{"id":119894,"date":"2012-04-01T12:00:00","date_gmt":"2012-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/04\/kurrus-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:44","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:44","slug":"kurrus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/04\/kurrus\/","title":{"rendered":"Die Schweizer Luftfahrt muss sich massvoll weiterentwickeln k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>Die Luftfahrt leistet einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand der Schweiz. Der Bundesrat misst diesem Tr\u00e4ger des \u00f6ffentlichen Verkehrs denn auch eine herausragende volkswirtschaftliche Bedeutung zu. Wegen der Globalisierung wuchs die Luftfahrt mehr als doppelt so schnell wie die Weltwirtschaft. Dieser Trend wird weiter anhalten. So geht der Bundesrat bis ins Jahr 2030 von einer Verdoppelung der Luftverkehrsnachfrage aus. Um im internationalen Konkurrenzkampf bestehen zu k\u00f6nnen, muss sich die Luftfahrt massvoll entwickeln k\u00f6nnen und braucht international konkurrenzf\u00e4hige Rahmenbedingungen. Dieses Anliegen ist vor dem Hintergrund der gegenw\u00e4rtigen Frankenst\u00e4rke vordringlich.&#13;<\/p>\n<h2>Wohlstand und Prosperit\u00e4t dank guter Verkehrsanbindung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDass der Wohlstand entlang der Verkehrsachsen besonders gut gedeiht, ist eine Binsenwahrheit. Die Region Basel beispielsweise verdankt ihren heutigen Wohlstand nicht zuletzt einem weitsichtigen Kirchenf\u00fcrsten, der im Jahre 1225 in Basel die erste Br\u00fccke \u00fcber den Rhein bauen liess und dadurch den Verkehr zum Rheinknie zog. Umgekehrt bekommen Regionen, die den Anschluss an die Verkehrswege nicht geschafft oder verloren haben, die Folgen des Abseitsstehens besonders schmerzlich zu sp\u00fcren. Die Schweiz hat diesbez\u00fcglich wegen ihrer Lage im Herzen Europas gegen\u00fcber vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern einen strategischen Vorteil. Hier kreuzen sich bekanntlich viele Wege zu Lande und in der Luft. Damit er\u00f6ffnet sich die Chance des Anschlusses an die internationalen Verkehrsstr\u00f6me.&#13;<\/p>\n<h2>Der Luftverkehr gewinnt laufend an Bedeutung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Schweiz als exportorientiertes Binnenland ist der Anschluss an das internationale Luftverkehrsnetz wegen der rasch fortschreitenden weltweiten Arbeitsteilung besonders wichtig. Heute sind n\u00e4mlich in steigendem Masse auch kleine und mittlere Betriebe weltweit t\u00e4tig. Aber auch global t\u00e4tige Konzerne w\u00e4hlen nicht zuletzt wegen der hervorragenden Luftverkehrsanbindung unseres Landes die Schweiz als Hauptsitz. Aufgrund der hohen Wirtschaftskraft und starken internationalen Verflechtung hat die Schweiz ein deutlich \u00fcberdurchschnittliches Passagier-Aufkommen. Dieses liegt bei ca. 1,3 Flugreisen pro Kopf. Nur fl\u00e4chenm\u00e4ssig gr\u00f6ssere L\u00e4nder und L\u00e4nder in Randlage haben ein \u00e4hnlich hohes Aufkommen.&#13;<\/p>\n<h2>Volkswirtschaftlich herausragende Bedeutung der Luftfahrt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn seinem Luftfahrtpolitischen Bericht 2004 misst der Bundesrat der Schweizer Zivilluftfahrt eine herausragende volkswirtschaftliche Bedeutung zu. Diese Aussage wird durch die j\u00fcngste Infras-Studie&#13;<br \/>\nVolkswirtschaftliche Bedeutung der Luftfahrt in der Schweiz, 1. Juni 2011, Infras. zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Schweizer Zivilluftfahrt best\u00e4tigt. In der Schweiz stehen 180&nbsp;000 Arbeitspl\u00e4tze und \u00fcber 30 Mrd. Franken Wertsch\u00f6pfung im Zusammenhang mit der Luftfahrt. Dies entspricht einem Anteil von 5,6% am Bruttoinlandprodukt. Zahlreiche Branchen sind auf gute Luftverkehrsverbindungen angewiesen. So kommt jeder dritte ausl\u00e4ndische Tourist mit dem Flugzeug in die Schweiz. F\u00fcr die Exportwirtschaft ist die Luftfracht wichtig, denn jeder dritte Exportfranken verl\u00e4sst die Schweiz auf dem Luftweg.