{"id":119959,"date":"2012-03-01T12:00:00","date_gmt":"2012-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/03\/grass-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:35","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:35","slug":"grass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/03\/grass\/","title":{"rendered":"Gegenw\u00e4rtige und zuk\u00fcnftige Haushaltslage von Schweizer Kantonen"},"content":{"rendered":"<p>Die finanzielle Situation von Staaten gibt vor dem Hintergrund der aktuellen Schuldenproblematik immer wieder Anlass zur Diskussion. Themen wie Verschuldungsquoten oder strukturelle Defizite betreffen jedoch nicht nur Staaten. In der f\u00f6deralistisch organisierten Schweiz ist dies auch f\u00fcr die Kantone ein wichtiges Thema. Eine Auswertung der Finanzstatistik der Kantone von BAK Basel kommt zum Schluss, dass sich die Budgetdisziplin der Kantone mit wenigen Ausnahmen seit den 1990er-Jahren merklich verbessert hat. Dies schl\u00e4gt sich entsprechend positiv in den Schuldenquoten nieder. Ein Ergebnis davon ist, dass die Fiskalpolitik heute auch in der mittleren Frist bei der Mehrheit der Kantone auf stabilen F\u00fcssen steht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den vergangenen Jahren ist die finanzielle Situation der Staaten zunehmend in den Fokus einer breiten \u00d6ffentlichkeit ger\u00fcckt. Neben der H\u00f6he der Staatsschulden und deren Entwicklung \u00fcber die Zeit stehen die Budgetdefizite im Zentrum des Interesses. Die Schweiz geniesst diesbez\u00fcglich international den Ruf eines Mustersch\u00fclers. Auf Basis einer Auswertung kantonaler Finanzstatistiken hat BAK Basel die Situation der Schweizer Kantone und ihrer Gemeinden n\u00e4her unter die Lupe genommen. Gibt es Kantone mit chronischen \u2013 d.h. strukturellen \u2013 Budgetdefiziten? Und wie ist es um die langfristige Tragbarkeit der kantonalen Finanzhaushalte bestellt? Verschiedene Analysen von BAK Basel geben hierzu Antworten (vgl. <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Analysen von BAK Basel zum Thema<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Die vorgestellten Arbeiten sind Teil eines umfassenden Instrumentariums zur Analyse und Beratung in vielen finanzpolitischen Fragestellungen. Auf Basis von Datenbanken, Prognose- und Simulationsmodellen sowie der langj\u00e4hriger Erfahrung in der volkswirtschaftlichen Analyse und Beratung bietet BAK Basel dem \u00f6ffentlichen Sektor Unterst\u00fctzung bei der Erarbeitung von Budgets und der Finanzplanung, dem Monitoring und der Evaluation der Finanzpolitik, der Steuerbelastung und der Steuerpolitik, der fiskalischen Nachhaltigkeit sowie im Ratingprozess an.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).&#13;<\/p>\n<h2>Das Konzept der Nachhaltigkeit in der Finanzpolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Mittelpunkt einer nachhaltigen Finanzpolitik steht das Ziel, k\u00fcnftigen Generationen keine zus\u00e4tzlichen Lasten aufzuerlegen. \u00dcblicherweise wird daraus abgeleitet, dass die \u00f6ffentliche Verschuldung relativ zur Wirtschaftsleistung nicht ansteigen soll. Eine strengere Definition verlangt eine R\u00fcckf\u00fchrung der relativen Verschuldung. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist die Schweiz: F\u00fcr den Bund gilt die Vorgabe, dass der Staatshaushalt \u00fcber den Konjunkturzyklus betrachtet ausgeglichen sein soll. Damit wird verhindert, dass es zu strukturellen Ungleichgewichten im Staatshaushalt kommt. Gelingt dies, bleibt die absolute Verschuldung konstant, und die relatve Verschuldung wird bei wachsender Wirtschaft zur\u00fcckgef\u00fchrt.Die Einnahmen und Ausgaben werden durch den Konjunkturablauf unterschiedlich beeinflusst. Einnahmen (Steuern) sind eher prozyklisch, Ausgaben (Arbeitsmarkt, Soziales) eher antizyklisch oder konjunkturunabh\u00e4ngig. Die Vorgabe eines j\u00e4hrlichen Saldoausgleichs k\u00f6nnte deshalb dazu f\u00fchren, dass die Ausgaben in wirtschaftlich guten Zeiten mit den Einnahmen angehoben werden, in schlechten Zeiten aber gek\u00fcrzt werden m\u00fcssen. Damit w\u00fcrde der Staat \u00fcber eine prozyklische Ausgabenpolitik die konjunkturellen Schwankungen noch verst\u00e4rken. Mit der Vorgabe eines nicht in jeder Periode, sondern \u00fcber den gesamten Konjunkturzyklus hinweg ausgeglichenen Staatshaushalts wird diesem Umstand in der Schuldenbremse des Bundes sinnvoll Rechnung getragen. Auch die meisten Kantone verf\u00fcgen \u00fcber eine Schuldenbremse, die allerdings sehr unterschiedlich ausgestaltet sind. Eine Ber\u00fccksichtigung der Konjunktur bei der Steuerung der \u00f6ffentlichen Haushalte erfolgt nur in der Minderheit der Kantone, und wenn, dann h\u00e4ufig nur \u00fcber qualitative Formulierungen wie dem Erfordernis einer \u00abkonjunkturgerechten\u00bb F\u00fchrung des Finanzhaushalts.&#13;<\/p>\n<h2>Strukturelle Defizite der Kantone<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nObgleich die Berechnung konjunkturbereinigter, struktureller Defizite in den wenigsten Kantonen institutionell verankert ist, stellt es dennoch ein wichtiges analytisches Konzept im Rahmen der Beurteilung kantonaler Finanzpolitik dar und bildet den ersten Analysebaustein der vorliegenden Arbeit. Um Aussagen \u00fcber das strukturelle Defizit der Kantone machen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Einnahmen und Ausgaben des Kantons konjunkturbereinigt werden. Hierbei wird auf dasselbe Konzept abgest\u00fctzt, wie es der Bund bei der Umsetzung der Schuldenbremse verwendet. Er ist so konstruiert, dass man in konjunkturellen Boomphasen einen K-Faktor von unter 1 und in rezessiven Phasen einen Wert von \u00fcber 1 erh\u00e4lt (vgl. <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Methodische Anmerkung zum K-Faktor und HP-Filter<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Aus Konsistenzgr\u00fcnden lehnt sich BAK Basel bei der Berechnung der kantonsspezifischen K-Faktoren an das Verfahren in der Schuldenbremse des Bundes an. Der K-Faktor berechnet sich als Quotient zwischen dem konjunkturbereinigten Trend- und dem tats\u00e4chlichen realen Bruttoinlandsprodukt. Die Konjunkturbereinigung erfolgt unter Einsatz eines modifizierten Hodrick-Prescott-Filters verwendet (vgl. Bruchez 2003). Mit der Modifikation kann die dem herk\u00f6mmlichen HP-Filter inh\u00e4rente Problematik der \u00abEnd-Punkt-Verzerrung\u00bb entsch\u00e4rft werden. Obwohl die Daten zur Finanzstatistik nur bis 2009 zur Verf\u00fcgung stehen, werden bei der Sch\u00e4tzung des Trend-BIP zus\u00e4tzlich prognostizierte Daten bis zum Jahr 2015 verwendet. Dies hat den Vorteil, dass m\u00f6glichst viele Informationen zur konjunkturellen Entwicklung der Kantone genutzt werden k\u00f6nnen. Gerade f\u00fcr 2010 und 2011 ist die wirtschaftliche Entwicklung in den Kantonen bereits gut absch\u00e4tzbar. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich nicht mit jedem zus\u00e4tzlichen neuen Datenpunkt (in der Finanzstatistik) die gesamte gesch\u00e4tzte Zeitreihe zum Trend-BIP ver\u00e4ndert, mit entsprechenden R\u00fcckwirkungen auf die (historischen Werte) der K-Faktoren und der strukturellen Defizite.