{"id":119789,"date":"2012-05-01T12:00:00","date_gmt":"2012-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/05\/kaiser-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:27:56","modified_gmt":"2023-08-23T21:27:56","slug":"kaiser-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/05\/kaiser-3\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcne Wirtschaft: Wachstum bei ersch\u00f6pfbaren nat\u00fcrlichen Ressourcen"},"content":{"rendered":"<p>Drei Bef\u00fcrchtungen stehen im Raum: Schleichende Umweltzerst\u00f6rungen gef\u00e4hrden die Nahrungsmittelproduktion; der weltweite Rohstoffhunger f\u00fchrt zur Ersch\u00f6pfung von Erzlagerst\u00e4tten; und die begrenzte Aufnahmekapazit\u00e4t der Umwelt f\u00fcr Emissionen f\u00fchrt zu irreversiblen Folgesch\u00e4den und einer abnehmenden Wirtschaftsleistung. Als praktische Leitlinien werden die Schonung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen, sekund\u00e4re Stoffkreisl\u00e4ufe f\u00fcr z.B. Metalle und die Substitution fossiler Energietr\u00e4ger postuliert. Eine Gr\u00fcne Wirtschaft, in der kosteneffiziente Instrumente Marktversagen korrigieren, soll umweltvertr\u00e4gliches Wachstum erm\u00f6glichen, das auch k\u00fcnftigen Generationen gen\u00fcgend Handlungsspielraum erlaubt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201205_07_Kaiser_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"262\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Streben der Menschheit nach Wachstum und Wohlstand wird begleitet von einer tiefgr\u00fcndigen Sorge, dass die Erdkugel von begrenzter Gr\u00f6sse ist und folglich der Menschheit Grenzen gesetzt sind. Diese Grenzen k\u00f6nnen k\u00fcnftig das wirtschaftliche Wachstum beschr\u00e4nken und die Zivilisation bei \u00dcberschreiten kritischer Grenzen durch katastrophale Ereignisse unter Umst\u00e4nden sogar gef\u00e4hrden.Die Extrapolation unserer heutigen Ausgangslage in die Zukunft stimmt angesichts der Bev\u00f6lkerungszunahme und der Industrialisierung der Schwellenl\u00e4nder eher pessimistisch. Stichworte sind Treibhausgasemissionen, abnehmende Biodiversit\u00e4t und die rasante Zunahme des Rohstoffverbrauchs. Bisher haben sich jedoch pessimistische Vorhersagen \u00fcber die Grenzen des Wachstums \u2013 wie etwa des englischen \u00d6konomen <i>Thomas Robert Malthus<\/i> (1766\u20131834) oder des <i>Club of Rome<\/i> (1972) nicht bewahrheitet. Der technologische Fortschritt sorgte f\u00fcr eine st\u00e4ndige Erweiterung des Wachstumspotenzials. So konnten in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz Umweltprobleme im Bereich der Luft- und Wasserverschmutzung erfolgreich einged\u00e4mmt werden. Ebenso sind kaufkraftbereinigt die Preise von nat\u00fcrlichen Rohstoffen bei einer Langfristbetrachtung kaum gestiegen. Die Analyse der Vergangenheit stimmt daher \u2013 zumindest bezogen auf die fortschrittlichen Industriel\u00e4nder \u2013 eher optimistisch.&#13;<\/p>\n<h2>Internationale Anstrengungen f\u00fcr ein Gr\u00fcnes Wachstum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn diesem Spannungsfeld der Unsicherheit erlangten die Themen <i>Green Growth<\/i> und <i>Green Economy<\/i> im Jahr 2008 unter dem Eindruck der Rohstoffpreishausse und im Zuge der anschliessenden Finanz- und Wirtschaftskrise in verschiedenen internationalen Organisationen eine \u00fcberragende Bedeutung, die auch Definitionen lieferten (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Was ist Gr\u00fcne Wirtschaft?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBegriffe wie Gr\u00fcne Wirtschaft und Gr\u00fcnes Wachstum sind sehr \u00aben vogue\u00bb und werden von verschiedenen internationalen Institutionen verwendet. \u2013 In ihrer 2011 lancierten <i>Green Growth Strategy<\/i> schreibt die OECD, dass gr\u00fcnes Wachstum die F\u00f6rderung von Wirtschaftswachstum und Entwicklung bedeutet, bei welcher sichergestellt wird, dass die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen weiterhin Rohstoffe und Umweltdienstleistungen bereitstellen k\u00f6nnen, von denen unser Wohlergehen abh\u00e4ngt. \u2013 Die Umweltorganisation der Uno <i>UNEP<\/i> definiert <i>Green Economy<\/i> in ihrem 2011 publizierten Report als eine Wirtschaftsweise, die menschliches Wohlergehen steigert und soziale Gleichheit sicherstellt, w\u00e4hrend gleichzeitig Umweltrisiken und \u00f6kologische Knappheiten erheblich verringert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). In der Krise selbst ging es darum, die staatlichen Anstrengungen zur kurzfristigen Stabilisierung der Wirtschaft m\u00f6glichst nicht auf Kosten der Umwelt, sondern soweit m\u00f6glich zu deren positivem Nutzen umzusetzen. Heute erfordert die Finanzierung der Staatsaufgaben der kommenden Jahre und Jahrzehnte in den meisten entwickelten L\u00e4ndern anhaltendes Wachstum. Eine <i>Gr\u00fcne Wirtschaft<\/i> soll dieses umweltvertr\u00e4gliche Wachstum erm\u00f6glichen. Damit sollen gleichzeitig k\u00fcnftigen Generationen gen\u00fcgend Handlungsm\u00f6glichkeiten \u00fcberlassen werden, die mindestens vergleichbar sind mit den heutigen, wobei die Ungewissheiten der Zukunft ausgeklammert werden. Der Bundesrat hat bereits im Oktober 2010 Auftr\u00e4ge an die zust\u00e4ndigen Departemente f\u00fcr Massnahmen im Bereich <i>Gr\u00fcne Wirtschaft<\/i> erteilt. Ein parlamentarischer Vorstoss&#13;<br \/>\nPostulat 10.3373 Bourgeois Jacques \u00abGr\u00fcne Wirtschaft\u00bb. und die von der Gr\u00fcnen Partei lancierte Initiative \u00abGr\u00fcne Wirtschaft\u00bb verlangen eine fortgesetzte Auseinandersetzung mit diesem Thema.