{"id":119844,"date":"2012-04-01T12:00:00","date_gmt":"2012-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/04\/deillon-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:33","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:33","slug":"deillon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/04\/deillon\/","title":{"rendered":"Die Herausforderungen der Schweizer Flugh\u00e4fen mit regelm\u00e4ssigem Linienverkehr"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweizer Flugh\u00e4fen mit regelm\u00e4ssigem Linienverkehr stellen eine sichere, effiziente und qualitativ hochstehende Infrastruktur f\u00fcr die Luftfahrt zur Verf\u00fcgung und tragen somit erheblich zur Erreichbarkeit der Schweiz bei. Mit ihren zahlreichen Arbeitspl\u00e4tzen und ihrer hohen Wertsch\u00f6pfung sind sie wichtige Wirtschaftsfaktoren f\u00fcr ihre Standortregionen. Auch setzen sich die Flugh\u00e4fen f\u00fcr eine klimaschonende Entwicklung des Luftverkehrs ein. Um im europ\u00e4ischen Wettbewerb bestehen zu k\u00f6nnen, sind die Flugh\u00e4fen auf Rahmenbedingungen angewiesen, die ihnen eine nachfrageorientierte Entwicklung erm\u00f6glichen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss dem Bericht \u00fcber die Luftfahrtpolitik des Bundes 2004 ist die Anbindung der Schweiz an die europ\u00e4ischen und weltweiten Zentren ein wichtiges Ziel des Bundesrates. Die Landesflugh\u00e4fen Z\u00fcrich, Genf und der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg sowie die Regionalflugh\u00e4fen mit regelm\u00e4ssigem Linienverkehr Bern, Lugano und St. Gallen-Altenrhein \u00fcbernehmen hierbei eine wesentliche Rolle, indem sie eine sichere, effiziente und qualitativ hochstehende Infrastruktur zur Abwicklung des Luftverkehrs zur Verf\u00fcgung stellen.Die direkte und indirekte Wertsch\u00f6pfung der Luftfahrt betrug im Jahr 2008 9,7 Mrd. Franken, gegen\u00fcber 6,7 Mrd. Franken im Jahr 2004.&#13;<br \/>\nVgl. Bundesamt f\u00fcr Zivilluftfahrt \/ Aerosuisse (2011). Die Schweizer Luftfahrt verzeichnete im Jahr 2008 52&nbsp;400 Vollzeitstellen, was einer Zunahme von 9800 Vollzeitstellen gegen\u00fcber dem Jahr 2004 entspricht. Diese Daten beziehen sich auf die engere volkswirtschaftliche Bedeutung (ohne induzierte und katalytische Effekte). Allein an den sechs in der Swiss International Airports Association (SIAA) organisierten Flugh\u00e4fen wurden im Jahr 2011 42&nbsp;989&nbsp;594 Passagiere gez\u00e4hlt sowie 672&nbsp;384 Flugbewegungen abgewickelt. Die Anzahl Passagiere nahm prozentual gesehen mehr zu als die Anzahl Flugbewegungen. Diese aus Sicht der Umwelt sehr erfreuliche Entwicklung ist auf den Einsatz gr\u00f6sserer Flugzeuge sowie eine h\u00f6here Auslastung der Flugzeuge zur\u00fcckzuf\u00fchren.Zu den entscheidenden Wettbewerbsfaktoren f\u00fcr die Schweiz z\u00e4hlt auch die Luftfracht, wie eine Studie der Universit\u00e4t St. Gallen belegt.&#13;<br \/>\nVgl. Ehrenthal et al. (2010). Dass ein Drittel aller Exporte nach Wert die Schweiz per Luftfracht verlassen und ein Sechstel aller Importe nach Wert die Schweiz im Flugzeug erreichen, unterstreicht die Bedeutung der Luftfracht f\u00fcr die aussenhandelsorientierte Schweiz. An den drei Landesflugh\u00e4fen wurden im Jahr 2011 624&nbsp;009 Tonnen Luftfracht und -post umgeschlagen.&#13;<\/p>\n<h2>Flugh\u00e4fen investieren in qualitativ hochstehende Infrastrukturen \u2026<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm den Passagier- und Luftfrachtverkehr sicher und effizient abwickeln zu k\u00f6nnen, investieren die Betreibergesellschaften der Flugh\u00e4fen kontinuierlich in ihre Infrastrukturen. Die Investitionen der Flugh\u00e4fen beleben die regionale Wirtschaft massgeblich und stellen auch eine wesentliche Erwerbsquelle f\u00fcr lokale KMU dar. So hat die Flughafen Z\u00fcrich AG seit ihrer Privatisierung im Jahr 2001 umgerechnet 1 Mio. Franken pro Tag investiert. Im Dezember 2011 hat sie das neue Dock B und ein neues zentrales Sicherheitskontrollgeb\u00e4ude mit 26 Kontrolllinien auf vier Etagen in Betrieb genommen. Gen\u00e8ve A\u00e9roport er\u00f6ffnete im Dezember 2011 auf der Ankunftsebene ein <i>Visitor\u2019s