{"id":119989,"date":"2012-03-01T12:00:00","date_gmt":"2012-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/03\/schaltegger-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:40","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:40","slug":"schaltegger-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/03\/schaltegger-5\/","title":{"rendered":"Haushaltsperspektiven im internationalen Vergleich"},"content":{"rendered":"<p>Die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise angewachsenen Haushaltsdefizite der Industriel\u00e4nder sind persistent und werden nur langsam abgebaut. Die Verschuldung steigt damit weiter an. Durch ihre expansive Geldpolitik d\u00e4mpfen die Zentralbanken die Auswirkungen der Krise auf die Finanzinstitute und die Konjunktur zwar ab und erleichtern damit auch die Haushaltskonsolidierung. Voraussetzung f\u00fcr den \u00dcbergang zu einer nachhaltigen Finanzpolitik sind jedoch umfassende Strukturreformen, welche die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der hoch verschuldeten L\u00e4nder st\u00e4rken. Zwischen den Industriestaaten sind grosse Unterschiede bez\u00fcglich Handlungsbedarf und politischem Willen auszumachen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201203_08_Schaltegger_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"243\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nObschon viele Staaten nach dem wirtschaftlichen Einbruch der Jahre 2008\/09 mittlerweile ihren finanzpolitischen Handlungsbedarf erkannt haben, bleiben die Herausforderungen gross und zahlreich. Die Haushaltsperspektiven f\u00fcr die einzelnen Staaten unterscheiden sich teilweise deutlich voneinander. Ihnen gemeinsam ist dabei die hohe Unsicherheit, mit der sie verbunden sind. Die wirtschaftlichen und finanziellen Interdependenzen f\u00fchren insbesondere in Europa dazu, dass die Entwicklungen einzelner L\u00e4nder stark von jenen anderer Staaten abh\u00e4ngen. Zu den zentralen Einflussfaktoren d\u00fcrften \u2013 neben der Konjunktur \u2013 vor allem das Verhalten der Notenbanken, der politische Wille f\u00fcr Reformen und die Zukunft der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion geh\u00f6ren.&#13;<\/p>\n<h2>Anhaltend hohe Defizite und Schulden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Defizite der meisten Industriestaaten in den Jahren 2008\/09 markant angewachsen (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Zwischen 2007 und 2009 nahm das Defizit der Industriel\u00e4nder von 1,1% auf 8,7% des BIP zu. In der Eurozone nahm der Fehlbetrag in Griechenland, Irland, Portugal und Spanien sogar zweistellige Werte an. Die Verschuldung liegt im Durchschnitt der Industriestaaten derzeit h\u00f6her als w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges, der Grossen Depression oder den beiden \u00d6lkrisen der 1970er-Jahre.&#13;<br \/>\nVgl. Reinhart und Rogoff (2011). Die grossen Fehlbetr\u00e4ge waren angesichts des starken wirtschaftlichen Einbruchs und der St\u00fctzungsmassnahmen der Regierungen zwar absehbar. Aus Sicht der langfristigen Tragf\u00e4higkeit der Finanzpolitik viel problematischer ist aber, dass diese gem\u00e4ss Prognosen nur sehr langsam wieder abgebaut werden. Die strukturellen Ungleichgewichte im Haushalt zeigen sich auch dadurch, dass die Defizite selbst in den Jahren der Hochkonjunktur bis 2007 nie vollst\u00e4ndig eliminiert werden konnten. Frankreich weist seit 1974 jedes Jahr ein Defizit aus; in den USA wurden in den letzten 50 Jahren in 45 F\u00e4llen rote Zahlen verzeichnet. Die anhaltenden Defizite \u2013 unabh\u00e4ngig von der Wirtschaftslage und der politischen Ausrichtung der jeweiligen Regierung \u2013 deuten darauf hin, dass es sich hier um ein grunds\u00e4tzliches Problem der politischen \u00d6konomie handelt. Demgegen\u00fcber