&#13;<\/p>\n<h2>Drei Leitlinien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Sorge um die Ersch\u00f6pfbarkeit nat\u00fcrlicher Ressourcen und die daraus folgenden Erwartungen an den technischen Fortschritt stecken ein Spannungsfeld ab, in dem die Politik die Rolle des Staates definieren muss: Wie viel ist heute bereits unter Einschaltung des Staates vorzukehren? Und was wird der weitere Fortschritt von selber l\u00f6sen? Als Orientierungshilfe in diesem Spannungsfeld k\u00f6nnen die folgenden drei Leitlinien dienen:\u2013 Schonung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen;\u2013 Aufbau sekund\u00e4rer Stoffkreisl\u00e4ufe f\u00fcr Metalle und mineralische Rohstoffe;\u2013 Substitution von fossilen Energietr\u00e4gern.&#13;<\/p>\n<h2>Nat\u00fcrliche Lebensgrundlagen schonen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer technische Fortschritt hat es bislang erlaubt, die Fl\u00e4chenproduktivit\u00e4t in der Landwirtschaft zu steigern. So konnten immer mehr Lebensmittel f\u00fcr immer mehr Menschen zu immer geringeren Preisen bereitgestellt werden. Seit der zweiten H\u00e4lfte des letzten Jahrzehnts ist ein steigender Preistrend auf den globalen Agrarm\u00e4rkten feststellbar; und es wird eine Zunahme der Preisvolatilit\u00e4t vermutet. Grunds\u00e4tzlich f\u00fchren steigende Preise bei funktionierenden M\u00e4rkten zu einer Intensivierung und\/oder zu einer Ausweitung der Fl\u00e4chennutzung und der Produktion und tragen so zur L\u00f6sung des Problems bei. Die Preisvolatilit\u00e4t dagegen ist massgeblich abh\u00e4ngig vom Verh\u00e4ltnis zwischen den Lagerbest\u00e4nden und dem Verbrauch, aber auch von politischen Eingriffen in die M\u00e4rkte (z.B. Exportrestriktionen). Die OECD und die Uno-Weltern\u00e4hrungsorganisation FAO rechnen damit, dass die Preisvolatilit\u00e4t hoch bleiben wird und dass die verst\u00e4rkten Auswirkungen des Klimawandels die Situation noch versch\u00e4rfen k\u00f6nnten. Neben einer eigenen Produktion und Lebensmittelimporten ist die Lagerhaltung Teil unserer Versorgungssicherheit <i>in der kurzen Frist.<\/i> Auf der Ebene der einzelnen Erzeugnisse gibt es zudem viele Substitute. Die kurzfristige Versorgungssicherheit f\u00fcr die Konsumentinnen und Konsumenten ist bei Agrarprodukten daher auf absehbare Zeit hinaus kaum gef\u00e4hrdet. Die Frage von Versorgungsengp\u00e4ssen bei Agrarrohstoffen stellt sich allenfalls bei Vorleistungen f\u00fcr die einheimische Produktion wie Saatgut oder D\u00fcnger \u2013 oder aber f\u00fcr denjenigen Teil der Nahrungsmittelindustrie, der auf die Weiterverarbeitung von Agrarrohstoffen spezialisiert ist, die aus L\u00e4ndern ausserhalb Europas importiert werden, wie Kaffee, Kakao, gewisse \u00d6le oder Gew\u00fcrze. <i>In der langen Frist<\/i> ist die Nahrungsmittelproduktion darauf angewiesen, dass die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen (fruchtbarer Boden, stabile Atmosph\u00e4re, saubere Gew\u00e4sser etc.) erhalten bleiben. \u00dcbersteigt der Verbrauch nat\u00fcrlicher Ressourcen deren Regenerationsf\u00e4higkeit, kommt es zu negativen Umweltauswirkungen wie dem Verlust an biologischer Vielfalt und Lebensr\u00e4umen. Abnehmende Bodenfruchtbarkeit oder schrumpfende Fischbest\u00e4nde durch \u00dcbernutzung gef\u00e4hrden ganze \u00d6kosysteme und schlagen negativ auf die Wirtschaftsleistung zur\u00fcck. Die oberste Maxime ist deshalb, die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen zu schonen. Dies steht auch im Fokus der <i>OECD-Green Growth-Strategie.<\/i> Die Teilstrategie im Nahrungsbereich&#13;<br \/>\nGreen Growth Strategy for Food and Agriculture. zeigt auf, wie die landwirtschaftliche Produktivit\u00e4t gesteigert und gleichzeitig die begrenzten nat\u00fcrlichen Ressourcen erhalten werden k\u00f6nnen. Dabei zeigt sich, dass sich gekl\u00e4rte Eigentumsrechte g\u00fcnstig auf den Ressourcenerhalt auswirken. Die Schaffung von Eigentumsrechten indes ist komplex und zunehmend eine globale \u2013 und nicht rein nationale \u2013 Angelegenheit.