Center,<\/i> einen zentralen Empfangs- und Informationsschalter. Um die Qualit\u00e4t f\u00fcr die Passagiere, die mit Langstreckenfl\u00fcgen in Genf ankommen, zu verbessern, wird voraussichtlich 2012 mit dem Bau des Ostfl\u00fcgels des Terminals begonnen. Am EuroAirport wurden die Sanierung der Hauptpiste und die ersten zwei Bauphasen der Sanierung des ehemaligen Terminalgeb\u00e4udes erfolgreich beendet. Das Frachtprojekt in der Zone 4 sowie die Schienenanbindung konnten fortgesetzt werden. Mit den Bauarbeiten des dritten Hangars der Firma Amac Aerospace wurde begonnen. Der Flughafen Bern-Belp nahm Anfang 2012 den neuen Non-Schengen Terminal in Betrieb. Durch den Anbau k\u00f6nnen die Passagierstr\u00f6me strikt getrennt und somit Fl\u00fcge aus Schengen- und Non-Schengen-L\u00e4ndern zur gleichen Zeit abgefertigt werden.&#13;<\/p>\n<h2>\u2026 und engagieren sich im Umweltschutz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Betreiber der sechs in der SIAA organisierten Flugh\u00e4fen anerkennen die zunehmende Bedeutung eines langfristigen Klimaschutzes und setzen sich f\u00fcr eine klimaschonende Entwicklung des Luftverkehrs ein. F\u00fcr sein umfangreiches und systematisches Umweltmanagement hat der Flughafen Z\u00fcrich im Jahr 2011 erstmals den Eco-Innovation Award des Airports Council International (ACI) Europe gewonnen. Der Gen\u00e8ve A\u00e9roport, der im Jahr 2009 einen europ\u00e4ischen Award f\u00fcr seinen Mobilit\u00e4tsplan erhalten hat, entwickelt gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen Catecar ein \u00e4usserst umweltschonendes <i>Swiss Green High Tech Urban Vehicle,<\/i> welches auf dem Vorfeld eingesetzt werden kann. Er ist gerade dabei, die gr\u00f6sste Solarzellen\u00fcberbauung in Europa in Form von 282 Hochtemperatur-Solarzellen zu installieren.Die Klimaschutzprogramme der beiden Flugh\u00e4fen Z\u00fcrich und Genf sind beim unabh\u00e4ngigen <i>Airport Carbon Accreditation<\/i> des europ\u00e4ischen Flughafenverbandes (ACI Europe) auf Stufe 3 akkreditiert. Der EuroAirport pr\u00fcft eine Akkreditierung. Damit verpflichten sich die akkreditierten Flugh\u00e4fen, nicht nur ihre eigenen CO<i>2<\/i>-Emissionen zu reduzieren, sondern auch ihre Flughafenpartner zu einer Reduktion zu verpflichten.Mit gezielten F\u00f6rdermassnahmen erh\u00f6hen die Flugh\u00e4fen ihre Erreichbarkeit durch \u00f6ffentliche Verkehrsmittel. 46,3% der Passagiere, Besucher und Angestellten des Flughafens Z\u00fcrich reisen mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln an. Den Gen\u00e8ve A\u00e9roport erreichen 45% der Passagiere mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln. Diese ausserordentlich hohen \u00d6V-Anteile sind auf die hervorragende Erschliessung der Flugh\u00e4fen durch Bahn, Bus und Tram zur\u00fcckzuf\u00fchren.&#13;<\/p>\n<h2>Flugh\u00e4fen ben\u00f6tigen wettbewerbsf\u00e4hige Rahmenbedingungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit ihren Investitionen in Infrastruktur und Umwelt tragen die Flugh\u00e4fen erheblich zur nachhaltigen Entwicklung des Luftverkehrs und zur hohen Erreichbarkeit der Schweiz bei. Um die Nachfrage nach Flugreisen und Luftfrachttransporten auch in Zukunft befriedigen und im Wettbewerb mit anderen europ\u00e4ischen Flugh\u00e4fen bestehen zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigen die Flugh\u00e4fen wettbewerbsf\u00e4hige Rahmenbedingungen.Die Flugh\u00e4fen sehen sich mit vielf\u00e4ltigen Regulierungen konfrontiert, welche die Kapazit\u00e4ten reduzieren und die nachfragegerechte Entwicklung der Flugh\u00e4fen zunehmend gef\u00e4hrden. Zudem beeintr\u00e4chtigen diese Einschr\u00e4nkungen die Rechts- und Planungssicherheit der Flugh\u00e4fen. So ist etwa der deutsche Luftraum zu bestimmten Zeiten f\u00fcr Landeanfl\u00fcge auf den Flughafen Z\u00fcrich gesperrt. Noch in diesem Jahr soll eine sowohl f\u00fcr Deutschland als auch f\u00fcr die Schweiz tragf\u00e4hige L\u00f6sung gefunden werden, damit die dringend ben\u00f6tigte Rechts- und Planungssicherheit hergestellt werden kann.Am EuroAirport h\u00e4ngt die nachhaltige Entwicklung der Flughafenplattform davon