{"id":119774,"date":"2012-05-01T12:00:00","date_gmt":"2012-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/05\/eperon-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:05","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:05","slug":"eperon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/05\/eperon\/","title":{"rendered":"Die neue Wirtschaftspolitik des Kantons Waadt vereint Neuausrichtung und Kontinuit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Der Kanton Waadt hat ein Jahrzehnt des aussergew\u00f6hnlichen Wachstums hinter sich. Seit Beginn der 2000er-Jahre hat er sein wirtschaftliches Gef\u00fcge stark diversifiziert; gleichzeitig haben Dutzende von internationalen Firmen ihren Hauptsitz in den Kanton Waadt verlegt. Die \u00abPolitique d\u2019appui au d\u00e9veloppement \u00e9conomique (Pade)\u00bb f\u00fcr die Jahre 2012\u20132017 sieht eine Verlagerung gewisser Priorit\u00e4ten auf der Basis des vorhandenen Potenzials vor. Der Kanton setzt dabei stark auf Innovation als Triebkraft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Vorwort zur Pade&#13;<br \/>\n<i>Politique d\u2019appui au d\u00e9veloppement \u00e9conomique (Pade) pour les ann\u00e9es 2012\u20132017,<\/i> vom Regierungsrat am 8. Juni 2011 verabschiedetes Dokument, S. 3. stellt der Regierungsrat fest, dass der Kanton Waadt in den letzten 15 Jahren seine Tr\u00fcmpfe und sein Potenzial erstaunlich gut habe ausspielen k\u00f6nnen. Das verdankt er in erster Linie den Unternehmern. Dennoch hat auch die staatliche Wirtschaftspolitik angesichts der \u00abstrukturell alternden\u00bb Wirtschaft und eines starken konjunkturellen Abschwungs eine wichtige Rolle gespielt. Trotz der Turbulenzen auf den Finanzm\u00e4rkten, welche die Weltwirtschaft belasten, pr\u00e4sentiert sich der Kanton in beneidenswerter Verfassung, als eine Art \u00abWachstumsinsel\u00bb. Das Wachstum ist hier noch dynamischer als in der \u00fcbrigen Schweiz (siehe <i>Tabelle 1<\/i>). Der Regierungsrat ist der Meinung, dass die Anstrengungen zur Standortf\u00f6rderung weitergef\u00fchrt werden sollten. Allerdings hat das ausgepr\u00e4gte Wachstum, so l\u00f6blich es auch sein mag, gewisse negative Effekte, die es zu vermeiden gilt. Bisher war das Wirtschaftswachstum eng mit der Ansiedlung internationaler Unternehmen verkn\u00fcpft. Nun wird es darum gehen, diese Aktivit\u00e4ten auf eine n\u00e4chste Stufe zu heben. Im Hinblick auf Wachstum und wirtschaftliche Diversifizierung wird in Zukunft entscheidend sein, wie die herausragende St\u00e4rke des Kantons Waadt im Bereich Innovation mit seiner einmaligen Dichte an Hochschulen und Forschungsinstitutionen von gesamtschweizerischer Reichweite genutzt werden kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn diesem Zusammenhang steht die neue Pade, wie sie vom Regierungsrat definiert und erstmals in einem mehrj\u00e4hrigen Dokument formalisiert worden ist, sowohl f\u00fcr Kontinuit\u00e4t wie auch f\u00fcr eine Neuausrichtung:Einerseits <i>Kontinuit\u00e4t,<\/i> da die Pade zum gr\u00f6ssten Teil aus der Kodifizierung der Strategien und Massnahmen der letzten Jahre resultiert.&#13;<br \/>\nEbd., S. 6. In diesem Sinne legt sie die Hauptpriorit\u00e4ten des Regierungsrates fest, pr\u00e4zisiert die Erwartungen an die mit der Umsetzung betrauten Organisationen und definiert die Zielsetzungen der Projekte mit wirtschaftlicher oder touristischer Ausrichtung, welche Subventionen oder Beitr\u00e4ge auf der Basis des <i>Loi cantonale sur l\u2019appui au d\u00e9veloppement \u00e9conomique (Lade)<\/i> erhalten.