{"id":120054,"date":"2012-01-01T12:00:00","date_gmt":"2012-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/01\/henchoz-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:07","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:07","slug":"henchoz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/01\/henchoz\/","title":{"rendered":"Ist die Jugendverschuldung in der Schweiz h\u00f6her als jene der Erwachsenen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Verschuldung junger Menschen wird in der Schweiz als Hauptargument zur Einf\u00fchrung von Financial Education an der Schule ins Feld gef\u00fchrt. Allerdings fehlte es bisher an einer repr\u00e4sentativen Untersuchung auf nationaler Ebene, welche belegen w\u00fcrde, dass die Jugendverschuldung h\u00f6her ist als jene der Erwachsenen. Die Analyse des Schweizer Haushalt-Panels bietet zum ersten Mal ein repr\u00e4sentatives Bild zur wirtschaftlichen Situation der jungen Bev\u00f6lkerung. Auch wenn diese etwas schlechter ist, gehen die Jungen offenbar genau so verantwortungsvoll mit Geld um wie die \u00c4lteren und machen nicht mehr Schulden, als sie zu sparen verm\u00f6gen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201201_18_Henchoz_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"253\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Einf\u00fchrung von Financial Education an der Schule wird in der Schweiz&#13;<br \/>\nVgl. Dossier in Die Volkswirtschaft, 6-2011. \u2013 wie in der gesamten OECD&#13;<br \/>\nVgl. OECD (2005). \u2013 diskutiert. Hierzulande haben die Einzelpersonen wenig Spielraum bez\u00fcglich ihrer beruflichen Vorsorge und legen auch sonst ein Sparverhalten an den Tag. Financial Education an den Schulen h\u00e4tte also haupts\u00e4chlich pr\u00e4ventiven Charakter, um der Verschuldung der Haushalte \u2013 insbesondere der Jugendlichen \u2013 vorzubeugen.&#13;<br \/>\nVgl. Manz (2011)&#13;<\/p>\n<h2>Bisherige Forschungsergebnisse f\u00fcr die Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Mehrzahl der Studien, die in der Diskussion herangezogen werden, st\u00fctzen sich auf Projektionen oder auf Teilerhebungen. In einer Untersuchung von Intrum Justitia,&#13;<br \/>\nVgl. Intrum Justitia (2004). dem wichtigsten europ\u00e4ischen Dienstleister im Bereich Kreditverwaltung, wird die Vermutung ge\u00e4ussert, dass rund einer von zehn Haushalten und einer von vier Jugendlichen in der Schweiz verschuldet sei. Der Eintritt in eine Schuldenspirale zeichne sich fr\u00fchzeitig ab. So seien vier von f\u00fcnf verschuldeten Personen bereits im Alter von unter 25 Jahren in Schwierigkeiten geraten, und im Alter von 13\u201320 Jahren habe eine von drei Personen Schulden in der H\u00f6he von durchschnittlich 500 Franken. Die am h\u00e4ufigsten zitierte wissenschaftliche Untersuchung&#13;<br \/>\nVgl. Streuli (2007), Streuli et al. (2008). differenziert diese alarmierenden Mutmassungen. Basierend auf elektronischen Frageb\u00f6gen bei 500 jungen Deutschschweizern gelangt sie zum Schluss, dass rund ein Drittel der 18- bis 24-J\u00e4hrigen Schulden h\u00e4tten. In der Mehrzahl handle es sich um Betr\u00e4ge von einigen 100 Franken (durchschnittlich 300 Fr.). Die H\u00e4lfte davon sei bei den Eltern oder Freunden ausgelehnt worden. Wie sieht es nun f\u00fcr die Gesamtheit der in der Schweiz wohnhaften jungen Personen aus?&#13;<\/p>\n<h2>Erste repr\u00e4sentative Studie zur Jugendverschuldung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Frage, wie gross das Ausmass der Verschuldung der jungen Generation in der Schweiz ist, blieb bisher offen, da keine nationale Studie zu diesem Thema existierte.&#13;<br \/>\nVgl. Hieber, Probst und W\u00fcthrich (2011); Manz (2011).