{"id":120044,"date":"2012-01-01T12:00:00","date_gmt":"2012-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/01\/carobbio-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:23","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:23","slug":"carobbio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/01\/carobbio\/","title":{"rendered":"Koh\u00e4rente Alkoholpolitik \u2013 zum Wohl von Individuum und Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Jugendliche Rauschtrinker \u2013 Botellones \u2013 Vandalismus \u2013 Littering. Das sind nur einige Begriffe zum Thema Alkohol, die von den Medien h\u00e4ufig aufgegriffen werden. Da scheint die L\u00f6sung des Bundesrates unter dem Stichwort \u00abFokus auf den Jugendschutz\u00bb gerade recht zu kommen. Doch aus Sicht der Suchtpr\u00e4vention reicht dieses Credo nicht aus. Denn die negativen Folgen von problematischem oder abh\u00e4ngigem Alkoholkonsum betreffen alle: junge und alte Konsumierende, Familien, die Gesellschaft und die Volkswirtschaft. Die Nationale Arbeitsgemeinschaft Suchtpolitik (NAS-CPA) verfolgt deshalb bei der Alkoholgesetzrevision vor allem ein Ziel: mehr Koh\u00e4renz.&#13;<\/p>\n<h2>Genuss- und Suchtmittel mit Folgen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAlkohol wird von der breiten Bev\u00f6lkerung als Genussmittel gesch\u00e4tzt, das zur schweizerischen Kultur geh\u00f6rt. Daneben ist Alkohol aber ebenso ein Suchtmittel, dessen Konsum sch\u00e4dliche Folgen f\u00fcr die Konsumierenden und f\u00fcr Dritte haben kann. Bei Jugendlichen tritt der problematische Konsum vor allem in Form des Rauschtrinkens auf. So werden im Schnitt t\u00e4glich sechs Jugendliche oder junge Erwachsene wegen Alkoholmissbrauchs ins Spital eingeliefert. Im Alter nimmt hingegen der chronische Konsum zu. Damit hat der problematische oder abh\u00e4ngige Alkoholkonsum negative Auswirkungen in verschiedenen Bereichen: Er bringt psychische, physische und finanzielle Belastungen f\u00fcr die Konsumierenden und ihr soziales Umfeld mit sich, verursacht volkswirtschaftliche Kosten, f\u00fchrt geh\u00e4uft zu Verkehrsunf\u00e4llen und kann die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung gef\u00e4hrden.&#13;<br \/>\nSteuergruppe Herausforderung Sucht (2010): Bericht und Leitbild Herausforderung Sucht. Bern: S. 79.&#13;<\/p>\n<h2>Volkswirtschaftliche Folgekosten im Fokus<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kosten des Alkoholmissbrauchs f\u00fcr die Gemeinschaft k\u00f6nnen auf j\u00e4hrlich rund 6,7 Mrd. Franken (Sch\u00e4tzung f\u00fcr das Jahr 2000, dies entspricht 1,7% des Bruttoinlandprodukts) beziffert werden. Sie setzen sich zusammen aus direkten Kosten (Kosten f\u00fcr das Gesundheitswesen, materielle Sch\u00e4den, Polizei und Justiz), indirekten Kosten (Verluste an Arbeitskraft durch Unf\u00e4lle, Krankheit, Invalidit\u00e4t und Todesf\u00e4lle) sowie immateriellen Kosten (Verlust an Lebensqualit\u00e4t).&#13;<br \/>\nJeanrenaud, Claude, Ga\u00eblle Widmer und Sonia Pellegrini (2005): Le co\u00fbt social de la consommation de drogues ill\u00e9gales en Suisse. Neuch\u00e2tel: S. 6. Aus volkswirtschaftlicher Sicht m\u00fcsste die Gesellschaft ein Interesse daran haben, diese Folgekosten zu reduzieren. Dies w\u00e4re \u00fcber h\u00f6here Preise f\u00fcr Alkohol m\u00f6glich. Da die Produzenten und Vertreiber alkoholischer Getr\u00e4nke jedoch kein Interesse daran haben, die sozialen Kosten zu \u00fcbernehmen, indem sie die Preise erh\u00f6hen (Problem der sogenannten externen Effekte), m\u00fcsste die Politik \u00fcber Steuern daf\u00fcr sorgen.&#13;<\/p>\n<h2>Alkoholpolitik \u2013 nur Koh\u00e4renz f\u00fchrt zum Erfolg<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie volkswirtschaftliche Rechnung macht deutlich: In der Alkoholpolitik geht es nicht nur um Eigenverantwortung, sondern auch um gesellschaftliche Verantwortung. Die Gesellschaft setzt \u00fcber die Politik die Rahmenbedingungen f\u00fcr den Konsum von Suchtmitteln und ist so mitverantwortlich f\u00fcr die Gesundheit aller. F\u00fcr die NAS-CPA ist das zentrale Kriterium f\u00fcr eine erfolgreiche Alkoholpolitik deren Koh\u00e4renz: Die politischen Entscheide m\u00fcssen mit den Erwartungen an die Individuen \u00fcbereinstimmen und d\u00fcrfen sich nicht gegenseitig widersprechen. Aus Sicht der NAS-CPA ist der vom Bundesrat geplante Ausbau des Jugendschutzes zu begr\u00fcssen; er macht aber noch keine koh\u00e4rente Politik aus.&#13;<br \/>\nVgl. zur Koh\u00e4renz der Alkoholpolitik das Grundlagenpapier der NAS-CPA (2010): Grundposition der NAS-CPA zur Alkoholpolitik. Wenn neben den sinnvollen Massnahmen \u2013 wie Alkoholtestk\u00e4ufen \u2013 gleichzeitig die Werbebeschr\u00e4nkungen f\u00fcr Spirituosen gelockert werden, wird ein widerspr\u00fcchliches Signal an die Jugend ausgesendet. Zudem kann Jugendschutz nicht effektiv sein, wenn der Bundesrat nichts gegen Billigalkohol unternehmen m\u00f6chte. Und Jugendschutz allein reicht nicht aus, weil der problematische Alkoholkonsum auch \u00e4ltere Bev\u00f6lkerungsschichten trifft, dessen Folgen nicht immer so sichtbar sind wie bei Botellones oder vandalierenden Jugendlichen.&#13;<br \/>\nBundesrat (2011): Medienmitteilung. Alkoholgesetz: Fokus auf Jugendschutz und Erh\u00e4ltlichkeit von Alkohol in der Nacht.Die NAS-CPA forderte deshalb bereits 2010 in der Vernehmlassung zur Alkoholgesetzrevision mehr Koh\u00e4renz durch st\u00e4rkere Werbebeschr\u00e4nkungen, die Eingrenzung der Erh\u00e4ltlichkeit von Alkohol und preisliche Massnahmen (z.B. Lenkungsabgabe).&#13;<br \/>\nNationale Arbeitsgemeinschaft Suchtpolitik (2010): Vernehmlassungsantwort Nationale Arbeitsgemeinschaft Suchtpolitik (NAS-CPA). Totalrevision Alkoholgesetz (AlkG). F\u00fcr diese und weitere Ziele \u2013 wie z.B. Alkoholtestk\u00e4ufe, Weitergabeverbot \u2013 wird sie sich auch in der parlamentarischen Diskussion der Gesetzesvorlage engagieren. Die NAS-CPA ist \u00fcberzeugt, dass eine koh\u00e4rentere Alkoholpolitik im Interesse aller Schweizerinnen und Schweizer ist.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jugendliche Rauschtrinker \u2013 Botellones \u2013 Vandalismus \u2013 Littering. 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