&#13;<br \/>\nEbd., S.5.Andererseits <i>Neuausrichtung,<\/i> da sich die Pade nicht mit der Verallgemeinerung der bestehenden guten Praktiken begn\u00fcgt. Denn sie schreibt eine Koordination vor welche die Arbeitsweise des Staates und der anerkannten Organisationen ver\u00e4ndert. Zudem werden einige Priorit\u00e4ten neu gesetzt, indem das Schwergewicht eher auf Forschung und Entwicklung (F&amp;E) und Produktion gelegt wird. Und schliesslich wird eine gewisse Vereinheitlichung der Entwicklung auf dem gesamten Kantonsgebiet angestrebt. Ein spezielles Augenmerk wird dabei auf das Finden neuer Gleichgewichte zwischen Typen von Aktivit\u00e4ten und Wirtschaftsregionen gelegt.Konkret sieht das Lade Massnahmen in folgenden drei Bereichen vor:\u2212 F\u00f6rderung von Wirtschaft und Tourismus des Kantons;\u2212 Valorisierung des regionalen Potenzials;\u2212 Beg\u00fcnstigung der Gr\u00fcndung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).&#13;<\/p>\n<h2>St\u00e4rken beibehalten und Chancen wahrnehmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn dieser Logik der Aussch\u00f6pfung des bestehenden Potenzials und dem Erschliessen neuer Opportunit\u00e4ten hat der Staat auf eine Swot-Analyse (<i>Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats<\/i>) zur\u00fcckgegriffen. Diese erprobte Methode zur Erarbeitung wirtschaftlicher Strategien wurde in drei Bereiche unterteilt: die gesamte Wirtschaftsstruktur, die Gebietsaufteilung und die bestehenden staatlichen Aktivit\u00e4ten.Aufgrund der Analyse konnten in einem ersten Schritt drei durchg\u00e4ngige Herausforderungen identifiziert werden:\u2212 Die Koh\u00e4renz und Effizienz der regionalen, kantonalen und \u00fcberkantonalen staatlichen Aktivit\u00e4ten;\u2212 Die Ausstrahlung und der Bekanntheitsgrad des Kantons als Wirtschafts- und Tourismusraum mit einer integrierten Standortf\u00f6rderung, d.h. durch die Pflege eines gemeinsamen Images unter dem Dach von <i>vaud.ch;<\/i>\u2212 Instrumente zur Erfassung und Evaluation der Wirtschaftsstruktur sowie der regionalen und sektoriellen Wirtschaftsentwicklung.In einem zweiten Schritt konnten dank der Managementdiagnostik acht thematische Bereiche unterschieden werden, welche der Regierungsrat mit massgeschneiderten Mitteln angehen will:1. Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur durch gezielte Unterst\u00fctzung von Branchen und Aktivit\u00e4ten mit grossem Entwicklungs- und Innovationspotenzial;2. Anpassung auf die Bed\u00fcrfnisse von KMU und Start-ups in den Bereichen Strategie, Beratung und Finanzierung;3. Innovation im Hinblick auf die Schaffung von Unternehmen und Arbeitspl\u00e4tzen in Branchen mit hoher Wertsch\u00f6pfung;4. Internationalisierung der waadtl\u00e4ndischen Wirtschaftsstruktur;5. Entwicklung eines koh\u00e4renten, qualitativ hoch stehenden und nachfrageorientierten touristischen Angebots, das mit der Standortf\u00f6rderung koordiniert ist;6. Schaffung eines Angebotes an Arealen und R\u00e4umlichkeiten, das an den Bed\u00fcrfnissen der Branchen und Unternehmen ausgerichtet und mit der Wohnraumpolitik koordiniert ist;7. F\u00f6rderung der sozio\u00f6konomischen Vitalit\u00e4t der Zentren;8. Wirtschaftliche Valorisierung der nat\u00fcrlichen Ressourcen, des kulturellen Erbes und des Know-hows.