{"id":119884,"date":"2012-04-01T12:00:00","date_gmt":"2012-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/04\/hurter-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:23","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:23","slug":"hurter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/04\/hurter\/","title":{"rendered":"Wo kommen die Piloten her?"},"content":{"rendered":"<p>Funktionierende aviatische Infrastrukturen sind f\u00fcr unser Land von tragender Bedeutung. Die Schweizer Landesflugh\u00e4fen stellen die weltweite Anbindung sicher. Doch eine nicht minder zentrale Bedeutung kommt der so genannten General Aviation auf den regionalen Flugpl\u00e4tzen und Flugfeldern zu. Dort wird der fliegerische Nachwuchs \u2013 die k\u00fcnftigen Berufspiloten \u2013 herangezogen und ausgebildet. Ohne sie kann das Luftfahrsystem Schweiz nicht funktionieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201204_23_Hurter_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"255\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Bedeutung des Luftverkehrs ist f\u00fcr die Schweiz unbestrittenermassen hoch. Mit den Landesflugh\u00e4fen an die Welt angebunden zu sein, ist von tragender Bedeutung f\u00fcr den Standort Schweiz sowie f\u00fcr die Volkswirtschaft unseres Landes. Nicht minder bedeutend ist die Tatsache, dass es zur Aufrechterhaltung eines funktionierenden Luftverkehrs qualifizierte, hervorragend ausgebildete Fachkr\u00e4fte braucht. Passagiere vertrauen darauf, dass die Piloten ihren Job professionell erledigen und das Flugzeug sicher zum Ziel fliegen. Doch wer sitzt vorne im Cockpit? Wer sind diese Piloten? Wo und wie haben sie ihre F\u00e4higkeiten erworben?&#13;<\/p>\n<h2>Infrastruktur f\u00fcr aviatische Ausbildung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Beantwortung dieser Fragen f\u00fchrt zu einem Bereich der Luftfahrt, dem eine bedeutende Rolle im Luftfahrtsystem der Schweiz \u2013 insbesondere bei der Pilotenausbildung \u2013 zukommt: Die regionalen Flugpl\u00e4tze und Flugfelder sowie die darauf angesiedelte <i>General Aviation.<\/i> Gesamtschweizerisch bilden drei Landesflugh\u00e4fen, elf Regionalflugpl\u00e4tze, 47 Flugfelder und 24 Heliports eine umfassende aviatische Infrastruktur. Sie liegen \u00fcber das ganze Land verteilt. Im Jahr 2010 wurden auf den drei Landesflugh\u00e4fen knapp 530&nbsp;000 Fl\u00fcge abgewickelt. Auf den Regionalflugpl\u00e4tzen waren es gegen 400&nbsp;000 und auf den Flugfeldern nahezu 500&nbsp;000. Flugfelder und Regionalflugpl\u00e4tze generieren also zusammen beinahe doppelt so viele Fl\u00fcge wie die Landesflugh\u00e4fen. Ein wesentlicher Anteil dieser Fl\u00fcge entf\u00e4llt auf die General Aviation und dient u.a. der Gesch\u00e4fts- und Arbeitsfliegerei, aber auch der Aus- und Weiterbildung von Piloten. Diese Zahlen und Fakten machen die Bedeutung der Regionalflugpl\u00e4tze und Flugfelder klar.&#13;<\/p>\n<h2>Die Wiege der Luftfahrt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs ist eine Tatsache, dass Regionalflugpl\u00e4tze und Flugfelder sowie die dort angesiedelten Flugschulen und Fluggruppen die eigentliche Wiege der Luftfahrt darstellen. Auf diesen Flugpl\u00e4tzen wird jedem Piloten das fliegerische Handwerk beigebracht und damit die Basis f\u00fcr die sp\u00e4tere Laufbahn als Berufspilot gelegt. Ohne diese Infrastrukturen und Ausbildungsangebote w\u00fcrde das Luftfahrtsystem der Schweiz nicht funktionieren. Kein Verkehrs- oder Gesch\u00e4ftsflugzeug, kein Arbeits- oder Rettungshelikopter und kein Milit\u00e4rflugzeug k\u00f6nnte ohne die Leichtaviatik als Basis der General Aviation auf den Flugpl\u00e4tzen der