{"id":119764,"date":"2012-05-01T12:00:00","date_gmt":"2012-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/05\/braendle-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:25","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:25","slug":"braendle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/05\/braendle\/","title":{"rendered":"Die Wachstumstreiber der Schweizer Industrie"},"content":{"rendered":"<p>Im Zusammenhang mit der Frankenst\u00e4rke werden Stimmen laut, die vor einer beschleunigten Deindustrialisierung der Schweizer Wirtschaft warnen. Die Aufwertung des Frankens hat zu einer Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit von Schweizer Produzenten gef\u00fchrt. Die Schweizer Industrie steht bereits seit Jahrzehnten unter st\u00e4ndigem Anpassungsdruck. Schon in den sp\u00e4ten 1990er-Jahren wurde sie einmal totgesagt, erlebte dann aber ein beeindruckendes Revival. In Anbetracht der widrigen Umst\u00e4nde pr\u00e4sentiert sich die Lage der Industrie aktuell relativ robust. Welche Faktoren erkl\u00e4ren die Erfolgsgeschichte der Schweizer Industrie? Und welchen Herausforderungen muss sie sich in Zukunft stellen?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweizer Industrie&#13;<br \/>\nUnter Industrie wird in diesem Artikel immer das verarbeitende Gewerbe (Abschnitt C der Noga 2008) verstanden. hat in den letzten Jahrzehnten einen tiefgreifenden Strukturwandel durchgemacht. Bis in die sp\u00e4ten 1990er-Jahre befand sich der heimische Produktionssektor im Niedergang. Dieser manifestierte sich in einem starken R\u00fcckgang der Industriebesch\u00e4ftigung. Ausgehend von 780&nbsp;000 Besch\u00e4ftigten&#13;<br \/>\nWenn nicht anders vermerkt, bezieht sich die Anzahl Besch\u00e4ftigte immer auf Vollzeit\u00e4quivalente. in der Industrie im Jahr 1991 gingen bis 1999 knapp 159&nbsp;000 Arbeitspl\u00e4tze verloren. Die Tertiarisierung der Wirtschaft \u2013 d.h. der relative Bedeutungsverlust des sekund\u00e4ren Sektors zugunsten des Dienstleistungssektors \u2013 schritt in dieser Periode entsprechend z\u00fcgig voran. W\u00e4hrend 1991 noch 24% der Schweizer Besch\u00e4ftigten in einem Industriebetrieb t\u00e4tig waren, fiel dieser Anteil bis zur Jahrtausendwende auf 20%. Nach einer kurzen Verschnaufpause Anfang der 2000er-Jahre setzte sich der R\u00fcckgang der Besch\u00e4ftigtenzahlen in der Industrie im Zuge der Dotcom-Krise wieder fort. Der Tiefststand wurde 2004 erreicht. Damals unterschritt die Schweizer Industriebesch\u00e4ftigung die Schwelle von 600&nbsp;000 Vollzeitstellen.&#13;<\/p>\n<h2>Totgesagte Industrie rappelt sich wieder auf<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den Jahren 2005\u20132008 erfuhr die Schweizer Industrie dann eine beeindruckende Wiederbelebung. Der Schweizer Industriesektor schuf in dieser Boomphase \u00fcber 57&nbsp;000 neue Stellen. Auch die reale Bruttowertsch\u00f6pfung der Industrie, welche sich zwischen 1990 und 2004 um durchschnittlich 1% pro Jahr entwickelt hatte, wuchs im diesem Zeitraum kr\u00e4ftig. Zwischen 2004 und 2008 betrug das durchschnittliche j\u00e4hrliche Wertsch\u00f6pfungswachstum in der Industrie 4,6%, w\u00e4hrend das reale Bruttoinlandprodukt insgesamt um \u00abnur\u00bb 3% pro Jahr anstieg.