{"id":119819,"date":"2012-05-01T12:00:00","date_gmt":"2012-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/05\/perrez-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:07","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:07","slug":"perrez","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/05\/perrez\/","title":{"rendered":"UNO-Nachhaltigkeitskonferenz 2012: Was erwartet die Schweiz von Rio+20?"},"content":{"rendered":"<p>Im Juni 2012 werden sich Staatsoberh\u00e4upter, Regierungschefinnen und -chefs sowie Ministerinnen und Minister in Rio de Janeiro f\u00fcr eine weitere UNO Nachhaltigkeitskonferenz treffen. Die Schweiz sieht diesen Anlass als Chance, das internationale Engagement f\u00fcr die Nachhaltige Entwicklung zu st\u00e4rken, konkrete Politiken und Massnahmen zu beschliessen, die institutionelle Architektur zu reformieren und einen Prozess zur Begleitung und Unterst\u00fctzung der Umsetzung zu initiieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201205_09_Perrez_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Der Weg zu Rio+20<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie UNO-Konferenz \u00fcber Umwelt und Entwicklung, welche 1992 in Rio de Janeiro stattgefunden hat, gilt allgemein als grosser Erfolg und Meilenstein der Nachhaltigkeitspolitik. Es ist somit naheliegend, 20 Jahre nach Rio die internationale Gemeinschaft erneut auf das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung zu verpflichten. Die Rio-Konferenz fand 20 Jahre nach der UNO-Konferenz \u00fcber die Umwelt des Menschen statt, welche 1972 in Stockholm zum ersten Mal auf globaler Ebene Umweltfragen thematisiert hatte. Was oft ausgeblendet wird: Die Rio-Konferenz wurde unmittelbar nach ihrem Abschluss zum Teil heftig kritisiert, weil sie Umweltanliegen durch Entwicklungsinteressen relativiert habe. Die Bezugnahme der Weltnachhaltigkeitskonferenz von 2012 auf Rio 1992 und nicht auf Stockholm 1972 ist jedoch weniger als ein politisches Signal im Sinne des Priorisierens von Entwicklungs- gegen\u00fcber Umweltanliegen zu verstehen, sondern vielmehr als Bekr\u00e4ftigung des Engagements f\u00fcr das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung. Zudem reflektiert sie den Wunsch Brasiliens, eine f\u00fchrende Rolle im Bereich der Nachhaltigen Entwicklung und der internationalen Politik im Allgemeinen einzunehmen. Die UNO-Generalversammlung 2009 hat die Durchf\u00fchrung der Nachhaltigkeitskonferenz 2012 denn auch prim\u00e4r auf Initiative und Dr\u00e4ngen Brasiliens beschlossen. Rio 1992 bleibt der wichtigste politische Meilenstein betreffend Nachhaltige Entwicklung (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBereits die erste globale Umweltkonferenz der UNO von 1972 in Stockholm hatte sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung miteinander in Einklang gebracht werden k\u00f6nnen. Die Stockholm-Konferenz hatte die Prinzipien f\u00fcr Umwelt und Entwicklung verabschiedet, welche 20 Jahre sp\u00e4ter durch die Rio-Deklaration bekr\u00e4ftigt und weiterentwickelt wurden. Gest\u00fctzt auf die Ergebnisse der Stockholm Konferenz wurde das UNO-Umweltprogramm Unep geschaffen. Mit Stockholm war Umwelt definitiv ein wichtiges Thema internationaler Verhandlungen geworden.Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung wurde jedoch erst im Nachgang zum Bericht \u00abOur Common Future\u00bb der Weltkommission f\u00fcr Umwelt und Entwicklung (auch bekannt als \u00abBrundtland Bericht\u00bb) anl\u00e4sslich der Rio-Konferenz von 1992 zu einem Grundprinzip der internationalen Zusammenarbeit erhoben. Dies kommt auf der normativen Ebene in der Rio-Deklaration sowie den darin enthaltenen Rio-Prinzipien und auf der operative Ebene im Aktionsplan Agenda 21 zum Ausdruck. In Rio wurden auch zentrale Umweltprinzipien \u2013 wie das Vorsorgeprinzip \u2013 formuliert; die UNO Klimakonvention, die Biodiversi\u00e4tskonvention und allgemeine Prinzipien zum Waldmanagement wurden verabschiedet; der Startschuss f\u00fcr die Verhandlungen der Desertifikationskonvention wurde gegeben und der Grundstein f\u00fcr die Schaffung der UNO-Kommission f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung gelegt. Der Weltgipfel f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg, welcher 10 Jahre nach Rio und 30 Jahre nach Stockholm stattgefunden hat, erg\u00e4nzte die Beschl\u00fcsse von Rio durch den Johannesburg-Aktionsplan und die Initiierung zahlreicher freiwilliger Partnerschaftsinitiativen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Das Ankn\u00fcpfen an Rio weckt Erwartungen. Anders als vor 20 Jahren sollen jedoch an der Nachhaltigkeitskonferenz von 2012 nicht umfassend neue Konzepte, Prinzipien und Konventionen verabschiedet werden. Vielmehr soll das politische Engagement f\u00fcr die Nachhaltige Entwicklung erneuert, die Umsetzung der Ergebnisse der bisherigen Grosskonferenzen \u00fcberpr\u00fcft und neue Herausforderung f\u00fcr das Erreichen einer Nachhaltigen Entwicklung angegangen werden. Die UNO-Generalversammlung hat beschlossen, dass daf\u00fcr ein fokussiertes politisches Dokument verabschiedet werden soll, das insbesondere die Themen Gr\u00fcne Wirtschaft im Kontext der Nachhaltigen Entwicklung und der Armutsreduktion sowie institutionelle Rahmenbedingungen f\u00fcr eine Nachhaltige Entwicklung anspricht.&#13;<\/p>\n<h2>Ziele der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz sieht Rio+20 als Chance, das internationale Engagement f\u00fcr die Nachhaltige Entwicklung zu st\u00e4rken. Der damalige UNO-Generalsekret\u00e4r Kofi Annan hat 2005 in seinem Bericht <i>\u00abIn Larger Freedom\u00bb<\/i> zu Recht festgehalten, dass die Millenniumsentwicklungsziele nicht erreicht werden k\u00f6nnen, wenn die Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlage unver\u00e4ndert fortschreitet. Rio+20 wird somit eine ideale Gelegenheit sein, Inhalt und Ziel des Konzepts der Nachhaltigen Entwicklung zu bekr\u00e4ftigen und zu unterstreichen, dass Schutz der Umwelt, wirtschaftliche Entwicklung und soziale Wohlfahrt keine sich gegenseitig blockierenden Ziele sind, sondern nur gemeinsam effektiv und langfristig realisiert werden k\u00f6nnen. In diesem Sinne vertritt die Schweiz ein umfassendes und ausgewogenes Verst\u00e4ndnis des Konzepts der Nachhaltigen Entwicklung. In Rio soll somit nicht eine der Dimensionen \u2013 wie z.B. die Armutsbek\u00e4mpfung oder der Schutz der Umwelt \u2013 als \u00fcbergeordnetes Ziel verstanden werden. Vielmehr soll festgehalten werden, dass sich die verschiedenen Dimensionen gegenseitig unterst\u00fctzen und erg\u00e4nzen und nur gemeinsam zum \u00fcbergeordneten Ziel einer Nachhaltigen Entwicklung beitragen k\u00f6nnen. Aus Sicht der Schweiz soll sich Rio+20 nicht auf eine allgemeine politische Bekr\u00e4ftigung des Engagements f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung beschr\u00e4nken. Stattdessen sollen konkrete