&#13;<\/p>\n<h2>Metalle und mineralische Rohstoffe Sekund\u00e4rkreisl\u00e4ufen zuf\u00fchren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch bei Metallen und mineralischen Rohstoffen sind die Preise gegen\u00fcber dem jahrzehntelangen Abw\u00e4rtstrend wieder gestiegen, weil die Investitionst\u00e4tigkeit der Nachfrage nicht gefolgt ist. Dabei spielt eine Rolle, dass Bergbauunternehmen aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden zu einer Reduzierung der Explorationsanstrengungen neigen, wenn die Vorkommen f\u00fcr die n\u00e4chsten 20-40 Jahre feststehen. Entsprechend lassen die j\u00fcngsten Preisanstiege nicht direkt auf eine Ersch\u00f6pfung der Ressourcen schliessen. Herausforderungen zeichnen sich dennoch ab.So finden sich Abbaugebiete f\u00fcr <i>Industriemetalle<\/i> wie Kupfer, Eisen oder Zink zwar rund um den Globus. Abbauw\u00fcrdige und leicht zug\u00e4ngliche Erzvorkommen k\u00f6nnten in Zukunft jedoch zur Neige gehen; oft ist deren Produktion auch monopolistischen und machtpolitischen Einfl\u00fcssen ausgesetzt. Neben der Gewinnung kommt daher auch der Nutzung von Rohstoffabf\u00e4llen (z.B. Herstellung von Stahl aus Eisenschrott) und der Substitution eine zentrale Bedeutung zu. Dies gilt gerade auch f\u00fcr die Schweiz, ist sie bei Metallen und mineralischen Rohstoffen doch massgeblich von Importen abh\u00e4ngig. Eine Diversifizierung der Versorgung durch R\u00fcckgewinnung aus Rohstoffabf\u00e4llen und Schaffung von Sekund\u00e4rkreisl\u00e4ufen kann erheblich zu einer besseren Versorgungssicherheit beitragen. Insbesondere bei einer Auswahl an <i>seltenen Metallen und Mineralien<\/i> (z.B. Indium, Tantal, seltene Erden, Phosphor) konzentriert sich die Produktion oft auf wenige L\u00e4nder, die u.a. aufgrund geostrategischer \u00dcberlegungen vermehrt Exportrestriktionen erlassen. Anders als etwa bei Kupfer besteht bei diesen Metallen das Problem, dass sie oft in kleinsten Mengen in Produkten vorkommen, was das Recycling nicht nur technisch erschwert, sondern auch dessen Profitabilit\u00e4t in Frage stellt. Die Wiedergewinnung aus Abf\u00e4llen \u2013 das sogenannte \u00abUrban Mining\u00bb \u2013 wird dann zur Option, wenn die Elemente gen\u00fcgend h\u00e4ufig und in ausreichender Konzentration in geeignet sortiertem Abfall anfallen. Die Integrierte Produktpolitik (IPP) kann die diesbez\u00fcglichen Voraussetzungen ganz wesentlich verbessern.&#13;<\/p>\n<h2>Fossile Energietr\u00e4ger substituieren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nFossile Energietr\u00e4ger wie \u00d6l, Gas oder Kohle werden eingesetzt, um W\u00e4rme oder Strom zu erzeugen, industrielle Anlagen zu betreiben oder G\u00fcter weltweit zu verschieben. Erd\u00f6l und Erdgas sind zudem auch Ausgangsstoffe f\u00fcr D\u00fcnger, Chemikalien oder Kunststoffe. Die Versorgung mit fossilen Energietr\u00e4gern ist deshalb f\u00fcr die Wirtschaft in ihrer ganzen Breite relevant.In der Schweiz ist die direkte und indirekte Versorgung bei Erd\u00f6l deutlich breiter diversifiziert als bei Erdgas. Dies ist zum Teil darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass Erdgas als leitungsgebundener Energietr\u00e4ger nur eingeschr\u00e4nkt transportiert und gelagert werden kann. Im Falle von Erdgas ist die Schweiz deshalb ganz besonders auf offene Verkehrswege angewiesen. Bei Erd\u00f6l ist die Problemlage anders: Hier ist eine noch weiter wachsende Konzentration der kosteng\u00fcnstigen Lagerst\u00e4tten in der Region des Nahen Ostens zu erwarten. Dies ist eine heikle Abh\u00e4ngigkeit. F\u00fcr Treibstoffe und Heiz\u00f6l unterh\u00e4lt die Schweiz deshalb Pflichtlager, wobei in Fragen der Freigabe von Erd\u00f6lpflichtlagern in kritischen Situationen die Schweiz mit der Internationalen Energieagentur (IEA) und deren Mitgliedstaaten zusammenarbeitet. Fossile Energietr\u00e4ger sind in dem Sinne nicht erneuerbar, als dass sich diese Vorkommen nicht innerhalb menschlicher Zeitmassst\u00e4be regenerieren k\u00f6nnen. Ihre Vorkommen nehmen aufgrund menschlicher Aktivit\u00e4ten laufend ab und erscheinen zunehmend als begrenzt (These des <i>Peak Oil<\/i>). Lange vor ihrem Ersch\u00f6pfungszeitpunkt (insbesondere bei Kohle ist die statische Reichweite bei 140 Jahren!) wird jedoch die Atmosph\u00e4re mit CO<i>2<\/i> \u00fcberlastet sein. Die Wachstumsgrenze liegt hier also weniger bei der Versorgung als auf der Seite des <i>End of pipe,<\/i> d.h. mehr beim Schutz der Klimastabilit\u00e4t als in der Knappheit der Lagerst\u00e4tten. Die Aufnahmekapazit\u00e4t der Umwelt als Senke f\u00fcr Emissionen stellt ebenfalls eine nat\u00fcrliche Ressource dar, die im schlimmsten Fall irreversibel zerst\u00f6rt wird und entsprechend geschont werden muss. Die langfristig gangbaren Handlungsalternativen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung liegen daher weniger in der Ausweitung des Angebots fossiler Energien, sondern \u2013 neben der effizienteren Nutzung \u2013 in deren Substitution, d.h. im Ausweichen auf erneuerbare Energien. Deren Einsatz verbessert nicht nur die Versorgungssicherheit; die meisten von ihnen kennen auch eine sehr gute CO<i>2<\/i>-Bilanz.