{"id":119769,"date":"2012-05-01T12:00:00","date_gmt":"2012-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/05\/denzler-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:27:46","modified_gmt":"2023-08-23T21:27:46","slug":"denzler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/05\/denzler\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcne Wirtschaft: Eine Chance f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder"},"content":{"rendered":"<p>Eine Gr\u00fcne Wirtschaft bietet gerade auch den Entwicklungsl\u00e4ndern neue Chancen: Sie erlaubt es, Armutsreduktion mit dem Abbau der eklatanten sozialen Ungleichheiten und der L\u00f6sung dringender Umweltprobleme zu verbinden. Die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit unterst\u00fctzt diesen positiven Wandel auf vielseitige Weise, sei es durch Beteiligung an internationalen Klimafonds, durch Verbesserung der staatlich gesetzten Rahmenbedingungen in den Entwicklungsl\u00e4ndern oder durch konkreten Klima- und Umwelttechnologietransfer unter Einbezug des Privatsektors. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201205_10_Denzler_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"243\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Potenzial einer Gr\u00fcnen Wirtschaft h\u00e4ngt stark von Wirtschaftsstruktur, Konjunktur sowie Entwicklungsstadium ab. So steht f\u00fcr viele Industriel\u00e4nder gegenw\u00e4rtig das Schlagwort <i>Gr\u00fcnes Wachstum<\/i> im Vordergrund: Energieeffiziente Technologien und erneuerbare Energien sollen helfen, neue Arbeitspl\u00e4tze im Cleantech-Bereich zu schaffen und so die Rezession zu \u00fcberwinden. Schwellenl\u00e4nder dagegen mit anhaltend hohem Wirtschafts- und Bev\u00f6lkerungswachstum werden vermehrt mit den Konsequenzen ihres ge\u00e4nderten Konsumverhaltens konfrontiert. Zudem treten hier Umweltprobleme \u2013 wie Wasser- und Luftverschmutzung oder vergiftete B\u00f6den \u2013 akut in Erscheinung. Es drohen Versorgungsengp\u00e4sse bei Rohstoffen und Energie.Die Bev\u00f6lkerung der \u00e4rmsten Entwicklungsl\u00e4nder wiederum ist f\u00fcr ihren Lebensunterhalt h\u00e4ufig direkt von landwirtschaftlichen G\u00fctern und Dienstleistungen abh\u00e4ngig, die aus nat\u00fcrlichen Ressourcen erwirtschaftet werden. Die Pflege dieses Kapitals bietet Sicherheit gegen Naturkatastrophen und Wirtschaftskrisen. Die \u00e4rmsten Entwicklungsl\u00e4nder leiden \u00fcberproportional unter den Folgen von Klimawandel, Bodenerosion oder Wasserknappheit.&#13;<\/p>\n<h2>Gr\u00fcne Wirtschaft als Wachstumsbremse?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nViele Entwicklungsl\u00e4nder bef\u00fcrchten, dass eine Gr\u00fcne Wirtschaft f\u00fcr sie eine Wachstumsbremse und neue Handelshemmnisse bedeuten k\u00f6nnte. Dieses Spannungsfeld wird gegenw\u00e4rtig bei den Verhandlungen zur Nachhaltigkeitskonferenz \u00abRio+20\u00bb offensichtlich.Die Erfahrungen des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) zeigen, dass Wirtschaftswachstum und nachhaltiges Ressourcenmanagement nicht im Widerspruch stehen. Eine Gr\u00fcne Wirtschaft schafft Arbeitspl\u00e4tze und wirtschaftlichen Fortschritt in den Entwicklungsl\u00e4ndern, w\u00e4hrend Abw\u00e4rtsrisiken \u2013 wie etwa die Folgen des Klimawandels, zunehmende Wasserknappheit oder der Verlust von Biodiversit\u00e4t \u2013 betr\u00e4chtlich verringert werden. Gr\u00fcne Wirtschaft ist eine Chance, auch f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder. Sie bietet ihnen die Gelegenheit f\u00fcr Wirtschaftswachstum durch Effizienzsteigerung und die F\u00f6rderung alternativer Ressourcen. Sie kann die Wettbewerbsf\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft nachhaltig st\u00e4rken.