{"id":119824,"date":"2012-05-01T12:00:00","date_gmt":"2012-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/05\/sax-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:24","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:24","slug":"sax","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/05\/sax\/","title":{"rendered":"Globalisierung als Quelle des Wirtschaftswachstums"},"content":{"rendered":"<p>Die Globalisierung wird von den einen als Chance und Bereicherung wahrgenommen, w\u00e4hrend andere sie als Bedrohung betrachten. Die wirtschaftswissenschaftliche Forschung zeigt, dass vieles f\u00fcr eine optimistische Sicht spricht. Globalisierung wirkt sich positiv auf Wachstum und Wohlstand aus, und sie reduziert die Armut. Allf\u00e4llige negative Auswirkungen auf die Verteilung innerhalb der L\u00e4nder und auf die nat\u00fcrliche Umwelt sind weniger eine Folge der Globalisierung als vielmehr die Konsequenz von staatlichem Unverm\u00f6gen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie globale Wirtschaft ist heute vernetzter denn je. Von 1950 bis 2010 hat sich der weltweite G\u00fcterhandel \u2013 gemessen an den Exporten \u2013 rund verdreiundreissigfacht, w\u00e4hrend sich das Welt-Bruttoinlandprodukt im gleichen Zeitraum etwa verneunfacht hat (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Diese Entwicklung ist auch auf der Ebene von einzelnen L\u00e4ndern in unterschiedlichem Ausmass und zeitlich versetzt sichtbar. Sie reflektiert die zunehmende Spezialisierung und Aufspaltung der Wertsch\u00f6pfungskette von Firmen und Industrien sowie die Integration zahlreicher L\u00e4nder in die Weltwirtschaft. Die Zahl der Mitglieder der Welthandelsorganisation (WTO) ist mit 157 L\u00e4ndern so gross wie noch nie.Die Globalisierung betrifft aber auch den internationalen Dienstleistungshandel sowie den Austausch von Kapital, Arbeit und Know-how. <i>Grafik 2<\/i> zeigt am Beispiel von ausgew\u00e4hlten L\u00e4ndern den steigenden Integrationsgrad im G\u00fcter- und Dienstleistungshandel. Ebenfalls wird der Integrationsgrad im Kapital- und (tempor\u00e4ren) Arbeitsaustausch illustriert, berechnet als Summe der internationalen Faktoreinkommen und -ausgaben relativ zum Bruttoinlandprodukt (BIP). Es zeigt sich, dass die Globalisierung auch in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat, und zwar sowohl der G\u00fcterstr\u00f6me, als auch \u2013 vor allem im Fall der Schweiz \u2013 bez\u00fcglich des Austausches von Produktionsfaktoren.Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Anstieg sind vielf\u00e4ltig. Zum einen sind sie technologischer Natur: Transportmittel wie Schiffe, Flugzeuge und Lastwagen sind leistungsf\u00e4higer geworden. Auch die Entwicklung der Kommunikationstechnologie vom Telegrafen \u00fcber Telefon und Fax zum Internet tr\u00e4gt einen bedeutenden Anteil an der Zunahme des weltweiten Handels. Der Austausch der Produktionsfaktoren ist ebenfalls eine Folge zahlreicher institutioneller Verbesserungen, wie etwa im Bereich der Rechtssicherheit, der Finanzarchitektur und der (Sozial-)Versicherungen.Nicht zu untersch\u00e4tzen ist die politische Dimension. So bewirkten die beiden Weltkriege und die damit zusammenh\u00e4ngenden Handelsbeschr\u00e4nkungen, dass der vor dem Ersten Weltkrieg bestehende hohe Globalisierungsgrad weitgehend zusammenbrach. Erst etwa seit 1980 \u00fcbertrifft der Anteil der Exporte und Importe am BIP denjenigen unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Zahlreiche Verhandlungsrunden im Rahmen des General Agreement on Tariffs and Trade (Gatt) seit 1948 und die Gr\u00fcndung der WTO im Jahr 1995 haben dazu beigetragen, dass die Handelshemmnisse weltweit reduziert werden konnten und in der j\u00fcngsten Finanz- und Wirtschaftskrise nicht wieder stark erh\u00f6ht wurden. Zu nennen sind auch der Abbau von Kapitalverkehrsbehinderungen und die Erleichterung der (tempor\u00e4ren) Migration.