&#13;<\/p>\n<h2>St\u00e4rkung der Marktmechanismen als Weg zum Ziel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMenschliche Kreativit\u00e4t erm\u00f6glicht einen fortlaufenden technologischen Fortschritt, ohne den k\u00fcnftiges Wachstum bei der offensichtlichen Begrenztheit nat\u00fcrlicher Ressourcen nicht denkbar w\u00e4re. Innovationen bei Prozessen und Produkten k\u00f6nnen besser als unbeliebte Verhaltensvorschriften den Schutz der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen, die Schaffung sekund\u00e4rer Stoffkreisl\u00e4ufe und die Substitution ersch\u00f6pfbarer Ressourcen bewirken. Innovation ist der Schl\u00fcssel, um auch k\u00fcnftig wirtschaftliches Wachstum zu erm\u00f6glichen. Hohe Preise f\u00fchren zu sparsamem Umgang und stimulieren die Innovation. Dar\u00fcber hinaus ist in einer Situation mit sehr vielen Akteuren der marktwirtschaftliche Preismechanismus das wohl effizienteste wirtschaftliche und gesellschaftliche Koordinationsinstrument. Bei wachsender Knappheit wird der Markt oftmals selbstt\u00e4tig f\u00fcr einen Preisanstieg sorgen, der zu Sparsamkeit und Innovationen Anlass gibt. Der Staat hat aber dennoch wichtige Aufgaben, die vom Setzen allgemeiner Rahmenbedingungen bis zu spezifischen Eingriffen reichen und in dieser Reihenfolge nachstehend diskutiert werden.&#13;<\/p>\n<h2>G\u00fcnstige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nG\u00fcnstige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die Wettbewerb erleichtern und Marktzugangsschranken im Binnenmarkt wie auch im Export und Import abbauen, sind eine Grundvoraussetzung f\u00fcr eine allgemein hohe Leistungsf\u00e4higkeit der Wirtschaft. Dies gilt auch in Bezug auf den Schutz nat\u00fcrlicher Lebensgrundlagen und den Verbrauch nat\u00fcrlicher Ressourcen.Allerdings k\u00f6nnen sowohl der Staat als auch die Produzenten und Konsumenten ihre Verantwortung \u00fcber die Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen nur dann wahrnehmen, wenn sie \u00fcber die Herausforderungen gen\u00fcgend Kenntnis haben. Die Probleme und Wirkungszusammenh\u00e4nge werden aber zunehmend komplexer, und die geografische und zeitliche Distanz zwischen Ursache und Wirkung wachsen gleichfalls. Der Staat hat die Aufgabe, die Erarbeitung des notwendigen Wissens zu unterst\u00fctzen. Dazu z\u00e4hlen auch Indikatoren als Erg\u00e4nzung zum BIP (siehe <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Das Bruttoinlandprodukt: Was es leistet und was nicht<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Bruttoinlandprodukt (BIP) ist ein unverzichtbares Instrument der Konjunkturanalyse und ein allgemein anerkanntes Mass f\u00fcr die Messung der wirtschaftlichen Leistung einer Volkswirtschaft. Die Methoden zur Berechnung sind klar definiert und standardisiert, um internationale Vergleiche und Aggregationen zu erm\u00f6glichen. Seine Ver\u00e4nderung ist zentral f\u00fcr die Handhabung aller konjunkturpolitischen Instrumente. In dieser Funktion ist das BIP kaum durch andere Masse zu ersetzen. Wegen der indirekten Beziehung zwischen wirtschaftlichem Wachstum und wesentlichen Elementen der Wohlfahrt (z.B. Arbeitspl\u00e4tze und Konsumniveau) wird das BIP oft auch als ein stellvertretender Indikator f\u00fcr Wohlfahrt betrachtet. Auch wenn ein h\u00f6heres BIP grunds\u00e4tzlich mit einer Vielzahl von Indikatoren f\u00fcr eine h\u00f6here Wohlfahrt korreliert,a ist es als alleiniges Wohlfahrtsmass unzureichend. Es bedarf der Erg\u00e4nzung durch andere Indikatoren. F\u00fcr die \u00f6kologische Dimension der Wohlfahrt gilt dies aus den folgenden Gr\u00fcnden: Erstens werden nat\u00fcrliche Ressourcen im Sinne der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen regelm\u00e4ssig nicht an M\u00e4rkten gehandelt bzw. nicht mit Marktpreisen bewertet und daher im BIP auch nicht erfasst. Dies trifft etwa f\u00fcr die CO2-Absorptionsf\u00e4higkeit der Atmosph\u00e4re zu; anders verh\u00e4lt es sich dagegen bei der Bodenfruchtbarkeit. Zweitens ist das BIP eine Bruttogr\u00f6sse. Als solche tr\u00e4gt es bereits dem Wertverzehr auf den Sachkapitalg\u00fctern, die f\u00fcr seine Produktion verwendet werden, keine Rechnung. Die Abschreibungen werden erst in einem zweiten Schritt \u2013 beim \u00dcbergang zum Konzept des Volkseinkommens \u2013 vom BIP abgezogen. Diese Korrektur um den Wertverlust auf Sachkapitalg\u00fctern bleibt aber unzureichend, da es andere Kapitalbest\u00e4nde gibt, die durch die Produktion des BIP beeintr\u00e4chtigt (ggf. aber auch aufgewertet) werden k\u00f6nnen. Mit dieser Vernachl\u00e4ssigung von Ver\u00e4nderungen von Kapitalst\u00f6cken wie der Umweltqualit\u00e4t vernachl\u00e4ssigt das BIP auch intergenerationelle Aspekte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Vgl. OECD, \u00abAlternative Measures of Well-Being\u00bb, R. Boarini, A. Johansson and M. Mira D\u2019Ercole, Economics Department Working Papers Nr. 476, ECO\/WKP(2006)4. und <i>Kasten 3<\/i>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"c2\">Beispiele erg\u00e4nzender Indikatoren zum BIP<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c3\">Aufgrund der in <i>Kasten 