&#13;<\/p>\n<h2>Ansatz der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung des Seco<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer \u00dcbergang zu einer Gr\u00fcnen Wirtschaft ist mit einem erheblichen Finanzierungsaufwand verbunden, der die limitierten Kapazit\u00e4ten der meisten Entwicklungsl\u00e4nder \u00fcbersteigt. Auch mangelt es diesen L\u00e4ndern an geeigneten Rahmenbedingungen, Information sowie institutionellem und technischem Wissen, um die Reformbem\u00fchungen konsequent umzusetzen und internationale Vorgaben der Umweltkonventionen erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Finanzielle wie auch technische Hilfe sind n\u00f6tig. Die Entwicklungszusammenarbeit spielt eine wichtige Rolle als Katalysator bei der Transition zu einer Gr\u00fcnen Wirtschaft. Die wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit des Seco konzentriert sich auf Gebiete, wo Anreize f\u00fcr private Initiativen geschaffen werden k\u00f6nnen, etwa zur Steigerung des Handels und der Investitionen. Im Themenschwerpunkt klimafreundliches Wachstum f\u00f6rdert das Seco darum: \u2212 Energieeffizienz und erneuerbare Energien; \u2212 die nachhaltige Bewirtschaftung der Naturressourcen; \u2212 die St\u00e4rkung von Markt- und Finanzierungsmechanismen im Klimaschutz. Diese thematischen Stossrichtungen bedingen f\u00fcr das Seco drei sich erg\u00e4nzende Interventionsans\u00e4tze: Erstens finanziert das Seco multilaterale Klimafonds mit. Zweitens hilft es, mit wirtschaftspolitischer Fachberatung die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Regulierungen der Partnerl\u00e4nder zu verbessern. Und drittens unterst\u00fctzt das Seco durch technische Assistenz den Umwelt- und Klimatechnologietransfer.&#13;<\/p>\n<h2>Internationale Klimafonds \u2013 ein wichtiger Beitrag zur Gr\u00fcnen Wirtschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Jahr 2009 haben sich die Industriestaaten an der Klimakonferenz in Kopenhagen verpflichtet, den Entwicklungsl\u00e4ndern von 2010 bis 2012 insgesamt 30 Mrd. US-Dollar f\u00fcr Klimaschutz und -anpassungen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die Schweiz leistet ihren Beitrag an diese sogenannte Anschubfinanzierung <i>(Fast-start Finance)<\/i> durch eine im Februar 2011 vom Parlament bewilligte Aufstockung der Entwicklungshilfebudgets der Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und des Seco im Umfang von 125 Mio. Franken. Durch zus\u00e4tzliche Klimaschutzprogramme sollen Treibhausgasemissionen m\u00f6glichst wirksam und kosteng\u00fcnstig vermindert werden. Ein Weg hierzu ist die St\u00e4rkung des CO<i>2<\/i>-Zertifikatehandels. Die Klimakonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) und ihr 2005 in Kraft getretenes Kyoto-Protokoll haben Pionierarbeit geleistet im Aufbau der Carbon-M\u00e4rkte. Leider leiden die flexiblen Finanzierungsmechanismen des Kyoto-Protokolls unter strukturellen Schw\u00e4chen. Dazu geh\u00f6ren etwa der Preiszerfall der Zertifikate (aufgrund von Rezession und fehlenden CO<i>2<\/i>-Reduktionszielen nach 2012), die angebotsseitige Marktdominanz Chinas sowie die