&#13;<\/p>\n<h2>Positiver Effekt der Globalisierung auf den Wohlstand<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie wirkt sich die enorme Zunahme der wirtschaftlichen Verflechtung auf das weltweite Wirtschaftswachstum und den Wohlstand aus? Die theoretische und empirische Forschung liefert hier eine \u00fcbereinstimmende und erstaunlich eindeutige Antwort: Die Markt\u00f6ffnung hinsichtlich der Liberalisierung des Austausches von G\u00fctern, Dienstleistungen und Produktionsfaktoren \u2013 wie Arbeit, Kapital und Know-how \u2013 f\u00f6rdert das wirtschaftliche Wachstum und f\u00fchrt gesamtwirtschaftlich zu einer Erh\u00f6hung des Wohlstands. Verschiedene Befunde st\u00fctzen diese Erkenntnis. Offene L\u00e4nder wachsen schneller als geschlossene. <i>Wacziarg und Welch (2008)<\/i> haben die Auswirkungen einer Handelsliberalisierung auf das Wirtschaftswachstum untersucht. Dabei haben sie festgestellt, dass L\u00e4nder, die zwischen 1950 und 1998 ihren Aussenhandel liberalisiert haben, im Schnitt ein um 1,5% h\u00f6heres Wirtschaftswachstum ausweisen als solche ohne Liberalisierung. Wacziarg und Welchs Arbeit best\u00e4tigt die wesentlichen Erkenntnisse aus der klassischen Arbeit von <i>Sachs und Warner (1995).<\/i>Diese haben dar\u00fcber hinaus gezeigt, dass offene Volkswirtschaften zu demselben Einkommensniveau konvergieren. Innerhalb der Gruppe der offenen Volkswirtschaften wachsen arme L\u00e4nder deutlich schneller als reiche. Innerhalb der Gruppe der geschlossenen Volkswirtschaften gibt es hingegen keine systematischen Wachstumsunterschiede zwischen reichen und armen L\u00e4ndern. Offenheit kommt also in besonderem Masse armen L\u00e4ndern zugute. Besonders deutlich tritt der positive Effekt von Offenheit zutage, wenn sich ein Land in relativ kurzer Zeit dem Welthandel zuwendet, wie es zahlreiche asiatische L\u00e4nder gemacht haben. So haben etwa China und Vietnam nach einer politisch induzierten \u00d6ffnung einen sehr starken Wachstumsschub erlebt. Nirgendwo ist der Kontrast zwischen \u00d6ffnung und Autarkie augenf\u00e4lliger als auf der koreanischen Halbinsel. Am 38. Breitengrad treffen heute eines der reichsten und eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt aufeinander, obwohl Nord- und S\u00fcdkorea bis 1945 die fast gleiche Geschichte erlebten, sich bez\u00fcglich Geografie, Sprache und Kultur kaum unterscheiden und bis in die 1960er-Jahre \u00fcber einen \u00e4hnlichen wirtschaftlichen Entwicklungsstand verf\u00fcgten. Seit sich S\u00fcdkorea Mitte der 1960er-Jahre ge\u00f6ffnet hat, konnte das Land w\u00e4hrend Jahrzehnten rekordhohe Wachstumsraten erzielen. Im Gegensatz dazu leidet das n\u00f6rdliche Nachbarland fast permanent an Hungersnot. <i>Grafik 3<\/i> verdeutlicht den enormen Wohlstandsunterschied, der durch den unterschiedlichen Elektrizit\u00e4tsverbrauch auch aus dem All deutlich sichtbar ist.&#13;<\/p>\n<h2>Wirkungskan\u00e4le der Globalisierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie internationale Handelstheorie hat verschiedene Kan\u00e4le f\u00fcr den Einfluss des internationalen Handels auf Wohlstand und Wachstum identifiziert. Der entscheidende Beitrag geht dabei auf <i>David Ricardo<\/i> zur\u00fcck, der 1817 im Kapitel \u00abOn Foreign Trade\u00bb seines Buches \u00abOn the Principles of Political Economy and Taxation\u00bb zeigt, dass L\u00e4nder durch Spezialisierung auf die Bereiche, in denen sie relativ besser sind als andere, ihren Wohlstand erh\u00f6hen. Diese Spezialisierung auf die komparativen Vorteile impliziert, dass ein Land mit seinen beschr\u00e4nkten Ressourcen insgesamt mehr konsumieren kann, und dass es ein bestimmtes Konsumniveau mit weniger Ressourcenverbrauch erreichen kann. Die Anpassung der L\u00f6hne in einer Volkswirtschaft sorgt daf\u00fcr, dass jede Volkswirtschaft unabh\u00e4ngig von der eigenen Produktivit\u00e4t immer die M\u00f6glichkeit hat, am internationalen Handel teilzunehmen. Absolute Vorteile eines Landes in einer bestimmten