Politiken und Massnahmen identifiziert, Ziele und konkrete Engagements beschlossen, die institutionelle Architektur reformiert und ein Prozess zur Begleitung und Unterst\u00fctzung der Umsetzung initiiert werden. Die Schweiz konzentriert sich dabei auf die folgenden Schwerpunkte:&#13;<\/p>\n<h2>Gr\u00fcne Wirtschaft im Kontext von Nachhaltiger Entwicklung und Armutsreduktion<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNat\u00fcrliche Ressourcen sind das Naturkapital und die Basis allen Wirtschaftens. Ohne nat\u00fcrliche Ressourcen kann weder unser t\u00e4glicher Lebensbedarf gedeckt noch Wohlstand geschaffen werden. Der Wandel hin zu umwelt- und sozialvertr\u00e4glicheren Formen des Wirtschaftens ist daher seit jeher zentraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsdebatte: Es gibt keine Alternative zur Gr\u00fcnen Wirtschaft, um Wohlfahrt f\u00fcr alle zu erm\u00f6glichen.Trotz verschiedener Ausgangslagen stehen sowohl Entwicklungs- wie OECD-L\u00e4nder weiterhin vor der elementaren Herausforderung, eine wirtschaftliche Entwicklung zu erm\u00f6glichen, welche die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen bewahrt, die soziale Gerechtigkeit gew\u00e4hrleistet und die Armut eliminiert. Schon heute \u00fcbersteigt die Nutzung der nat\u00fcrlichen Ressourcen die Regenerationsf\u00e4higkeit der Erde. Weltweit leben wir, als h\u00e4tten wir eineinhalb Planeten zur Verf\u00fcgung. W\u00fcrde die gesamte Weltbev\u00f6lkerung den Lebensstil der Industriel\u00e4nder pflegen, w\u00e4ren sogar mehr als zwei Erden n\u00f6tig. Der Bundesrat hat im Oktober 2010 mit der Festlegung von sechs Handlungsfeldern ein wichtiges Signal f\u00fcr eine Gr\u00fcne Wirtschaft gesetzt. Die Handlungsfelder reichen vom Masterplan Cleantech \u00fcber Produktinformationen f\u00fcr einen ressourcenschonenden Konsum bis hin zur umfassenden Wohlfahrtsmessung, um neben dem Bruttoinlandprodukt (BIP) geeignetere Informationen zur Messung der gesellschaftlichen Wohlfahrt bereitzustellen. Im Rahmen der Berichterstattung an den Bundesrat Ende 2012 sollen diese Handlungsfelder um weitere wichtige Bereiche f\u00fcr eine Gr\u00fcne Wirtschaft erg\u00e4nzt werden. Ziel der Gr\u00fcnen Wirtschaft muss sein, die Gesamtumweltbelastung unseres Konsums und der Produktion auf ein naturvertr\u00e4gliches Mass zu senken. Dies ist allerdings nur mit einer absoluten Entkoppelung des Ressourcenverbrauchs vom Bev\u00f6lkerungs- und Wirtschaftswachstum zu erreichen. Wenn dies vor allem durch eine massive Verbesserung der Ressourceneffizienz bei der Produktion und durch ressourcenschonende Konsummuster gelingt, kann gleichzeitig die Wettbewerbskraft und Wohlfahrt in der Schweiz gest\u00e4rkt werden. Dazu ist notwendig, dass die Gr\u00fcne Wirtschaft als eine der Leitlinien der Politik f\u00fcr eine grundlegende Umgestaltung unserer Wirtschaft gilt. Dies bedingt ein m\u00f6glichst umfassendes und auf andere Politikprogramme des Bundes abgestimmtes Konzept zur Gr\u00fcnen Wirtschaft. Die hierzu notwendigen politischen Anstrengungen m\u00fcssen \u00fcber die Beitr\u00e4ge zur Gr\u00fcnen Wirtschaft bestehender Politiken \u2013 wie beispielsweise die Energie- und Klimapolitik \u2013 hinausgehen. Auf diese nationale Politik aufbauend hat die Schweiz bereits zu Beginn des internationalen Vorbereitungsprozesses den Vorschlag eingebracht, die Ergebnisse im Rahmen einer internationalen <i>Green Economy Roadmap<\/i> festzuhalten. Dabei soll