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Bei der Schuldenbremse des Bundes orientiert sich der Ausgabenplafond an den um konjunkturelle Einfl\u00fcsse bereinigten Einnahmen, welche sich als Produkt von K-Faktor und erwarteten tats\u00e4chlichen Einnahmen ergeben. In Phasen der Hochkonjunktur liegt deshalb der Ausgabenplafond unter den Einnahmen, und der Bund erwirtschaftet einen \u00dcberschuss. Umgekehrt l\u00e4sst die Formel in Rezessionen ein Defizit zu. \u00dcber einen ganzen Konjunkturzyklus hinweg soll die Rechnung ausgeglichen sein.Bei der vorliegenden Analyse der Kantone wurde das Konzept des Bundes adaptiert, mit der Erg\u00e4nzung, dass nicht nur die Einnahmen, sondern auch einzelne stark konjunktursensitive Positionen auf der Ausgabenseite mit dem K-Faktor bereinigt werden (z.B. Arbeitslosenversicherung, Leistungen an Arbeitslose, Beihilfe, wirtschaftliche Hilfe).&#13;<br \/>\nVgl. hierzu auch Luck (2011). Als Datenbasis diente die von der Eidgen\u00f6ssischen Finanzverwaltung (EFV) publizierte Finanzierungsrechnung und Finanzstatistik der Kantone und ihrer Gemeinden. Daten sind verf\u00fcgbar f\u00fcr die Periode 1990 bis 2009. Es handelt sich um harmonisierte Daten, d.h. es kann in einzelnen Konten Abweichungen von den tats\u00e4chlichen kantonalen Werten geben. Anhand der konjunkturbereinigten (= strukturellen) Einnahmen und Ausgaben kann sodann das strukturelle Defizit berechnet werden. In <i>Grafik 1<\/i> und <i>Grafik 2<\/i> sind die Ergebnisse f\u00fcr die beiden Perioden 1990-2000 und 2001\u20132009 in Prozent des kantonalen BIP dargestellt. Sie zeigen, dass zwischen den Kantonen deutliche Unterschiede bestehen. Allerdings konnten die meisten Kantone ihren strukturellen Fehlbetrag in der zweiten Periode mindern oder sogar strukturelle \u00dcbersch\u00fcsse generieren. Dies spricht im Trend f\u00fcr eine im Zeitverlauf gesteigerte Haushaltsdisziplin der Kantone und ihrer Gemeinden.&#13;<\/p>\n<h2>Kantonale Schuldenquoten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEinen zweiten Analysebaustein bildet der Schuldenstand der Kantone (inklusive Gemeinden).&#13;<br \/>\nDie Datenbasis f\u00fcr Brutto- und Nettoschulden bildet die Bilanz aus der Finanzstatistik einzelner Kantone und ihrer Gemeinden publiziert von der EFV. Daten sind verf\u00fcgbar f\u00fcr 2008 und 2009. Er stellt zum einen ein Abbild vergangener Finanzpolitik dar. Zum anderen bildet er (gemeinsam mit der Einsch\u00e4tzung der k\u00fcnftigen Entwicklung der Finanzen) den Ausgangspunkt f\u00fcr die Beurteilung der mittel- bis langfristigen Tragf\u00e4higkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen. Hierbei wird zwischen Brutto- und Nettoschulden unterschieden. Die Bruttoschulden setzen sich zusammen aus den laufenden Verbindlichkeiten sowie den kurz- und langfristigen Finanzverbindlichkeiten. Wird mit den Bruttoschulden das Finanzverm\u00f6gen verrechnet, gelangt man zu den Nettoschulden.&#13;<br \/>\nBer\u00fccksichtigt wurden die Positionen \u00abFl\u00fcssige Mittel und kurzfristige Geldanlagen\u00bb, \u00abForderungen\u00bb, \u00abKurzfristige Finanzanlagen\u00bb, \u00abFinanzanlagen\u00bb sowie \u00abSachanlagen FV\u00bb. Zur besseren Vergleichbarkeit werden die Schulden ins Verh\u00e4ltnis zur Wirtschaftsleistung gesetzt. <i>Grafik 3<\/i> zeigt die Schuldenquoten der Kantone f\u00fcr das Jahr 2009.Wie erwartet spiegeln die Schuldenquoten zum Grossteil die Entwicklung der strukturellen Defizite der letzten 20 