Industrie sind hingegen irrelevant. Handel ist nicht etwa deswegen gut f\u00fcr den Wohlstand, weil er Arbeitspl\u00e4tze schafft, sondern weil mit den produzierten G\u00fctern mehr Importe generiert werden k\u00f6nnen und der Einsatz der beschr\u00e4nkten Ressourcen effizienter erfolgt.Die klassische Theorie wurde in den letzten bald 200 Jahren durch zahlreiche Erkenntnisse erweitert. W\u00e4hrend Ricardo die komparativen Vorteile von L\u00e4ndern auf technologische Unterschiede zur\u00fcckf\u00fchrte, betonte die neoklassische Handelstheorie nach Heckscher und Ohlin in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts Unterschiede in den Ressourcen und Faktorausstattungen. Diese Betrachtung f\u00fchrte zu interessanten Erkenntnissen bez\u00fcglich der Angleichung der Faktorpreise \u2013 z.B. der L\u00f6hne \u2013 zwischen unterschiedlichen L\u00e4ndern. Vor rund 30 Jahren entstand \u2013 eng mit dem Namen Paul Krugman verkn\u00fcpft \u2013 die sogenannte neue Handelstheorie, welche die Vorteile des Handels vor allem in der Vergr\u00f6sserung der M\u00e4rkte lokalisierte und der dadurch entstehenden M\u00f6glichkeit f\u00fcr Firmen, ihren Output mit weniger Ressourcen herzustellen. Betont werden in dieser bis heute sehr aktiven Forschung auch die Zunahme des Wettbewerbs und dessen Auswirkungen auf die Entwicklung von Firmen unterschiedlicher Produktivit\u00e4t.Die identifizierten Wirkungskan\u00e4le sind dabei nicht nur auf den Handel von G\u00fctern und Dienstleistungen, sondern analog auch auf den Austausch von Produktionsfaktoren und Zwischenprodukten anwendbar. Handel f\u00fchrt in all diesen F\u00e4llen dazu, dass Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie den gr\u00f6ssten Beitrag in der Wertsch\u00f6pfung leisten. Zus\u00e4tzlich zu diesen sogenannten Allokationseffekten, welche zu einer einmaligen Wohlstandserh\u00f6hung f\u00fchren, ergeben sich auch l\u00e4ngerfristige Auswirkungen auf das Wachstum. So f\u00f6rdern Handel und Direktinvestitionen die internationale Diffusion von Technologie. Weniger entwickelte L\u00e4nder k\u00f6nnen durch \u00dcbernahme bestehender Technologien ihre Produktion steigern, ohne dass sie die entsprechende Forschung betreiben m\u00fcssen. So l\u00e4sst sich besser erkl\u00e4ren, dass China seit Jahrzehnten schneller w\u00e4chst als westliche L\u00e4nder je zuvor.&#13;<\/p>\n<h2>Schattenseiten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWenn also Globalisierung so gut ist, warum findet sie nicht mehr Zuspruch? Mindestens zwei Gr\u00fcnde sind daf\u00fcr verantwortlich. Erstens kann die Globalisierung innerhalb der L\u00e4nder nicht nur zu Gewinnern, sondern auch zu Verlierern f\u00fchren. Zweitens kann die Globalisierung bei ungen\u00fcgend ausgebildeten Institutionen negative Auswirkungen auf die Umwelt verst\u00e4rken. Der erste Aspekt geht auf das sogenannte <i>Stolper-Samuelson-Theorem (1941)<\/i> zur\u00fcck, welches von <i>Jones (1965)<\/i> unter dem Begriff <i>Magnification Effect<\/i> verallgemeinert wurde. Die Globalisierung f\u00fchrt zu einer starken Ver\u00e4nderung der relativen Faktorpreise innerhalb der beteiligten L\u00e4nder. Die in einigen L\u00e4ndern beobachtbare relative Reduktion der Einkommen von niedrig qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften k\u00f6nnte so eine Folge des zunehmenden internationalen Handels sein. Eine alternative Erkl\u00e4rung liegt im technologischen Fortschritt, welcher niedrig qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte durch Kapital ersetzt. Im Fall der Schweiz sinken zwar nicht die relativen L\u00f6hne der niedrig qualifizierten Arbeitskr\u00e4fte; wohl aber steigt deren relative Arbeitslosigkeit. Wie <i>Weder und Wyss (2011)<\/i> aufzeigen, ist dies jedoch nicht auf den internationalen Handel zur\u00fcckzuf\u00fchren (m\u00f6glicherweise auf die Immigration).Die Tatsache, dass innerhalb von L\u00e4ndern wie China oder Indien die Ungleichheit bei starkem