eine grunds\u00e4tzliche politische Verpflichtung zu den Kernprinzipien einer Gr\u00fcnen Wirtschaft und die Formulierung klarer, messbarer und zeitgebundener Ziele durch eine \u00abWerkzeugkiste\u00bb m\u00f6glicher konkreter Massnahmen und Politiken erg\u00e4nzt werden. Gest\u00fctzt darauf sollen die L\u00e4nder identifizieren, welche dieser konkreten Massnahmen und Politiken sie im Lichte ihrer spezifischen Situation umsetzen wollen. Die Schweiz will sich insbesondere f\u00fcr die Erarbeitung konkreter Ziele und Massnahmen in folgenden Bereichen einsetzen: \u2212 F\u00f6rderung eines nachhaltigen \u00f6ffentlichen Beschaffungswesens; \u2212 schrittweise Abschaffung von Subventionen f\u00fcr fossile Energietr\u00e4ger;\u2212 F\u00f6rderung von Kostenwahrheit, Bildung und Forschung sowie des Wissenstransfers betreffend saubere Technologien;\u2212 Verbesserung der Markttransparenz sowie der M\u00f6glichkeit zur Differenzierung von Produkten nach Herstellungsbedingungen.&#13;<\/p>\n<h2>Institutionelle Rahmenbedingungen f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie St\u00e4rkung des institutionellen Rahmens f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung \u2013 ein weiterer Schwerpunkt von Rio+20 \u2013 betrifft einerseits die mit dem Thema der Nachhaltigen Entwicklung betrauten UNO-Institutionen und anderseits das internationale Umweltregime. In beiden Bereichen wurde in den letzten Jahren zunehmend deutlich, dass die bestehenden Institutionen nicht mehr in der Lage sind, die Herausforderungen einer Nachhaltigen Entwicklung effektiv anzugehen.Zur St\u00e4rkung der internationalen Nachhaltigkeitsgouvernanz schl\u00e4gt die Schweiz namentlich die Schaffung einer regelm\u00e4ssigen Gelegenheit f\u00fcr die Behandlung von Nachhaltigkeitsthemen auf h\u00f6chster politischer Ebene im Rahmen der UNO-Generalversammlung vor, die Einf\u00fchrung eines Mechanismus zur gegenseitigen Beurteilung der Nachhaltigkeitspolitik <i>(Peer Review Mechanism)<\/i> sowie die Etablierung eines allen Ansprechgruppen offenstehenden Forums zum Austausch von Erfahrungen und erfolgreichen Umsetzungsbeispielen. Die Realisierung dieser konkreten Reformmassnahmen soll durch die \u00dcberf\u00fchrung der vor 20 Jahren geschaffenen UNO-Kommission f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung in einen Globalen Nachhaltigkeitsrats <i>(Global Sustainability Council)<\/i> unterst\u00fctzt werden.Rio+20 soll zudem ein klares Signal zur St\u00e4rkung der nationalen Nachhaltigkeitsgouvernanz geben. Die Schweiz schl\u00e4gt dazu unter anderem vor, dass das Prinzip der Nachhaltigen Entwicklung in nationalen Schl\u00fcsseldokumenten \u2013 wie Grundgesetz oder Verfassung \u2013 verankert werden soll, dass nationale und lokale Nachhaltigkeitsstrategien entwickelt werden sollen und dass interministerielle Koordinationsmechanismen zu st\u00e4rken sind.Betreffend das internationale Umweltsystem vertritt die Schweiz \u2013 anders als z.B. Deutschland und Frankreich \u2013 die Meinung, dass die gegenw\u00e4rtigen Probleme nicht prim\u00e4r auf den formellen Status des vor 40 Jahren geschaffenen Unep als <i>Programm<\/i> zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Sie fordert daher nicht prim\u00e4r dessen Aufwertung in eine Organisation. Die Schweiz strebt vielmehr die Verabschiedung konkreter Massnahmen zur St\u00e4rkung des Unep an: \u2212 breitere politische Abst\u00fctzung (Einf\u00fchrung der universellen