&#13;<br \/>\nLuftfracht als Wettbewerbsfaktor des Wirtschaftsstandortes Schweiz, Uni St. Gallen. Mit einer Tonne Luftfracht wird ein Wert von mindestens 100&nbsp;000 Franken bef\u00f6rdert, w\u00e4hrend es im Landverkehr (Strasse, Schiene) nur rund 3000 und im Seeverkehr 1500 Franken pro Tonne sind. Allerdings fliesst derzeit ein Grossteil des Luftfrachtaufkommens zu ausl\u00e4ndischen Flugh\u00e4fen ab.Noch schafft die Luftfahrt Arbeitspl\u00e4tze in erheblichem Umfang. Alleine die Swiss schafft im Jahr 2012 beispielsweise 500 neue Stellen. Allerdings kann diese g\u00fcnstige Entwicklung nur weitergehen, wenn ein massvolles Wachstum m\u00f6glich ist. Doch in diesem Punkt sind die Perspektiven eher ung\u00fcnstig. Gem\u00e4ss j\u00fcngsten Studien wird die Schweizer Luftfahrt wegen Kapazit\u00e4tsengp\u00e4ssen auf den Flugh\u00e4fen Z\u00fcrich und Genf im Jahre 2030 j\u00e4hrlich etwa 8 Mio. Passagiere an deren Konkurrenten im Ausland verlieren. Damit werden bis zu 16&nbsp;000 Arbeitspl\u00e4tze nicht in der Schweiz, sondern im Ausland entstehen (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Die Nachfrage nach Luftverkehr wird weiter zunehmen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Gem\u00e4ss Infrastrukturbericht 2010 des Bunderates wird sich die Nachfrage nach Luftverkehr auf den drei Landesflugh\u00e4fen Z\u00fcrich, Genf und Basel in den n\u00e4chsten 20 Jahren nahezu verdoppeln. Der Flughafen Z\u00fcrich st\u00f6sst zu Spitzenzeiten jedoch bereits heute an die Kapazit\u00e4tsgrenzen. Ohne massvollen Ausbau der Kapazit\u00e4ten werden das Nachfragewachstum und die Schaffung der damit verbundenen Arbeitspl\u00e4tze k\u00fcnftig an Konkurrenzstandorten \u2013 wie z.B. M\u00fcnchen \u2013 stattfinden.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).Der scharfe Wettbewerb seit der Liberalisierung des Luftverkehrs in den USA und in der EU f\u00fchrte zu einem dramatischen Preiszerfall. Die Flugpreise zwischen Z\u00fcrich und New York sind in den letzten 40 Jahren um 90% gefallen.&#13;<br \/>\nSwiss International Air Lines AG. Ursache dieser Entwicklung ist ein starker Angebots\u00fcberhang. Seit 1985 sind weltweit nicht weniger als 477 neue Fluggesellschaften entstanden.&#13;<br \/>\nAirclaims Case Database.&#13;<\/p>\n<h2>Grosse Anstrengungen zur Begrenzung der Umweltbelastung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf lokaler Ebene steht die Bek\u00e4mpfung des Flugl\u00e4rms an vorderster Stelle. Die bisherigen Anstrengungen haben sich f\u00fcr die Anwohner gelohnt: Der L\u00e4rmteppich um den Flughafen Z\u00fcrich hat in den letzten 20 Jahren trotz mehr Flugbewegungen um zwei Drittel abgenommen (siehe <i>Grafik 1<\/i>).&#13;<br \/>\nFlughafen Z\u00fcrich AG. Durch den Einsatz der sog. <i>Geared Fans<\/i> sind ab 2014 noch einmal substanzielle L\u00e4rmreduktionen zu erwarten.Auf globaler Ebene steht die Reduktion des CO<i>2<\/i>-Ausstosses im Zentrum der Anstrengungen. Der Anteil der Luftfahrt an den weltweiten anthropogenen CO<i>2<\/i>-Emissionen betr\u00e4gt derzeit rund 2%.&#13;<br \/>\nUNEP, Aviation and the Global Atmosphere, DLR, IPCC 1999. Trotz diesem relativ bescheidenen Anteil nimmt die Luftfahrt ihre Verantwortung bei der Bek\u00e4mpfung des Klimawandels wahr und unternimmt grosse Anstrengungen im Rahmen der Vier-S\u00e4ulen-Strategie (technischer Fortschritt, operationelle Massnahmen, effizientere Infrastruktur und \u00f6konomische Instrumente). Ziel dieser Bem\u00fchungen ist eine Halbierung des CO<i>2<\/i>-Ausstosses bis ins Jahr 2050. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es vor allem viel Geld zur Beschaffung neuer Flugzeuge. Ein Einbezug der Schweiz in ein regionales Emissionshandelssystem wie das EU ETS w\u00fcrde den Fluggesellschaften die n\u00f6tigen Mittel entziehen.