Wachstum zunimmt, ist zudem nicht ungew\u00f6hnlich und deckt sich mit der Erfahrung europ\u00e4ischer L\u00e4nder im 19. Jahrhundert. Der Anstieg der Ungleichheit in China ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass St\u00e4dte rasant reicher werden, w\u00e4hrend die Landregionen nicht in gleichem Masse mithalten k\u00f6nnen. Es ist aber keineswegs so, dass arme Leute in China nicht vom Aufstieg des Landes profitieren w\u00fcrden. <i>Dollar und Kraay (2004)<\/i> konnten in einer empirischen Studie \u00fcber mehr als 100 L\u00e4nder zeigen, dass sich die Liberalisierung des G\u00fcterhandels positiv auf die Armutsreduktion innerhalb der L\u00e4nder auswirkt.Der zweite Aspekt betrifft potenziell negative Auswirkung der Globalisierung auf Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch. Gewisse Umweltverschmutzung \u2013 etwa durch Transport \u2013 wird zwar direkt durch eine Zunahme des Handels verursacht. Die Hauptauswirkungen der Globalisierung auf die Umwelt bestehen aber \u00fcber ihren Effekt auf die Erh\u00f6hung des Wohlstandes.Theoretische und empirische Analysen dieses komplexen Zusammenhangs zeigen, dass verschiedene sich teilweise neutralisierende Auswirkungen auf die Umweltverschmutzung bestehen. So weisen <i>Antweiler, Copeland und Taylor (2001)<\/i> nach, dass durch Handel zwar mehr produziert und dabei mehr verschmutzt wird (Skalen-Effekt). Gleichzeitig f\u00fchrt das steigende Einkommen aber dazu, dass Staaten ihre Umweltvorschriften versch\u00e4rfen, was die Firmen dazu zwingt, fortschrittlichere Umwelttechniken zu verwenden (Technik-Effekt). In ihrer Studie, welche den Schwefeldioxidausstoss (SO<i>2<\/i>) in zahlreichen L\u00e4ndern betrachtet, dominiert der zweite Effekt; der Handel reduziert also die Umweltverschmutzung. F\u00fcr andere Schadstoffe \u2013 namentlich Kohlendioxid (CO<i>2<\/i>) \u2013 scheint allerdings der erste Effekt wichtiger zu sein, wie <i>Cole und Elliott (2003)<\/i> absch\u00e4tzen. Die Auswirkungen des Handels auf die Umwelt h\u00e4ngen somit stark von der Art der Verschmutzung und den staatlichen Gegenmassnahmen ab. W\u00e4hrend im Falle von SO<i>2<\/i> Staat und Wirtschaft Massnahmen zur Verbesserung der Produktionstechnik unterst\u00fctzten, scheint bei der Eind\u00e4mmung des CO<i>2<\/i>-Ausstosses der Wille zur Gegensteuerung weit schw\u00e4cher zu sein.Werden Umweltprobleme sich selber \u00fcberlassen, so manifestiert sich das Problem unzureichend ber\u00fccksichtigter Externalit\u00e4ten. Der internationale Handel kann in diesem Fall negative Externalit\u00e4ten verst\u00e4rken. Wie <i>Taylor (2011)<\/i> nachweist, wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts die riesigen (ungesch\u00fctzten) B\u00fcffelherden in Mittelamerika innerhalb von 15 Jahren beinahe ausgel\u00f6scht, weil in Europa eine technische Erfindung die industrielle Verarbeitung von B\u00fcffelh\u00e4uten erm\u00f6glichte. Ohne Handel zwischen Europa und Amerika h\u00e4tte dieser unkontrollierte Raubbau nicht in diesem Ausmass und in dieser Geschwindigkeit stattgefunden \u2013 bei staatlichem Schutz nat\u00fcrlich auch nicht.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGlobalisierung wirkt sich positiv auf Wachstum und Wohlstand aus. Zudem reduziert sie tendenziell die Armut, obwohl sie zu einer h\u00f6heren Ungleichheit innerhalb der L\u00e4nder f\u00fchren kann. Der internationale Handel kann sich sogar positiv auf die Umwelt auswirken, da \u00fcber die Erh\u00f6hung des Wohlstands die Umweltregulierungen tendenziell versch\u00e4rft werden. Katastrophale Effekte auf Umwelt und Ressourcen sind vor allem dann m\u00f6glich, wenn der Handel zu einem raschen und unkontrollierten Raubbau von (globalen) Gemeinschaftsg\u00fctern f\u00fchrt. Hier ist die Politik gefordert, mit gezielten Massnahmen \u2013 wie z.B. Artenschutz, CO<i>2<\/i>-Steuer \u2013 solchen negativen Auswirkungen entgegenzuwirken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abEntwicklung