Mitgliedschaft in einem gest\u00e4rkten Verwaltungsrat);\u2212 Erh\u00f6hung der Kompetenz zur Steuerung, Kontrolle und Koordination von internationalen Umweltabkommen;\u2212 bessere Nutzung von Synergien zwischen thematisch verwandten Umweltabkommen und -instrumenten; \u2212 Schaffung einer Umweltstrategie f\u00fcr das gesamte UNO-System;\u2212 Verbesserung und St\u00e4rkung des Beitragssystems;\u2212 bessere Verkn\u00fcpfung von internationaler Umweltpolitikformulierung und der Finanzierung dieser Politik;\u2212 St\u00e4rkung der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik.&#13;<\/p>\n<h2>Konkrete Massnahmen in zentralen Bereichen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie beiden Schwerpunktthemen der Rio+20-Konferenz \u2013 Gr\u00fcne Wirtschaft und Nachhaltigkeitsgouvernanz \u2013 sollen erg\u00e4nzt werden durch die Verabschiedung eines Pakets mit Massnahmen in zentralen Bereichen. Ein Fokus des Schweizer Engagements betrifft die F\u00f6rderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Ziel ist, dass die Landwirtschaft die globale Ern\u00e4hrungssicherheit sowie eine ausreichende Lebens- und Einkommensgrundlage f\u00fcr die l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung sicherstellen kann bei gleichzeitigem Schutz und Erhalt von nat\u00fcrlichen Ressourcen, \u00d6kosystemen und Artenvielfalt. Weitere zentrale Anliegen der Schweiz zielen auf die Sicherstellung einer nachhaltigen Nutzung und eines angemessenen Schutzes fragiler \u00d6kosysteme (z.B. Gebirgsregionen), die Erleichterung des Zugangs f\u00fcr alle zu sauberen und erneuerbaren Energiequellen, die F\u00f6rderung eines nachhaltigen Chemikalienmanagements, die Erhaltung und Ausweitung der Verf\u00fcgbarkeit von Wasser durch nachhaltige Wasserbewirtschaftung, die F\u00f6rderung von nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern, die geb\u00fchrende Anerkennung des Zusammenhangs zwischen Gesundheit und Nachhaltiger Entwicklung sowie die Verbesserung der internationalen Koordinations- und Entscheidungsmechanismen bei der Katastrophenvorsorge. Den Vorschlag, in Rio ein Kompendium freiwilliger Massnahmen zu erstellen, zu deren Umsetzung sich private und \u00f6ffentliche Akteure verpflichten, unterst\u00fctzt die Schweiz, sofern dieses Kompendium durch eine effektive Umsetzungskontrolle erg\u00e4nzt wird.&#13;<\/p>\n<h2>Nachhaltigkeitsziele<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin letzter Schwerpunkt betrifft den von Kolumbien eingebrachten Vorschlag, globale Nachhaltigkeitsziele zu verabschieden. Die Schweiz unterst\u00fctzt die Idee, basierend auf den Erfahrungen der Millenniumsentwicklungsziele ein einheitliches Zielsystem aufzubauen, um das Engagement im Bereich der Nachhaltigen Entwicklung zu unterstreichen und sichtbar zu machen, eine Orientierungshilfe zur Umsetzung zu bieten sowie die Messung und \u00dcberpr\u00fcfung von Fortschritten zu erm\u00f6glichen. Grunds\u00e4tzlich sollen die Nachhaltigkeitsziele alle Dimensionen der Nachhaltigen Entwicklung ausgeglichen und koh\u00e4rent behandeln. Jedes einzelne Ziel soll alle drei Dimensionen der Nachhaltigen Entwicklung integrieren. Die Ziele sollen aktionsorientiert, messbar und zeitlich determiniert sein, universell und freiwillig gestaltet werden sowie eine l\u00e4nder- und kontextspezifische Konkretisierung erlauben. Es wird nicht m\u00f6glich sein, bereits in Rio ein ausgefeiltes System globaler Nachhaltigkeitsziele mit spezifischen