2<\/i> genannten Defizite des BIP hinsichtlich der Wohlfahrtsmessung werden verschiedene Indikatoren entwickelt, welche das BIP erg\u00e4nzen sollen. Ein auf internationaler Ebene bereits etablierter Indikator ist der sogenannte \u00f6kologische Fussabdruck. Dieser stellt eine \u00f6kologische Buchhaltung dar, welche die menschliche Nachfrage nach nat\u00fcrlichen Ressourcen mit der Kapazit\u00e4t der Erde vergleicht. Sie misst die Land- und Wasserfl\u00e4che, die zur Erneuerung von Ressourcen unter Ber\u00fccksichtigung gegenw\u00e4rtiger Technologien ben\u00f6tigt wird, um den gegenw\u00e4rtigen Konsum einer bestimmten Bev\u00f6lkerung zu befriedigen. Dies schliesst beispielsweise Fl\u00e4chen zur Produktion von Nahrung und Kleidern, aber auch zur Entsorgung von Abf\u00e4llen und zur Bindung von CO<i>2<\/i> mit ein.aDer <i>\u00f6kologische Fussabdruck<\/i> versucht, die komplexen Wechselwirkungen zwischen Produktions- bzw. Konsumaktivit\u00e4ten und der Belastung der \u00d6kosysteme in einfacher und verst\u00e4ndlicher Form darzustellen. Er weist jedoch verschiedene Schw\u00e4chen auf. Beispielsweise addiert der \u00f6kologische Fussabdruck verschiedene umweltbelastende Aktivit\u00e4ten (z.B. Landverbrauch und CO<i>2<\/i>-Emissionen) mittels des Gewichtungsfaktors Fl\u00e4chenbeanspruchung f\u00fcr eine nachhaltige Produktion des fraglichen Rohstoffes zu einem hochaggregierten Indikator auf. Bei dieser Aggregation geht jedoch der Zusammenhang zwischen den einzelnen Umwelteinfl\u00fcssen und der optimalen Technologie zu deren Begrenzung oftmals verloren.b F\u00fcr eine m\u00f6glichst korrekte Aggregation m\u00fcssten die konkreten Kosten der verschiedenen Umweltbelastungen \u2013 auch in Form der tiefsten Kosten f\u00fcr deren Begrenzung \u2013 bekannt sein, was offensichtlich nicht der Fall ist. Weiter ist seine Aussagekraft bez\u00fcglich einer nachhaltigen Entwicklung auch deshalb limitiert, weil er auf einem statischen, gegenwartsbezogenen Konzept basiert, und keine Verringerung der Ressourcenbeanspruchung durch technischen Fortschritt in Rechnung stellt. Nebst dem \u00f6kologischen Fussabdruck wurden noch weitere aggregierte Umweltindikatoren \u2013 wie der <i>Environmental Sustainability Index<\/i> \u2013 entwickelt. Die Ergebnisse der verschiedenen Indikatoren variieren jedoch stark, was den Schluss zul\u00e4sst, dass diese noch keine verl\u00e4sslichen Aussagen erm\u00f6glichen.c So muss hier festgehalten werden, dass noch kein verl\u00e4ssliches komplement\u00e4res Mass existiert, welches das BIP als Indikator f\u00fcr Wohlfahrt erg\u00e4nzen k\u00f6nnte. Der Bedarf nach zus\u00e4tzlichen Indikatoren ist jedoch erkannt, und vielversprechende Arbeiten sind im Gange. So besch\u00e4ftigt sich u.a. die <i>OECD<\/i> im Rahmen ihrer <i>Green Growth-Strategie<\/i> mit der Erarbeitung solcher komplement\u00e4rer Indikatoren. Aufgrund der methodischen Schwierigkeiten verzichtet sie allerdings auf den Ansatz, dem BIP ein in gleichem Umfang aggregiertes Mass gegen\u00fcberzustellen. Sie schl\u00e4gt im Gegensatz dazu ein Set von Einzelindikatoren vor, welche aktuell konsolidiert werden.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\na Vgl. <i><a href=\"http:\/\/www.footprintnetwork.org\">http:\/\/www.footprintnetwork.org<\/a>.<\/i>b Die Nutzung einer Waldfl\u00e4che f\u00fcr die Produktion von Holzwolle als Jahrzehnte nutzbares Isoliermaterial ist bspw. effizienter als der Ersatz von fossilen Brennstoffen durch Biotreibstoffe.c R. Pillarisetti und J.C.J.M. van den Bergh (2010). Sustainable Nations: What Do Aggregate Indexes Tell Us?. In: <i>Environment, Development and Sustainability<\/i> 12(1), S. 49\u201362.).&#13;<\/p>\n<h2>Interventionen des Staates bei Marktversagen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit dem Wissen \u00fcber die Knappheit von Ressourcen ist deren effiziente Nutzung oder Substitution noch nicht gew\u00e4hrleistet, trotz marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Verantwortlich daf\u00fcr sind Marktversagen. Nat\u00fcrliche Ressourcen haben oftmals trotz ihrer Knappheit keinen Preis. So kann CO<i>2<\/i> gratis in die Atmosph\u00e4re abgegeben werden, obwohl dies in Zukunft hohe Kosten verursachen kann. Notwendig sind daher Interventionen des Staates in den Markt, die Marktversagen korrigieren. Prim\u00e4r gilt es, den Ressourcen die richtigen Preise zu geben. Hinsichtlich \u00f6konomischer Effizienz stehen dabei Steuern und Emissionshandel im Vordergrund. Sie erm\u00f6glichen im Sinne des Verursacherprinzips die Kostenwahrheit, verzerren die M\u00e4rkte relativ wenig und verursachen daher relativ geringe volkswirtschaftliche Kosten. Werden mit diesen Instrumenten Staatseinnahmen generiert, kann eine zus\u00e4tzliche positive Wirkung auf die Wohlfahrt dann erreicht werden, wenn der Staat damit \u2013 im Sinne einer \u00f6kologischen Steuerreform \u2013 andere Steuern, die eine wirtschaftlich verzerrende Wirkung haben, in gleichem Umfang abbaut. In der politischen Realit\u00e4t erweist sich eine solche Internalisierung der sogenannten externen Kosten als sehr anspruchsvoll. W\u00e4hrend sich der Nutzen der Massnahmen meist auf die gesamte Gesellschaft verteilt, konzentrieren sich die Kosten bei einzelnen Wirtschaftsbranchen oder Gesellschaftsgruppen.