&#13;<\/p>\n<h2>Auswertung der Daten des Schweizer Haushalt-Panels<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm vorliegenden Artikel wird die wirtschaftliche Situation der jungen Bev\u00f6lkerung der Schweiz erstmals repr\u00e4sentativ statistisch analysiert. Die Untersuchung st\u00fctzt sich dabei auf die Daten des Schweizer Haushalt-Panels (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Das Schweizer Haushalt-Panel<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Das Schweizer Haushalt-Panel (<a href=\"http:\/\/www.swisspanel.ch\">http:\/\/www.swisspanel.ch<\/a>) wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert. Es handelt sich um eine multithematische Longitudinalerhebung, die von der Swiss Foundation for Research in Social Sciences (Fors) durchgef\u00fchrt wird. Im Rahmen der Erhebung werden seit 1999 jedes Jahr ausgew\u00e4hlte Haushaltsmitglieder ab 14 Jahren befragt. Seit 2004 werden zwei zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlte Stichproben von Haushalten in der Schweiz befragt. Auf diese Weise wurden 2010\/11 \u00fcber 7500 Einzelinterviews realisiert.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Die Analyse bezieht sich auf Personen, die in einem Haushalt leben, bei dem die \u00e4lteste Person h\u00f6chstens 25 Jahre alt ist (329 F\u00e4lle, siehe <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"c2\">Zusammensetzung der Stichprobe<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c3\">In der Analyse haben wir uns auf Haushalte konzentriert, deren \u00e4ltestes Mitglied h\u00f6chstens 25 Jahre alt ist. Da die Anzahl der F\u00e4lle jedes Jahr unter 100 liegt, wurden die F\u00e4lle \u00fcber 5 Jahre kumuliert (Welle 8\u201312 des Schweizer Haushalt-Panels, Jahre 2006-2010). Um die gleiche Person nicht mehrmals zu z\u00e4hlen, wurde jeweils nur die erste Befragung jeder Person ber\u00fccksichtigt. Diese Bedingungen erf\u00fcllten insgesamt 329 Personen. Ihre wirtschaftliche Lage wurde mit jener der 8025 Personen verglichen, die zum Befragungszeitpunkt (ebenfalls 2006\u20132010) \u00fcber 25-j\u00e4hrig waren. \u00dcberdies wurde innerhalb der Gruppe der Jungen die Situation der Frauen mit jener der M\u00e4nner verglichen. Das Vertrauensintervall von 95% einer anhand der gesamten Stichprobe der Jungen berechneten Proportion liegt bei rund \u00b15,5%. Aus der <i>Tabelle 1<\/i> l\u00e4sst sich somit beispielsweise ableiten, dass der Anteil der Jungen, deren Haushalt ein Auto besitzt, mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zwischen 50% und 62% liegt.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n). Um die Situation der Jungen zu beleuchten, wurde sie mit der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung verglichen (\u00fcber 26-J\u00e4hrige, 8025 F\u00e4lle). Aus methodischen Gr\u00fcnden wurden junge Personen, die bei ihren Eltern wohnen, nicht ber\u00fccksichtigt, da diese ein anderes wirtschaftliches Profil \u2013 insbesondere bez\u00fcglich der finanziellen Abh\u00e4ngigkeit und der Wohnautonomie aufweisen. Die Verschuldung wird auf Ebene der Haushalte gemessen; es war daher nicht m\u00f6glich, beim Vergleich mit der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung die individuelle Ebene zu untersuchen. Unterschieden wird zudem zwischen den Geschlechtern, denn einige Untersuchungen \u2013 so auch jene von Intrum Justitia \u2013 deuten darauf hin, dass junge Frauen mehr verschuldet sind.&#13;<\/p>\n<h2>Soziodemografische Merkmale der Jungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Mehrheit der Jungen unserer Stichprobe (Altersdurchschnitt 23 Jahre gegen\u00fcber 50 der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung) lebt alleine (42%) oder in einem Zweipersonenhaushalt (48%).&#13;<br \/>\nZu 62% handelt es sich dabei um Paare. Nur gerade 10% sind in Dreipersonenhaushalten oder mehr wohnhaft.