Jahre wider. Die Kantone (inklusive Gemeinden), welche \u00fcber diese Periode ein strukturelles Defizit aufwiesen (GE, NE), weisen die h\u00f6chsten Schuldenquoten auf, w\u00e4hrend die beiden Kantone mit den niedrigsten Schuldenquoten (Zug und Appenzell-Innerrhoden) sowohl in den 1990er-Jahren als auch in den 2000er-Jahren strukturelle \u00dcbersch\u00fcsse erwirtschaften konnten. Anhand der Differenz zwischen Brutto- und Nettoquote wird auch ersichtlich, dass sich die Verm\u00f6genspositionen der Kantone deutlich unterscheiden. Insbesondere in Freiburg, Graub\u00fcnden und Obwalden k\u00f6nnen die Bruttoschulden erheblich mit entsprechenden Verm\u00f6gen entlastet werden. Der Kanton Zug weist im Jahr 2009 als Einziger ein positives Nettoverm\u00f6gen (negativer Schuldenstand) auf. Betrachtet man die Finanzierungsrechnung der Kantone ohne Gemeinden, ist die H\u00e4lfte aller Kantone in einer Nettoverm\u00f6gensposition.&#13;<\/p>\n<h2>Beurteilung der Nachhaltigkeit der Finanzpolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer dritte Analysebaustein besteht darin, in der Kombination der Analyse der vergangenen Entwicklung der strukturellen Defizite, der Bestandsaufnahme zum aktuellen Schuldenstand sowie einer Projektion der k\u00fcnftigen Entwicklung der strukturellen Einnahmen und Ausgaben zu einer Beurteilung der langfristigen Tragf\u00e4higkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen zu gelangen. Hierzu hat BAK Basel im Rahmen des BAK Taxation Index gemeinsam mit dem ZEW Mannheim ein Modell entwickelt (vgl. <i>Kasten 3<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Nachhaltigkeit der Finanzpolitik: Methodologie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>F\u00fcr die Beurteilung der Nachhaltigkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen verwendet BAK Basel eine erweiterte Variante des OECD-Konzepts der \u00abFiscal Sustainability\u00bb (Vgl. OECD 2010). Das OECD-Konzept basiert auf der intertemporalen Budgetrestriktion des Staates. Die resultierenden Tragf\u00e4higkeitsindikatoren zeigen an, inwiefern die Summe aus dem Barwert des Endbestands der Schuldenstandsquote dem festgelegten Zielwert f\u00fcr die Staatsverschuldung entspricht. In die Berechnungen fliessen eine Reihe von Indikatoren ein, die den Zustand der \u00f6ffentlichen Finanzen in der Gegenwart (zum Beispiel Schuldenstand) und die unter den gegebenen Umst\u00e4nden zu erwartende Entwicklung (Ertrags- und Ausgabenprojektionen) in der Zukunft abbilden. Als Indikator f\u00fcr die Tragf\u00e4higkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen wird die sogenannte Einnahmenl\u00fccke berechnet (in Prozent des BIP). Ein positiver Wert zeigt, dass die Ertr\u00e4ge zu gering sind, um eine Schuldenquote in H\u00f6he von 60% des BIP im Endjahr zu erreichen \u2013 das heisst, die Schuldenquote w\u00fcrde bei Fortf\u00fchrung der gegenw\u00e4rtigen Finanzpolitik 60% \u00fcbersteigen. Eine negative Einnahmenl\u00fccke gibt hingegen an, um wie viel Prozent des BIP die Ertr\u00e4ge gesenkt werden k\u00f6nnten, ohne die Zielquote von 60% zu \u00fcbersteigen.