teure und zeitaufw\u00e4ndige Zertifizierung. Diese Schw\u00e4chen sollen durch \u00abneue Marktmechanismen\u00bb \u00fcberwunden werden; das Seco unterst\u00fctzt deren Entwicklung und Erprobung unter der Anschubfinanzierung (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Partnerschaft f\u00fcr Marktbereitschaft<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Unter diesem Titel unterst\u00fctzt ein mit 75 Mio. US-Dollar dotierter Weltbankfonds 15 Schwellenl\u00e4nder darin, neue Wege des Klimaschutzes und CO2-Handels zu beschreiten. Das Seco ist mit 8,5 Mio. US-Dollar ein aktiver Geber. Die beg\u00fcnstigten L\u00e4nder profitieren von Expertise und Erfahrungsaustausch sowie der Professionalisierung von CO2-Messung und der Umsetzung nationaler Emissionshandelssysteme. Ziel sind massive CO2-Reduktionen in Schl\u00fcsselsektoren wie Schwerindustrie, Strassenverkehr oder Geb\u00e4udesektor. Die Motivation der Schwellenl\u00e4nder liegt oftmals in \u00f6konomischen Vorteilen der Gr\u00fcnen Wirtschaft: Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Industrie, verbesserter \u00f6ffentlicher Verkehr oder energieeffizientere Geb\u00e4ude und Konsumg\u00fcter. Entsprechend forcieren die Partnerl\u00e4nder den CO2-Emissionshandel trotz eines fehlenden verbindlichen globalen Klimaregimes. Die Sektorreformprogramme erfordern letztlich milliardenschwere Investitionen, welche sich aus Staatsbudgets der Entwicklungsl\u00e4nder, Privatinvestitionen, Entwicklungshilfe und Emissionshandel zusammensetzen k\u00f6nnen.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).&#13;<\/p>\n<h2>Umweltfreundliche Rahmenbedingungen und Regulierungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVolkswirtschaftliche Rahmenbedingungen, welche umweltfreundlich sind, sorgen daf\u00fcr, dass der Druck von Wirtschaftswachstum auf nat\u00fcrliche Ressourcen nicht zu gross wird. Fiskalische und regulatorische Reformen erm\u00f6glichen eine effiziente Allokation beschr\u00e4nkter Ressourcen und werden durch innovationspolitische Massnahmen erg\u00e4nzt. Eine Kooperation zwischen Wirtschafts- und Umweltministerien ist n\u00f6tig. Deswegen sind technische Assistenz und Kapazit\u00e4tsbildungsaktivit\u00e4ten besonders wichtige Begleitmassnahmen.&#13;<\/p>\n<h2>Einnahmenseitige Reformen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei Reformen auf der Einnahmenseite eines Staatsbudgets konzentriert sich das Seco vor allem die Steuerpolitik. Eine Umweltsteuer spielt eine wichtige Rolle in einer wachstumsorientierten Steuerreform, weil sie die Verlagerung (eines Teils) der Steuerlast weg von st\u00e4rker verzerrend wirkenden Steuern erleichtert. Umweltsteuern sollten ein nat\u00fcrlicher Bestandteil eines umfassenden Massnahmenpakets zur Konsolidierung der \u00f6ffentlichen Haushalte sein. In L\u00e4ndern mit niedrigem Einkommen k\u00f6nnen Umweltsteuern eine attraktive Alternative zur h\u00f6heren Besteuerung von Arbeits- und Unternehmenseinkommen oder zu drastischen K\u00fcrzungen der \u00f6ffentlichen Ausgaben sein. Umweltsteuern als Anreize f\u00fcr Unternehmen und Haushalte k\u00f6nnen Konsum- wie auch Investitionsentscheide beeinflussen. Ans\u00e4tze und Unterst\u00fctzungen f\u00fcr \u00f6kologische Steuerreformen sind vielseitig und m\u00fcssen auf das Entwicklungsniveau eines einzelnen Landes abgestimmt sein. Es macht nur begrenzt Sinn, komplexe Umweltsteuerregimes einzuf\u00fchren, wenn die Steuerverwaltung des Partnerlandes wenig Absorptionskapazit\u00e4t hat und zuerst gest\u00e4rkt werden muss. Deswegen unterst\u00fctzt das Seco beispielsweise Partnerl\u00e4nder durch die Mitfinanzierung zweier thematischer Treuhandfonds des Internationalen W\u00e4hrungsfonds: einerseits zur St\u00e4rkung von Steueradministrationen und andererseits zur besseren Nutzung von Reichtum aus nat\u00fcrlichen Ressourcen.