&#13;<br \/>\nGegen\u00fcber 17% bzw.38% bzw. 45% f\u00fcr die restliche Bev\u00f6lkerung. Kinder sind eher selten (7% der Personen in Mehrpersonenhaushalten). Die Geschlechterverteilung bei den Jungen ebenso wie bei den \u00c4lteren ausgeglichen. Der Anteil der Schweizer Staatsangeh\u00f6rigen ist bei den J\u00fcngeren mit 83% etwas h\u00f6her als bei der restlichen Bev\u00f6lkerung (77%).Die Jungen sind zu 66% berufst\u00e4tig; etwas mehr als der H\u00e4lfte davon arbeitet Vollzeit (55%). Die restlichen befinden sich mehrheitlich in Berufsausbildung (28%).&#13;<br \/>\n65% der restlichen Bev\u00f6lkerung ist berufst\u00e4tig, davon 40% Vollzeit. 1% befindet sich in Ausbildung. Das Bildungsniveau entspricht ungef\u00e4hr demjenigen der restlichen Bev\u00f6lkerung.Bei den Jungen sind wenig Unterschiede zwischen Frauen und M\u00e4nnern auszumachen. Frauen arbeiten aber vermehrt Teilzeit (15% gegen\u00fcber 6% bei den M\u00e4nnern), und entsprechend ist der Anteil Vollzeit arbeitender geringer (46% gegen\u00fcber 65%). Bei jungen Frauen liegt das Bildungsniveau etwas h\u00f6her, verf\u00fcgen doch 44% der jungen Frauen \u00fcber einen gymnasialen oder universit\u00e4ren Abschluss, gegen\u00fcber 30% bei den jungen M\u00e4nnern. Die jungen M\u00e4nner haben hingegen h\u00e4ufiger einen Lehrabschluss (49% gegen\u00fcber 41%) oder verf\u00fcgen \u00fcber gar keine nachobligatorische Ausbildung (21% gegen\u00fcber 15%).&#13;<\/p>\n<h2>Die finanzielle Lage der Jungen ist etwas schlechter<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie finanzielle Lage der Jungen ist etwas schlechter als diejenige der restlichen Bev\u00f6lkerung. So liegt deren Einkommen (auf Stufe Haushalt und Individuum) um 30%\u201340% tiefer. Die diesbez\u00fcglich am besten vergleichbare Kennzahl ist das Haushalt\u00e4quivalenzeinkommen (standardisiert und gewichtet nach Haushaltgr\u00f6sse, gem\u00e4ss den Kriterien der Skos oder der OECD): Es liegt um 22%\u201323% unter demjenigen der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung. Das Einkommen der jungen Frauen ist leicht geringer als dasjenige der M\u00e4nner; generell sind aber kaum klare Unterschiede zwischen den beiden Gruppen auszumachen sind. Das Armutsrisiko&#13;<br \/>\nDas Armutsrisiko ist bei 60% des OECD-Median\u00e4quivalenzeinkommens veranschlagt. bei den Jungen ist mit 26% etwas erh\u00f6ht gegen\u00fcber der restlichen Bev\u00f6lkerung mit 16% (keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern). Ein weiterer Indikator ist das Minimaleinkommen, d.h. das Einkommen, das von den Befragten als gerade genug zum Leben angegeben wird. Es wird von den Jungen um 37% tiefer veranschlagt als vom Rest der Bev\u00f6lkerung.Etwa jede dritte junge Person (31% gegen\u00fcber 7% f\u00fcr die restliche Bev\u00f6lkerung) erh\u00e4lt jedoch finanzielle Unterst\u00fctzung&#13;<br \/>\nDer durchschnittliche j\u00e4hrliche Betrag dieser Hilfe f\u00fcr die Jungen liegt bei 6966 Franken. von Personen ausserhalb des Haushalts. Wahrscheinlich kommt die Unterst\u00fctzung zur Mehrzahl von den Eltern. Junge Frauen werden h\u00e4ufiger unterst\u00fctzt als junge M\u00e4nner (44% gegen\u00fcber 22%), dies zweifellos aufgrund der ihrer prek\u00e4reren finanziellen Lage. Zudem erhalten mit 7% deutlich mehr Junge Stipendien als die restliche Bev\u00f6lkerung (1%).&#13;<br \/>\nDer durchschnittliche j\u00e4hrliche Betrag der Stipendien f\u00fcr die Jungen liegt bei 5128 Franken.&#13;<\/p>\n<h2>Weniger G\u00fcter und Dienstleistungen, aber dennoch mit Ersparnissen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund ihres kleineren Einkommens verzichten die Jungen \u00f6fter auf ein Auto (zu 44%) oder eine 3. S\u00e4ule (zu 70%), als dies beim Rest der Bev\u00f6lkerung der Fall ist (13% bzw. 35%). Ihre Wohnungen sind etwas kleiner (durchschnittlich 3 Zimmer gegen\u00fcber 4,5 Zimmern) und billiger (durchschnittlich 1175 Fr.\/Monat gegen\u00fcber 1593 Fr.