konnten Staaten wie Australien, Norwegen, Schweden, S\u00fcdkorea oder die Schweiz dank einer vorsichtigen Finanzpolitik und teilweise institutionell verankerten Regeln die damit verbundenen Probleme verhindern. In einigen F\u00e4llen vermochten sie trotz der globalen Krise die Schuldenquote sogar zu reduzieren. Auffallend bei den Prognosen f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre ist auch, dass die europ\u00e4ischen L\u00e4nder deutlich besser dastehen als die USA und Japan. F\u00fcr die Eurozone wird ab 2013 wieder mit Prim\u00e4r\u00fcbersch\u00fcssen gerechnet. Das Haushaltsdefizit wird gem\u00e4ss Prognosen bis 2016 wieder auf 1,3% abnehmen. W\u00e4hrend Europa den Weg der Haushaltskonsolidierung und der Strukturreformen beschritten hat, ist die Politik in den beiden grossen Volkswirtschaften blockiert. Angesichts der deutlich h\u00f6heren Verschuldung in Japan (233% des BIP) und in den USA (100%) im Vergleich zur EU (82%) mag dies erstaunen. Andererseits ist die Tragf\u00e4higkeit der Schulden in diesen beiden L\u00e4ndern deutlich h\u00f6her. Dank einer grossen, wettbewerbsf\u00e4higen Volkswirtschaft, eigener W\u00e4hrung, grossz\u00fcgiger Unterst\u00fctzung der Zentralbanken und einem vergleichsweise tiefen Anteil an ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubigern liegen die USA und Japan gegen\u00fcber den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern im Vorteil. Es ist aber nicht auszuschliessen, dass Defizite, die nach 2016 bei \u00fcber 6% des BIP liegen, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu Reaktionen an den Finanzm\u00e4rkten oder bei den Rating Agenturen f\u00fchren werden.W\u00e4hrend f\u00fcr Griechenland, Grossbritannien, Irland und Portugal erwartet wird, dass die Schuldenquote im Jahr 2013 ihren H\u00f6hepunkt erreicht, ist in Japan, Spanien und den USA bis 2016 kein Ende des Anstiegs in Sicht. Die Entwicklung in den Industriel\u00e4ndern, wo die Schulden trotz weniger Ausnahmen einiger L\u00e4nder im Durchschnitt weiter steigen werden, steht im starken Kontrast zur Situation in den rasch wachsenden Schwellenl\u00e4ndern. Dort ist die Verschuldung aufgrund der Erfahrungen aus fr\u00fcheren Krisen in den 1980er- und 1990er-Jahren in den letzten Jahren stetig zur\u00fcck gegangen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat nur vor\u00fcbergehend zu einer Verschuldungszunahme gef\u00fchrt. F\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre wird in fast allen Staaten eine weitere Abnahme auf durchschnittlich 30% erwartet (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Mit der Ausnahme von Indien, das auch in den kommenden Jahren Defizite von 7% bis 8% ausweisen d\u00fcrfte, verzeichnen die \u00fcbrigen aufstrebenden Volkswirtschaften \u2013 wie Brasilien, China, Indonesien, Mexiko, Russland, S\u00fcdafrika und die T\u00fcrkei \u2013 nur geringe Defizite oder sogar \u00dcbersch\u00fcsse. Aufgrund des hohen Wirtschaftswachstums in Indien d\u00fcrfte die Schuldenquote \u2013 trotz grosser Fehlbetr\u00e4ge bis 2016 \u2013 bei rund 60% stabil bleiben.&#13;<\/p>\n<h2>D\u00fcstere Wachstumsaussichten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDass die Haushaltsdefizite \u2013 ungeachtet der umfassenden Konsolidierungsmassnahmen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite \u2013 nur langsam abgetragen werden, liegt auch am schwachen Wirtschaftswachstum, das in den n\u00e4chsten Jahren zu erwarten ist. So rechnet die OECD f\u00fcr Spanien ab 2012, f\u00fcr Griechenland, Italien und Portugal erst ab 2013 wieder mit einem leichten Wirtschaftswachstum.