&#13;<\/p>\n<h2>Schweizer Industrie zeigt sich weitgehend krisenresistent<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Weltwirtschaftskrise und der damit einhergehende Einbruch des Welthandels ab Ende 2008 trafen die stark exportorientierte Schweizer Industrie jedoch mit voller Wucht und setzten dem Boom \u2013 zumindest vorl\u00e4ufig \u2013 ein abruptes Ende. 2009 verlor der Industriesektor knapp 20&nbsp;600 Arbeitspl\u00e4tze, seine Bruttowertsch\u00f6pfung sank um knapp 9%. Die Warenexporte, welche 2008 einen Rekordwert von \u00fcber 196 Mrd. Franken erreicht hatten, gingen nominal um \u00fcber 12% zur\u00fcck. Dies entspricht dem gr\u00f6ssten R\u00fcckgang binnen Jahresfrist seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre. Ein Blick ins Ausland zeigt jedoch, dass die Schweiz die Krise besser gemeistert hat als andere Industriel\u00e4nder. Der Exportr\u00fcckgang fiel schw\u00e4cher aus als in unseren Nachbarl\u00e4ndern Deutschland (\u201323%), Frankreich (\u201322%) und Italien (\u201325%) sowie in Grossbritannien (\u201324%) und den USA (\u201319%); auch die Erholung ging rascher vonstatten.&#13;<br \/>\nSiehe dazu Credit Suisse Economic Research (2011), Swiss Issues Branchen: Exportindustrie Schweiz \u2013 Erfolgsfaktoren und Ausblick. Schon 2010 fand die Schweizer Industrie auf den Wachstumspfad zur\u00fcck, mit einem Exportwachstum von 7% und einem Anstieg der Bruttowertsch\u00f6pfung um 6%. Einzig in Bezug auf die Besch\u00e4ftigung war der Aufschwung z\u00f6gerlich. Dieser setzte erst im zweiten Halbjahr 2010 ein. Auch angesichts der seit \u00fcber zwei Jahren anhaltenden Frankenst\u00e4rke, welche im August 2011 mit der Beinahe-Parit\u00e4t des Frankens zum Euro ihren H\u00f6hepunkt erreichte, zeigte sich die Schweizer Industrie \u00fcberraschend robust. Trotz hartem Franken und globaler Konjunkturabk\u00fchlung verzeichnete sie 2011 ein nominales Exportplus von 2%. Real wuchs das Schweizer Exportvolumen sogar um 8%. Auch Bruttowertsch\u00f6pfung und Besch\u00e4ftigung zeigten 2011 weiterhin nach oben (+2% bzw. +1%).&#13;<\/p>\n<h2>Wiederbelebung dank Neufokussierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie l\u00e4sst sich der beeindruckende Wiederaufstieg der Schweizer Industrie erkl\u00e4ren? Die Schweizer Produzenten konnten \u00fcberdurchschnittlich stark vom globalen Wirtschaftswachstum und dem damit einhergehenden Nachfrageboom der Jahre 2005\u20132008 profitieren. Denn sie verf\u00fcgen \u00fcber einen ausserordentlich hohen Internationalisierungsgrad: Knapp 60% des Umsatzes der Schweizer Industrie werden im Ausland erzielt. Den damaligen Erfolg alleine auf das globale Wachstum zur\u00fcckzuf\u00fchren, w\u00e4re allerdings verfehlt. Viele Schweizer Hersteller trugen durch Restrukturierungen und Neufokussierungen wesentlich zum Erfolg bei. Einst riesige Industriekonglomerate unterzogen sich einer Schlankheitskur und richteten ihre Aktivit\u00e4ten neu aus. Die Abl\u00e4ufe wurden gestrafft sowie nicht als Kerngesch\u00e4fte betrachtete Bereiche ausgegliedert und abgestossen. Durch einen verst\u00e4rkten Fokus auf technologieorientierte, wissens- und wertsch\u00f6pfungsintensive Produkte sowie weitere Produktivit\u00e4tsverbesserungen \u2013 z.B. durch Automatisierung \u2013 wurden die Nachteile der hohen Arbeits- und Produktionskosten in der Schweiz teilweise wettgemacht. Arbeitsintensive, wertsch\u00f6pfungsschwache Bereiche wurden demgegen\u00fcber vermehrt ausgelagert. Verschiedene Standortvorteile der Schweiz haben diesen Strukturwandel erm\u00f6glicht bzw. beg\u00fcnstigt. Dazu geh\u00f6ren unter anderem die hervorragende Verkehrsinfrastruktur, die gute Erreichbarkeit oder das qualitativ hochstehende Bildungssystem, die N\u00e4he von Hochschulen und Privatwirtschaft sowie der flexible Arbeitsmarkt.