\/Monat). Unterschiede sind im Konsumverhalten festzustellen. So verzichten die Jungen zwar auf gewisse G\u00fcter, sind aber h\u00e4ufiger im Restaurant anzutreffen: 70% geben an, mindestens einmal pro Monat ins Restaurant zu gehen, gegen\u00fcber 57% der restlichen Bev\u00f6lkerung. Keine Unterschiede festzustellen sind bez\u00fcglich des Grundbedarfs (in beiden Gruppen gehen beispielsweise 2%\u20133% nicht zum Zahnarzt) oder bez\u00fcglich des Sparverhaltens. So geben 59% der Jungen an, pro Monat mindestens 400 Franken sparen zu k\u00f6nnen, was keinen statistisch signifikanten Unterschied zum Rest der Bev\u00f6lkerung (64%) darstellt.Innerhalb der Gruppe der Jungen sind wenig Unterschiede zwischen Frauen und M\u00e4nnern auszumachen. Einzig bei der 3. S\u00e4ule ist der Anteil der Frauen mit 24% etwas tiefer als derjenige der M\u00e4nner (36%), wohl auch als Folge ihres geringeren Einkommens.&#13;<\/p>\n<h2>Die Jungen sind mit ihrer wirtschaftlichen Lage weniger zufrieden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie prek\u00e4rere wirtschaftliche Situation der Jungen hat Auswirkungen auf ihr Zufriedenheitsgef\u00fchl. Es liegt auf einer Skala von 1 bis 10 mit 6,2 f\u00fcr die individuelle Zufriedenheit und 6,7 f\u00fcr die Zufriedenheit des Haushalts unter den entsprechenden Werten der restlichen Bev\u00f6lkerung (7,1 bzw. 7,3). Die Jungen beurteilen ihre Lage auch als leicht schwieriger zu handhaben als die \u00e4ltere Bev\u00f6lkerung (7 gg\u00fc. 7,3). Es sind keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern festzustellen.&#13;<\/p>\n<h2>Mehr Zahlungsr\u00fcckst\u00e4nde bei den Jungen, aber nicht mehr Verschuldung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZahlungsr\u00fcckst\u00e4nde kommen bei den Jungen mit 16% etwas h\u00e4ufiger vor als bei der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung (10%), wobei die Frequenz bei beiden Gruppen in etwa gleich ist. Bez\u00fcglich der Anzahl Haushalte, die monatliche Raten f\u00fcr Kredite, Leasing oder Darlehen (ohne Hypotheken&#13;<br \/>\nHypothekarschulden wurden nicht ber\u00fccksichtigt, da die Analyse auf die Konsumschulden fokussiert ist.) zu bezahlen haben, gibt es keine Unterschiede; der Anteil bewegt sich zwischen 15% und 16%. Der Grund f\u00fcr diese Schulden ist in beiden Gruppen identisch: in 81% der F\u00e4lle ist es die Finanzierung gr\u00f6sserer Anschaffungen, wie z.B. eines Autos. Die Raten bewegen sich ebenfalls in der gleichen Gr\u00f6ssenordnung (durchschnittlich 500\u2013600 Franken pro Monat).Die Verschuldung der Jungen ist aber weniger chronisch als beim Rest der Bev\u00f6lkerung, liegt doch die durchschnittliche vertragliche Zahlungsdauer bei 8 gegen\u00fcber 11 Monaten. Zudem liegt die j\u00e4hrliche Summe mit 4000 Franken unter derjenigen der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung (7000 Franken). Die finanzielle Belastung ist also in etwa gleich gross, da die Einkommen der Jungen generell tiefer sind.&#13;<\/p>\n<h2>Bei Schwierigkeiten schr\u00e4nken sich die Jungen lieber ein oder wenden sich an ihr Umfeld<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Fall von finanziellen Schwierigkeiten reagieren die j\u00fcngeren Haushalte etwa gleich wie die \u00e4lteren. Allerdings geben sie an, sich h\u00e4ufiger an nahestehende Personen zu wenden: 44% der Jungen leihen sich bei den Eltern oder Freunden Geld aus, gegen\u00fcber 27% der restlichen Bev\u00f6lkerung. Das trifft besonders auf junge M\u00e4nner zu (55% gegen\u00fcber 37% bei den Frauen). Junge Frauen schr\u00e4nken sich eher ein (90% gegen\u00fcber 59% bei den M\u00e4nnern). Nur 2% der Jungen nehmen jedoch einen Bankkredit auf, gegen\u00fcber 12% bei der restlichen Bev\u00f6lkerung.&#13;<\/p>\n<h2>Welche Jungen sind verschuldet?