&#13;<\/p>\n<h2>Staatliche F\u00f6rderung von Innovationen im Bereich Ressourceneffizienz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAngesichts der politischen Schwierigkeiten bei der Internalisierung negativer externer Effekte und im Wissen um die zentrale Bedeutung des technologischen Fortschritts wird die staatliche F\u00f6rderung von Innovationen im Bereich Ressourceneffizienz zu einer wichtigen Erg\u00e4nzung. Der Staat hat generell eine Aufgabe in der Grundlagenforschung, weil dort f\u00fcr private Unternehmen oft zu wenige Investitionsanreize bestehen: Die Zeit bis zum Mittelr\u00fcckfluss ist lang, und die Ungewissheit, ob man die Fr\u00fcchte der eigenen F&amp;E-Anstrengungen auch allein ernten kann, ist gross. Der Charakter eines \u00f6ffentlichen Gutes von Wissen und die Pfadabh\u00e4ngigkeit technologischer Entwicklungen erschweren, dass \u00fcber den Markt vollst\u00e4ndig richtige Anreize gesetzt werden.&#13;<br \/>\nZu diesem Punkt der sogenannten \u00abTragedy of the anticommons\u00bb vergleiche Artikel von A. Schmutzler, Patente und Innovationen: \u00d6konomische \u00dcberlegungen zu einem komplexen Anreizproblem, in: Die Volkswirtschaft, 7\/8-2006, S. 23 ff.Die Ausdehnung der staatlichen Forschungst\u00e4tigkeit auf die Ressourcenthematik ist daher angezeigt. Eine Innovationspolitik im Bereich nat\u00fcrlicher Ressourcen bis hin zur F\u00f6rderung von Anwendungen spezifischer Technologien in der Entwicklung neuer Produkte durch einzelne Firmen geht jedoch \u00fcber diese Staatsaufgaben hinaus und verletzt das Verursacherprinzip. Je st\u00e4rker der Marktbezug der gef\u00f6rderten Aktivit\u00e4ten, desto mehr Aufmerksamkeit muss darauf verwendet werden, Wettbewerbsverzerrungen zu minimieren. Das Spektrum technischer L\u00f6sungen sollte ausserdem nicht durch staatliche Vorgaben eingeschr\u00e4nkt werden. Interessenorganisationen \u00fcben gerne entsprechenden politischen Druck aus. Dass F\u00f6rderkriterien und einzuhaltende Standards den Wettbewerb nicht verf\u00e4lschen, ist jedenfalls ein heikles Thema und beschl\u00e4gt durchaus auch den Innovationswettbewerb.&#13;<\/p>\n<h2>Wie l\u00e4sst sich den globalen Herausforderungen begegnen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBisher erzielte die Politik wirksame L\u00f6sungen vorwiegend bei lokalen Umweltproblemen \u2013 wie z.B. der Luftverschmutzung in St\u00e4dten oder der Wasserqualit\u00e4t von Seen. Heute treten demgegen\u00fcber vorwiegend grenz\u00fcberschreitende oder sogar globale Herausforderungen in den Vordergrund, namentlich die Treibhausgasemissionen und der Verlust an Biodiversit\u00e4t.Bei solchen globalen Problemen hat jedes Land wirtschaftliche Anreize, von den Vermeidungsanstrengungen anderer L\u00e4nder zu profitieren und gleichzeitig auf eigene Anstrengungen zu verzichten. Es m\u00fcssen daher \u2013 beispielsweise mit internationalen Abkommen \u2013 institutionelle Regelungen gefunden werden, im Rahmen derer die L\u00e4nder sich zu einer Allianz zusammenschliessen (Koordination), um solches Trittbrettfahren zu unterbinden.Wo globale Herausforderungen bestehen, engagiert sich die Schweiz aktiv in den entsprechenden internationalen Verhandlungen und signalisiert rechtzeitig die Verpflichtungen, die einzugehen sie bereit ist. Obwohl die Schweiz damit nicht alleine dasteht, gelang es in den beiden gr\u00f6ssten Umweltverhandlungsprozessen \u2013 den Klima- und Biodiversit\u00e4tsverhandlungen \u2013 bisher nicht, das notwendige Engagement der Staatenwelt ausreichend zu mobilisieren. Jedes Land f\u00fcrchtet, sich mit eigenem Vorangehen wirtschaftliche Nachteile einzuhandeln.&#13;<\/p>\n<h2>Mit der Handelspolitik zu einer Club-L\u00f6sung?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm voranzukommen, wird diskutiert, aus dem globalen Kollektivgut ein sogenanntes Clubgut zu machen: Wer nicht an den Lasten mittr\u00e4gt, sollte von gewissen Vorteilen ausgeschlossen bleiben, welche die Clubmitglieder unter sich erzielen. Der Vorschlag besteht darin, dass Clubmitglieder handelspolitische Vorteile nur unter sich teilen und Nicht-Mitgliedern ein Ausgleichszoll auferlegt wird. Ein solches Vorgehen birgt jedoch hohe Risiken, weil damit bisherige, wirtschaftspolitisch sehr wichtige v\u00f6lkerrechtliche Vertr\u00e4ge (z.B. das WTO-Recht) in wesentlichen Punkten tangiert w\u00fcrden. Daher m\u00fcsste gerade aus schweizerischer Sicht eine solche handelspolitische Keule in der internationalen Umweltpolitik das Einvernehmen einer sehr grossen Zahl von L\u00e4ndern finden, so dass Sanktionsmassnahmen mit grosser Wahrscheinlichkeit alleine durch ihre Androhung wirkten und kaum angewendet werden m\u00fcssten. Schon aus objektiven Gr\u00fcnden wird nicht jeder Staat die gleichen Lasten tragen m\u00fcssen und tragen k\u00f6nnen. In jedem Fall werden verbindliche Abkommen auch Verteilungsfragen regeln und dabei die Unterst\u00fctzung von einkommensschwachen L\u00e4ndern bei den Vermeidungsanstrengungen einschliessen m\u00fcssen.