Schweiz abheben. Es ist deshalb von zentraler Bedeutung, dass Politik, Wirtschaft und Beh\u00f6rden erkennen, wo der Nachwuchs f\u00fcr die aviatischen Berufe herkommt und welche Wichtigkeit diesem Bereich f\u00fcr das Luftfahrtsystem Schweiz beigemessen werden muss. Die Regionalflugpl\u00e4tze, Flugfelder und Heliports mit den dort angesiedelten Unternehmen (Hersteller- und Unterhaltsbetriebe, Flugschulen, Restaurationsbetriebe, Arbeits- und Rettungsluftfahrt usw.) sind \u00fcberdies ein wichtiger Arbeitgeber f\u00fcr gesellschaftlich wertvolle und technisch anspruchsvolle Berufe, verbunden mit einer nicht zu untersch\u00e4tzenden \u2013 auch fiskalpolitischen \u2013 Wertsch\u00f6pfung. Laut Infras-Studie 2011&#13;<br \/>\nInfras (2011), Volkswirtschaftliche Bedeutung der Zivilluftfahrt in der Schweiz. der Aerosuisse und des Bundesamtes f\u00fcr Zivilluftfahrt \u00fcber die volkswirtschaftliche Bedeutung der Zivilluftfahrt Schweiz betrug diese im Jahr 2008 gegen 500 Mio. Franken.&#13;<\/p>\n<h2>Bedeutung der Nachwuchsf\u00f6rderung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Leichtaviatik kommt punkto Nachwuchsf\u00f6rderung eine eminent wichtige Aufgabe zu. Jeder Pilot im Cockpit eines Airbus, der Lotse im Kontrollturm oder ein Flughafenmitarbeiter hat in der Regel als Jugendlicher den Weg in die Luftfahrt gefunden. Oft geschieht der Einstieg \u00fcber den Modellflug; sp\u00e4ter lernen die jungen Leute Segelfliegen oder Motorfliegen und bilden sich weiter aus bis zum Berufspiloten. Gerade im Bereich der Nachwuchsf\u00f6rderung ist der Aero-Club der Schweiz (AeCS) \u00fcberaus engagiert und nimmt eine zentrale Rolle ein. Mit den Jugendprogrammen des AeCS wurden in den letzten Jahrzehnten schon Tausende von Jugendlichen an die Luftfahrt herangef\u00fchrt. Als Beispiel dient das allj\u00e4hrlich vom AeCS durchgef\u00fchrte und von der Stiftung Pro Aero unterst\u00fctzte Jugendlager im Engadin. Manche Karriere eines Milit\u00e4r-, Linien- oder Berufspiloten hat in einem Jugendlager des AeCS ihren Anfang genommen. Sphair bietet als Nachfolgeorganisation der ehemaligen Fliegerischen Vorschulung (FVS) in einer sp\u00e4teren Phase berufliche Eignungsabkl\u00e4rungen an. Ist die Begeisterung f\u00fcr die Luftfahrt einmal erwacht, erlernen die jungen Menschen dann das fliegerische Handwerk bei Flugschulen auf Schweizer Flugpl\u00e4tzen.&#13;<\/p>\n<h2>Auflagen und Regulierungen als massive Kostentreiber<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn diesem Zusammenhang muss indes darauf hingewiesen werden, dass gegenw\u00e4rtige Entwicklungen die Gewinnung des aviatischen Nachwuchses erheblich erschweren und die Luftfahrt generell finanziell unverh\u00e4ltnism\u00e4ssig belasten. Massive Geb\u00fchrenerh\u00f6hungen, \u00dcberregulierungen und \u00fcberzogene Sicherheitsauflagen f\u00fchren zu einer dramatischen Verteuerung in der Leichtaviatik, etwa bei der Pilotenausbildung. Diese ist im \u00dcbrigen heute noch immer gr\u00f6sstenteils vom Piloten selbst zu berappen. Die Ausbildung bis zum Linienpiloten etwa summiert sich auf rund 120&nbsp;000 Franken. Auch die Ben\u00fctzung der Infrastrukturen oder der technische Unterhalt wird durch immer mehr zum Teil unn\u00f6tige Auflagen verteuert. \u00dcberh\u00f6hte Geb\u00fchren und \u00fcberbordende Regulierungen unter dem Deckmantel der Sicherheit treffen die General Aviation hart und erfordern immer wieder Interventionen. Ginge es etwa nach dem Willen der Landesflugh\u00e4fen, so g\u00e4be es f\u00fcr die Leichtaviatik dort in absehbarer Zeit keinen Platz mehr. Insgesamt l\u00e4sst sich eine fatale Entwicklung feststellen, welche die Sicherstellung des