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Gegenw\u00e4rtig deckt die Analyse 12 Schweizer Kantone und 19 europ\u00e4ische L\u00e4nder ab. Neben der Ber\u00fccksichtigung von Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung wird auch der sich abzeichnende demografische Wandel und seine Folgen f\u00fcr die staatlichen Ausgaben miteinbezogen. Die Nachhaltigkeitsbetrachtung h\u00e4lt somit Antworten auf die Frage bereit, wie sich die Folgen des demografischen Wandels auf die finanzielle Situation die einzelnen Standorte auswirken werden. Anhand der Modellberechnungen wird analysiert, inwiefern die \u00f6ffentlichen Finanzen ausgehend von der Situation 2008 in der kurzfristigen (bis 2013), mittelfristigen (bis 2023) und langfristigen Betrachtung (bis 2060) auf einer nachhaltigen Basis stehen. <i>Grafik 4<\/i> zeigt die Ergebnisse der mittelfristigen Analyse f\u00fcr die untersuchten Schweizer Kantone.&#13;<br \/>\nDie hier pr\u00e4sentierten Ergebnisse beruhen auf kantonalen Finanzstatistiken bis einschliesslich 2008. Zum Zeitpunkt der letzten Modellaktualisierung standen aktuellere Detailinformationen zu den \u00f6ffentlichen Haushalten noch nicht vollst\u00e4ndig zur Verf\u00fcgung. Somit sind die Effekte der Finanz- und Wirtschaftskrise noch nicht oder nur zu einem kleinen Teil in den Ergebnissen enthalten. Die Analysen werden im Rahmen des BAK Taxation Index zuk\u00fcnftig regelm\u00e4ssig aktualisiert; die n\u00e4chste Publikation ist im Herbst 2012 geplant. Unter Beibehaltung der aktuellen Finanzpolitik und mit einem als Zielgr\u00f6sse gesetzten Schuldenstand von maximal 60% des BIP weisen die Kantone mehrheitlich einen Einnahme\u00fcberschuss aus oder liegen zumindest sehr knapp an der Grenze dazu. Dies bedeutet, dass die meisten Kantone bei unver\u00e4nderter Politik ihre Einnahmen sogar noch senken k\u00f6nnten, ohne dass am Ende des Beobachtungszeitraums der Schuldenstand die Marke von 60% des BIP \u00fcberschreitet. Diesen Kantonen kann in der mittelfristigen Perspektive eine nachhaltige \u00f6ffentliche Finanzpolitik bescheinigt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGesunde und nachhaltige Finanzen sind nicht nur ein Selbstzweck. Vielmehr bilden sie einen zunehmend wichtigen Faktor f\u00fcr die Attraktivit\u00e4t eines Standortes. Unternehmen orientieren sich bei ihren Standortentscheidungen \u2013 neben zahlreichen anderen Faktoren wie etwa der Steuerbelastung \u2013 mittlerweile auch an der mittel- bis langfristigen Tragbarkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen. Ist die Finanzpolitik nicht nachhaltig, so ist fr\u00fcher oder sp\u00e4ter eine Konsolidierung unvermeidlich. Damit droht zuk\u00fcnftig nicht nur die die Gefahr der K\u00fcrzung staatlicher Leistungen, sondern auch von Steuererh\u00f6hungen.Der Schweiz und den Schweizer Kantonen kann ein gestiegenes Bewusstsein f\u00fcr den Standortfaktor \u00abgesunde \u00f6ffentliche Finanzen\u00bb attestiert werden. Sie haben im internationalen Vergleich bereits eine hervorragende Wettbewerbsposition erreicht. In Kombination mit der vern\u00fcnftigen Steuerbelastung leistet die Finanzpolitik damit einen wesentlich Beitrag zur Standortattraktivit\u00e4t der Schweiz.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abStrukturelle Defizite, 1990\u20132000\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abStrukturelle Defizite, 2001\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abSchuldenquote der Kantone (einschliesslich Gemeinden), 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 4: \u00abKurzfristige Einnahmel\u00fccken, 2008\u20132023\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Analysen von BAK Basel zum Thema&#13;<\/p>\n<h3>Analysen von BAK Basel zum Thema<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vorgestellten Arbeiten sind Teil eines umfassenden Instrumentariums zur Analyse und Beratung in vielen finanzpolitischen Fragestellungen. Auf Basis von Datenbanken, Prognose- und Simulationsmodellen sowie der langj\u00e4hriger Erfahrung in der volkswirtschaftlichen Analyse und Beratung bietet BAK Basel dem \u00f6ffentlichen Sektor Unterst\u00fctzung bei der Erarbeitung von Budgets und der Finanzplanung, dem Monitoring und der Evaluation der Finanzpolitik, der Steuerbelastung und der Steuerpolitik, der fiskalischen Nachhaltigkeit sowie im Ratingprozess an.