&#13;<\/p>\n<h2>Wandel zu wertsch\u00f6pfungsintensiven Industriebranchen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Blick auf die Entwicklung der einzelnen Industriebranchen im Zeitverlauf best\u00e4tigt die Verschiebung hin zu wertsch\u00f6pfungsintensiveren T\u00e4tigkeiten (vgl. <i>Grafik 1<\/i>). Der beobachtete Trend der Tertiarisierung wurde unter anderem durch den R\u00fcckzug der \u00abtraditionellen\u00bb Industrie getrieben. Zwischen 1997 und 2010 verschwanden dort \u00fcber 36&nbsp;000 Arbeitspl\u00e4tze; in der Spitzenindustrie entstanden gleichzeitig \u00fcber 30&nbsp;000 neue Stellen.&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss unserer Definition umfasst die Spitzenindustrie die chemisch-pharmazeutische Industrie, die Kunststoffindustrie, die Maschinen- und Elektroindustrie, die Pr\u00e4zisionsinstrumente sowie den Fahrzeugbau. Alle anderen Industriebranchen z\u00e4hlen wir zur traditionellen Industrie. W\u00e4hrend die traditionellen Branchen 1997 noch rund 54% der Industriebesch\u00e4ftigung auf sich vereinten, betr\u00e4gt dieser Anteil heutzutage nur noch 49%. Das dynamischste Wachstum verzeichneten Branchen, in denen Technologien, Wissen und Innovationen eine bedeutende Rolle spielen: die Elektronik- und Pr\u00e4zisionsinstrumentenindustrie, zu der auch die Uhrenindustrie und die Medizinaltechnik geh\u00f6ren, die chemisch-pharmazeutische Industrie oder der Fahrzeugbau. Am anderen Ende des Spektrums findet man arbeitsintensivere Industriebranchen wie die Textil- und Bekleidungsindustrie. Dieser Wandel weg von wertsch\u00f6pfungsschw\u00e4cheren Bereichen hin zur technologie- und wissensintensiven Spitzenindustrie widerspiegelt sich ebenfalls im deutlichen Anstieg der Produktivit\u00e4t, den der Schweizer Industriesektor seit Anfang der 1990er-Jahre verzeichnete. Innerhalb von 20 Jahren vermochte das verarbeitende Gewerbe die Produktivit\u00e4t um \u00fcber 60% zu steigern (Gesamtwirtschaft +40%). Insbesondere in Industriebranchen wie der chemisch-pharmazeutischen oder der Pr\u00e4zisionsinstrumentenindustrie, welche stark im internationalen Wettbewerb stehen, entwickelte sich die Arbeitsproduktivit\u00e4t im gesamtwirtschaftlichen Vergleich \u00fcberdurchschnittlich.&#13;<\/p>\n<h2>Qualit\u00e4t als entscheidender Erfolgsfaktor<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer entscheidende Erfolgsfaktor der Schweizer Industrie liegt in der hohen Qualit\u00e4t ihrer Produkte. Unter dem Begriff \u00abQualit\u00e4t\u00bb werden unterschiedliche Merkmale zusammengefasst, welche es einem Unternehmen erm\u00f6glichen, sich bei der Erf\u00fcllung von Kundenw\u00fcnschen von der Konkurrenz besonders abzuheben. Bei Qualit\u00e4tsg\u00fctern ist die Zahlungsbereitschaft der Abnehmer generell h\u00f6her und die Preiselastizit\u00e4t der Nachfrage geringer. Zu den qualitativen Eigenschaften, welche viele Schweizer Industrieprodukte auszeichnen, geh\u00f6ren ein hoher Innovationsgrad, eine starke Technologieorientierung und ein hoher Grad an Pr\u00e4zision und Zuverl\u00e4ssigkeit. Auch durch eine ausgepr\u00e4gte Kundenorientierung und Flexibilit\u00e4t, mit massgeschneiderten L\u00f6sungen und produkterg\u00e4nzenden Dienstleistungen (Beratung, Schulung, Wartung etc.), versuchen sich Schweizer Unternehmen von der ausl\u00e4ndischen Konkurrenz zu differenzieren. Immer mehr Hersteller entwickeln sich zu Anbietern von Komplettl\u00f6sungen. Dies schliesst nicht aus, dass arbeitsintensive Prozessschritte ins Ausland verlagert werden.