&#13;<\/p>\n<h2>Finanzielle Unterst\u00fctzung ist unabdingbar<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Pade pr\u00e4zisiert, auf welche Wirtschaftsbranchen die finanzielle Unterst\u00fctzung priorit\u00e4r auszurichten ist. Darunter sind auch die bereits 2006 definierten sechs Branchen: Life Sciences, Pr\u00e4zisionsinstrumente, Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), Ern\u00e4hrungsindustrie und Landwirtschaft, Tourismus sowie Cleantech. Neu hinzu kamen 2011 die Luxusg\u00fcterindustrie und der internationale Sport.Der Kanton Waadt hat die zur Erreichung seiner wirtschaftspolitischen Ziele notwendigen Instrumente und finanziellen Mittel&#13;<br \/>\nDas Lade f\u00fchrt die bis dahin in verschiedenen Gesetzen verstreuten Mittel zusammen: das <i>Loi sur la promotion \u00e9conomique,<\/i> das Loi sur le d\u00e9veloppement r\u00e9gional, das Loi vaudoise d\u2019application de la loi f\u00e9d\u00e9rale sur l\u2019aide \u00e0 l\u2019investissement dans les r\u00e9gions de montagne, das Loi sur le tourisme, der Fonds d\u2019\u00e9quipement touristique sowie das D\u00e9cret relatif \u00e0 la politique des p\u00f4les de d\u00e9veloppement. bereitgestellt, dies unter Einhaltung der verfassungsm\u00e4ssigen Prinzipien der Wirtschaftsfreiheit, des unverf\u00e4lschten Wettbewerbs und der Subsidiarit\u00e4t staatlichen Handelns. Die Mittel \u00e0 fonds perdu werden \u2013 abh\u00e4ngig vom j\u00e4hrlichen Budgetrahmen \u2013 dem <i>Service de la promotion \u00e9conomique et du commerce (Speco)<\/i>&#13;<br \/>\n2011: 25 Mio. Franken. zur Verf\u00fcgung gestellt. Mit diesem Instrument werden einerseits die kantonalen, regionalen oder interkantonalen F\u00f6rderorganisationen finanziert (rund 2\/3 des Budgets); andererseits werden daraus die regionalen oder unternehmensbezogenen Projekte sowie die Erbringer von Unternehmensdienstleistungen gespiesen (rund 1\/3 des Budgets). Ausserdem k\u00f6nnen mit dem Lade zinslose Darlehen, B\u00fcrgschaften und R\u00fcckb\u00fcrgschaften gew\u00e4hrt werden. Insgesamt ist aber immer zu beachten, dass die vom Pade abgedeckten Elemente nicht die Gesamtheit der staatlichen Wirtschaftspolitik umfasst. Die waadtl\u00e4ndische Regierung ist sich denn auch dar\u00fcber im Klaren, dass bei der Ausgestaltung der f\u00fcr wirtschaftliches Handeln entscheidenden Rahmenbedingungen auch andere staatliche Politiken eine Schl\u00fcsselrolle einnehmen.&#13;<br \/>\nVgl. Pade., S. 5. Die Wirkungen der Pade werden nach deren Abschluss genau evaluiert.&#13;<\/p>\n<h2>Innovation: Einmalige Position des Kantons Waadt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die Pade erfolgreich zu gestalten, setzt der Kanton Waadt stark auf Innovation. Auf der Basis seines aktuellen Potenzials will der Kanton mehrere Partner auf der neuen Plattform <i>InnoVaud<\/i> zusammenbringen. Die Plattform ist von der gleichnamigen Vereinigung ins Leben gerufen worden und mit einem Mandat des Kantons ausgestattet. Sie ist von \u00e4hnlichen Aktivit\u00e4ten anderer Kantone inspiriert, welche ebenfalls Netzwerk-Plattformen ins Leben gerufen haben. Solche Aktivit\u00e4ten sind angesichts der immer st\u00e4rker werdenden internationalen Konkurrenz notwendig geworden. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Schwellenl\u00e4nder, die lange ausschliesslich in der wertsch\u00f6pfungsextensiven Produktion t\u00e4tig gewesen sind, neuerdings aktive Innovationsf\u00f6rderung betreiben und Talente anzuziehen verm\u00f6gen.Der Kanton Waadt ist dieser Entwicklung nicht hilflos ausgeliefert, im Gegenteil: Seine St\u00e4rken sind offensichtlich. Erstens hat er eine schweizweit einmalige Konzentration an Hochschul- und Forschungsinstitutionen vorzuweisen. Zweitens ist seine Wirtschaftsstruktur vielseitig. Aufgrund seiner Positionierung in der Spitzenindustrie und -technologie nimmt er automatisch eine f\u00fchrende Rolle als Inkubator von Innovationen ein. Dies zeigt sich auch darin, dass die Branchen mit Technologieanteil einen wesentlichen Beitrag zum kantonalen Wachstum leisten (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Trotz dieser g\u00fcnstigen Ausgangslage sind der Regierungsrat und die unten erw\u00e4hnten Partner der Meinung, dass die Les- und