Umsetzungszielen <i>(Targets)<\/i> zu verabschieden. Vielmehr k\u00f6nnen nur der Grundsatz und die Eckpunkte beschlossen werden. Die Schweiz setzt sich daf\u00fcr ein, dass der Prozesses der Finalisierung unter Leitung des UNO-Generalsekret\u00e4rs stattfindet. Dabei sollen die Ziele nicht in einem zwischenstaatlichen Verhandlungsprozess, sondern unter Einbezug von Expertinnen und Experten, der relevanten UNO-Institutionen, der L\u00e4nder und der relevanten Stakeholder erarbeitet werden. Nach Vorstellung der Schweiz sollen an der Rio+20-Konferenz nicht nur die Grundcharakteristika der Nachhaltigkeitsziele und der weitere Prozess zu deren Finalisierung festgelegt, sondern bereits m\u00f6glichst viele Elemente sowie priorit\u00e4re Themen verabschiedet werden. Als m\u00f6gliche Themen, welche durch k\u00fcnftige Nachhaltigkeitsziele erfasst werden sollen, zeichnen sich die Bereiche Zugang zu erneuerbarer Energie, nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und Wasser ab. Die pr\u00e4zise Formulierung der Ziele muss jedoch nach Rio erfolgen.&#13;<\/p>\n<h2>Einsch\u00e4tzung der Chancen f\u00fcr einen Erfolg von Rio+20<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz nimmt in den Verhandlungen eine aktive, ambitionierte und zugleich l\u00f6sungsorientierte Position ein. Sie versteht sich dabei nicht prim\u00e4r als Br\u00fcckenbauerin zwischen kontr\u00e4ren Interessen, sondern als Vertreterin ihrer ureigenen Interessen an einer globalen Nachhaltigen Entwicklung. Dabei muss beachtet werden, dass die Ziele der Schweiz nicht deckungsgleich mit den effektiven Erwartungen sein k\u00f6nnen. Die Ziele werden vielmehr durch die Positionen anderer L\u00e4nder relativiert.Der Schweizer Vorschlag f\u00fcr einen umfassenden internationalen Fahrplan f\u00fcr eine Gr\u00fcne Wirtschaft <i>(Green Economy Roadmap)<\/i> wird insbesondere von der EU unterst\u00fctzt. Mehrere Entwicklungsl\u00e4nder bekunden aber M\u00fche mit dem Konzept der Gr\u00fcnen Wirtschaft. Sie bef\u00fcrchten, dass sie dadurch in ihrem Entwicklungspotenzial eingeschr\u00e4nkt werden und scheinen nicht bereit zu sein, ein ambitioniertes Massnahmenpaket zu verabschieden. Auch L\u00e4nder wie die USA m\u00f6chten jegliche Beschl\u00fcsse vermeiden, die ihren Handlungsspielraum effektiv einschr\u00e4nken. Realistischerweise ist daher davon auszugehen, dass in Rio nicht viel mehr als eine grunds\u00e4tzliche Einigung der Prinzipien und m\u00f6glicher Elemente einer Gr\u00fcnen Wirtschaft erzielt werden kann.Einigkeit besteht, dass es eine effiziente Institution braucht, um innerhalb der UNO die Umsetzung und Fortentwicklung der Nachhaltigkeitsagenda zu unterst\u00fctzen und zu steuern. Ob dies durch die von der Schweiz vorgeschlagene Schaffung eines globalen Nachhaltigkeitsrates oder durch andere Massnahmen \u2013 wie die St\u00e4rkung des Wirtschafts- und Sozialrates der UNO (Ecosoc) \u2013 geschehen soll, ist noch offen. Die von der EU angestrebte Aufwertung der Unep in eine Agentur oder Organisation d\u00fcrfte kaum m\u00f6glich sein. Es ist dagegen zu hoffen, dass zumindest einige der von der Schweiz vorgestellten konkreten Massnahmen zur St\u00e4rkung des Unep realisiert werden k\u00f6nnen. Die Idee globaler Umweltziele k\u00f6nnte schliesslich eines der wichtigsten Ergebnisse der Konferenz werden.Ob die Rio+20-Konferenz ein \u00e4hnlich grosser Erfolg wird wie die UNO-Konferenz \u00fcber Umwelt und Entwicklung von 1992, d\u00fcrfte