{"id":120024,"date":"2012-03-01T09:49:47","date_gmt":"2012-03-01T09:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/03\/alterung-und-langfristige-herausforderungen-fuer-die-sozialversicherungen\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:00","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:00","slug":"alterung-und-langfristige-herausforderungen-fuer-die-sozialversicherungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/03\/alterung-und-langfristige-herausforderungen-fuer-die-sozialversicherungen\/","title":{"rendered":"Alterung und langfristige Herausforderungen f\u00fcr die Sozialversicherungen"},"content":{"rendered":"<div><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"titleSection\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"body\">&#13;<\/p>\n<div class=\"LD\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Die Verl\u00e4ngerung der Lebenszeit ist aus individueller Sicht erfreulich. Auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist sie unter zwei Voraussetzungen grunds\u00e4tzlich unproblematisch:<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2212 Erstens muss im Durchschnitt gelten, dass die Konsumbed\u00fcrfnisse jedes Individuums \u00fcber das ganze Leben durch die gesamte Lebensproduktivit\u00e4t und ein entsprechendes Einkommen in der Erwerbsphase gedeckt werden. F\u00fcr jede Person bedeutet dies, dass sie f\u00fcr ihren Ruhestand entsprechend vorsorgen muss.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2212 Zweitens muss zu jedem Zeitpunkt sichergestellt sein, dass die nachgefragten G\u00fcter und Dienstleistungen auch angeboten werden.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Zur Erf\u00fcllung der ersten Voraussetzung gibt es grunds\u00e4tzlich zwei M\u00f6glichkeiten, welche im schweizerischen Sozialversicherungssystem mit seinen drei S\u00e4ulen der staatlichen, beruflichen und privaten Vorsorge auch abgebildet sind. Die erste M\u00f6glichkeit ist die kapitalgedeckte Vorsorge (zweite und dritte S\u00e4ule), bei welcher die Altersrenten durch ein Sparkapital gedeckt werden. Dieses ergibt sich aus regelm\u00e4ssigen Einlagen w\u00e4hrend der Erwerbsphase plus Zinsen. In einem versicherungstechnisch gerechten System bezahlt sich also gewissermassen jeder seine eigene Rente.1 Die zweite M\u00f6glichkeit ist das Umlageverfahren (erste S\u00e4ule), bei welchem kein Alterskapital aufgebaut wird, sondern die einbezahlten Beitr\u00e4ge sogleich wieder f\u00fcr Renten ausbezahlt werden. Die jeweils Erwerbst\u00e4tigen bezahlen also die Renten derjenigen im Ruhestand. Die Konsumm\u00f6glichkeiten der Rentner sind damit direkt abh\u00e4ngig von der Wirtschaftsleistung der berufst\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In einem Kapitaldeckungssystem sorgt scheinbar jede Generation f\u00fcr sich selber: Im Ruhestand besteht keine Abh\u00e4ngigkeit von nachfolgenden Generationen, da ein eigenes Alterskapital f\u00fcr Konsum zur Verf\u00fcgung steht. Aus einer individuellen Sicht mag dies zutreffen. Analog zu einem Eichh\u00f6rnchen m\u00fcssen zur Erwerbszeit nur genug N\u00fcsse vergraben und im Alter wieder gefunden werden. Gesamtwirtschaftlich funktioniert dieses Eichh\u00f6rnchenprinzip aber nur sehr eingeschr\u00e4nkt, weil die zweite Voraussetzung nicht zwingend erf\u00fcllt ist: Jede Generation ist darauf angewiesen, dass die nachgefragten Leistungen gleichzeitig und vor Ort bereitgestellt werden. Der Grund daf\u00fcr ist, dass viele G\u00fcter \u2013 insbesondere Dienstleistungen \u2013 weder halt- noch importierbar sind.