Sichtbarkeit des Innovationsnetzwerks verbessert werden muss. Es m\u00fcssen koh\u00e4rente Formen der Unterst\u00fctzung und Strategien entwickelt und die Erfolgsaussichten der Gesellschaften und Projekte erh\u00f6ht werden. Als Resultat dieser Aktivit\u00e4ten sollen Arbeitspl\u00e4tze mit hoher Wertsch\u00f6pfung in KMU und Start-ups geschaffen werden.Die Umsetzung dieses Programms unter der Federf\u00fchrung des <i>D\u00e9partement de l\u2019\u00e9conomie (DEC)<\/i> und des <i>D\u00e9partement de la formation, de la jeunesse et de la culture (DFJC)<\/i> ist dann von entscheidender Bedeutung, wenn der Return on Investment noch klar negativ ausf\u00e4llt. InnoVaud will in drei zur Gr\u00fcndung neuer Unternehmen entscheidender Phasen unterst\u00fctzend eingreifen: Zun\u00e4chst bei der <i>Standortsuche,<\/i> dank der vorhandenen Reserven an gut erschlossenen Arealen; anschliessend bei der <i>Finanzierung,<\/i> die f\u00fcr die Lancierung eines Projekts entscheidend ist; und schliesslich der <i>Begleitung<\/i> in Form von Beratungs- und Coaching-Angeboten.&#13;<\/p>\n<h2>Kompetente und engagierte Partner<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Projekt InnoVaud bringt eine Reihe von Schl\u00fcsselplayern unter einen Hut. All diese Organisationen stellen ihre professionellen Kompetenzen und vorhanden Ressourcen \u2013 auch finanzieller Art \u2013 zur Verf\u00fcgung:\u2212 Die Bildungs- und Forschungsinstitutionen sowie die Organe des Technologietransfers;\u2212 Die bestehenden Standortstrukturen, d.h. Technoparks, Gr\u00fcnderzentren und Inkubatoren; \u2212 Die Leistungserbringer der Innovationsunterst\u00fctzung, d.h. die Beratungs- und Finanzierungsorgane;\u2212 Die Banque Cantonale Vaudoise;\u2212 Die Waadtl\u00e4ndische Handels- und Industriekammer (WHIK);\u2212 Das Centre Patronale;\u2212 Die Associations r\u00e9gionales du d\u00e9veloppement \u00e9conomique (Codev).F\u00fcr die n\u00e4chsten 10 Jahre (ab 2012) budgetiert InnoVaud seinen finanziellen Rahmen auf 130 Mio. Franken, gegen\u00fcber 82 Mio. Franken in der vorangegangenen Periode. Der Kanton Waadt tr\u00e4gt diesem erh\u00f6hten Mittelbedarf ebenfalls Rechnung und hat sein Engagement via DEC und DFJC von bisher 15 Mio. auf 47 Mio. Franken ausgeweitet. Ab dem elften Jahr seiner Existenz soll dieser ausserordentliche Beitrag an InnoVaud durch einen Mechanismus abgel\u00f6st werden, der die finanzielle Autonomie der Plattform innerhalb des ordentlichen Budgets des Kantons Waadt garantiert.Parallel zu dieser langfristig ausgerichteten Leitung hat der Regierungsrat einen <i>Strategischen Plan 2012\u20132015<\/i> f\u00fcr den Kanton erarbeitet. Dessen Ziel ist es, dass in diesem Zeitraum 40 neue Unternehmen mit 400 Stellen gegr\u00fcndet werden. Dazu sollen Investitionen in Start-ups von regionalen, nationalen und ausl\u00e4ndischen Fonds angezogen werden. Gest\u00e4rkt werden m\u00fcssen \u00fcberdies die Br\u00fccken zwischen den Hochschul- und Forschungsinvestitionen und den Unternehmen mittels Technologietransfer.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abMittleres J\u00e4hrliches Netto-Wachstum des Kantons Waadt nach Sektoren, 2005\u20132008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abReales BIP der Schweiz und des Kantons Waadt: J\u00e4hrliche Wachstumsraten (in&nbsp;%)\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kanton Waadt hat ein Jahrzehnt des aussergew\u00f6hnlichen Wachstums hinter sich. Seit Beginn der 2000er-Jahre hat er sein wirtschaftliches Gef\u00fcge stark diversifiziert; gleichzeitig haben Dutzende von internationalen Firmen ihren Hauptsitz in den Kanton Waadt verlegt. 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