kaum unmittelbar nach deren Abschluss beurteilt werden k\u00f6nnen. Wie vor 20 Jahren werden wohl prim\u00e4r die nicht erf\u00fcllten Ziele und Erwartungen die ersten Einsch\u00e4tzungen pr\u00e4gen. Indem sie die Entwicklungs- mit der Nachhaltigkeitsagenda vereinen, h\u00e4tte gerade ein Beschluss von globalen Nachhaltigkeitszielen das Potenzial, zu einem weiteren bedeutenden Meilenstein f\u00fcr die Nachhaltige Entwicklung zu werden. Damit ein Erfolg in Rio aber m\u00f6glich ist, braucht es aktive L\u00e4nder wie die Schweiz, die l\u00e4ngerfristige Interessen einbringen und ambitioniert nach L\u00f6sungen suchen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abUNO-Gipfel zu Umwelt und Nachhaltiger Entwicklung und deren Beschl\u00fcsse\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung&#13;<\/p>\n<h3>Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBereits die erste globale Umweltkonferenz der UNO von 1972 in Stockholm hatte sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung miteinander in Einklang gebracht werden k\u00f6nnen. Die Stockholm-Konferenz hatte die Prinzipien f\u00fcr Umwelt und Entwicklung verabschiedet, welche 20 Jahre sp\u00e4ter durch die Rio-Deklaration bekr\u00e4ftigt und weiterentwickelt wurden. Gest\u00fctzt auf die Ergebnisse der Stockholm Konferenz wurde das UNO-Umweltprogramm Unep geschaffen. Mit Stockholm war Umwelt definitiv ein wichtiges Thema internationaler Verhandlungen geworden.Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung wurde jedoch erst im Nachgang zum Bericht \u00abOur Common Future\u00bb der Weltkommission f\u00fcr Umwelt und Entwicklung (auch bekannt als \u00abBrundtland Bericht\u00bb) anl\u00e4sslich der Rio-Konferenz von 1992 zu einem Grundprinzip der internationalen Zusammenarbeit erhoben. Dies kommt auf der normativen Ebene in der Rio-Deklaration sowie den darin enthaltenen Rio-Prinzipien und auf der operative Ebene im Aktionsplan Agenda 21 zum Ausdruck. In Rio wurden auch zentrale Umweltprinzipien \u2013 wie das Vorsorgeprinzip \u2013 formuliert; die UNO Klimakonvention, die Biodiversi\u00e4tskonvention und allgemeine Prinzipien zum Waldmanagement wurden verabschiedet; der Startschuss f\u00fcr die Verhandlungen der Desertifikationskonvention wurde gegeben und der Grundstein f\u00fcr die Schaffung der UNO-Kommission f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung gelegt. Der Weltgipfel f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg, welcher 10 Jahre nach Rio und 30 Jahre nach Stockholm stattgefunden hat, erg\u00e4nzte die Beschl\u00fcsse von Rio durch den Johannesburg-Aktionsplan und die Initiierung zahlreicher freiwilliger Partnerschaftsinitiativen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n&#8211; Kofi Annan, In Larger Freedom \u2013 Towards Security, Development and Human Rights for All (U.N. Document A\/59\/2005).- Laksham Guruswamy, International Environmental Law: Boundaries, Landmarks, and Realities, 10 Nat. Resources &amp; Env\u2019t 43 (1995).- Marc Pallemaerts, International Environmental Law in the Age of Sustainable Development: A Critical Assessment of the UNCED Process, 15 J.L. &amp; Com. 623 (1996).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juni 2012 werden sich Staatsoberh\u00e4upter, Regierungschefinnen und -chefs sowie Ministerinnen und Minister in Rio de Janeiro f\u00fcr eine weitere UNO Nachhaltigkeitskonferenz treffen. 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