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Modellierung des Arbeitsmarktes<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Aufgrund dieser \u00dcberlegungen besteht bei einer alternden Gesellschaft \u2013 zus\u00e4tzlich zur nachhaltigen Finanzierung der Sozialwerke \u2013 die Herausforderung, die Gesamtproduktion der Wirtschaft zu erhalten. Der Schl\u00fcssel dazu liegt im Verst\u00e4ndnis von Anreizwirkungen im Arbeitsmarkt. Der vorliegende Beitrag fasst ausgew\u00e4hlte Ergebnisse einer k\u00fcrzlich publizierten Studie zu den wesentlichen Arbeitsmarktwirkungen der Alterung und allf\u00e4lliger Reformen der Sozialwerke zusammen.2 Die Studie beschreibt die schweizerische Volkswirtschaft mit \u00fcberlappenden Generationen anhand eines dynamischen allgemeinen Gleichgewichtsmodells.3 Das Modell erlaubt eine realistische Abbildung der Bev\u00f6lkerungsstruktur und ber\u00fccksichtigt die wichtigsten individuellen Entscheide, die f\u00fcr den Arbeitsmarkt relevant sind. Die effektive Besch\u00e4ftigung ist dabei das Resultat von Entscheiden in f\u00fcnf Dimensionen, welche von der Steuer- und Sozialpolitik unterschiedlich beeinflusst werden:<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">1. Geleistete Arbeitsstunden bzw. Besch\u00e4ftigungsumfang oder Anstrengung am Arbeitsplatz: Hohe Lohnsteuern und ein allf\u00e4lliger Steueranteil in den Sozialversicherungsbeitr\u00e4gen, aber auch die Verringerung des Reallohns durch Konsumsteuern mindern die Leistungsbereitschaft und damit das intensive Arbeitsangebot der Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">2. Erwerbsbeteiligung: Die diskrete Arbeitsangebotsentscheidung h\u00e4ngt von der Einkommensdifferenz zwischen Besch\u00e4ftigung und Nichterwerbst\u00e4tigkeit ab. Hohe Lohnsteuern und Sozialbeitr\u00e4ge, sofern sie Steuercharakter haben, mindern das erwartete verf\u00fcgbare Arbeitseinkommen und schw\u00e4chen den Anreiz zur Erwerbsbeteiligung. Die gleiche Wirkung hat ein hohes Ersatzeinkommen, das nicht an die Erwerbst\u00e4tigkeit gekoppelt ist (beispielsweise Sozialhilfe).<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">3. Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosenrate wird mitbestimmt durch die Intensit\u00e4t der Stellensuche. Der Anreiz zur Stellensuche h\u00e4ngt vom erzielbaren Einkommenszuwachs beim Wechsel in eine Besch\u00e4ftigung ab, aber auch von Massnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Eine hohe Lohnsteuerbelastung reduziert das verf\u00fcgbare Einkommen und damit die Attraktivit\u00e4t einer neuen Stelle. Eine grossz\u00fcgige Arbeitslosenunterst\u00fctzung mindert den Einkommensabstand ebenfalls.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">4. Ruhestand: Der Anreiz f\u00fcr eine l\u00e4ngere Erwerbsbeteiligung durch Aufschub der Pensionierung h\u00e4ngt unter anderem vom Einkommensabstand zwischen Besch\u00e4ftigung und Ruhestand ab. Eine hohe Steuerbelastung einerseits und eine hohe Rente als Ersatzeinkommen andererseits setzen einen Anreiz zur Fr\u00fchpensionierung. Eine Rentenk\u00fcrzung bei fr\u00fchzeitiger Pensionierung kann die negativen Anreize des Vorsorgesystems dazu weitgehend beseitigen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">5. Weiterbildung: Der Ertrag von Investitionen in Aus- und Weiterbildung steigt, wenn die daraus resultierenden Produktivit\u00e4tsverbesserungen \u00fcber ein l\u00e4ngeres Erwerbsleben genutzt werden k\u00f6nnen. Ein Rentensystem, welches die sp\u00e4tere Pensionierung belohnt, f\u00f6rdert daher Aus- und Weiterbildung und tr\u00e4gt zu einer h\u00f6heren Arbeitsproduktivit\u00e4t bei.