ab, Rechtsklarheit f\u00fcr die Schweizer Unternehmen im Schweizer Sektor zu schaffen. In diesem Zusammenhang laufen derzeit Verhandlungen zwischen der Schweiz und Frankreich. Der EuroAirport z\u00e4hlt auf eine baldige Einigung. Bis dahin werden gewisse Grossprojekte \u2013 wie z.B. der Bau einer neuen Frachtinfrastruktur \u2013 in Frage gestellt.Bei der Umsetzung der europ\u00e4ischen Flughafenentgeltrichtlinie, welche u.a. die Festsetzung der Flughafengeb\u00fchren regelt, d\u00fcrfen die Schweizer Flugh\u00e4fen gegen\u00fcber Flugh\u00e4fen in den Nachbarstaaten nicht benachteiligt werden. Flugh\u00e4fen m\u00fcssen auch in Zukunft \u00fcber die finanziellen Ressourcen verf\u00fcgen k\u00f6nnen, um in eine hochwertige Infrastruktur zu investieren. Eine Regulierung muss ausgewogen sein und sowohl die Interessen der Infrastrukturbetreiber (Flugh\u00e4fen) als auch diejenigen der Infrastrukturnutzer (Fluggesellschaften und Endverbraucher) ber\u00fccksichtigen.Die Regionalflugh\u00e4fen sind von der zunehmenden Regulierungsdichte besonders betroffen, da sie im Grundsatz die gleichen Auflagen umzusetzen haben wie die Landesflugh\u00e4fen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Umsetzung der Schengen-Auflagen. Die Str\u00f6me der Schengen- und Non-Schengen-Passagiere m\u00fcssen auch auf den Regionalflugh\u00e4fen strikt getrennt werden, was zu hohen Investitionen in die Terminals f\u00fchrt. Infolge des geringeren Umsatzvolumens wirken sich die dadurch entstehenden Kosten und der h\u00f6here Personalbedarf \u00fcberproportional negativ auf die Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit aus, so dass die Entwicklung der Regionalflugh\u00e4fen erheblich erschwert wird. Aufgrund ihrer positiven volkswirtschaftlichen Effekte f\u00fcr die n\u00e4here Umgebung muss die Konkurrenzf\u00e4higkeit der kleineren Flugh\u00e4fen auch l\u00e4ngerfristig erhalten bleiben.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie SIAA setzt sich daf\u00fcr ein, dass die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Flugh\u00e4fen mit regelm\u00e4ssigem Linienverkehr wettbewerbsf\u00e4hig gestaltet werden. Nur so k\u00f6nnen sich die Flugh\u00e4fen auch in Zukunft nachfrageorientiert entwickeln und ihre Funktion als bedeutende Verkehrsinfrastrukturen der Schweiz wahrnehmen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Tourismus und Luftverkehr&#13;<\/p>\n<h3>Tourismus und Luftverkehr<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf eine exzellente internationale Anbindung der Schweiz sind insbesondere der Tourismus und der Aussenhandel angewiesen. Jeder dritte Gast erreicht die Schweiz per Flugzeug. Der Tourismus z\u00e4hlt zu den wichtigsten Exportbranchen der Schweiz und generierte im Jahr 2010 eine Wertsch\u00f6pfung von 15,6 Mrd. Franken (Schweizer Tourismus-Verband). Insgesamt verzeichnete die Schweizer Hotellerie im Jahr 2010 36,2 Mio. Logiern\u00e4chte, davon 20,4 Mio. von ausl\u00e4ndischen G\u00e4sten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Bericht \u00fcber die Luftfahrtpolitik der Schweiz 2004.\u2212 Bundesamt f\u00fcr Zivilluftfahrt \/ Aerosuisse: Volkswirtschaftliche Bedeutung der Zivilluftfahrt in der Schweiz. Z\u00fcrich 2011.\u2212 Schweizer Tourismusverband (STV): Schweizer Tourismus in Zahlen 2010.\u2212 Ehrenthal Joachim C.F., Hofstetter Joerg S., St\u00f6lzle Wolfgang: Luftfracht als Wettbewerbsfaktor des Wirtschaftsstandortes Schweiz: Zur St\u00e4rkung der Schweizer Wirtschaft und zur Sicherung hochwertiger Arbeitspl\u00e4tze im Inland. G\u00f6ttingen, 2010.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizer Flugh\u00e4fen mit regelm\u00e4ssigem Linienverkehr stellen eine sichere, effiziente und qualitativ hochstehende Infrastruktur f\u00fcr die Luftfahrt zur Verf\u00fcgung und tragen somit erheblich zur Erreichbarkeit der Schweiz bei. Mit ihren zahlreichen Arbeitspl\u00e4tzen und ihrer hohen Wertsch\u00f6pfung sind sie wichtige Wirtschaftsfaktoren f\u00fcr ihre Standortregionen. Auch setzen sich die Flugh\u00e4fen f\u00fcr eine klimaschonende Entwicklung des Luftverkehrs ein. 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