&#13;<br \/>\nVgl. OECD (2011b). Daneben f\u00fchren der hohe Schuldenstand und die steigenden Zinsen zu einer wachsenden Belastung innerhalb des Staatshaushalts und vergr\u00f6ssern dadurch das Defizit wieder. Weil s\u00e4mtliche Wachstumstreiber der j\u00fcngsten Vergangenheit ausfallen d\u00fcrften, ist auch mittelfristig keine Besserung in Sicht. Neben der Staatsverschuldung hat auch die Verschuldung der Unternehmen und der Haushalte in den letzten 30 Jahren stark zugenommen. Gem\u00e4ss einer Erhebung von 18 Industriel\u00e4ndern ist die Staatsverschuldung seit 1980 im Durchschnitt von 44% auf 93% des BIP angestiegen. Bei den Unternehmen stieg der Anteil der Schulden von 85% auf 128% und bei den Haushalten von 37% auf 93% des BIP.&#13;<br \/>\nVgl. Cecchetti et al. (2011). Gleichzeitig haben die Banken mit schwindenden Margen und versch\u00e4rften Regulierungen zu k\u00e4mpfen. Ein starkes kreditfinanziertes Wachstum d\u00fcrfte es daher auf absehbare Zeit kaum mehr geben. Vielmehr d\u00fcrfte der Schuldenabbau das Wachstum d\u00e4mpfen. Vor diesem Hintergrund sind auch keine hohen Wachstumsraten bei den Investitionen zu erwarten. Impulse \u00fcber den Aussenhandel sind f\u00fcr die EU eher unwahrscheinlich, da rund zwei Drittel der Exporte innerhalb der EU abgesetzt werden. Die stark verschuldeten L\u00e4nder Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien haben wegen den stark gestiegenen Lohnst\u00fcckkosten und der fehlenden M\u00f6glichkeit einer Abwertung besonders M\u00fche, im Aussenhandel kompetitiv zu bleiben.&#13;<\/p>\n<h2>Rolle der Zentralbanken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Bew\u00e4ltigung der gegenw\u00e4rtigen Krise kommt den Zentralbanken eine wichtige und wachsende Bedeutung zu. Mit deutlichen Zinsreduktionen und unlimitierter Liquidit\u00e4t f\u00fcr die Finanzinstitute haben die grossen Nationalbanken bereits in den Jahren 2007\/08 entschlossen und koordiniert gehandelt. Zusammen mit den umfangreichen Stimulierungsprogrammen der Regierungen waren sie aus heutiger Sicht massgeblich daf\u00fcr verantwortlich, dass eine \u00e4hnliche Entwicklung wie w\u00e4hrend der Grossen Depression verhindert und ab Mitte 2009 eine konjunkturelle Wende eingeleitet werden konnte. Mit den zunehmenden Verschuldungsproblemen einiger L\u00e4nder ist aber innert weniger Monate der Spielraum f\u00fcr stabilisierende Massnahmen verschwunden, und die Krise hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Dadurch ist der Druck auf die Notenbanken weiter gestiegen, noch umfangreichere Massnahmen zu ergreifen und im Ernstfall die Finanzierung des Staates \u00fcber die Notenpresse zu erm\u00f6glichen.&#13;<br \/>\nVgl. Jordan (2011); Reinhart und Sbrancia (2011).Durch die expansive Geldpolitik nimmt nicht nur die Wahrscheinlichkeit zu, dass es zu h\u00f6heren Inflationsraten und Blasenbildungen kommt. Die Notenbanken geraten auch immer mehr ins Fadenkreuz der Kritik von Medien, Politikern und Wissenschaftlern. Die hohen Erwartungen und die Tendenz, den Notenbanken neben der Bewahrung der Preisstabilit\u00e4t zahlreiche weitere Mandate zu erteilen, k\u00f6nnten dazu f\u00fchren, dass ihre Unabh\u00e4ngigkeit immer mehr erodiert und die eigentliche Kernaufgabe zunehmend vernachl\u00e4ssigt wird. Umstritten sind dabei insbesondere die wiederholten K\u00e4ufe von Staatsanleihen, welche den Eindruck erwecken k\u00f6nnten, die Notenbanken w\u00fcrden indirekt die Haushaltsdefizite der Regierungen finanzieren. Das Federal Reserve und die Bank of Japan hielten bereits vor Ausbruch der Krise Staatsanleihen in ihrer Bilanz (siehe <i>Grafik 3<\/i>). Mit der Krise wurden diese K\u00e4ufe weiter ausgeweitet. Die Bank of England startete ihr Programm erst im M\u00e4rz 2009, besitzt mittlerweile aber britische Staatsanleihen im Umfang von rund 17% des BIP. Die Europ\u00e4ische Zentralbank, welche ein deutlich restriktiveres gesetzliches Mandat hat, kauft seit Mai 2010 Staatsanleihen hochverschuldeter Eurol\u00e4nder. Bis Ende 2011 wurden 212 Mrd. Euro an Staatsanleihen gekauft, was etwas mehr als 2% des BIP der Eurozone entspricht. In der Schweiz beliefen sich allein die Devisenbest\u00e4nde der Schweizerischen Nationalbank (SNB), welche zu mehr als der H\u00e4lfte aus Euro-Anlagen bestehen, zwischenzeitlich auf mehr als 50% des BIP.