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnabh\u00e4ngig vom Alter betrifft die Verschuldung (Kredite, Leasing, Darlehen) besonders folgende Kategorien: ausl\u00e4ndische Personen (25% gegen\u00fcber 14%), Personen ohne Armutsrisiko (17% gegen\u00fcber 11%), Vollzeit Arbeitende (21% gegen\u00fcber 11%) und in Zweipersonenhaushalten Lebende (17% gegen\u00fcber 10%). Bezogen auf junge Verschuldete vermindert die geringe Anzahl von 51 F\u00e4llen die analytischen M\u00f6glichkeiten. Es findet sich jedoch ein \u00e4hnliches Profil wie dasjenige der Gesamtbev\u00f6lkerung. Der Umstand, in einem Zweipersonenhaushalt zu leben (24% gegen\u00fcber 10%), Vollzeit zu arbeiten (23% gegen\u00fcber 7%) oder nicht einem Armutsrisiko ausgesetzt zu sein (20% gegen\u00fcber 5%), erh\u00f6ht das Verschuldungsrisiko stark. Zwischen den Geschlechtern sind keine statistisch signifikanten Unterschiede auszumachen. Entgegen der intuitiven Vermutung sind es also nicht die Personen mit den prek\u00e4rsten finanziellen Verh\u00e4ltnissen, die sich verschulden, sondern jene, welche auch die Mittel haben, um die Schulden zur\u00fcckzahlen zu k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Nutzen und Grenzen einer Analyse des Schweizer Haushalt-Panels<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vorliegende Untersuchung st\u00fctzt sich auf eine repr\u00e4sentative Stichprobe der Schweizer Bev\u00f6lkerung. Dank des Schweizer Haushalt-Panels konnten wir die wirtschaftliche Situation der Haushalte analysieren, in denen die \u00e4lteste Person h\u00f6chstens 25 Jahre alt ist. Die Aussagekraft der Resultate ist insofern eingeschr\u00e4nkt, als sie nicht die gesamte junge Bev\u00f6lkerung abdecken. Vor allem die bei den Eltern wohnhaften Jungen wurden nicht erfasst. Die Verschuldung wird mit den regelm\u00e4ssigen Ratenzahlungen gemessen und ber\u00fccksichtigt somit die gelegentlichen Darlehen bei Familienangeh\u00f6rigen oder Freunden nicht. Auffallend ist die grosse Solidarit\u00e4t des Freundeskreises, denn beinahe eine von drei Personen bekommt Hilfe von ausserhalb der Familie. Wir konnten allerdings nicht feststellen, ob die Hilfe in Form von Darlehen oder Schenkungen geleistet wird. Anzuf\u00fcgen ist, dass sich die Untersuchung auf die Aussagen der Befragten st\u00fctzt, welche dem so genannten <i>Social-Desirability-Effekt<\/i> unterworfen sein k\u00f6nnen, d.h. der Tendenz, sich bei der Befragung im besten Licht pr\u00e4sentieren zu wollen. Allerdings besteht kein Grund zur Annahme, dass dieser Effekt ausgepr\u00e4gter ist als bei der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung. Der Vergleich zwischen der jungen und der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung ist somit als sinnvoll zu betrachten, insbesondere da mit der Untersuchung gewisse Vorurteile ausger\u00e4umt und alarmierende Vermutungen bez\u00fcglich des wirtschaftlichen Verhaltens der Schweizer Jungend korrigiert werden k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Junge verhalten sich wirtschaftlich verantwortlich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAusser einigen auf das tiefere Einkommen junger Frauen zur\u00fcckzuf\u00fchrende Differenzen sind keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Geschlechtern festzustellen. Trotz ihrer finanziell bescheideneren Verh\u00e4ltnisse sind die Jungen offenbar nicht st\u00e4rker verschuldet als die \u00c4lteren. Entgegen dem konsumw\u00fctigen Image, das ihnen manchmal angelastet wird, schr\u00e4nken sich die Jungen mehr oder weniger freiwillig ein oder suchen Hilfe in ihrem Umfeld, anstatt Kleinkredite aufzunehmen. Die eingangs erw\u00e4hnten alarmierenden Mutmassungen m\u00fcssen also revidiert werden. Auch wenn die Jungen einen anderen Konsumstil \u2013 vor allem bez\u00fcglich der Restaurantbesuche und dem Autobesitz \u2013 pflegen, erweisen sie sich als ebenso f\u00e4hig wie die \u00e4ltere Bev\u00f6lkerung, ihre finanziellen Verpflichtungen zu erf\u00fcllen, und verm\u00f6gen auch zu sparen. Nur wenige t\u00e4tigen ihre Anschaffungen auf Kredit, und wenn, dann sind es in der Regel Berufst\u00e4tige mit einem gen\u00fcgend hohen Einkommen, um die R\u00fcckzahlung leisten zu k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Braucht es Financial Education an der Schule?