Nachwuchses gef\u00e4hrdet und sich damit kontraproduktiv auf die steigende Nachfrage in der Luftfahrt auswirkt: Was n\u00fctzt der modernste Landesflughafen, wenn die Flugzeuge \u2013 wie es notabene heute schon vorkommt \u2013 mangels gen\u00fcgend ausgebildeten Piloten am Boden stehen bleiben m\u00fcssen?2012 und 2013 werden f\u00fcr die Luftfahrt entscheidende Jahre sein; es geht um die Ausformulierung des Luftfahrtgesetzes II und des Luftfahrtpolitischen Berichts II. Diese beiden bedeutenden Gesetzesvorlagen werden f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit die letzten parlamentarischen Beratungen zum Thema Luftfahrt sein. Es ist f\u00fcr die gesamte Luftfahrt wichtig, die im aktuellen luftfahrtpolitischen Bericht erw\u00e4hnte untergeordnete Rolle der General Aviation zu korrigieren und diese als bedeutenden Teil der Schweizer Luftfahrt \u2013 und damit auch der aviatischen Infrastruktur \u2013 im Gesetz zu verankern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abLuftverkehrsleistungen der Flugpl\u00e4tze: Motorflug (ohne Helikopter)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Aero-Club der Schweiz&#13;<\/p>\n<h3>Aero-Club der Schweiz<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer AeCS ist der Dachverband der Allgemeinen Luftfahrt f\u00fcr die Leichtaviatik und den Luftsport. Er z\u00e4hlt rund 23&nbsp;500 Mitglieder und ist in acht Fachsparten (Motorflug, Segelflug, Ballonfahren, Modellflug, Helikopter, Fallschirmspringen, Microlight und Amateurflugzeugbau) und in 36 Regionalverb\u00e4nde gegliedert. Als Dachverband der Allgemeinen Luftfahrt f\u00f6rdert und unterst\u00fctzt der AeCS unter anderem den fliegerischen Nachwuchs und den Luftsport. Der Aero-Club der Schweiz feierte 2011 sein 110-j\u00e4hriges Bestehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInternet: <a href=\"http:\/\/www.aeroclub.ch\">http:\/\/www.aeroclub.ch<\/a>.&#13;<br \/>\nKasten 2: Bedeutung der General Aviation&#13;<\/p>\n<h3>Bedeutung der General Aviation<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nZur General Aviation geh\u00f6ren s\u00e4mtliche Flugbewegungen, die weder den Linien- noch den Charterfl\u00fcgen zugerechnet werden k\u00f6nnen. General Aviation beinhaltet die Bereiche Business Aviation, Arbeitsluftfahrt (Werksfl\u00fcge, Rettungsfl\u00fcge, Fotofl\u00fcge) sowie Leichtaviatik (Schul-, \u00dcbungs- und Kontrollfl\u00fcge, Touristikfl\u00fcge, Luftsport, Privatfl\u00fcge). 2008 gab es gem\u00e4ss dieser Definition in der Schweiz etwas \u00fcber 1 Mio. Flugbewegungen, die zur General Aviation zu z\u00e4hlen sind. Innerhalb der Leichtaviatik kann nach weiteren Kategorien wie Helikoptern, Motorseglern, Segelflugzeugen und nicht gewerblichen Fl\u00fcgen mit Motorfl\u00e4chenflugzeugen unterschieden werden. Die nicht gewerbsm\u00e4ssigen Flugbewegungen der Motorfl\u00e4chenflugzeuge in der Schweiz machten 2008 67% der Flugbewegungen der General Aviation aus, die Motorsegler und Segelflugzeuge rund 8%, die Helikopterfl\u00fcge 5% und die (gewerblichen) Rundfl\u00fcge 2,3%.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nQuelle: BAZL\/BFS (2009).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Funktionierende aviatische Infrastrukturen sind f\u00fcr unser Land von tragender Bedeutung. Die Schweizer Landesflugh\u00e4fen stellen die weltweite Anbindung sicher. Doch eine nicht minder zentrale Bedeutung kommt der so genannten General Aviation auf den regionalen Flugpl\u00e4tzen und Flugfeldern zu. Dort wird der fliegerische Nachwuchs \u2013 die k\u00fcnftigen Berufspiloten \u2013 herangezogen und ausgebildet. 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