{"id":119924,"date":"2012-04-01T12:00:00","date_gmt":"2012-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/04\/weder-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:44","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:44","slug":"weder-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/04\/weder-3\/","title":{"rendered":"\u00dcber die k\u00fcnftige Rolle der Schweizer Flugsicherung in Europa"},"content":{"rendered":"<p>Die Initiative der Europ\u00e4ischen Kommission f\u00fcr einen einheitlichen europ\u00e4ischen Luftraum will das Flugsicherungssystem in Europa in den n\u00e4chsten Jahren grundlegend ver\u00e4ndern. Skyguide hat bereits viel unternommen, um seine Position angesichts dieser Entwicklung zu verbessern. Das Unternehmen stellt sich den Herausforderungen und sieht die verst\u00e4rkte grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit als Chance. Um bei der Reorganisation des europ\u00e4ischen Luftraumes grosse Schritte zu erzielen, braucht es jedoch mehr F\u00fchrung seitens der Staaten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer europ\u00e4ische Luftraum ist heute stark fragmentiert. Er besteht aus zahlreichen kleinr\u00e4umigen Luftr\u00e4umen, die sich mehr an den nationalen Grenzen als an den tats\u00e4chlichen Bed\u00fcrfnissen der Luftraumbenutzer orientieren. Dadurch k\u00f6nnen die Flugzeuge nicht auf direktem Weg von A nach B fliegen, sondern sind gezwungen, Umwege zu machen. Dies f\u00fchrt zu zus\u00e4tzlichem Kerosinverbrauch, unn\u00f6tigen Kosten und einem h\u00f6heren CO<i>2<\/i>-Ausstoss. In Zukunft ist von einer weiteren Verkehrszunahme auszugehen, welche die Situation zus\u00e4tzlich versch\u00e4rfen wird. Zwar stagnierte das Verkehrswachstum in den letzten Jahren aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise. Prognosen gehen jedoch bis im Jahr 2018 von einem Zuwachs von \u00fcber 10% aus. Umso dringender ist es, die Effizienz und die Leistungsf\u00e4higkeit des Flugsicherungssystems in Europa zu verbessern.&#13;<\/p>\n<h2>F\u00fcr einen effizienteren europ\u00e4ischen Luftraum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Initiative der Europ\u00e4ischen Kommission f\u00fcr einen einheitlichen europ\u00e4ischen Luftraum (Single European Sky) sieht vor, die kleinr\u00e4umige Zerst\u00fcckelung des Luftraums durch die Einf\u00fchrung von gr\u00f6sseren, grenz\u00fcbergreifenden Luftraumbl\u00f6cken zu reduzieren. Die Schweiz und Skyguide sind zusammen mit Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden an der Schaffung eines von insgesamt neun geplanten Luftraumbl\u00f6cken in Europa beteiligt: dem <i>Functional Airspace Block Europe Central Fabec<\/i> (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags im Dezember 2010 wurde der Fabec rechtlich gebildet. Ende 2012 soll er von den einzelnen Staaten ratifiziert sein. Welche Form die Zusammenarbeit im Fabec zuk\u00fcnftig annehmen wird, ist noch offen. Denkbar sind verschiedene Stufen der Kooperation von einer vertraglich geregelten Zusammenarbeit \u00fcber gemeinsame Gesellschaften bis hin zu einer einzigen, integrierten Flugsicherungsfirma.Die Flugsicherungsunternehmen tun sich schwer mit dem voranschreitenden Kooperationsprozess. Dabei sind die gleichen Symptome auszumachen, wie sie auch f\u00fcr den europ\u00e4ischen Integrationsprozess typisch sind. Heute hat jede Flugsicherungsfirma ein Vetorecht; das verhindert die grossen Schritte. Obschon allen klar ist, dass kein Weg an einer verst\u00e4rkten Integration vorbeif\u00fchrt, gehen die Meinungen \u00fcber den zu beschreitenden Weg zur Zeit noch weit auseinander.Konkrete Resultate gibt es im kleineren Rahmen: Das Nachtroutennetz sowie einzelne, h\u00e4ufig benutzte Verkehrsverbindungen zwischen den Hauptflugh\u00e4fen wurden optimiert. Der Mehrwert f\u00fcr die Nutzer ist heute aber angesichts der Erwartungen an den Fabec noch viel zu klein. F\u00fcr gr\u00f6ssere Fortschritte bedarf es verst\u00e4rkter Kooperationen. Die Schweiz und Skyguide haben einige Impulse dazu gegeben. Um wirklich vorw\u00e4rts zu kommen, braucht es jedoch mehr F\u00fchrung seitens aller beteiligten Staaten.