&#13;<\/p>\n<h2>Qualit\u00e4tsvorteile im Branchenvergleich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEinen Anhaltspunkt zur Qualit\u00e4tsorientierung der Schweizer Industrie liefert das Konzept der Qualit\u00e4tselastizit\u00e4t (vgl. <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Preis- versus Qualit\u00e4tswettbewerb: Das Konzept der offenbarten Qualit\u00e4tselastizit\u00e4t<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Konzept der offenbarten Qualit\u00e4tselastizit\u00e4t (Revealed Quality Elasticity) geht zur\u00fcck auf Aiginger (1997).a Diese Methode, welche sich auf Daten der Aussenhandelsstatistik st\u00fctzt, erm\u00f6glicht einen Vergleich der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Exportbranchen gegen\u00fcber dem Ausland. Anhand von Informationen zu den Unit Values exportierter und importierter G\u00fcter sowie zu den aus- und eingef\u00fchrten Mengen kann f\u00fcr jede einzelne Branche bestimmt werden, ob sie sich in einem preis- oder qualit\u00e4tssensitiven Markt befindet und ob sie im entsprechenden Wettbewerb einen Vorteil ausweist (vgl. Tabelle 1). Der Unit Value von Exporten bzw. Importen wird dabei definiert als Wert pro Gewichtseinheit (Unit Value der Exporte in CHF\/kg = Exportwert in CHF\/Exportgewicht in kg). Die Analyse basiert auf folgender Annahme: Kann eine Branche mengenm\u00e4ssig mehr G\u00fcter exportieren, als davon importiert werden, muss sie gegen\u00fcber der ausl\u00e4ndischen Konkurrenz in irgendeiner Form einen Vorteil haben. Ob der Vorteil im Preis- oder im Qualit\u00e4tswettbewerb besteht, wird anhand des Vergleichs des Export Unit Value mit dem Import Unit Value bestimmt. \u00dcbersteigt der Unit Value der exportierten G\u00fcter denjenigen der importierten G\u00fcter, dann gehen wir von einer Positionierung im Qualit\u00e4tswettbewerb aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Aiginger K. (1997), The Use of Unit Values to Discriminate between Price and Quality Competition.). Unsere Analyse zeigt, dass insgesamt rund 60% der Schweizer Industrieg\u00fcter im Qualit\u00e4tswettbewerb stehen. Von diesen weisen hohe 94% einen Qualit\u00e4tsvorteil auf (vgl. <i>Grafik 2<\/i>). Erfreulicherweise konnte die Schweizer Industrie den Anteil an G\u00fctern mit Qualit\u00e4tsvorteilen im Zeitverlauf steigern: Anfang der 1990er-Jahre betrug der Anteil noch 43%; zur Jahrtausendwende stieg er auf rund 52%. Im Preiswettbewerb haben dagegen nur 11% der schweizerischen G\u00fcter einen Preisvorteil. Dies best\u00e4tigt, dass die Schweiz im Preiswettbewerb deutlich weniger konkurrenzf\u00e4hig ist als im Qualit\u00e4tswettbewerb. Ein Blick auf die einzelnen Branchen zeigt, dass die bedeutendsten Industriezweige stark qualit\u00e4tsorientiert sind. In f\u00fcnf der sechs sowohl besch\u00e4ftigungsm\u00e4ssig als auch im Bezug auf Bruttowertsch\u00f6pfung gr\u00f6ssten Industriezweigen \u2013 namentlich der chemisch-pharmazeutischen Industrie, der Elektronik- und Pr\u00e4zisionsinstrumentenindustrie, dem Maschinenbau, der Lebensmittelindustrie sowie der Elektrotechnik \u2013 verf\u00fcgt ein \u00fcberwiegender Anteil der G\u00fcter \u00fcber einen Qualit\u00e4tsvorteil. Dieser Anteil konnte seit Anfang der 1990er-Jahre in all diesen Branchen (mit Ausnahme des Maschinenbaus) deutlich erh\u00f6ht werden, am eindr\u00fccklichsten in der Lebensmittelindustrie und der Elektro- und Pr\u00e4zisionsinstrumentenindustrie. 1990 wiesen in den genannten Wirtschaftszweigen nur rund 26% bzw. 29% der Produkte eine erfolgreiche Positionierung im Qualit\u00e4tswettbewerb auf. In den \u00fcbrigen Industriebranchen dominiert indes der Preiswettbewerb. Besonders auff\u00e4llig ist der Verlust an Wettbewerbsf\u00e4higkeit in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Anfang der 1990er-Jahre verf\u00fcgten noch rund 40% ihrer Produkte \u00fcber Qualit\u00e4tsvorteile; am aktuellen Rand sind es nur noch 9%.&#13;<br \/>\nF\u00fcr weitere Informationen zur Positionierung der einzelnen Branchen im Preis- und Qualit\u00e4tswettbewerb siehe Credit Suisse Economic Research (2011), Swiss Issues Branchen: Exportindustrie Schweiz \u2013 Erfolgsfaktoren und Ausblick.