&#13;<\/p>\n<h2>Reformunf\u00e4hige Demokratien?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie von der Schuldenkrise besonders betroffenen L\u00e4nder tun sich bis jetzt schwer mit einem fundamentalen Richtungswechsel der bisherigen Politik. Das betrifft nicht nur die \u00f6ffentlichen Finanzen, sondern auch andere zentrale Aufgabengebiete wie das Bildungswesen, die Regulierung des Arbeitsmarktes oder die Sozialversicherungen. So weisen L\u00e4nder mit einem dualen Bildungssystem \u2013 wie Deutschland, \u00d6sterreich, die Niederlande und die Schweiz \u2013 deutlich tiefere Arbeitslosenquoten auf als die umliegenden L\u00e4nder. Das gilt insbesondere f\u00fcr die Jugendarbeitslosigkeit. Die meisten Industriestaaten haben bisher zu wenig unternommen, um vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung die langfristige Finanzierung der Sozialversicherungen und des Gesundheitswesens sicherzustellen. So zeigen neuere Berechnungen f\u00fcr Griechenland eine implizite Staatsverschuldung von 872% des BIP; f\u00fcr Luxemburg und Irland liegt sie sogar \u00fcber 1000%.&#13;<br \/>\nVgl. Raffelh\u00fcschen und Moog (2011). W\u00e4hrend das gesetzliche Rentenalter im Durchschnitt der OECD-L\u00e4nder in den letzten 50 Jahren sogar leicht gesunken ist, hat die Lebenserwartung der M\u00e4nner und Frauen im Rentenalter um 5,1 bzw. um 6,3 Jahre zugenommen.&#13;<br \/>\nVgl. OECD (2011). Gleichzeitig sind die Fertilit\u00e4tsraten stetig gesunken, so dass immer weniger Beitragszahler f\u00fcr immer mehr Rentnerinnen und Rentner aufkommen m\u00fcssen. In einzelnen Staaten \u2013 wie Griechenland, Island, Luxemburg oder den Niederlanden \u2013 liegen die Renten nahe bei oder sogar \u00fcber 100% des Medianlohnes eines Erwerbst\u00e4tigen.&#13;<br \/>\nVgl. OECD (2011). Zusammen mit den stetig wachsenden Gesundheitskosten ergeben sich bis 2030 Mehrbelastungen in der Gr\u00f6ssenordnung von 3% bis 4% des BIP.&#13;<br \/>\nVgl. IMF (2010). Die unzureichenden Bestrebungen, auf ver\u00e4nderte Rahmenbedingungen zu reagieren, k\u00f6nnten den Eindruck erwecken, dass Demokratien kaum zu Reformen f\u00e4hig sind. In der Vergangenheit hat sich jedoch immer wieder gezeigt, dass Industriel\u00e4nder in Krisenzeiten besonders reformfreudig sein k\u00f6nnen \u2013 so zum Beispiel Neuseeland in den 1980er-Jahren sowie Finnland und Schweden in den 1990er-Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bzw. im Zuge der nationalen Banken- und Immobilienkrise.&#13;<br \/>\nVgl. Rodrik (1996).&#13;<\/p>\n<h2>Zukunft der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Haushaltsperspektiven der europ\u00e4ischen L\u00e4nder h\u00e4ngen wesentlich von der unsicheren Zukunft der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion ab. Die zahlreichen Krisengipfel, die Rettungspakete f\u00fcr Griechenland, Irland und Portugal sowie das Bestreben, strenge Fiskalregeln umzusetzen, haben bisher zu keiner anhaltenden Beruhigung an den Finanzm\u00e4rkten gef\u00fchrt. Viel mehr driften die langfristigen Zinsen in der Eurozone weiter auseinander. Die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls innerhalb der n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahre, welche sich aus den Pr\u00e4mien f\u00fcr Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) berechnen l\u00e4sst, lag in Griechenland (94%), Portugal (61%) und Irland (46%) Ende 2011 deutlich h\u00f6her als in den Monaten zuvor.