&#13;<\/p>\n<h2>Skyguide mit neuer strategischer Ausrichtung gut aufgestellt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Flugsicherung engagierte sich von Beginn an stark im Fabec-Projekt. F\u00fcr ein kleines Land wie die Schweiz mit einem beschr\u00e4nkten Luftraum ist es von Vorteil, den Verkehr in einem gr\u00f6sseren Verbund organisieren zu k\u00f6nnen. Wir sehen deshalb die laufenden Entwicklungen als Chance f\u00fcr unser Land und f\u00fcr Skyguide. Der Schweizer Luftraum ist aufgrund seiner geografischen Lage im europ\u00e4ischen Kontext sehr wichtig. Skyguide hat zudem Erfahrung in der grenz\u00fcberschreitenden Flugsicherung und in der Bewirtschaftung komplexer Luftr\u00e4ume. Vor allem ist jedoch die enge Zusammenarbeit mit der Luftwaffe beispielhaft f\u00fcr Europa. Um ihre Konkurrenzf\u00e4higkeit weiter zu erh\u00f6hen, hat Skyguide in den letzten Jahren ihre Strategie neu ausgerichtet. Insbesondere in den Kernbereichen Kapazit\u00e4t und Kosteneffizienz konnte sie sich markant verbessern: Im Jahr 2011 wickelte Skyguide rund 97% der Fl\u00fcge p\u00fcnktlich ab \u2013 ein Rekord. Das gute Resultat ist verschiedenen Massnahmen zur Erh\u00f6hung der Kapazit\u00e4t im Luftraum zu verdanken. Dazu z\u00e4hlen Anpassungen bei der Luftraumstruktur, intensivierte Rekrutierungsanstrengungen sowie eine effizientere Planung des Personaleinsatzes. Ohne das Sicherheitsniveau anzutasten, hat das Unternehmen zudem seine Kostenstruktur seit 2007 kontinuierlich verbessert, dies vor allem durch interne Effizienzsteigerungen. Positiv zu werten ist weiter, dass Skyguide seit 2011 dank des verbesserten rechtlichen Rahmens Bundesbeitr\u00e4ge f\u00fcr unzureichend entgoltene Leistungen auf Regionalflugpl\u00e4tzen und in den delegierten Luftr\u00e4umen erh\u00e4lt. Dies wird Skyguide erm\u00f6glichen, mittelfristig wieder ein ausgeglichenes Betriebsergebnis zu pr\u00e4sentieren. Um die von der Europ\u00e4ischen Kommission ab dem Jahr 2012 vorgegebenen \u2013 sehr ambiti\u00f6sen \u2013 Leistungsziele in den Bereichen Kapazit\u00e4t, Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit im Sinne von Umweltvertr\u00e4glichkeit zu erreichen, wartet aber noch ein grosses St\u00fcck Arbeit auf uns.&#13;<\/p>\n<h2>Initiative f\u00fcr ein gemeinsames Kontrollzentrum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSkyguide verfolgt in Europa eine aktive Kooperationsstrategie. Im Jahr 2009 machte sie sich f\u00fcr die Idee eines gemeinsamen Kontrollzentrums mit Deutschland und Frankreich in der Grenzregion Basel stark. Das gemeinsame Zentrum h\u00e4tte den gesamten Schweizer Luftraum und Teile des franz\u00f6sischen und deutschen Luftraumes \u00fcberwacht, so auch die delegierten Luftr\u00e4ume, die heute im Zust\u00e4ndigkeitsgebiet von Skyguide liegen. Damit sich das Vorhaben in finanzieller Hinsicht lohnt, h\u00e4tte nebst den beiden Schweizer Zentren jedoch mindestens ein weiteres Kontrollzentrum konsolidiert werden m\u00fcssen. Bei den anderen beteiligten Partnern fehlte leider die Bereitschaft dazu. Skyguide musste einsehen, dass die Zeit f\u00fcr ein solches Projekt nicht reif war.&#13;<\/p>\n<h2>Innovative Wege f\u00fcr eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund der neuen Ausgangslage mussten andere Kooperationsstrategien entwickelt werden. Die vielversprechendste Option ist die virtuelle Vernetzung der europ\u00e4ischen Zentren mit dem Ziel gr\u00f6sstm\u00f6glicher Interoperabilit\u00e4t. Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass die Arbeitspl\u00e4tze der Flugverkehrsleiter standardisiert sind und die dahinter liegende Dateninfrastruktur zentral nach dem Vorbild einer \u00abInformationscloud\u00bb aufgebaut ist. Die Vernetzung der beiden Zentren Genf und D\u00fcbendorf soll daf\u00fcr als Beispiel dienen: Heute \u00fcberwacht jedes Kontrollzentrum je eine H\u00e4lfte des Schweizer Luftraumes. Zuk\u00fcnftig soll es m\u00f6glich sein, den gesamten Schweizer Luftraum entweder von Genf oder von D\u00fcbendorf aus zu kontrollieren. Dadurch gewinnt Skyguide an Flexibilit\u00e4t; zudem wird durch die Schaffung redundanter Zentren die Sicherheit weiter verst\u00e4rkt. Die laufenden Arbeiten in Richtung <i>Virtual Center<\/i> haben in Europa Pioniercharakter und werden im Ausland Schule machen. L\u00e4ngerfristig streben wir im Rahmen einer Industriepartnerschaft eine weitere Verbreitung des Modells in Europa an.&#13;<\/p>\n<h2>Gemeinsam f\u00fcr eine starke Flugsicherung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSkyguide hat bereits viel unternommen, um seine Position im sich ver\u00e4ndernden europ\u00e4ischen Umfeld zu verbessern. Eine besondere Herausforderung stellt zur Zeit die anhaltende Euro-Baisse dar. \u00dcber 90% des Betriebsaufwands erfolgt in Schweizer Franken; zwei Drittel der Einnahmen generiert Skyguide aber in Euro. Der Einheitstarif im \u00dcberflugbereich steigt in Euro umgerechnet deutlich an, ohne dass Skyguide reell in Schweizer Franken Mehreinnahmen generiert. Optionen zur L\u00f6sung des Europroblems pr\u00fcfen wir im Rahmen des diesj\u00e4hrigen Strategieprozesses. Die M\u00f6glichkeiten zur Kostensenkung sind jedoch bald ausgesch\u00f6pft \u2013 es sei denn, wir verlagern gr\u00f6ssere Teile des Gesch\u00e4ftes in den EU-Raum. Da stellt sich die Frage der politischen W\u00fcnschbarkeit. Wir wollen dank anerkannter Leistung die qualifizierten Arbeitspl\u00e4tze und das grosse Know-how in einem hoch spezialisierten Gebiet, welches f\u00fcr die Schweiz von strategischer Bedeutung ist, erhalten. Um uns im Fabec entsprechend zu positionieren, braucht es weiterhin die starke Zusammenarbeit mit der Politik, den Beh\u00f6rden, der Luftwaffe sowie den Kunden und Partnern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abLuftraum des Functional Airspace Block Europe Central\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Functional Airspace Block Europe Central&#13;<\/p>\n<h3>Functional Airspace Block Europe Central<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSechs Staaten&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBelgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Niederlande, Schweiz.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSieben Flugsicherungsanbieter&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAdministration de la Navigation A\u00e9rienne ANA, Belgocontrol, Deutsche Flugsicherung DFS, Direction des Services de la Navigation A\u00e9rienne DSNA, Luchtverkeersleiding Nederland LVNL, Maastricht Upper Area Control Centre MUAC, Skyguide.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Luftraum im Herzen Europas&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 1,7 Mio. km\u00b2;\u2013 5,3 Mio. Fl\u00fcge pro Jahr;\u2013 55% des europ\u00e4ischen Luftverkehrs;\u2013 Prognostiziertes Verkehrswachstum von 2012 bis 2018: 12% (Eurocontrol Februar 2012).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Initiative der Europ\u00e4ischen Kommission f\u00fcr einen einheitlichen europ\u00e4ischen Luftraum will das Flugsicherungssystem in Europa in den n\u00e4chsten Jahren grundlegend ver\u00e4ndern. Skyguide hat bereits viel unternommen, um seine Position angesichts dieser Entwicklung zu verbessern. Das Unternehmen stellt sich den Herausforderungen und sieht die verst\u00e4rkte grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit als Chance. 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