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Neben den Arbeitsmarktentscheidungen bildet das Modell die drei S\u00e4ulen des schweizerischen Vorsorgesystems ab: Die umlagefinanzierte und obligatorische erste S\u00e4ule (AHV), die kapitalgedeckte und obligatorische zweite S\u00e4ule (Pensionskasse) sowie die dritte S\u00e4ule, welche kapitalgedeckt und freiwillig ist. In der umlagefinanzierten S\u00e4ule sind die Beitr\u00e4ge proportional zum Arbeitseinkommen und von der Einkommensteuer abzugsf\u00e4hig. Der effektive durchschnittliche Beitragssatz von Arbeitgebern und -nehmern betr\u00e4gt heute ca. 8,3%. Hingegen nehmen die AHV-Renten nur f\u00fcr mittlere Einkommen ann\u00e4hernd linear mit dem w\u00e4hrend des gesamten Arbeitslebens erzielten durchschnittlichen Jahreseinkommen zu. Bei tiefen und hohen Einkommen sind die Renten unabh\u00e4ngig vom tats\u00e4chlich realisierten Einkommen. Ein Teil der Beitr\u00e4ge zur AHV wirkt damit als Steuer und beeinflusst die oben beschriebenen individuellen Entscheide. Der implizite Steuersatz betr\u00e4gt dabei im Durchschnitt 1,6%.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Zus\u00e4tzlich zu diesem Effekt, der nur in der ersten S\u00e4ule auftritt, beinhalten die ersten beiden S\u00e4ulen eine Steuer auf l\u00e4ngere Erwerbst\u00e4tigkeit. Diese implizite Steuer resultiert aus einer versicherungstechnisch ungerechten Anpassung der Renten an eine fr\u00fchere oder sp\u00e4tere Pensionierung. Sie setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Steuern und Beitr\u00e4ge auf das Arbeitseinkommen, die f\u00fcr eine weitere Periode entrichtet werden, plus entgangene Renten, die bei sofortiger Pensionierung h\u00e4tten konsumiert werden k\u00f6nnen, abz\u00fcglich des Barwerts der Rentenzuschl\u00e4ge, die pro Jahr an sp\u00e4terer Pensionierung gew\u00e4hrt werden. Ausgedr\u00fcckt als Anteil am letzten Bruttolohneinkommen ergibt diese Summe einen Ruhestandssteuersatz. Er betr\u00e4gt heute 51,0% und macht die Wahl einer sp\u00e4teren Pensionierung unattraktiv.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Alterungs- und Reformszenarien<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Aktuelle Bev\u00f6lkerungsszenarien prognostizieren bis 2060 eine Verdoppelung des Altersquotienten gegen\u00fcber heute: Aktuell stehen jeder Person im Rentenalter vier Erwerbst\u00e4tige gegen\u00fcber; 2060 werden es noch zwei sein (vgl. Kasten 1). Diese Ver\u00e4nderung in der Altersstruktur der Bev\u00f6lkerung stellt den Sozialstaat vor grosse Herausforderungen. Die Tabelle 1 zeigt die Ergebnisse verschiedener Politikszenarien als m\u00f6gliche Reaktion darauf.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Im Basisszenario werden die Konsequenzen einer passiven Politik simuliert, welche darin besteht, die Einkommensteuern und Beitragss\u00e4tze f\u00fcr die Vorsorge in den ersten beiden S\u00e4ulen laufend so zu ver\u00e4ndern, dass der Staatshaushalt ausgeglichen ist. Die Ergebnisse dieses Szenarios sind wenig ermutigend. Hohe Steuern und Beitr\u00e4ge in die erste S\u00e4ule zur Finanzierung der steigenden Rentenausgaben reduzieren das Arbeitsangebot stark; die Arbeitslosigkeit nimmt von 3,6% auf 5,5% zu. Die Anreize zur Pensionierung sind zwiesp\u00e4ltig: Einerseits reduziert die h\u00f6here Lebenserwartung die Renten in den kapitalgedeckten S\u00e4ulen; andererseits reduzieren die h\u00f6heren Steuern das Einkommen. Der zweite Effekt \u00fcberwiegt, so dass eine fr\u00fchere Pensionierung attraktiver wird. Die gesamte Arbeitsleistung geht dabei um 11,8% zur\u00fcck. Weil in einer kleinen, offenen Volkswirtschaft mit fixen Zinsen die Alterung keinen Einfluss auf die langfristige Kapitalintensit\u00e4t hat, sinkt das BIP im selben Umfang. Bei einer Zunahme der Gesamtbev\u00f6lkerung um 10% f\u00e4llt das BIP pro Kopf um nahezu 20%. Aufgrund des gr\u00f6sseren Anteils der Rentner an der Bev\u00f6lkerung und des r\u00fcckl\u00e4ufigen BIP steigt der Anteil der Renten an der wirtschaftlichen Gesamtleistung gegen\u00fcber heute stark an.