&#13;<br \/>\nVgl. CMA (2012). W\u00e4hrend immer mehr europ\u00e4ische Staaten in den Fokus der Finanzm\u00e4rkte geraten, verbreitet sich die Ansicht, dass die Eurozone kein optimaler W\u00e4hrungsraum darstellt und die von den Politikern bisher gemachten Vorschl\u00e4ge und Reformen die strukturellen M\u00e4ngel nicht beheben, sondern bestenfalls deren Symptome mildern k\u00f6nnen. Solange sich die EU nicht zwischen einer umfassenden Fiskal- und Transferunion einerseits und einem Austritt einzelner Mitgliedstaaten inklusive umfassender Umschuldung andererseits entscheiden kann, droht die Krise noch lange weiter zu schwelen.&#13;<\/p>\n<h2>Schlussfolgerungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie R\u00fcckkehr zu nachhaltigen \u00f6ffentlichen Finanzen wird in den Industriel\u00e4ndern noch Jahre brauchen. Die hohe Verschuldung bleibt damit auf absehbare Zeit ein Damoklesschwert f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung und den Zusammenhalt in der Eurozone. Immer st\u00e4rker werden sich in den kommenden Jahren auch die zus\u00e4tzlichen finanziellen Belastungen, welche sich aus den demografischen Ver\u00e4nderungen ergeben, bemerkbar machen. Grundlegende Reformen bleiben deshalb \u2013 neben der Haushaltskonsolidierung \u2013 notwendig. Auch die USA und Japan werden sich diesem Handlungsbedarf nicht mehr lange verschliessen k\u00f6nnen. Die Dauer der aktuellen Schuldenkrise h\u00e4ngt somit wesentlich davon ab, inwiefern es der Politik gelingt, unbequeme Entscheide zu f\u00e4llen und durchzusetzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abHaushaltsdefizite im internationalen Vergleich, 2001\u20132016\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abEntwicklung der Staatsverschuldung im internationalen Vergleich (2001\u20132016)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abZentralbanken kaufen Staatsanleihen (2007\u20132011)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Cecchetti, S.G., Mohanty, M. und Zampolli, F. (2011). The Real Effects of Debt. BIS Working Papers No. 352. \u2212 CMA (2012). CMA Global Sovereign Credit Risk Report \u2013 4th quarter 2011. London\/New York: CMA. \u2212 IMF (2010). Fiscal Monitor: Navigating the Fiscal Challenges Ahead. Washington: IMF. \u2212 IMF (2011). Fiscal Monitor: Addressing Fiscal Challenges to Reduce Economic Risks. Washington: IMF. \u2212 Jordan, T. (2011). Auswirkungen der Staatsverschuldung auf die Unabh\u00e4ngigkeit der Geldpolitik. Referat am 8. November 2011 am 21. Internationalen Europa Forum Luzern, Wege aus der Schuldenkrise \u2013 Herausforderungen und Perspektiven f\u00fcr Europa und die Schweiz. \u2212 OECD (2011a). Pensions at a Glance 2011: Retirement-Income Systems in OECD and G20 Countries, OECD Publishing.\u2212 OECD (2011b). Economic Outlook No. 90. Paris: OECD. \u2212 Raffelh\u00fcschen, B., und Moog, S. (2011). Ehrbare Staaten? Nachhaltigkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen im internationalen Vergleich im Lichte der (griechischen) Staatsschuldenkrise. Berlin: Stiftung Marktwirtschaft. \u2212 Reinhart, C.M. und Rogoff, K.S. (2011). A Decade of Debt. NBER Working Paper No. 16827. \u2212 Reinhart, C.M. und Sbrancia, M.B. (2011). The Liquidation of Government Debt. NBER Working Paper No. 16893.\u2013 Rodrik, D. (1996). Understanding Economic Policy Reform, Journal of Economic Literature, 34(1), 9-41.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise angewachsenen Haushaltsdefizite der Industriel\u00e4nder sind persistent und werden nur langsam abgebaut. Die Verschuldung steigt damit weiter an. Durch ihre expansive Geldpolitik d\u00e4mpfen die Zentralbanken die Auswirkungen der Krise auf die Finanzinstitute und die Konjunktur zwar ab und erleichtern damit auch die Haushaltskonsolidierung. 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