&#13;<\/p>\n<h2>Keine statischen Grenzen des Wachstums<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr k\u00fcnftiges, umweltvertr\u00e4gliches Wachstum im Sinne einer <i>Gr\u00fcnen Wirtschaft<\/i> wird es notwendig sein, dass nat\u00fcrliche Ressourcen zunehmend durch anderes Kapital \u2013 und vor allem durch Wissen \u2013 ersetzt werden. Die prim\u00e4re Aufgabe des Staates ist es, heute Marktversagen so zu korrigieren, dass die Menschen ihre Kreativit\u00e4t in gen\u00fcgendem Masse und gen\u00fcgend fr\u00fch f\u00fcr diesen Wissensaufbau einsetzen. Dar\u00fcber hinaus gilt es, eine Reihe konzeptionell anspruchsvoller politischer Herausforderungen anzugehen. Eine Frage ist, ob die intertemporale Optimierung, die sich durch das Wirken der Marktkr\u00e4fte ergibt, vom Staat korrigiert werden muss \u2013 etwa aufgrund intergenerationeller \u00dcberlegungen. Eine andere Frage betrifft die Begrenzung von Risiken. Das Eintreten zuk\u00fcnftiger Zust\u00e4nde der Welt, die einer Bev\u00f6lkerung wenig Aussicht lassen, innert z.B. einer Generation wieder Handlungsm\u00f6glichkeiten zu erlangen, wie wir sie heute kennen, ist m\u00f6glichst zu verhindern, auch wenn die Eintretenswahrscheinlichkeit solcher Situationen gering und ihr Einfluss auf den Erwartungswert hinsichtlich des zuk\u00fcnftigen Wirtschaftswachstums entsprechend beschr\u00e4nkt ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Was ist Gr\u00fcne Wirtschaft?&#13;<\/p>\n<h3>Was ist Gr\u00fcne Wirtschaft?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBegriffe wie <i>Gr\u00fcne Wirtschaft<\/i> und <i>Gr\u00fcnes Wachstum<\/i> sind sehr \u00aben vogue\u00bb und werden von verschiedenen internationalen Institutionen verwendet. \u2013 In ihrer 2011 lancierten <i>Green Growth Strategy<\/i> schreibt die OECD, dass gr\u00fcnes Wachstum die F\u00f6rderung von Wirtschaftswachstum und Entwicklung bedeutet, bei welcher sichergestellt wird, dass die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen weiterhin Rohstoffe und Umweltdienstleistungen bereitstellen k\u00f6nnen, von denen unser Wohlergehen abh\u00e4ngt. \u2013 Die Umweltorganisation der Uno <i>UNEP<\/i> definiert <i>Green Economy<\/i> in ihrem 2011 publizierten Report als eine Wirtschaftsweise, die menschliches Wohlergehen steigert und soziale Gleichheit sicherstellt, w\u00e4hrend gleichzeitig Umweltrisiken und \u00f6kologische Knappheiten erheblich verringert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Das Bruttoinlandprodukt: Was es leistet und was nicht&#13;<\/p>\n<h3>Das Bruttoinlandprodukt: Was es leistet und was nicht<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Bruttoinlandprodukt (BIP) ist ein unverzichtbares Instrument der Konjunkturanalyse und ein allgemein anerkanntes Mass f\u00fcr die Messung der wirtschaftlichen Leistung einer Volkswirtschaft. Die Methoden zur Berechnung sind klar definiert und standardisiert, um internationale Vergleiche und Aggregationen zu erm\u00f6glichen. Seine Ver\u00e4nderung ist zentral f\u00fcr die Handhabung aller konjunkturpolitischen Instrumente. In dieser Funktion ist das BIP kaum durch andere Masse zu ersetzen. Wegen der indirekten Beziehung zwischen wirtschaftlichem Wachstum und wesentlichen Elementen der Wohlfahrt (z.B. Arbeitspl\u00e4tze und Konsumniveau) wird das BIP oft auch als ein stellvertretender Indikator f\u00fcr Wohlfahrt betrachtet. Auch wenn ein h\u00f6heres BIP grunds\u00e4tzlich mit einer Vielzahl von Indikatoren f\u00fcr eine h\u00f6here Wohlfahrt korreliert,a ist es als alleiniges Wohlfahrtsmass unzureichend. Es bedarf der Erg\u00e4nzung durch andere Indikatoren. F\u00fcr die \u00f6kologische Dimension der Wohlfahrt gilt dies aus den folgenden Gr\u00fcnden: <i>Erstens<\/i> werden nat\u00fcrliche Ressourcen im Sinne der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen regelm\u00e4ssig nicht an M\u00e4rkten gehandelt bzw. nicht mit Marktpreisen bewertet und daher im BIP auch nicht erfasst. Dies trifft etwa f\u00fcr die CO<i>2<\/i>-Absorptionsf\u00e4higkeit der Atmosph\u00e4re zu; anders verh\u00e4lt es sich dagegen bei der Bodenfruchtbarkeit. <i>Zweitens<\/i> ist das BIP eine Bruttogr\u00f6sse. Als solche tr\u00e4gt es bereits dem Wertverzehr auf den Sachkapitalg\u00fctern, die f\u00fcr seine Produktion verwendet werden, keine Rechnung. Die Abschreibungen werden erst in einem zweiten Schritt \u2013 beim \u00dcbergang zum Konzept des Volkseinkommens \u2013 vom BIP abgezogen. Diese Korrektur um den Wertverlust auf Sachkapitalg\u00fctern bleibt aber unzureichend, da es andere Kapitalbest\u00e4nde gibt, die durch die Produktion des BIP beeintr\u00e4chtigt (ggf. aber auch aufgewertet) werden k\u00f6nnen. Mit dieser Vernachl\u00e4ssigung von Ver\u00e4nderungen von Kapitalst\u00f6cken wie der Umweltqualit\u00e4t vernachl\u00e4ssigt das BIP auch intergenerationelle Aspekte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Vgl. OECD, \u00abAlternative Measures of Well-Being\u00bb, R. Boarini, A. Johansson and M. Mira D\u2019Ercole, Economics Department Working Papers Nr. 476, ECO\/WKP(2006)4.