des weltweiten G\u00fcterhandels und Bruttoinlandprodukts, 1950\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abIntensit\u00e4t des internationalen Handels und Faktoraustausches f\u00fcr ausgew\u00e4hlte L\u00e4nder, 1950\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abOffenheit und Autarkie, aus dem All gesehen: Die Nutzung von Licht als Mass der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung in Nord- und S\u00fcdkorea\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Kausalit\u00e4t von Handel und Wohlstand&#13;<\/p>\n<h3>Kausalit\u00e4t von Handel und Wohlstand<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer starke Zusammenhang zwischen Handel und Wohlstand ist an sich noch kein Beweis f\u00fcr eine positive Auswirkung des Handels. So k\u00f6nnten die Wohlstandsunterschiede durch andere Faktoren \u2013 etwa durch unterschiedliche Institutionen \u2013 hervorgerufen werden und die Unterschiede der Offenheit lediglich eine Folge dieser Wohlstandsunterschiede sind. S\u00fcdkorea w\u00e4re aus dieser Sicht also nur deshalb offener als Nordkorea, weil es reicher ist.<i>Frankel und Romer (1999)<\/i> sind diesem Problem mit folgender Idee begegnet: Geografische Eigenschaften wie etwa eine grosse Distanz zwischen L\u00e4ndern haben \u00e4hnlich hemmende Auswirkungen auf den Handel wie eine Handelsbeschr\u00e4nkung \u2013 etwa durch Z\u00f6lle. Im Gegensatz zu Z\u00f6llen werden geografische Eigenschaften nicht durch den Wohlstand eines Landes beeinflusst. Der Zusammenhang zwischen geografisch beeinflussten Handelsstr\u00f6men und Wohlstand kann daher kausal interpretiert werden. Wie Frankel und Romer zeigen, bewegt sich dieser kausale Handelseffekt in der gleichen Gr\u00f6ssenordnung wie derjenige bei einer einfachen Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Handel und Wohlstand. Andere Arbeiten best\u00e4tigen die Kausalit\u00e4t von der Handelsliberalisierung auf die Wohlstandsmehrung auf der Basis von zeitlich verz\u00f6gerten Effekten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Antweiler, Werner, Brian Copeland und M. Scott Taylor (2001), Is Free Trade Good for the Environment?, American Economic Review, 91, 4, 877\u2013908.\u2212 Cole, Matthew A. und Robert J.A. Elliott (2003), Determining the Trade-Environment Relationship: The Role of Capital, Labor and Environmental Regulations, Journal of Environmental Economics and Management, 46, 3, 363\u2013386.\u2212 Dollar, David und Aart Kraay (2004), Trade, Growth, and Poverty, The Economic Journal, 114, February, F22\u2013F49.\u2212 Frankel, Jeffrey und David Romer (1999), Does Trade Cause Growth?, American Economic Review, 89, 3, 379\u2013399.\u2212 Jones, Ronald W. (1965), The Structure of Simple General Equilibrium Models, Journal of Political Economy, 73, 557\u2013572.\u2212 Ricardo, David (1817), The Principles of Political Economy and Taxation, London: J.M. Dent &amp; Sons Ltd. (Ausgabe 1917).\u2212 Sachs, Jeffrey und Andrew Warner (1995), Economic Reform and the Process of Global Integration, Brookings Papers on Economic Activity, 1, 25th Anniversary Issue (1995), 1\u2013118.\u2212 Stolper, Wolfgang und Paul Samuelson (1941), Protection and Real Wages, Review of Economic Studies, 9, 58\u201373.\u2212 Taylor, M. Scott (2011), Buffalo Hunt: International Trade and the Virtual Extinction of the North American Bison, American Economic Review, 101, 7, 3162\u20133195. \u2212 Wacziarg, Romain und Karen Horn Welch (2008), Trade Liberalization and Growth: New Evidence, World Bank Economic Review, 22, 2, 187\u2013231.\u2212 Weder, Rolf und Simone Wyss (2011), International Trade and Unemployment: An Investigation of the Swiss Case, University of Basel (mimeo).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Globalisierung wird von den einen als Chance und Bereicherung wahrgenommen, w\u00e4hrend andere sie als Bedrohung betrachten. 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