{"id":119869,"date":"2012-04-01T12:00:00","date_gmt":"2012-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/04\/hadorn-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:19","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:19","slug":"hadorn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/04\/hadorn\/","title":{"rendered":"Agrarpolitik 2014\u20132017 aus dem Blickwinkel der Fleischwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die Fleischwirtschaft begr\u00fcsst grunds\u00e4tzlich die Weiterentwicklung der Direktzahlungen und die Qualit\u00e4tsstrategie im Rahmen der Agrarpolitik 2014\u20132017. Er lehnt aber die Ausgestaltung der Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t bzw. Wettbewerbsneutralit\u00e4t in der vorgesehenen Form ab. Absolut inakzeptabel ist das sture Festhalten des Bundesrates am leidigen Versteigerungssystem beim Import von Fleisch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nLange Zeit lag die Hauptaufgabe der Landwirtschaft in der Versorgung mit gen\u00fcgend Nahrungsmitteln. Dank grosser technischer Fortschritte wurde die Mengenfrage im Laufe der Jahre vom Qualit\u00e4tsgedanken abgel\u00f6st. Dabei sind nicht nur die eigentliche Produktequalit\u00e4t, sondern auch \u00abweiche\u00bb Faktoren \u2013 wie \u00d6kologie, Landschaftspflege, Soziales und Tierschutz \u2013 von Bedeutung. In Anbetracht der vielseitigen Aufgaben der Landwirtschaft anerkennt der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) im Grundsatz die Notwendigkeit von Direktzahlungen \u2013 trotz des prognostizierten R\u00fcckganges der Rindfleischproduktion um 5% und der Tatsache, dass seine Mitglieder keine staatlichen Subventionen beziehen. Er teilt auch die Auffassung, dass die vom Bund lancierte Qualit\u00e4tsstrategie f\u00fcr die schweizerische Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft von zentraler Bedeutung ist, zumal sich diese in einem internationalen Umfeld nie \u00fcber den Preis und\/oder die Menge wird behaupten k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft sitzen im selben Boot<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Produktion von hochqualitativen Nahrungsmitteln braucht es sowohl die Produktion von vorz\u00fcglichem Rohmaterial beim Bauern \u2013 deren Kernaufgabe notabene \u2013 wie auch das Know-how und die Infrastruktur der nachgelagerten Verarbeitung und Veredlung. In der l\u00e4ngerfristigen Agrarpolitik wird deshalb kein Weg daran vorbeif\u00fchren, die Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft gemeinsam weiterzuentwickeln. Eine Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass praxisnahe Forschung, Beratung und Tierzucht nicht weiter geschw\u00e4cht, sondern mit den notwendigen Mitteln ausgestattet werden.In der aktuellen Situation ist es unverst\u00e4ndlich, wie sich gewisse Kreise \u2013 wie etwa in der Swissness-Vorlage \u2013 nur auf die Rohmaterialfrage fokussieren bzw. \u00fcber die Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t einen minimalen Selbstversorgungsgrad von 60% fixieren wollen (Fleisch aktuell: 80%). Letztere muss \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 auf die Weiterentwicklung des Produktionspotenzials abzielen, anstatt bestehende Strukturen zu zementieren. \u00dcberdies wird der Begriff der Wettbewerbsneutralit\u00e4t zu eng gefasst, da f\u00fcr deren Beurteilung neu die wirtschaftliche Relevanz anstelle des unmittelbaren Einzugsgebietes im Vordergrund stehen muss. Gerade die gewerbenahen T\u00e4tigkeiten der Bauern \u2013 wie z.B. Hofl\u00e4den, Besenbeizen \u2013 f\u00fchren wegen der unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben (Raumplanung, Arbeitsrecht, Investitionskredite, Lebensmittelkontrolle etc.) bereits heute zu bedeutenden Marktverzerrungen. Der SFF will die betr\u00e4chtlichen paralandwirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten nicht verbieten; er fordert aber gleich lange Spiesse, indem f\u00fcr vergleichbare T\u00e4tigkeiten neu dieselben Gesetze zur Anwendung gelangen m\u00fcssen.&#13;<\/p>\n<h2>Ungleiche Ellen im Aussenhandel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEntgegen der Auffassung gewisser Kreise ist es eine Illusion, dass sich die Landwirtschaft aus der zunehmenden Internationalisierung der Gesamtwirtschaft wird heraushalten k\u00f6nnen. Bereits heute sind die Grenzen faktisch offen \u2013 leider aber nur als Einbahnstrasse. Dies zeigt sich beim Einkaufstourismus, der 2011 alleine f\u00fcr die Fleischwirtschaft Minderums\u00e4tze von rund 1 Mrd. Franken bewirkt hat. Dennoch stossen die Bestrebungen rund um eine vertr\u00e4gliche Markt\u00f6ffnung in der politischen Debatte noch immer auf grossen Widerstand. Der Anteil der Fleischproduktion an der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion bel\u00e4uft sich auf knapp ein Viertel; die Produktionskosten sind im internationalen Vergleich 2- bis 3-mal h\u00f6her. Gleichwohl bleibt der Fleischsektor wegen WTO-Vorgaben auch in Zukunft von Exportsubventionen \u00fcber das \u00abSchoggigesetz\u00bb ausgeschlossen. Unter diesen Vorzeichen ist nicht erstaunlich, dass der Exportanteil von Fleisch noch immer bei nur 2,3% (2011) liegt.Besonders st\u00f6rend ist, dass der Bund beim Import von Fleisch pro Jahr netto 150 bis 160 Mio. Franken an Versteigerungserl\u00f6sen in die allgemeine Bundeskasse abzweigt und damit der Branche als faktische Fleischsteuer zus\u00e4tzlich entzieht! Der Fleischsektor setzt daher grosse Erwartungen in die kommenden parlamentarischen Beratungen. Diese m\u00fcssen zwingend zu einer Optimierung des Importsystems auf Basis einer Inlandleistung f\u00fchren, wie dies SFF, Bauern und Viehhandel gemeinsam vorgeschlagen haben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fleischwirtschaft begr\u00fcsst grunds\u00e4tzlich die Weiterentwicklung der Direktzahlungen und die Qualit\u00e4tsstrategie im Rahmen der Agrarpolitik 2014\u20132017. Er lehnt aber die Ausgestaltung der Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t bzw. Wettbewerbsneutralit\u00e4t in der vorgesehenen Form ab. 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