&#13;<br \/>\nKasten 3: Beispiele erg\u00e4nzender Indikatoren zum BIP&#13;<\/p>\n<h3>Beispiele erg\u00e4nzender Indikatoren zum BIP<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund der in <i>Kasten 2<\/i> genannten Defizite des BIP hinsichtlich der Wohlfahrtsmessung werden verschiedene Indikatoren entwickelt, welche das BIP erg\u00e4nzen sollen. Ein auf internationaler Ebene bereits etablierter Indikator ist der sogenannte \u00f6kologische Fussabdruck. Dieser stellt eine \u00f6kologische Buchhaltung dar, welche die menschliche Nachfrage nach nat\u00fcrlichen Ressourcen mit der Kapazit\u00e4t der Erde vergleicht. Sie misst die Land- und Wasserfl\u00e4che, die zur Erneuerung von Ressourcen unter Ber\u00fccksichtigung gegenw\u00e4rtiger Technologien ben\u00f6tigt wird, um den gegenw\u00e4rtigen Konsum einer bestimmten Bev\u00f6lkerung zu befriedigen. Dies schliesst beispielsweise Fl\u00e4chen zur Produktion von Nahrung und Kleidern, aber auch zur Entsorgung von Abf\u00e4llen und zur Bindung von CO<i>2<\/i> mit ein.aDer <i>\u00f6kologische Fussabdruck<\/i> versucht, die komplexen Wechselwirkungen zwischen Produktions- bzw. Konsumaktivit\u00e4ten und der Belastung der \u00d6kosysteme in einfacher und verst\u00e4ndlicher Form darzustellen. Er weist jedoch verschiedene Schw\u00e4chen auf. Beispielsweise addiert der \u00f6kologische Fussabdruck verschiedene umweltbelastende Aktivit\u00e4ten (z.B. Landverbrauch und CO<i>2<\/i>-Emissionen) mittels des Gewichtungsfaktors Fl\u00e4chenbeanspruchung f\u00fcr eine nachhaltige Produktion des fraglichen Rohstoffes zu einem hochaggregierten Indikator auf. Bei dieser Aggregation geht jedoch der Zusammenhang zwischen den einzelnen Umwelteinfl\u00fcssen und der optimalen Technologie zu deren Begrenzung oftmals verloren.b F\u00fcr eine m\u00f6glichst korrekte Aggregation m\u00fcssten die konkreten Kosten der verschiedenen Umweltbelastungen \u2013 auch in Form der tiefsten Kosten f\u00fcr deren Begrenzung \u2013 bekannt sein, was offensichtlich nicht der Fall ist. Weiter ist seine Aussagekraft bez\u00fcglich einer nachhaltigen Entwicklung auch deshalb limitiert, weil er auf einem statischen, gegenwartsbezogenen Konzept basiert, und keine Verringerung der Ressourcenbeanspruchung durch technischen Fortschritt in Rechnung stellt. Nebst dem \u00f6kologischen Fussabdruck wurden noch weitere aggregierte Umweltindikatoren \u2013 wie der <i>Environmental Sustainability Index<\/i> \u2013 entwickelt. Die Ergebnisse der verschiedenen Indikatoren variieren jedoch stark, was den Schluss zul\u00e4sst, dass diese noch keine verl\u00e4sslichen Aussagen erm\u00f6glichen.c So muss hier festgehalten werden, dass noch kein verl\u00e4ssliches komplement\u00e4res Mass existiert, welches das BIP als Indikator f\u00fcr Wohlfahrt erg\u00e4nzen k\u00f6nnte. Der Bedarf nach zus\u00e4tzlichen Indikatoren ist jedoch erkannt, und vielversprechende Arbeiten sind im Gange. So besch\u00e4ftigt sich u.a. die <i>OECD<\/i> im Rahmen ihrer <i>Green Growth-Strategie<\/i> mit der Erarbeitung solcher komplement\u00e4rer Indikatoren. Aufgrund der methodischen Schwierigkeiten verzichtet sie allerdings auf den Ansatz, dem BIP ein in gleichem Umfang aggregiertes Mass gegen\u00fcberzustellen. Sie schl\u00e4gt im Gegensatz dazu ein Set von Einzelindikatoren vor, welche aktuell konsolidiert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Vgl. <i><a href=\"http:\/\/www.footprintnetwork.org\">http:\/\/www.footprintnetwork.org<\/a>.<\/i>b Die Nutzung einer Waldfl\u00e4che f\u00fcr die Produktion von Holzwolle als Jahrzehnte nutzbares Isoliermaterial ist bspw. effizienter als der Ersatz von fossilen Brennstoffen durch Biotreibstoffe.c R. Pillarisetti und J.C.J.M. van den Bergh (2010). Sustainable Nations: What Do Aggregate Indexes Tell Us?. In: <i>Environment, Development and Sustainability<\/i> 12(1), S. 49\u201362.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Bef\u00fcrchtungen stehen im Raum: Schleichende Umweltzerst\u00f6rungen gef\u00e4hrden die Nahrungsmittelproduktion; der weltweite Rohstoffhunger f\u00fchrt zur Ersch\u00f6pfung von Erzlagerst\u00e4tten; und die begrenzte Aufnahmekapazit\u00e4t der Umwelt f\u00fcr Emissionen f\u00fchrt zu irreversiblen Folgesch\u00e4den und einer abnehmenden Wirtschaftsleistung. Als praktische Leitlinien werden die Schonung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen, sekund\u00e4re Stoffkreisl\u00e4ufe f\u00fcr z.B. Metalle und die Substitution fossiler Energietr\u00e4ger postuliert. 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