&#13;<\/p>\n<h2>Ausgabenseitige Reformen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAusgabenpolitische Reformans\u00e4tze sind ebenfalls vielseitig. Die Reform von umweltsch\u00e4dlichen Subventionen ist von einem politischen und praktischen Standpunkt aus meistens schwierig. Solche Reformen haben aber ein grosses Potenzial. Umweltsch\u00e4dliche Subventionen sind teuer (siehe <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Reform der Subventionen fossiler Energietr\u00e4ger<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Die Internationale Energieagentur (IEA) hat berechnet, dass im Jahr 2010 weltweit 408 Mrd. US-Dollar an Subventionen f\u00fcr fossile Energietr\u00e4ger geleistet wurden, ein Grossteil davon in Entwicklungsl\u00e4ndern. Nur 8% dieses Betrags kamen den \u00e4rmsten 20% der Bev\u00f6lkerung zugute. Dennoch spielen in Entwicklungsl\u00e4nder gezielte Kompensationsmassnahmen f\u00fcr diese Haushalte eine wichtige Rolle, um den Subventionsabbau sozialvertr\u00e4glich zu gestalten. Das Seco unterst\u00fctzt im Verbund mit gleichgesinnten Gebern und den Entwicklungsbanken durchdachte Energiesektorreformen, welche substanzielle Budgets freisetzen f\u00fcr wichtige Aufgaben wie Gesundheitswesen, Bildung oder \u00f6ffentlichen Verkehr, und gleichzeitig den CO2-Ausstoss reduzieren helfen. Marktverzerrungen zu ungunsten der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz werden so eliminiert und die Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Energietr\u00e4gern verringert. Das Seco hat auch die M\u00f6glichkeit, solche Reformen beispielsweise im Rahmen von Budgethilfeprogrammen zu thematisieren.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n), und deren Abbau schafft dringend ben\u00f6tigte fiskalische Spielr\u00e4ume. Informationen \u00fcber das Ausmass wie auch die verteilungspolitischen Konsequenzen sind oftmals nur sp\u00e4rlich vorhanden. Eine erfolgreiche Reform muss daher die Datenlage verbessern und die verteilungspolitischen Konsequenzen ber\u00fccksichtigen. Anders verh\u00e4lt es sich mit Gr\u00fcnen Subventionen. Sie k\u00f6nnen begr\u00fcndet sein, wenn der Markt nicht spielt und positive soziale Externalit\u00e4ten existieren. Effizient und gezielt eingesetzt k\u00f6nnen sie Marktbarrieren \u00fcberwinden. Solche Subventionen sollten jedoch tempor\u00e4r und gut \u00fcberpr\u00fcfbar sein. Weiter k\u00f6nnen \u00f6ffentliche Gelder direkt genutzt werden, um umweltfreundliche Anreize zu verst\u00e4rken. Der Fokus liegt einerseits bei der F\u00f6rderung von Innovationen und Gr\u00fcnen Wirtschaftszweigen \u2013 beispielsweise durch Forschungsausgaben \u2013 und andererseits auf der Infrastrukturfinanzierung. Bei \u00f6ffentlichen Infrastrukturinvestitionen ist besonders auf die Umweltvertr\u00e4glichkeit zu achten. Eine Direktfinanzierung eignet sich dann besser als Steueranreize, wenn soziale \u2013 und nicht private \u2013 Vorteile im Vordergrund stehen. Gerade f\u00fcr eine Regierung mit massiv beschr\u00e4nkten Ressourcen ist es besonders wichtig, dass sie durch den Einsatz von \u00f6ffentlichen Geldern einen Mehrwert f\u00fcr die Gesamtbev\u00f6lkerung erzeugt. Zus\u00e4tzlich muss sich eine solche Regierung auch gegen ein erh\u00f6htes Fiskalrisiko absichern, so etwa durch ein vorsichtiges Schuldenmanagement.