Bei Massnahmen im Bereich der Aus- und Weiterbildung ist darauf zu achten, dass die Ausbildungsg\u00e4nge so strukturiert sind, dass sie den Bed\u00fcrfnissen der Besch\u00e4ftigten entsprechen und dass die Firmen es dem Personal erm\u00f6glichen, die Aus- und Weiterbildungen zu absolvieren. Die Erh\u00f6hung der Mittel f\u00fcr die F\u00f6rderagentur f\u00fcr Innovation des Bundes (KTI) Ende 2011 ist eine sinnvolle Massnahme, um die Firmen bei der Innovationst\u00e4tigkeit zu unterst\u00fctzen. Gleichzeitig erm\u00f6glicht sie den Forschenden an den Hochschulen einen willkommenen Praxisbezug. Die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung ist die erfolgversprechendste Industriepolitik. Die Schweiz kann hier noch mehr machen. Mit dem globalen \u00f6kologischen Umbau (Energie, Verkehr usw.) er\u00f6ffnen sich f\u00fcr Schweizer Firmen neue Gesch\u00e4ftsfelder. Damit die Firmen diese Chancen wahrnehmen k\u00f6nnen, sollte sich der Bund f\u00fcr den entsprechenden Wissenstransfer einsetzen. In letzter Zeit sind in der Industrie h\u00e4ufig F\u00e4lle von Lohndumping aufgetreten. Der Bericht des Seco \u00fcber die flankierenden Massnahmen vom Fr\u00fchjahr 2012 zeigt, dass in 18 von 100 kontrollierten Betrieben zu tiefe L\u00f6hne bezahlt wurden. Dieses Resultat ist besonders alarmierend, weil die L\u00f6hne in der Industrie kaum durch Mindestl\u00f6hne gesch\u00fctzt sind. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass sich die Lage im laufenden Jahr nochmals versch\u00e4rft hat. Denn wegen dem \u00fcberbewerteten Franken d\u00fcrften vermehrt Arbeitgeber versuchen, billigere Arbeitskr\u00e4fte aus dem Ausland anzustellen. Bei wiederholtem Dumping sieht das Gesetz die Einf\u00fchrung von Mindestl\u00f6hnen vor. Erh\u00e4rten sich die Dumpingf\u00e4lle, m\u00fcssen Mindestl\u00f6hne erlassen werden. Und um die Sozialpartnerschaft zu st\u00e4rken, m\u00fcssen die Personalvertretungen besser gegen eine K\u00fcndigung gesch\u00fctzt werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor der Finanzkrise verzeichnete die Schweizer Industrie ein starkes Wachstum. Die Industrie-Skeptiker der 1990er-Jahre verstummten. Diese Entwicklung zeigt: Die Schweizer Industrie ist wettbewerbsf\u00e4hig, wenn der Schweizer Franken fair bewertet ist und die Konjunktur im Ausland l\u00e4uft. Der Anteil der Industrie am gesamten Bruttoinlandprodukt betr\u00e4gt rund 20%. Doch dieser Anteil untersch\u00e4tzt die volkswirtschaftliche Bedeutung. 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