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas sich aus der vorliegenden Untersuchung ergebende Gesamtbild zeigt, dass die Jungen ausreichende finanzielle Kompetenzen erworben zu haben scheinen, um mit ihren Eink\u00fcnften und Ausgaben ad\u00e4quat umgehen zu k\u00f6nnen. Dieser Befund stellt aber nicht grunds\u00e4tzlich die Notwendigkeit von Financial Education an der Schule infrage. Denn der Umstand, dass sich die Jugendlichen ihre finanziellen Kompetenzen ausserhalb der Schule aneignen, zeigt, dass sie diesem Thema gegen\u00fcber nicht gleichg\u00fcltig sind. Ausserdem sind die Vorstellungen bez\u00fcglich Umgang mit Geld je nach Milieu sehr unterschiedlich. Die Schule k\u00f6nnte also die Chancengleichheit f\u00fcr den Erwerb von finanziellen Kompetenzen gew\u00e4hrleisten. Ausserdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass einige junge Menschen in finanziellen Schwierigkeiten stecken, und dass man so gut wie nichts \u00fcber diesen Personenkreis weiss. Um gezielte unterst\u00fctzende Massnahmen anbieten zu k\u00f6nnen, sollte diese Gruppe unbedingt genauer untersucht werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abIndikatoren zu Einkommen und Lebensstandard: Vergleich zwischen jungen Personen und der restlichen Bev\u00f6lkerung sowie zwischen jungen Frauen und jungen M\u00e4nnern\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Das Schweizer Haushalt-Panel&#13;<\/p>\n<h3>Das Schweizer Haushalt-Panel<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Schweizer Haushalt-Panel <i>(<a href=\"http:\/\/www.swisspanel.ch\">http:\/\/www.swisspanel.ch<\/a>)<\/i> wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert. Es handelt sich um eine multithematische Longitudinalerhebung, die von der Swiss Foundation for Research in Social Sciences (Fors) durchgef\u00fchrt wird. Im Rahmen der Erhebung werden seit 1999 jedes Jahr ausgew\u00e4hlte Haushaltsmitglieder ab 14 Jahren befragt. Seit 2004 werden zwei zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlte Stichproben von Haushalten in der Schweiz befragt. Auf diese Weise wurden 2010\/11 \u00fcber 7500 Einzelinterviews realisiert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Zusammensetzung der Stichprobe&#13;<\/p>\n<h3>Zusammensetzung der Stichprobe<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Analyse haben wir uns auf Haushalte konzentriert, deren \u00e4ltestes Mitglied h\u00f6chstens 25 Jahre alt ist. Da die Anzahl der F\u00e4lle jedes Jahr unter 100 liegt, wurden die F\u00e4lle \u00fcber 5 Jahre kumuliert (Welle 8\u201312 des Schweizer Haushalt-Panels, Jahre 2006-2010). Um die gleiche Person nicht mehrmals zu z\u00e4hlen, wurde jeweils nur die erste Befragung jeder Person ber\u00fccksichtigt. Diese Bedingungen erf\u00fcllten insgesamt 329 Personen. Ihre wirtschaftliche Lage wurde mit jener der 8025 Personen verglichen, die zum Befragungszeitpunkt (ebenfalls 2006\u20132010) \u00fcber 25-j\u00e4hrig waren. \u00dcberdies wurde innerhalb der Gruppe der Jungen die Situation der Frauen mit jener der M\u00e4nner verglichen. Das Vertrauensintervall von 95% einer anhand der gesamten Stichprobe der Jungen berechneten Proportion liegt bei rund \u00b15,5%. Aus der <i>Tabelle 1<\/i> l\u00e4sst sich somit beispielsweise ableiten, dass der Anteil der Jungen, deren Haushalt ein Auto besitzt, mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zwischen 50% und 62% liegt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Hieber A., Probst B. und W\u00fcthrich S., Finanzielle Allgemeinbildung an den Schweizer Schulen: Braucht es eine nationale Strategie?, in: Die Volkswirtschaft, 6-2011, S. 61\u201365.