&#13;<\/p>\n<h2>Transparenz und Rechenschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGenerell ist eine gr\u00f6ssere Transparenz und Rechenschaft der Regierung \u00fcber den Finanzhaushalt immer f\u00f6rderlich. Verbesserte Informationen \u00fcber Umweltprogramme sind wichtig f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit, um die Regierung dazu anzuhalten, die Nachhaltigkeit in den Vordergrund zu stellen. Entwicklungsl\u00e4nder verzeichnen Fortschritte im Hinblick auf die St\u00e4rkung der Kapazit\u00e4ten der \u00f6ffentlichen Finanzverwaltung. Entwicklungsagenturen fokussieren sich oftmals auf die Finanzministerien und allenfalls die Gesundheits- oder Bildungsministerien, um eine verbesserte Transparenz in \u00f6ffentlichen Finanzen zu thematisieren. Umweltministerien haben bis anhin wenig Unterst\u00fctzung in diesem Bereich bekommen. Hier sollte mehr unternommen werden.Eine mittelfristige Ausgabenplanung hilft einer Regierung, das Budget so zu strukturieren, dass politische Zielprogramme erreicht werden k\u00f6nnen. Da Umweltprogramme langfristiger Natur sind und in Entwicklungsl\u00e4ndern oftmals den Aufbau von Infrastruktur ben\u00f6tigen, ist eine solche Planung besonders geeignet f\u00fcr Umweltprogramme. Es besteht ein Bedarf, die Umweltprogramme der Partnerl\u00e4nder besser in ihre mittelfristige Ausgabenplanung zu integrieren. Untersuchungen zeigen jedoch, dass Informationen \u00fcber Umweltausgaben oftmals fragmentiert und unvollst\u00e4ndig sind. Durch die St\u00e4rkung der \u00f6ffentlichen Finanzverwaltungen unserer Partnerl\u00e4nder kann das Seco Entwicklungsl\u00e4nder darin unterst\u00fctzen, Umweltreformen ein gr\u00f6sseres Gewicht zu geben.&#13;<\/p>\n<h2>Fiskalrisiken resultierend aus Naturkatastrophen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin vorsichtiger Umgang mit aus Naturkatastrophen resultierenden Fiskalrisiken hilft einer Regierung, die finanziellen Konsequenzen von Naturkatastrophen besser abzufedern. Meistens benutzen L\u00e4nder beim Eintreffen einer Naturkatastrophe Ad-hoc-Massnahmen wie Budgetreallokation, Steuererh\u00f6hungen, Kreditaufnahmen auf nationalen und\/oder internationalen M\u00e4rkten sowie den Einsatz von Entwicklungshilfegeldern. All diese Instrumente haben jedoch Nachteile f\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder. Dort ist beispielsweise der Spielraum f\u00fcr Budgetanpassungen beschr\u00e4nkt, oder die Kosten f\u00fcr eine Kreditaufnahme sind sehr hoch und mit der Gefahr der weiteren Verschuldung belastet. Es gibt aber auch proaktive Strategien f\u00fcr Regierungen, den fiskalischen Risiken von Naturkatastrophen vorausschauend Rechnung zu tragen, unter anderem durch R\u00fcckstellungen, Reservegelder, Fonds oder Versicherungsl\u00f6sungen. Insbesondere f\u00fcr L\u00e4nder, welche \u00f6fter von Naturkatastrophen heimgesucht werden, k\u00f6nnen Katastrophenrisikoversicherungen den Finanzaufwand einer Katastrophe massiv lindern und somit die Volatilit\u00e4t des Staatsbudgets verringern wie auch die Planungssicherheit erh\u00f6hen. Der \u00f6ffentliche Sektor spielt eine starke Rolle in der Festlegung von Rahmenbedingungen f\u00fcr einen funktionierenden, innovativen Versicherungsmarkt mit Anschluss an den internationalen R\u00fcckversicherungsmarkt. Das Seco f\u00fchrt im Sommer 2012 in Zusammenarbeit mit Swiss Re f\u00fcr Teilnehmende aus Entwicklungsl\u00e4ndern ein Ausbildungsseminar zu Katastrophenrisikoversicherungen durch.