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Die direkteste Massnahme zur Bew\u00e4ltigung der volkswirtschaftlichen Auswirkungen im Basisszenario ist eine Verl\u00e4ngerung der Erwerbsphase durch eine sp\u00e4tere Pensionierung. Die Simulation des zweiten Szenarios geht von einer Erh\u00f6hung des Rentenalters auf 68 Jahre aus \u2013 ohne Kompensation mit h\u00f6heren Renten. Damit steigt die Erwerbsquote unter den 60- bis 70-J\u00e4hrigen auf etwa 80%; die Abnahme der Erwerbsbev\u00f6lkerung im Basisszenario um 7,0% wendet sich in eine Zunahme um 1,7%. Auch die Steuererh\u00f6hung kann gegen\u00fcber dem Basisszenario von 7,1% auf 1,9% gesenkt werden. Dies st\u00e4rkt die Arbeits- und Ausbildungsanreize s\u00e4mtlicher Altersgruppen. Damit wird auch die Senkung des Bruttolohnniveaus im Basisszenario weitgehend korrigiert. Insgesamt ist eine Erh\u00f6hung des Rentenalters in der Lage, die negativen Effekte der Alterung auf den Arbeitsmarkt stark einzud\u00e4mmen und das Arbeitsangebot in all seinen Dimensionen zu st\u00e4rken. Das BIP pro Kopf nimmt immer noch um rund 10% ab; die Auswirkung der Alterung ist damit aber gegen\u00fcber dem Basisszenario halbiert. Weil die Bezugsdauer der Renten abnimmt, reduzieren sich auch die Ersparnisse und damit die Verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Bereits erw\u00e4hnt wurde der Steuercharakter der Beitr\u00e4ge in die erste S\u00e4ule aufgrund der Rentenober- und -untergrenzen. Aktuell sind insgesamt rund 40% der ausbezahlten AHV-Renten nicht einkommensabh\u00e4ngig. Um die negativen Anreize der Steuerwirkung der entsprechenden Beitr\u00e4ge in die erste S\u00e4ule zu reduzieren, kann das Rentendach im Umlagesystem erh\u00f6ht werden. In einem dritten Szenario wird deshalb \u2013 zus\u00e4tzlich zur Erh\u00f6hung des Rentenalters wie im zweiten Szenario \u2013 angenommen, dass 90% der Renten in der ersten S\u00e4ule direkt an das Einkommen gekn\u00fcpft werden. Gleichzeitig wird unterstellt, dass das durchschnittliche Rentenniveau unver\u00e4ndert bleibt. Die \u00f6konomische Auswirkung dieses Szenarios gegen\u00fcber der reinen Erh\u00f6hung des Rentenalters ist eine Reduktion des Steueranteils von Beitr\u00e4gen in die erste S\u00e4ule. Der implizite Steuersatz im Umlagesystem wird so von 2,5% auf 0,7% gesenkt. Der Satz der effektiven Ruhestandssteuer sinkt von 51,4% auf 40,0%. Damit werden die Anreize f\u00fcr das Arbeitsangebot in allen Dimensionen weiter gest\u00e4rkt, und das BIP pro Kopf wird gegen\u00fcber dem zweiten Szenario um rund einen Prozentpunkt erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Fazit<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Die Errungenschaften der Technik erlauben vielen ein l\u00e4ngeres Leben in guter Gesundheit. Die h\u00f6here Lebenserwartung f\u00fchrt in den kommenden Jahrzehnten zu einer ver\u00e4nderten Altersstruktur der Bev\u00f6lkerung. Die Vorsorgeeinrichtungen \u2013 insbesondere die umlagefinanzierte erste S\u00e4ule \u2013 werden dadurch finanziell stark gefordert. Bei einem Verzicht auf eine Weiterentwicklung der Sozialversicherungen besteht die Gefahr, dass die steuerliche Belastung der Erwerbst\u00e4tigen \u00fcberm\u00e4ssig zunimmt, was die Erwerbsanreize verschlechtert. Die L\u00f6sung der demografischen Herausforderungen l\u00e4ge aber gerade darin, die Arbeitsmarktanreize so zu setzen, dass die Erwerbsbev\u00f6lkerung gest\u00e4rkt wird. Der voraussichtlich wichtigste Hebel dazu ist eine Erh\u00f6hung des ordentlichen Rentenalters mit Anreizen, l\u00e4nger zu arbeiten. In der Folge einer verl\u00e4ngerten Erwerbsdauer werden auch Investitionen in Aus- und Weiterbildung attraktiver, so dass das Bildungsniveau und damit die Produktivit\u00e4t steigen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Dass eine durchschnittliche Verl\u00e4ngerung der Erwerbsphase bei einer Erh\u00f6hung der Lebenserwartung Not tut, liegt auf der Hand. Wie bereits erw\u00e4hnt, stehen heute jeder Person im Rentenalter vier Erwerbst\u00e4tige gegen\u00fcber. Sollen die Erwerbst\u00e4tigen k\u00fcnftig bei konstanter Produktivit\u00e4t und Gesamtbev\u00f6lkerung nicht st\u00e4rker belastet werden als heute, so sind von jedem gewonnenen Lebensjahr neuneinhalb Monate f\u00fcr eine Verl\u00e4ngerung der Erwerbst\u00e4tigkeit zu verwenden; zweieinhalb Monate dieses Jahres k\u00f6nnen in zus\u00e4tzlichem Ruhestand verbracht werden. So ist sichergestellt, dass die individuellen Konsumbed\u00fcrfnisse durch eine entsprechende Lebensproduktivit\u00e4t gedeckt sind.