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Methodische Anmerkung zum K-Faktor und HP-Filter&#13;<\/p>\n<h3>Methodische Anmerkung zum K-Faktor und HP-Filter<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAus Konsistenzgr\u00fcnden lehnt sich BAK Basel bei der Berechnung der kantonsspezifischen K-Faktoren an das Verfahren in der Schuldenbremse des Bundes an. Der K-Faktor berechnet sich als Quotient zwischen dem konjunkturbereinigten Trend- und dem tats\u00e4chlichen realen Bruttoinlandsprodukt. Die Konjunkturbereinigung erfolgt unter Einsatz eines modifizierten Hodrick-Prescott-Filters verwendet (vgl. Bruchez 2003). Mit der Modifikation kann die dem herk\u00f6mmlichen HP-Filter inh\u00e4rente Problematik der \u00abEnd-Punkt-Verzerrung\u00bb entsch\u00e4rft werden. Obwohl die Daten zur Finanzstatistik nur bis 2009 zur Verf\u00fcgung stehen, werden bei der Sch\u00e4tzung des Trend-BIP zus\u00e4tzlich prognostizierte Daten bis zum Jahr 2015 verwendet. Dies hat den Vorteil, dass m\u00f6glichst viele Informationen zur konjunkturellen Entwicklung der Kantone genutzt werden k\u00f6nnen. Gerade f\u00fcr 2010 und 2011 ist die wirtschaftliche Entwicklung in den Kantonen bereits gut absch\u00e4tzbar. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich nicht mit jedem zus\u00e4tzlichen neuen Datenpunkt (in der Finanzstatistik) die gesamte gesch\u00e4tzte Zeitreihe zum Trend-BIP ver\u00e4ndert, mit entsprechenden R\u00fcckwirkungen auf die (historischen Werte) der K-Faktoren und der strukturellen Defizite.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Nachhaltigkeit der Finanzpolitik: Methodologie&#13;<\/p>\n<h3>Nachhaltigkeit der Finanzpolitik: Methodologie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Beurteilung der Nachhaltigkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen verwendet BAK Basel eine erweiterte Variante des OECD-Konzepts der \u00abFiscal Sustainability\u00bb (Vgl. OECD 2010). Das OECD-Konzept basiert auf der intertemporalen Budgetrestriktion des Staates. Die resultierenden Tragf\u00e4higkeitsindikatoren zeigen an, inwiefern die Summe aus dem Barwert des Endbestands der Schuldenstandsquote dem festgelegten Zielwert f\u00fcr die Staatsverschuldung entspricht. In die Berechnungen fliessen eine Reihe von Indikatoren ein, die den Zustand der \u00f6ffentlichen Finanzen in der Gegenwart (zum Beispiel Schuldenstand) und die unter den gegebenen Umst\u00e4nden zu erwartende Entwicklung (Ertrags- und Ausgabenprojektionen) in der Zukunft abbilden. Als Indikator f\u00fcr die Tragf\u00e4higkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen wird die sogenannte Einnahmenl\u00fccke berechnet (in Prozent des BIP). Ein positiver Wert zeigt, dass die Ertr\u00e4ge zu gering sind, um eine Schuldenquote in H\u00f6he von 60% des BIP im Endjahr zu erreichen \u2013 das heisst, die Schuldenquote w\u00fcrde bei Fortf\u00fchrung der gegenw\u00e4rtigen Finanzpolitik 60% \u00fcbersteigen. Eine negative Einnahmenl\u00fccke gibt hingegen an, um wie viel Prozent des BIP die Ertr\u00e4ge gesenkt werden k\u00f6nnten, ohne die Zielquote von 60% zu \u00fcbersteigen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 4: Literaturhinweise&#13;<\/p>\n<h3>Literaturhinweise<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 BAKBASEL (2011), BAK Taxation Index 2011, Nachhaltigkeit der Finanzpolitik.