&#13;<\/p>\n<h2>Regulatorische Massnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit angemessenen regulatorischen Massnahmen kann eine Regierung umweltfreundliche Rahmenbedingungen f\u00fcr den Privatsektor gew\u00e4hrleisten. Solche regulatorischen Massnahmen betreffen unter anderem Erlasse \u00fcber Eigentumsrechte, Standardfestlegung und \u00f6ffentliches Beschaffungswesen. Es geht darum, Anreize f\u00fcr eine effiziente Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen richtig zu setzen. Regulatorische Massnahmen sind jedoch nur ein Teil der L\u00f6sung. Es bedingt eine starke Innovationsf\u00e4higkeit, um bahnbrechende Entwicklungen und neue Produktions- wie Verbrauchsmuster zu schaffen. Eine Intervention des Seco zielt beispielsweise darauf ab, in Zusammenarbeit mit der International Finance Corporation (IFC) die Kapazit\u00e4ten der kolumbianischen Regierung bei der Einf\u00fchrung umweltfreundlicher Bauvorschriften zu st\u00e4rken.Entwicklungsl\u00e4nder verf\u00fcgen oftmals \u00fcber Kapazit\u00e4ts- und Personalengp\u00e4sse in ihrer staatlichen Administration. Deswegen ist der Fokus auf den Kapazit\u00e4tsaufbau und den internationalen Know-how-Transfer besonders wichtig in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Eine logische Sequenzierung der verschiedenen ineinandergreifenden Reformprozesse ist unabdingbar und muss immer an den lokalen Kontext angepasst werden.&#13;<\/p>\n<h2>Umwelt- und Klimatechnologietransfer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Gr\u00fcne Wirtschaft bedingt die Bereitstellung einer Netzwerkinfrastruktur (Energie, Wasser, Verkehr, Kommunikation usw.), welche den Anforderungen von Technologien der n\u00e4chsten Generation gerecht wird. F\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder, welche oftmals noch kein vollumf\u00e4nglich existierendes Infrastrukturnetzwerk haben, ergibt sich die Chance, aktuelle Technologien zu \u00fcberspringen und von Anfang an umweltfreundliche Technologien einzusetzen. Das Seco arbeitet hierzu vermehrt mit Gross- und Mittelst\u00e4dten in Entwicklungsl\u00e4ndern zusammen. Dabei kommen auch von der Schweiz entwickelte Ans\u00e4tze \u2013 wie das Energiestadtmodell \u2013 zum Einsatz. Auch der Industriesektor der Partnerl\u00e4nder ben\u00f6tigt dringend den Transfer von Umwelt- und Klimatechnologien. Industrielle Ressourceneffizienz ist im Kontext h\u00f6herer Energie- und Rohstoffpreise zunehmend ein Kosten- und Wettbewerbsfaktor. Und internationale Kunden verlangen immer h\u00e4ufiger Produkte mit niedrigem CO<i>2<\/i>-Fussabdruck und Wasserverbrauch. Das Seco unterst\u00fctzt darum Beratungsstellen in den Entwicklungsl\u00e4ndern, welche den dortigen Klein- und Mittelunternehmen Einsparpotenziale aufzeigen und die Umstellung auf umweltfreundliche Produktionsprozesse erleichtern (siehe <i>Kasten 3<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Ressourceneffiziente Industrie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Zur\u00fcckgehend auf eine Initiative am Rio-Gipfel 1992 unterst\u00fctzt das Seco zusammen mit der