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"AU\">Dr. Christian Jaag <\/span>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Managing Partner bei Swiss Economics, Lehrbeauftragter f\u00fcr Volkswirtschaftslehre an der Universit\u00e4t St.Gallen<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<div class=\"KA\">&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Bev\u00f6lkerungsszenario<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">2009 gab es 27,5 Personen \u00fcber 65 Jahre pro 100 Erwerbspersonen zwischen 20 und 64 Jahren (Altersquotient). In seinen Szenarien zur Bev\u00f6lkerungsentwicklung der Schweiz 2010\u20132060 rechnet das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) damit, dass die prognostizierte Zunahme der Gesamtbev\u00f6lkerung nicht ausreicht, um die Alterung der Bev\u00f6lkerung zu kompensieren und den Quotienten konstant zu halten. In einem mittleren Szenario wird sich der Altersquotient bis 2060 auf 53,1 erh\u00f6hen und damit fast verdoppeln. Die Ver\u00e4nderung in der demografischen Struktur ist wesentlich bestimmt durch die Entwicklung der Fruchtbarkeit, der Sterblichkeit sowie der Ein- und Auswanderung im Zeitverlauf. Diese werden im Bev\u00f6lkerungsszenario des BFS detailliert prognostiziert. Die Ver\u00e4nderung im Verh\u00e4ltnis der \u00fcber 64-J\u00e4hrigen zu den Erwerbspersonen zwischen 20 und 64 Jahren ist dabei prim\u00e4r auf die steigende Anzahl der \u00fcber 64-J\u00e4hrigen zur\u00fcckzuf\u00fchren, welche ihrerseits aus einer erh\u00f6hten Lebenserwartung resultiert.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Literatur<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2212 Jaag, Christian (2009), Education, Demographics, and the Economy , Journal of Pension Economics and Finance 8(2), S. 189\u2013223.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2212 Jaag, Christian, Christian Keuschnigg und Mirela Keuschnigg (2010), Pension Reform, Retirement, and Life-Cycle Unemployment, International Tax and Public Finance 17(5), S. 556\u2013585.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2212 Keuschnigg, Christian, Mirela Keuschnigg und Christian Jaag (2011), Aging and the Financing of Social Security in Switzerland, Swiss Journal of Economics and Statistics 147(2), S. 181\u2013231.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"NT\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">1 In der zweiten S\u00e4ule ist dies heute nur ann\u00e4hernd der Fall, weil die Umwandlungss\u00e4tze zur Berechnung der Renten aus dem Alterskapital die Lebenserwartung nicht vollst\u00e4ndig reflektieren.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">2 Vgl. Keuschnigg, Keuschnigg und Jaag (2011).<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">3 Vgl. auch Jaag, Keuschnigg und Keuschnigg (2010) sowie Jaag (2009).<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"LG\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In einer alternden Gesellschaft besteht \u2013 zus\u00e4tzlich zur nachhaltigen Finanzierung der Sozialwerke \u2013 die Herausforderung, die Gesamtproduktion der Wirtschaft zu erhalten. Der Schl\u00fcssel dazu liegt im Verst\u00e4ndnis von Anreizwirkungen im Arbeitsmarkt.Foto: Keystone<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; &#13; &#13; &#13; Die Verl\u00e4ngerung der Lebenszeit ist aus individueller Sicht erfreulich. 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