{"id":119814,"date":"2012-05-01T12:00:00","date_gmt":"2012-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/05\/niggli-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:14","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:14","slug":"niggli-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/05\/niggli-5\/","title":{"rendered":"Rio+20: Neustart nach 20 verlorenen Jahren?"},"content":{"rendered":"<p>Zwanzig Jahre nach dem Erdgipfel von Rio 1992 t\u00fcrmen sich Probleme, die man seinerzeit angehen wollte: Klimakrise, Wasserkrise, destabilisierte Weltwirtschaft, anhaltendes Elend und obsz\u00f6ne Zunahme individuellen Reichtums. 1992 wurde vereinbart, die armen L\u00e4nder zu f\u00f6rdern, die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen zu erhalten, die Klimaerw\u00e4rmung zu stoppen und eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung einzuleiten, die allen Menschen ein Leben in W\u00fcrde erm\u00f6glicht. W\u00e4ren diese Absichten realisiert worden, bef\u00e4nden wir uns schon in einer Art \u00abGreen Economy\u00bb, welche die Rio+20Konferenz erst aufgleisen will.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNachhaltige Entwicklung sollte seinerzeit die industrielle Produktionsweise global ausbreiten, um die Nord-S\u00fcd-Kluft und eklatante Armut zu verringern. Gleichzeitig sollte sie den Prozess der Umweltzerst\u00f6rung, den die industrielle Produktionsweise mit sich bringt, umkehren. Und sie sollte schliesslich den gesellschaftlichen Zusammenhalt st\u00e4rken, der durch die \u00abkreative Zerst\u00f6rung\u00bb, die Aush\u00f6hlung hergebrachter sozialer Sicherungssysteme und \u00f6kologische R\u00fcckschl\u00e4ge permanent untergraben wird. Der Hebel zur Ver\u00e4nderung: eine \u00f6kologische Transformation der industriellen Produktionsweise. Die Industriel\u00e4nder sollten die ersten Schritte der Transformation anpacken und den Entwicklungsl\u00e4ndern mit grossz\u00fcgigem Technologietransfer helfen, ihre wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig zu gestalten. Das entsprach dem Rio-Prinzip der allen L\u00e4ndern \u00abgemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung\u00bb f\u00fcr die Erhaltung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen. Heute steht fest: Die \u00f6kologische Transformation und der Technologietransfer haben kaum stattgefunden. Die Entwicklungsl\u00e4nder thematisieren in den Vorverhandlungen die mangelnde Umsetzung der Rio-Versprechen durch die Industriel\u00e4nder. Diese wollen von Verantwortung f\u00fcr die Vers\u00e4umnisse der letzten 20 Jahre jedoch nichts h\u00f6ren. Stattdessen problematisieren sie das starke Wirtschaftswachstum der Schwellenl\u00e4nder, das kraft ihrer grossen Bev\u00f6lkerung die Verschlechterung aller \u00f6kologischen Parameter vorantreibt. Das Begehren der Entwicklungsl\u00e4nder, die Massnahmen f\u00fcr eine <i>Green Economy<\/i> durch Finanzbeitr\u00e4ge und technische Hilfe zu unterst\u00fctzen, lehnen die Industriel\u00e4nder ab. Sie setzen auf freiwillige Beitr\u00e4ge des Privatsektors, dem mit einer Green Economy neue Gesch\u00e4ftsfelder er\u00f6ffnet werden sollen. Im Vorfeld von Rio+20 wurde oft kritisiert, es sei 1992 ein Fehler gewesen, die Nachhaltige Entwicklung in die Umweltecke abzudr\u00e4ngen und damit die Wirtschafts- und Sozialdimension auszuklammern. Deswegen der Vorschlag, in der Uno neu einen <i>Globalen Nachhaltigkeitsrat<\/i> zu bilden, der sich k\u00fcnftig dem Zusammenwirken der drei Dimensionen Nachhaltiger Entwicklung widmen soll. Dazu passt auch der Vorschlag Kolumbiens f\u00fcr ein Set von Nachhaltigkeitszielen (SDG). Diese sollten nach der Konferenz ausgearbeitet und in den Rahmen der neuen Millenniumsentwicklungsziele (MDG) nach 2015 eingebettet werden.