&#13;<\/p>\n<h2>Angriff ist die beste Verteidigung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz beachtlichem Erfolgsausweis darf sich die Schweizer Industrie nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Auch mit der erfolgversprechenden Qualit\u00e4tsstrategie m\u00fcssen die erarbeiteten Vorteile st\u00e4ndig aufrechterhalten werden, um der Konkurrenz stets einen Schritt voraus zu sein. Kaum ist ein innovatives Produkt erfolgreich im Markt eingef\u00fchrt \u2013 mit entsprechend hohen Margen, um die Entwicklungskosten zu decken \u2013, ruft dies Imitatoren auf den Plan. Es gilt also, die eigenen Produkte entsprechend zu sch\u00fctzen, was nicht immer einfach ist. Neben Schutzrechten wie Patenten k\u00f6nnen auch Marketingmassnahmen, aber vor allem die st\u00e4ndige Weiterentwicklung geeignete Strategien sein. Die Konkurrenz f\u00fcr Schweizer Anbieter kommt nicht mehr nur aus Industriel\u00e4ndern. Auch Hersteller in aufstrebenden Schwellenl\u00e4ndern wie China, welche sich bisher prim\u00e4r auf das Tiefpreissegment mit hohen Volumina konzentrierten, stossen zunehmend ins Qualit\u00e4tssegment vor. Nur mit st\u00e4ndiger Innovation und kontinuierlicher Weiterentwicklung ihrer Produkte und Dienstleistungen wird es der Schweizer Industrie gelingen, sich auf den Weltm\u00e4rkten weiterhin hervorragend zu behaupten.&#13;<\/p>\n<h2>Kritische Ressource qualifizierte Fachkr\u00e4fte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Industrie befindet sich mit der Spezialisierung auf technologieorientierte, wissens- und forschungsintensive Produkte auf dem richtigen Weg. Angesichts der starken Heimw\u00e4hrung, die sich zumindest in naher Zukunft nicht signifikant abschw\u00e4chen d\u00fcrfte, wird der Schweizer Industrie in gewissen Bereichen kaum etwas anderes \u00fcbrigbleiben, als die Auftrennung der Wertsch\u00f6pfungsketten weiter zu forcieren und sich noch st\u00e4rker auf wissensintensivere Aktivit\u00e4ten \u2013 wie Forschung und Entwicklung, Vermarktung und Logistik \u2013 zu fokussieren. Das schliesst weitere Auslagerungen von Produktionsschritten ins Ausland nicht aus. Dabei gilt es sicherzustellen, dass Produkte sowie Produktionsprozesse und -technologien vor Imitation gesch\u00fctzt werden und die Qualit\u00e4tssicherung gew\u00e4hrleistet ist. Entscheidend f\u00fcr die Innovationsf\u00e4higkeit wird die Verf\u00fcgbarkeit hochqualifizierter Arbeitskr\u00e4fte sein \u2013 die wichtigste aller Schweizer Ressourcen. Die Qualit\u00e4t des Schweizer Bildungssystems und der Arbeitskr\u00e4fte, die es hervorbringt, sind weit herum anerkannt. Das duale Bildungssystem und das hohe allgemeine F\u00e4higkeitsniveau der Arbeitnehmenden werden zu den wesentlichen Standortvorteilen der Schweiz gez\u00e4hlt. Das Angebot an hochqualifizierten Arbeitskr\u00e4ften, Ingenieuren und Wissenschaftlern wird aber zunehmend knapp.&#13;<br \/>\nSiehe dazu Credit Suisse Economic Research (2011), Swiss Issues Wirtschaftspolitik \u2013 Modell Schweiz im Wandel: Chancen und Risiken f\u00fcr KMU. Der sich angesichts der demografischen Trends und der globalen Konkurrenz versch\u00e4rfende Fachkr\u00e4ftemangel stellt in Bezug auf das Innovationspotenzial und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit forschungsintensiver Industriebranchen eine grosse Gefahr dar. Die Schweizer Industrieunternehmen tun gut daran, das Thema Fachkr\u00e4ftesicherung bereits fr\u00fchzeitig in ihre strategischen \u00dcberlegungen einzubeziehen.