\u2212 Bruchez P.-A. (2003), A Modification of the HP Filter Aiming at Reducing the End-Point Bias, Working Paper, Eidgen\u00f6ssische Finanzverwaltung, Bern.\u2212 Luck Simon (2011), Strukturelle und konjunkturelle Defizite der Kantone, Gemeinden und \u00f6ffentlichen Sozialversicherungen 1990-2009, Eidgen\u00f6ssische Finanzverwaltung Sektion Finanzstatistik, Bern.\u2212 OECD (2010): OECD Economic Outlook Volume 2010\/2 Nr. 88, Kap. 4, Paris.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die finanzielle Situation von Staaten gibt vor dem Hintergrund der aktuellen Schuldenproblematik immer wieder Anlass zur Diskussion. Themen wie Verschuldungsquoten oder strukturelle Defizite betreffen jedoch nicht nur Staaten. In der f\u00f6deralistisch organisierten Schweiz ist dies auch f\u00fcr die Kantone ein wichtiges Thema. Eine Auswertung der Finanzstatistik der Kantone von BAK Basel kommt zum Schluss, dass [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2824,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[228,154],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":2824,"seco_co_author":[3718,3117,3116,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Mitglied der Gesch\u00e4ftsleitung, Leiter Branchen- und Wirkungsanalysen, BAK Economics, Basel","seco_author_post_occupation_fr":"Membre de la direction et chef des domaines Analyses sectorielles et Analyse de l\u2019impact \u00e9conomique, BAK Economics, B\u00e2le","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":3718,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Wissenschaftlicher Mitarbeiter, BAKBASEL","seco_co_author_post_occupation_fr":"collaborateur scientifique, BAKBASEL"},{"seco_co_author":3117,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Chef\u00f6konom, BAK Economics, Basel","seco_co_author_post_occupation_fr":"\u00c9conomiste en chef, BAK Economics, B\u00e2le"},{"seco_co_author":3116,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Direktor und Chef\u00f6konom, BAK Basel Economics","seco_co_author_post_occupation_fr":"Directeur et \u00e9conomiste en chef, BAK Basel Economics"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":119962,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"7789","post_abstract":"","magazine_issue":"20120301","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54ddf2f621e79"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119959"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2824"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=119959"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119959\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127454,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119959\/revisions\/127454"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3116"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3117"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3718"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2824"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119959"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=119959"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=119959"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=119959"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=119959"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=119959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}