&#13;<\/p>\n<h2>Licht und Schatten bei der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Luftfahrt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die Zivilluftfahrt als Instrument der Aussenwirtschaftspolitik weiter zu entwickeln, will der Bundesrat die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Luftfahrtsektors durch die Schaffung von g\u00fcnstigen Rahmenbedingungen st\u00e4rken. Im Rahmen der gesetzgeberischen Umsetzung des Luftfahrtberichtes 2004 haben der Bundesrat und der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen deutlich verbessert. Trotzdem k\u00e4mpft die Schweizer Zivilluftfahrt vielerorts mit vergleichsweise kurzen Spiessen. So ist der Flughafen Z\u00fcrich bei den Betriebszeiten der am st\u00e4rkste eingeschr\u00e4nkte Flughafen in Europa.&#13;<br \/>\nFlughafenverband ADV. Auch bez\u00fcglich des Pistensystems ist er gegen\u00fcber vergleichbaren Flugh\u00e4fen klar benachteiligt. Bei den zahlreichen Ausbauvorhaben europ\u00e4ischer Flugh\u00e4fen und dem Verkehrswachstum werden diese Nachteile immer gravierender. Aber auch der Flughafen Genf hat klare Defizite: An keinem Nicht-Hub-Flughafen in Europa finden so viele Flugbewegungen auf einer Piste statt wie in Genf. Die meisten der gr\u00f6sseren Flugh\u00e4fen Europas verf\u00fcgen \u00fcber mehr als eine Start- und Landebahn, manche sogar \u00fcber ein Parallelpistensystem. Kurzfristig und auf absehbare Zeit macht die starke \u00dcberbewertung des Frankens gegen\u00fcber dem Euro und dem US-Dollar der Luftfahrt als typische Exportbranche das Leben zus\u00e4tzlich schwer. Dieser Umstand wiegt im Wettbewerb gegen\u00fcber Konkurrenten besonders schwer. Die Carrier aus der Golfregion operieren wegen ihrer Staatsn\u00e4he und der von diesen Staaten verfolgten Industriepolitik mit Kostenvorteilen von bis zu 30%.&#13;<br \/>\nArthur D. Little, Booming Middle East Carriers.&#13;<\/p>\n<h2>Herausforderungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDamit sich die Schweizer Luftfahrt im weltweiten Konkurrenzkampf behaupten kann, m\u00fcssen folgende Herausforderungen erfolgreich gemeistert werden:\u2212 Nachfragegerechter Ausbau der Infrastruktur; \u2212 Verst\u00e4rkte Wahrnehmung des verfassungsm\u00e4ssigen Auftrages des Bundes bei den Landesflugh\u00e4fen zur Durchsetzung der Bundesinteressen;\u2212 Begrenzung der CO<i>2<\/i>-Emissionen, aber kein Einbezug der Schweizer Luftfahrt in ein EU ETS;\u2212 Sicherstellung des Nachwuchses von qualifiziertem Luftfahrtpersonal;\u2212 St\u00e4rkung der Luftfracht; \u2212 L\u00f6sung des Flugl\u00e4rmkonfliktes zwischen der Schweiz und Deutschland;\u2212 Begrenzung der Regulierungsdichte auf das Notwendige und ausn\u00fctzen der nationalen Handlungsspielr\u00e4ume zu Gunsten der Schweizer Luftfahrt.Wenn es gelingt, diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern, sind die Chancen zur Fortschreibung der Erfolgsgeschichte der Schweizer Luftfahrt intakt. \u00abEin Volk, das nicht fliegt, wird \u00fcberfl\u00fcgelt\u00bb, sagten die Bundesr\u00e4te Enrico Celio und Karl Kobelt sowie General Henri Guisan schon vor fast 70 Jahren. Diese Erkenntnis gilt heute mehr denn je!&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abEntwicklung des Tagesl\u00e4rms um den Flughafen Z\u00fcrich\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Die Nachfrage nach Luftverkehr wird weiter zunehmen&#13;<\/p>\n<h3>Die Nachfrage nach Luftverkehr wird weiter zunehmen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss Infrastrukturbericht 2010 des Bunderates wird sich die Nachfrage nach Luftverkehr auf den drei Landesflugh\u00e4fen Z\u00fcrich, Genf und Basel in den n\u00e4chsten 20 Jahren nahezu verdoppeln. Der Flughafen Z\u00fcrich st\u00f6sst zu Spitzenzeiten jedoch bereits heute an die Kapazit\u00e4tsgrenzen. Ohne massvollen Ausbau der Kapazit\u00e4ten werden das Nachfragewachstum und die Schaffung der damit verbundenen Arbeitspl\u00e4tze k\u00fcnftig an Konkurrenzstandorten \u2013 wie z.B. M\u00fcnchen \u2013 stattfinden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Luftfahrt leistet einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand der Schweiz. 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