UN-Organisation f\u00fcr Industrieentwicklung (Unido) in zahlreichen Partnerl\u00e4ndern \u2013 Kolumbien, Peru, Zentralamerika, Ukraine, \u00c4gypten, Tunesien, S\u00fcdafrika, Vietnam, China, Indien und Indonesien \u2013 Beratungszentren zur Steigerung der Ressourceneffizienz in der Industrie. Diese vor allem auf die Exportsektoren ausgerichteten Dienstleistungsanbieter vermitteln innovative Technologien und Konzepte \u2013 wie Biogasnutzung aus Industrieabf\u00e4llen, Recycling chemischer Stoffe und gemeinsame Strategien in \u00ab\u00d6koindustriezonen\u00bb \u2013 und st\u00e4rken den gezielten S\u00fcd-S\u00fcd-Wissensaustausch. Zusammen mit dem UN-Umweltprogramm und privaten Partnern hat sich die Unido 2012 anerboten, im Rahmen der Klimakonvention ein neues globales Klimatechnologienetzwerk f\u00fcr industrielle Prozesse aufzubauen. Um die in Technologiefragen f\u00fchrenden multinationalen Unternehmen systematischer einzubeziehen, hat die Unido ausserdem die Green Industry Plattform lanciert.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).&#13;<br \/>\nKasten 1: Partnerschaft f\u00fcr Marktbereitschaft&#13;<\/p>\n<h3>Partnerschaft f\u00fcr Marktbereitschaft<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nUnter diesem Titel unterst\u00fctzt ein mit 75 Mio. US-Dollar dotierter Weltbankfonds 15 Schwellenl\u00e4nder darin, neue Wege des Klimaschutzes und CO<i>2<\/i>-Handels zu beschreiten. Das Seco ist mit 8,5 Mio. US-Dollar ein aktiver Geber. Die beg\u00fcnstigten L\u00e4nder profitieren von Expertise und Erfahrungsaustausch sowie der Professionalisierung von CO<i>2<\/i>-Messung und der Umsetzung nationaler Emissionshandelssysteme. Ziel sind massive CO<i>2<\/i>-Reduktionen in Schl\u00fcsselsektoren wie Schwerindustrie, Strassenverkehr oder Geb\u00e4udesektor. Die Motivation der Schwellenl\u00e4nder liegt oftmals in \u00f6konomischen Vorteilen der Gr\u00fcnen Wirtschaft: Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Industrie, verbesserter \u00f6ffentlicher Verkehr oder energieeffizientere Geb\u00e4ude und Konsumg\u00fcter. Entsprechend forcieren die Partnerl\u00e4nder den CO<i>2<\/i>-Emissionshandel trotz eines fehlenden verbindlichen globalen Klimaregimes. Die Sektorreformprogramme erfordern letztlich milliardenschwere Investitionen, welche sich aus Staatsbudgets der Entwicklungsl\u00e4nder, Privatinvestitionen, Entwicklungshilfe und Emissionshandel zusammensetzen k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Reform der Subventionen fossiler Energietr\u00e4ger&#13;<\/p>\n<h3>Reform der Subventionen fossiler Energietr\u00e4ger<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Internationale Energieagentur (IEA) hat berechnet, dass im Jahr 2010 weltweit 408 Mrd. US-Dollar an Subventionen f\u00fcr fossile Energietr\u00e4ger geleistet wurden, ein Grossteil davon in Entwicklungsl\u00e4ndern. Nur 8% dieses Betrags kamen den \u00e4rmsten 20% der Bev\u00f6lkerung zugute. Dennoch spielen in Entwicklungsl\u00e4nder gezielte Kompensationsmassnahmen f\u00fcr diese Haushalte eine wichtige Rolle, um den Subventionsabbau sozialvertr\u00e4glich zu gestalten. Das Seco unterst\u00fctzt im Verbund mit gleichgesinnten Gebern und den Entwicklungsbanken durchdachte Energiesektorreformen, welche substanzielle Budgets freisetzen f\u00fcr wichtige Aufgaben wie Gesundheitswesen, Bildung oder \u00f6ffentlichen Verkehr, und gleichzeitig den CO<i>2<\/i>-Ausstoss reduzieren