&#13;<\/p>\n<h2>Schwieriger Verst\u00e4ndigungsprozess<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Verst\u00e4ndigung \u00fcber Nachhaltigkeitsziele d\u00fcrfte das konkreteste Resultat von Rio+20 werden. Allerdings bestehen noch Differenzen. Die Entwicklungsl\u00e4nder wollen festhalten, dass die MDG bis 2015 nicht erreicht zu werden drohen und die Industriel\u00e4nder ihre Entwicklungsbudgets endlich auf 0,7% anheben sollen. Sie postulieren zudem die \u00dcberwindung der Armut als erstes Prinzip der Nachhaltigkeitsziele und m\u00f6chten auch das Prinzip der \u00abgemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung\u00bb bekr\u00e4ftigen. Entwicklungsorganisationen kritisieren seit langem, dass die MDG die Menschenrechte ausklammern. Bei der Ausarbeitung der SDG und ihrer allf\u00e4lligen Einbettung in neue Entwicklungsziele sollte das korrigiert werden. In den Rio-Vorverhandlungen gab es Antr\u00e4ge, sich explizit auf die Menschenrechte (auf Nahrung, Wasser, etc.) zu berufen. Das betrifft die Ausf\u00fchrungen \u00fcber <i>Green Economy,<\/i> w\u00fcrde aber auch die Ausarbeitung der SDG pr\u00e4gen. Dagegen sprachen sich die USA und neu auch andere westliche L\u00e4nder aus, w\u00e4hrend die Schweiz den Menschenrechtsbezug begr\u00fcsste.Wir haben den Eindruck, dass die Schweiz im Rio+20-Prozess noch nicht aus der Umweltecke herausgekommen ist. Trotz allgemeinem Bekenntnis zu allen Dimensionen Nachhaltiger Entwicklung nennt sie konkret nur Umweltziele. Sie wehrte sich in den Vorverhandlungen vehement gegen die Armutsbek\u00e4mpfung als erstes Prinzip der SDG. Der Bundesrat will schliesslich keine finanzielle Unterst\u00fctzung der armen L\u00e4nder aus Staatsgeldern. Falls eine solche doch n\u00f6tig w\u00fcrde, ist zu bef\u00fcrchten, dass er die Ausgaben in den Departementen \u00abkompensieren\u00bb will \u2013 wahrscheinlich zulasten des Entwicklungsbudgets und der Armutsbek\u00e4mpfung. So geht es nicht. Noch hat der Bundesrat Zeit, das Mandat zu verbessern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwanzig Jahre nach dem Erdgipfel von Rio 1992 t\u00fcrmen sich Probleme, die man seinerzeit angehen wollte: Klimakrise, Wasserkrise, destabilisierte Weltwirtschaft, anhaltendes Elend und obsz\u00f6ne Zunahme individuellen Reichtums. 1992 wurde vereinbart, die armen L\u00e4nder zu f\u00f6rdern, die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen zu erhalten, die Klimaerw\u00e4rmung zu stoppen und eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung einzuleiten, die allen Menschen ein [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3153,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[67],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[213,154],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3153,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Journalist, Publizist und ehemaliger Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Alliance Sud (1998 bis 2015), Z\u00fcrich","seco_author_post_occupation_fr":"Journaliste et ancien directeur d\u2019Alliance Sud (1998-2015), Zurich","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":119817,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"7879","post_abstract":"","magazine_issue":"20120501","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54e194375b7c2"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119814"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3153"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=119814"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119814\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127426,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119814\/revisions\/127426"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3153"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=119814"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=119814"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=119814"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=119814"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=119814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}