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Industrie hat in den letzten Jahren einen beeindruckenden Wandel durchgemacht und sich f\u00fcr die Zukunft fit getrimmt. Auch in einem Hochlohnland wie der Schweiz mit einer harten W\u00e4hrung hat eine gut aufgestellte Industrie ihre Chancen. Die konsequente Spezialisierung auf margentr\u00e4chtige Nischen, die beharrliche Verfolgung einer Qualit\u00e4tsstrategie und die stetige Orientierung an den Bed\u00fcrfnissen der Kunden versprechen, auch in Zukunft mit Erfolg gekr\u00f6nt zu werden. Es liegt in erster Linie in der Verantwortung der Unternehmen selbst, diese Chancen zu nutzen. Unterst\u00fctzend muss der Staat g\u00fcnstige Rahmenbedingungen aufrechterhalten und \u2013 wo n\u00f6tig \u2013 weiter verbessern. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf die Aus- und Weiterbildung, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie den Zugang zu ausl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4ften gelegt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abEntwicklung von Besch\u00e4ftigung und Bruttowertsch\u00f6pfung in der Schweizer Industrie\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abPositionierung der Schweizer Industriebranchen im Qualit\u00e4ts- und Preiswettbewerb, 2006\u20132011\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abUnit-Value-Ansatz\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Preis- versus Qualit\u00e4tswettbewerb: Das Konzept der offenbarten Qualit\u00e4tselastizit\u00e4t&#13;<\/p>\n<h3>Preis- versus Qualit\u00e4tswettbewerb: Das Konzept der offenbarten Qualit\u00e4tselastizit\u00e4t<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Konzept der offenbarten Qualit\u00e4tselastizit\u00e4t (Revealed Quality Elasticity) geht zur\u00fcck auf Aiginger (1997).a Diese Methode, welche sich auf Daten der Aussenhandelsstatistik st\u00fctzt, erm\u00f6glicht einen Vergleich der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Exportbranchen gegen\u00fcber dem Ausland. Anhand von Informationen zu den Unit Values exportierter und importierter G\u00fcter sowie zu den aus- und eingef\u00fchrten Mengen kann f\u00fcr jede einzelne Branche bestimmt werden, ob sie sich in einem preis- oder qualit\u00e4tssensitiven Markt befindet und ob sie im entsprechenden Wettbewerb einen Vorteil ausweist (vgl. <i>Tabelle 1<\/i>). Der Unit Value von Exporten bzw. Importen wird dabei definiert als Wert pro Gewichtseinheit (Unit Value der Exporte in CHF\/kg = Exportwert in CHF\/Exportgewicht in kg). Die Analyse basiert auf folgender Annahme: Kann eine Branche mengenm\u00e4ssig mehr G\u00fcter exportieren, als davon importiert werden, muss sie gegen\u00fcber der ausl\u00e4ndischen Konkurrenz in irgendeiner Form einen Vorteil haben. Ob der Vorteil im Preis- oder im Qualit\u00e4tswettbewerb besteht, wird anhand des Vergleichs des Export Unit Value mit dem Import Unit Value bestimmt. \u00dcbersteigt der Unit Value der exportierten G\u00fcter denjenigen der importierten G\u00fcter, dann gehen wir von einer Positionierung im Qualit\u00e4tswettbewerb aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Aiginger K. (1997), The Use of Unit Values to Discriminate between Price and Quality Competition.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zusammenhang mit der Frankenst\u00e4rke werden Stimmen laut, die vor einer beschleunigten Deindustrialisierung der Schweizer Wirtschaft warnen. Die Aufwertung des Frankens hat zu einer Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit von Schweizer Produzenten gef\u00fchrt. Die Schweizer Industrie steht bereits seit Jahrzehnten unter st\u00e4ndigem Anpassungsdruck. 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