helfen. Marktverzerrungen zu ungunsten der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz werden so eliminiert und die Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Energietr\u00e4gern verringert. Das Seco hat auch die M\u00f6glichkeit, solche Reformen beispielsweise im Rahmen von Budgethilfeprogrammen zu thematisieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Ressourceneffiziente Industrie&#13;<\/p>\n<h3>Ressourceneffiziente Industrie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nZur\u00fcckgehend auf eine Initiative am Rio-Gipfel 1992 unterst\u00fctzt das Seco zusammen mit der UN-Organisation f\u00fcr Industrieentwicklung (Unido) in zahlreichen Partnerl\u00e4ndern \u2013 Kolumbien, Peru, Zentralamerika, Ukraine, \u00c4gypten, Tunesien, S\u00fcdafrika, Vietnam, China, Indien und Indonesien \u2013 Beratungszentren zur Steigerung der Ressourceneffizienz in der Industrie. Diese vor allem auf die Exportsektoren ausgerichteten Dienstleistungsanbieter vermitteln innovative Technologien und Konzepte \u2013 wie Biogasnutzung aus Industrieabf\u00e4llen, Recycling chemischer Stoffe und gemeinsame Strategien in \u00ab\u00d6koindustriezonen\u00bb \u2013 und st\u00e4rken den gezielten S\u00fcd-S\u00fcd-Wissensaustausch. Zusammen mit dem UN-Umweltprogramm und privaten Partnern hat sich die Unido 2012 anerboten, im Rahmen der Klimakonvention ein neues globales Klimatechnologienetzwerk f\u00fcr industrielle Prozesse aufzubauen. Um die in Technologiefragen f\u00fchrenden multinationalen Unternehmen systematischer einzubeziehen, hat die Unido ausserdem die Green Industry Plattform lanciert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 4: Bibliografie&#13;<\/p>\n<h3>Bibliografie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 UNEP, 2011: Towards a Green Economy: Pathways to Sustainable Development and Poverty Eradication \u2013 A Synthesis for Policy Makers, <i><a href=\"http:\/\/www.unep.org\/greeneconomy\">http:\/\/www.unep.org\/greeneconomy<\/a>.<\/i>\u2212 UNEP, 2010: Green Economy, Driving a Green Economy through Public Finance and Fiscal Policy Reform, Working Paper v. 1.0, Geneva, Switzerland.\u2212 OECD, (2011), Towards Green Growth, OECD Publishing, <i><a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10\">http:\/\/dx.doi.org\/10<\/a>.1787\/9789264111318-en.<\/i>\u2212 OECD (2011), Greening Public Budgets in Eastern Europe, Caucasus and Central Asia, OECD Publishing, <i><a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10\">http:\/\/dx.doi.org\/10<\/a>.1787\/9789264118331-en.<\/i>\u2212 Swiss Re (2011), Closing the Financial Gap, Switzerland, <i><a href=\"http:\/\/media.swissre.com\/documents\/pub_closing_the_financial_gap_W1.pdf\">http:\/\/media.swissre.com\/documents\/pub_closing_the_financial_gap_W1.pdf<\/a>.\u2212 Peter Messerli, Green Economy \u2013 Neues Schlagwort oder Chance f\u00fcr nachhaltige Entwicklung und Umwelt? Center for Development and Environment, Universit\u00e4t Bern, 2011, <a href=\"http:\/\/www.cde.unibe.ch\/CDE\/pdf\/Green\">http:\/\/www.cde.unibe.ch\/CDE\/pdf\/Green<\/a>%20Economy_v12.pdf.<\/i><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gr\u00fcne Wirtschaft bietet gerade auch den Entwicklungsl\u00e4ndern neue Chancen: Sie erlaubt es, Armutsreduktion mit dem Abbau der eklatanten sozialen Ungleichheiten und der L\u00f6sung dringender Umweltprobleme zu verbinden. 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