\u2212 Intrum Justitia, Endettement chez les jeunes, 2004. Internet: <i><a href=\"http:\/\/www.my-money.ch\/cms.cfm\/s_page\/68670\/mItem\/200780\">http:\/\/www.my-money.ch\/cms.cfm\/s_page\/68670\/mItem\/200780<\/a>.<\/i>\u2212 Manz M., Financial Education \u2013 Rolle und internationale Entwicklungen, In: Die Volkswirtschaft, 6-2011, S. 57\u201360.\u2212 OECD, Improving Financial Literacy: Analysis of Issues and Politics, 2005.\u2212 Streuli E., Verschuldung junger Erwachsener \u2013 Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse, Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule f\u00fcr Soziale Arbeit. Basel, 2007.\u2212 Streuli E., Steiner O., Mattes C. und Shenton F., Eigenes Geld und fremdes Geld \u2013 Jugendliche zwischen finanzieller Abh\u00e4ngigkeit und M\u00fcndigkeit. Basel, 2008, Gesowip.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verschuldung junger Menschen wird in der Schweiz als Hauptargument zur Einf\u00fchrung von Financial Education an der Schule ins Feld gef\u00fchrt. Allerdings fehlte es bisher an einer repr\u00e4sentativen Untersuchung auf nationaler Ebene, welche belegen w\u00fcrde, dass die Jugendverschuldung h\u00f6her ist als jene der Erwachsenen. Die Analyse des Schweizer Haushalt-Panels bietet zum ersten Mal ein repr\u00e4sentatives [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3705,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[154],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3705,"seco_co_author":[3706,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Assistenzprofessorin f\u00fcr Soziale Arbeit an der Fachhochschule Westschweiz Wallis; Lehrbeauftragte und Forscherin an der Universit\u00e4t Freiburg","seco_author_post_occupation_fr":"Professeure assistante en travail social \u00e0 la Haute \u00e9cole sp\u00e9cialis\u00e9e de Suisse occidentale (HES-SO) Valais, ma\u00eetre d\u2019enseignement et de recherche en sociologie \u00e0 l\u2019universit\u00e9 de Fribourg","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":3706,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Leiter der Abteilung Umfragen, Schweizer Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften (Fors), Professor an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Sozial- und Politikwissenschaften, Universit\u00e4t Lausanne","seco_co_author_post_occupation_fr":"Chef des enqu\u00eates au centre de comp\u00e9tences suisse en sciences sociales (Fors), professeur titulaire \u00e0 la Facult\u00e9 des sciences sociales et politiques de l\u2019universit\u00e9 de Lausanne"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":120057,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"7749","post_abstract":"","magazine_issue":"20120101","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54db549fe8147"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120054"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3705"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=120054"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120054\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127472,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120054\/revisions\/127472"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3706"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3705"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=120054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=120054"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=120054"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=120054"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=120054"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=120054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}